Am 22.07.2008 auf dem WDR:
Suche nach der richtigen Krebstherapie.
Trotz vielfältiger und teilweise erfolgreicher Behandlungsmöglichkeiten hat die Krebserkrankung bisher nicht an Schrecken verloren. Sie ist weiterhin die Angstkrankheit schlechthin. Es gibt eindrucksvolle therapeutische Erfolge – doch ein wirklicher Durchbruch ist nicht in Sicht. Dennoch gibt es für jeden einzelnen Krebskranken Hilfe – auch dann, wenn die Situation ausweglos erscheint. Auch bei fortgeschrittenen Krankheitsbildern kann die Lebensqualität verbessert werden. Dabei reicht die örtliche Therapie des Krebsgeschehens oft nicht aus.
Ich verstehe verzweifelte Menschen, die nach jedem Strohhalm greifen, der ihnen angeboten wird. Ich verstehe Journalisten, die den Steinerjüngern auf den Leim gehen, nicht.
Wie ferngesteuert landen die jedesmal in Witten-Herdecke, wenn es um unbehandelbare Krankheiten geht. So auch hier:
Mistelextrakte sind der Klassiker. Sie sollen das Immunsystem stärken. Doch die Angebote reichen noch viel weiter: vom Gang zum Geistheiler, über Magnetfeldtherapien, Krebsdiäten, Tai Chi, autogenem Training, Heilkristallen bis zur Thermotherapie nach Ardenne.
…
Das Gemeinschaftskrankenhaus in Witten-Herdecke – die letzte Station der Suche – ist eines der ganz wenigen in Deutschland, das Krebspatienten ein integriertes Angebot macht und sie von aufreibenden eigenen Recherchen befreit – und das mit sehr großem Erfolg.
Die großen Erfolge möchte ich sehen. Einzelne haben Glück und ihre glücklichen Schicksale werden zu Erfolgen der Paramedizin hochstilisiert. Das ist falsch, da andere Verzweifelte in einer ähnlichen Lage sagen werden: “Dann klappt das bei mir auch.” .
Genau das ist der springende Punkt. Diese Scheinerfolge sind nicht wiederholbar. Darauf wird auch an einer Stelle kurz hingewiesen, allerdings versteht das nicht jeder:
“All diesen Angeboten ist gemeinsam, dass ihre klinische Wirksamkeit nicht oder nicht ausreichend belegt ist..
Dieser kleine Satz bedeutet, dass diese Therapiemaßnahmen nicht funktionieren. Sie sind Betrug am todkranken Patienten. Durch diese Sendung werden sicher wieder Menschen, denen man durch eine wirksame Therapie helfen könnte, dazu gebracht, ihr Glück auf dem unübersichtlichen und riesigen Markt der Quacksalberei zu suchen. Die Gefahr, dass sie auf dieser Suche Zeit vergeuden, ist real.
Dass die gesamte anthroposophische Medizin auf Hirngespinsten des durchgeknallten Gurus Rudolf Steiner beruht, sollten ausgebildete Journalisten schon nach kurzer Recherche herausbekommen. Für den “Meister” war ein schmerzhafter Krebstod, einer arhimanischen Heilung, die für die Seele die spätere Wiedergeburt unmöglich machen würde, vorzuziehen.
GA 218/8/35
„Denn nehmen Sie einmal an, es gelingt den ahrimanischen Mächten, im menschlichen
physischen Körper einen Sieg zu erringen … dann verfällt der Mensch durch diesen Sieg
der ahrimanischen Mächte in solche Erkrankungen, wie Geschwulstbildungen, Karzinombildungen
oder Stoffwechselkrankheiten, wie Diabetes, Zuckerkrankheit.“
GA 218/8/36
„Wenn irgendwo in einer physischen Menschennatur diese Krankheiten auftreten, dann
hat Ahriman gegen Luzifer einen Sieg errungen, der aber damit verknüpft ist, daß die
physische Natur des Menschen zeitweilig ruiniert ist. Dann taugt diese physische Natur
dem Ahriman nicht dazu, die Instinkte, Triebe herauszureißen und sein eigenes Geschlecht
daraus zu bilden. Daraus bekommen Sie eine vielleicht paradoxe, aber richtige Ansicht von
der Krankheit. Sie ist in vielen Fällen das einzige Mittel der guten Mächte, den Menschen
vor den Fängen von Ahriman zu retten.“
Konsequenterweise ist die Misteltherapie eine absolut wirkungslose Scheinbehandlung auf der Basis der absolut wirkungslosen Homöopathie und magischem Analogiedenken (die Mistelpflanze wächst geschwürartig als Parasit am befallenen Baum).
Für Anthroposophen ist das kein Problem, Hauptsache die Seele wird gerettet. Den Patienten erzählt das natürlich keiner.
Wieso sich Menschen gerade in solch lebensgefährlicher Situation in die Hände dieser Karmabewahrer begeben sollten, wird mir ein ewiges Mysterium sein.
Das Geschäft mit der Angst vor dem Tod ist ein mieses Geschäft. Patienten haben Anspruch auf überprüfbare Behandlungen. Warum wird im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so unverschämt und dreist für Voodoo-Methoden Werbung gemacht? Die Zuschauer sind noch nicht völlig verblödet-aber man arbeitet dran.
(Und der kleine verschämte Link zur quackwatch.org ist auch nur ein Feigenblatt der Internetredaktion. Dort hätten sie mal recherchieren sollen. Die heiße Luft wäre in Nullkommanichts aus dem Beitrag gewichen.)
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