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Archiv für August, 2009

Links schützt anscheinend doch vor bestimmten Eso-Spielarten

25. August 2009 19 Kommentare

Die “Junge Welt”, nicht so bekloppt, wie die Taz mit der Anthrobeilage, sondern ziemlich gut:
»Faschismus 2.0«: Rechte Verschwörungstheoretiker strömen in die ­»sozialen Netzwerke« im Internet
Von Henning Böke

Dank an rtfm für den Tipp.

Geil!

25. August 2009 Keine Kommentare

Nur ganz kurz: WHO warnt vor Behandlung mit homöopathischen Medikamenten – FAZ warnt vor Tolzin

21. August 2009 15 Kommentare

BBC: WHO warns against homeopathy use
Dank an “Diax´s rake”: Erfolg für junge Forscher: WHO warnt vor Homöopathie gegen HIV, Malaria etc.

Und diesen Artikel haben wir auch sehr gern gelesen:

Tolzin ist derzeit ein gefragter Mann. Sogar im „Morgenmagazin“ der ARD durfte der Impfgegner gegen die Schweinegrippe-Impfung zu Feld ziehen. Als „Experte“ griff er unter anderen einen so namhaften Wissenschaftler wie den Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer, an. Tolzin nutzt die ihm gebotenen Foren gern, die Moderatoren der ARD-Sendung widersprachen seinen medizinisch unhaltbaren Behauptungen nicht einmal.

Die Schweinegrippe-Verschwörung
Von Peter-Philipp Schmitt

Grandts kranke Affenfleischphantasien

20. August 2009 8 Kommentare

Heute hat unser Liebling unter den Verschwörungsjournalisten – Michael Grandt – wieder gezeigt, was er kann: Keine Ahnung haben und dabei die Backen ganz dick aufblasen. Seriöse Verlage hätten solche journalistischen Versager längst gefeuert, aber die Kundschaft des Kopp-Verlags saugt seine Horrorlügengeschichten scheinbar begierig auf.

Das neueste Machwerk des Starjournalisten handelt von der Impfstoffherstellung gegen die Schweinegrippe H1N1. Vermutlich weil er unfähig ist selbst zu recherchieren, greift er auf eine englischsprachige Quelle zurück, der man mit etwas Sachverstand sofort ansehen kann, dass darin außer dummem Verschwörungsgeblubber nix Sinnhaftes enthalten ist.
Doch Grandt übernimmt den Inhalt unreflektiert. So wird behauptet, der Bevölkerung werde verschwiegen, dass der Schweinegrippe-Impfstoff aus erkrankten Affennieren hergestellt werde. So würden Westliche Grünmeerkatzen (African Green Monkeys) gezielt mit Viren krank gemacht, getötet und dann die kranken Nieren direkt für die Impfstoffherstellung benutzt. Dies würde in einer “unmenschlichen Umgebung, in einer grausamen Fleischfabrik” geschehen. Als Beweis muss ein Patent aus dem Jahr 1997 herhalten. Das Patent scheint er nicht gelesen zu haben, denn darin geht es nicht um die Herstellung von kranken Affennieren zur Impfstoffproduktion, sondern um eine Methode zur Gewinnung neuer Stammzelllinien, die natürlich auch zur Impfstoffproduktion benutzt werden können. Doch das, was Grandt hier als Beleg für seine kranken Affenfleischphantasien bringt, hat für die aktuelle Grippeimpfstoffproduktion nicht die geringste Relevanz, zeigt aber eindeutig, dass Grandt fachlich keine Ahnung hat.

Die Schweinegrippe wird durch das H1N1-Grippevirus hervorgerufen. Wie alle Viren hat auch das Grippevirus keinen eigenen Stoffwechsel und ist zur Vermehrung immer auf eine Wirtszelle angewiesen, deren Stoffwechsel dann auf Virenproduktion umgestellt wird. Bakterien können sich hingegen – bei genügend Nahrung – selbst vermehren, da diese einen eigenen Stoffwechsel besitzen.

Damit das Immunsystem des Menschen einen Schutz gegen die Schweinegrippe aufbauen kann, muss man Teile des Schweinegrippevirus mit Hilfe einer Impfung spritzen. Das Immunsystem bekommt so einen Steckbrief des Virus und kann dann im Ernstfall sehr viel schneller das echte Grippevirus bekämpfen. Im Idealfall macht ein geimpfter Mensch die Schweinegrippe durch, ohne es zu bemerken. Wie oben beschrieben, kann man Viren nicht einfach in eine Nährlösung kippen und warten, dass sich diese vermehren. Man braucht Zellen, die vom Impfvirus infiziert werden und die dann das Impfvirus vermehren. Klassisch geschieht dies beim Grippeimpfstoff mit Hilfe von bebrüteten Hühnereiern. Der Nachteil ist, dass man zum einen sehr viele Hühnereier benötigt und dass im Impfstoff trotz starker Reinigung noch Spuren von Hühnereiweiß verbleiben können, welches bei allergischen Personen Probleme machen kann. Modernere Impfstoffe benutzen für die Virusvermehrung Zellen aus potentiell unsterblichen Zelllinien. Die Zellen dieser Zelllinien können nahezu beliebig vermehrt werden und sie stammen ursprünglich von einem Spenderorganismus. Es müssen also für die laufende Impfstoffproduktion keine neuen Tiere gezüchtet und getötet werden, sondern es werden nur die Zellen selbst vermehrt. Bei den Impfstoffen gegen die H1N1 Grippe werden aktuell zwei Zelllinien benutzt. Influenzaviren für den H1N1-Impfstoff Optaflu von Novartis werden auf Hundenierenzellen gezüchtet. Baxter benutzt für seinen Impftsoff CELVAPAN die Verocell-Linie, mit deren Hilfe auch schon lange inaktivierte Polioimpfstoffe hergestellt werden. Die Verocell-Linie geht auf Nierenzellen einer einzigen Westlichen Grünmeerkatze (African Green Monkey) zurück. Diese Zelllinie existiert bereits seit 1952 und ist somit sogar ein Jahr älter als Verschwörungsschreiberling Michael Grandt.

So, diese Informationen kann ein seriöser Journalist mit etwas Grundwissen innerhalb kurzer Zeit im Internet zusammentragen. Nix ist geheim, nix wird verschwiegen.

Grandt abschließend zu seinen Phantasien:
“Das ist einmal mehr der Beweis, wie scheinheilig das ganze Schweinegrippe-»Affentheater« in der Öffentlichkeit lanciert und dargestellt wird.”
Für uns mal wieder ein Beweis für die Inkompetenz des Michael Grandt.

BTW: Die journalistischen Qualitäten von Michael Grandt scheinen bereits auch anderen aufgefallen zu sein; so sieht die Lügenboldmaske eines Onlineversenders aus, als wäre sie Grandt aus dem Gesicht geschnitten. Ein Zufall?

Warum wir Wissenschaft brauchen: “Ich habs mit eigenen Augen gesehen” Ist Nicht Genug

19. August 2009 16 Kommentare

Ein Gastbeitrag von Harriet Hall (Übersetzung Thomas Xavier)
(Link zum Originalartikel bei SBM: Why We Need Science: “I saw it with my own eyes” Is Not Enough)

Ich habe kürzlich einen Artikel für eine Gemeindezeitung geschrieben, der versucht, wissenschaftlich nicht vorgebildeten Lesern zu erklären, warum Einzelfälle keine Beweise sind; unglücklicherweise wurde er nicht gedruckt. Ich überlegte, ihn in meinem Blog zu verwenden, aber ich dachte er wäre zu elementar für dieses Publikum. Ich habe meine Meinung geändert und bringe ihn im Folgenden (Entschuldigung an die Mehrheit unserer Leser), denn mir scheint, ein paar Leser haben immer noch nicht mitgekriegt, warum wir exakte Wissenschaft brauchen, um Behauptungen zu überprüfen. Leute, Menschen können sich täuschen. Alle Menschen. Das beinhaltet mich und dich. Richard Feynman hat gesagt:

“Der erste Grundsatz ist, Du darfst dir selber nichts vormachen – und Du bist derjenige, der sich am leichtesten was vormacht.”

Die Wissenschaft ist die einzige Methode, die Fehler zu korrigieren, die durch unsere Wahrnehmung und Zuordnung entstehen. Es ist der einzige Weg sicherzustellen, dass wir uns nichts vormachen. Entweder hat die Wissenschaftsmedizin ihre Aufgabe nicht gut gemacht, diese lebenswichtigen Fakten zu erklären, oder einige unserer Leser sind nicht willens oder unfähig unsere Erklärungen zu verstehen.

Unsere Kommentatoren schreiben häufig anekdotische Berichte, dass eine bestimmte alternative Methode “bei mir wirklich wirkt”. Sie verstehen nicht, dass sie keinen Grund haben zu behaupten: es “wirkt”. Alles was sie behaupten können ist, dass sie nach der Behandlung eine Besserung beobachtet haben. Das kann eine echte Wirkung anzeigen, aber auch eine ungenaue Beobachtung oder einen “post hoc ergo propter hoc” Fehler, die falsche Annahme, dass eine zeitliche Korrelation einen Kausalzusammenhang bedingt. Solche Beobachtungen sind immer nur ein Ausgangspunkt: Wir müssen Wissenschaft betreiben, um herauszufinden, was die Beobachtungen bedeuten.

Letzte Woche hat ein Kommentator die bisher schlechteste Anekdote beschrieben:

“Ich habe aus erster Hand erfahren, wie das Leben durch den Körper strömt, wenn (bei der Chirotherapie) die Subluxation entfernt wird.”

Was soll das bedeuten? Erwartet er, dass irgendjemand das glaubt, nur weil er es sagt? Würde er mir glauben, wenn ich sagte, ich hätte den unsichtbaren Drachen in Carl Sagans Garage gesehen?

Ein anderer Kommentator schreibt

“Diese pro-EBM Kommentatoren hier scheinen zu glauben, dass sogar wenn sie was mit eigenen Augen sehen, sie es nicht glauben können, wenn es keine doppelt verblindeten, ordentlich publizierten Studien gibt die beweisen, dass das was sie gesehen haben wirklich passiert ist.”

Nun, ja, das ist ziemlich genau das, was wir denken und wir sind entsetzt, dass Du es noch nicht verstanden hast, denn es ist der Grund, warum wir Wissenschaft betreiben müssen. Ich würde es aber anders ausdrücken: “Etwas mit eigenen Augen sehen bedeutet nicht, dass es wahr ist und macht eine wissenschaftlichen Überprüfung nicht überflüssig.”

Wir können unseren Augen nicht trauen. Der Vorgang des Sehens selbst ist ein interpretierendes Konstrukt des Gehirns. Es gibt zwei blinde Flecken in unserem Sichtfeld und wir nehmen sie nicht einmal wahr. Ich habe einen Zauberer gesehen, der eine Frau in zwei Teile gesägt hat – das war eine Illusion, eine falsche Wahrnehmung. Ich habe einen Patienten gesehen, dem es nach der Behandlung besser ging – meine Interpretation, dass die Behandlung die Besserung verursacht hat, kann ein Fehler gewesen sein, eine falsche Zuordnung.

Für die, die es immer noch nicht kapiert haben, hier mein grob vereinfachender Artikel:

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Nina Hagen spinnt für die Grünen

17. August 2009 12 Kommentare

Wie man z.B. hier entnehmen kann, will Nina Hagen für die Grünen Wahlkampf betreiben. Statt das dankend abzulehnen, gibt man sich erfreut.

Was will eine Partei mit einer Frau, deren Äußerungen man selbst wohlwollend euphemistisch nur noch als durchgeknallt bezeichnen kann? Einer Frau, die grell gesichtbeschmiert mit Füßen in der Luft zappelnd in Talkshows so gestandene Leute wie Joachim Bublath vergrault, ihn das BÖSE nennt und UFOs sowieso dauernd sieht? Sich diskursfähig wie hier zeigt? Eine Frau, die in ihrem egomanischen Wahn behauptet, Benefizkonzerte für Afghanistan zu machen und es noch nicht mal auf die Reihe bringt, eine kaum lesbare, grauenhafte Webseite wenigstens einem Praktikanten in Auftrag zu geben?

Nina Hagen für einen Wahlkampf einzuspannen hat wohl eine ähnlich bescheuerte Dimension wie Gabriele Paulis Idee, die Cosmopolitesse Kader Loth zur Frauenbeauftragen zu benennen.

Aber das passt zu den Grünen, wie sie heute dastehen. Sie haben es geschafft, Meinungsvielfalt weniger in der Horizontalen, sondern eher in der Vertikalen zu integrieren getreu dem esoterischen Grundsatz von Hermes Trismegistos, oben so wie unten. Klug wie dumm, bescheuert wie völlig bescheuert als “Vielfalt” zu betrachten. Dass sich viele Überzeugungen per Prinzip ausschließen, weil sie sich schlicht widersprechen, scheint dort keinen zu interessieren. Aus Hopp oder Topp machen sie Hopptopp, sind selig und werfen sich Wattebällchen zu.

Überraschend ist das natürlich nicht. Spätestens seit Barbara Rütting Alterspräsidentin des Bayerischen Landtages geworden ist – die vermutlich viele Ehen mit ihren “Gesundheits”büchern aufgrund übler Gase zerstört hat -, der Sekte “Universelles Leben” und dem Öko-Nazi Bruker eine politische Stimme verliehen hat, wundert einen sowieso nichts mehr. Auch nicht, dass so jemand wie Biggi Bender “gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen ist. Der Hang zur Anthroposophie einer Hiltrud Breyer ist da nur noch Marginalie in dem allumfassenden Drang der Grünen, jeden irrationalen Scheiß kompatibel für die akademische Hausfrau aufzubereiten.

Wir empfehlen den Grünen das Esowatch-Wiki, sollten sie auf der Suche nach neuen absurden Themen sein.

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Lorenzo Ravagli und der Glaubenskrieg der Anthroposophie gegen Helmut Zander

12. August 2009 10 Kommentare

Von Andreas Lichte

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus dem Brightsblog.

Frühjahr 2009. Als Antwort auf Helmut Zanders preisgekröntes Standardwerk “Anthroposophie in Deutschland” erscheint Lorenzo Ravaglis Schmähschrift “Zanders Erzählungen”. Im Vorwort sagt Dr. Walter Kugler, Leiter des Rudolf Steiner Archivs in Dornach, Ravagli habe das Ziel gehabt, “zu retten, was noch zu retten ist” und dabei Mut bewiesen. Zum Beispiel so:

Ravagli beschuldigt Zander, dieser verfolge mit seiner publizistischen Tätigkeit zur Anthroposophie eine “verdeckte Agenda” .

Ravagli stellt Zander als “Enthüllungsjournalisten marxistischer Orientierung” dar, der “trotz seiner katholischen Vergangenheit einem marxistisch inspirierten, historischen Materialismus verpflichtet ist” .

Ravagli stellt klar, dass nicht etwa die Anthroposophie eine Sekte ist, sondern: „Zander als Eingeweihter einer trivialaufklärerischen Entmythologisierungtradition strebt wie alle Angehörigen von Wissenschaftssekten (sic!) danach, die Normativität seiner partikularen Rationalität zu universalisieren und alle Angehörigen abweichender Traditionen oder Diskursgemeinschaften als Ketzer zu stigmatisieren.“

Möchte jemand versuchen, das zusammenzufassen? Wie wäre es damit: Helmut Zander – ein katholisch-marxistischer, materialistischer Verschwörer der Sekte Wissenschaft gegen die Anthroposophie?

Solch mutige anthroposophische Charakterisierungen Zanders haben Tradition. Ein Blick zurück:

Sommer 2007. Nach Zanders Artikel “Jenseits von Steiners höherer Erkenntnis – Entmythologisiert die Anthroposophie!” kommt es im eigens eingerichteten Diskussionsforum der Stuttgarter Zeitung zu heftigsten Angriffen gegen Zander:

Autor: didlda“ gibt dem Leser einen Crashkurs in moderner Spiritualität, weist auf „banalstes Allgemeinwissen“ hin, das – außer Helmut Zander – „heute jeder weiss, damals auch“. So erfährt der Leser etwas über den Zusammenhang von Chakras und der Quantenphysik, „die heute weit in geistige Gebiete hineinreicht, die Steiner bereits vor 100 Jahren ganz klar nachvollziehbar benannt hat.“ Dankbar werden Heisenberg, Planck und Schrödinger in ihren nächsten Inkarnationen den Kollegen Steiner begrüßen!

Bei „didlda“ wird aus Zander „Zehnder“, der Zehn-Ender, der zum Abschuss freigegeben wird. Halali! Zanders Buch „Anthroposophie in Deutschland“ ist mit 1884 Seiten und 246,00 Euro Kaufpreis wahrlich ein kapitaler Hirsch, dem man mit großkalibrigen Waffen begegnen muss:

Autor: Vater“ nimmt Zander so aufs Korn: „Ich finde die Herangehensweise von Herrn Zehnder höchst unsachlich und unwissenschaftlich.“ Lieber Leser, sagen Sie jetzt bitte nicht, dass sei aber ein glatter Fehlschuss. Es gibt andere Autoren, die für „Vater“ nachladen und nachladen:

Autor: Dr. Jörg Ewertowski, Leiter der Rudolf Steiner Bibliothek in Stuttgart“ wirft Zander vor, er besäße keine „echte ergebnisoffene wissenschaftliche Fragehaltung“, sonst hätte Zander ja schon längst selber entdeckt, dass es nur EINE, Zitat Ewertowski, „Weisheit vom Menschen“ geben kann, nämlich die „Anthropo-Sophia“.

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Ein cooles Büchlein

11. August 2009 31 Kommentare

Schöner Denken
Wie man politisch unkorrekt ist

ist eine Perle. Darin finden sich lexikonartige Beiträge der Autoren Josef Joffe, Dirk Maxeiner, Michael Miersch und Henryk M. Broder zu allen möglichen zeitgeistlichen Begriffen.

Hier sind ein paar Beispiele:

Gesunde Ernährung
Körperreligion mit umfassendem Tabukatalog. Früher haben Menschen einfach gegessen, und wenn es schmeckte sagten sie “lecker”. Unbegreiflich, dass die Menschheit auf diese Weise Jahrtausende überleben konnte. Heute wissen wir, dass das falsch und gefährlich war. Essen ist zu einer Lebensaufgabe geworden. Wer sich lange genug richtig ernährt, stirbt kerngesund und gertenschlank. Wie man sich richtig ernährt, erfährt man von Brigitte, Bild der Frau, Foodwatch und Greenpeace.
Gute alte Zeit (1)
Entsteht, wenn man den persönlichen Hormonhaushalt mit der Weltgeschichte verwechselt. Das war, als Adenauer Wirtschaftswundertüten verteilte, Dutschke die Nazis besiegte und der Rhein noch ein Badeparadies war. Da schmeckte das Brot noch kernig und Weihnachten fiel Schnee…
Gute alte Zeit (2)
Analphabetentum, Apartheid, Armut, Folter, Hexenverbrennung, Hunger, Inquisition, Kinderarbeit, Kinderlähmung, Kolonialismus, Leibeigenschaft, Pocken, Sklaverei, Tuberkulose, Zwangsheirat, Zahnziehen ohne Betäubung.

Das Buch ist definitiv nichts für Kulturpessimisten, Veganer, Alternativheiler, Credophile, Glaubulisten und deswegen ein sicherer Tipp für die Leser unseres Blogs. 180 sehr unterhaltsame Seiten für 7,95 €: das ist ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die Autoren treffen den Nagel wirklich sehr oft und mit großer Sicherheit genau auf den Kopf:

Achtundsechziger (2)
Mensch, der sich von seinem antiwestlichen, antisemitischen Vater emanzipiert hat und seitdem unentwegt Amerika und Israel anschuldigt.

Bei Buchtest.de findet man eine kurze Rezension und ein Interview mit Josef Joffe, einem der Autoren.

Das Böse ist gut

9. August 2009 4 Kommentare

Zu rechtsextremistischen Denkstrukturen in der zeitgenössischen Esoterikbewegung

Ein Artikel von Holdger Platta aus Psychologie Heute 06/1997

Mit freundlicher Genehmigung von Psychologie Heute. Den original gesetzten Artikel mit Illustrationen gibt es als PDF (15 MB) hier (Das Copyright verbleibt beim Verlag)

Publizisten und Wissenschaftler äußern sich im wachsenden Maße besorgt: Die New Age-Bewegung – zeitgenössische Version der überkommenen Esoterik – werde immer stärker von rechtsextremistischen Tendenzen beeinflußt; faschistisches Denken gehe in dieser Bewegung um.
- Rund ein Viertel der esoterischen Gemeinschaften im deutschen Sprachraum seien rechtsextremistisch oder sympathisierten mit rechtsextremistischem Gedankengut – berichten die New Age-Analytiker Eduard Gugenberger und Roman Schweidlenka.
- „Viele politische Kernaussagen sind durchaus kompatibel mit reaktionärem, ja sogar rassistischem Gedankengut”, so die Wissenschaftsjournalisten Gerhard Kern und Lee Traynor.
- „Das New Age richtet sich an die Sanften, nicht die Militanten. Deshalb wird meistens übersehen, daß in dieser breiten religiösen Strömung der Selbstvergötterung faschistische Ideologie wiederauflebt”, urteilt Peter Kratz.
Welche Ideologeme des rechtsextremistischen Denkens sind es, die in der New Age-Bewegung auf Widerhall stoßen? Bestimmen Autoritarismus, Aversion gegenüber Menschenrechten und die mit diesen grundlegend verbundene Ethik, bestimmen Sozialdarwinismus sowie Rassismus und Antisemitismus zunehmend das Bild der heutigen Esoterik?
Sehen wir uns als erstes eine Definition der Esoterik an, die aus den Reihen der Esoterik selber stammt, den vollständig zitierten Artikel zu diesem Stichwort aus dem „New Age-Wörterbuch” von Elmar Gruber und Susan Fassberg:
„Esoterik (vongriech. „nach innen gerichtet”) bezeichnet das in sich gekehrte, „vergeistigte” Wissen. E. ist eine jahrtausendealte Tradition der Menschheit, die versucht, auf der Ebene der persönlichen Erfahrung (siehe Initiation), die Geheimnisse unseres Daseins erlebbar zu machen. Im eigentlichen Sinn kann E. weder gelehrt noch gelernt, sondern allein erlebt und gelebt werden. Deshalb verbindet jede esoterische Tradition, neben den auch nicht Initiierten zugänglichen Schritten (die „exoterisch”, also nach außen gerichtet sind) eine Reihe von Übungen, Prüfungen und Lebensweisen (etwa Meditation, Askese, Riten usw.), die gerade im rechten Handeln den Gehalt des esoterischen Systems erfahrbar und verstehbar machen. Das New Age wird von vielen Esoterikern als jene anbrechende Zeit angesehen, in der das esoterische Wissen nicht mehr geheimgehalten und allein Ausgewählten zugänglich gemacht werden muß, sondern zu einer allgemeinen Erfahrens- und Lebensform erhoben werden kann. Die Grundprinzipien der E., vor allem der abendländischen, sind in der smaragdenen Tafel des Hermes Trismegistos enthalten.”
Und zu diesen „Grundprinzipien” des Hermes teilt uns das Wörterbuch mit:
„Smaragdene Tafel. Tafel, auf der Hermes Trismegistos (legendäre Figur des alt. Ägypten, später mit Thot, dem Gott des Wissens identifiziert) die Grundgesetze des Kosmos eingraviert haben soll. Die Botschaft der S.T. gilt als Grundtext der gesamten abendländischen Esoterik. Sie kann in vier Grundprinzipien zusammengefaßt werden: 1. „Wie oben so unten”, 2. Alles in der Welt ist polar, 3. Zwischen den Polen herrscht ein Kraftfluß, der ein Neues, ein Drittes entstehen läßt, 4. Alles im Kosmos läuft zyklisch, rhythmisch ab und untersteht dem Gesetz der Balance und Ausgewogenheit.”
Sehr konkret ist das alles noch nicht. Trotzdem läßt sich bereits diesen wenigen Sätzen entnehmen:
1. Bei der Esoterik handelt es sich um ein uraltes „Wissen” der Menschheit.
2. Dieses „Wissen” war für lange Zeit nur wenigen Eingeweihten bekannt und teilt sich auch nur auf „Offenbarungsweise” mit.
3. Dieses „Offenbarungswissen” soll jetzt im Zeitalter des Wassermanns allen Menschen mitgeteilt werden.
Was soll an solchen Auffassungen „rechtsextremistisch” sein? Nun, unmittelbar natürlich noch nichts. Dennoch fallen bereits an dieser Stelle gewisse Vereinbarkeiten des esoterischen Denkens mit rechtsextremistischen Anschauungen auf:
1. Grundlegend für Esoterik ist, daß sie einer rationalen Überprüfung nicht zugänglich ist; sie ist damit nicht unbedingt schon antiintellektuell, auf jeden Fall aber irrational.
2. Offenkundig geht Esoterik von der Ungleichheit der Menschen aus; wo der Rechtsextremismus zwischen politischen Führern und Gefolgschaft unterscheidet, differenziert Esoterik zwischen „Eingeweihten” und dem großen „unerleuchteten” Rest auf dieser Welt.
3. Diese Unterscheidung zwischen zwei ungleichwertigen Menschheitsklassen veranlaßt Esoterik zu einem umfassenden geistigen Führungsanspruch: nicht nur im Irrationalismus und im Ungleichheitsdenken weisen Rechtsextremismus und Esoterik Parallelen auf; auch hinsichtlich des totalen Führungsanspruches trifft dies zu.
4. Wenn der Esoterisch-Eingeweihte mit seinem geistigen Führungsanspruch über Wissen zu verfügen glaubt, das die Geheimnisse des gesamten Universums umfaßt, dann ist dieser geistige Führungsanspruch auch unbegrenzt; er zeigt einen totalen, wahrscheinlich totalitären Zug. Kurz: Es scheint zweifelhaft, daß aus esoterischer Tradition demokratisches Denken, egalitäres Denken, rationales Denken abgeleitet werden kann. Entscheidend ist deshalb, was heutige Esoteriker konkret aus dieser Weltanschauung machen.
Doch kehren wir vorher noch einmal zu diesen hermetischen Grundsätzen zurück. Was teilt Esoterik uns mit?

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Avanti Dilletanti: Das Morgenmagazin der ARD

6. August 2009 12 Kommentare

Im heutigen Morgenmagazin der ARD wurde ein Beitrag zur Impfung gegen die “Schweine-Grippe” gesendet. Offenbar ist es dringend an der Zeit, die Zwangsgebühren für die Öffentlich-Rechtlichen weiter zu erhöhen, um wenigstens einen ausgelernten Journalisten in der Redaktion beschäftigen zu können. In der Ausbildung lernt man, Sachverhalte möglichst ausgewogen darzustellen, sich nicht mit der Sache gemein zu machen. Allerdings kann sowas massiv in die Hosen gehen, wenn man meint es reiche aus, lediglich jemanden zu finden, der eine andere Meinung hat. So fiel der ARD als Gegenpart zum Robert-Koch- und Paul-Ehrlich-Institut niemand besseres ein als der Milchwirt und Hamer-Fan Hans Tolzin, der seit Jahren mit völlig unhaltbaren Behauptungen seinen sektiererischen Feldzug gegen das Impfen betreibt. Zu den unbestritten schlimmen Masern finden sich im Internet Aussagen von ihm wie “Masern sind eine sinnvolle Maßnahme der Natur, Entwicklungsblockaden zu beseitigen und den Organismus zu stärken.” und “Wer die Masern bekämpft, bekämpft den Menschen.” Tolzin geht es weniger um die Nebenwirkungen von Impfungen. Ihm geht es darum dass Menschen an Infektionskrankheiten erkranken können, weil er Viren und das Erleiden der Krankheitssymptome als sinnvolle Entwicklung der Natur erachtet.
Was kommt als Nächstes? Erich von Däniken als Weltraumexperte? Der Papst als Kondomspezialist? Nina Hagen als Astronomie-Expertin? Eisbär Knut als Klimaforscher? Dieter Bohlen als Lärmschutz-Fachmann?

Journalismus am Morgen – da waren wohl noch Einige nicht ausgeschlafen.

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