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Archiv für Februar, 2011

Dreigliederung

28. Februar 2011 16 Kommentare

Unter anthroposophischen Enthusiasten von Steiners Ideen der ‘Sozialen Dreigliederung’ gibt es manchmal die Tendenz, ihre eigenen sozialen Visionen mit den Idealen und Praktiken der ursprünglichen Dreigliederungsbewegung und der ersten Generation der Steineranhänger zu vermischen. Das Verhältnis zwischen Demokratie und sozialer Dreigliederung ist ein gutes Beispiel. Heutige Anhänger der Dreigliederung favorisieren im Allgemeinen diverse alternative Formen von Demokratie, ohne sich bewusst zu sein, wie anti-demokratisch das ursprüngliche Dreigliederungssystem war.

Steiners Konzept einer dreigegliederten Gesellschaft entwickelte sich zunächst gegen Ende des ersten Weltkrieges als deutsch-österreichischer Gegenentwurf zu westlichen Vorbildern von Demokratie und nationaler Selbstbestimmung, insbesondere wie von Wilson propagiert, während gleichzeitig das bolschewistische Modell Lenins entschieden zurückgewiesen wurde. Eine der Grundideen der Dreigliederung ist, dass die drei von Steiner erkannten Sphären des sozialen Lebens, nämlich Politik, Wirtschaft und Kultur, durch unterschiedliche Prinzipien bestimmt werden sollten: Gleichheit im politischen Bereich, Brüderlichkeit im Bereich der Wirtschaft und Freiheit im kulturellen Bereich.

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150 Jahre Steiner

27. Februar 2011 17 Kommentare

Heute, am 27. Februar 2011, gibt es den 150. Geburtstag Rudolf Steiners zu feiern. Grund genug für uns, die Leiche ordentlich zu fleddern. Steiner wird von den Anthroposophen völlig unkritisch verehrt und als Universalgenie angesehen. Wir wollen doch mal schauen, was er so auf der Pfanne hatte…

Steiners Menschenbild

Steiner vertrat krude Ideen über die Entwicklung des Menschen, die er aus der Theosophie übernommen hatte. So wird von einer geradlinigen Entwicklung der ‘Lemurier’ und ‘Atlanter’ ausgegangen, die hin zur höchsten Stufe, natürlich dem Europäer, führt. Affen und Indianer sind in dieser Vorstellung ‘dekadente Abzweigungen’.

Dekadente Indianer

Indigene Menschen finden diese Vorstellung höchst rassistisch, ein Vorwurf den moderne Anthroposophen aber meist nicht nachvollziehen können. Jedenfalls wurden aufgrund dieser und anderer Äußerungen (z.B. über das Triebleben der Neger) Steiners Schriften von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien beinahe indiziert. Neue Ausgaben von “Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie” sollten nur noch mit erläuternden Kommentaren erscheinen.

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Rätsel zum Wochenende

26. Februar 2011 19 Kommentare

Nachdem ja unsere Rätsel von Euch stets im Minutentakt geknackt werden (Frust, heul), hier mal was Einfaches. Aber vielleicht gerade deswegen schwer?

Wie bei jedem anständigen Nachschlagewerk gibt es auch im Esowatch-Wiki einen so genannten “Nihil-Artikel”. Am bekanntesten dürfte Loriots Steinlaus im Pschyrembel sein. Wir haben auch was Ähnliches eingebaut. Nicht nihil, aber offensichtlich scherzhaft. Welcher Artikel ist das?

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gutte, guttest, guttet

25. Februar 2011 7 Kommentare

Als Blog, der sich mit Esoterik beschäftigt, hält man sich zurück, wenn es um die Causa Guttenberg geht – ist ja nichts Esoterisches. Meint man erstmal. Aber der tief evolutionäre Alltag des Tarnens und Täuschens ist ja gerade die Spezialität des Menschen und insofern doch ein Thema für Esowatch. Denn: Offensichtliches Bescheißen und sich dabei guten Mutes im Recht zu fühlen, ist geradezu ein Kernthema bei uns. Was kann einen Menschen – vermutlich von normaler Intelligenz, guter Förderung, gutem Aussehen, mit Ausdrucksvermögen – vokal, als auch körpersprachlich ausgestattet – veranlassen, sich zum Affen zu machen?

Erklärungen gibt es einige. Z.B. die, dass da jemand in eine Einbahnstraße gefahren ist, dann plötzlich das Schild “Sackgasse” gesehen und versucht hat, da raus zu kommen. Das sind aber keine Entschuldigungen, die ernst zu nehmen wären, so denn diese Person Minister ist und über tatsächlich wichtige Dinge zu entscheiden hat und sie damit entlasten sollte. Jeder, der ernsthaft versucht hat, sich gegen seine eigene Irrationalität durchzusetzen, Realität als das wahr zu nehmen, was sie ist, nämlich gegeben, und sich darauf einen Reim zu machen – wenn auch nur auf einem kleinen Teilgebiet – der weiß, was für eine scheißschwere Aufgabe das ist, sich selbst von außen zu sehen, seine eigene Argumentation in Frage zu stellen. Also alles das, was saturierte Wohlstandsdaseiende als unbequem empfinden, sich lieber in Doofie-Erklärungsmodelle à la Homöopathie ergeben. Von einem Minister sollte man diese Erkenntnistiefe erwarten können.

Weder Narzissmus, Dummheit noch Egoismus sind strafbar, zu recht nicht, oft sogar lustig und anregend. Es wird nur dann problematisch, wenn man diese Eigenheiten benutzt, um Regeln der Demokratie zu umgehen. Zu meinen, Gesetze gelten nur für Andere.
Aber genau dafür sind ja die Bremsen in der Demokratie da, wie Karl Popper das schon sehr gut auf den Punkt brachte. Bei Herrn zu Guttenberg scheint es an der Zeit, die Bremse reinzuhauen.

Um etwas polemisch nachzulegen: Wie wäre es mit einem neuen Verb? Gutten. Ich gutte, du guttest, er guttet. Würde der deutschen Sprache nicht schaden, schreibt und spricht sich leichter als “kopieren”. Der feine Beigeschmack von: “Ja natürlich kopiere ich! Wo ist das Problem?” ist der falsche Balsamico aus Berlin.

Diese Sache richtet einen immensen Schaden an. Die Causa Guttenberg ist an sich harmlos. Beschissen wurde schon immer. Nicht harmlos ist, wie hier offenbar machtversessene Politiker – erstaunlicherweise gerade konservative – bereit sind, all ihre Grundsätze zu opfern. Wissen, Können, Handschlag und Vertrauen – gegen was? Die reine spermizide Herkunft des dadurch Rechthabenden? Kann wohl nicht sein, oder doch? Wofür auch immer, jedenfalls nicht für Aufklärung und Demokratie.

Und Du, Karl Theo, geh nach Hause. Hock Dich in eine Kneipe bei euch, da gibts wunderbares Bier und meistens nette Stammgäste. Und fang dann mal an, erwachsen zu werden.

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Hurz 2.0

24. Februar 2011 11 Kommentare

Ein Tipp aus unserem Forum (danke mossmann):

youtube

Kontakt gesucht: Wer wurde esoterisch abgezockt?

24. Februar 2011 5 Kommentare

Wieder mal hat sich bei uns ein Journalist gemeldet, der eine Reportage fürs Fernsehen (MDR) zum Thema Esoterik-Abzocke machen will. Wer abgezockt worden ist oder jemand kennt, der abgezockt wurde, der kann an reportage at esowatch dot com schreiben. Wir stellen dann den Kontakt her. Betroffene sollten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen sein.

 

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Die Geschichte vom bösen Bein.

21. Februar 2011 8 Kommentare


Die letzten zwei Monate hatte ich immer wieder mal Probleme mit meinem linken Bein. Genauer gesagt, es tat in der Kniekehle höllisch weh. Mal mehr, mal weniger. Weg war es aber nie. Wenn es arg war, konnte ich nur mit großen Schmerzen ins Auto einsteigen, denn beim Anwinkeln war es besonders schlimm. Irgendwann tat es dann auch beim Liegen weh, und ein leichtes Schmerzmittel war zum Einschlafen angesagt. Ich war bei zwei Hausärzten – das hat sich so ergeben, weil der eine mal die Vertretung des anderen war. Beide waren eher ratlos, es war nichts vom Üblichen, was sie so kennen. Beide meinten, ab zum Orthopäden, wenns zu arg schmerzt, Ibu einwerfen. Nun ist das mit Orthopäden ja so eine Sache. Es gibt solche und solche. Ich wollte zu einem solchen. Der ist aber ein bisschen weiter weg. Nachdem das Alles ja nicht lebensbedrohlich, sondern nur lästig und manchmal schmerzhaft war, schob ich das noch etwas vor mich hin. Und dann geschah es: Plötzlich war alles weg. Nicht nur weniger, sondern komplett, als ob nie was gewesen wäre. Von heute auf morgen. Es ist seitdem auch noch nicht mal im Ansatz wieder aufgetaucht.

Warum schreib ich diese für Andere eigentlich völlig uninteressante Geschichte in einen Blog? Ganz einfach, es ist ein wunderschönes Beispiel, wie man sich selber übers Ohr hauen kann. Wenn man z.B. in der Zeit irgendwelche Alternativmittelchen, sei es Homöopathie, Schüssler- oder sonstige Salze genommen hätte, Quarkwickel, Fernheilung, Gebete etc. wäre man ab spätestens diesem Ereignis glühender Verfechter dieser Methode. Denn: wenn etwas so lange und über viele Wochen angehalten hat, und dann von heute auf morgen weg ist – das kann doch kein Zufall mehr sein!

Ist es vermutlich auch nicht. Der Körper hat sich mal wieder selbst geheilt. Man schätzt, dass in Deutschland ca. 80% aller Arztbesuche – im Nachhinein betrachtet – eigentlich überflüssig gewesen sind. Natürlich nicht wirklich, denn im Vorhinein kennt man das Nachhinein noch nicht, und lieber einmal mehr zum Doc, als mal was wirklich Ernsthaftes zu übersehen oder zu lange zu verschusseln, bis es eher zu spät ist.

Aber man sieht das alte Problem. Wie unterscheidet man zwischen Koinzidenz und Kausalität, also ob etwas nur zufällig im gleichen zeitlichen Rahmen geschieht oder ob das eine die Ursache für das andere war? Gerade im medizinischen Bereich ist das, wie man z.B. an dem Beispiel oben sieht, manchmal enorm schwierig. Darum braucht es Studien. Mit der “Macht der großen Zahl” kann man dem Zufall oder auch der Ursache auf die Schliche kommen.

Aber der Mensch ist ein starrköpfiges Wesen. Sind die Neuronen erst mal auf A ->B verschaltet – und das geschieht bei persönlichem Erleben ganz flott – dann sind abstrakte Hilfsmittel wie Studien als Lösungsmittel für diese Verschaltung nur mehr bedingt wirksam. So wie man bei meiner Nachbarin sieht, wenn sie sagt: “Immer ihr mit euren Studien! Bei mir hats geholfen, und das ist das, was für mich zählt!”

Witzigerweise, das sei noch kurz angemerkt, werden gerade die überzeugtesten Vertreter einschlägiger Quackverfahren wie z.B. Hömoöpathie zum Opfer der Statistik: Wer bei jedem querliegenden Furz Kügelchen einwirft, erlebt die Homöopathie als etwas, was in ca. 80% der Fälle hilft. Und man muss doch doof sein, wenn man das nicht als eindeutigen Beweis sehen kann, oder?
Und ich überlege auch schon dauernd: Hatte ich am Tag vorher, bevor das alles plötzlich weg war, nicht einen außergewöhnlich guten französischen Roten getrunken?

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!

14. Februar 2011 28 Kommentare

So betitelt die Hessische Allgemeine Zeitung einen unkritischen Artikel über die berüchtigte evangelikale Familie Dudek, die aus religiösen Gründen ablehnt, ihre Kinder zur Schule gehen zu lassen. Dort werde nicht genügend christliches gelehrt. Familie Dudek, deren Eltern keinem Erwerb nachgehen, sondern rechtswidrig allein vom Kindergeld leben und ihre Kinder daheim indoktrinieren unterrichten, haben damit zwar einen gewissen Erfolg, die staatlichen Noten der Kinder sind respektabel. Doch bekommen die Kinder eingebleut, einem kleinkarierten, bornierten Gott zu gehorchen:

Gott fordert lauter Leistungen, die keinerlei Sinn machen. Die auf den Millimeter genau beschriebene Konstruktion der Bundeslade. Umständliche Speise- und Opfervorschriften. Forderungen nach Anbetung. Warum fordert Gott solchen Mist? Hat er die Menschen denn vielleicht nur deswegen erschaffen, dass sie sein unterentwickeltes Ego stärken, indem sie ihn fürchten? Das Psychogramm eines  jeden gewöhnlichen Diktators…

Darf man derlei Dinge zulassen? Faktisch tut man das- zwar werden die Eltern Dudek verurteilt- aber nur mit symbolischen Strafen. Und ohne Folgen für die verbohrte Kindererziehung.

Placeboarmbänder auf dem Grabbeltisch

13. Februar 2011 7 Kommentare

Netto bietet neuerdings das Vital Maxx Power-Armband, ein Placeboarmband für 9,98 EUR, statt 39,99 EUR, an. Das kann man schlecht finden, weil die Verblödung weitere und größere Kreise zieht, oder man kann es gut finden, weil damit dem Anbieter der Power Balance-Armbänder ein schönes Stück vom Marktkuchen abgeschnitten wird. Für knappe zehn Euro ist der Wunderschmuck bald nur noch ein simpler Modegag oder ein nützlicher sozialer Indikator, weil man an dem Bändchen leicht die etwas weniger kritischen Mitbürger erkennen kann.
Wer wirklich was auf sich hält, trägt derartige Talismane nicht oder nimmt gleich das ehrlichste und coolste dieser Dinger, das Placebo Band.
Das wird schließlich von führenden Skeptikern empfohlen:

(via)

Ein ferner Traum:
Glaubuli als Süßigkeiten im Sonderangebot.
Entzauberung durch Banalisierung, genauso funktionierte 1023. ;-)

10^7

11. Februar 2011 13 Kommentare

Leute, lasst die Sektkorken knallen: Das deutsche Wiki hat 10 Millionen Seitenabrufe erreicht. Für die ersten 5 haben wir fast 3 Jahre gebraucht- die letzten 5 haben wir in unter einem Jahr geschafft: wir sind inzwischen auf über 500.000 Zugriffe im Monat gewachsen. Ferner haben wir inzwischen über 2000 Artikel im Wiki. Unsere ganze Entwicklungsgeschichte gibt es übrigens hier: http://www.psiram.com/ge/index.php?title=EsoWatch:Aktuelle_Ereignisse
Dort könnt ihr auch nachlesen, dass wir inzwischen international Beachtung gefunden haben. Wir haben einen eigenen Wikipedia Artikel- einige Zeit der am heftigsten umkämpfte überhaupt. Wenn ihr bei google nach Esoterik sucht, sind wir auf Seite 2. Wenn ihr ins Suchfeld “eso” eintippt, wir euch esowatch zur Vervollständigung angeboten. Unser Alexa-Pagerank ist stabil zwischen 50.000 und 60.000, mit einen Rang unter den deutschen Seiten von knapp über 3000.
Unsere Reichweite ist also ganz beachtlich, und es gibt inzwischen Gerichtsurteile und parlamentarische Anfragen, die sich auf die von uns zusammengetragenen Argumente stützen.
All dies habt ihr, unsere lieben Leser, möglich gemacht. Viele von euch sind ja auch im Forum, wo wir auch mal streiten, aber das gehört dazu. Jetzt greifen wir die 10^8 an!

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