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Kopp: HIV-Tests erweisen sich als unzuverlässig: Soldat in AIDS-Fall freigesprochen

So zumindest die Schlagzeile des Kopp-Verlages zu einem Artikel des amerikanischen Autors Ethan A. Huff. Der Artikel ist im Wesentlichen eine Übersetzung seines Artikels, der bei Mike Adams NaturalNews erschien.

Es wird behauptet, dass ein Soldat freigesprochen worden sei, weil die Zuverlässigkeit von HIV-Tests in Frage gestellt wurde.

Dass der Kopp-Verlag nicht wirklich dafür bekannt ist, solide journalistische Arbeit zu leisten, ist hierzulande ja keine Neuigkeit. NaturalNews und der Health Ranger Mike Adams sind bei uns nicht so bekannt, bei den Skeptikern im englischsprachigen Raum dafür umso besser.

Der Artikel beruft sich dabei vor allem auf ein Interview, das mit dem Anwalt David Steele, der den Prozess beobachtet hatte, in der Sendung von Celia Farber geführt wurde. Sowohl Steele als auch Celia Farber sind seit Jahren als Aidsleugner bekannt. Ein weiterer Gast dieser Sendung, der David Steele Fragen stellte, war David Rasnick, ein weiterer prominenter Aids-Leugner (der sich von der CIA verfolgt fühlt).

Als weitere Quelle wird auf das Office of Medical and Scientific Justice(OMSJ) verwiesen, das bei der Verteidigung unterstützte. Gegründet wurde es von einem Clark Baker, den das AidsTruth-Projekt als „homophobic right-wing blogger“ bezeichnet. Zeugen der Verteidigung waren Rodney Richards und Nancy Banks (auch bekannt für Holocaust-Leugnung und ihre These, dass die Juden die Afrikaner vergiften wollen), die als Aids-Experten bezeichnet wurden, aber nie auch nur eine einzige wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht haben. Als angebliche Experten verlangen sie dabei etwa 400$ pro Stunde für ihre Aussagen.

So weit, so unseriös. Man ist zwar versucht, die ganze Geschichte aufgrund der mangelnden Glaubwürdigkeit von Quelle und Übermittlern einfach mit einem lauten „Pah“ in den Müll zu werfen und zu ignorieren. Jedoch kann man leider daraus doch nicht zwingend folgern, dass die Geschichte nicht stimmt.

Wem es jetzt schon reicht, hier die Zusammenfassung: Viel Lärm um nichts, die üblichen Nebelgranaten.

Zum Fall: Der US-amerikanische Sergeant Dixon aus Fort Bragg wurde 2012 wegen schwerer Körperverletzung angeklagt, weil er seine HIV-Infektion vier Frauen, mit denen er kondomgeschützten Geschlechtsverkehr hatte, verheimlicht hatte.

In dem erwähnten Interview nimmt der Anwalt Steele an, dass die Staatsanwaltschaft von einem „Slam dunk“, einer todsicheren Sache, ausgegangen sei. Er erwähnt dann auch, dass der Richter sehr aufgebracht über die Staatsanwaltschaft war, weil sie offenbar ihren Job nicht richtig gemacht hat. Sie hatte es z.B. verabsäumt, Zeugen vom Labor, dass die Untersuchung gemacht hatte, oder den behandelnden Arzt aufzurufen. Man hat nicht das Gefühl, dass Celia Farber das hören wollte.

Das OMSJ kritisiert selbst in ihrer Berichterstattung:

The prosecution had prepared its expert,” Coleman went on to say, “to do little more than read a lab slip into the record. On cross-examination, he [Dr. Whitman of Walter Reed] acknowledged the test is subjective and that he had not inquired into whether Sgt. Dixon’s tests were valid or done correctly. He couldn’t say for certain, for example, that the lab received the correct sample. After noting he was aware of dozens of conditions that can cause cross-reactivity on HIV tests, Dr. Whitman testified he did not rule out any possible cross-reactivity, and that he did not follow-up to determine if what he was reading was accurate.”

Offenbar hat die Staatsanwaltschaft den „Experten“ des OMSJ freie Hand gelassen und keinerlei eigene Zeugen präsentiert, die in irgendeiner Form den Behauptungen widersprachen.

Beim Prozess erklärten diese, dass Western-Blot-Tests keine speziellen HIV-Tests, sondern allgemeine Antibody-Tests seien und stellten dies als Problem dar. Weiters sei es bedenklich, dass es keine reinen HIV Tests gäbe. Das ist so, als lehne man ein Foto ab, weil es mit einer normalen Kamera und nicht mit einer „Personenkamera“ aufgenommen wurde. Und dass es bedenklich sei, dass es keine reinen „Personenkameras“ gäbe.

Der Vergleich hinkt zwar, aber die Western-Blot-Technologie ist nun mal dafür geeignet, auf beliebige Proteine zu testen. Soll das Verfahren jetzt um Entschuldigung bitten, weil es prinzipiell genutzt werden kann, mehr als nur HIV zu testen?

Im Prozess wurde erklärt, dass der Test vermutlich fälschlicherweise positiv ausfiel, weil der Soldat vorher geimpft worden war. Tatsächlich wird das Risiko einer falsch-positiven Diagnose durch vorhergehende Impfungen erhöht. Im Normalfall liegt die Chance, falsch diagnostiziert zu werden , bei 1:250.000. Wie hoch sich die Chance durch mehrere Impfungen erhöht, ist unklar, aber da der Soldat zwei Mal getestet wurde, erscheint die Chance sehr gering zu sein, dass Impfungen den Test verfälscht haben.

Rodney Richards sagte auch aus, dass keiner der Tests, die verwendet wurden, von der FDA zertifiziert waren. Wir können diese Aussage nicht für diesen konkreten Fall überprüfen, vom Labor gab es dazu ja keine Aussage. Prinzipiell geht Richards aber mit dieser Behauptung seit Jahren hausieren. Sie ist kurz gesagt falsch. Es gibt eine lange Liste von FDA zertifizierten Tests.

Allerdings, wenn niemand diesen Behauptungen entschieden entgegentritt, was soll der Richter da machen? Dieser Prozess hat in Bezug auf HIV-Tests und ihre Zuverlässigkeit keine neuen Erkenntnisse gebracht. Er war aber wohl peinlich für die Staatsanwaltschaft.

Was uns übrigens auch fehlt, ist die Antwort auf folgende Frage: Ist Sgt. Dixon nun tatsächlich HIV-negativ oder nicht? Irgendwie geht aus dem Prozess nicht hervor, dass der Soldat irgendwann negativ getestet wurde. Wer sagt denn, dass der Test überhaupt falsch war?

Laut den Aussagen der Aids-Leugner wurde Sgt. Dixon zwei Mal positiv getestet. 2x beim Schnelltest, 2x bei ELISA, 2x beim Western Blot. Und dann noch 2x bei einem PCR Test. Wir hoffen, dass Sgt. Dixon sich zwar glücklich schätzt dem Gefängnis entgangen zu sein, aber nicht davon ausgeht, dass er HIV-negativ ist.

  1. Karl
    6. August 2012, 15:10 | #1

    Das wundert mich etwas. Ich habe vor einigen Jahren einen HIV-Test machen lassen. Es gab zwar keinen konkreten Grund zu Befürchtungen aber ich wollte meiner (damals noch zukünftigen) Frau Sicherheit bieten können. Da sind mir Gedanken durch den Kopf gegangen in der Art „was wenn es jetzt doch ein positives Ergebnis gibt“. Ich habe dann mit meinem Arzt darüber gesprochen und der erklärte mir die Möglichkeit von falsch-positiv-Ergebnissen des Antikörpertests und sagte mir, dass im Falle eines positiv-Ergebnisses zusätzlich ein anderer Test gemacht würde, der darauf zielt den Virus direkt nachzuweisen, sich aber aufgrund wesentlich höheren Aufwands nicht als Massentest eignet. Dessen Ergebnis dann sei aber als zuverlässig anzusehen. Sollte das in den USA anders sein?

  2. Librarian
    6. August 2012, 19:47 | #2

    @ Karl

    Der Nachweis mittels rt-PCR ist (absolut) spezifisch für die virale RNA, ist aber noch nicht so lange verfügbar (sprich teureres Material) und man benötigt spezielle Thermocycler.

    In den letzten Jahren sind aber die Preise für Geräte und Kits so stark gesunken, dass ich es für äuߟerst unwahrscheinlich halte, dass ein spezialisiertes Labor darüber nicht verfügt.

    Das ganze „keine speziellen HIV Tests“ sind bestenfalls Nebelkerzen der Cranks.

  3. wolfgang
    7. August 2012, 10:17 | #3

    Wenn ein HIV-Suchtest ein positives Ergebnis liefert ist es ein Kunstfehler dies gleich dem Patienten mitzuteilen. Erst muss ein Bestätigungstest mittels Western Blot gemacht werden, ist auch dieser positiv wird heute regelmäßig auch ein PCR Test gemacht.

    Dann sollte das Ganze mit einer 2.Blutabnahme nochmals wiederholt werden und dann das Ergebnis dem Patienten mitgeteilt werden.

    Suchteste (=screening teste) sind so konzipiert, dass keine falsch negativen Ergebnisse vorkommen. Dafür nimmt man in Kauf, dass es eine Menge falsch positiver Ergebnisse gibt (in niedrig Endmieländern sind das etwa 70-90% aller pos Suchteste). Das macht aber nichts, weil man ja obligat Bestätigungsteste macht.

    Und auch die Variante Suchtest pos, WB-Blot positiv und PCR negativ gibt es: das sind die HIV positiven, die zuverlässig ihre antiretrovirale Medikation einnehmen. Dann sinkt die Viruskonzentration im Blut unter die Nachweisgrenze. Die Patienten sind trotzdem infiziert, aber praktisch nicht mehr infektiös.

  1. 31. Oktober 2012, 16:42 | #1
  2. 18. Januar 2013, 10:48 | #2