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Soll man sein Kind impfen lassen?

Auch wenn zur Zeit über einen möglichen Zwang zur Impfung gegen die Masern diskutiert wird, sollte man sich vielleicht eine Sache ins Bewusstsein holen: Die Impfung ist eine Errungenschaft, ein Privileg, ein Segen.

Es gibt wenige Dinge, die so eindeutig sind wie der Nutzen von Impfungen, wie vielleicht an folgender Infografik deutlich wird:

Infografik Impfungen von Leon Farrant

Infografik Impfungen von Leon Farrant

Oh natürlich, wir hier in der DACH-Region, für uns ist das nicht so ein Thema. Krankheiten wie Masern, Kinderlähmung, Keuchhusten … gibt es ja praktisch nicht mehr. Oder?

Viele Leute hier leisten sich den scheinbaren Luxus, sich bzw. ihre Kinder gar nicht impfen zu lassen. Die Gründe sind mannigfaltig und mögen von Unsicherheit und einfacher Sorge, ob man wirklich das Beste für das eigene Kind tut, bis hin zur realitätsverleugnenden Haltung eines Stefan Lanka reichen. Zwar werden die Wenigsten die Existenz von Viren bezweifeln, aber eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen ist unsicher.

Tut man das Richtige, wenn man sein Kind impfen lässt? Diese Frage quält sicherlich viele Eltern, und Eltern sollten sich diese Frage auch stellen. Es liegt in der Natur dieses Berufes, dass man das Beste für sein Kind will.

Die Antwort ist aber eindeutig.

Vor allem in Talkshows werden zwar gerne Dinge als uneindeutig dargestellt: da sagt einer Ja, der andere Nein. Und die Wahrheit soll dann in der Mitte liegen. „Die Erde ist eine Kugel“ sagt der eine, „Die Erde ist eine Scheibe“, sagt der andere. Als Kompromiss bietet sich vielleicht an, dass man sich auf Halbkugel einigen könnte; wie sie „unten aussieht“, da ist man ja kompromissbereit. Aber oben – ja, oben ist sie eine flache Scheibe.

Die Satellitenbilder und Computeranimationen? Auf den Bildern sieht man doch ganz deutlich, dass die Erde eine Scheibe ist. Und der Rest ist einfach gefälscht. Von der Weltraummafia. Genau.

Der Vertreter der Kugelform kämpft in einer solchen Diskussion mit der Verzweiflung.

Was würden sie von einer derartigen Diskussion halten? Überlegen Sie mal.
Was für ein Quatsch, werden Sie vermutlich sagen. Lächerlich und ärgerlich.

Aber so läuft die Diskussion zwischen Befürwortern und Impfgegnern. Das Beispiel ist übrigens ausgezeichnet. Denn die Erde ist genau genommen ein sogenannter Rotationsellipsoid d.h. die Erdfigur ist keine perfekte Kugel. Allerdings ist die Abweichung so klein, dass sie mit freiem Auge gar nicht sichtbar ist.

So ähnlich verhält es sich auch mit Impfungen. Man hätte natürlich gerne die perfekte Kugel, das perfekte Medikament, die perfekte Impfung.

Impfungen sind aber nun einmal Medikamente, und Medikamente zeichnen sich praktisch immer durch Wirkungen und Nebenwirkungen aus (als Faustregel vielleicht: wenn Ihnen jemand „Medizin“ ohne Nebenwirkungen andrehen will, seien Sie misstrauisch. Denn meist bedeutet das: auch keine Wirkung). Was zählt ist, dass die Wirkung die Nebenwirkungen übertreffen muss. Und so klar wie bei den Impfungen ist das kaum bei einer medizinischen Maßnahme der Fall.

Wir haben hier mit unserer generellen Empfehlung im Grunde auch die perfekte Kugel gezeichnet. Es klingt so, als würden wir immer, zu allem ja sagen.

Selbstverständlich: wenn eine Eiweißallergie, Immunschwäche oder sonstige medizinische Gründe vorliegen, ist entsprechend von der Impfung abzusehen. Das sollte klar sein.

Die Tuberkulose-Impfung, die schon längst nicht mehr empfohlen wird, zeichnete sich durch schlechte Wirksamkeit und viele Nebenwirkungen aus. Sehr gerne führen Impfgegner die FSME, also die umgangssprachliche „Zeckenimpfung“, ins Feld. Wenn man nicht in einem Risikogebiet wohnt, ist diese Impfung wenig sinnvoll.

So lassen sich natürlich einige Fälle aufzählen, in denen man nicht impfen soll. Die Aussage „Immer impfen“ ist natürlich nicht präzise genug.

Daher möchten auch wir unsere „Kugel“ präzisieren, zum Rotationsellipsoid.
Liebe Eltern: Folgen Sie den Empfehlungen des Impfplanes ihres Landes. Dieser hat nur ein Ziel: Die Sicherheit ihres Kindes zu optimieren.

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  1. Joachim
    24. März 2015, 10:19 | #1

    Hat mal jemand dessen Zahlen geprüft? Es bringt ja nichts, mit falschen Zahlen, die die Impfgegener genüsslich in der Luft zerreissen können, Propaganda zu machen.
    Die Zahl an Windpocken (Varicella)-Toten pro Jahr erschien mir doch etwas hoch. Laut CDC lag die Zahl der jährlichen Erkrankungen vor der Einführung der Impfung bei ca. 4 Millionen, mit ca. 11000 Krankhausbehandlungen und ca. 100 Toten.
    „Before the introduction of the live attenuated varicella vaccine in 1995, approximately 4 million cases of varicella occurred annually in the United States, resulting in approximately 11,000 hospitalizations and 100 deaths (1–3).“ (http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm5237a2.htm)
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Journal of the America Mediacal Association, dass er als Quelle für die Zahl angibt, auf 40000 mal mehr Tote pro Jahr kommt als die CDC.

    Aber auch diese, geringere Zahl straft den heutigen Kommentar auf spiegel.de zur gestrigen „Hart aber fair“-Sendung in der ARD Lügen, in dem die Autorin mal wieder resümiert:
    „Bei Windpocken hingegen sind auch gefährliche Krankheitsverläufe bei Kindern so selten, dass sich ein weniger eindeutiges Verhältnis ergibt. Trotzdem wird die Impfung seit einigen Jahren für Babys empfohlen, daran gab es auch seitens von Medizinern Kritik. Im Einzelfall abzuwägen, muss hier erlaubt sein,“
    (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hart-aber-fair-plasberg-talk-ueber-impfen-und-homoeopathie-a-1025058.html)

    Könnte mal jemand die restlichen Zahlen prüfen?

  2. Joachim
    24. März 2015, 10:45 | #2

    @Joachim
    Ups. Und so schnell kann man reinfallen, wenn irgendwo „morbidity“ (krankhaftigkeit) steht und man „mortality“ (todlichkeit) gelesen hat.
    Bitte vergesst den ersten Absatz meines Kommentars. 😀

  3. editor
    24. März 2015, 12:09 | #3

    Die Zeiten sind doch vorbei wo man vermeidbare Risken mit einem Schulterzucken hingenommen hat. Wenn nur ein paar Kinder an Varicellen sterben, einige mehr schwere Komplikationen haben (Schlaganfall, Erblindung, Varicellen in der Schwangerschaft etc pp) dann ist es sinnvoll das zu vermeiden- und das macht man dann auch. Und wenn als Nebeneffekt die Zahl der Gürtelrose Fälle auch zurückgeht ist das ja auch nicht schlecht.

  4. duester
    24. März 2015, 15:19 | #4

    editor :Die Zeiten sind doch vorbei wo man vermeidbare Risken mit einem Schulterzucken hingenommen hat.

    Eben. Vor allem ist es ja nicht so, als wären nicht neue Risiken hinzugekommen – anstatt dass man also ein ansonsten gesundes und glückliches Leben gewährleistet, wenn man Kinder Windpocken „durchmachen“ lässt, schiebt man denen eher die Arschkarte zu, indem sie im schlimmsten Fall die vermeidbaren Varizellen und Gürtelrose plus bislang unberücksichtigte Erkrankungen im weiteren Leben bekommen. Diese vermeintliche „Abhärtung“ durch Kinderkrankheiten funktioniert nunmal nur dann, wenn die gesundheitliche Versorgung auch ansonsten schlecht ist und eine Epidemie einen Teil der Geburtskohorte dahinrafft.

    Hier mal eine Frage an alle die gestern „Hart aber fair“ komplett gesehen haben: Hat Frau von Wedel (die btw vermutlich nicht adelig ist, sondern einfach jemanden geheiratet hat, der aus der Gegend von Wedel stammt – aber egal …) noch gesagt, wogegen sie ihre Tochter dann doch hat impfen lassen? Weil ich mich schon denganzen Tag frage, welche Impfung man als sicher und nützlich erachtet, wenn man die Masern-Impfung wegen mangelnder Wirksamkeit und unsicherem Risikoprofil ablehnt? HPV? Grippe? Polio? FSME in Nord-Deutschland? Okay, Tetanus, vermutlich, aber sonst?

  5. Gefährliche Bohnen
    24. März 2015, 15:28 | #5

    @ duester

    Nein, Frau von Wedel hat das nicht mehr anbringen können, hätte mich auch interessiert. Wird wohl ein ewiges Mysterium bleiben.

  6. duester
    24. März 2015, 15:45 | #6

    Gefährliche Bohnen :@ duester
    Nein, Frau von Wedel hat das nicht mehr anbringen können, hätte mich auch interessiert. Wird wohl ein ewiges Mysterium bleiben.

    Hab‘ Dank (ich hätte mich noch ewig gefragt).

    Vermutlich hätte die – wenn da noch mal nachgebohrt worden wäre – knallhart auf die Privatsphäre ihrer Tochter verwiesen. So’ne gewisse Kaltschnäuzigkeit braucht man als Vorstand der „Homöopathen ohne Grenzen“ wohl einfach …

    Und falls hier jemand aus der Materie noch mitliest (hab’s versucht zu googlen, aber Infos gibt es nur aus fragwürdigen Quellen): Stimmt dieser 15%-Impfversager-bei-99%-Durchimpfung-in China-Mist? Damit meine ich nicht die Stichhaltigkeit der Aussage, sondern die Zahlen, die da in den Raum geschmissen werden.

  7. duester
    24. März 2015, 16:08 | #7

    Oh, und bevor ich es vergesse (ich musste da gestern tatsächlich wegschalten, sonst hätte mein armer Fernseher dran glauben müssen ;)): Habe ich die Sache mit der Impfung so falsch verstanden? Der Sinn einer Impfung liegt doch darin, dass jemand Antikörper bildet, ohne die Erkrankung durchmachen zu müssen – folglich müssten geimpfte Mütter ja Antikörper haben, die sie im Nestschutz weitergeben können. Die Gefahr der Ansteckung für Säuglinge resultiert also nicht daraus, dass die Mütter die Erkrankung nicht durchgemacht haben, sondern daraus, dass schon die Mütter nicht mehr konsequent geimpft wurden, richtig?

  8. YorkTown
    24. März 2015, 16:42 | #8

    a) Das mit China ist Mist. Bezieht sich vermutlich auf folgende Studie (habe die Sendung nicht gesehen, kenne aber das G’schicht’l).

    Die Zhejiang Provinz hat heute unter Kleinkindern(!) 99% Durchimpfung und trotzdem hohen Masernzahlen.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3930734/

    Könnte man jetzt im Detail durchkauen, aber der Satz gibt die Situation wieder:
    „the maximum cases of measles were found in the 20–29-year age group, followed by the 8–12-month age group with no documented prior doses of MCV.“ (MCV == Masernimpfstoff)

    Die Studie empfiehlt als Maßnahme die erste Impfung mit 8 Monaten und ein Impfkampagne unter jungen Erwachsenen.

    Ist das Gerücht sehr verbreitet? Dann können wir das bloggen und im Detail erklären.

    b) Ja und Nein. Natürlich, keine Impfung der Mutter -> Kein Nestschutz.

    Aber es gibt auch zumindest eine Studie zum Nestschutz bei Masern. Laut dieser Studie klingt der Nestschutz bei geimpften Müttern früher ab als bei Müttern die die Masern durchgemacht haben. Die Studie empfahl, die Impfempfehlungen eventuell zu überdenken und früher mit der Masernimpfung zu beginnen.

    Könnte man überlegen, andererseits: Die Gefahr für Säuglinge resultiert einfach daraus, weil der Herdenschutz nicht gewährleistet ist.

  9. duester
    24. März 2015, 16:52 | #9

    @YorkTown: Danke!

    Wg. der Verbreitung der falschen Behauptung über China: Ich hatte zuvor noch nie davon gehört, es wurde gestern aber bei Plasberg von von Wedel und Bajic mehrfach behauptet (als sehr anschauliches Beispiel auch mit den Übertreibungen, die solchen Fehlinfos gerne eine lange Halbwertszeit bescheren „In GANZ China IMMER WIEDER MasernEPIDEMIEN …“ – man musste sich fast Sorgen um die armen Chinesen machen, die so wirkungslos gepiekst und dann trotzdem fast jährlich darniederliegen … ). Der anwesende Kinder- und Jugendarzt hat ganz tapfer versucht dagegen zu argumentieren, in dem er darauf hinwies, dass die Aussage noch viel zu unspezifisch sei und z.B. die Impfversager auch aus unterbrochenen Kühlketten resultieren können – aber was will man machen, wenn die Gegenseite so skrupellos mit halbverdauten Zahlen um sich schmeißt? Never argue with … . Ein Blogbeitrag wäre deswegen vllt. ganz gut, allerdings allgemeiner im Hinblick auf den verantwortungsbewussten Umgang mit Studienergebnissen – und wie schwer es ist, einer differenzierten Aussage Gehör zu verschaffen, wenn die Gegenseite keine Skrupel im Hinblick auf plakative, aber falsch verstandene Fakten kennt.

  10. Anonymous
    24. März 2015, 18:11 | #10

    Impfen … wo liegt das Problem ? Ganz woanders !

    [Link entfernt. Unkommentierte Links gelten hier als SPAM. Die Administration. – P.]

    Gruß

  11. Inee
    21. Dezember 2015, 02:53 | #11

    @düster
    Warum gibst du so Vollgas hier?
    Und natürlich ist es erwiesen, dass Mütter, die Masern durchgemacht haben, einen Nestschutz weitergeben. Doch bei gegen Masern geimpfte Müttern klappt das nicht.
    Du kannst ja bestimmt auch erklären, warum eine durchgemachte Krankheit lebenslang immun macht? Eine Impfung hingegen nicht!!! Genau deshalb ist das so beim Nestschutz!!!
    Und der Sinn des Impfend ist nicht, damit man eben die Krankheit nicht durchmacht. Es ist eben auch schon längst bewiesen, dass jeder geimpfte die Viren danach in sich trägt, daran erkranken kann, und vorallem auch ansteckend ist!!!

  12. Groucho
    21. Dezember 2015, 03:55 | #12

    @Inee: Du erzählst Quatsch. Nimm dir mal ein Lehrbuch der Biologie zur Hand, lerne, und plapper nicht das Impfgegnergewäsch nach. Man muss sich schon auch selber mal die Grundlagen verschaffen ausserhalb der YouTube-Universität, um zu diesem berühmten „selber denken“ zu kommen. Vermutlich bekommst Du noch eine detailiertere Antwort, mir ist es zu spät und vor allem zu fad.

  13. pelacani
    21. Dezember 2015, 22:14 | #13

    Ich übernehme mal, um die Pause zu füllen.

    Inee :

    Und natürlich ist es erwiesen, dass Mütter, die Masern durchgemacht haben, einen Nestschutz weitergeben. Doch bei gegen Masern geimpfte Müttern klappt das nicht.

    So formuliert ist das falsch, aber es gibt einen Hintergrund. Du findest ihn in #8, unten.

    Inee :

    Du kannst ja bestimmt auch erklären, warum eine durchgemachte Krankheit lebenslang immun macht? Eine Impfung hingegen nicht!!!

    Möglich, dass die mit einer Krankheit erworbene Immunität länger anhält als die durch eine Impfung erworbene. Eine global richtige Aussage hier gibt es nicht; sie kann von Krankheit zu Krankheit und von Impfstoff zu Impfstoff anders aussehen. Dann muss man die Impfung halt nach 10 oder 20 Jahren wieder auffrischen. Beim Tetanus beispielsweise. Es ist doch einfach Unsinn zu folgern, dass man lieber Krankheiten durchmachen als Impfungen absolvieren sollte. Oder möchtest Du lieber einen Tetanus statt einer Impfung erleben, nur damit Du hinterher (wenn es für dich dann ein Hinterher gibt) besser geschützt bist? LOL.

    Inee :

    Und der Sinn des Impfend ist nicht, damit man eben die Krankheit nicht durchmacht. Es ist eben auch schon längst bewiesen, dass jeder geimpfte die Viren danach in sich trägt, daran erkranken kann, und vorallem auch ansteckend ist!!!

    Mist. Jetzt hast Du den großen Plan durchschaut, die Menschheit auszurotten.

  14. duester
    21. Dezember 2015, 23:26 | #14

    Inee : Es ist eben auch schon längst bewiesen, dass jeder geimpfte die Viren danach in sich trägt, daran erkranken kann, und vorallem auch ansteckend ist!!!

    Aaaalso, damit ich das richtig verstehe: Geimpfte Mütter geben keinen Nestschutz weiter, sind aber ansteckend, weil sie die Viren in sich tragen. Nur mal so als Frage: Hätte sich die Menschheit dann in den letzten fünfzig Jahren nicht selbst fast ausgelöscht, weil >90% der Mütter ihre Babies schon in den ersten Lebenswochen mit Masern infizieren? Ist ja irgendwie nicht so, stattdessen sinkt die Kindersterblichkeit. Woran das wohl liegt?