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Vaxxed – Andrew Wakefield, das Tribeca Filmfestival und Robert De Niro

wakefield

Im Grunde ist es ja unglaublich, dass Andrew Wakefield sich nicht vor Scham in einer Höhle verkriecht, um dort peinlich berührt seiner Studienfälschung, der 33 Silberlinge (bzw. 55.000 £), die er von Anwälten dafür nahm, und des Auffliegens zu gedenken. Jemand mit seiner Geschichte, der mit seinen Falschbehauptungen zahllose Kinder gefährdet hat, sollte sich unserer Ansicht nach in der Öffentlichkeit gar nicht blicken lassen.

Aber das ihn solche Kleinigkeiten wie Wahrheit, Fakten und Gewissen nicht von irgendetwas abhalten, sollten die Leser unseres Blogs ja schon wissen. So verkündete er z.B. anlässlich eines Masernausbruchs in Wales vor zwei Jahren, dass ja wohl nur der Impfstoff daran schuld sein könne (Seine Schuld – dass wegen seiner Behauptungen die Impfraten gesunken seien – war es auf keinen Fall).

Wakefields neuester Streich ist die Pseudo-Dokumentation Vaxxed „Respectful Insolence“ auf den englische Scienceblogs zum Thema verwiesen, wo die Behauptungen vor zwei Jahren ausführlich besprochen wurden. Die Studie von Hooker musste 2014 zurückgezogen werden, da fragwürdige statistische Methoden verwendet wurden, um zum „gewünschten“ Ergebnis zu kommen.

Mit diesem Machwerk, das eigentlich nicht der geringsten Beachtung wert ist, hat er es aber nun doch in die Medien geschafft. Irgendwie hatte er offenbar Robert De Niro überzeugt, dass der Film auf dem renommierten Tribeca Film Festival gezeigt werden sollte. Das wiederum hat bei einigen Zeitungen tiefe Verwunderung ausgelöst; so titelte z.B. die Los Angeles Times How Robert De Niro’s Tribeca Film Festival sold out to anti-vaccine crackpots und attackierte diese Entscheidung scharf.

De Niro verteidigte seine Wahl zuerst damit, dass er „kein Impfgegner sei und nur eine Gelegenheit zur Diskussion über das Thema bieten wolle“ (I am not personally endorsing the film, nor am I anti-vaccination; I am only providing the opportunity for a conversation around the issue). Ja, das gute alte: „Ich bin ja kein …, aber …“ hört man immer gerne. Er habe auch persönliche Gründe, eines seiner Kinder leide an Autismus.

Auf der Plus-Seite scheint die Kritik zu Robert De Niro durchgedrungen zu sein, denn nach weiterer Überprüfung des Films mit Hilfe des „Tribeca Film Festival“-Teams und Mitgliedern der wissenschaftlichen Gemeinschaft wurde der Film zurückgezogen. Er leiste keinen Beitrag zur Diskussion [des Autismus], die Robert De Niro erhofft hatte.

Nun, man mag an der Stelle verärgert über Robert De Niro sein, dass er den Mist überhaupt vorgeschlagen hat – gut, der Mann ist nur Schauspieler, kein Arzt oder ähnliches, aber ein kleines Minimum an Recherche, wie z.B. den Wikipedia-Artikel zu Wakefield durchzulesen, kann ja wohl nicht zu viel verlangt sein. Aber ok, er hat immerhin, nachdem er kritisiert wurde, den Stecker gezogen und das Machwerk aus dem Programm genommen.

Während die Gemeinschaft der klar Denkenden aufatmet, dass De Niro keinen auf Jenny McCarthy oder Chuck Norris macht, schreit Andrew Wakefield „Zensur“:

We have just witnessed yet another example of the power of corporate interests censoring free speech, art, and truth. Tribeca’s action will not succeed in denying the world access to the truth behind the film ‘Vaxxed.’”

Andrew Wakefield unterliegt hier einem Missverständnis. Zensur wäre es, wenn der Staat seine Film verbieten, alle Kopien einsammeln und vernichten usw. würde. Was hier passiert, ist eher so, als würde jemand sagen: „Ich möchte nun doch nicht, dass ihr Hund auf meinen Teppich kackt. Es mag zwar ein Ausdruck der freien Rede, Kunst und in gewisser Hinsicht wahrhaftig Kacke sein, aber stinken Sie bitte woanders.“ Da Herr Wakefield so sehr auf Freie Rede steht, wird er sicher verstehen, dass wir seinen Film mit einem Hundehaufen vergleichen.

Und was die Wahrheit hinter dem Film angeht: die vielen seriösen Zeitungen, die zum Thema schreiben, haben offenbar keine Schwierigkeiten damit, diese zu finden. So schreibt z.B. der österreichische Standard:

„Vaxxed“ ist das Machwerk des Impfgegners Andrew Wakefield, der in einer Studie einen Zusammenhang von Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln und einem höheren Risiko für Autismus bei Kindern behauptet hatte. Die Studie wurde jedoch 2004 vom britische Medizinjournal „The Lancet“ zurückgezogen, da Wakefield die Studie manipuliert hatte und von Anwälten der Eltern autistischer Kinder Geld für Studienmaterial erhalten hatte, das diese in Prozessen gegen Impfstoffhersteller verwenden wollten. Er verlor in Großbritannien seine ärztliche Zulassung.

Wenn man überlegt, ob Robert De Niro mit seiner unüberlegten Aktion Schaden angerichtet hat, kann man anhand des Tenors in den Zeitungen (und auch in den Kommentaren, siehe Standard) nur hoffen, dass diese klaren Aussagen und Qualifizierungen des Machwerks von Wakefield hier keinen Raum für Missverständnisse offen lassen. Der Film ist Mist.

  1. maxx2000
    29. März 2016, 16:21 | #1

    Die Unbelehrbaren:
    11. Stuttgarter Impfsymposium (9./10. April 2016):
    „Besonderer Höhepunkt diesmal: Der Vortrag von Dr. Andrew Wakefield“

  2. editor
    30. März 2016, 09:34 | #2

    Die Unbelehrbaren #2:
    Bert Ehgartner im Buch die Hygienefalle zum Fall Wakefield auf S 149:….. Wakefields wissenschaftlicher Ruf wurde im Zuge dieser Debatte zerstört. Der Mediziner verlor seinen Job und musste mit seine Familie England verlassen. 2010 wurde gegen ihn sogar ein Berufsverbot in Grossbritanien verhängt. Heute arbeitet Wakefield im Auftrag privater Autismus-Forschungseinrichtungen in den USA. In Interviews, Vorträgen und Büchern hat er zu allen Anschuldigungen detailliert Stellung genommen und alle Vorwürfe scharf zurückgewiesen….Ich möchte hier nicht auf Details dieser Affäre eingehen; für mich klingen Wakefields Argumente aber plausibel.

    Tja ein Impfgegner hackte dem anderen kein Auge aus. Eine unzulässig schmeichelhafte Formulierung für einen Wisseschaftsskandal der durch Wakefield verursacht wurde.
    Die sog. privaten Autismus-Forschungseinrichtungen in den USA sind wissenschaftsfeindliche Foundations wie zB die Dwoskin-Family – Foundation. Von solchen Einrichtungen lebt offenbar Wakefield. Und Ehgartners Film „die Akte Aluminium“ wurde dort als „groundbreaking“ heroisiert Stimmt ja auch irgendwie. Wenn man auf Null-Niveau ist, muss man den Boden aufgraben, um noch tiefer zu sinken.

  3. editor
  4. Elke Ospert
    21. Mai 2016, 18:47 | #4

    Das 11. Stuttgarter Impfsymposium (9./10. April 2016) war ja insofern lustig als das neben Wakefield auch noch der Masern-Viren-Leugner Lanka als Gastredner dabei war.

    Wakefield hatte ja seinerzeit einen Masernimpfstoff patentieren lassen wollen der nach Lankas kruden Behauptungen gar nicht funktionieren kann, da Masern ja nicht durch Masernviren verursacht werden.

    Ich hatte Tolzin darum gebeten diese unterschiedlichen und sich widersprechenden Standpunkte doch zum Anlass für eine Diskussion zwischen den beiden Herren zu machen.

    Na ja – Tolzin hat dann auf seiner Seite Impfkritik das gemacht was er immer mit solchen lästigen Kommentaren macht…löschen bzw. „moderieren“ wie er es nennt..

  5. Groucho
    21. Mai 2016, 23:49 | #5

    @Elke Ospert: Toxin hat doch keine andere Chance, er schöpft nur den Rahm der Fanatiker ab.
    Der Lebensentwurf, der stabilste Rationalisierer unter Irren zu sein, hat ihn wohl verlockt.

    Der Tschacka!!!ismus ist nur mit Extrempositionen gewinnbringend. Ist halt nicht Jedem gegeben, kein Gewissen zu haben und sich für Gott zu halten. Das muss man schon respektieren.