Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Was unterscheidet einen Wolf vom Genmais?

14. Februar 2017 24 Kommentare

Eine Antwort lautet kurz und bündig: für Genmais soll das Vorsorgeprinzip gelten, für den Wolf nicht. 

Das Vorsorgeprinzip ist, folgt man der Definition der Wikipedia, ein „wesentlicher Bestandteil der aktuellen Umweltpolitik und Gesundheitspolitik in Europa, nach dem Belastungen bzw. Schäden für die Umwelt bzw. die menschliche Gesundheit im Voraus (trotz unvollständiger Wissensbasis) vermieden oder weitestgehend verringert werden sollen“. Standard der aktuellen umweltpolitischen Diskussion ist dabei seit einigen Jahren sogar die Vermeidung „unbekannter Risiken“, einer extremen Interpretation des „Vorsorgeprinzips“.  

Prinzip ist immer gut, wer lebt schon gerne ohne Grundsätze, und Vorsorge ist mindestens so positiv besetzt, wissen doch alle – zumindest die Älteren – noch aus der Zahnpasta-Reklame, dass Vorsorge besser ist als Bohren. Also meidet der aufrechte Bürger entschlossen die Risiken von Genmais, von denen niemand weiß, worin sie eigentlich bestehen, und zwar genau deshalb, weil niemand es weiß. Es könnte ja trotzdem irgendetwas sein. Mehr…

Bauernmobbing: Offener Brief an BUM Barbara Hendricks

6. Februar 2017 35 Kommentare

Unser Vorschlag zur offenen und problemorientierten Kommunikation.

 

Wir rebloggen einen offenen Brief von Dr. Heike Müller, Landwirtin und  Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, wie es bereits Susanne Günther in ihrem Blog  schillipaeppa.net getan hat. Grund für diesen offenen Brief ist eine Aktion des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unter Leitung von Barbara Hendricks.

Wir wissen ja alle, wie wichtig eine ehrliche und gute Kommunikation ist. So hat sich z.B. in der U-Bahn „Ey Alter, mach Platz oder et gibt auffe Fresse!“ als wirksame Kommunikationsstrategie gezeigt. Diesem bewährten Konzept der Problemlösung folgt auch Barbara Hendricks: Komplexe Sachverhalte löst man am besten dadurch, dass man sie auf ein entweder-oder reduziert. Die auf Lehramt in Geschichte und Soziologie Studierte hat ihre Problemlösungskompetenz schon früh entwickelt, z.B. indem sie Diskussionspartnern eine brennende Kippe auf dem Handrücken ausdrückt. Es scheint, als hätte sie nun auch die passende Werbeagentur für ihre versöhnende und engagierte Art der Kommunikation gefunden. Aber das nur am Rande, hier nun der offene Brief:

Mehr…

Chemtrails – Jetzt befallen sie auch Tiere

18. Januar 2017 25 Kommentare

Mit großer Erschütterung mussten wir feststellen, dass Chemtrails nun auch Tiere befallen. Wir sind im Internet – dem Wort der Wahrheit – über Bilder gestolpert, die an Schrecken kaum zu überbieten sind. Man betrachte nur diese schwarze, deutsche* Katze! Selbst ohne über den unglaublichen Scharfblick, den man als Chemtrail-Kenner und Abgesahnter der Kommisarischen Reichsregierung zwangsläufig entwickelt hat, zu verfügen, kann auch der Laie deutlich den Chemtrail auf ihrem Rücken erkennen. Ist es nicht abscheulich, wie diese Katze durch Chemtrails entstellt wurde? Statt des zarten lieben Gesichts hat dieses Biest eine Fratze, die kaum mehr an eine Katze erinnert. Man meint fast, es wäre überhaupt keine Katze. Das sanfte Fell ist struppig und und eher Gestrüpp als anschmiegsam.

Deutsche, von Chemtrails entstellte Katze (stinkt fürchterlich)

Und auch wenn es der geneigte Leser über das Internet nicht nachvollziehen kann, es ist unglaublich, wie eine so entstellte Katze stinken kann.

Aber dabei bleibt es nicht! Auch andere Tiere sind bereits befallen, wie etwa dieses Pferd:

Von Chemtrails entstelltes Pferd (Quelle)

Die Chemtrails haben den ganzen Körper umschlungen, es sieht damit praktisch aus wie ein wandelnder Zebrastreifen. Erschütternd, was Chemtrails diesen edlen Tieren antun. Auch hier zeigt man sich als Pferdekenner entsetzt, dass dieses Tier einfach nicht die selbe Eleganz wie ein typisch deutsches Ross besitzt. Und diese Frisur! Total verdorben! Man betrachte nur zum Vergleich diesen ursprünglichen, echten, reinen deutschen Hengst:

Edler deutscher Hengst(*) (Quelle)

Kein Vergleich! Diese Eleganz, diese typisch deutsche Figur, rein, ursprünglich, echt männlich deutsch.

Aber nicht einmal unter Wasser sind die Tiere vor den Chemtrails sicher. Dieser deutsche Karpfen ist ebenfalls bis zur Unkenntlichkeit entstellt:

Von Chemtrails gezeichneter Karpfen (kein Photoshop !!!!)

Da bleibt man sprachlos zurück. Natürlich wurde keines der Bilder mit Photoshop nachbearbeitet (**), um einen falschen Eindruck zu erwecken. Wir wollen das an der Stelle nur mal klarstellen. Chemtrails sind voll echt und müssen niemals nicht gefaked werden!

Aber es kommt noch schlimmer! Wir haben das Gerücht vernommen, dass Chemtrails nun sogar schon auf deutschen Tischen zu finden sind. In einer abartigen Praktik werden die Chemtrails dann direkt in die Nase gesaugt. Also, früher hätte es das nicht gegeben! Wehrmacht denn sowas?

(*) Bei dem Pferd auf dem Bild handelt es sich um eine Araberstute, siehe Bildquelle Wikipedia
(**) Es wurde Gimp verwendet

KategorienAllgemein, Esoterik, Satire Tags:

Trump ernennt Impfgegner zum Impfforscher

11. Januar 2017 35 Kommentare

Mehrere US-Medien melden:

Der Impfgegner Robert F. Kennedy Jr. sagt, er werde den Vorsitz einer Impfkommission für den zukünftigen Präsidenten Donald Trump übernehmen.

Der kommende Präsident Donald Trump hat den Impfskeptiker Robert F. Kennedy Jr gebeten, den Vorsitz einer „Kommission zur Impfsicherheit und zur wissenschaftlichen Integrität“ zu übernehmen, sagte Kennedy zu Reportern nach einem Treffen im Trump Tower am Dienstag.
Politico.com

Damit würde wohl zum ersten Mal ein Impfkritiker in einer Position mit realer, politisch legitimierter Macht über die Medizin in den USA installiert. Der Absolvent der Politik- und Rechtswissenschaften Kennedy war in der Vergangenheit bereits über zehn Jahre lang als Anhänger der wissenschaftlich widerlegten Hypothese in Erscheinung getreten, dass kleinste Quecksilbermengen in Impfstoffen Impfungen zu Autismus führten [vgl. Kommentar #8]. Donald Trump ist ebenfalls Anhänger dieser unbelegten Hypothese, die vom Engländer Andrew Wakefield verbreitet wurde.

Kennedy ist auch der Meinung, dass es auf Seiten von Gesundheitsaufsichtsbehörden, Forschungseinrichtungen (CDC, FDA) und der pharmazeutischen Industrie eine Art Verschwörung gäbe, Zwischenfälle bei Impfungen zu vertuschen.

Diese Ernennung ist kein unglücklicher Zufall. Es gibt keinen vernünftigen Grund, an der Intention des verschwörungsaffinen President-elect zu zweifeln – er hat selbst eine lange Vorgeschichte der Impfgegnerschaft. Diese Personalentscheidung reiht sich zwanglos in die Reihe bisheriger Personalentscheidungen düsterer Vorbedeutung ein: Ein Apokalyptiker als Chefstratege im Weißen Haus, ein Leugner des menschengemachten Klimawandels als Umweltminister, eine Feindin von Bildungsstandards als Bildungsministerin, ein offen arbeitnehmerfeindlicher Konzernchef als Arbeitsminister, ein Gesundheitsminister, der Mitglied in einem dezidiert antiwissenschaftlichen Mediziner-Verein ist …

Dunkelheit, wohin man blickt.

Die E-Zigarette, das Wahrzeichen des Bösen

23. Dezember 2016 34 Kommentare

Mit der E-Zigarette haben wir uns vor einiger Zeit ausführlich befasst:

Lieber Prinzipien reiten als Menschenleben retten oder: Der Streit um die E-Zigarette, die WHO und das Deutsche Krebsforschungszentrum

Sie ist harmlos.

Gerade sind im Deutschen Ärzteblatt die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung zur Nutzung elektronischer Zigaretten erschienen.

20,7 % aller Befragten hielten elektronische Zigaretten für weniger gefährlich als herkömmliche Zigaretten, 46,3 % schätzten sie als gleich gefährlich ein und 16,1 % als gefährlicher.

Die Mehrheit der Bevölkerung hält E-Zigaretten für mindestens ebenso gefährlich wie Tabakrauchen. Ein toller Aufklärungserfolg des Bundesamtes für Risikobewertung. In Großbritannien glaubt das nur ein Viertel der Befragten. Woran liegt es? Falsche Umfrage, andere Anatomie, am Brexit?

Im Ernst: unbegreiflich. Eine Behörde hat eine Verantwortung. Wie sagt Steve Bannon, Strategie-Berater des kommenden amerikanischen Präsidenten?

„Darkness is good,“ says Bannon […] „Dick Cheney. Darth Vader. Satan. That’s power.

KategorienAllgemein Tags:

Die Unendliche Leere der Homöopathie

29. November 2016 160 Kommentare

Uns fällt gerade auf: wir haben ja wirklich schon ewig nichts mehr über Homöopathie geschrieben. Tatsächlich schon seit März. Eine Ewigkeit im anbrechenden Zeitalter der Generation Z, deren Aufmerksamkeitsspanne gegen 8 Sekunden konvergiert.

Homöopathische Darstellung der Homöopathie

Homöopathische Darstellung der Homöopathie

Die Wahrheit ist: Homöopathie ist ein 200 Jahre altes Ödnis, ein langer dunkler Fünfuhrtee der Sinnlosigkeit, der nicht mal dunkel ist, sondern nur klares Wasser enthält. Darüber zu reden, ist wie eine Diskussion, ob Stiere Milch geben können. Sie haben zwar keine Euter, aber der Homöopath der Wahl wird einem erklären, dass man nur lange genug schütteln – also – ähm – lassen wir das Beispiel doch lieber.

Homöopathie ist langweilig, weil es im Grunde um NICHTS geht. Gähnende Leere. Man schüttelt und schüttelt, damit nichts übrig bleibt. Dass sich Hahnemann vor mehr als 200 Jahren bei seinem Selbstversuch mit Chinarinde vertan, einen Irrtum begangen hat, wollen wir ihm ja nicht mal vorwerfen. Er hat damals sein Gedankengebäude eben auf einen Fehler, also NICHTS, gebaut. Es hätte ja trotzdem zufällig richtig sein können. Theoretisch jedenfalls. Mehr…

Gender Studies und die Wissenschaft

24. Oktober 2016 166 Kommentare

Einigermaßen naiv und am Rande hatten wir kürzlich in unserem Wochenrückblick einen Artikel verlinkt, der sich kritisch zu Gender Studies äußert. Einfach so, zur Kenntnisnahme. Eine Reaktion ließ nicht auf sich warten:

Verschwörungstheorie … Anekdoten ohne Quellenangabe … keine Ahnung hat, was „Gender“ bedeutet (sowohl als wissenschaftliches Konzept als auch wörtlich) … wilde Behauptungen, Anekdoten und die Selbstinszenierung als Underdog, ohne irgendwelche für das Thema relevanten inhaltlichen Argumente … obskurer „Männerrechtler“ … das gehört doch in Trumps Umkleidekabine. … es verschlägt einem die Sprache … ungebildeter Wirrkopf … Altmänner-Rants

(bei „Altmänner-Rants“ fehlt übrigens: weiße alte Männer). Kräftige Worte. Helfen nur nicht dabei herauszufinden, worum es bei Gender Studies nach Ansicht ihrer Befürworter eigentlich geht. Wenn man nach kennzeichnenden Texten fragt, so wie ein Kommentator bei uns:

Verlinke mal bitte die drei geilsten, peer reviewten Paper aus der Genderwissenschaft, die Du so kennst. Die würden mir beim Debattieren und Meinung bilden sehr helfen.

Mehr…

Measles? Whose Measles?

1. Oktober 2016 4 Kommentare

Im „Juno Magazine – a natural approach for family life“, einem in Bristol (UK) erscheinenden Magazin, schildert in der 28-cover-web-300x300Ausgabe vom 3. August 2016 eine gewisse Emma Hiwaizi, ansonsten befasst mit „Laughing Yoga Sessions„, in einem bemerkenswerten Beitrag ihre Erfahrungen während der Masernerkrankung ihrer bewusst ungeimpft gelassenen Töchter im vergangenen Frühjahr. Der Text ist bemerkenswert deshalb, weil er nicht nur (eher unbeabsichtigt) geeignet ist, Werbung für ein konsequentes Durchimpfen zu machen – wenn man sich die Einzelheiten der Krankengeschichte und das durchaus begrenzte Amüsement der Kinder über ihr Befinden durchliest. Nein, bemerkenswert ist er auch, weil dem Leser die Triebfeder für das bewusste Absehen mancher Eltern von einem Impfschutz ihrer Kinder im letzten Absatz dieses Textes geradezu ins Gesicht springt. Man muss der englischen Sprache auch gar nicht weiter mächtig sein, man muss nur hier und da die richtigen Stellen unterstreichen; etwa so:

I am still glad I chose not to vaccinate. I think all three of my girls have been strengthened by the measles and I am grateful that I was able to stay at home and look after them. It was a surreal spring. Outside was glorious and sunny and for over a month we were at home in the dark. It was a challenging and sometimes lonely experience. I now have much more respect for families who do choose to vaccinate. I think I was very naive about what measles involved, just how ill children can get and how easy it is for secondary complications to set in. In our house the girls had whooping cough, mumps and chicken pox without a murmur, but measles was in a different league. It was hard to find useful information about how to best care for them and it was utterly exhausting. My eldest daughter was angry that she was ill and missed crucial revision time. I think she will probably vaccinate her children. But I would do it all again, though I would give them Vitamin A and I would probably not let them use their laptops when they were meant to be resting in complete darkness. I think it is a shame that we have lost the art of nursing; I certainly felt I was making it up as I went along

 

Noch Fragen? Ja, eine:

vaccinetell-575x590

 

Und zum Weiterlesen empfehlen wir diesen früheren Beitrag in unserem Blog.

Vortrefflichkeit und Notwendigkeit der Heilpraktiker – ein Gedankenexperiment

20. September 2016 12 Kommentare

In einem Gedankenexperiment wird gedanklich eine Situation konstruiert, die real so nicht oder nur sehr schwer herzustellen ist. Sodann malt man sich im Geiste aus, welche Folgen sich aus dieser Situation ergeben, wenn man die Theorie auf die Situation anwendet. Gedankenexperimente haben dabei geholfen, das Wissen der Menschheit enorm zu erweitern –  etwa bei Albert Einstein, dessen seine Relativitätstheorien sich ursprünglich auf die simpelsten gedanklichen Szenarien gründeten, bevor auch nur der Rechenstift eine einzige Formel aufs Papier brachte. Ein mächtiges Werkzeug der Erkenntnis also. Vielleicht hilft es uns ja auch bei grundsätzlichen Fragen des Gesundheitswesens – wir wollen einmal sehen.

Ein beliebtes Manöver der Heilpraktikergemeinde und ihrer Fans besteht darin, Unglücksfälle gegeneinander aufzurechnen. Wenn also wieder einmal die Handreichung aus der Parallelwelt der Geister und feinen Stoffe versagte, die Geisterhand beim Zusammenrühren seltsamer Gebräue etwas ins Zittern kam und der Ausgang – leider, leider – wieder einmal fatal war: dann rechnet man flugs eine Zahl dagegen, die für die „Opfer“ der Schulmedizin stehen soll, und – sacrebleu! – schon leuchtet die eigene Weste wieder fast blütenweiß.

images0hipnl47Nun kann man mit den besten Vernunftsgründen argumentieren, dass Fehler im Flugzeugbau nicht die Existenz fliegender Teppiche beweisen. Aber das ist etwa so wirkungsvoll wie ein Kniff ins Ochsenhorn. Dafür, dass solche Zahlenvergleiche allenfalls dann einen Sinn ergeben, wenn man sie auf beiderseits nach Anzahl und Schwere vergleichbare Fallpopulationen anwendet, gilt das gleiche: wer ernsthaft die Wahl zwischen realer und alternativer Welt zu Gunsten der letzteren getroffen hat, ist für solche Spitzfindigkeiten nicht mehr zugänglich.

Aber vielleicht hilft ja ein Gedankenexperiment weiter. Was ist also dran an der behaupteten Überlegenheit der schönen sanften, natürlichen, holistischen, komplementären oder alternativen Heilerwelt, die doch wohl unfehlbar bestehen müsste, mit den vorteilhaftesten Auswirkungen auf die Volksgesundheit. Basteln wir also einen gedanklichen Versuchsaufbau zusammen, der zeigen müsste, ob diese These zutrifft.

Und das geht ganz einfach: wir denken uns eine Welt, in der es keine „Schulmedizin“ mehr gibt!

Statt dessen gibt es in diesem Gedankenmodell nun ganz viele Heilpraktiker – das dürfte nicht sonderlich schwer sein, unbenannt-2so wahnsinnig hoch sind die Zugangsvoraussetzungen ja nicht – im Grunde reicht ein Mindestalter von 25 Jahren, ein Hauptschulabschluss und das Bestehen eines Tests, in dem rudimentäre Grundkenntnisse abgefragt werden, und sei es erst im x-ten Versuch.  Nicht einmal der Besuch einer „Heilpraktikerschule“ oder „-Akademie“, was aufs selbe herauskommt, ist erforderlich. Angesichts dessen, was dort zuweilen gelehrt wird, könnte er im Prüfungsverfahren sogar hinderlich sein. Die Lücken, die die Ärzteschaft hinterlässt, wären also rasch geschlossen. In tausendjährigen Zeiten, aus denen der Heilpraktiker bis heute seine gesetzliche Existenzsicherung herleitet, waren ja auch die gut 8000 jüdischen Ärzte, die der Verfolgung ausgesetzt waren, alsbald irgendwie ersetzt. In dieser Konstellation müsste sich eigentlich zeigen, wie es um die Volksgesundheit bestellt wäre, wenn die durch kleinliche Evidenz geknebelte und durch Vergessenheit uralter Erfahrungsheilkunst unmenschlich gewordene Schulmedizin abgeschafft wäre.

Mehr…

Hirntod und Esoterik im „Skeptiker“

18. September 2016 65 Kommentare

skeptiker_coverIm jüngsten Heft des „Skeptiker“ (Nr. 3/2016) ist ein Interview mit Benedikt Matenaer erschienen, in dem er kurz über die absonderlichen Ansichten der Esoten zum Hirntod berichtet; speziell über diejenigen der „Nahtod-Szene“ und die der Anthroposophen. Eine leicht fassliche Übersicht über die Sachlage geht voraus, und er macht Vorschläge, wie die Rechtslage angemessener zu gestalten wäre: eine Widerspruchslösung wie in Österreich und der Schweiz (wenn der Verstorbene nicht zu Lebzeiten widersprochen hat, darf explantiert werden) statt der „erweiterten Zustimmungslösung“ wie in Deutschland (die Zustimmung muss vorliegen). Er erwähnt sogar die Explantation beim Herztoten („non-heart-beating-donor“), die in Österreich und der Schweiz (wie auch in anderen Ländern) rechtlich möglich ist, die man aber in Deutschland mit kräftigen Worten verabscheut. Die Bundesärztekammer kritisiert er nicht für die Entscheidung, auf den Terminus „Hirntod“ zu verzichten, doch er selbst entschuldigt sich, ihn weiter zu benutzen. Bösartig, wie wir sind, wären wir bei einer durchgängigen Verwendung des Begriffs „irreversibler Hirnfunktionsausfall“ unausweichlich in die Versuchung gekommen, jenes höhere Wesen, das wir verehren anzurufen.

Er ist mutig genug, solche Eisen anzufassen, vor denen die Entscheidungsträger in Deutschland zurückgeschreckt sind, weil sie sie nicht für politisch durchsetzbar gehalten haben. So hat man sie gar nicht erst vorgeschlagen: man könnte sich unbeliebt machen. Außerdem wäre da ja noch der Deutsche Ethikrat vor (auch wenn man ironischerweise sagen könnte, dass sich Letzterer in der Hirntodfrage mit seiner Komplexität selbst paralysiert). Kurz: ein lesenswertes Interview. Leider ist der preiswerte elektronische Erwerb über die Website ein wenig undurchsichtig, aber die Beitragsvorschau gewährt zumindest einen ersten Eindruck.

Der GWUP-eigene Blogbeitrag zu diesem Thema hier.

KategorienAllgemein Tags: , ,