Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Religion’

Wort + Geist

16. Mai 2013 3 Kommentare

Bei Psiram wird uns ja oft – und vielleicht ja auch zu Recht – vorgeworfen, zu negativ zu sein. Wir wollen heute daher mal jemanden vorstellen, der ein echter Heiler und Heiliger ist, bescheiden und zurückhaltend – Helmut Bauer von Wort und Geist.

Schon von Anfang an zeigte sich die segensreiche Wirkung des Heiligen Geistes, als er in bestehende Gemeinden eindrang, verkrustete Strukturen aufbrach und viele Seelen aus ihren nur scheinbar gläubigen Familien herausreißen und retten konnte. Retten in einem sehr realen Sinne, denn wie gesagt ist er ein großer Heiler, der viele Menschen zum Absetzen ihrer Medikamente bewegen konnte. Natürlich gibt es da einige, die nicht fest genug im Glauben sind und daher doch nicht geheilt werden. Andere, die wie Ingrid Z. dem Heilungsdienst angehörten, ziehen einer Heilung (in ihrem Fall Krebs der Bauchspeicheldrüse) dann doch die ewige Glückseligkeit vor. Alle aber können sich trösten, dass der Obolus, den sie dafür gespendet haben (man redet von 8.000-12.000 € pro Heilgottesdienst, die dem Völkerapostel und fleischgewordenen Christus Bauer cash im Umschlag zugesteckt werden), sicher einem guten Zweck zugute kommt. Die Finanzen von Wort und Geist sind zwar nicht besonders transparent (Geschätzte Einnahmen der Bibelschule allein, also ohne Spenden laut NDR: 3,6 Mio € / Jahr), aber an dem großen Audi A8 (geht bei 75.000 € los), den Bauer fährt, sieht man doch, dass das Geld gut in den Aufschwung angelegt wird.

Mehr…

Kirchenvolksbegehren in Österreich

15. April 2013 3 Kommentare

Ab heute, Montag, den 15. April 2013, liegt für eine Woche ein Volksbegehren Gegen Kirchenprivilegien! auf. Es geht dabei grundsätzlich um die Trennung von Kirche und Staat, um gängige Praxis und im Speziellen um das Konkordat: den Staatskirchenvertrag, der zwischen Pius XI. und der österreichischen Bundesregierung am 5. Juni 1933 geschlossen wurde. Dieser Vertrag, obwohl später noch abgeändert/abgeschwächt gewährt der katholischen Kirche diverse Rechte.

Trotz der grundsätzlichen Natur des Volksbegehrens sind daher auch viele Fragestellungen und Details auf die katholische Kirche zugespitzt, was nicht nur am Konkordat, sondern auch einfach daran liegt, dass diese die mit Abstand stärkste Kirche im Land ist. Laut der Volkszählung von 2001 hatte sie 5,9 Millionen Mitglieder, im Vergleich dazu hatte die nächstgrößere Gruppe der Evangelischen nur 376.000 Mitglieder. Durch Kirchenaustritte hat sich diese Zahl sicher etwas vermindert.

Die wichtigsten Anliegen des Volksbegehrens sind:

  • Klare Trennung von Kirche und Staat
  • Gegen Subventionen und Vergünstigungen der Kirchen im Ausmaß von jährlich € 3,8 Mrd.
  • Staatliche Aufklärung der kirchlichen Missbrauchs- und Vertuschungsverbrechen

Abgesehen von diesen grundsätzlichen Anliegen gibt es noch eine lange Reihe detaillierter Punkte, in denen einzelne Rechte und gängige Praxis hinterfragt werden. Zu diesen gibt es auch einiges an Kritik. Ob gerechtfertigt oder nicht, kann man sicher bei jedem einzelnen Punkt diskutieren, aber es geht doch vor allem um die grundsätzliche Frage:

Sollen Kirchen durch den Staat Privilegien gewährt werden?

Das Volksbegehren fordert, die historisch gewachsene Situation zu hinterfragen und neu zu ordnen. Warum man unterschreiben sollte, erfährt man in einem kleinen Video:

Details siehe: Volksbegehren unterschreiben

Die verlorenen Schuhe der Atheisten

27. März 2013 21 Kommentare

Schuh mit dem Aufdruck: Ich bin AtheistEine Gruppe Berliner Atheisten hat vor kurzem ein Experiment durchgeführt und es wäre eine lustige Geschichte, wenn es nicht so traurig wäre.

Der Schumacher David Bonney, der aus Irland stammt und in Berlin eine kleine Werkstatt betreibt, hatte die Idee für “atheistisches Schuhwerk”.

Er startete eine Kickstarter-Kampagne und bekam 59.132$ zusammen, mit denen er sein Schuhgeschäft “Atheist Shoes” aufmachte. So weit, so gut.

Das Geschäft wurde gegründet, florierte und fand eine Menge Kunden überall auf der Welt. Komischerweise kamen aber aus den USA auch eine Menge Klagen. Verlorene Schuhe – Schuhe, die ewig auf dem Postweg benötigten. Und schließlich eine Bitte, doch den Markennamen nicht auf die Schachteln zu drucken. Mehr…

Die Atheistische Kirche von London

17. Februar 2013 5 Kommentare

Es mag merkwürdig klingen, aber London hat mittlerweile tatsächlich eine atheistische Kirche. The Sunday Assembly (Die Sonntags-Versammlung) wurde von den Schauspielern und Komödianten Sanderson Jones und Pippa Evans gegründet und hat sich am Sonntag, den 6. Jänner 2013, zum ersten Mal getroffen.

Die Idee dahinter war laut den Initiatoren, die guten Dinge der Religionsausübung zu genießen, wie zum Beispiel das Gefühl der Gemeinschaft. Der Mensch ist ein soziales Wesen und hat das Bedürfnis, sich mit anderen Menschen zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen.

Im Prinzip ist dazu zwar (unserer Meinung nach) nicht mehr als ein Kegelklub nötig, aber nicht jeder kegelt gerne und warum sollte das gemeinsame Band nicht die atheistische Grundeinstellung sein? Mehr…

Die Wunderkraft des Placebo

11. Februar 2013 75 Kommentare

placeboDie Wunderkraft des Placebo – ein Blick zurück, und einer nach vorn:

»Wunderheilungen sind kein Voodoo, das können wir erklären«, ist Manfred Schedlowski überzeugt. »Eine starke Erwartungshaltung verändert die Gehirnchemie, Botenstoffe werden ausgeschüttet, und diese Veränderungen werden über das Nervensystem an den Körper weitergeleitet, wo sie häufig genau die gewünschten Wirkungen in Gang setzen«, sagt der Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen.”

So war es vor wenigen Jahren in der ZEIT zu lesen. Und im Januar 2013 trafen sich, so wird herablassend mitgeteilt, 100 Placebo-Forscher zum Kongress in Tübingen, „um in einer großen Aufbruchsstimmung die bislang stiefmütterlich vernachlässigte Placeboforschung voranzutreiben. […] Und natürlich wird das Einfluss auf das einseitig materialistisch[e] Weltbild anderer Forscher haben. Das wird nämlich in nicht allzu ferner Zukunft in seiner Einseitigkeit ausgedient haben …“ Die Journalisten der ZEIT hatten das Programm noch leichter fasslich präsentiert: „Die Wissenschaft erklärt, warum Jesus der perfekte Heiler war“.

Nun ist bekanntermaßen kaum etwas schwieriger, als die Zukunft vorherzusagen. Werfen wir daher einen Blick in die (ferne) Vergangenheit. Ein umherziehender Wunderheiler mit einer gewissen Rechtsgelehrsamkeit und der Fähigkeit, seine moralischen Gebote in Gleichnissen zu verkünden: das ist wahrscheinlich die historische Substanz der Jesus-Gestalt. Durch die Überlieferung wurden seine Heilungen vermehrt und überhöht, und es ist nicht sinnvoll, für jede eine naturalistische Erklärung zu suchen. Für den gläubigen Christen waren alle beschriebenen Heilungen völlig real und auch nicht durch eine Art primitiver Psychiatrie hervorgebracht, sondern durch direktes göttliches Eingreifen. Mehr…

“Studie” zur Heilung von Homosexualität

21. Januar 2013 22 Kommentare

Warum auch immer religiöse Extremisten ein Problem mit Homosexualität haben und gerne ihren geballten Hass (statt gebotener Nächstenliebe) über die von Gott gehassten Schwuchteln (“God hates fags!”) ergießen, wo es doch viel weniger anstrengend wäre, einfach auf Gottes Gerechtigkeit zu vertrauen und diese in der Hölle braten zu lassen – soviel Zeit muss angesichts der Ewigkeit schon sein. Immerhin gibt es einige, die diesen leidenden Sündern helfen und sie von ihrer schrecklichen Krankheit heilen wollen. Mehr…

Der Papst und die Frucht der Erkenntnis

23. Dezember 2012 52 Kommentare

Am Freitag (an dem schon wieder kein Weltuntergang stattfand) hielt der Papst eine Ansprache, in der er die tiefe Krise der Familie beklagte. Er zitierte dabei lobend ein Traktat des Großrabbiners von Frankreich, Gilles Bernheim, der in Frankreich gerade gegen ein böses, böses Gesetz ankämpft.

Die Unterstützung der katholischen Kirche in diesem Kampf hat er, wie durch die Lobrede angedeutet; der Papst und der Großrabbiner stehen damit offenbar Seite an Seite im Kampf gegen den gemeinsamen Feind: Die Gleichberechtigung homosexueller Partnerschaften.

Bernheim hatte seinen (laut Papst “sorgfältig dokumentierten und tief bewegenden”) Text geschrieben, da in Frankreich gerade ein Gesetz geplant wird, das homosexuellen Paaren die Ehe und die Adoption von Kindern erlauben soll.

Im Gegensatz zum Papst finden wir das Traktat eher – wie soll man es freundlich und höflich sagen – dämlich. So wird zum Beispiel argumentiert, dass Gleichberechtigung kein Grund für eine solche Regelung sei. Man habe nämlich sowieso kein allgemeines Recht zu heiraten. So kann etwa ein Mann keine Frau heiraten, die bereits verheiratet ist, eine Frau keine zwei Männer heiraten oder ein Vater seine Tochter nicht heiraten.

Mit dem gleichen Argument könnte man aber auch arbeiten, wenn man fordert, dass ein Jude keine “Arierin” heiraten darf. Es gibt ja kein allgemeines Recht auf Ehe. Ein Vater darf seine Tochter nicht heiraten, ein Schwarzer keine Weiße. Ganz klar.

Der Fehler in der Argumentation des Rabbiners ist einfach: Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass einer Person oder Gruppe ein besonderes Recht zusteht – es bedeutet, dass jeder durch das Gesetz gleich behandelt werden soll.

Zwei Menschen wollen vor dem Gesetz eine Partnerschaft eingehen und gleich behandelt werden, wie andere Menschen. Dabei soll das Geschlecht der beiden Menschen irrelevant sein, Justitia quasi blind.

Man könnte jetzt über dieses Thema noch weiter ausführen, aus irgendeinem Grund ist die Homosexualität ähnlich wie die Evolutionstheorie ein Feindbild religiös-konservativer Kreise.

Im Text müht sich der Rabbi auf 25 Seiten redlich ab, die Widernatur der gleichgeschlechtlichen Ehe zu argumentieren, aber das Kernproblem, das auch der Papst in seinem Text aufgreift, ist die “Gendertheorie“.

In diesen Worten ist die Grundlegung dessen gegeben, was man heute unter dem Stichwort „gender“ als neue Philosophie der Geschlechtlichkeit darstellt. Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muss, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe.

Gender meint vor allem das “soziale Geschlecht”: es geht um die Rolle in der Gesellschaft und nicht um das physische Geschlecht. In unserer erschreckenden neuen Welt wollen sich Frauen offenbar nicht mehr durch ihre klar geschlechtlich definierten Rollen einordnen lassen und sind nicht mehr bereit, als brave Hausfrauen am Herd zu stehen – (Eva Herman vielleicht ausgenommen)

Ganz klar erkennen Bernheim und der Papst dann das Problem der Gender-Theorie:

Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht. …

Es fällt einem bei diesen Worten wie Schuppen von den Augen. Das Problem für die Kirche ist sonnenklar: Der Mensch entscheidet, dass ihm seine Natur nicht vorgegeben ist, sondern dass er selbst sie macht. Es geht gar nicht so sehr um Homosexualität, es geht um das tiefer sitzende Problem, die Freiheit des Menschen eigene Entscheidungen zu treffen und aus der Umklammerung der Tradition, den Zwängen der Gesellschaft, auszubrechen.

Der Mensch hat in die Frucht der Erkenntnis gebissen. Und es gefällt ihm.

Ägyptischer Atheist zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt

15. Dezember 2012 6 Kommentare

Alber_SaberGerade erst haben wir über den Bericht “Freedom of Thought” geschrieben, der sich mit religiöser Verfolgung befasst. Und quasi gleichzeitig wurde der 25-jährige ägyptische Blogger Alber Saber Ayad (ألبير صابر عياد) zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Der junge Mann war/ist Betreiber einer ägyptischen Facebookseite für Atheisten. Am 12. September, kurz nachdem das “Innocence of Muslims” Video verbreitet worden war, wurde sein Haus (in dem er mit Mutter und Schwester lebt) von eine Menge umzingelt, die ihn beschuldigte, ein Häretiker und Atheist zu sein.

Seine Mutter rief zum Schutz die Polizei. Diese erschien auch – am nächsten Tag. Und statt den Mob zu zerstreuen, verhaftete sie Alber Saber. Er wurde der “Diffamierung des Islam und des Christentums, Beleidigung des Göttlichen und der Verächtlichmachung religiöser Rituale und Heiliger sowie des Propheten” beschuldigt, was mit bis zu 6 Jahren Gefängnis geahndet werden kann. Mehr…

Verfolgung des Unglaubens

13. Dezember 2012 3 Kommentare

Die Freiheit der Gedanken, der eigenen Meinung und die Möglichkeit, diese Gedanken und Meinung frei äußern zu können, sind ein hohes Gut. Ein Gut, über das man sich oft genug ärgern muss, wenn wieder irgendwo im Internet jemand kompletten Schwachfug behauptet (wir weisen hier im Blog oft genug darauf hin) – aber ein Gut, das wir vielleicht oft nicht hoch genug schätzen.*

Zu dieser Freiheit der Gedanken zählt im Speziellen auch die Haltung zur Existenz eines oder mehrerer Götter bzw. welche davon die echten sind. Genau wie die Frage, welche Farbe man am liebsten mag oder ob man lieber Frucade oder Eierlikör möchte, ist es eine Frage, die man nur für sich selbst beantworten kann. Mehr…

Dr. Richard Dawkins und warum es nicht beleidigend ist mit Religion nicht übereinzustimmen

7. November 2012 24 Kommentare

Im zweiten Teil des Interviews mit Slashdot (den ersten bloggten wir hier) beschreibt Dawkins die Funktion und Intention seiner Webseite http://richarddawkins.net/. Klarerweise macht er etwas Werbung dafür, was aber wohl auch in berechtigtem Stolz begründet ist.

Er erwähnt, dass sie sich momentan sehr mit dem “Good News Club” beschäftigen, einem Zusammenschluss fundamentalistisch-evangelikaler Organisationen, die weltweit verbreitet ist. Sie gehen nach dem Schlussläuten der Schulglocke in die Schulen (um so das Religionsverbot in Schulen zu unterlaufen). Sie treten dort wie Lehrer auf und missionieren: Wer sündigt, kommt in die Hölle. Juden und Katholiken kommen in die Hölle. Und man darf nicht vergessen: Ungläubige zu töten ist eine gute Sache.

Nächstes Jahr will sich der Good News Club wohl auf Denver konzentrieren und Dawkins und seine Leute planen, dort Gegenveranstaltungen durchführen. Mehr…

Rss Feed Tweeter button Youtube button