Psiram http://blog.psiram.com Realismus als Chance Tue, 15 Apr 2014 18:55:22 +0000 de-DE hourly 1 Radikale Veganer – auf dem Weg zur VAF?http://blog.psiram.com/2014/04/radikale-veganer-auf-dem-weg-zur-vaf/ http://blog.psiram.com/2014/04/radikale-veganer-auf-dem-weg-zur-vaf/#comments Tue, 15 Apr 2014 18:55:22 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14219 Idealisten sind seltsame Menschen. Manchmal, zumindest.

Als viele von uns noch viel jünger waren, konstituierte sich eine Gruppe junger Menschen beiderlei Geschlechts, durchaus keine tumben Zeitgenossen: die Mehrzahl in den unterschiedlichsten Richtungen akademisch ausgebildet – Chemie, Medizin, Jurisprudenz, Soziologie, Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Politologie, dazu eine profilierte Publizistin, einige Künstler;  Pfarrerstöchter sogar, fast alle aus „gutem Hause“. Politisch sozialisiert in einer Mischung aus christlichen Jugendgruppen und linksgerichteten Organisationen, einige in offener Rebellion gegen ein als reaktionär begriffenes Elternhaus, hatten sie sich hohe und höchste moralische Maßstäbe angeeignet, die alsbald in Allmachtsvorstellungen einmündeten. Nicht lange und man setzte sich auf dem Weg der Verwirklichung von Idealen des neuen, des wahrhaft freien und besseren Menschen über kleinliche bürgerliche Bedenklichkeiten hinweg, die nur als Auswüchse des „Schweinesystems“ verstanden werden durften. „Natürlich sind es Schweine“ – lautete schließlich die zynische Rechtfertigungsformel für Blutvergießen. Ganz am Anfang brannten nur zwei Kaufhäuser. Die Rede war, man kann es sich denken, von der RAF.

Vor ein paar Tagen tobte in Frankfurt am Main ein seltsamer Mob. Junge Leute beiderlei Geschlechts, offensichtlich nicht prekären oder bildungsfernen Gesellschaftsschichten entstammend, zogen um einen Häuserblock der Innenstadt, unweit der alten Börse. Hohe und höchste moralische Grundsätze trieben sie an, es ging nicht einmal (nur; nur?) um den Menschen, dessen Leib, dessen Seele: es ging zusätzlich um das, was offenbar als der bessere Mensch verstanden wird – ums Tier. Genauer: um dessen Verzehr, um dessen Verarbeitung zu Kleidung und anderen Dingen.

Nun kann man persönlich aus den beachtlichsten Gründen der Überzeugung sein und leben, dass man als Mensch auf Verzehr und sonstige Verwertung des Tiers und seiner Produkte verzichten sollte. Ich persönlich achte und respektiere das, selbst an meiner eigenen Gästetafel, an der Vegetarier und Nichtvegetarier ihren Platz haben und friedlich koexistieren (meistens reden wir über wichtigere Dinge als das). Etwas anderes ist es aber, wenn Moralität und Idealismus in totalitäre Allmachtsvorstellungen umschlagen. Und genau das passierte in Frankfurt.

Ein Ladengeschäft, das Pelzbekleidung anbietet, wurde blockiert, Sprechchöre wurden skandiert: „Schande, Schande, Mörderbande!“; ähnliche Szenen dann vor einem anderen Bekleidungsgeschäft, vor der Filiale eines amerikanischen Presskuh-Imbisses, vor einer Metzgerei; selbst ein Schuhgeschäft fiel den Rasenden zum Opfer, hier wurden Kunden am Betreten gehindert. Eier mit der Aufschrift “Mörder”; ein Fruchtgummi-Laden unter massivem Polizeischutz – man mag es sich kaum vorstellen. Nötigung und Beleidigung im Gros: legal, illegal, scheißegal – man kennt das, wenn’s um die allerhöchsten Werte geht, wer nimmt da schon Rücksicht auf Mördergesellen? Und für den Überbau gibt’s ja auch noch den passenden “Aufruf” im Internet.

Der Gesamtemanzipatorische Ansatz der Demonstration umfasst auch Themen wie Menschenrechte und Umweltschutz. Tierrechts- und Tierbefreiungsarbeit soll als Teil antikapitalistischen und herrschaftsfreien Denkens und Handelns verstanden werden.

Der neunmalkluge Befreiungssprech ist also auch noch der gleiche geblieben.

Seit ein paar Tagen fürchte ich mich ein wenig vor der Entfesselung dieser Idealisten, die mit mir über meine Schuhe reden wollen; mit ihren schrillen Parolen, ihren wütenden Mienen, ihren zum Sprechchor geschürzten Mündern, ihrer totalitären Moral, die im Andersdenkenden selbstredend den Mörder sieht – das „Schwein“ kann es in dieser seltsamen Moral ja nicht gut sein.

Ja, ein klein wenig fürchte ich sie – die Dämmerung einer Veganen Armee Fraktion.

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Vandana Shiva: Bauern-Selbstmorde in Indienhttp://blog.psiram.com/2014/04/vandana-shiva-bauern-selbstmorde-in-indien/ http://blog.psiram.com/2014/04/vandana-shiva-bauern-selbstmorde-in-indien/#comments Sun, 13 Apr 2014 18:36:07 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14177 Wir haben uns vor ein paar Jahren schon einmal mit den angeblichen 250.000 Selbstmordbauern in Indien befasst. Das Thema wurde ja schon gefühlt endlos zerpflückt, was aber die Verbreiter nicht weiter stört; die Behauptung wird weiter munter wiederholt, Jahr für Jahr.

Vandana Shiva, die die Behauptung jedes Jahr wie ein Mantra wiederholt, hat im Jänner nochmal nachgelegt. Beim Lesen ihres Textes wurde klar, dass es eigentlich mehrere Artikel braucht. Dieser hier beschäftigt sich daher nur mit der Frage der angeblichen Bauernselbstmorde in Baumwollgebieten wegen gentechnisch modifizierter Samen.

Vandana Shiva schreibt:

All studies that try and disconnect suicides in the cotton areas from Monsanto’s seed monopoly take the aggregate national data, not the figures of the regions and states where cotton cultivation and cultivation of Bt cotton is concentrated.

Tatsächlich ist das ein sehr guter Einwand. Die Selbstmordraten indischer Bauern sind statistisch höher als der Durchschnitt; BT-Baumwolle wird aber nur in einem Teil Indiens angebaut, man sollte sich also auf diese Gebiete konzentrieren. Diagramme wie dieses sind eigentlich nicht genau genug:

Im ganzen Land könnten ja die Selbstmordraten sinken, während sie nur in den entsprechenden Gebieten steigen. Könnte ja sein. Also, theoretisch.

Umgekehrt möchten wir in dem Sinne Frau Shiva dann nahelegen, vielleicht nur die Selbstmorde in den relevanten Gegenden und nicht in ganz Indien zu zählen?

Nun, es wird Frau Shiva freuen, dass sich schon jemand mit dieser Frage beschäftigt hat. In einer Studie “Indian farmer suicides: Is GM cotton to blame?” hat sich Professor Plewis in Manchester mit den Anbaugebieten auseinandergesetzt.

Wichtig ist anzumerken: Frau Shiva und viele andere schreiben gern absolute Zahlen hin. Diese sind aber grundsätzlich schwer vergleichbar. Wie in dem Scherz, der den Begriff “relativ” erklärt: 3 Haare in der Suppe sind relativ viel, 3 Haare auf dem Kopf sind relativ wenig.

In Deutschland geschehen insgesamt pro Jahr etwa 10.000 Selbstmorde; in Indien (offiziell) etwa 130.000, davon etwa 16.000 Bauern jährlich. Aber wie soll man das vergleichen? In Indien leben 1,2 Milliarden Menschen, in Deutschland gerade 80 Millionen.

Das geht aber, wenn man auf “pro 100.000 Einwohner” normalisiert. Dann hat Deutschland eine Selbstmordrate von 12,4 und Indien von 11,2 Selbstmorden pro 100.000 Einwohner. Landwirte in Indien haben nach offiziellen Angaben dagegen eine Selbstmordrate von 16,3.

Laut einer Lancet-Studie sind die offiziellen Suizidraten des National Crime Records Bureau überall viel zu niedrig; in der Studie werden daher für 2010 eher 187.000 Selbstmorde in Indien geschätzt. Weiters sind Selbstmorde in den südlichen Regionen viel häufiger als in den nördlichen.

Professor Plewis hat die Lancet-Studie in seiner Arbeit berücksichtigt, kommt damit also zu wesentlich höheren Suizidraten als offiziell durch die indische Regierung dargestellt. Das hat für den Vergleich GMO – Nicht-GMO keine Auswirkungen, die Suizidraten werden einfach höher, liefert aber wohl ein ehrlicheres Bild der Situation in Indien.

Aufgrund der Verwendung von Selbstmordraten statt absoluter Zahlen kann man nun Staaten, Regionen, Berufsgruppen etc. vergleichen und es stellt sich natürlich die Frage, wie hoch eigentlich die Selbstmordraten von Bauern in den Anbaugebieten von BT-Baumwolle im Vergleich zum Durchschnitt sind.

Selbstmordraten nach GMO-Staaten aufgeschlüsselt:

Suicide_rates_GMO_states

Wie man sieht, sind die Raten stark schwankend, und nur in Maharashtra (MAH) begehen Landwirte wesentlich häufiger Selbstmord als andere Berufsgruppen. Aber insgesamt begehen Landwirte in den entsprechenden Regionen nicht häufiger, sondern sogar seltener Selbstmord als andere Berufsgruppen.

Wie sieht es aber zeitlich aus? Begehen Landwirte häufiger Selbstmord, seit BT-Baumwolle eingeführt wurde? Auch dieser Frage geht die Studie nach.

Selbstmordraten in den GMO Staaten pro Jahr:

Diagramm: Fallende Selbstmordraten bei Landwirten in GMO-Anbaugebieten

Maharashtra hat also die höchste Selbstmordrate, aber auch dort ist sie bei Landwirten gefallen, nicht gestiegen. Aber warum ist sie überhaupt so hoch?

Tatsächlich finden 70% der Selbstmorde in Vidarbha, einer relativ kleinen Region statt. Um ein Gefühl zu bekommen, Maharashtra hat etwa 85% der Größe Deutschlands, mit 112 Millionen Einwohner. Vidarbha ist fast 1,5x so groß wie Bayern, mit 23 Millionen Einwohnern.

Dabei aber 70% der Selbstmorde unter Landwirten! Und laut einem Artikel im Hindu sind die noch sehr geschönt. Frau Shiva hat eine Grafik dazu in ihrem Artikel:
Selbstmordraten in Vidarbha, die sich 2006 mehr als  verdoppeln

Eine sehr interessante Zeitlinie der Ereignisse findet man in einem Artikel in India Together. Der Text zeigt wie die Bauern in der Region in einen Teufelskreis der Verschuldung gerieten.

Ab Mitte der 1990er schlitterte die Baumwoll-Föderation in Maharashtra (in keinem anderen Bundesstaat gab es soetwas) durch Misswirtschaft und Korruption in die Krise. Die Föderation garantierte, solange sie funktionierte, relativ stabile Preise. Als sie zahlungsunfähig wurde, begann der Untergang, Bauern mussten Kredite aufnehmen. Die Monopolstellung der Föderation wurde abgeschafft, was aber die Situation noch verschlimmerte.

2004/2005 fielen die internationalen Baumwollpreise drastisch, dazu kam eine Dürre.  Unter ersten zwei Aussaaten (Juni/Juli 2004) gab es viele Missernten, die Produktion war gering.

Tollerweise erklärte die Baumwoll-Föderation Anfang Dezember, dass es eine Rekordernte gäbe. Die Preise fielen in den Keller, schlaue Händler kauften die Ernten billig auf. Erst Ende Dezember korrigierte die Föderation ihren Fehler.

Die indische Regierung versprach danach vor den Wahlen 2005 den Minimalpreis für Baumwolle zu erhöhen und senkte ihn stattdessen  – nach den Wahlen. Es gab auch ein Hilfspaket über 450 Millionen Euro. Damit haben sich laut Berichten einige Hundert Beamte “saniert”.

Game over.

In diesem Kontext war die Einführung der BT Baumwolle ein zweifelhaftes Unterfangen. Die Hoffnungen, die geweckt wurden, konnte es gar nicht erfüllen. Wie auch? Sie wirkt zwar gegen die Baumwolleule, aber benötigt auch sehr viel Wasser und hat höhere Anfangskosten (Saatgutpreis). Damit erhöht sich das Risiko der Bauern; gibt es weniger Regen, steigt logischerweise die Wahrscheinlichkeit einer Missernte. Und das in einer kritischen Situation,

Absurderweise wurden 2006 dann 350.000 Hektar durch exzessiven Regen/Überflutungen in Mitleidenschaft gezogen.

Man findet zwar auch Berichte, die sich sehr positiv äußern, aber statt neues Saatgut einzuführen, wäre Hilfe durch die Politik notwendig gewesen. Und natürlich, aus dem furchtbaren Spezialfall Vidarbha kann man auch nicht auf ganz Indien interpolieren.

Weitere Anmerkungen:
Zu Vandana Shiva, “Öko-Göttin” oder “gefährliche Fabuliererin”, gibt es einen interessanten Artikel bei Forbes.

Als weiterführende Literatur zum Thema Selbstmord in Indien sei vielleicht diese allgemeine Studie Suicide: An Indian perspective empfohlen. Interessant ist, dass in der indischen Mythologie Selbstmord oft als Ausweg, um Schande und Entehrung zu entgehen, glorifiziert wird.

Besonders unangenehm fiel bei der Recherche der indische Bundesstaat Chhattisgarh mit etwa 25 Millionen Einwohnern auf. Für die Betrachtung der BT-Baumwolle zwar eigentlich irrelevant, da dort keine angebaut wird, aber in diesem Bundesstaat hat 2011 angeblich kein einziger Landwirt Selbstmord begangen. 2012 gab es offiziell immerhin 4 Selbstmorde.

Eine dermaßen freche Datenfälschung irritiert auch die Times of India. Nach “historischen” Daten lag die Selbstmordrate unter Landwirten dort übrigens immer etwa 50% höher als sogar in Maharashtra.

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Stefan Lanka und die Existenz der Masernvirenhttp://blog.psiram.com/2014/04/stefan-lanka-und-die-existenz-der-masernviren/ http://blog.psiram.com/2014/04/stefan-lanka-und-die-existenz-der-masernviren/#comments Thu, 10 Apr 2014 15:55:53 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14170 So, heute war der erste Prozesstag, die Schwäbische Zeitung berichtete in einem Liveticker.

Der Liveblog ist sehr lesenswert – bitte beachten: Der Beginn und die meisten Beiträge sind auf Seite zwei.

Der Prozess endete wenig überraschend ohne Entscheidung und es wurde auf den 24. April vertagt; der Anwalt von Herrn Bardens (und auch Herr Bardens selbst) rechnen damit, dass dann ein Sachverständigen-Gutachten in Auftrag gegeben werden wird. Die Schwäbische Zeitung will auch dann wieder einen Liveticker einrichten.

Stefan Lanka wiederum ist überzeugt, dass die Entscheidung nur zu seinen Gunsten ausfallen kann. Er lehnt die Existenz der Masernviren natürlich weiterhin ab und äußerte krude Thesen, dass Masern z.B. durch Vergiftung der Haut von außen, zum Beispiel durch Cremes verursacht werden könnten. Oder Entgiftung über die Haut. Eventuell auch psychosomatisch.

Bei solchen Aussagen geht einem unwillkürlich die Galle über. 2011 gab es weltweit noch immer ca. 160.000 Maserntote (zum Vergleich: 1990 waren es noch ca. 630.000). Die sind also alle an Hautcreme, Entgiftung(?!) und psychosomatischen Leiden gestorben? Oh, Herr Lanka wird diese Zahlen sicher irgendwie wegdichten, mangelnde Fähigkeit zur Realitätsverweigerung scheint ja kein Problem zu sein. Bah.

Insgesamt finden wir es sehr schön, dass nach Sebastian Bartoschek und den Ruhrbaronen diverse Medien das Thema aufgegriffen haben. Es war wohl auch Fernsehen vor Ort. Solcher Mist gedeiht am Besten im Dunkeln, ohne Widerspruch. Diesem Unsinn kann man am Einfachsten die Basis entziehen, wenn in aller Öffentlichkeit als Kommentar mit den Augen gerollt wird.

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Homöopathie in Australien unter Druckhttp://blog.psiram.com/2014/04/homoeopathie-in-australien-unter-druck/ http://blog.psiram.com/2014/04/homoeopathie-in-australien-unter-druck/#comments Thu, 10 Apr 2014 06:10:57 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14159 Man freut sich zur Zeit ja über die Neuigkeit, dass die Quacksalberuniversität in Traunstein nicht zustande kommt. Laut der offiziellen Erklärung habe ja eine “landesweite Kampagne” der “sog Skeptiker-Bewegung” und “eine Lobby aus Politik und Ärzteverbänden” den Ausschlag gegeben.

Nennen muss man in dem Zusammenhang sicher Chiemgau Gemseneier, als Blogger quasi vor Ort, Norbert Aust, der das Thema bis ins Detail zerpflückt hat und natürlich die GWUP. Dank auch an Feuerwächter, Ausrufer, Freitag, Ratgebernewsblog, Stattschamanen und all die anderen, die da so gemein waren.

Durchaus verständlich, falls der Spaß keinen Anklang gefunden hat: man möchte sich mit einem solchen Blafasel-Studium ja schließlich (ohne zu hohen Aufwand, versteht sich) einen Titel und Achtung kaufen. Wenn die Quacksalber-Akademie dann schon vor der Gründung so unter Beschuss steht und man damit rechnen muss, dass jede einzelne “Vorlesung” zerpflückt wird, senkt das den Spaßfaktor doch beträchtlich.

Die Steinbeis Hochschule Berlin hat inzwischen das Wort Homöopathie von ihren Seiten verschwinden lassen; offenbar ist ihnen die gesteigerte Aufmerksamkeit der letzten Monate durch Skeptiker auch zuviel/unangenehm geworden.

Aber um zum eigentlichen Blog zu kommen: auch andernorts weht den Quacksalbern ein kalter Wind entgegen. Gerade wurde in Australien, passend zur am 10. April startenden ‘Homeopathy Awareness Week’, die Bewertung des National Health & Medical Research Council – der höchstrangigen medizinischen Institution des Landes – veröffentlicht.

Es handelt sich bei der Veröffentlichung zwar nur um einen Entwurf, aber es ist wohl nicht zu erwarten, dass sich noch viel ändern wird. Man hat sich dabei sehr viel Mühe gemacht, auf insgesamt 301 Seiten wurde das Thema zerkaut. Da das natürlich ziemlich viel Text ist, hier eine Kurzfassung (Überraschung, Überraschung):

Es gibt keinen Hinweis, dass Homöopathie zur Behandlung von irgendwas taugt.

Obwohl Homöopathie zur Behandlung von HIV, ADHS, Asthma, Depressionen, Traumata, Malaria, Heroin-Abhängigkeit und vielem mehr eingesetzt wird, wirkte es nur so gut wie ein Placebo. Besonderes Zuckerl: Manchmal war die Beweislage so schlecht, dass man eigentlich nicht mal das behaupten dürfte.

Der Bericht ist besonders bedeutsam, da gerade in Australien über einen Steuernachlass für die Deckung von Komplementärmedizin bei Privatversicherungen entschieden wird. Ein teurer Spaß für den Staat für nutzlose Behandlungen.

Darüber hinaus hat das NHMRC einen Leitfaden für Ärzte “Wie spreche ich mit meinen Patienten über Komplementärmedizin” veröffentlicht.

Die Ärzte sollen ihre Patienten fragen, ob sie Alternativmedizin nutzen und dann schließlich mit ihnen über Evidenz, Wirksamkeit und potentielle Nebeneffekte sprechen. Ein sinnvoller Vorschlag, wie wir meinen.

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Stefan Lanka: 100.000 Euro für einen kleinen Beweis …http://blog.psiram.com/2014/03/stefan-lanka-100-000-euro-fuer-einen-kleinen-beweis/ http://blog.psiram.com/2014/03/stefan-lanka-100-000-euro-fuer-einen-kleinen-beweis/#comments Sun, 30 Mar 2014 11:57:36 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14146 Regelmäßigen Lesern unseres Blog ist die Szene der Impfkritiker Impfgegner ein Begriff. Ein Vertreter dieser Spezies ist Stefan Lanka. Lanka hat tatsächlich mal promoviert und in der Tat eine Publikation, die dem Peer Review unterlag, als Erstautor vorzuweisen.

Immerhin: anderen fielen solche Ideen beim Melken ein. Danach aber kam er auf merkwürdige Gedanken (Impfkritik, AIDS-Leugnung und GNM). Er gründete mit anderen den Klein-Klein-Verlag, und irgendwann hatte er den besonders klugen Einfall, 100.000 Euro für die Widerlegung seiner Ideen auszuloben. (Gabs schon mal …)

Inzwischen hat ihn jemand beim Wort genommen, sich das ganze noch einmal schriftlich von Lanka bestätigen lassen und dann die 100.000 € für sich reklamiert. Natürlich will Lanka nicht zahlen, der Klein-Klein-Verlag ist aus dem Netz verduftet und die Sache ist vor Gericht…

 

Wir bleiben dran.

Edit:

Sebastian Bartoschek hat einen ausführlicheren Text zum Thema geschrieben: Masern für 100.000 €?

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Psiram und die Spiritualitäthttp://blog.psiram.com/2014/03/psiram-und-die-spiritualitaet/ http://blog.psiram.com/2014/03/psiram-und-die-spiritualitaet/#comments Fri, 28 Mar 2014 14:12:12 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14128 Vor ein paar Tagen wurden wir gebeten, dem Blog “Woran glauben? – Götter, Quanten, Wirtschaftswachstum” des Bayerischen Rundfunks einige Fragen zur Spiritualität zu beantworten. Es ging wohl darum, jemanden zu befragen, der – und das wird unsere regelmäßigen Leser jetzt sicher überraschen, dass man da an uns gedacht hat – nicht so spirituell eingestellt ist. Unsere Antworten findet man hier:

Spiritualität – Flucht vor der Wirklichkeit oder Weg der Erkenntnis?

Spiritualität ist ein schwammiger Begriff, ähnlich wie Esoterik, und es fällt uns irgendwie schwer, etwas dazu zu sagen.

Es gibt offenbar Menschen, denen transzendente Dinge Freude oder Trost spenden. Die nach Erkenntnis und Wahrheiten bei geistigen Wesenheiten suchen. Für uns dagegen ist Spiritualität, was auch immer man darunter verstehen mag, weder Weg noch Ziel.

Wobei das nicht heißt, dass wir die Welt nicht mit Staunen betrachten. Die Evolutionstheorie, die vor allem religiösen Gruppen große Schmerzen bereitet, ist ein Ding von so tiefer Schönheit, dass einem einfach nur die Worte wegbleiben.

Ebenso die Unendlichkeit des Alls, blickt man hinaus, so ist unsere Sonne schließlich nur ein kleines Funkeln am Rande eines Spiralarms unserer Galaxie, einer winzigen Galaxie in einem Galaxiehaufen des Virgo-Superclusters, der aus 47.000 Galaxien besteht. Galaxien wohlgemerkt, nicht Sternen. Und selbst der Virgo-Supercluster ist nicht mal besonders groß. Da kann man durchaus Ehrfurcht empfinden.

Unser Hunger ist nicht auf mystische Dinge ausgerichtet, sondern darauf die Welt zu verstehen. Je mehr Antworten wir erhalten, desto mehr Fragen haben wir. Schönheit, Kunst und Kultur benötigen für uns keinen tieferen Sinn.

Das folgende Video ist mittlerweile ein Klassiker:

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Selbst ernannte Skeptiker, raus aus Wikipedia!http://blog.psiram.com/2014/03/selbst-ernannte-skeptiker-raus-aus-wikipedia/ http://blog.psiram.com/2014/03/selbst-ernannte-skeptiker-raus-aus-wikipedia/#comments Thu, 27 Mar 2014 20:02:33 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14115 Unserem Foristen ajki war ein Beitrag unterlaufen, den wir hier mit seinem freundlichen Einverständnis weiterverwenden:

Neben den esotenüblichen Bestellungen beim Universum [baerbelmohr.de] muß die Ungerechtigkeit der Ignoranz wahrer heilerischer Künste auch anderweitig durchgesetzt werden. Besonders natürlich dort, wo heutzutags kostenfreies Marketing mit hoher Reichweite erzielt werden kann.

Eine solche Plattform ist Wikipedia – dort schlagen alle möglichen Leute weltweit alle möglichen, für sie wichtigen Sachen nach. Deshalb ist es Esoten schon immer wichtig gewesen, in den diversen Artikeln zu ihrem Verkaufskram möglichst positive Texte zu unterhalten – die diversen Edit-Wars auf manchen Seiten sind legendär. Alles, was von einem potentiellen Leser als irgendwie “ungünstig” empfunden werden könnte (vom einfachen “Citation needed” über den Standardvorbehalt “… Effekte nicht nachgewiesen…” bis hin zu den üblichen Kategorisierungen wie “Esoterik” usw.), wird bekämpft, rerverted, ad nauseam diskutiert und in immer wieder neuen Artikelansätzen unter “neuem” Begriff eingestellt.

Der Grund ist natürlich klar: neben öffentlicher “Respektabilität” und Zitierbarkeit ist das reputable Werbung.

Neben den Bestellungen beim Universum (siehe obigen Link für das zartrosa Gefühl) hat der Ärger über die Uneinsichtigkeit der Bösen(TM) nun zu echt ernsthaften Konsequenzen geführt! Jawohl!

Es wurde (Trommelwirbel) eine Petition erstellt! Bei change.org. Jetzt geht es richtig rund und den schlimmen Ignoranten an den Kragen! Ziel der “Petition” ist es, endlich “richtige” Informationen über das wahre Heilswesen auf (allen) Wikipedia einstellen zu können bzw. von Fakten unbelastet zu lassen:

This is exactly the case with the Wikipedia pages for Energy Psychology, Energy Medicine, acupuncture, and other forms of complementary/alternative medicine (CAM), which are currently skewed to a negative, unscientific view of these approaches despite numerous rigorous studies in recent years demonstrating their effectiveness. These pages are controlled by a few self-appointed “skeptics” who serve as de facto censors for Wikipedia. …

Für Wikipedia antworte Jimmy Wales auf diese Petition – seine Antwort wurde auf der Petitionsseite prominent unter dem Petitionstext platziert.

Auszug aus Wales’ Kommentar:


No, you have to be kidding me. Every single person who signed this petition needs to go back to check their premises and think harder about what it means to be honest, factual, truthful.

What we won’t do is pretend that the work of lunatic charlatans is the equivalent of “true scientific discourse”. It isn’t.

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Norman Borlaug zum Hundertsten Geburtstag – Im Gedenken an Milliarden Lebenhttp://blog.psiram.com/2014/03/norman-borlaug-zum-hundertsten-geburtstag-im-gedenken-an-milliarden-leben/ http://blog.psiram.com/2014/03/norman-borlaug-zum-hundertsten-geburtstag-im-gedenken-an-milliarden-leben/#comments Mon, 24 Mar 2014 20:44:29 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14090 There are no miracles in agricultural production. --  Norman Borlaug mit GetreideWir hatten vor einiger Zeit hier im Blog die rhetorische Frage gestellt: Wer kann von sich behaupten, 5 Millionen Menschen das Leben gerettet zu haben? und erhielten prompt die Antwort in den Kommentaren: Norman Borlaug

Ja, klar. Treffer und versenkt. Man könnte höchstens anführen, dass die Antwort nicht stimmt, weil 5 Millionen viel, viel zu niedrig gegriffen sind für das Lebenswerk des Vaters der Grünen Revolution.

Vor 50 Jahren – zu der Zeit, in der Norman Borlaug wirkte -, herrschte große Sorge vor einer Malthusianischen Katastrophe: Hungersnöten, ausgelöst durch das ungebremste Bevölkerungswachstum.

So begann zum Beispiel die Originalausgabe (1968) des Bestsellers “Die Bevölkerungsbombe” mit dem Satz:

The battle to feed all of humanity is over. In the 1970s hundreds of millions of people will starve to death in spite of any crash programs embarked upon now. At this late date nothing can prevent a substantial increase in the world death rate …


Der bekannte Club of Rome prophezeite dystopisch in Die Grenzen des Wachstums unter anderem, dass sich bis zum Jahr 2000 der Landbedarf verdoppeln, also 3 Milliarden Hektar benötigt würden, um die wachsende Menschheit zu ernähren.

Während so nun trefflich schwarz gemalt wurde, forschte man andernorts an der Verbesserung der Landwirtschaft.

Norman Borlaug, ein Bauernsohn aus Iowa, geboren am 25. März 1914, sah sich selbst als Produkt der Großen Depression. Er hatte als junger Mann verzweifelte, hungrige Menschen erlebt, die auf den Straßen um Essen bettelten.

Während seines Studiums der Forstwirtschaft wurde er durch eine Rede des Pflanzenpathologen Elvin Stakman sehr beeindruckt. Dieser hatte herausgefunden, dass sich durch geeignete Zuchtmethoden krankheitsresistente Sorten schaffen ließen. Der begeisterte Borlaug studierte bei Stakman und machte 1941 seinen Doktor in Pflanzenpathologie, der Lehre der Pflanzenkrankheiten.

Nach seinem Abschluss verschlug es ihn schlussendlich 1944 nach Mexiko, wo er für die Rockefeller Foundation ein Programm zur Verbesserung von Weizen leitete. Die ersten Jahre dort waren die schwersten seines Lebens: die Sprache war ihm fremd, die Bauern feindselig und es mangelte an Material und ausgebildeten Kräften. Von einem Gefühl der Dringlichkeit geleitet, man mag es auch Ungeduld nennen, entwickelte er ein kreatives “Schnellzuchtprogramm”, das es ihm erlaubte, innerhalb von vier Jahren mehrere Sorten zu entwickeln.

Der “große Durchbruch” gelang ihm mit der Idee, japanischen Zwergweizen einzukreuzen. Die so gewonnenen Pflanzen waren kleiner und stabiler. Dadurch konnten sie schwerere Ähren tragen. “Natürliche” Sorten wachsen eher hoch, da dies die Chance erhöht, Sonnenlicht zu ergattern.

Der Ertrag verdreifachte sich. Mexiko, das 1944 noch 60% seines Weizens importiert hatte, war 1956 zum Selbstversorger geworden.

Die Idee von Borlaug machte Schule, 1961 gründeten Rockefeller und Ford Foundation das International Rice Research Institute (IRRI) auf den Philippinen, um für Reis dasselbe zu erreichen. Das IRRI ist aus unserem Blog vielleicht durch das Interview Prof. Potrykus über Goldenen Reis bekannt.

Nun, man kann sagen, der Rest ist Geschichte und 1968 wurde der Begriff Grüne Revolution geprägt. Eine stille Revolution, ohne die die Welt 7 Milliarden Menschen nicht ernähren könnte. Die Schwarzmaler lagen mit ihren düsteren Prophezeiungen nicht weit daneben. Sie hatten nur nicht mit der Innovationskraft eines Norman Borlaug gerechnet.

Um so mehr Grund, dieses grünen Giganten zu gedenken.

Weitere lesenswerte Texte:

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http://blog.psiram.com/2014/03/norman-borlaug-zum-hundertsten-geburtstag-im-gedenken-an-milliarden-leben/feed/ 5
Ruqia (Exorzismus) für Anfängerhttp://blog.psiram.com/2014/03/ruqia-exorzismus-fuer-anfaenger/ http://blog.psiram.com/2014/03/ruqia-exorzismus-fuer-anfaenger/#comments Tue, 11 Mar 2014 21:24:12 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14082 Ein Gastbeitrag von Sigrid Herrmann-Marschall

Magisch-mythisches Denken auch in Alltagsfragen findet sich als volkstümliche Nebenerscheinung von einigen Religionen. So werden Hostien Heilkräfte zugeschrieben, ebenso dem Wasser aus Lourdes. Manche Gruppierung setzt auf die heilende Kraft des Gebetes wie viele Pfingstgemeinden. Es wird sich bekreuzigt, es werden Schutzzauber mit Reliquien vollzogen und es werden Heiligenbildchen mitgeführt. Es gibt einen bunten Strauß an Möglichkeiten, wie der ängstliche Mitmensch sich durch Rituale zu beruhigen suchen kann. Wenn es für die Person funktioniert und keine andere Person betroffen ist, so liegt das in ihrer persönlichen Freiheit. Viel Glück, die Person wird es brauchen bei ernsthafter Erkrankung.

Auch der fundamentalistische Islam ist nicht frei davon. Auf diversen Internetseiten finden sich detaillierte Nachfragen, was hinsichtlich einer rituell korrekten Wohnungsreinigung zu beachten ist, wie man  mit Dschinns umzugehen hat  oder ob Haarbürsten aus Schweinehaar benutzt werden dürfen. Obwohl Konzepte wie Gegenzauber und Exorzismus etc. wohl nicht auf den Koran zurückgehen, sondern auf die Sunna und eingebundenen Volksglauben, werden von einigen Strömungen diese Ideen verwendet, ebenso wie das Konzept der Dschinns oder der Zauberei, die sich im Koran wiederfinden. Es hat den Anschein, dass Anhänger fundamentalistischer Richtungen mehr zu Beiritualen neigen. Man könnte es auf die einfache Formel bringen: Mehr Angst, mehr Regelungsbedarf, mehr Abwehrzauber.

Auf islamistischen Seiten wird nicht nur besonders genau nachgefragt, sondern auch besonders genau, mit „Beweisen“ in der Antwort vorgegangen. Oftmals wird eine Fatwa, ein religiöses Rechtsgutachten, zur Frage zugezogen. Auch magisches Denken will ja gründlich bearbeitet werden.

Konkrete Anleitungen zu rituellen und Heilzwecken finden sich z.B. auf der extrem fundamentalistischen Seite Tauhid Germany. Neben solch überraschenden Beiträgen wie „Abu Ibrahim* vernichtet Knotenzauber“ , „Die Anzeichen für Zauberei und böse Augen“ und der wichtig erscheinenden „Definition von Talismännern“ erläutert „Abu Ibrahim“ auch seine Vorstellungen zu einer gesunden Lebensführung und gibt aus seiner Sicht wohl wertvolle Hinweise zu allerlei Erkrankungen.

http://tauhid-germany.com/ruqia.html

Hoher Wert wird auf eine „richtige Diagnose“ bei der „spirituellen Krankheit“ gelegt, da alleine dadurch der „Dschinn im Körper schwach“ werde (was wohl etwas Gutes sein soll). Wichtig sei z.B., dass der Magen das „Haus der Krankheit“ sei. Dieser müsse durch „Erbrechen, Schwitzen, Stuhlgang, Urinieren und Aderlass“ entleert werden. Diese wenig spirituellen, dafür aber drastischen Maßnahmen seien die Grundlage der Heilung.

Nun dürfte „Magenschwitzen“  auch für hartgesottenste Esoteriker neu sein und praktisch eine Herausforderung darstellen. Dies zeigt aber auf, dass der Rückgriff auf exotische altertümliche Texte immer für neue Angebote der Eso-Szene lohnend sein kann.

“Abu Ibrahim” empfiehlt Abführmittel und Erbrechen bei jeder Art von Krankheit, da jede Krankheit im Magen ihren Ursprung habe. Als besonders wertvoll bezeichnet er Brechdurchfall. Da hofft man nur, dass der Mann keine Kinder hat, die diese „besonders wertvollen“ Beschwerden als Weg zur Heilung fortgesetzt erleiden müssen. So ein Kind hat schnell mal zu wenig Flüssigkeit im Körper.

Schwarzkümmelöl, Salz, Selemeki (was immer das sein mag) oder allgemein Öl seien wertvolle Substanzen, meint “Abu Ibrahim”. Sehr, sehr wichtig sei auch der „Astralkörper“. Die Sunna sei zu befolgen, weil diese den Magen reinige und den Astralkörper auch. Wenn da mal keine Anleihe im Tantra-Studio nebenan genommen wurde. Ergänzend, sozusagen komplementär, soll der Koran gelesen werden. Im Übrigen solle man dahin gehen, wo Wissen dazu herrsche.

Nun ist damit natürlich nicht der Gang zum Internisten gemeint, sondern der zum Ruqia-Erfahrenen.

Wer das alles wirr findet, hat natürlich völlig Recht. Der „wissende  Abu Ibrahim“, der in den Beiträgen seine „Geschwister“ aufklären will, rät, ohne selber irgendeine Ahnung schon nach Binnenkonsens und eigenem Anspruch zu haben. Er liest hörbar nur einen Text vor, den er schlecht übersetzt. In der realen Welt sind seine Einlassungen natürlich kompletter Unsinn und es ist schwer vorstellbar, dass Menschen ihre Kinder tatsächlich nach diesen Ratschlägen „behandeln“. Auszuschließen ist es leider nicht, denn es gab auch schon Fälle, in denen Kinder nach Konz in letztendlich fataler Weise mangelernährt wurden.

Bei dieser Vorstellung bekomme allerdings ich einen bösen Blick.

* „Abu Ibrahim“ ist übrigens im realen Leben ein polizei- und internetbekannter Salafist, Gerüchten zufolge ein Imbissbudenbetreiber. Das erscheint wenig Expertise, anderen Gesundheitsratschläge zu geben, erklärt aber vielleicht die Magenfixierung. Leider ist das kein freundlicher und erst recht kein friedlicher Mann. Das sollte man bei aller verständlicher Erheiterung über den armseligen Unfug, den er auf der genannten Seite zum Besten gibt, bedenken. Der Mann setzt seinen Glauben über alles. Man beachte auch das Schwert im Logo Tauhid. Das ist ernst gemeint, denn man unterstützt Syrienreisen.

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SkepKon Mai 2014 Münchenhttp://blog.psiram.com/2014/03/skepkon-mai-2014-muenchen/ http://blog.psiram.com/2014/03/skepkon-mai-2014-muenchen/#comments Mon, 03 Mar 2014 17:25:52 +0000 http://blog.psiram.com/?p=14019 Es ist uns eine Freude, wieder einmal etwas Werbung machen zu dürfen. Und zwar für die Skeptiker Konferenz 2014 in München. Wir kritisieren ja immer wieder gerne Schwachfugveranstaltungen wie die Paracelsus-Messe oder pseudowissenschaftliche “Impfsymposien”, da macht es zwischendurch Spaß, wenn man auf eine Skeptiker-Veranstaltung aufmerksam machen darf!

skepkon14
Die SkepKon 2014 findet dieses Jahr vom Donnerstag, 29. bis Samstag, 31. Mai 2014 in München statt und wird von der GWUP organisiert.

 

 

Als Quasi-Vorprogramm findet bereits am Mittwoch ein kleines abendliches Kennenlern-Treffen mit den Regionalgruppen der GWUP statt. Für frühzeitig Angereiste sicher einen Besuch wert. Das echte Programm beginnt allerdings erst am Donnerstag Nachmittag; es besteht also keine echte Notwendigkeit, schon am Vorabend anzureisen, um in der Früh nichts zu verpassen.

Um 14:00 geht es dann mit dem ersten Vortrag los, der allein vom Titel her schon das Interesse weckt: “Aids-Stecher und Guglmänner: Münchner Mythen & Mysterien”.

Danach geht es schon fast “konventionell” mit Wasser-Energetisierern und Homöopathen weiter; man muss ja leider sagen, dass dieser Wasser-Unsinn noch immer ein Dauerbrenner ist. Man mag es eigentlich nicht glauben, dass sich damit noch immer Geld verdienen lässt.

Zur Homöopathie wird sicherlich der Vortrag von Norbert Aust einige “freundliche” Worte verlieren; sein Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie stellt für alle, die sich über Wasserverschüttlung informieren wollen, eine Top-Seite dar. Er hat auch ein Buch darüber geschrieben.

Zur Zeit ärgert er sich (zu Recht) über die geplante Homöo-Akademie in Traunstein, zu der er regelmäßig neue Informationen bloggt. Die Akademie ist ein peinliches Unterfangen, das einer Verhöhnung des gesamten Wissenschaftsbetriebes in Deutschland gleichkommt.

Natürlich stehen außer der Wasserverschwurbelung noch andere Themen auf dem Plan: so wird der typische Anwesende vielleicht verblüfft sein zu hören, dass die ältesten und größten Pyramiden der Welt in Bosnien stehen. In dem Vortrag werden die Gedankengebäude des „bosnischen Indiana Jones“, der diese von freier Energie betriebenen Wunderwerke “entdeckt” hat, einer genaueren Betrachtung unterzogen.

Das Gesamtprogramm ist allerdings etwas zu lang, um es aufzulisten, daher verweisen wir mal direkt auf die entsprechende Seite: Programm der SkepKon.

Und wer jetzt Lust bekommen hat, sich mit anderen Skeptikern auf einer sicherlich angenehmen Veranstaltung zu treffen: zur Anmeldung geht es hier. Wir wünschen allen Teilnehmern auf jeden Fall viel Spaß!

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