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Artikel Tagged ‘Aids-Leugner’

Freispruch für die schwangere Frau Seebald

5. Juli 2013 16 Kommentare

Die Geschichte der Familie Seebald ist eine Tragödie, bei der vor allem die tiefe Sinnlosigkeit schmerzt. Die Eltern waren beide HIV-positiv und auch Aids-Leugner sowie Anhänger der Germanischen Neuen Medizin, zu deren Opfern sie und ihre Kinder gerechnet werden müssen. Der Vater starb 2010, wobei keine Todesursache bekannt ist.

Als die Mutter mit ihrem vierten Kind schwanger war, rieten ihr die Ärzte zum Kaiserschnitt, was sie ablehnte und ihr Kind in einer Hausgeburt zur Welt brachte. Das Jugendamt ordnete daraufhin ein Stillverbot an, da auch beim Stillen ein hohes Ansteckungsrisiko besteht. Aber da Aids nach Meinung von Frau Seebald ja nur eine Allergie ist, hielt sie sich nicht daran. Eine vorsorgliche antiretrovirale Therapie wurde natürlich auch abgelehnt.

Erst als das Baby mit einer lebensgefährlichen Lungenentzündung und HIV-positiv im Spital landete, ließen die Eltern eine Behandlung mit Medikamenten gegen das HI-Virus zu, aber auch das nur notgedrungen für kurze Zeit. Mehr…

Zentrum der Gesundheit: Die wahnwitzigen Behauptungen

13. Februar 2013 22 Kommentare

Im ersten Teil haben wir einen Blick auf das Angebot des Internet-Shops geworfen, im zweiten wenden wir uns nun den Artikeln zu.

Die Seiten des Zentrums der Gesundheit strömen nur so über von wahnwitzigen und unsinnigen Aussagen zur Gesundheit. Die Artikel variieren in Qualität, aber viele sind wirklich übel:

Selbstverständlich ist Aids eine einzige große Lüge. Mehrere Texte des Verschwörungstheoretikers Jon Rappoport, der auch beim braunen Kopp-Verlag gelegentlicher Gastautor ist, werden vom ZdG abgedruckt und als lautere Wahrheit verkauft. Auch beim Nexus Magazin und anderen zweifelhaften Internetauftritten bedient man sich; das Hauptkriterium der Auswahl scheint zu sein, dass die Aussagen möglichst abstrus und weit hergeholt sind. Seriöse Artikel verirren sich wohl höchstens irrtümlich auf die Seiten des ZdG, die sind in dieser wunderlichen Welt nämlich unerwünscht.

Überhaupt ist natürlich alles eine große Verschwörung: Big Pharma, die Krebsindustrie, die Nahrungsmittelindustrie – alle haben nur das Schlechteste für die Menschen im Sinn. Aber beim Zentrum der Gesundheit erfahren sie die Wahrheit. Mehr…

Das Elend der Volkshochschulen – Die Ihr eintretet, lasst alle Vernunft fahren

1. Februar 2013 162 Kommentare

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 „Die Ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“

lautet in Dantes Divina Commedia die Inschrift über dem Tor zur Hölle.

Volkshochschulen in Deutschland verstehen sich als gemeinnützige Einrichtungen zur Erwachsenen- und Weiterbildung. Zu ihren Trägern gehören, neben einigen privaten Organisationen, hauptsächlich Kommunen und kommunale Zweckverbände; auch die Finanzierung erfolgt zu beträchtlichen Teilen aus öffentlichen Haushalten. Die Kursangebote der Volkshochschulen tragen damit in der öffentlichen Wahrnehmung quasi einen amtlichen Stempel. Von verantwortlicher Seite sollte daher eigentlich ein Auge darauf geworfen werden, dass auf diesem Ticket kein Unsinn unter das Volk gebracht wird.

Weit gefehlt. Mehr…

Gesundheitliche Aufklärung

29. Januar 2013 31 Kommentare

Namen sind ja bekanntlich Schall und Rauch und wenn man im Internet auf den Blog mit dem schönen Titel „Gesundheitliche Aufklärung“ stößt, weiß man genau, warum man auf schöne Namen nicht viel geben darf. Das Blog hat offenbar genau das Gegenteil zum Ziel.

Der arme Leser wird mit Nebelgranate um Nebelgranate beworfen, bis er sich vielleicht am Ende ganz verwirrt dazu verleiten lässt, einer der Werbeeinschaltungen zu folgen und ein nutzloses bis schädliches Produkt zu kaufen.

Und dabei wird kein Unsinn ausgelassen, die gesamte Bandbreite an Abzockprodukten wird bedient. Selbstverständlich darf man Ärzten nicht vertrauen, die sind alle gemeingefährlich und wollen einen nur umbringen. Mehr…

Kopp und das Impfstoff-Imperium

8. November 2012 127 Kommentare

Der Kopp-Verlag – wie immer Garant tagesaktueller, supergut recherchierter Berichte – hat mal wieder zugeschlagen. Brandaktuell wurde präzise erkannt, dass ein Cochrane Review Grippeimpfungen für nutzlos erklärt.

Ok, man muss zugeben, der Artikel ist weder brandaktuell noch präzise, das Review ist von 2010 und Impfungen findet es auch nicht nutzlos. Das Review findet nämlich eine klare Wirkung der Grippeimpfung, aber wegen solcher Kleinigkeiten macht man sich doch keinen Kopp. Von Fakten darf man sich nicht aufhalten lassen!

Der Artikel eines Jon Rappoport behauptet jedenfalls, dass „Impfstoff-Imperium ist zusammengebrochen“, was durch ein Cochrane-Review belegt sei. Kein Grippewirkstoff biete Erwachsenen Schutz vor Grippe. Rumms!

Mutigerweise wird tatsächlich auf eine Zusammenfassung des ursprünglichen Artikels der Cochrane Collaboration verlinkt, vermutlich in der Hoffnung, dass ihn sowieso keiner lesen wird. Mehr…

Trübe Zeiten für Aids-Leugner und ein neuer Elisa-Test

31. Oktober 2012 16 Kommentare

Wenn man so in die vergangenen Jahre blickt, fühlt man sich bestärkt, dass es wenigstens die Aids-Leugner immer schwerer haben. Die Existenz der Krankheit ist im Mainstream akzeptiert, es gibt gute Medikamente dagegen, die tödliche Seuche ist zu einer chronischen Krankheit geworden. Wenn eine Krankheit vielleicht nicht heilbar, aber doch gut behandelbar ist und ihren Schrecken verliert, man die Erfolge sieht, wird die Luft für Leugner und Pseudomediziner dünn.

Hardcore-Leugner wie Lanka behaupten zwar noch immer, dass noch nie jemand das Virus gesehen hätte, dass es nicht isoliert sei, dass es weder Nachweise noch sonst etwas gäbe, aber jeder, der in der Lage ist, „Bild HIV“ in eine Suchmaschine einzugeben, kann sich direkt vom Gegenteil überzeugen. Natürlich, Leute, die so tief im Wahn verhaftet sind, werden sich nie überzeugen lassen, egal wie stark die Beweislage ist.

Andere Gruppen wie das Office of Medical and Scientific Justice, die wir auch im Blog schon besprochen haben, leugnen nicht einmal mehr direkt die Existenz von Aids, sondern behaupten statt dessen, dass die Tests unzureichend seien. Dabei wird abstrus mit dem Text der Beipackzettel und ähnlichem argumentiert. Mehr…

Kopp: HIV-Tests erweisen sich als unzuverlässig: Soldat in AIDS-Fall freigesprochen

6. August 2012 3 Kommentare

So zumindest die Schlagzeile des Kopp-Verlages zu einem Artikel des amerikanischen Autors Ethan A. Huff. Der Artikel ist im Wesentlichen eine Übersetzung seines Artikels, der bei Mike Adams NaturalNews erschien.

Es wird behauptet, dass ein Soldat freigesprochen worden sei, weil die Zuverlässigkeit von HIV-Tests in Frage gestellt wurde.

Dass der Kopp-Verlag nicht wirklich dafür bekannt ist, solide journalistische Arbeit zu leisten, ist hierzulande ja keine Neuigkeit. NaturalNews und der Health Ranger Mike Adams sind bei uns nicht so bekannt, bei den Skeptikern im englischsprachigen Raum dafür umso besser.

Der Artikel beruft sich dabei vor allem auf ein Interview, das mit dem Anwalt David Steele, der den Prozess beobachtet hatte, in der Sendung von Celia Farber geführt wurde. Sowohl Steele als auch Celia Farber sind seit Jahren als Aidsleugner bekannt. Ein weiterer Gast dieser Sendung, der David Steele Fragen stellte, war David Rasnick, ein weiterer prominenter Aids-Leugner (der sich von der CIA verfolgt fühlt). Mehr…

Fröhliches Aids-Leugnen mit Peter Duesberg

7. Januar 2012 7 Kommentare

Peter Duesberg, einer der prominentesten Aids-Leugner, hat wieder zugeschlagen.

Er hat es geschafft, dass das Paper „AIDS since 1984: No evidence for a new, viral epidemic – not even in Africa“ im italienischen Journal of Anatomy and Embryology abgedruckt wird.

Der Text ist im wesentlichen nichts Neues; eine vorhergehende Fassung wurde bereits 2009 vom Journal „Medical Hypotheses“ abgedruckt, was zu einem ziemlichen Aufschrei in der wissenschaftlichen Gemeinschaft führte.

„Medical Hypotheses“ hatte keinerlei Review-Prozess, d.h. niemand hat sich die abgedruckten Arbeiten angesehen. Und so ist damals dieses Paper wohl einfach durchgerutscht. Das Verlagshaus hat nach der verärgerten Reaktion der medizinischen Welt die Arbeit von 5 Wissenschaftlern unabhängig prüfen lassen. Alle urteilten, dass die Arbeit nie abgedruckt hätte werden dürfen, da sie zu schlecht sei. Sie wurde daraufhin zurückgezogen und da es dem Verlag wohl sehr peinlich war, wurde daraufhin auch ein Peer-Review-Prozess bei „Medical Hypotheses“ eingeführt.

Peter Duesberg hat seitdem seine Arbeit an weitere Wissenschaftsjournale geschickt und jetzt wohl eines gefunden, das die Arbeit abdruckt. In einem Interview mit Nature kommentierte der verantwortliche Redakteur (des recht unbedeutenden Magazins), warum Duesbergs Arbeit nicht abgelehnt wurde:

„Speculative conclusions are not a reason for rejection, provided they are correlated with the data presented,“

Auch ein Standpunkt …

Sehen wir uns einmal diese Spekulationen an:

Erstmal die, es gebe keine AIDS-Epidemie. Duesberg et al. behaupten, wenn es eine Epidemie gebe oder gegeben hätte, hätte es exponentielle Infektionsraten und Tote innerhalb der ersten Wochen gegeben. Als Beispiele für richtige Epidemien zieht er die Pest im 17. Jahrhundert in London und die Spanische Grippe heran.

Duesberg druckt dazu ein Diagramm zur Influenza-Epidemie 1918/19 ab, denn so müsste seiner Meinung nach der Verlauf von AIDS aussehen, gebe es eine Epidemie:

Verlauf einer "echten" Epidemie laut Duesberg

Was er dabei komplett ignoriert ist, dass HIV nicht durch Husten oder Händeschütteln übertragen wird, wie gemeinhin die Grippe. Oder wie die Pest durch Insektenbisse und Tröpfcheninfektion. Es ist eine sexuell übertragbare Krankheit, bei der glücklicherweise die Infektionsrisiken auch bei Geschlechtsverkehr noch relativ gering sind und bei der es sehr lange dauert, bis sich Symptome zeigen.

Man kann Duesbergs Argumentation ungefähr so zusammenfassen: „Tennis ist kein Sport, weil dort in den ersten 5 Minuten keine Tore geschossen werden“.

Und weil HIV sich nicht verhält wie die Pest oder die Grippe, könne sie auch in Südafrika keine 1,8 Millionen Menschen umgebracht haben. Die Logik im ersten Kapitel ist so weit ziemlich „bestechend“.

Im weiteren wird auf Basis des Bevölkerungswachstums argumentiert. Da die Bevölkerung in Südafrika (und anderer Länder wie Uganda) trotz HIV/AIDS weiter stark gewachsen ist, könne man daraus seiner Meinung nach einfach nur folgern, dass HIV/AIDS kaum jemanden umgebracht hat.

Diese Logik ist so falsch wie sie nur sein kann; als einfaches Gegenbeispiel kann der Zusammenhang Kindersterblichkeit/Bevölkerungswachstum dienen. In den Ländern mit der höchsten Kindersterblichkeit hat man die höchste Geburtenrate und auch das höchste Bevölkerungswachstum.

Wie dieses Beispiel zeigt, kann man nicht einfach aus dem Bevölkerungswachstum folgern, dass es weniger Tote gegeben habe. Duesberg garniert das Ganze dannnoch mit einigen Diagrammen und spekuliert ein wenig, dass die Daten der WHO ja falsch sein könnten …

Er spekuliert dann weiter, dass HIV einfach ein harmloser Virus sein könne und erklärt darauf, dass Medikamente zur HIV-Behandlung ja toxisch seien. Dabei wird die immer gerne gehörte These, dass die Leute eigentlich alle an der Behandlung verstarben, aufgewärmt. Speziell AZT wird hier sehr gerne als Generalverdächtiger an den Pranger gestellt, am liebsten auf der Basis von mehr als 20 Jahre alten Behandlungsdaten.

Zum Abschluss folgern Duesberg et al.:

Until there is verifiable evidence that HIV is fatally pathogenic, we deduce that South Africa’s „failure to accept the use of available ARVs [anti-HIV drugs]“ has probably saved rather than cost South African lives.

Wir vermuten, wenn man für den Tod von 300.000 Menschen mitverantwortlich ist, hat man wohl keine Wahl als sich in eine Fantasiewelt zu flüchten.

Einen weiteren schönen Artikel zum Thema findet man bei den englischen Scienceblogs.

Welt-AIDS-Tag 2011

2. Dezember 2011 2 Kommentare

Der Welt-AIDS-Tag ist gekommen und zu Ende gegangen; die Frage ist, was bleibt? Wird die durchaus üppige Berichterstattung Nachhall finden und das Thema auch weiter beachtet und im kurzlebigen Gedächtnis der Menschen Platz finden? Mal sehen.

Wir haben schon vor 2 Wochen über das Thema HIV heute berichtet, dass das Todesurteil im Wesentlichen in ein „lebenslänglich Medikamente“ umgewandelt wurde. Das Thema hat z.B. auch die österreichische Zeitung Der Standard aufgegriffen und erzählt anhand des Tagesablaufs der HIV-Ambulanz des Wiener AKH ein wenig vom Leben von Patienten und Ärzten. Die Süddeutsche dokumentiert zwei Schicksale, zwei Menschen Daniel und Zübeyde, die mit HIV leben.

Grauslich leider wie so oft manche Kommentare im Standard, die noch immer die Existenz von HIV überhaupt leugnen. Wir können nur hoffen, dass das nur vereinzelte Spinner sind; die Typen, die wir im Wiki haben, reichen uns schon. Danke, wir brauchen nicht mehr!

Mittlerweile gibt es laut Statistiken des RKI in Deutschland 73.000 Menschen, die HIV positiv sind, wobei 14.000 von diesen 73.000 es noch gar nicht wissen. Die Kampagne Vergiss Aids nicht! hat auch eine sehr gute Übersicht. In Österreich sind die Zahlen umgerechnet auf die Bevölkerung ähnlich, 10.000 Infizierte und 1.714 an Aids erkrankte, 1.945 sind seit 1985 daran verstorben. In der Schweiz leben schätzungsweise 25.000 Infizierte, wobei etwa 6.000 seit 1985 an Aids verstorben sind.

Jedes Jahr, auch dieses, gab es einige hundert Neuinfektionen (Deutschland: 2700, Österreich: 400, Schweiz: 600); es ist also immer noch klug, Kondome zu benutzen. Die Majorität der Neuinfektionen findet allerdings in Ländern der sogenannten 3. Welt statt. Und dort sterben auch die meisten Menschen daran, da die Versorgung mit Medikamenten nicht so gut ist wie in Mitteleuropa. Bedauerlich dort, dass so einflussreiche Organisationen wie die Kirche noch immer Kondome ablehnen (oder im besten Fall den Mund halten) und stattdessen auf wirkungslose Predigten wie Enthaltsamkeit setzen, ein Konzept von dem längst erwiesen ist, dass es nicht funktioniert.

Auf der Haben-Seite steht die Forschung, neue Medikamente, die die Lebenserwartung verbessern, ein Phase I Trial mit einem vielversprechenden Impfstoff, eine Möglichkeit, dasVirus zu „entwaffnen“, allerdings erst in einem frühen Stadium; eine Therapie, die auf genetischer Modifikation von T-Zellen basiert und Forscher fanden auch ein Protein, das HIV zerstört.

Und das ist nur ein unvollständiger Überblick über die Entwicklung in der letzten Zeit. Man muss bei diesen Ergebnissen/Möglichkeiten natürlich vorsichtig sein; es ist noch zu früh, um zu jubeln. Aber die schiere Menge an Forschungsergebnissen lässt doch hoffen. Spannend wird auch, wie sich ein Impfstoff auf eine Krankheit auswirkt, die nicht „vom Immunsystem besiegt“ werden kann, also im Gegensatz zu den Pocken, Masern, Grippe, … Wird eine Impfung genügen, die Krankheit langfristig auszurotten?

Hoffen wir einfach, dass es irgendwann komplett egal ist, ob irgendwelche Idioten noch immer die Existenz des Virus leugnen und ihre eigenen Kinder infizieren. Weil es eine Heilung geben wird. Die Frage ist nur, wie lange wird es dauern und wie viele Menschen müssen bis dahin noch ihr Leben lassen? Wie viele davon unnötig?

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Aidsleugnung und wie es heute mit Aids aussieht

17. November 2011 7 Kommentare

Der Scienceblogger Orac hat vor kurzem einen Artikel über den AIDS/HIV-Leugner Henry Bauer gebracht, der nicht müde wird abzustreiten, dass AIDS und HIV etwas miteinander zu tun haben. Er hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Das Verblüffendste dabei ist wohl, dass Typen wie Bauer auch heute, mehr als 25 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus, noch immer ihren wirren Thesen anhängen. Orac hat Bauer und seine „Argumente“ in seinem Artikel auch dementsprechend zerlegt.

Aber diese Typen sollen nicht im Zentrum dieses Artikels stehen, eher die Frage, wie sieht es heute eigentlich aus? Wo stehen wir? Als Aids entdeckt wurde, war es eine schreckliche Seuche, ein absolutes Todesurteil. In den letzten 25 Jahren hat sich jedoch einiges getan. Eine Studie von 2008 hat ermittelt, dass die Lebenserwartung in reichen Ländern gewaltig gestiegen ist. Um 37% in den letzten 10 Jahren.

Eine 20-jährige Person, die im Zeitraum von 1996 – 1999 eine Antiretrovirale Therapie bekam, konnte damit rechnen, noch weitere 36 Jahre zu leben. Eine 20-jährige Person, die von 2003 – 2005 ein ARV-Therapie begann, durfte mit geschätzten weiteren 49 Jahren Lebenszeit rechnen. Eine europäische Studie von 2010 findet sogar, dass Männer, die ihre CD4 Zahlen auf über 500 halten, wohl eine ähnliche Lebenserwartung haben wie der Durchschnittsmann. Für Frauen sind die Zahlen leider etwas schlechter. Einen Grund für die Geschlechterdiskrepanz nennt die Studie nicht.

Afrika ist in dieser Hinsicht sicher das Sorgenkind der Welt (mit fast 70% der Infizierten), was natürlich zumindest in Südafrika auch auf die dortige Politik der Aids-Leugnung unter Präsident Mbeki zurückzuführen ist. Von 30 Millionen Infizierten in Afrika leben etwa 6 Millionen in Südafrika. Zwar ist auch in Afrika mittlerweile in vielen Ländern Behandlung verfügbar und die Lebenserwartung steigt, aber eine lebenslange Versorgung mit Medikamenten ist trotzdem oft unbezahlbar. Ist Behandlung verfügbar, wie in den reicheren Ländern, so zeigen die Daten, dass sich die Lebenserwartung dadurch drastisch erhöht hat, wie z.B. in Uganda. Hans Rosling dokumentiert das in einem Video sehr schön:

Positiv ist noch zu vermelden, dass die Fortschritte der Medizin aus einer tödlichen Krankheit fast ein chronisches Leiden gemacht haben. Das soll keine Verharmlosung sein; sein Leben lang Medikamente nehmen zu müssen, gehört sicher nicht zu erstrebenswerten Dingen, aber es hat sich etwas getan. Und wenn man in die nächsten 10 Jahre blickt, gibt es einige vielversprechende Funde in der Wissenschaft, die uns vielleicht in die Lage versetzen werden, dieser Seuche den Garaus machen zu können.

Forscher am Scripps Research Institute haben einen Antikörper gefunden, der gegen 70% der bekannte HIV-Stämme wirkt und arbeiten auf einen Impfstoff hin. Damit sind sie nicht allein. Mehrere Projekte forschen mit verschiedenen Ansätzen an Impfstoffen, eines davon auch schon in Phase I-Trials. Im Tierversuch hat sich ein Stoff namens Auranofin als vielversprechende Behandlungsverbesserung, vielleicht sogar Heilungsmöglichkeit erwiesen. Ein Protein, das HIV zerstört, konnte gefunden werden. Und wir haben auch schon von Foldit berichtet, wo ein Protein, das Aids in Rhesusaffen auslöst, erfolgreich gefaltet werden konnte, was für die Forschung immens wertvoll ist.

All diese Forschungen und Erkenntnisse sind natürlich Zukunftsmusik, aber es tut sich so viel, dass man mit einem lachenden Auge in die Zukunft blicken kann. Ein Impfstoff könnte uns in die Lage versetzen, die Seuche auszurotten; bessere Behandlungen werden wohl irgendwann sogar Heilung bringen. Bis dahin gilt es, das Leben der Infizierten zu verlängern und die existierenden Medikamente zu verbessern.

Und mit einem weinenden Auge zurück auf die über 30 Millionen infizierten Menschen und 1,8 Millionen Menschen, die allein 2009 daran gestorben sind. Dabei besonders nach Südafrika, wo dieser Horror nicht notwendig gewesen wäre.