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Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem der Fliege kroch

Evangelische Kirche und Esoterik

Unlängst durften wir im Netz folgendes Dokument entdecken:

http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2759.php

Wie interessant – da ist jemand auf eine faire und sachliche Darstellung der Vorgänge bedacht, könnte man meinen. Schade nur, dass nicht konkret benannt wird, wo denn unsere Übertreibungen liegen. Autor ist ein gewisser Michael Utsch und wenn man nach dem googelt, wird man schnell fündig: Auf den Seiten von “Psychophysik.com” des allseits beliebten Claus Fritzsche, wo er über Geistheilung schreibt. Ursprünglich waren die Artikel im Materialdienst der EZW erschienen. Es ist doch interessant, dass der Herr Utsch um die Vorgänge rund um die Internetaktivitäten des Herrn Fritzsche Bescheid weiß, aber trotzdem mit ihm zusammenarbeitet. Oder sind die Artikel etwa schlicht geklaut? Es ist auch interessant, dass der gleiche Autor auf der Webseite der EKD über Alternativmedizin, “Energie” und Parapsychologie schreibt. Wir haben das quergelesen und wir sind nicht amüsiert. Einige ganz konkrete Gesichtspunkte:

Artikel Energie: http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2753.php
Hier wird aus unserer Sicht der Begriff “Energie” unreflektiert übernommen, den die Esoterik nicht sauber definiert und schlicht aus der Physik geklaut hat. Es fehlt eine klare Aussage, dass es den in der Esoterik gemeinten und durcheinandergemixten Vorstellungen von Energie an einem Existenznachweis mangelt. Das könnte daran liegen, dass Marco Bischof als Quelle verwendet wird, was wir ablehnen müssen. Zu den Gründen später mehr.

Artikel Parapsychologie: http://www.ekd.de/ezw/Lexikon_2746.php bzw. http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_im_blickpunkt_150_jahre_parapsychologische_forschung.php
Hier werden völlig unkritisch die Vorstellungen der Vertreter dieser Disziplin übernommen. Was bitte haben denn die 150 Jahre Parapsychologie ergeben? Was ist von einer Disziplin zu halten, die sich auf Anton Mesmer beruft, der bereits im Urteil seiner Zeitgenossen schlicht ein Schwindler war? Mesmer hat den Begriff Magnetismus verwendet, wie die Esoterik den Begriff Energie oder – moderner – Quanten verwendet: Zur Vortäuschung einer Substanz, die schlicht nicht da ist.

Artikel Alternativmedizin: http://www.ekd.de/ezw/Lexikon_101.php
Hier wird ein Schwarz-Weiß-Bild gezeichnet (hier die böse Apparate-Schulmedizin, dort die menschliche Alternativmedizin), das so schlicht nicht zu halten ist. Es ist auch nicht ersichtlich, was das mit Weltanschauungsfragen zu tun hat. Die Frage, welche Therapie wie wirkt, sollte man am besten wissenschaftlich untersuchen. Der Eindruck drängt sich auf, dass hier jemand sein privates Steckenpferd promoten möchte. Eine schöne Analogie zur “Paläo-Power” der GBS, und es geht genauso schief.

Es ist festzuhalten, dass die Belege für diese Artikel vielfach aus dem Umfeld von Walach kommen. Walach wird von Heel finanziert, wie Fritzsche auch. Walach hat Marco Bischof promoviert, der sich nicht zu schade war, am “Global Scaling” Betrug mitzumachen, indem er einen einleitenden Beitrag in Hartmut Müllers Buch über Global Scaling schrieb. Walach hat die Kozyrev-Masterarbeit begutachtet, eine Lachnummer sondergleichen. Dass Walachs Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) keine wissenschaftliche Substanz hat, ist nicht nur die Meinung der “fundamentalistischen Atheisten” von Psiram, sondern auch die der Hochschulstrukturkomission, die den Unfug begutachtet hat. Ob das IntraG das Umfeld ist, aus dem sachgerechte und wissenschaftlich haltbare Informationen kommen können, wagen wir doch entschieden zu bezweifeln. Aus unserer Sicht handelt es sich hier um ein Zitierkartell, das Frachtkult-Wissenschaft betreibt.
Im Übrigen – nein, wir sind keine fundamentalistischen Atheisten. Wir arbeiten sehr gut mit kirchlichen Stellen zur Sektenberatung zusammen, die unsere Recherchen sehr schätzen. Diese religiösen Menschen, die in ihrer Arbeit häufig mit den fatalen Folgen psychischer Abhängigkeit von Geistheilern wie z.B. Victor Philippi konfrontiert sind und Opfer und Angehörige wieder aufbauen müssen, sehen das etwas anders. Wir sind sehr gespannt, wann und wie sich die ersten zu diesem Gegensatz äußern. Und ja, wir wissen, dass Philippi kritisch gesehen wird. Nur leider ist da von psychischer Abhängigkeit keine Rede, warum?
Wenn man das Archiv der Materialien der EZW durchgeht, findet man viel Brauchbares und gut Belegtes – leider mit abnehmender Tendenz. Warum man einen Rückgriff auf Parapsychologie braucht, um die eigene Spiritualität zu rechtfertigen, erschließt sich uns nicht. Eine Theologie, die sich auf solche Versuche stützt, scheitert analog zum Kreationismus an der Realität. So werden Menschen von Gott entfernt.

 

Zum Ausklang: Was Frachtkult ausmacht und wie man ihn erkennt:

  1. Ponder
    29. September 2012, 09:44 | #1

    . Autor ist ein gewisser Michael Utsch und wenn man nach dem googelt, wird man schnell fündig: Auf den Seiten von “Psychophysik.com” des allseits beliebten Claus Fritzsche, wo er über Geistheilung schreibt. Ursprünglich waren die Artikel im Materialdienst der EZW erschienen….Oder sind die Artikel etwa schlicht geklaut?

    Sieht mehr danach aus, als ob CF die Texte einfach aus der Materialsammlung der EZW rauskopiert und dann einen Copyright-Link gesetzt hat, der mittlerweile aber nicht mehr auf die Quelle verlinkt.

    Es wäre dann aber interessant zu erfahren, ob der Autor Utsch über diese Verwendung seiner Texte glücklich ist.
    Demnächst trifft er jedenfalls im Rahmen eines Kongresses „Meditation und Wissenschaft“ mit Vertretern von Rajif Fritzsches Klientel (Viadrina) zusammen:

    http://www.meditation-wissenschaft.org/programm.html

    Die EZW zum Beweis von Fritzsches Seriosität – das hat schon was…

  2. erdschaf
    29. September 2012, 23:00 | #2

    Irgendwie hat es den Anschein als würde der Autor aus dem Gefühl des Angegriffenseins heraus seine Sorgfältigkeit etwas außer Acht lassen.

    In der Tat scheint psychophysik.com die Texte geklaut zu haben. Sie wurden im Materialdienst der EZW veröffentlicht. Die sich aus der Veröffentlichung ergebenden Mutmaßungen sind daher hinfällig.

    „Artikel Energie: http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2753.php
    Hier lese ich „Claudia Knepper“ als Autorin, nicht Michael Utsch.

    „Artikel Parapsychologie: http://www.ekd.de/ezw/Lexikon_2746.php bzw. http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_im_blickpunkt_150_jahre_parapsychologische_forschung.php

    Erster Artikel ist von Utsch, der zweite von Werner Thiede. Da Utsch einen Lexikonartikel geschrieben hat, bedeutet die Darstellung parapsychologischer Standpunkte keine Zustimmung.

    Dies gilt auch für den Artikel zur Alternativmedizin. Und: „Hier wird ein Schwarz-Weiß-Bild gezeichnet (hier die böse Apparate-Schulmedizin, dort die menschliche Alternativmedizin), das so schlicht nicht zu halten ist.“
    Wo der Autor dem Lexikonartikel diese Haltung und die Schwarz-Weiß-Malerei entnimmt, ist mir ein völliges Rätsel. Hat er oder sie ihn gelesen? Der Teil „Einschätzung“ versucht doch klar abzuwägen und benennt deutlich den Mißbrauch im Namen alternativmedizinischer Methoden.

    „Autor ist ein gewisser Michael Utsch…“ „Wir arbeiten sehr gut mit kirchlichen Stellen zur Sektenberatung zusammen, die unsere Recherchen sehr schätzen.“
    Die EZW ist eine kirchliche Stelle zur Sektenberatung (wenn man es denn so nennen will…). Herr Utsch sollte Euch daher durchaus bekannt sein. Die Art der Einführung des Namens macht die Wissenslücke offenbar.
    Wie sieht diese Zusammenarbeit aus? Habt Ihr Euch bei der EZW erkundigt? (Man kann übrigens unkompliziert einfach mal in der Auguststraße vorbeikommen). Zusammenarbeit im Sinne eines Dialogs scheint hier nicht gemeint zu sein. Das ist schade, denn der Satz suggeriert mehr als er aussagen kann.

    Ich hatte an der Humboldt-Universität eine Veranstaltung von Herrn besucht. Die im Artikel geäußerten Verdächtigungen, die sich allein auf das Umfeld von Zitaten beziehen, haben wenig bis nichts mit dem von ihm Geäußerten zu tun. Es war insgesamt ein produktives und fundiertes psychologisches Seminar (für Nichtpsychologen).

    Der Artikel ist jedoch, gelinde gesagt, eine große Enttäuschung. Ich hielt psiram.com in der Tat für ein zwar SEHR pointiertes aber seriöses und gut recherchiertes Portal, da der Nachvollziehbarkeit und wissenschaftlicher Methoden verpflichtet. Doch anstatt dass sich der Autor mit den Argumenten von Herrn Utsch auseinandersetzt (Problem der Anonymität und der dadurch fehlenden Transparenz) verfällt er auf Mutmaßungen, die Herrn Utsch als kompromittiert darstellen soll. Das ist keine ehrenwerte Methode, so arbeiten sonst Andere, die hier eher Gegenstand des Gesprächs sind und nicht Autoren.

    Den Nagel eher auf den Kopf getroffen hätte der Autor, wenn er hinterfragt hätte, wie die EZW damit klarkommt, dass ein Psychologe in ihren Reihen arbeitet. Die Einrichtung war bis vor einigen Jahren als die „Inquisition der EKD“ verschrien. (Gefühlt) alle Veröffentlichungen endeten mit der Einschätzung, dass dieser oder jeder Ansatz „nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar“ sei. Ob nichtchristliche Religion, Subkultur, Psychosekte, Alternativmedizin, virales Marketing…, überall lauerte der Abfall vom Glauben. Herr Utsch steht einerseits für die Öffnung der EZW zu einem deutlich liberaleren Kurs. Nicht alles, wo kein christliches Label drauf klebt, wird nun völlig verworfen. Dennoch ist und bleibt die EZW die Zentralstelle zur christlichen Beurteilung „weltanschaulicher Strömungen“ und damit ein Teil der Missionsarbeit der Kirche. Hier wäre meiner Meinung nach ein ertragreicherer Ansatzpunkt für psiram. Doch es ist einfacher, Einzelnen eine Retourkutsche zu liefern als sich mit strukturellen Problemen auseinanderzusetzen.

  3. bayle
    30. September 2012, 07:51 | #3

    Michael Utsch schreibt:

    „Neuere Studien zur Wirksamkeitsforschung der Alternativmedizin weisen unmissverständlich darauf hin, dass dem gemeinsamen Weltbild von Therapeut und Patient ein enormes Heilungspotential zukommt, das zu nutzen sich lohnt.“
    http://www.ekd.de/ezw/Lexikon_101.php

    Das ist einfach eine Phrase, die durch ihre häufige Wiederholung und ihre allgemeine Akzeptanz nicht wahrer wird. Welche neueren Studien bitte?

    „Wenn Autoren ihr Gesicht verbergen und damit ihr Vorverständnis und ihre Deutungsperspektive verheimlichen, wird das so notwendige Gespräch um alternative Medizin und Lebensführung erschwert.“
    http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2759.php

    Auch das ist nur eine Phrase, die zusätzlich ein deutlicher Hinweis auf ein „Vorverständnis“ ist. Das ganze Psiram dient nicht trotz, sondern wegen der Anonymität nichts anderem, als „das so notwendige Gespräch um alternative Medizin und Lebensführung“ zu ermöglichen. Durch die Aufgabe der Anonymität würde es – in dieser klaren Form – nicht erleichtert, sondern unmöglich gemacht. Gespräch hat mindestens zwei Teilnehmer. Solange sich Teilnehmer in Blog und Forum einfinden, läuft es. So einfach ist das. Der Unterschied ist nur, dass es hier keinen Edit-War gibt, um Psiram abzuschießen, vgl. die Diskussionsseiten zu Psiram/Esowatch in der Wikipedia. Jeder hat die Chance, auf seinen Eintrag mit Argumenten Einfluss zu nehmen, aber eben nicht mit Beschimpfungen und Drohungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass das nur selten geschieht.

    Im Übrigen ersieht aus Wiki, Blog und Forum ja wohl jeder Blinde mit’m Krückstock, welches Vorverständnis Psiram hat. Die Deutungsperspektive ist nun wirklich kein Geheimnis. Man kann also daran zweifeln, dass Utsch hier genau das sagt, was er eigentlich meint.

  4. bayle
    30. September 2012, 07:57 | #4

    Und ob der Fritzsche nun die Seiten geklaut hat oder nicht … Meine Seiten jedenfalls, wenn ich welche hätte, würde er nicht klauen … 🙂

  5. admin
    30. September 2012, 08:13 | #5

    @erdschaf: Wir haben nicht behauptet, dass der geschätzte Herr Utsch alle Texte der EZW selber schreibt, wir haben uns klar auf diesen einen Artikel bezogen. Insofern halte ich dein Argument für einen Strohmann.

    Du sagst, der Herr Utsch habe die EZW geöffnet. Das ist schön, aber für was? Esoterik? Wir haben mit Autoren der Materialien gesprochen. Das Credo ist hier, dass die Veranstaltungen und Publikationen immer mehr in Esoterik abdriften. Wir wollen das aber nicht an einer Person festmachen, wir sehen das als strukturelles Problem.

    Das Herr Utsch Psychologe ist, stellt für uns kein Problem dar. Tatsächlich ist einer der Autoren des Textes selber Psychologe. Man kann Psychologie wissenschaftlich betreiben, an Gott glauben und Geistheilung trotzdem für gefährlichen Blödsinn halten.

  6. Ponder
    30. September 2012, 10:05 | #6

    @ erdschaf:

    Doch anstatt dass sich der Autor mit den Argumenten von Herrn Utsch auseinandersetzt (Problem der Anonymität und der dadurch fehlenden Transparenz) verfällt er auf Mutmaßungen, die Herrn Utsch als kompromittiert darstellen soll.

    Wo ist da ein Argument von Michael Utsch?
    Der beanstandete Satz, der vermutlich den Blogger dazu veranlasst hat, die Angelegenheit aufzuspießen, ist das Fazit von Herrn Utsch zu einem Artikel, der in den offiziellen Aussendungen des Materialdienstes der EZW zu finden ist:

    Fazit: Internetforen ohne einen transparenten Betreiber verwirren mehr, als sie nützen. Bei allen weltanschaulichen Konflikten sind Transparenz und Fairness wesentliche Säulen für einen fruchtbaren Dialog. Wenn Autoren ihr Gesicht verbergen und damit ihr Vorverständnis und ihre Deutungsperspektive verheimlichen, wird das so notwendige Gespräch um alternative Medizin und Lebensführung erschwert. Hier liegt ein immenser Vorteil kirchlicher Weltanschauungsarbeit: Standpunkt und Deutungsperspektive sind offensichtlich.

    Du vergleichst also eine im Blog pointiert geäußerte und zur Diskussion gestellte Meinung mit einer offiziellen Verlautbarung (dem Resummee einer fachlichen, Orientierung versprechenden Einschätzung) der EZW.
    Das ist schon mal eine Schieflage der Kategorien.

    Bleiben wir beim Gegenstand des Vergleichs, so wie Michael Utsch ihn gewählt hat:

    der Informationsgehalt der Webpräsenzen von psiram.com und psiram.de

    Hier erweckt Utsch implizit den Eindruck einer primären „Gleichwertigkeit“, als ob Aussage gegen Aussage stünde.
    Der Informationsgehalt von psiram.com besteht in einem unfangreichen Wiki mit zum überwiegenden Teil sehr gut recherchierten und mit reichlich Quellenangaben ausgestatteten Artikeln.

    Ich unterstelle mal, dass Michael Utsch insgeheim heilfroh über dieses Wiki ist – zumindest hinsichtlich dessen naturwissenschaftlicher Qualität, die ihm für seine eigenen Recherchen außerordentlich zugute kommen dürfte, da die moderne Gnosis im naturwissenschaftlichen Talärchen daher kommt und daher für Geisteswissenschaftler argumentativ eine besondere Herausforderung darstellt.

    Herr Utsch profitiert also im Rahmen seiner bezahlten Tätigkeit für die EZW von der unbezahlten Fleißarbeit eines anonymen Portals. Er ist frei, diese Informationen zu nutzen und hat damit einen Fundus von naturwissenschaftlich fundierten Argumenten, die er dann aufgrund der guten Quellenlage im Wiki ohne einen zusätzlichen Hinweis auf das anonyme Portal Psiram in seine eigenen Materialien einarbeiten kann. Das sei ihm auch von Herzen gegönnt!

    Kommen wir zu psiram.de – dem Portal, welches Herr Utsch beliebt mit psiram.com zu vergleichen:

    Unter esowatch.de und psiram.de wird gegen http://www.psiram.com agitiert und der Weltanschauungskampf um die Alternativmedizin munter weiter angeheizt. Angeblich sollen die beiden erstgenannten Domains vom Fachverband Biosens betrieben werden, der Ausbildungen in Bioenergetischer Medizin nach Viktor Philippi durchführt.

    Wieso nur „angeblich“?
    Wer sich auf psiram.de umtut, wird innerhalb der ersten Sekunden feststellen können, dass es sich hier tatsächlich um eine Internetpräsenz handelt, die vorwiegend die psychologisch-theologisch verkleisterten Heilungsangebote von Viktor Philippi vermarktet.

    Dem Herrn Philippi hat Utsch ja selbst ein mäßig kritisches Zeugnis erstellt

    http://www.ekd.de/ezw/images/ezw_utsch_bioenergetische_meditation_nach_viktor_philippi.pdf

    und unser Blogger mahnt zu Recht an, dass dabei der Aspekt einer möglichen psychischen Abhängigkeit nicht genügend gewürdigt wurde. Das Psiram-Wiki enthält weitere Informationen zu Philippi, deren Kenntnis für Herrn Utsch nützlich wäre.

    Unterm Strich kommt raus, dass Michael Utsch hier das Portal psiram.com (das er allein wegen der Anonymität nicht einschätzen kann – behauptet er jedenfalls…) auf eine Stufe stellt mit psiram.de , welches er tatsächlich einschätzen kann/könnte:

    nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!

    Kommen wir also auf das Fazit von Herrn Utsch zu sprechen:

    Suspekt ist ihm Psiram also hauptsächlich wegen der Anonymität, und konkrete Beispiele für die uns vorgeworfene Polemik bleibt er schuldig.
    Damit bedient er sich eben leider der Wortwahl eines Herrn Fritzsche, der sich zu allem Überfluss auf psychophysik ausgerechnet mit Utschs Artikeln schmückt und somit eine inhaltliche Übereinstimmung von Fritzsche und der EZW suggeriert.
    Weiterhin verwendet Utsch zu Ungunsten von psiram.com den Begriff „Fairness im Internet“, dem Motto der Philippi-Webpräsenz, und suggeriert hier wiederum Parteinahme oder Sympathie, wo Abgrenzung nötig wäre.

    Das Tüpfelchen auf dem i stellt dann aber der Hinweis auf die EZW dar:

    Hier liegt ein immenser Vorteil kirchlicher Weltanschauungsarbeit: Standpunkt und Deutungsperspektive sind offensichtlich.

    Nach all dem konturlosen Durcheinander dieses Utsch-Artikels und angesichts des bekannten systemimmanenten Meinungspluralismus der Evangelischen Kirche ein veritables Eigentor!!

  7. erdschaf
    30. September 2012, 10:16 | #7

    Ich meinte, dass Herr Utsch beispielhaft für die Öffnung der EZW steht, nicht dass er die EZW geöffnet habe. Das kann ich nicht beurteilen.
    Die EZW hat sich nicht für Esoterik geöffnet, sondern hat meiner Ansicht nach ihre Haltung im Dialog mit nichtchristlichen Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften geändert. Das habe ich aber schon alles geschrieben und das bedeutet nicht, dass die EZW selbst Esoterik betreibt. Das halte ich noch nicht einmal für Polemik. Ich sehe das Problem an anderer Stelle, dem immer noch erkennbaren christlichen Fundamentalismus in vielen Stellungsnahmen und Bewertungen der EZW.

    Ich habe daher auch nicht behauptet, dass es für Euch ein Problem ist, dass Herr Utsch Psychologe ist, sondern dass dies nicht in den traditionellen Rahmen der EZW passt. Deshalb stimme ich dem letzten Satz admins Antwort absolut zu, er könnte von mir kommen.

    Um weitere Mißverständnisse zu vermeiden zitiere ich einfach mal aus dem Fazit des Artikels, um den es eigentlich geht:

    Zitat Utsch: „Internetforen ohne einen transparenten Betreiber verwirren mehr, als sie nützen. Bei allen weltanschaulichen Konflikten sind Transparenz und Fairness wesentliche Säulen für einen fruchtbaren Dialog. Wenn Autoren ihr Gesicht verbergen und damit ihr Vorverständnis und ihre Deutungsperspektive verheimlichen, wird das so notwendige Gespräch um alternative Medizin und Lebensführung erschwert. Hier liegt ein immenser Vorteil kirchlicher Weltanschauungsarbeit: Standpunkt und Deutungsperspektive sind offensichtlich.“
    http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2759.php

    Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, war ich gespannt auf eine Antwort, die sich allerdings auf Transparenz und Anonymität beziehen würde. Davon ist im Artikel leider keine Rede. Das wäre jedoch eigentlich das Thema gewesen.

  8. Ponder
    30. September 2012, 10:37 | #8

    Die Antwort kam hier:

    bayle :

    “Wenn Autoren ihr Gesicht verbergen und damit ihr Vorverständnis und ihre Deutungsperspektive verheimlichen, wird das so notwendige Gespräch um alternative Medizin und Lebensführung erschwert.”
    http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2759.php

    Auch das ist nur eine Phrase, die zusätzlich ein deutlicher Hinweis auf ein “Vorverständnis” ist. Das ganze Psiram dient nicht trotz, sondern wegen der Anonymität nichts anderem, als „das so notwendige Gespräch um alternative Medizin und Lebensführung“ zu ermöglichen. Durch die Aufgabe der Anonymität würde es – in dieser klaren Form – nicht erleichtert, sondern unmöglich gemacht. Gespräch hat mindestens zwei Teilnehmer. Solange sich Teilnehmer in Blog und Forum einfinden, läuft es. So einfach ist das. Der Unterschied ist nur, dass es hier keinen Edit-War gibt, um Psiram abzuschießen, vgl. die Diskussionsseiten zu Psiram/Esowatch in der Wikipedia. Jeder hat die Chance, auf seinen Eintrag mit Argumenten Einfluss zu nehmen, aber eben nicht mit Beschimpfungen und Drohungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass das nur selten geschieht.

    Im Übrigen ersieht aus Wiki, Blog und Forum ja wohl jeder Blinde mit’m Krückstock, welches Vorverständnis Psiram hat. Die Deutungsperspektive ist nun wirklich kein Geheimnis. Man kann also daran zweifeln, dass Utsch hier genau das sagt, was er eigentlich meint.

    Wer sich ein bisschen mit der Thematik befasst hat (und das hat Utsch, sonst würde er nicht darüber schreiben), der kennt die Gründe für unsere Anonymität.
    Anders als Michael Utsch, der aus dem juristisch gut gesicherten Heimathafen einer großen Kirche heraus Esoteriker und Betrüger mit spirituellen Samthandschuhen anfasst, müssten die Psiram-Autoren sich mit einer Flut von Prozessen rumschlagen, wenn sie aus der Anonymität heraustreten.
    Das würde jede kritische Berichterstattung sofort zum Erliegen bringen.

    Im übrigen sollte es Michael Utsch doch um die Sachebene gehen, nicht um die „Weltanschauungs-Ebene“:

    nur weil er uns (zum Glück) nicht in seine weltanschaulichen Kategorien einordnen kann, sind wir doch nicht suspekt? – Es zählen doch hoffentlich Sachargumente in einer Auseinandersetzung, und davon gibts im Psiram-Wiki mehr als so manchem Schönredner lieb sein kann.

    Ich komme übrigens aus einer evangelischen Tradition und wundere mich darüber, wie der Protestantismus seine scharfen theologischen Werkzeuge so hat verkommen lassen, dass sogar ein Fernsehpfarrer Fliege mit seinen Wässerchen (siehe Headline des Blogs) über viele Jahre unwidersprochen möglich war.

  9. erdschaf
    30. September 2012, 11:33 | #9

    Herrn Utsch mit Pfarrer Fliege zu vergleichen oder auf eine Stufe zu stellen (oder was auch immer mit dem Titel impliziert werden soll) ist mMn ziemlich übertrieben.

    Was man Utsch in der Tat vorwerfen kann: Sein Beitrag im Materialdienst hat mehr den Charakter einer Pressemitteilung mit dem Ziel der positiven Berichterstattung für die EZW. Auf der Sachebene ist er schwach. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine „offizielle Verlautbarung der EZW“, sondern um einen namentlich gekennzeichneten Beitrag im MD.

    Es ist in der Tat grundsätzlich ein Argument, durch Anonymität die Sachlichkeit zu schützen. Anonymität schützt Sachlichkeit unter Bedinungen wie Diktatur, Verfolgung und Unterdrückung. Doch unter der Bedingung der Meinungsfreiheit fördert Anonymität jedoch grundsätzlich auch Unsachlichkeit und Intransparenz und schützt jene, die eine sachliche Diskussionen torpedieren wollen.

    Ich persönlich habe psiram.com erst vor wenigen Wochen entdeckt und bin sehr froh über das hervorragende Angebot. Meiner Meinung nach passt der Artikel hier qualitativ nicht ins Blog. Ich habe den Eindruck, dass hier ein Feindbild konstruiert werden soll.
    Wie bereits geschildert hätte ich mir mehr erwartet, den ein oder anderen selbstkritischen Kommentar z.B. Ich bin daher enttäuscht und stelle fest, dass die Anonymität als Newcomer tatsächlich nicht sonderlich durchschaubar ist. Offenbar schreiben und diskutieren hier psiram-Mitautoren nicht nur unter „admin“ (der Gebrauch des „wir“ verwundert mich etwas).

    Nun gut, ich werde psiram natürlich weiterhin wohlwollend lesen, jedoch erhoffe ich mir für die Zukunft auch für den Blog mehr kritische und selbstkritische Beiträge.

  10. Ponder
    30. September 2012, 11:47 | #10

    @ erdschaf:

    Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, war ich gespannt auf eine Antwort, die sich allerdings auf Transparenz und Anonymität beziehen würde. Davon ist im Artikel leider keine Rede.

    Der gebetsmühlenartige Chorus „Transparenz vs Anonymität“ wirkt auch deshalb so befremdlich, weil er nur angestimmt wird, wenn von Psiram die Rede ist.
    Angeblich erleidet unsere Glaubwürdigkeit wegen dieses Umstands so großen Schaden bzw steht gar auf dem Prüfstand.

    Anonymität schützt Sachlichkeit unter Bedinungen wie Diktatur, Verfolgung und Unterdrückung. Doch unter der Bedingung der Meinungsfreiheit fördert Anonymität jedoch grundsätzlich auch Unsachlichkeit und Intransparenz und schützt jene, die eine sachliche Diskussionen torpedieren wollen.

    Konsequenter Weise dürfte man dann aber auch jeden Artikel der „normalen“ Wikipedia nur mit virtuellen Gummihandschuhen anfassen, denn auch dort schreiben die Autoren unter Pseudonym, und ein „Deutungshintergrund“ erschließt sich dem erfahrenen Nutzer manchmal nur, wenn er die Versionsgeschichten und Diskussionsseiten zu den Artikeln liest oder gar die Ausgangsversion.

    Die „Glaubwürdigkeit“ eines jeden Wiki-Lemma (ob in der Wikipedia oder bei uns) ist in einer sorgfältigen Bequellung begründet – die ad personam Verifizierbarkeit der Autorenschaft spielt keine Rolle.

    Auch ein „greifbares“ Impressum von psiram.com würde keinen zusätzlichen Aufschluss über den Sachverstand unserer Autoren geben.

    Herrn Utsch mit Pfarrer Fliege zu vergleichen oder auf eine Stufe zu stellen (oder was auch immer mit dem Titel impliziert werden soll) ist mMn ziemlich übertrieben.

    Der Zielpunkt war: auch die EZW hat einen Pfarrer Fliege im Meinungspluralismus der Evangelischen Kirche offenbar nicht verhindern können – so viel zum transparenten Deutungshintergrund kirchlicher Aufklärungsarbeit.

    https://www.psiram.com/de/index.php/J%C3%BCrgen_Fliege

  11. Ponder
    30. September 2012, 11:56 | #11

    Ich bin daher enttäuscht und stelle fest, dass die Anonymität als Newcomer tatsächlich nicht sonderlich durchschaubar ist. Offenbar schreiben und diskutieren hier psiram-Mitautoren nicht nur unter “admin” (der Gebrauch des “wir” verwundert mich etwas).

    „Wir“ sind eine ziemlich heterogene Truppe; „admin“ bedeutet im Blog lediglich, dass jemand von der Technik sich in die Diskussion einschaltet.

    Wenn eine ausgiebigere Diskussion gewünscht wird, kann dies gern im Forum geschehen.
    Dazu habe ich unter meinem Foren-Nick „p.stibbons“ einen Diskussionsstrang mit dem Titel EZW eröffnet, bzw du kannst dich selbst im Forum anmelden und unter „Allgemeine Diskussionen“ ein Thema deiner Wahl beginnen oder konkret Kritik an einem Wikiartikel üben.

    https://forum.psiram.com/index.php?topic=9698.msg110101#msg110101

    Hier im Blog diskutiert jeder, der den Blogartikel gelesen hat – eine Zugehörigkeit zu Psiram oder eine Autorenschaft kann aus den Nicks meist nicht abgeleitet werden.
    Ich bin z.B. nicht der Autor dieses Blogpost zur EZW.

    Meiner Meinung nach passt der Artikel hier qualitativ nicht ins Blog. Ich habe den Eindruck, dass hier ein Feindbild konstruiert werden soll.

    Den Eindruck habe ich nicht.
    Es beunruhigt aber die Kombination aus verschwimmenden Konturen (siehe Utschs Psiram-Artikel incl der Indifferenz gegenüber Philippi) und gleichzeitiger Nähe zu ausgesprochener Psiram-Klientel wie die Vertreter der Walach-Viadrina-Truppe:

    https://www.psiram.com/de/index.php/Harald_Walach

    Hoffentlich geht da der EZW die Trennschärfe nicht immer weiter verloren.

  12. admin
    3. Oktober 2012, 22:09 | #12

    Ich habe heute mit Jo Hüssner gemailed. Er hat mir von einem Mann berichtet, der sich als Sektenopfer an eine katholische Beratungsstelle gewendet hat. Ihm wurde ein Exorzismus empfohlen. Da fass ich mir nicht an den Kopf, der ist mir zu schade…

  1. 21. September 2013, 20:58 | #1
  2. 6. April 2014, 15:43 | #2