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Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Die Natur, wie sie sein sollte

4. Juli 2018 12 Kommentare

Gerade erhielten wir einen Beitrag von einem unserer Foristen. Er versetzt sich in die Ansichten, die man in Deutschland so über den Idealzustand hat, in dem sich die Natur zu befinden hätte. Wir meinen, dass seine Gedanken es verdienen, einem größeren Publikum bekannt zu werden.


Das Gerede vom Bienensterben ging vor etwa fünf Jahren los – und ich wundere mich seitdem, wieso in Deutschland die Preise für Honig nicht durch die Decke gegangen sind, sondern auf ziemlich gleichem Niveau bleiben…

Ach ja, Naturideale… hier mal differenziert nach politischen Grundüberzeugungen:

1. Grüner

Natur muss kleinteilig, artenreich und vielgestaltig sein, mit akkurat restaurierten Fachwerkstädtchen und mustergültig ausgeschilderten Radfernwanderwegen – und zwar für immer und ewig! Betreten abseits der Wege natürlich strengstens verboten!

2. AfD-Fanboy

Natur sollte so sein wie im guten alten Däutschland vor 1968: ordentlich in Reih und Glied, ohne von linksgrünen Gutmenschen eingeschleuste Killerbestien wie Bären, Wölfe, Luchse und das ganze andere Raubzeug, mit dunklem Tann, wo herzallerliebste Bambilein äsen und wo das däutsche Märchen rauscht, durchzogen von ebenso rauschenden däutschen Autobahnen – wie soll der hacht aaabeitende däutsche Vamilienfater denn sonst die Natur unseres schönen däutschen Faterlandes genießen können?

3. Nazi

Hier zeigt sich wieder, wie sehr das verzärtelte, verweichlichte Zivilisationsmenschlein den ehernen Gesetzen des Lebens entwöhnt ist! Als kerndeutscher Mann mit grundgesunder Lebenshaltung, der sowohl zu töten wie auch zu sterben weiß, wenn das Schicksal es befiehlt, begrüße ich hingegen frenetisch jeden Befreiungsschlag der Elemente gegen die widernatürliche Wohlstandszivilisation! Naturgewalten haben in Deutschland endlich wieder für gesunde Ausmerze von Schwächlingen und Kränklingen zu sorgen, weshalb ich als kerndeutscher Mann mit grundgesunder Lebenshaltung auch die Wiederansiedlung des Wolfes, dieses freien herrlichen Raubtieres, in unserem Vaterland aufs Entschiedenste begrüße! Wie lacht mir das Herz, wenn jene urnordischen Bestien rudelweise in die Asozialenviertel einfallen und sich hier und dort mal einen Murat, einen Kevin, eine Aische, eine Schackeline vom Spielplatz holen!

4. Neolib

Bestäubungsleistung durch Bienen = 1,000,000,000 € p. a.
Tourismus-Mehreinnahmen bei Präsenz von Luchsen = 25,000,000 € p. a.
Tourismus-Mehreinnahmen bei Präsenz von Wölfen = -40,000,000 € p. a.
Sauerstoffproduktion der gesamten Biosphäre auf dem Gebiet der BRD = 35,000,000,000 € p. a.
CO2-Senke Mischwälder = 7,000,000,000 € p. a.

5. Technofuturist

Das Problem des Naturschutzes wird durch die Matrix-Technologien gelöst werden: Während die Menschen als Bewusstseins-Software in beliebig gestaltbaren, elektronisch simulierten Welten existieren, kann außerhalb der Serverstationen und der vollautomatisierten Kernfusionskraftwerke alles mit Eichen-Buchen-Mischwald zuwuchern!

Aber wo bleiben die SPD und die Linke? Unser Forist meint dazu:

Politisch irrelevant.


PS. Wichtiger Hinweis.
Wir betrachen diese Bemerkungen natürlich in keiner Weise als abschließend oder verbindlich. Mögen sich unsere Leser provoziert fühlen, ihren Senf beizutragen!

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WHO: TCM ins ICD – Traditionelle Chinesische Heilkunde, die lichte Zukunft der Medizin?

27. Juni 2018 5 Kommentare

Die Weltgesundheitsorganisation hat einen neuen Entwurf der elften Version ihres Klassifikationssystems für medizinische Diagnosen (ICD) vorgestellt, die im nächsten Jahr verabschiedet werden soll. Vorgesehen ist eine neue Abteilung für „traditionelle medizinische Störungen“ (damit ist chinesische, japanische und koreanische „Naturheilkunde“ gemeint). Systematische Bestrebungen, Quacksalberei auf diese Weise hoffähig zu machen, gibt es schon seit längerem. Wir hatten die Geschichte dieser Bemühungen bereits angerissen und mit wenig Erfolg versucht, den Begriffswirrwar zu durchdringen (hier), dessen Zweck darin besteht, grundsätzliche Unterschiede zwischen „traditioneller“ und „westlicher“ Medizin zu verschleiern.

Die „Integration“ der Glaubensmedizin in die wissenschaftlich begründete Medizin erfordert eine gewisse gedankliche Flexibilität, ein Denken, das eingetretene Pfade verlässt. Ben Kavoussi von Science Based Medicine hatte das schon vor einiger Zeit mittels eines Foucault entlehnten Borges-Zitats illustriert [1]:

Dieser Text zitiert „eine gewisse chinesische Enzyklopädie“, in der es heißt, daß „die Tiere sich wie folgt gruppieren: a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie Tolle gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, 1) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen“.

Was bringt die WHO dazu, einen derartigen Bruch mit der Wissenschaft zu vollziehen? Die Generaldirektorin der WHO, Frau Dr. Margaret Chan, äußerte sich zu diesem Thema in einer Grundsatzrede anlässlich der „International Conference on the Modernization of Traditional Chinese Medicine“ am 23. Oktober 2016.

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„Humanenergetiker“ der WKÖ machen Esoterik-Werbevideo

23. Juni 2018 15 Kommentare

Die Wirtschaftskammer Österreich hat’s zurzeit schwer. Nicht, dass wir allzu viel Mitleid mit dieser Organisation hätten, ist der Ärger doch hausgemacht. Wir hatten ihr bereits 2012 einen kurzen Artikel gewidmet, und auch der GWUP war sie schon den einen oder anderen Beitrag wert.

Nun hat die Berufsgruppe der Humanenergetiker der österreichischen Wirtschaftskammer WKÖ ein Werbevideo zur Energetik veröffentlicht. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Wir möchten indes darauf hinweisen, dass die Wirtschaftskammer auf Twitter klarstellt, selbst mit dem Werbevideo weder inhaltlich noch finanziell etwas zu tun zu haben. Die Fachverbände entscheiden selbständig über Werbemaßnahmen.

Nun, die Sache mag ihnen ja peinlich sein, doch was ist denn wohl zu erwarten, wenn man sich Esoteriker ins Haus holt?

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Wir präsentieren: Das Psiram-Quacktett

5. Juni 2018 11 Kommentare

Nach langjähriger Forschungsarbeit in den Tiefen der Psiram-Labs und unter Verwendung üppigster Mittel aus Crowdfunding-Kampagnen – von denen wir allerdings das meiste auf den Kopf gehauen haben – dürfen wir präsentieren:

Das Psiram-Quacktett

 

Pünktlich zur Freibadsaison ist es nun auch in leichter Bekleidung und ohne Internetzugriff möglich, so vergnüglich wie lehrreich einige Größen der deutschsprachigen Quack-Szene kennenzulernen und dabei den einen oder anderen Stich zu machen. Wer es noch nicht kennt: Als Quartett (wir haben das Wort nur ein wenig abgewandelt ;)) bezeichnet man ein Kartenspiel, das man – unter anderem – so spielen kann: Mehr…

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Die GWUP-Challenge zur Homöopathie: Warum die Homöopathen sie nicht ignorieren sollten

31. Mai 2018 3 Kommentare

Ein Gastbeitrag von Udo Endruscheit


Die GWUP und ihr homöopathiekritischer Zweig, das INH, haben bei der Skepkon in Köln die Auslobung eines Preises in Höhe von 50.000 Euro für hömöopathische Forscher bekannt gegeben. Wer als erster in zwei Durchgängen drei von ihm selbst vorher gewählte homöopathische Hochpotenz-Mittel (C30) unterscheiden und identifizieren kann und dies mit einer reproduzierbaren Verfahrensbeschreibung belegt, erhält diesen Preis.

Finde den Unterschied!

Es gibt dazu genaue Spielregeln, die auf der Webseite der GWUP einsehbar sind. Nur in einem Punkt gibt es keine „Spielregel“: Die Methode, mit der dies geschieht, ist völlig frei wählbar. Von der klassischen homöopathischen Arzneimittelprüfung über physikalische oder chemische Analysemethoden bis hin zu wissenschaftlich nicht anerkannten Ansätzen ist ausdrücklich alles erlaubt – die GWUP will damit belegen, dass sie keinen den Skeptikern oft vorgeworfenen „Wissenschaftsdogmatismus“ betreibt, sondern allen Ansätzen gegenüber offen ist. Mehr…

Das Recht auf den Versuch

24. März 2018 7 Kommentare

Das amerikanische Repräsentantenhaus hat gerade ein Gesetz zum „Recht auf Versuch“ (right-to-try) beschlossen. Es beinhaltet, kurz gesagt: die Patienten sollen auch nicht zugelassene, weil ungenügend geprüfte neue Medikamente bekommen dürfen, wenn sie an einer schweren Erkrankung leiden.

Das klingt zunächst durchaus sympathisch, und es passt gut in die Agenda der Trump-Regierung, die lästigen Beschränkungen abzuschütteln, die die Wirtschaft unter den vorangegangenen Präsidenten geknebelt hatten. Statt erneuerbarer Energien gilt es, die herrliche saubere Kohle (beautiful clean coal) zu nutzen, um Amerika wieder groß zu machen usw. Treibende Kraft hinter dieser Gesetzgebung ist das libertäre (wenn man zu Klartext entschlossen ist, dürfte man auch sagen: reaktionäre) Goldwater-Institut, eine Denkfabrik in Arizona, gegründet einst von Barry Goldwater. Der Präsident ist für das Gesetz, der Vizepräsident ist dafür, und – was womöglich noch wichtiger ist – die Mega-Spender für die Republikaner, die Koch-Brüder, sind auch dafür.

Einfallsreich wird das Gesetz mit einer Variante des Wer-heult-hat-recht-Unsinns begründet:

Rep. Morgan Griffith (R-Va.) said that if faced with a terminal illness, he’d “take any risk, including injecting monkey urine if that meant I could spend a few more days, months or years with my children.”
Der Abgeordnete Morgan Griffith sagte, wenn er eine tödliche Erkrankung hätte, dann würde er jedes Risiko eingehen, sogar Affenurin spritzen, wenn das dazu führen würde, dass er ein paar Tage, Monate oder Jahre länger mit seinen Kindern verbringen könnte.
TheHill

Auf ein paar tausend Dollar kann es einem da wirklich nicht ankommen. Es gibt nur ein paar Schwierigkeiten dabei. Das Selbstvertrauen, unter einer tödlichen Bedrohung eine volltönende, Erlösung versprechende Werbung richtig bewerten zu können, mag verbreitet sein, aber die Fähigkeit dazu ist es mit Sicherheit nicht – zumal wenn sich diese Werbung von vornherein nicht auf harte Daten stützen kann. Nichts verrät dem Abgeordneten Morgan Griffith, ob er mit der Injektion von Affenurin sein Leben nicht um Tage, Monate oder Jahre verkürzt. Und das wäre allemal um Größenordnungen wahrscheinlicher.

Die eingängige Formulierung des Abgeordneten ist noch aus einem anderen Grund irreführend. Es geht in Wirklichkeit nicht um Substanzen, die mit ein wenig Allgemeinbildung und Kritikfähigkeit für jeden als Schlangenöl zu erkennen sind. Es geht um größere Beträge. Die Prüfung neuer Chemotherapeutika oder Biologicals auf Wirksamkeit ist mühsam und gefährlich – nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Wirkstoffe und damit für die Investitionen der Pharmafirmen: die präklinischen Entwicklungskosten für neue Medikamente sind erheblich. Der Prüfstein für die Wirkung ist der multizentrische kontrollierte Blindversuch. Er allein ist geeignet, bestechende pathophysiologische Theorien und vielversprechende Laborergebnisse zu verifizieren. Scheitert er aber, dann sind hunderte Millionen Dollar Vorleistungen durch den Schornstein gejagt. Das sehen die Anleger nicht so gern.

Zum Weiterlesen:

Bills remove impediments to ill-advised state “right to try” laws, shield wrongdoers, and hide adverse events

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Artgerecht ist nur: das Gegessenwerden

20. Februar 2018 41 Kommentare

 

Sucht man in der Bildersuche einer bekannten Internet-Suchmaschine (die mit G beginnt und mit oogle aufhört) unter dem Stichwort „Gnadenhof“, so findet man eine ganze Menge mehr oder minder putziger Tierchen, die behütet im Kreise ihrer engsten Wahlverwandten ihren Lebensabend zubringen. Auch Frau Hilal Sezgin, Schriftstellerin, Journalistin und Autorin, unterhält so eine Einrichtung, die sie allerdings aus emotionaler Rücksichtnahme nicht Gnadenhof, sondern „Lebenshof“ nennen mag. Sie kennen Frau Sezgin nicht zuletzt als Urheberin der Sentenz:

„Artgerecht ist nur die Freiheit“

die bekanntlich auch der Titel ihres bestverkauften Buches ist.

Gnadenhof Kreuzwertheim

Das mag sein, aber es verträgt sich nicht mit den visuellen Informationen, die der Betrachter aus der Bilderrecherche erlangt. Denn dort wimmelt es von: Zäunen.  Mal sind es Maschendrahtzäune, mal sieht man zusammengeschnürte Bauzäune aus gewöhnlichen Doppelstabmatten, ein andermal sind es Jägerzäune, Bretterzäune, und so geht das immer weiter. Stimmt etwas mit der Selbstwahrnehmung der Hofbetreiber nicht? Vielleicht. Aber was da jedenfalls nicht stimmt, ist die Vorstellung von „Freiheit“ und von dem, was Freiheit eben auch bedeutet.
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Medicus oeconomicus: Zur Pandemie der honorarmaximierenden Zahnbehandlung

29. Januar 2018 58 Kommentare

Ein Forist hat kürzlich über seine stomatologischen Erfahrungen berichtet. Wir fanden seinen Bericht so bemerkenswert, dass wir ihn einem größeren Publikum vorstellen wollen.
——


Letztens war ich nach langer Zeit mal wieder beim Zahnarzt (in einer Uni-Klinik).
Neben anderen wichtigeren Dingen empfahl man mir ganz unverbindlich und optional eine „Kariesinfiltration“ – kommerziell „icon“ genannt.
Mit ein wenig Recherche fand ich heraus, dass es dazu nicht viel zu lesen gibt. Gefühlt das einzige Paper, das dazu veröffentlicht worden ist und etwas zur Evidenz sagte, war von den Doktoren der Herstellerfirma selbst. Es hätte auf jeden Fall eine Menge Geld gekostet, pro Zahn natürlich.

Später wollte man mir dann zur Tomographie die Digitale Volumentomographie (DVT) statt der kassenbezahlten Computer-Tomographie verkaufen. Vorher sagte man mir, dass beim Herausziehen eines Zahnes eine permanente Lähmung o. ä. entstehen kann. Die DVT funktioniere wohl anders und besser und habe Vorteile wie u. a. eine geringere Strahlenbelastung. Vor Ort sollte ich mich quasi erst einmal vor ein paar Azubis entscheiden, ob ich ein armer Schlucker oder Geizhals bin, dessen Gesundheit ihm nicht wichtig ist, oder einer, dem natürlich das beste nur gut genug sein kann. Schließlich bekam ich dann doch die Gelegenheit, bis zum nächsten Termin zu entscheiden.
Ich frage mich da: Bin ich jetzt plötzlich Radiologe, um beurteilen zu können, wie hoch der Schaden für mich als Patient ist? Wieso muss ich nach einem Zahnarzt-Termin im Internet recherchieren, ob das „neuere“, „bessere“ Verfahren überhaupt einen nennenswerten Nutzen für mich bringt, oder ob der Zahnarzt einfach Knete von mir haben wollte?

Eine Bekannte wollte sich vor kurzem die Zähne ziehen lassen. Vom einen Zahnarzt wurde sie erst einmal zum nächsten Zahnarzt gesandt. Der wollte erst einmal nicht die Zähne ziehen und sie „beraten“. Nach Hause kam sie mit einem Kostenvoranschlag für ein nicht-kassenbezahltes Produkt. Das Produkt nennt sich „collacone“, und Google bringt nur ca. achttausend Treffer. Das Produkt kostet 180€. Mit diesem Produkt sollten weniger Schmerzen nach der Zahn-OP aufkommen und sich die Zeit bis zur Heilung verkürzen.

Sicherlich kann man vom mündigen Patient ausgehen, der selbstbewusst zusagt und ablehnt, aber aus meiner Sicht ist das ein paar Vorstufen von: den Patienten Angst machen und ihnen dann etwas verkaufen, was sie eigentlich nicht brauchen. Ist das bei jedem Zahnarzt so? Oder bei der Mehrheit? Falls ja, würde ich mich als Berufsstand schon ziemlich schämen. Ich erwarte von (Zahn-)ärzten, dass sie einem genau das empfehlen, was Freunde einem nahe legen würden. Und das wäre sicherlich kein überteuerter Müll, dessen Nutzen marginal ist.

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#WeToo: Psiram ist dabei

25. Januar 2018 7 Kommentare

Plötzlich lesen alle Gedichte; ein bestimmtes Gedicht jedenfalls. Es heißt „avenidas y flores“, wurde 1951 von dem Schweizer Eugen Gomringer in spanischer Sprache verfasst und ziert (noch) eine Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin, die ihn dafür, ganz nebenbei, mit einem Literaturpreis auszeichnete. Es geht um Alleen, Blumen, Frauen und einen Bewunderer; und der Akademische Rat der Hochschule will es entfernen lassen.

Denn: nach langer Beratung kam das Gremium zu dem Schluss, es (das Gedicht) sei sexistisch – oder so etwas ähnliches, denn um dieses Wort wird im Text der Entschließung ein Riesenbogen gemacht. Lieber spricht man von einer Renovierung mit Neuanstrich der Fassade, gerade sechs Jahre nach der Applikation der acht bejahrten dichterischen Zeilen und nachdem der örtliche Asta volle vier Jahre zum Anstoßnehmen brauchte.

Der arme Poet! Jetzt barmt er über einen „Eingriff in die Freiheit der Kunst und Poesie“ und erwägt „rechtliche Schritte“. Aber was will er denn eigentlich noch? Abgesehen von der Uncoolness: mehr öffentliche Wahrnehmung wird einem Lyriker in den nächsten hundert Jahren nicht mehr zuteilwerden. Eine bequeme Position eigentlich, der undankbaren Hochschule gegenüber mit dem im Kunstbetrieb üblichen Aplomb  ein unmoralisches, aber spaßiges Angebot zur geringfügigen Umschaffung des ungeliebten Wandschmucks zu machen, zum Beispiel so:

Statt Blumen und Frauen: Autos und Bier, das hätte ohnehin bestechende Vorzüge. Männern erspart es Prioritätskonflikte, und Frauen dürfen sich ihrer Vorurteile gegenüber Männern versichern. So haben alle, was sie brauchen (und verdienen). Und die Hochschule spart sich einen Haufen Knete für Malerarbeiten und womöglich sogar Honorare an die Lyrikerin Barbara Köhler, die nun stattdessen die nämliche Wand bedichten soll.

Das Elend der Selbsthilfeorganisationen – ein Fallbeispiel

2. Januar 2018 7 Kommentare

Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfevereine genießen weitverbreitet ein hohes gesellschaftliches Ansehen; auch wenn hier und da gelegentlich unangenehme Fragen auftauchen und die Effektivität der gewährten Hilfe durchaus in Frage stehen kann. Dass die Bedenken zuweilen nicht ganz unbegründet sind, liegt zu einem guten Teil an der Kritiklosigkeit, mit der solche Organisationen ihre Hilfsangebote zusammenklauben. Hier und da wäre ein fundierter fachlicher Rat besser als der schiere gute Wille. Kehrt sich dieses Verhältnis um, rollen die redlichen Ansätze geradewegs den roten Teppich aus für die Verbreitung pseudomedizinischer Heilsversprechen, über deren Validität sich erkennbar niemand dort ein fundiertes Urteil geschaffen hat. Ein Beispiel? Bitte sehr:

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