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Archiv für die Kategorie ‘Bildung’

Leitfaden für Skeptiker – Teil 4: Der Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)

1. Februar 2019 4 Kommentare

Definition: Ein Bestätigungsfehler (engl. confirmation bias) ist in der Kognitionspsychologie die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen (bestätigen).

„Es hört nie auf zu regnen! Es regnet … im … mer … fort.“ lässt Douglas Adams den LKW-Fahrer Rob McKenna im „Anhalter“ rufen. Als erfahrene Skeptiker sehen wir hier sofort einen Bestätigungsfehler. Und auch Arthur Dent widerspricht: „Natürlich hört es auf zu regnen.“

Der Confirmation Bias beschreibt die Tendenz, bevorzugt solche Informationen wahrzunehmen, zu erinnern und zu akzeptieren, die zu unseren bestehenden Überzeugungen und dem vorhandenen Wissen passen. Umgekehrt neigen wir dazu, jene Informationen zu vergessen, zu verdrängen oder abzulehnen, die mit unserem Weltbild oder unseren Erfahrungen nicht im Einklang sind.

Während wir damit beschäftigt sind, eine Flut neuer Informationen zu verarbeiten, fügen wir diese zu einem Narrativ oder Paradigma zusammen. Grundsätzlich ist es hilfreich, eine Art Schablone zu haben, in die wir neue Informationen einpassen. So können wir sie durch Bildung von Zusammenhängen leichter speichern und verstehen. Mehr…

Leitfaden für Skeptiker – Teil 3: Der Carpenter-Effekt

23. Januar 2019 Keine Kommentare

Definition: Als Carpenter-Effekt (oder ideomotorischer Effekt) wird das Phänomen bezeichnet, dass das Sehen einer bestimmten Bewegung sowie – in schwächerem Maße – das Denken an eine bestimmte Bewegung die Tendenz zur Ausführung ebendieser Bewegung auslöst.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten der Selbsttäuschung. Gelegentlich hilft sogar unser eigener Körper dabei. Bei der Verwendung von Wünschelruten zeigt sich dieser Effekt besonders deutlich. Ein solches Gerät kann aus zwei rechtwinklig gebogenen Metallstäben bestehen, die in beiden Händen vom Körper weg zeigend gehalten werden. Eine winzige Bewegung der Hand genügt, um dafür zu sorgen, dass die Stäbe sich durch Schwerpunktverlagerung zur Seite bewegen. Für den Wünschelrutengänger ist das ein klares Zeichen, die gesuchte Wasserader, eine stromführende Leitung oder ein Objekt gefunden zu haben.

Verantwortlich für die Bewegung der Stäbe ist natürlich nicht das Wasser, sondern die Erwartung des Wünschelrutengängers, an genau dieser Stelle etwas zu finden. Der Körper liefert die passende Bewegung dazu, ohne dass diese bewusst ausgeführt wird. Auch mit anderen Gegenständen wie einem Pendel oder einem sogenannten Ouija-Board lässt sich der Carpenter-Effekt nutzen.

Erstmals ausführlich beschrieben wurde das Phänomen im Jahre 1852 von William Benjamin Carpenter, einem englischen Physiologen und Naturwissenschaftler. Doch obwohl diese psychomotorische Funktion schon lange bekannt ist, halten sich Täuschungen und Selbsttäuschungen mit Wünschelruten und ähnlichen Apparaten bis heute hartnäckig. Mehr…

Leitfaden für Skeptiker – Teil 2: Pareidolie

16. Januar 2019 Keine Kommentare

Definition: Pareidolie bezeichnet das Phänomen, in Dingen und (auch zufälligen) Mustern vermeintliche Gesichter und vertraute Wesen oder Gegenstände zu erkennen.

Wenn wir als Kind lange in den Himmel schauten, um die vorbeiziehenden Wolken zu betrachten, erkannten wir plötzlich einen Hasen, einen Bären oder einen Zwerg mit einer riesigen Nase. Die Figuren veränderten sich, bildeten neue Formen und lösten sich schließlich auf. In zufälligen Objekten Gestalten zu sehen, konnte uns auch ängstigen, z.B. wenn wir den Schatten eines Blumentopfes im Halbdunkel für ein wildes Tier oder ein Monster hielten.

Als Erwachsene haben wir diese Fähigkeit immer noch; nun ist uns normalerweise aber bewusst, dass unser Gehirn bloß überagiert und die Gesichter und Gestalten nicht real sind. Auf einem Toastbrot das Gesicht von Jesus zu erkennen, ist keine Fehlfunktion, sondern ein Artefakt der raffinierten Mustererkennung unseres Wahrnehmungsapparats, die es uns ermöglicht, rasch ein informatives Bild von unserer Umgebung zu gewinnen. Mehr…

Leitfaden für Skeptiker – Teil 1: Der Dunning-Kruger-Effekt

8. Januar 2019 4 Kommentare

Was stimmt und was stimmt nicht? Wie lassen sich richtige von falschen Nachrichten unterscheiden? Wie erkennt man zwielichtige Angebote im Gesundheitsbereich? Was sind die typischen Merkmale von Scharlatanerie-Produkten? Und wem soll man überhaupt glauben?

Die Antwort auf die letzte Frage ist einfach: Niemandem. Es ist nicht notwendig, etwas zu glauben, wenn man in der Lage ist, Informationen auf Plausibilität zu prüfen, sie mit wissenschaftlich gesichertem Wissen abzugleichen, gründlich zu recherchieren und Täuschungen zu erkennen. Wir möchten unseren Lesern gerne ein paar nützliche Werkzeuge an die Hand geben, die das kritische Denken trainieren, und beginnen deshalb heute unsere Serie „Leitfaden für Skeptiker“, inspiriert durch das 2018 erschienene Buch „The Skeptics‘ Guide to the Universe“.

Zum Einstieg beschäftigen wir uns mit dem

Dunning-Kruger-Effekt

Definition: Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt die Unfähigkeit, die eigene Kompetenz (auf einem bestimmten Gebiet) realistisch einzuschätzen, mit der häufigen Konsequenz, die eigenen Fähigkeiten oder Kenntnisse zu überschätzen. Mehr…

Wir präsentieren: Das Psiram-Quacktett

5. Juni 2018 12 Kommentare

Nach langjähriger Forschungsarbeit in den Tiefen der Psiram-Labs und unter Verwendung üppigster Mittel aus Crowdfunding-Kampagnen – von denen wir allerdings das meiste auf den Kopf gehauen haben – dürfen wir präsentieren:

Das Psiram-Quacktett

 

Pünktlich zur Freibadsaison ist es nun auch in leichter Bekleidung und ohne Internetzugriff möglich, so vergnüglich wie lehrreich einige Größen der deutschsprachigen Quack-Szene kennenzulernen und dabei den einen oder anderen Stich zu machen. Wer es noch nicht kennt: Als Quartett (wir haben das Wort nur ein wenig abgewandelt ;)) bezeichnet man ein Kartenspiel, das man – unter anderem – so spielen kann: Mehr…

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Drei Podcasts aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die klüger machen: Skeptik-Kabinett, Nachgefragt-Podcast, SkeptisCH

23. September 2017 Keine Kommentare

Podcasts sind ein großartiges Medium: Unterhaltsam, lehrreich und bestens geeignet, um sie nebenher anzuhören. Wir möchten heute drei relativ junge Podcasts vorstellen, die sich mit Wissenschaft und kritischem Denken beschäftigen.
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Nachtrag zu: Werner Rügemer und die „jüdischen Aufsteiger“

11. September 2017 3 Kommentare

Anfang August dieses Jahres haben wir uns schon einmal mit der verschroben antisemitischen Weltsicht des Werner Rügemer befasst.

Dabei bemühten wir uns um Sachlichkeit. Jede Aussage wurde im Zweifel stets zugunsten Rügemers ausgelegt; der Vorwurf des Antisemitismus wurde nur erhoben, wenn er einwandfrei belegbar ist.

Inzwischen liegt uns ein aber ein Gerichtsurteil (*) vor, nach dessen Lektüre wir einräumen müssen, ihn zu wohlwollend kommentiert zu haben.

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SkepKon – Skeptical, die deutschsprachige GWUP-Konferenz

19. April 2017 1 Kommentar

Wir machen mal etwas Werbung für diesen Event:

SKEPTICAL 2017 PROGRAMM

Fakten sind sexy!

Das Wissenschaftsevent für Vernunft und kritisches Denken

4 Stunden Fakten, Spaß und Musik rund um das Thema Verschwörungstheorien, Fake-News, Wissenschaft und Kritisches Denken.

Samstag, 29. April

Ort: Berlin – Urania e.V.,  An der Urania 17, 10787 Berlin   –   Zeit: 14  bis 18 Uhr.

Tickets gibt es bei der Urania (Übrigens: wenn Sie sich für die gesamte Skepkon anmelden, ist das Skeptical-Event inklusive)

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In memoriam Hans Rosling – Danke!

7. Februar 2017 Keine Kommentare

Hans Rosling ist verstorben. Laut der Gapminder Foundation litt er an Pankreas-Krebs, der ihn heute, am 7. Februar 2017 besiegt hat.

Hans Rosling war einer der Superstars der Vernunft und der Zuversicht, dass die Welt eine bessere wird. Es gelang ihm, Statistik zum Leben zu erwecken und uns einen einzigartigen Blick auf die Welt zu schenken. Wir wünschten, er hätte uns noch viele, viele Jahre mit seinem Wissensschatz beglücken können und diese Zukunft sehen können, die er voraussah.

Hans Rosling auf Twitter: @HansRosling


Thank you industrialization,
Thank you steel mill,
Thank you power station,
Thank you chemical processing industry,
that gave us time to read books.

Dreckiger Flüchtling

30. Januar 2017 17 Kommentare

„Dreckiger Flüchtling“ – diese Worte bekam Hertha Nathorff öfter zu hören. Sie war ein Flüchtling, arbeitete als Haushälterin, Putzfrau und Küchenmädchen in der neuen Heimat, in der sie nicht willkommen war. Keine Arbeit durfte ihr zu niedrig sein, es ging ums Überleben. Dabei war Frau Nathorff keine ungebildete Frau. Zu Hause, in der geliebten Heimat, hatte sie Medizin studiert und ein Jahrzehnt lang eine Kinderklinik in Berlin-Charlottenburg geleitet.

Sie haben meine Seele verbrannt, mein Leben zerstört, meine Jugend, meinen Frohsinn, mein ganzes Ich ausgelöscht wie der Sturm ein brennendes Licht. …

Hertha Nathorff war eine äußerst emanzipierte Frau, die in ihrem Tagebuch tiefen Einblick in ihr Leben gewährt. Ein Leben als Ärztin, Lebensretterin, Ehefrau, Mutter, Jüdin und Flüchtling. Was ihr Buch und ihr Schicksal so faszinierend macht, ist die Tatsache, dass es kein so ungewöhnliches Schicksal ist. Sie ist nur eine von rund 280.000 Juden Deutschlands, die rechtzeitig das Land verlassen. Eine kluge Frau, die unter der Situation sehr leidet und in ihrem Tagebuch auch von anderen Familien erzählt, Familien mit ähnlichem Schicksal.

Ihr Tagebuch beginnt nach einer hochinteressanten Einleitung, die einen geschichtlichen Rahmen liefert, im Jahr 1933 mit den Worten „Hitler Reichskanzler“ und beschreibt von diesem Zeitpunkt an mit regelmäßigen Tagebucheinträgen den Aufzug der dunklen Wolken, die Finsternis, die da kommen sollte. Eine Finsternis, deren wahres Ausmaß erst später klar wird.

Hertha Nathorff war, wie man aus ihrem Tagebuch erfährt, kein fehlerloser Mensch, kein leuchtendes Idol. Sie war einfach nur ein Mensch. Eine Frau, die sich als „deutsch, deutsch und nichts anderes“ empfand und die ihre Heimat verlor.
Es ist eine tägliche Erzählung kleiner Schmähungen, von Patienten, für die sie viel getan hat und die sie plötzlich nicht mehr kennen, vom Denunziantentum und den Repressalien, denen sie und ihr Ehemann ausgesetzt sind. Sie berichtet, wie sie „ihr Krankenhaus“, für das sie gekämpft hatte, aufgeben muss, der Arisierung weichen, wie sie und alle jüdischen Ärzte schikaniert und drangsaliert werden.

Sie erzählt von den kleinen Enttäuschungen, den feinen Herren, die dem Wind der Zeit folgen, z.B. Apotheker B., Vertreter einer jüdischen Firma, mit dem sie immer Mitleid hatte, dem sie erst „neulich ein paar hundert Mark zur Operation seiner Frau geborgt hatte“ und der eines Tages das Hakenkreuz zeigt, er sei schon länger Mitglied …

Und sie schildert die Angst, wenn das Telefon läutet oder wenn es an der Tür klingelt. Paranoia? Vielleicht. Aber sie schreibt später dann auch, wie es ist, wenn dann tatsächlich die Polizei anruft und sie einbestellt, wenn es an der Tür klingelt und der Ehemann abgeholt wird.

Es ist ein beklemmendes Dokument einer Zeitzeugin, das eine Epoche zeigt, in der man nicht leben möchte. Und die man sich nicht wieder wünscht.

Wir leben heute in guten Zeiten – oh, sie mögen schwierig sein und die Zukunft ungewiss, aber wann war sie das nicht? Aber diese Atmosphäre der Angst, der Unsicherheit, der Verfolgung, der grausamen Willkür, die kann man sich einfach nicht wieder wünschen. Man müsste schon selten stupide sein.

Für unsere Zeit ist vielleicht besonders wichtig zu erfahren, wie schwierig es war zu fliehen, wie schwierig es war, ein Visum zu bekommen und auszureisen (abgesehen von der Reichsfluchtsteuer und anderen Schikanen), weil sie, die „dreckigen Flüchtlinge“, nirgendwo erwünscht waren. Keiner wollte sie haben, die Juden aus Deutschland (und Österreich).

Wie ist es heute? Heute fliehen nicht die Deutschen und Österreicher in die USA, die die falsche Geburtslinie und Religion haben, heute fliehen die Menschen von anderswo in die EU, nach Deutschland, Österreich und die USA. Wie wollen wir sie behandeln?

 

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