Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 50, 2018)

16. Dezember 2018 Keine Kommentare

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Sprechen wir über Motivation: Was bringt eigentlich eine bunte Mischung von Menschen dazu, ein Informationsportal über Pseudowissenschaften, Beutelschneiderei und irrationale Überzeugungssysteme seit inzwischen elf Jahren zu pflegen? Nach Ansicht einiger Kritiker kommen dafür nur niedere Beweggründe in Frage: Angst, Neid, Missgunst oder gar Geld aus dunklen Kanälen. Andererseits kann auch der Wunsch, die Aufklärung voranzutreiben, sich mit interessanten wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen und gemeinsam mit ähnlich Gesinnten nützliche Informationen zusammenzutragen, einen wirksamen Antrieb darstellen. Freundliche Zuschriften, Dankesworte und Anfragen von Journalisten wirken ebenfalls motivierend. Vielleicht ist es aber auch überhaupt nicht notwendig, die Frage nach dem Nutzen immer wieder zu stellen. Wie Florian Aigner bei futurezone schreibt, darf etwas auch einfach nur Spaß machen, ohne ein höheres, nutzbringendes Ziel zu verfolgen. Über Themenvorschläge und warme Worte sowie über Linkspenden für den nächsten Wochenrückblick – der allerdings erst im Januar erscheinen wird – freuen wir uns auf jeden Fall und wünschen erkenntnisreiche Feiertage.

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In eigener Sache

15. Dezember 2018 Keine Kommentare

Wir werden am Dienstag, dem 18.12.2018, nachmittags vom Netz gehen. Wir haben uns entschlossen aufzugeben … nee, April April. Es sind nur Wartungsarbeiten!

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SkyWay und die verschwundenen Patente

10. Dezember 2018 5 Kommentare

„Scammer“ sind Firmen oder Personen, die etwas anbieten, das nicht oder nicht wie angegeben existiert bzw. funktioniert – also Betrüger. Eine typische Masche von Scammern ist die Ankündigung eines angeblich sensationellen Produktes, das z.B. Energie aus dem Nichts produziert, gegen allerlei Krankheiten hilft (“Snake Oil“) oder Reichtum ohne Arbeit ermöglicht. Beliebt sind auch Zusatzfunktionen, welche die Welt besser, die Umwelt sauberer und die Gesellschaft gerechter machen; Weltverbesserung verkauft sich gut. Wer aber Geld für ein Produkt nimmt, das gar nicht existiert, muss damit rechnen, verklagt und wegen Betrugs verurteilt zu werden. Daher haben sich die meisten Scammer auf fachfremde (und daher leichter zu täuschende) Investoren oder Spekulanten als Zielgruppe spezialisiert. Diese werden mit Versprechungen geködert und anschließend – oft auf Jahre hinaus – mit noch größeren Versprechungen vertröstet. Die ehrgeizigen Pläne werden natürlich niemals umgesetzt.

Als Köder für Technologie-Scams dient die Präsentation zahlreicher Patente. Diese sollen neben Zertifikaten (z.B. vom TÜV) und Referenzen (die gewöhnlich frei erfunden sind) die Seriosität des Unternehmens sowie die Machbarkeit des Projekts belegen.

Ein derzeit recht aktives Scam-Projekt ist die Firmengruppe SkyWay aus Weißrussland. Firmengründer Anatoli Yunitsky möchte angeblich das weltweite Transportwesen revolutionieren und vielerorts Gondeln (“String Transport” genannt) aufhängen, die bislang allerdings nur als Computer-Animationen, Handzeichnungen oder Funktionsmodellen auf Märchenpark-Niveau existieren. Yunitsky behauptet, solche Hängebahnen seit über 40 Jahren zu entwickeln, kann aber keinen einzigen Auftrag vorweisen. Die Beschreibung des Systems steckt voller Widersprüche und technischer Unmöglichkeiten, das Firmengeflecht ist undurchsichtig, und die Finanzierung von Yunitskys Jugendtraum basiert auf einem MLM-System mit überzogenen Gewinnversprechen. Das Geschäftsmodell von SkyWay besteht darin, wertlose Gutscheine als „Firmenanteile“ zu verkaufen. Finanzaufsichtsbehörden vieler Länder haben bereits Warnungen vor SkyWay veröffentlicht.

Immerhin kann er aber doch einen ganzen Stapel Patente vorweisen, oder? Mehr…

Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 48/49, 2018)

9. Dezember 2018 2 Kommentare

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Sind Skeptiker starrköpfig und unbelehrbar? Glaubt man den Worten von Esoterikern, Homöopathen und Aluhüten, ist das wohl der Fall. Grundsätzlch sollten Skeptiker in der Lage sein, flexibel auf neue Informationen zu reagieren, diese zu prüfen und gegebenenfalls ihre Ansichten zu ändern. Kritisches Denken bedeutet nicht, an einer Meinung entgegen anderslautender Argumente festzuhalten. Allerdings sind Skeptiker recht gefestigt in ihren Vorstellungen, wie ein Argument auszusehen hat. Reine Meinungen sind wertlos. Erst überprüfbare Fakten werden als Diskussionsgrundlage anerkannt. Sind diese vorhanden, ist es allerdings sehr einfach, die Ansichten von Skeptikern zu ändern. Die Diskussion um das Münsteraner Memorandum Heilpraktiker zeigte im letzten Jahr sehr schön, wie Gegenargumente – soweit sie überhaupt vorhanden waren – nicht aussehen sollen. Eine frisch erschienene Analyse der Kritik am Memorandum wurde diese Woche in einer Fachzeitschrift publiziert und ist sehr aufschlussreich. Eure Linkvorschläge für die kommende Woche nehmen wir wieder gerne entgegen, ebenso wie Argumente jeglicher Art – bevorzugt solche mit nachprüfbaren Fakten.

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Zur Neutralisierung fundierter Kritik durch falsche journalistische Ausgewogenheit – Beispiel: Homöopathie

1. Dezember 2018 44 Kommentare

Homöopathie-Aufklärung ist eine tolle Sache. Allen, die geduldig immer wieder erläutern, warum wirkstofflose Zuckerkugeln keine Medizin sind, gebührt höchster Respekt. Hier sind an erster Stelle das Informationsnetzwerk Homöopathie und die GWUP sowie der Konsumentenbund bzw. deren unermüdliche und überwiegend ehrenamtliche AktivistInnen zu nennen. Auch wir bei Psiram versuchen, unseren Teil dazu beizutragen. Und tatsächlich sind seit etwa einem Jahr erste Erfolge zu verzeichnen. Der Tenor in den Medien hat sich verändert, über Homöopathie wird kritischer berichtet, (echte) Experten dürfen sich zu Wort melden, es gibt sogar politische Aktivitäten zur Eindämmung der verdünnten Zuckerflut. Die verhinderten Tortenverzierer haben es zunehmend schwer, ihre wissenschaftsfernen Märchen unwidersprochen zu verbreiten.

So weit, so gut.

An diesem Punkt stellt sich die Frage, wie Homöopathie-Aufklärung idealerweise aussehen soll. Muss es die harte Konfrontation sein? Die „Wissenschaftskeule“? Soll man die Leute „da abholen, wo sie stehen“? Sind eventuell Kompromissvorschläge sinnvoll (ein bisschen Hokuspokus, ein bisschen Wissenschaft)? Ist es wichtig, auf die Globulisten zuzugehen, sie nicht zu verärgern, um ihnen dann mit dem kleinen Löffel und viel Sirup die bittere Realität näherzubringen, nämlich dass sie sich von einer kriminellen Bande, dem Bodensatz der Pharmaindustrie – zu faul zum Forschen, zu gierig und verblendet, um echte Medikamente herzustellen – ,  jahrelang haben veralbern lassen? Sind Gesetze und Verbote erforderlich, um diesen mehr als 200 Jahre währenden Betrug am Patienten zu beenden?

Welche Strategien auf Dauer am wirksamsten sind, muss sich erst noch herausstellen. Unsere Methode ist und bleibt der Realismus. Der kommt nicht immer freundlich daher, weshalb er oft auf Widerstand stößt. Das ist unsere Nische, und wir möchten diese Vorgehensweise nicht verallgemeinern oder gar als die einzig richtige darstellen.

Aus dieser Position heraus betrachten wir allzu nachgiebige Herangehensweisen natürlich mit Vorbehalten. Zwei Beispiele in Form von Homöopathie-Aufklärungsvideos sollen zeigen, welche Gefahren es mit sich bringt, wenn statt klarer Worte eine falsche journalistische Ausgewogenheit die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit zu verwischen droht – und wie Homöopathie-Aufklärung nicht aussehen sollte. Daraus ergibt sich ein Appell, speziell an Journalisten: Traut Euch, Fakten klar zu präsentieren und Unsinn als solchen zu bezeichnen. Redet nicht aus falsch verstandener Toleranz um den heißen Brei herum.  Mehr…

Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 47, 2018)

25. November 2018 Keine Kommentare

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Unsere Rezension zu Bernd Harders Buch über Verschwörungstheorien hat zu einer lebhaften Diskussion geführt, an der bezeichnenderweise fast ausschließlich Leute teilnahmen, die das Buch nicht gelesen haben. Also bleiben wir beim Thema und legen noch ein paar interessante Links nach. Im Netzpolitik-Podcast spricht Markus Beckedahl mit Christian Schiffer, Autor des Buches „Angela Merkel ist Hitlers Tochter. Im Land der Verschwörungstheorien“. Wie in unserer Blog-Diskussion geht es auch hier unter anderem um die Verwendung des Begriffs Verschwörungstheorie, also um die Frage, warum und wo er angebracht ist. Unser Video der Woche beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Thema und behandelt im Schnelldurchlauf die historische und philosophische Perspektive. Ein wissensschaftlicher Blick auf die aktuelle Verbreitung von Veschwörungstheorien findet sich im Guardian. Wenn Ihr weitere Links zu diesem oder einem anderen Thema habt, lasst sie uns doch bitte hier (#Psirama).

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Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 46, 2018)

18. November 2018 Keine Kommentare

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Natürlich ist es ein Problem, dass Menschen an gezielt verbreitete Falschmeldungen glauben, daraus falsche Schlüsse ziehen und Entscheidungen treffen, die ihnen selbst oder einer ganzen Gruppe Schaden zufügen. Darüber wird breit diskutiert und nach Lösungen gesucht. Aber wie sieht es eigentlich mit “altem” falschen Wissen aus? Wenn wir darüber nachdenken, was wir von unseren Eltern, in der Schule oder aus Medienberichten vor zwanzig oder dreißig Jahren gelernt haben und das mit dem heute verfügbaren Wissen vergleichen, stellen wir oft gewaltige Unterschiede fest. Da ist es kein Wunder, dass viele Menschen etwa aktuelle Forschungsergebnisse für unzuverlässig halten, weil sich ja “sowieso alles alle paar Jahre ändert”. Es genügt also nicht, sich neues Wissen anzueignen, man muss auch lernen, es zu bewerten, zu hinterfragen, mit anderen Informationen abzugleichen und irgendwo auf der persönlichen Wahrscheinlichkeitsskala einzuordnen. Das Werkzeug dazu heißt kritisches Denken und bewahrt davor, Aussagen vorschnell als richtig oder falsch einzustufen. Wer das beherrscht, fällt weniger leicht auf Populismus, Heilsversprechen, Panikmache und Abzocke herein. Unsere wöchentliche Linksammlung soll helfen, diese Fähigkeit zu trainieren. Deshalb lohnt es sich, die einzelnen Artikel nicht nur anzuklicken, sondern ihnen auch ein wenig hinterher zu recherchieren. Ist euch eine Meldung aufgefallen, deren Wahrheitsgehalt nicht auf Anhieb zu erkennen ist? Dann lasst einen Link hier, vielleicht finden wir es gemeinsam heraus.

 
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Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 45, 2018)

11. November 2018 4 Kommentare

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Ein chinesisches Sprichwort wird folgendermaßen zitiert: “Meinungen sind wie Nägel – je mehr du darauf einschlägst, desto tiefer dringen sie ein.” Bei den Themen, die uns hier täglich beschäftigen, ensteht allerdings ein anderer Eindruck: da wird so lange auf Fakten eingeschlagen, bis sie irgendwann dermaßen verbogen sind, dass man sie kaum wiedererkennt. Diese Tatsachenverbiegung kommt erstaunlicherweise immer mehr in Mode. Es ist ja auch so einfach: eine Behauptung, so abseitig sie auch sein mag, evolviert bei ausreichender Wiederholung irgendwann zur Mehrheitsmeinung. Geht diese Strategie im kreativen Umgang mit der Realität von Autoriäten, gar Regierungen aus, führt dies zu Verunsicherung und irgendwann in den Totalitarismus. Nicht Erkenntnisprozesse unter Ausschluss von Irrtümern führen zum Konsens über die Beschaffenheit der Welt, sondern eine Doktrin, die reale Zusammenhänge ignoriert. Wir stellen dieser Entwicklung weiterhin Fakten entgegen und vertrauen darauf, dass selbige sich irgendwann durchsetzen, wenn der Nebel der Alternativrealität wieder verfliegt. Ihr könnt dabei helfen, indem Ihr uns weiterhin mit interessanten Themen versorgt, Inhalte beisteuert und natürlich Links für die nächste #Psirama-Folge schickt.

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Angelesen: „Verschwörungstheorien“ von Bernd Harder

7. November 2018 153 Kommentare

Wer sich schon länger mit dem Thema Verschwörungstheorien beschäftigt, wird sie kennen: die seltsam verbogenen Argumente, sich selbst bestätigenden Scheinfakten, die Zirkelschlüsse und „Cui bono“-Fragen. Als unbeteiligter Beobachter ist es ja gelegentlich sogar unterhaltsam, besonders wenn man schon vorher ahnt, zu welchem aktuellen Ereignis sich bald wieder die üblichen Aluhüte zu Wort melden werden. Dem fleißigen Skeptiker stellen sich allerdings auch immer wieder dieselben Fragen: Wer glaubt so einen Blödsinn? Warum verbreiten sich auch die abgefahrensten Mythen wie ein Lauffeuer? Was kann man dagegen tun?

Das handliche Büchlein von Bernd Harder, dieses Jahr erschienen (160 Seiten, 10 Euro), liefert einige Antworten und hilft beim Verständnis der Zusammenhänge. Dabei bezieht es sich auf aktuelle Internet-Verschwörungstheorien, aber auch geschichtliche Zusammenhänge kommen nicht zu kurz.

Nach einer grundlegenden Einführung in das Thema findet sich am Anfang jedes Kapitels eine Behauptung oder These, die nach eingehender Diskussion zu einer Schlussfolgerung führt. So geht Bernd Harder am Anfang auf die Frage ein, woran man eine Verschwörungstheorie erkennt und was sie von einer „echten“ Verschwörung unterscheidet. Auch die Verwendung des Begriffes selbst wird ausgiebig diskutiert und dabei plausibel erklärt, warum hier nicht von Verschwörungsglaube oder Verschwörungsideologie gesprochen wird.

Was also lernen wir bei der Lektüre des Buches? Etwa, dass Verschwörungstheorien eine Methode zur Komplexitätsreduktion sind und damit einfache Antworten auf komplizierte Fragen geben. Und wir erfahren, was der Glaube an Verschwörungstheorien mit Mustererkennung oder der Angst vor Kontrollverlust zu tun hat. All diese Erklärungen kommen leicht verständlich daher, werden aber trotzdem sorgfältig belegt. An keinem Punkt hat man das Gefühl, Bernd Harder habe sich eine Erklärung einfach ausgedacht. Vielmehr arbeitet er ausgiebig mit Zitaten anerkannter Experten oder fasst deren Erkenntnisse unverfälscht zusammen. Eine umfangreiche Literaturliste lädt zur Vertiefung des Themas ein.

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Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 44, 2018)

4. November 2018 4 Kommentare

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Eine der unverfrorensten Hochstaplerinnen des Jahres hat es endlich in unser Wiki geschafft. Als erfolgreiche “Charakterprofilerin” und vorgebliche Psychologin hätte sie sicher gute Ratschläge parat, wie man sich am besten verhält, wenn das eigene Lügengebäude, eine zusammenphantasierte Vita und großzügig erfundene Karriere-Erfolge durch gerichtsfeste Aufdeckung zu Staub zerbröseln. Ist vielleicht Demut die richtige Strategie, eine öffentliche Entschuldigung und ein Richtungswechsel? In der Politik führte dieses Verhalten gelegentlich zum gewünschten Ergebnis. Nein, Suzanne Grieger-Langer versucht es mit wilden Verschwörungstheorien, in denen es um ein geheimes Netzwerk geht, das seine geballte Medienmacht dazu nutzt, eine eher unbedeutende, aber keineswegs untalentierte Aufschneiderin zu vernichten. Wie wir erfahren durften, sollen auch wir Teil dieser Verschwörung sein.
Unser Video der Woche vom Netzkongress 2018 beleuchtet, wie Verschwörungstheorien entstehen und sich im Netz verbreiten. Kennt Ihr Verschwörungstheorien, die noch nicht ihren Weg in unser Wiki gefunden haben? Dann berichtet davon, hier oder im Forum. Und vergesst nicht, Links für den nächsten Wochenrückblick (#psirama) zu spenden!

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