Greenpeace: Gen-Pflanzen: riskant, unkontrollierbar, nutzlos!

Greenpeace behauptet auf seiner Website ja so einiges zur Gentechnik, die wohl zentrale Seite dazu schreibt: Gen-Pflanzen: riskant, unkontrollierbar, nutzlos! und zählt in 4 Hauptpunkten auf, warum die Technologie und die daraus entwickelten Pflanzen so schlimm seien.

Aber ist das wirklich so? Gehen wir das mal Schritt für Schritt durch. Der erste Satz nach der Zusammenfassung ist gleich interessant:

Bei der Genmanipulation werden im Gegensatz zur Züchtung natürliche Grenzen ignoriert und natürliche Abläufe in der Pflanze massiv verändert.

Zur natürlichen, klassischen Züchtung gehört unter anderem die Verwendung von erbgutschädigender Substanzen wie Radioaktivität oder Giften. Diese Methode unterliegt keinerlei Auflagen und mehr als 3.000 Sorten wurden damit geschaffen, wie z.B. die Grapefruitsorten „Star Ruby“ und „Ruby Red“, die heute oft in Bioläden verkauft werden. 90% der behandelten Pflanzen überleben eine solche Behandlung nicht, aber der Rest weist hoffentlich eine gewünschte Veränderung auf. Dazu leider im Schnitt noch ca. 20 weitere, bei denen man oft keine Ahnung hat, was sie bewirken.

Im übrigen ist es auch nicht unüblich, per Gentechnik Veränderungen vorzunehmen, die auch durch eine Mutation entstanden sein könnten. Man schaltet z.B. ein Gen aus. Auch ein beliebter Anwendungsfall für obige Methode. Man erzwingt solange zufällige Mutationen, bis das Gen ausgeschaltet ist.

In dem Fall macht man mittels Gentechnik nichts anderes als die „Natur selbst“ bei einer zufälligen Mutation getan hätte. Wo ist hier der Unterschied zu gezüchteten Pflanzen? Richtig. Keine zufällige Extramutationen mit unbekannter Auswirkung.

Noch zwei Bemerkungen:
Wenn man Technologien und Verfahren betrachtet, sollte man auch immer die Alternativen betrachten: Welche Verfahren gibt es, und im Vergleich muss man die Vorteile/Nachteile abwägen.
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch gut.

Meist werden die Gene mit Schrotschuss-Verfahren in die Pflanzenzellen geschossen. …

Das Verfahren gibt es, siehe Genkanone. Warum gerade dieses Verfahren herausgepickt wurde, erscheint schleierhaft. Blickt man nocheinmal in die Wikipedia so findet man außerdem einen eigenen Artikel über die entsprenden Verfahren unter dem Titel Transformation(Gentechnik), in dem gerade diese Technik nicht einmal erwähnt wird.

Zudem ist die Grundannahme der Gentechnik, ein Gen sei für eine Wirkung im Organismus verantwortlich, von der Wissenschaft inzwischen widerlegt. Die Wechselwirkungen der Gene untereinander sowie das Wirkungsgefüge mit ihren Produkten, den Proteinen, sind wesentlich komplexer als lange angenommen.

Dass ein Gen multiple Auswirkungen haben kann, nennt man Pleiotropie. Wie fundamental neu diese Erkenntnis ist, sieht man vielleicht daran, dass dieser Term bereits 1910 geprägt (aber kaum verwendet) und z.B. 1952 an Fruchtfliegen gezeigt wurde. Heißt, der Effekt ist natürlich bekannt und keine Überraschung.

Der Effekt erschwert die Sache drastisch, ganz klar. Deswegen benötigt man ja auch Versuchsfelder und Forschung. Und idealerweise möglichst unabhängig an Universitäten.

Forscher fanden in den vergangenen Jahren beispielsweise heraus, dass die von Monsanto seit 1996 in den USA vertriebene Roundup Ready Soja im Vergleich zu herkömmlichen Sojasorten 5 bis 10 Prozent geringere Erträge erbringt. In den USA sind inzwischen 95 Prozent der dort angebauten Soja genmanipuliert. Dies bedeutete für das Jahr 2008 Ernteeinbußen von 4 bis 8 Millionen Tonnen.

Da Greenpeace keine Quellen angibt, liefern wir hiermit eine. Der Report stellt tatsächlich fest, dass GMO-Sojabohnen keinen Ertragsgewinn bringen. Wir haben natürlich keine Garantie, dass diese gemeint ist, aber da GP keinerlei Quellen liefert, gehen wir mal davon aus. Es stellt sich die Frage, warum verlinkt Greenpeace eine solche seriöse Studie nicht? Vielleicht deswegen:

The typical pesticide regimes and combinations of several herbicides used prior to the introduction of GT soybeans were generally effective, if inconvenient, in controlling weeds. Glyphosate has been effective against many species of weeds, and therefore more convenient because farmers can often avoid using several different herbicides and spraying schedules, but it does not necessarily provide better weed control than several other herbicides combined.

The fact that the herbicide-tolerant soybeans have been so widely adopted suggests that factors such as lower energy costs and convenience of GE soybeans also influence farmer choices.

Heißt: Die Pflanze bringt weniger Ertrag, aber es zahlt sich trotzdem für die Landwirte aus, GMO-Soja zu pflanzen, weil man weniger Spritzmittel und Fahrten braucht. Wer genauer Bescheid wissen möchte: der Text ist sehr interessant, kritisch und geht noch auf einige weitere Punkte wie Resistenzen ein. Ein weiteres Gegenbeispiel liefert z.B. Rumänien. Nach dem EU-Beitritt und damit dem Verbot von GMO ging der Sojaanbau deutlich zurück. Es war einfach nicht mehr so rentabel, Soja anzubauen.

Viele GMO-Pflanzen wie die Roundup-Ready-Varianten sind sowieso nicht auf höheren Ertrag ausgelegt: sie sind darauf ausgelegt, dass weniger Pestizide benötigt werden.

Das Argument „weniger Ertrag“ ist ein Strohmann. Man kann es nur immer wieder wiederholen: Landwirte sind keine Idioten. Sie kalkulieren genau und wenn der Gewinn nicht stimmen würde, hätten sie schon längst andere Sorten angepflanzt.

Superunkräuter durch Gen-Pflanzen: In den USA oder Argentinien, wo Gen-Pflanzen im großen Stil angebaut werden, bekommen Landwirte zunehmend Probleme mit sogenannten Superunkräutern. Die Unkräuter werden mit der Zeit genauso resistent gegen die Spritzmittel wie die Gen-Pflanzen. Die Folge: Der Einsatz von Spritzmitteln steigt.

Alle Unkräuter werden IMMER resistent gegen Spritzmittel werden. Das ist das Prinzip der Evolution. Auch in unseren Breiten muss man sich damit, ganz ohne Gentechnik, auseinandersetzen. Das ist somit kein spezifisches Problem der Gentechnik. Ein guter Artikel findet sich dazu bei biosicherheit.de.

Der US-Agrarwissenschaftler Charles Benbrook hat den großflächigen Anbau herbizidresistenter (HR) Gen-Pflanzen wiederholt untersucht. Seine Ergebnisse zeigen, dass der Anbau von Gen-Pflanzen in den USA zwischen 1996 und 2011 zu einem Mehreinsatz an Pestiziden von 183 Millionen Kilogramm geführt hat.

Die Studie von Herrn Benbrook hat so einige Probleme. Erstmal hat er insektenresistente Pflanzen wie Baumwolle oder Mais, die Insektizide einsparen sollen, und herbizidresistente Pflanzen zusammengemischt. Außerdem gibt es keine verlässlichen Zahlen zur verwendeten Menge von Pflanzenschutzmitteln bei GM/Nicht-GM-Anbau. Was hat Herr Benbrook daher gemacht? Selber geschätzt und Auge mal Pi hochgerechnet. Andere Berechnungen auf Basis derselben Zahlen kommen zu einer Reduktion von 9,1% bei Pestiziden..

Schädlinge werden resistent: …

Im Wesentlichen dasselbe Argument wie bei den Superunkräutern. Über kurz oder lang tauchen immer resistente Schädlinge auf. Wenn man immer das selbe Insektizid verwendet, geht das natürlich schneller. Ein Prinzip der Evolution.

Der Fluch der Gentechnik ist nicht, dass sie nutzlos ist, sondern ihr Erfolg. Bauern würden am liebsten ihre gesamte Ackerfläche damit bepflanzen. Die Politik und die Vernunft müssen hier die notwendigen Einschränkungen treffen, Monokulturen entgegensteuern und mit ausreichenden Refugienflächen die Resistenzen unter Kontrolle halten. Ein Artikel dazu wieder bei biosicherheit.de.

Anti-Gentechnik-Gruppen argumentieren, dass Gentechnik Monokulturen fördern. Gleichzeitig ist die Technologie ihrer Meinung nach nutzlos. Wenn sie nutzlos wäre, würde keiner gentechnisch veränderte Sorten nützen und das Problem wäre gelöst.

Aber da wir in Deutschland keine Gentechnik haben, haben wir wenigstens kein Problem mit Maiswüsten, an denen die Gentechnik schuld ist. Wir schaffen das auch ohne.

Weiter geht es in Teil 2.

Linkempfehlungen:

  • Transgen: Forum Bio- und Gentechnologie, Fragen? Hier finden Sie Antworten!
  • bioSicherheit: Viele Artikel zur Gentechnik
  • NovoArgumente: Magazin mit kritischen Artikel zur Gentechnik
  • Science Bridge: Molekulargenetische Experimente für die Schule.

35 Gedanken zu „Greenpeace: Gen-Pflanzen: riskant, unkontrollierbar, nutzlos!“

  1. Es dürfte wissenschaftlich beweisbar [:-o ] sein, dass Religion nicht mit Argumenten bekämpft werden kann.
    Wie, Greenpeace ist keine Religion?

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  2. Guter Artikel.

    Eine Anmerkung hätte ich noch: Bei den Argumenten, dass GMO zu „Superunkräutern“ und resistenteren Schädlingen führt habe ich das Gefühl, Greenpeace würde denken, dass diese veränderten „Supergene“ irgendwie in das Erbgut anderer Organismen gelangen und sie mutieren lassen.

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  3. Pseudowissenschaft ist es vielleicht nicht, aber ein „irrationales Überzeugungssystem“. Greenpeace argumentiert irrational, zudem betreiben sie, wie es im Artikel bereits anklang, Cherrypicking.
    Monsanto ist mit Sicherheit KEINE Religion, die sind absolut auf Profit orientiert und handeln deswegen rational.
    Zusätzlich sollte man beachten, daß Monsanto ja nicht mit Gentechnik gleichzusetzen ist, Monsanto macht Profit damit, was durch Gentechnik entwickelt wurde. Wenn man Monsanto in irgendwelcher Art maßregeln würde, gäbe es immer noch die Gentechnik und die damit erzeugten Pflanzen, die dann im Falle des Falles von einem anderen Konzern genutzt werden. Monsanto ist in der Diskussion um Gentechnik ein Strohmann.

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  4. Eine kritische Auseinandersetzung mit stark vereinfachender Kritik an Grüner Gentechnik ist begrüßenswert, zumal häufig eine diffuse Angst davor zu nehmen ist. Aber man möge doch bitte wissenschaftlich dabei argumentieren: eine bedenkliche Sache („Zur natürlichen, klassischen Züchtung gehört unter anderem die Verwendung von erbgutschädigender Substanzen wie Radioaktivität oder Giften.“) egalisiert nicht eine andere (u. U. „Gentechnik“). Falls diese Art der Argumentation jetzt zum naturwissenschaftlichen Standard gehört, möge man mich bitte darüber nochmals genauer aufklären (Link reicht).

    Ehrlicherweise müsste man halt von der „gentechnischen“ Seite auch zugeben, dass vieles eben nicht so verläuft, wie erhofft. Auch diese „Selbst“reflektion gehört zur wissenschaftlichen Arbeit dazu. Ich verlinke hier mal nicht auf „alternative“ Seiten sondern auf SdW-Artikel. http://www.spektrum.de/alias/pflanzenschutz/warnschuss-fuer-die-gruene-gentechnik/1152531 sowie: http://www.spektrum.de/alias/landwirtschaft/bt-toxin-beguenstigtneue-schaedlinge/1040143; Science, Bd. 328, S. 5982 (Spektrum der Wissenschaft)
    August 2010, S. 10)

    Ich wäre froh, wenn Psiram nicht irgendwann genauso reflexhaft argumentiert, wie es Greenpeace jetzt schon macht, sondern nicht nur Nutzen (mögliches Beispiel: http://www.spektrum.de/alias/gentechnologie/moskitos-mit-selbstmordgen/1155290), sondern auch auch mögliche Gefahren von Gentechnik nennt. Gerade bei der Schädlingsbekämpfung zeigte sich doch häufig die tatsächlichen ökologischen Zusammenhänge komplexer als vorher gesagt. 😉

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    • @Menne: Der erste Block bezog sich auf den Satz „im Gegensatz zur Züchtung natürliche Grenzen ignoriert und natürliche Abläufe in der Pflanze massiv verändert“. Ein Beispiel, dass das auch bei „natürlichen Methoden“ geschieht und der Versuch einer sachlichen Replik. Man könnte diesen Satz auch als Strohmann betrachten, denn wenn der Mensch fliegen sollte, hätte die Natur ihm Flügel gegeben. Flugzeuge ignorieren daher natürliche Grenzen …

      Weiters wird es irgendwann nächste Woche einen zweiten Teil geben, der sich dann mit weiteren Behauptungen wie Superunkräutern usw. auseinandersetzt. Allerdings nur relativ kurz, denn z.B. bei biosicherheit.de gibt es sehr gute Artikel dazu.
      Zum ersten Spektrum Artikel: Klar! Ohne geeignete Managementstrategien in der Landwirtschaft geht es nicht. Man muss ein Werkzeug eben korrekt einsetzen.
      Zum zweiten Artikel: Nun, BT Mais soll ja auch nur gegen Maiszünzler und Maiswurzelbohrer wirken. Das Sekundärschädlinge davon nicht betroffen sind bzw. dann sogar aufleben ist also quasi „by design“. Das ist auch kein neues Problem: http://www.biosicherheit.de/aktuell/1181.phaenomen-alt-pflanzenschutz.html

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  5. @ sumo
    Tja, irgendwie muss man ja täglich seine eigene Existenz rechtfertigen. Solche Vereine leben nur davon immer wieder irgendwelche Themen auszugraben, möglichst laut rumzuschreien und dadurch neue Mitglieder zu werben, die dann fleißig den überhöhten Mitgliedsbeitrag zahlen. Die würden immer was finden. Ein Kampf gegen Windmühlen.

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  6. Reine Züchtungen (ohne künstlich herbeigeführten Mutationen) waren in der Vergangenheit doch an ihre Umgebung mehr oder weniger angepasste Arten. Ein Genaustausch kann zwar über Artgrenzen hinweg geschehen (vgl. Neunauge), aber ist doch eher die Ausnahme. Man muss nun mal zugeben, dass ein Genaustausch über Artgrenzen hinweg (in eine Keimbahn) eine massive Änderung von Individuen ist mit allen positiven Möglichkeiten und unter Umständen negative Konsequenzen. Was musste ich vor etliche Jahren noch an der Uni anhören, wie man angeblich weiß, wie das im Einzelnen funktioniert (bspw. Introns und Exons) und wie musste doch immer wieder eingeräumt werden, dass es sich so einfach doch nicht verhält (Alternatives Spleißen). Diese mögliche Unkenntnis muss eben auch mit in die Risikoberechnung mit berücksichtigt werden.

    Zitat: „Das Sekundärschädlinge davon nicht betroffen sind bzw. dann sogar aufleben ist also quasi “by design”. Das ist auch kein neues Problem:“ Zitatende

    Es kein kein NEUES Problem, aber es ist ein Problem, zumal eines, welches die Grüne Gentechnik ändern wollte. Und da wäre es wissenschaftlich korrekt, die Probleme (jeglicher Methode) zu nennen und nicht einfach auf eine andere Methode zeigen und sagen, die machen das ja auch.
    Genauso wie das Anpflanzen von Neophyten bzw. einschleppen von Neozoen kann eben auch GvO ein Ökosystem verändern. Und das muss mit berücksichtigt werden.

    Apropos kritischer Blick: „NovoArgumente: Magazin mit kritischen Artikel zur Gentechnik“; kann man so sagen, könnte aber zu Fehlinterpretationen führen. 😉

    Noch kurz etwas zu den Links:
    NovoArgumente: Eine Seite mit Fortschrittsoptimus und Skepsis gegen Klimawandel;
    transGEN: „Verein Forum Bio- und Gentechnologie e.V. “ Mitglieder „die seit langem für Internetplattformen wie http://www.transgen.de oder http://www.biosicherheit.de arbeiten.“
    Schaue ich bei biosicherheit.de nach finde ich „genius“, „Die genius gmbh »übersetzt« Wissenschaft, damit Wirtschaft, Politik und breite Öffentlichkeit sich richtig verstehen.“ und i-Bio Information Biowissenschaften (vormals: TransGen Wissenschaftskommunikation). Und auch science bridge versucht Werbung für Gentechnik zu machen.

    Das ist alles legitim, aber ich wäre froh, wenn man gerade kritische Artikel mit möglichst unabhängigen Veröffentlichungen (science, nature, SdW, …) unterfüttert, um erst gar nicht in Verdacht von Lobbyarbeit zu kommen. Alles andere wäre doch Kontraproduktiv. Und ich glaube gerade auch dort finden sich doch bestimmt viele gute Gründe zumindest an der Grünen Gentechnik zu forschen, wenn nicht gar einzusetzen.

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    • @Menne: Wie Mephisto schon sagte ist es unmöglich die gesamte Thematik in einem Blog aufzuarbeiten. Im Artikel ist z.B. „Failure to Yield“ verlinkt, eine 50-Seiten Abhandlung die sich wie der Titel schon sagt, durchaus kritisch mit dem Ertrag von GVO beschäftigt. 50 Seiten, auf denen praktisch nur diese eine Frage untersucht wird. Es wird einfach jeder Blog unzureichend sein und nur einen Aspekt betrachten können.

      Und auch wenn wir vielleicht gerade so etwas wie „Greenpeace-Thema-Tage“ haben ;), ist es doch nur ein Thema unter vielen. Wir können das Thema Gentechnik nur ansprechen, unsere Meinung kundtun und dann verweisen, mehr schaffen wir einfach nicht.

      Aus unserer Sicht sind transgen und biosicherheit.de sehr saubere Quellen spezifisch für den Bereich Gentechnik. Sicherlich sind sie dabei eher pro eingestellt, aber das liegt unseres Erachtens auch einfach daran, dass bei einer rationalen Betrachtung die Vorteile/Chancen überwiegen.

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  7. „Ein Genaustausch kann zwar über Artgrenzen hinweg geschehen (vgl. Neunauge), aber ist doch eher die Ausnahme. “

    Ist horizontaler Gentransfer im Laufe der Evolution wirklich die Ausnahme oder nicht doch eher ein häufiges Ereignis?
    Elysia chlorotica soll z.B. auch Gene besitzen, die die Funktion von Chloroplasten unterstützt, die diese Schnecke von Algen übernimmt. Es wurde auch ein Gen gefunden, das identisch ist mit der Variante einer Alge.
    Vielleicht ist unser Wissen über horizontalen Gentransfer z.B. durch Viren einfach noch mangelhaft.

    Der Mensch macht eigentlich mittels Gentechnik auch nichts anderes als „die Natur“ mittels Viren, nur gezielter auf bestimmte Ergebnisse abzielend, während die „natürliche“ Evolution eher Versuch und Irrtum ist.

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  8. @ Menne
    Grundsätzlich würde ich Dir durchaus zustimmen, andererseits ignoriert Deine Argumentation ein paar publizistische Aspekte:

    a) Eine derart detaillierte Auseinandersetzung mit dem Thema wie sie Dir vorzuschweben scheint, wäre in ihrem Umfang nicht mehr wirklich Blog-tauglich und könnte somit ihr Ziel kaum erreichen. Nicht umsonst wird im und nachdem Text auf weiterführende Publikationen verlinkt.

    b) Psiram ist keine Wissens-Website sondern hat das Ziel die negativen Auswirkungen irrationaler Glaubenssysteme zu zeigen und zu bekämpfen. Daher ist es – aus meiner Sicht – absolut legitim, in einem solchen Artikel nur falschen Argumenten entgegenzutreten, ohne jeden Aspekt des Themas zu beleuchten.

    c) Die Einschränkungen und Hinweise die Du hier (sachlich sicherlich vollkommen zu Recht) einforderst würden, so sie den erfolgten, in den einschlägigen Foren aus dem Zusammenhang gerissen und in Siegerpose zitiert, nach dem Motto „selbst Psiram muss zugeben dass…„. Damit wäre das Gegenteil der eigentlichen Zielstellung erreicht.

    Zusammengefasst: sachlich hast Du vollkommen Recht und es wäre wünschenswert wenn die Psiram-Autoren Deiner Argumentation folgten, aber leider gibt es gute (im Sinne von „einleuchtende“) Gründe dies nicht zu tun.

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  9. Um es genau zu sagen: Monsanto macht sein Geld mit Lebensmitteln, nicht mit genmanipulierten Lebensmitteln.

    Je mehr Lebensmittel pro Geldeinheit produziert wird, desto besser. Und zwar für alle. Das sollte GP mal bedenken, wenn diese I****** noch denken könnten…..

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  10. @Mephisto:

    zu b): Deshalb schätze ich ja Psiram. Nur darf man dann nicht „irrationale Glaubensysteme“ zusammen in einen Topf mit „mehr oder weniger wissenschaftlich fundierter“ Kritik schmeißen. UND die Kritik sollte immer naturwissenschaftlich sauber sein, gerade wenn es nicht um Glaubensysteme geht. Kritik an der Grünen Gentechnik ist eben nicht mit dem Glauben an Homöopathie gleich zu setzen. Wer das versucht, arbeitet auch publizistisch unsauber. Und Psiram-Wiki ist durchaus eine Wissens-Webseite. Nirgends findet sich besser komprimiert Aufdeckungen zu Pseudowissenschaften.

    zu c) Einen Glauben, der vollkommen die Physik und Chemie widerspricht und die keine begründbaren Grundlagen zu diesem Widerspruch liefert, darf man gerne auch mal polemisch zerpflücken. Schlimmer in einschlägige Foren wird aber die Kritik von nachweisbarer Lobbyarbeit und unsachlicher Argumentation. Ich glaube, da würden sich „einschlägige Foren“ weitaus mehr freuen. Und genau das versuche ich zu vermeiden. 😉

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  11. Unter der Prämisse, dass „natürliche Grenzen nicht missachtet werden dürfen“ und eingedenk dieser Tatsachen:

    Zur natürlichen, klassischen Züchtung gehört unter anderem die Verwendung von erbgutschädigender Substanzen wie Radioaktivität oder Giften. Diese Methode unterliegt keinerlei Auflagen und mehr als 3.000 Sorten wurden damit geschaffen, wie z.B. die Grapefruitsorten “Star Ruby” und “Ruby Red”, die heute oft in Bioläden verkauft werden. 90% der behandelten Pflanzen überleben eine solche Behandlung nicht, aber der Rest weist hoffentlich eine gewünschte Veränderung auf. Dazu leider im Schnitt noch ca. 20 weitere, bei denen man oft keine Ahnung hat, was sie bewirken.

    folgt daraus natürlich, dass schon diese (dem Nicht-Experten bislang wohl unbekannten) ebenfalls „die natürlichen Grenzen missachtenden“ natürlichen, klassischen Züchtungsmethoden verboten gehören. Daraus folgt nicht, dass nun auch die Gentechnik als weitere, die „die natürlichen Grenzen missachtende“ Methode, freizugeben ist.

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  12. Wenn man Technologien und Verfahren betrachtet, sollte man auch immer die Alternativen betrachten: Welche Verfahren gibt es, und im Vergleich muss man die Vorteile/Nachteile abwägen.

    Technologien und Verfahren sind die Lösungen einzelwirtschaftlicher Problemstellungen. Diese einzelwirtschaftlichen Problemstellungen sind Ausdruck einzelwirtschaftlicher Interessen. Bevor man Debatten über Alternativen von neuen Technologien und Verfahren aufführt, sollte man sich da nicht zunächst die Frage stellen, ob das problembegründende Interesse überhaupt berücksichtigungswürdig ist? Eine Frage, die m.E. zu Unrecht aber wegen der Wirtschaftsordnung verständlicherweise nie gestellt wird.

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  13. Ich wollte eben einen ähnlichen Kommentar schreiben wie Ano Nym oben und schließ mich ihm stattdessen an: Die Verwendung von Radioaktivität oder Giften gehört für meine Begriffe definitiv *nicht* zu „klassischer Züchtung“. Wenn sie das aktuell tut, sollte man an der Stelle nochmal etwas nachdenken.

    Im Allgemeinen habe ich nicht einmal etwas gegen GMO und kann viele der im Artikel gebrachten Argumente auch nachvollziehen. Leider ist es bei GMO (und IMHO übrigens auch bei Kernkraft) so, daß die Auswirkungen letztlich nicht absehbar sind. Die Forschung ist definitiv nützlich und unterstützenswert, aber im großen Stil in der Wirtschaft sollte Verfahren mit derart hohem Schadenspotential nicht eingesetzt werden.

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  14. @Geralt: Formal ist diese Argumentation „Die anderen machen es auch nicht besser also ist unseres zulässig.“ sicher nicht korrekt, gerade unsere „Kundschaft“ bringt das ja regelmäßig.

    Aber es geht ja um etwas Anderes, es geht einfach um einen Hinweis, wie irrational verschoben manche Fokussierungen auf bestimmte Themen sind: Die eine Technik wird als gemeingefährlich empfunden, die andere, welche das ebenso ist (oder eben auch nicht), schlicht ignoriert.

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  15. @Ano Nym:
    Der von Ihnen angeführte, logische Schluss ist sicherlich richtig, aber richtet sich ja an den falschen Adressaten; das müssten sie GreenPeace mitteilen.

    Was man eher denunzieren sollte, als deren schiefe Logik, ist vielmehr der ideologische Begriff des „Natürlichen“, dessen Konsequenz wird nämlich logisch sauber von „Earth First“ zuende gedacht. Diese Hypostasierung einer von Menschen

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  16. (Zu früh Publish gedrückt) … einem von Menschen bereinigten „natürlichen System“. Das ist – um nur einen von vielen zu nennen – der naturalistische Fehlschluss. Naturschutz wäre zuerst unter der Perspektive menschlicher Zwecke zu argumentieren und nicht unter der Prämisse einer begrifflich völlig schwammigen „Natur“ an sich, die es zu erhalten gelte, sondern einer Natur für ‚uns‘.

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  17. Der von Ihnen angeführte, logische Schluss ist sicherlich richtig, aber richtet sich ja an den falschen Adressaten; das müssten sie GreenPeace mitteilen.

    Mein Schluss ist der (implizite) Schluss der im Blogpost als Greenpeace-Satz zitiert wird. Im Blogpost liest es sich so, als fordere der Autor – wie Groucho richtig erkannt hat – Gleichheit im Unrecht [1]. Natürlich besteht die richtige Herangehensweise an den Greenpeace-Satz darin, die Geltung der (impliziten) normative Prämisse „natürliche Grenzen müssen beachtet werden“ zu bestreiten.

    [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichbehandlung_im_Unrecht

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  18. Ich fände es irgendwie sehr interessant GreenPeace mit diesen Argumentationen zu konfrontieren und Sie um eine offizielle Stellungnahme zu bitten. Offensichtlich sind die derzeitigen Behauptungen von GreenPeace in der Thematik Gentechnik nicht schlüssig.

    Nichts desto trotz sollte man im Hinterkopf behalten, dass man GreenPeace nicht nur auf das Thema Anti-Gentechnik reduzieren sollte. Es gibt auch einige vernünftige Dinge, für die sich diese Organisation weltweit stark macht.

    Also… guter Artikel, aber eine Fortsetzung mit GP-Stellungnahme wäre richtig toll.

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  19. Strohmann vs. Strohmann, War of the Cherry Pickers

    Leider wiederholt der Artikel viele der Fehler, die er dem kritisierten Text vorwirft.

    „Zur natürlichen, klassischen Züchtung gehört unter anderem die Verwendung von erbgutschädigender Substanzen wie Radioaktivität oder Giften.“
    Strohmann-Argumentation. Solche Zuchtmethoden werden im Greenpeace-Text mit keiner Silbe erwähnt, geschweige denn gutgeheissen. Auf sie einzudreschen ist folglich sinnlos.

    „Das Verfahren gibt es, siehe Genkanone. Warum gerade dieses Verfahren herausgepickt wurde, erscheint schleierhaft.“ Im Greenpeace-Artikel wird dieser Schleier direkt im nächsten Satz gelüftet bzw. erklärt, warum gerade dieses Verfahren zur Kritik herausgepickt wurde. Schlampig gelesen oder absichtlich dummgestellt?

    „Da Greenpeace keine Quellen angibt, liefern wir hiermit eine.“ Strohmann par excellence. Sich selbst eine angreifbare Studie suchen, sie dem Kritisierten unterschieben und dann in der Luft zerpflücken? Ganz toll.

    Themenkomplex Resistenzen: Cherry Picking. Ignoriert (weil nicht so schön einfach angreifbar?) werden z.B. die Ausführungen zum Giftwettrüsten am Beispiel des roten Baumwollkapselwurms vs. Bollgard 1, 2 und 3.

    Cherry Picking Volume 2: Komplett ignoriert werden die Ausführungen zu „negative Auswirkungen auf zahlreiche andere Tiere wie zum Beispiel Schmetterlinge, Honigbienen, Spinnen, Schlupfwespen und Florfliegen, aber auch Bodenorganismen“. Komisch eigentlich das wäre doch ein interessanter Ansatzpunkt, schliesslich sind herkömmliche Pestizide für diese ja auch nicht ganz harmlos. Objektiv aussagekräftig wäre erst der Vergleich der negativen Auswirkungen beim Anbau von Mon810 vs klassichen Maisbau mit Chemieeinsatz. Zu mühsam?

    An dieser Stelle hört die Psiram-Analyse plötzlich auf, dabei ist erst der halbe Greenpeace-Artikel behandelt. Zwei weitere Abschnitte werden komplett ausgeklammert: „3. Gefahren für die Gesundheit“ und „4. Gen-Pflanzen außer Rand und Band“. Warum? Cherry Picking Volume 3: keine Gegenargumente gefunden? Oder einfach keinen Bock mehr zum weiterschreiben gehabt?

    I’m not convinced.

    Antworten
  20. @Mat:
    a) Kann man so sehen. Allerdings war es nicht als „eindreschen auf diese Methoden“ gedacht. Eher als Spiegelbild, wie unkritisch man andere Methoden als Gentechnik wahrnimmt. Mich stört die Methode übrigens nicht. Finde ich clever. Aber natürlich mühsam und problematisch im Vergleich zur Gentechnik.

    b) Es ist durchaus klar, warum sich Greenpeace ein mittlerweile relativ unwichtiges und selten verwendetes Verfahren (weil mit einigen Nachteilen behaftet) rausgepickt hat: Man will ja zeigen, wie schlimm die Gentechnik ist.

    c) Die Studie ist nicht per se „angreifbar“. Niemand, auch die von ToxicMessia gepostete Replik nicht, kritisiert, dass die gefundenen Ertragszahlen falsch sind. Aber sie sind irrelevant, wie im Artikel erklärt wird.

    d) Zum Baumwollkapselwurms/Bollgard: Wurde nicht im Detail ausgeführt, weil das Gesagte prinzipiell auch für diesen Fall gilt, hier ein Link zum Thema: http://www.biosicherheit.de/aktuell/1144.resistente-schaedlinge-indien-nachgewiesen.html

    e) Stimmt, die „die armen Käfer werden alle sterben“-Gute-Nacht-Geschichte kommt tatsächlich nicht vor. Hier mal ein Einstiegspunkt:
    http://www.biosicherheit.de/projekte/search/search_id/113
    http://www.gute-gene-schlechte-gene.de/die-wissenschaftlichkeit/

    f) „Weiter geht es in Teil 2.“

    Antworten
  21. Pingback: Psiram » Greenpeace: Gefährliche Gen-Pflanzen außer Rand und Band
  22. Ob es Dummheit ist oder doch Lobbyismus..ich tippe auf Lobby-Abschaum im Kern, gefolgt von vielen willigen Mainstream-Verblendeten, die nur allzu gern auf den Zug aufspringen und unserem schönen System huldigen, denn wäre die Welt nicht so schön müsste man sich ja tatsächlich kritisch damit befassen, was wiederum schwierig wäre, wer hat im Hamsterrad der Finanzmacht noch Zeit dafür?
    Wie auch immer, ich wünsche all den fleißigen Psiram-Hetzern weiterhin fröhlichen Konsum, und verbleibe mit der Hoffnung, dass der Krebs hier mal die Richtigen trifft. Monsanto weiß schon was das Beste für euch ist. Und für eure Kinder. Vorschlag: Füttert sie doch ausschließlich mit dem Genzeugs, und falls euch der Lobby-Nachwuchs daraufhin ausgeht, wendet euch an Monsanto, die haben bestimmt ne Lösung. Roundup für Kids womöglich, einfach ansprühen und gut, vielleicht noch ein paar Impfdosen gegen die aktuelle Lieblingsgrippe der Pharmaindustrie hinzufügen, und schwupdiwup, fertig ist das moderne, realistische Kind (bringt zwar weniger Hirn-Ertrag, zahlt sich aber trotzdem für`s System aus, ganz bestimmt). Da lohnt sich dann die jährliche Patentgebühr, und falls ihr die nicht aufbringen könnt auch kein Problem, nehmt einfach nen Kredit auf, wir brauchen schließlich Wachstum.
    Dann haben unsere freien und unabhängigen Medien (die ja jeder braucht) auch wieder was zu feiern: Die Rettung des (systemrelevanten) Psiram, juuuuuhuuuu lol lol:)

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  23. LOL, die Anzahl der Kommentare, bis in einer Diskussion über Gentechnik das erstemal das Wort „Monsanto“ fällt – wie könnte man die Zahl nennen? Groucho-Koeffizient?

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  24. @Grillo:
    Mainstream-Verblendung?
    Grüne Gentechnik ist in Deutschland leider alles andere als mainstream…

    @Gutemine:
    Stimmt, hat schon was von Godwin’s law.
    Dieser Wahrscheinlichkeits-Koeffizient kriegt vermutlich ne neue Potenz mit jedem weiteren Gentech-Gegner in der Runde.

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