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„Der Standard“ aus Wien

Diese Zeitung ist mir eigentlich nur vom allmorgentlichen DLF-Hören als seriöse ausländische Quelle bekannt.
Die Qualitätszeitung veröffentlichte am 18.06.08 in ihrer Onlineausgabe aber ein Interview mit Frau Dr. Kapfinger-Bruckner, einer Ärztin.

Das Thema war die homöopathische Reiseapotheke:

Mit ein paar Fläschchen selbst heilen
Die homöopathische Reiseapotheke be­handelt nicht Erkrankungen sondern heilt individuell: wie man das im Urlaub selbst angeht, erklärt Birgit Kapfinger im Interview

Die Frau Dockter gab dann auch hilfreiche Tipps aus der Mottenkiste dieser Paramedizin:

Kapfinger: Es ist natürlich eine Übungs- und Erfahrungssache. Menschen reagieren individuell und unterschiedlich auf Substanzen. So kann es sein, dass sich bei Husten Phosphor bewährt, oder jemand Pulsatilla braucht.

Kapfinger: Entscheidend ist, ob eine Wirkung eintritt. Stimmt das Mittel hilft es unmittelbar. Das heißt innerhalb von ein bis zwei Stunden. Man nimmt einmal fünf Globuli und wartet danach ab. Hilft es, aber die Beschwerden kommen wieder, dann muss erneut ein Impuls gesetzt werden. Ändern sich die Beschwerden, dann ändert sich das Bild und ich muss auf die Suche nach einem neuen passenden Medikament gehen. Wenn sich bei der ersten Gabe gar nichts tut, dann kann man davon ausgehen, dass das Mittel nicht wirklich gepasst hat. Da muss weiter gesucht werden.

Das reicht schon. Der Rest steht im Artikel und die „Gesundheitstipps“ sind reiner Humbug.
Das Schöne an der ganzen Geschichte sind die Kommentare.
Anders, als normalerweise, regte sich hämischer und ironischer Widerstand der Leser.
Ein verzweifelter Homöopathieanhänger fasste es folgendermaßen zusammen:

„Wow!!
Die Postings hier sind allesamt (bis auf wenige Ausnahmen) gegen die Homöopathie.“


Hier ein paar Kostproben *freu*:

Ah, die Ähnlichkeitsregel
Die kann man auch mit Impfungen vergleichen. Nur dass die eine nachweisbare und erklärbare Wirkung haben. Die homöopathische Ähnlichkeitsregel ist dagegen eine, die auf magischem Denken basiert, darauf dass ähnliche Dinge in irgendeiner Weise zusammenhängen. Nach der selben Logik könnte ich Kopfweh mit Äpfeln behandeln, denn die sind rund und rot, wie ein schmerzender Kopf.

Dass sie nebenwirkungsfrei ist, ist ja wunderbar. Das Problem ist aber, dass sie auch Hauptwirkungsfrei ist.

Aus Ihnen wird noch einmal ein guter Homöopath!
Genialer Vergleich! 🙂 Könnte man fortspinnen: Wie wärs mit Buttersäure gegen Körpergeruch? Oder Riesenkürbis gegen Übergewicht und Bauchfett? Aber bitte nur in 1000er-Potenzen! 🙂

Lesen Sie hier nächste Woche: Unterwegs mit der Jungfrau Maria. Rosenkränze, wundertätige Amulette und Weihwässer, die in keiner Reiseapotheke fehlen sollten. Über Jahrhunderte sorgsam getestet und von unzähligen Menschen für wirksam befunden.

Ein paar Fragen
Ich möchte mich auf meine Urlaubsreise zu den schönsten Stränden Burkina Fasos richtig vorbereiten. Impfen oder ähnlicher Hokuspokus wie Homöopathie kommen für mich dabei aber nicht in Frage. Das geistige liegt mir da schon eher:
Worauf muss man achten, wenn man im Urlaub das richtige Gebet selbst auswählen muss? Kann man als Laie eine Differenzierungen überhaupt vornehmen?
Macht es bei all der Individualität überhaupt Sinn ein fertig geschnürtes Set an Reliquien in den Urlaub mitzunehmen?
Wann merkt man, ob der angerufene Heilige kein Fehlgriff war? Können falsche Amulette auch eine schädliche Wirkung haben?
Kann man vor einer Reise vorbeugend beten?

Könnten wir uns in der Rubrik „Gesundheit“
an die Dinge halten, deren Wirksamkeit erwiesen ist? Die Homöpathie hat das weder im 20. noch im 21. Jahrhundert geschafft.
Alles andere hat nämlich wenig mit Gesundheit zu tun.

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Viele Grüße auch an unsere Freunde von der„Gesellschaft für kritisches Denken“ und an Florian von astrodicticum-simplex.
Ihr bewirkt etwas!

  1. 18. Juni 2008, 23:15 | #1

    Als Österreicher lese ich diese Zeitung (zumindest online) seit Jahren. Hauptsächlich deswegen, weil es eine der wenigen serlösen und unabhängigen Zeitungen in der ansonsten grauenhaften österreichischen Medienlandschaft ist. Jetzt bin ich allerdings wirklich schockiert – sowas hätte ich mir vom Standard nicht erwartet 🙁

  2. 19. Juni 2008, 00:13 | #2

    Ach, ich finde das gar nicht so schlimm.
    Solche Artikel tauchen überall auf.

    Mich freut die Reaktion der Leser.
    Die ist erfrischend untypisch.

    Ich sehe gerade, dass ich noch einen Link einfügen sollte:

    http://www.scienceblogs.de/

    das kommt noch in den Beitrag.
    Tante "Edit" macht das.

  3. 19. Juni 2008, 00:32 | #3

    Ja – Kommentare sind gut 😉 Die Standard-Leser sind meistens auch sehr homogen – da kommen überall auch kontroverse Stimmen (wenn denn die Kritik schon im Artikel fehlt)

    Und danke für deinen Artikel! Ich hatte den Standard heute noch gar nicht gelesen und morgen aus Termindruck wahrscheinlich auch drauf verzichtet – ohne deinen Beitrag wär mir das glatt entgangen!

  4. 19. Juni 2008, 16:44 | #4

    Zur Ehrenrettung des "Standard", den ich auch abonniert habe:

    Der Print-Standard und der Online-Standard haben getrennte Redaktionen. Die Print-Ausgabe schiebt den Onlinern einige Artikel zum Einstellen rüber, aber umgekehrt läuft das meines Wissens nicht. Die unsägliche Glaubuli-Werbung wird also nie gedruckt erscheinen. Natürlich (wie man sieht) leidet aber das Renommee des "echten" Standard unter dem, was seine Netz-Schwester so treibt. Und damit sind in der Print-Redaktion auch nicht alle glücklich…

  5. 19. Juni 2008, 17:26 | #5

    Vielen Dank, ich ändere den Text dementsprechend.

  6. 19. Juni 2008, 20:17 | #6

    Dass Online-Redaktionen von Printmedien in der Qualität manchmal absacken, ist ja nichts Neues. Langfristig hoffe ich, dass sich der Trend etwas umkehrt: Die Kommentare in diesem Fall machen Mut.

    Viele Web-Leser sind über die Jahre "web-erwachsener" geworden, müde von der gigantischen Masse an Müll und tendentiell kritischer. Gerade nicht mehr jugendliche Leser haben ja noch die Vorstellung im Kopf, dass das geschriebene Wort glaubwürdiger als das gesprochene sei. Hat ja auch oft gestimmt, Lektoren und Verlage haben wie der Rechen in der Kläranlage den gröbsten Müll vorselektiert. Dass dies im Web nicht der Fall ist, sickert jetzt so langsam ins öffentliche Bewusstsein.

    Insofern sollten Printmedien, die etwas auf Qualität achten, langsam vorsichtig mit ihren Online-Auftritten werden.

  7. Holger Meyer
    20. Juni 2008, 20:44 | #7

    Wegen Verleumdung verurteiltes Esowatch rühmt sich sogar, illegal zu sein
    VON HOLGER MEYER
    Es ist wohl ein Sachverhalt welcher stellvertretend für andere die weitere Geschichte des Internets beeinflussen wird.

    Da gibt es seit einer Zeit z. B. eine Site namens Esowatch.com, die anonym, ansonsten unbescholtene Zeitgenossen, verunglimpft.

    Das wäre wahrscheinlich nichts Neues, wenn nicht die Betreiber von Esowatch.com freimütig einräumen würden, dass unter den Betreibern der Site zumindest ein wegen Verleumdung verurteiltes Mitglied ist, und man sich nur deshalb anonym gebärdet, um sich dem Zugriff der deutschen Justiz zu entziehen :

    ORGINALZITAT ESOWATCH:

    "Deutsches Recht gilt in Deutschland, unsere Server stehen aber in den USA. Deutsches Recht greift bei uns also überhaupt nicht."

    ( https://blog.psiram.com/in… )

    Dass Esowatch.com somit illegal veröffentlicht wird, scheint die Betreiber nicht zu stören.

    Es ist daher davon auszugehen, dass dieses Beispiel Schule macht, und somit eine große Qualität des Internets, nämlich eine tatsächlich existierende Meinungsfreiheit, aufgrund derartigem Verhalten von wenigen schon sehr bald starken Einschränkungen unterliegen wird.

    Ein kleiner Trost mag zwar sein, dass die sich selbst so sicher fühlenden Betreiber von Esowatch.com aufgrund ihres Verhaltens längst nicht mehr so anonym sind, wie sie es nach eigenem Bekunden gerne wären, indem einige Betreiber wie Herr Peter Wind und Herr Thomas Xavier inzwischen namentlich bekannt sind.

    Als traurig ist diese Entwicklung aber dennoch zu Betrachten, und es bleibt nur die Hoffnung, dass rechtzeitig Mittel und Wege gefunden werden, um anonyme Verleumdungen der beschrieben Art im Internet zu unterbinden

    Esowatch ist davon abgesehen mit mehr als berechtigtem Argwohn zu betrachten. Esowatch ist wie gesagt eine aus der Anonymität ( http://www.Esowatch.com enthält kein Impressum, siehe
    ( https://www.psiram.com/index.p… ) heraus agierende Vereinigung selbsterklärter Hüter der Scholastik, denen offensichtlich der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist, und die in einer Art intellektuellen Amoklauf ihre Internetbekanntheit auf Kosten unbescholtener Zeitgenossen um jeden Preis erhöhen will. So ist es jedenfalls bei Wikipedia zu lesen bei denen Esowatch rausgeflogen ist.
    ( http://de.wikipedia.org/wik… )

    Die Recherchequalität von Esowatch ist völlig unzureichend und gleichzeitig versucht Esowatch aber mit Pseudodiskussionsforen den Eindruck einer gleichberechtigten Diskussion zu erwecken, deren Beiträge aber samt und sonders von Esowatch vorab zensiert bzw. verändert werden, und dann, ohne dass der eigentliche Autor noch irgendein Zugriffsrecht ausüben kann, die Beiträge aber unter dessen Namen veröffentlicht werden.

    Esowatch betreibt zudem einen Internetauftritt, der dem von Wikipedia sehr ähnlich ist, um eine offensichtliche Zugehörigkeit zu Wikipedia vorzutäuschen, mit dem Ziel die bestehende Glaubwürdigkeit von Wikipedia unberechtigterweise auf Esowatch zu übertragen , obwohl zwischen Wikipedia und Esowatch keinerlei Verbindungen oder sonstige Gemeinsamkeiten bestehen.

    Auf Esowatch verbreitete Informationen sollten mit absoluter Vorsicht behandelt werden, weil Esowatch keinesfalls das Wohl der Internetbenutzer im Auge hat, sondern ganz offensichtlich aufgrund eigener Substanzlosigkeit mit vor allem unlauteren Mitteln versucht, die eigene Internetbekanntheit zu erhöhen.

    Wie bereits erwähnt, ist mindestens ein Betreiber von Esowatch wegen Verleumdung rechtskräftig verurteilt ( http://www.biophotonen-onli… ), und trotzdem versuchen die Betreiber von Esowatch, aufgrund ihrer trotzdem weiter verbreiteten wiederholten Verleumdungen, sich der deutschen Gerichtsbarkeit dadurch zu entziehen, indem die Site psiram.com zum einen in Hong Kong ( http://www.cps-datensysteme… -> bei Web-Whois Domain eingeben ) registriert ist, und zum anderen die Site kein Impressum besitzt und daher der Zugriff praktisch unmöglich ist.

  8. 21. Juni 2008, 01:37 | #8

    Ihr Beitrag steht doch noch da. Er müsste doch bei den massiven Anschuldigungen längst gelöscht sein, wenn stimmen würde, was Sie sagen.

  9. 7. August 2008, 17:55 | #9

    Geht doch!

    http://derstandard.at/?url=
    und
    http://derstandard.at/?url=

    (James Randi im Standard.)

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