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Die Geschichte vom Feuergott oder An den Grenzen der Rationalität

Ein toller Gastbeitrag von einem unserer Blogleser. Besten Dank!

Vor langer, langer Zeit kamen einst zum ersten Mal nach der Jagd Menschen zusammen, um ihre Beute gemeinsam zu verzehren und Geschichten darüber auszutauschen, wie sie diese für sich erringen konnten. Aus einem Treffen wurden erst zwei, dann viele, und schließlich war es zu der Menschen liebster Zeitvertreib geworden, so beieinander zu sitzen. Aus Einzelpersonen wurden Paare, dann Jagdgruppen und schließlich Stämme, die allein durch das Gefühl der Gemeinsamkeit verbunden waren.

Diese Geselligkeit gefiel dem Feuergott, denn sie war der seiner Flammen ähnlich. Wo immer eine von ihnen einen angenehmen Ort fand, rief sie sogleich alle Brüder und Schwestern herbei, um dort mit ihnen zu tanzen. So beschloss der Feuergott, den Menschen seine Aufwartung zu machen und gemeinsam mit ihnen zu feiern.
Trotz anfänglicher Furcht nahmen ihn die Menschen schließlich in ihrer Mitte auf, wo er Ehrengast jeder Feierlichkeit wurde. Denn seine Flammen spendeten ihnen Licht und Wärme, und durch sie wurde jede Nahrung noch köstlicher. So kam es, dass ein Pakt zwischen dem Feuergott und den Menschen geschlossen wurde. Sie gelobten, ihm Ehre und Opfer zu Teil werden zu lassen, während er die Kraft des Feuers in ihre Dienste stellte. Die Flammen wurden Diener der Menschen und brachten Helligkeit, ohne zu blenden, Wärme, ohne zu versengen, und garten die Speisen so, wie es recht war.
Doch mit der Zeit wurden die Menschen überheblich und selbstgefällig. Sie wähnten sich als die eigentlichen Herren des Feuers und vernachlässigten den Dienst an dessen Gott, bis dieser wutentbrannt den alten Pakt auflöste. Doch da der Mensch noch immer nicht die Kontrolle über das Feuer aufgeben wollte, befahl der Gott dem Feuer, fortan seine Zähne zu zeigen und des Menschen Feind zu sein.
Deshalb ist das Feuer heute unser Gefangener, den es sorgfältig zu hüten gilt. Es wird jede Gelegenheit nutzen, um über uns herzufallen und uns zu verzehren. Benutzen wir es zum Kochen, so trachtet es danach unsere Nahrung in Asche zu verwandeln. Und blickst du in die Sonne, welche das Auge des Feuergottes ist, so wirst du seinem zornigen Blick nicht lange standhalten können. Schon die flüchtige Berührung einer heißen Herdplatte wird genügen, um dir die Wut des Feuers deutlich zu machen.

Ich habe mir dieses Märchen gerade eben erst ausgedacht, aber in seiner Fähigkeit darin, mythologisch-spirituelle Erklärungsmodelle für unsere Welt zu liefern, steht es den anderen Vertretern seiner Zunft in nichts nach. Wenn ich wollte, könnte ich mich nun bei den Leuten einreihen, die auf rationale Kritik mit „das Gegenteil ist nicht bewiesen, also muss es als potentiell wahr gewertet werden“ reagieren. Zur Verteidigung meiner Fantasie stehen zahllose weitere Mittel zur Verfügung – ich kann z.B. behaupten, dass es sich um uraltes überliefertes Geheimwissen handelt, dass mir der Feuergott persönlich die Geschichte erzählt hat, oder dass ich die Fähigkeit besitze, durch Meditation die Vergangenheit zu sehen. Eines haben diese Erklärungen aber alle gemein: Sie sind fiktional.
Ich spreche hier bewusst nicht von „fiktiv“, da sich ihr Wahrheitsgehalt so ohne Weiteres nicht überprüfen lässt. Aber es handelt sich auch bei den Erklärungsversuchen um Geschichten, die in andere Geschichten hinein gewebt werden, die sie unterfüttern und die sich um sie herumwinden. Ich erschaffe ein fiktionales Universum, das in sich und für sich genommen funktional wahr ist.
Es gibt nur ein Problem dabei: Der objektiven Realität ist meine Ansicht herzlich egal. Seit sie mit dem Urknall aus dem Reich der Meta-Existenz verbannt wurde, ist sie eine verbitterte alte Schachtel geworden, die sich nicht mehr auf Diskussionen einlässt. Nein halt, ich fange schon wieder an Märchen zu erzählen…
Es bleibt jedenfalls festzuhalten, dass immer da, wo Fiktionalität und Realität in Konflikt miteinander geraten, das Fiktionale den Kürzeren ziehen wird. Finde ich mich eines Tages in einem brennenden Haus wieder und habe die Wahl, mein Glück entweder mit einem Fluchtversuch oder einem Stoßgebet an den Feuergott zu versuchen, werde ich nur in einem von beiden Fällen tatsächlich eine Chance haben. Der andere Weg ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Wie aber halte ich jetzt Realität und Fiktionalität auseinander? Nun, dafür haben sich die Menschen ein verblüffendes System ausgedacht: Die Wissenschaft. Bei ihr handelt es sich um eine Methode, die versucht, den menschlichen Faktor möglichst weit aus dem Vorgang der Wahrnehmung auszublenden. Dabei geht es aber nicht darum, ein möglichst „unmenschliches“ Ergebnis zu erzielen, sondern tatsächlich darum, eines zu finden, das auf möglichst viele Menschen zutrifft. Verbrennt sich eine Person die Hand an einer heißen Herdplatte, so kann ich nicht wirklich etwas dazu sagen. Machen zwei Personen die gleiche Erfahrung, lassen sich bereits Tendenzen vermuten. Hat bisher noch jeder, der auf eine heiße Herdplatte gelangt hat, sich auch daran verbrannt, kann ich von einer wissenschaftlichen Gewissheit sprechen. Egal wie ich mir das auch erkläre, „heiße Herdplatte = Aua“ bleibt eine Konstante.

„Mooooment“ höre ich da einige Leute rufen, „aber wie ist das denn im Fall dieses Beispiels hier? Woher weiß ich jetzt, ob sich die Leute wegen der Rache des Feuergotts verbrennen?“
Tja, liebe Leute – willkommen an der Grenze der Wissenschaft. Diesem System sind nämlich klare Grenzen gesetzt, die es nicht überwinden kann. Was von Kritikern aber gerne als Makel gesehen wird, ist mitnichten ein Fehler, sondern eine Notwendigkeit. Will man abgesicherte Ergebnisse haben, muss man notgedrungen das Fiktionale meiden. Das Definitive lässt sich nur dort finden, wo das Beliebige eliminiert wurde. Dementsprechend kann die Wissenschaft nur da fungieren, wo sich die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Dinge überprüfen lässt. Aus dieser Erkenntnis lassen sich nun folgende Schlussfolgerungen ziehen:

1. Die Wissenschaft beschäftigt sich nicht mit Spekulativem
Wir wissen, dass man sich die Finger an der heißen Herdplatte verbrennt und können diesen Umstand beschreiben. Ob da ein zorniger Feuergott dahinter steckt, ist aber im Alltag nicht relevant für uns. Wir können Warnanzeigen für eingeschaltete Platten, Induktionsfelder und Brandsalbe machen. Der Feuergott kann bleiben wo der Pfeffer wächst.

2. Keine Behauptungen ohne Fakten
Du glaubst aber, dass der Feuergott trotzdem existiert? Dann musst Du Fakten dafür liefern. Ansonsten gibt es keinen Grund, warum man dieser Geschichte den Vorzug vor anderen geben sollte. Ich könnte auch noch fünf andere Märchen aus dem Ärmel schütteln, wenn ich wollte. Warum sollte ich eine von ihnen bevorzugen?

2a. Fakten müssen belegt werden
Einen Stammtischkumpel dazu zu bringen, Dir zuzustimmen, indem Du ihm ein Bier ausgibst, ist kein gültiger Beleg. Besser wäre es, die Mythologie diverser Volksstämme auf Gemeinsamkeiten in der Verehrung von Feuergöttern zu überprüfen, daraus ein ursprüngliches Ritual abzuleiten und unter dessen Schutz eine Herdplatte anfassen, ohne sich zu verbrennen. Das nennt man dann Wissenschaft.

3. Kein „Aber es kann doch trotzdem sein.“
Du bist also überzeugt davon, dass der Feuergott existiert, aber Du kannst es nicht beweisen, weil er auch auf die alten Gebete nicht mehr hört? Pech gehabt – wissenschaftliche Akzeptanz wirst Du so nicht finden. Das ist aber auch nicht nötig. Ein desinteressierter Gott unterscheidet sich in seiner Funktion nicht von einem, der nicht existiert. Und nur darauf kommt es bei der Wissenschaft an (siehe 1.).

4. Wissenschaft kennt keine Toleranz
Dahinter steckt keine böse Absicht, sondern die schon zuvor erwähnte Strukturgebundenheit. Dort, wo es hell ist, ist keine Dunkelheit. Dort, wo es trocken ist, ist kein Wasser. 1 ist 1, weil es keine andere Zahl ist. Dementsprechend ist auch Wissenschaft nur da, wo Spekulatives nicht ist. Toleranz ist ein wichtiger Aspekt menschlichen Umgangs miteinander. Wissenschaft funktioniert aber eben dadurch, den objektiven Raum von subjektiven „Verunreinigungen“ zu säubern.

Wer nun versucht, eine wissenschaftliche Diskussion zu führen, dabei aber diese Regeln missachtet, ist einfach auf der falschen Baustelle. Also liebe Kommentatoren, tut allen Leuten auf diesem Blog einen Gefallen und verinnerlicht erst diese Regeln, bevor Ihr postet.
Ansonsten trifft Euch der Zorn des Feuergottes.

  1. 18. September 2011, 00:00 | #1

    Was für erfrischend klare und freundliche Gedanken. Vielen Dank, Autor.
    Besonders im Vergleich mit dem Anthro-Gesülze in den Kommentaren merkt man wieder mal, dass man seinen Kopf nicht nur für zwangsneurotische Vorstellungen einsetzen kann.

  2. Naturalist
    18. September 2011, 01:50 | #2

    Natürlich sind der Wissenschaft klare Grenze gesetzt: Geld. Wer das nicht begreift den kann man ebenfalls nicht ernst nehmen. 🙂

  3. 18. September 2011, 10:34 | #3

    Nur um den Artikel abschliessend zu ergänzen und die Motivlage klar zu stellen:
    5. Wissenschaft spendet keinen Trost

    Wissenschaft ist eine tolle Profession, aber als private Lebenseinstellung taugt sie halt nicht viel. Wenn das Leben Dich beutelt und Dir jede Hoffnung zu nehmen droht, hilft weder Wahrheit noch Fakten und der Zweifel noch weniger.

    Esoterik und alle Spielarten entstehen zunächst aus dieser Lücke. Welchen Sinn hat der Tod eines geliebten Menschen (um die Dramatik mal ganz nach oben zu ziehen)? Rein wissenschaftlich: keinen. So wenig wie sein Leben einen Sinn hat. Hm. Das hilft jetzt bestimmt ungemein, um mit dem Schmerz, der beginnenden Depression und der Leere und Dunkelheit um einen herum fertig zu werden…

    Nur um Klarheit zu schaffen: Ich bin sicher KEIN Vertreter esoterischer Weltsichten. Aber ich habe manchmal den Eindruck, die junge, erfolgreiche, problemfreie Elite der angehenden Naturwissenschaftler, die solche Blogs wie dieses hier anzuziehen scheinen, sollte einfach mal ein wenig Lebenserfahrung sammeln, in ein paar esoterischen Anthropo- projekten mitarbeiten und dann entscheiden, ob Esospinner trotzdem nicht ganz nette Menschen sind am Ende und abzgl. der Spinnereien, die sie ihre Weltsicht nennen …

  4. Wirsing
    18. September 2011, 10:47 | #4

    Meine Güte ist das ein schöner Sonntag vormittag. Da schau ich mal wieder nichts gutes ahnend hier im Blog vorbei und finde einen solch schönen klaren Beitrag.
    Danke dem Verfasser.

  5. Fundamentalrationalist
    18. September 2011, 14:05 | #5

    Ihr habt das gelöscht? Ohne Visionen und Fiktionen gibt es keinen Fortschritt und niemand wird sich die Mühe machen zu forschen. Das ist ja gerade das Problem in der heutigen Gesellschaft. Die reine Rationalität die reine Ökonomie der Forschung. Ich habe einige Jahre in diesem Bereich arbeiten dürfen und mir ist nie jemand begegnet der nicht religiös war oder sich mit den historischen Grundlagen seines Fachgebietes beschäftigt hat. Genau in diese Bresche schlagen Esoteriker und Pseudowissenschaftler. Mit Erfolg. Selbst erfolgreiche Pharmakonzerne machen sich in den Urwald auf um sich mit Schamanen und Kräuterhexen zu beschäftigen b.z.w. dessen Wissen abzugreifen.

  6. 18. September 2011, 14:20 | #6

    @Michel (R.)

    Michael (R.) :
    Aber ich habe manchmal den Eindruck, die junge, erfolgreiche, problemfreie Elite der angehenden Naturwissenschaftler, die solche Blogs wie dieses hier anzuziehen scheinen,

    Das klingt schmeichelhaft, ist aber eher grotesk falsch, dass es zu Lachen reizt (sorry). Ich kann sicher nicht für alle sprechen, aber ein doch eher durchgängiges Motiv, sich gegen Esoterik zu engagieren ist eben die (Lebens-)Erfahrung, dass solche Konstrukte keineswegs immer so harmlos sind, Esoterik eben nicht immer eine harmlose Spinnerei ist. Wir haben das schon häufig thematisiert. Wir verhönen oder greifen auch nicht Menschen an, die in ihrem stillen Kämmerlein Trost in der Vorstellung finden, dass sie einen persönlichen Engel oder sonstwas haben. Wir haben nur etwas gegen Institutionen und Menschen, die aus diesem Trost und Erklärungsmodell des allzu Menschlichen versuchen, für sich Profit zu schlagen und diese Schwächen schamlos ausnutzen.

    Weiters: Wer Wissenschaft als Lösung für alles sieht, der schmiert sich auch mit einem Hammer ein Butterbrot. Wissenschaft ist ein Werkzeug, dass uns idealerweise hilft, uns von der doch sehr fehlerbehafteten Wahrnehmung der Realität zu lösen um zu möglichst verlässlichen Vorhersagen dieser zu kommen. Mehr ist sie nicht.

  7. 18. September 2011, 14:32 | #7

    Naturalist :

    Natürlich sind der Wissenschaft klare Grenze gesetzt: Geld. Wer das nicht begreift den kann man ebenfalls nicht ernst nehmen. :-)

    Welche finanziellen Grenzen waren z.B. einem Alexander Fleming gesetzt, als er das Penicillin mit entdeckte? Einstein mit seiner RT? Ein absurder Kommentar insofern, dass er ein Prinzip mit dem System vermischt und verwechselt. Fehlende Forschungsgelder setzen nicht die wissenschaftliche Methode außer Kraft.

  8. Fundamentalrationalist
    18. September 2011, 14:40 | #8

    @Rincewind

    Rincewind :

    Naturalist :
    Natürlich sind der Wissenschaft klare Grenze gesetzt: Geld. Wer das nicht begreift den kann man ebenfalls nicht ernst nehmen.

    Fehlende Forschungsgelder setzen nicht die wissenschaftliche Methode außer Kraft.

    Selbstverständlich tun sie das. Wer heute in diesem Bereich arbeitet ist einem Erfolgs- und Ergebnisdruck ausgesetzt. Und dann kann es schon mal passieren das man pseudowissenschaftliche mit wissenschaftlichen Methoden vermischt. Je nach Umfang der Datenbasis merkt man das ohnehin nicht.

  9. David
    18. September 2011, 15:22 | #9

    „Esoterik und alle Spielarten entstehen zunächst aus dieser Lücke. Welchen Sinn hat der Tod eines geliebten Menschen (um die Dramatik mal ganz nach oben zu ziehen)? Rein wissenschaftlich: keinen. So wenig wie sein Leben einen Sinn hat. Hm. Das hilft jetzt bestimmt ungemein, um mit dem Schmerz, der beginnenden Depression und der Leere und Dunkelheit um einen herum fertig zu werden…“

    Kann ich das auch so zusammenfassen: „Besser Unsinn glauben, als gar nichts!“?

    Und es gibt noch einen weiteren Beobachtungsfehler: Gerade im Angesicht des Todes – des eigenen, oder eines geliebten Menschen – verlieren auch die scheinbar glaubensfestesten Menschen ihren Glauben. Das habe ich selber beobachten müssen, leider.

    „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
    Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.“

  10. Mentha Trecenta
    18. September 2011, 16:43 | #10
  11. The_Vanguard
    18. September 2011, 17:25 | #11

    Michael (R.) :
    Nur um den Artikel abschliessend zu ergänzen und die Motivlage klar zu stellen:
    5. Wissenschaft spendet keinen Trost
    Wenn das Leben Dich beutelt und Dir jede Hoffnung zu nehmen droht, hilft weder Wahrheit noch Fakten und der Zweifel noch weniger.

    Nein, Wissenschaft kann einem nicht die Verantwortung für sein eigenes Leben abnehmen. Sie hilft aber dabei, Klarheit zu schaffen und die Bedingungen zu ändern. Von Selbstbetrug kann man hingegen ausser einem flauschig-wohligen Gefühl im Inneren nicht viel erwarten. Angesichts der modernen Medizin bin ich ganz froh darum, dass sich unsere Vorfahren nicht mit einem „es war Gottes Wille, ihn in den Himmel zu holen“ zufrieden gegeben haben.

    Fundamentalrationalist :
    Selbstverständlich tun sie das. Wer heute in diesem Bereich arbeitet ist einem Erfolgs- und Ergebnisdruck ausgesetzt. Und dann kann es schon mal passieren das man pseudowissenschaftliche mit wissenschaftlichen Methoden vermischt. Je nach Umfang der Datenbasis merkt man das ohnehin nicht.

    Das Konzept dahinter wird nicht ausser Kraft gesetzt, nur weil sich jemand nicht daran hält. Oder zweifeln sie an der Funktionalität des Systems der Schrift, nur weil Leuten immer wieder Schreibfehler passieren?

  12. netzzwerk
    18. September 2011, 17:48 | #12

    Sehr schöner Text!
    Aber warum gibt es hier keinen Flattr-Button? Wollt ihr den Flattr-Gott erzürnen? Los schnell schnell, er hat nur gut Gaben! 😉

  13. Rationalisscheissegal
    19. September 2011, 11:14 | #13

    Da muss ich an den zuletzt von Astronomen (oder waren es Astrologen?) entdeckten Planeten in einem Doppelsternsystem denken. Absolut unmöglich sagten die Astronomen (oder waren es Astrologen?) und voila, da ist er.
    Aber das wird hier eh niemanden zum Nachdenken bringen, weil ihr das wieder als Beweis für wissenschaftlichen Fortschritt seht und nicht als Irrtum des äußerst beschränkten menschlichen Geistes.
    Wissenschaft irrt nicht , sondern entwickelt sich nur weiter. Gottesurteile haben auch nie geirrt …

  14. 19. September 2011, 12:26 | #14

    Extrasolare Planeten, die sich in einem Doppelsternsystem befinden, sind nicht selten. Wir kennen schon jede Menge (Es wird langsam mal Zeit, dass jemand eine vernünftige Liste aller Planeten in Mehrfachsternsystemen veröffentlicht…) und das es sie gibt ist auch nicht sonderlich überraschend.
    Wir wissen schon länger, dass Einzelsterne wie unsere Sonne eher eine Ausnahme sind und die meisten Sterne sich einen Partner gesucht haben. Und schon seit 1977 (bevor noch irgendwelche extrasolaren Planeten entdeckt wurden) weiß man, dass es dort stabile Bahnen für Planeten geben kann. Man unterscheidet zwei Fälle:

    Her weiterlesen:
    http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/09/entdeckt-der-sciencefictionplanet-mit-den-zwei-sonnen.php?

    Was du also von Dir gibst, ist schlichter Unfug. Und wer Astronomen nicht von Astrologen unterscheiden kann, sollte sich vielleicht etwas um seine Bildung kümmern.

  15. Max
    19. September 2011, 12:46 | #15

    Hast mit deinem Nick ja mal wieder ganz tief in die Wortspielkiste gegriffen, Rationalisscheissegal…

    Kleiner Tipp: Recherche bezüglich der Unterscheidung der Begriffe „Astrologie“ und „Astronomie“ benötigt geschätzte 1,3 Sekunden, erhöht die scheinbare Kompetenz im Beitrag jedoch um ein Vielfaches.

    Und btw: Niemand, aber auch wirklich niemand hat die mögliche Existenz eines solchen Systems infrage gestellt, es gibt keine einzige wissenschaftliche Theorie, die durch diese Entdeckung falsifiziert worden wäre. Es ist schlicht das erste Mal, dass ein solches zweifelsfrei beobachtet wurde.

    Und jetzt bitte zurück ins gmx-Forum, weitertrollen…

  16. Rationalisscheiegal
    19. September 2011, 14:55 | #16

    Ich hab „erdähnlich“ vergessen. Lieber Herrgott 😀 Evtl. führt das ja zur Diskussion um den eigentlichen Punkt meines Posts.
    Und Ironie ist nicht so eure Stärke, oder? Ich helf euch mal: Astronomie vs. Astrologie. Aber nachher kann man natürlich immer viel behaupten, werde ich jetzt zu hören bekommen. naja, hab ich zu viel erwartet und was vergessen. Bin halt keine maschine, die so schön einfach und perfekt mit Nullen und Einsen arbeitet. Aber mit Nullen befasse ich mich hier ja eigentlich schon … 😀

    [so, und das war wieder der letzte Kommentar von dir hier. Wir haben es x-mal gesagt: Wer hier kommentiert, soll das unter einem Pseudo tun, und nicht unter ständig wechselnden. Nachdem du offenbar absolut lernressistent bist: tschüss. R.]

  17. 19. September 2011, 15:07 | #17

    @David
    „Kann ich das auch so zusammenfassen: “Besser Unsinn glauben, als gar nichts!”?“

    Nein, das ist eine unzulässige Engführung meiner Argumentation…

    Vielleicht habe ich vergessen das hinreichend klar zu stellen: Ich bin kein Esoteriker und eingefleischter Atheist, nicht nur Sozialarbeiter sondern auch (zugegeben: abgebrochener) Ex-Physikstudent.

    Mir ging es darum, zu erklären (wie in: Wissenschaftliche Erklärung) wie es zur Ausbildung esoterischer oder religiöser Bedürfnisse kommt und unter welchen Bedingungen Menschen für solche Impulse offen sind. In Krisen und existenziellen, lebensverändernden Situationen.

    Das ist übrigens keine Esoterik, sondern Gegenstand Sozialwissenschaftlicher Forschung.

    Und jetzt drehen wir den Spiess mal kurz um 🙂

    Behauptung: Wissenschaft beschäftigt sich nicht mit Spekulativem.

    Doch tut sie. Allerdings publiziert sie dazu nicht, das wäre in der scientific community Selbstmord. Aber hinter verschlossenen Türen werden durch aus Hypothesen mit bisweilen spekulativem Charakter gewälzt. Die Entstehung der für den paradigmatischen Wechsel nach der letzten Jahrhundertwende notwendigen Theoriegebäude (Relitivtätstheorie und Quantenmechanik als wichtigste Vertreter) sind zunächst Spekulationen gewesen. Gut begründete, aber nichtsdesto trotz Spekulationen. Anders sind die Äußerungen ihrer Urheber nicht zu deuten, die ihre eigenen Theoriegrundlagen und deren Schlussfolgerungen zunächst als abwegig ansahen.

    2. und 2a Keine Behauptungen ohne Fakten und Fakten müssen belegt werden
    Wissenschaftshistorisch ist das seit der empirischen Wende der Fall, also etwa spätes 18. Jh. Davor war Empirie verpönt. Dass es sich dabei nicht um eine Weiterentwicklung im Engeren Sinne, sondern um ein herrschendes Paradigma handelt ist übergiens wissenschaftshistorisch hinreichend belegbar, vgl. auch Thomas Kuhn.

    3. Kein „Aber es kann doch trotzdem sein.“
    Wohin dieses Argument führen soll erschliesst sich mir ja leider garnicht. Und sie bewegt sich doch… Wissenschaftliche Akzeptanz ist ein soziales Konstrukt, daher paradigmatisch. Fakten die nicht in das herrschende Paradigma passen werden solange ignoriert, bis die paradigmatisch jüngere Generation die ältere durch die biologische Lösung verdrängt. Es kann doch trotzdem sein ist natürlich keine Argumentation an sich, das ist schon klar. Aber welches der momentan (in der Wissenschaft akzeptierten) Standardmodelle für [Teilchen, Gravitation, dunkle Materie, bitte eines aussuchen oder eigene Gebiete dazugeben] enthält derzeit kein: Aber es könnte doch sein? Ketzerisch, aber leider wahr.

    4. Wissenschaft kennt keine Toleranz
    „Wissenschaft funktioniert aber eben dadurch, den objektiven Raum von subjektiven „Verunreinigungen“ zu säubern.“
    Hm, meines Wissens ist die bis heute akzeptierte Kopenhagener Deutung bis heute eine soziale Übereinkunft von Wissenschaftlern, aber lassen wir das, die Experten werden mich dafür gleich wieder auf den Scheiterhaufen zerren. Fakt ist: Wissenschaft arbeitet anhand von Modellen. Viele Modelle sind mathematisch hinterlegt und die Mathematik ist inzwischen als Modellsprache soweit abstrahiert, dass eine Übersetzung in konkrete Phänomenologische Befunde nur in spezifischen, klar definierten Kontexten möglich ist. Welches Modell und welche interpretation dabei der Realität am besten entsprechen ist Konvention, solange ein Modell widerspruchfrei ist ist es zu präferieren. In den Grenzbereichen der aktuellen Forschung gibt es eine Reihe von nur unter Einschränkungen als widerspruchfrei anzusehenden Modellen (Hypothesen). Daneben werden alternative Erklärungsmodelle weiterhin toleriert. Erst wenn der Schritt von der Hypothese zur Theorie gangbar wird, werden alternative Hypothesen sukzessive eleminiert oder intergriert.

    So, das wars erstmal von meiner Seite, happy bashing und ich melde mich ggf. wieder.

    Michael

  18. The_Vanguard
    19. September 2011, 20:14 | #18

    Michael, der Text scheint echt einen wunden Punkt bei ihnen getroffen zu haben. Das klingt echt so, als ob sie sich persönlich angegriffen fühlen würden. „Den Spieß umdrehen“ kann man ja nur, wenn man von einem Spieß bedroht wird. Vielleicht wäre es besser zu versuchen, etwas emotionalen Abstand zu gewinnen.

    Diese Punkte beziehen sich jedenfalls auf die Diskussionen, die in diesem Blog immer wieder mit Leuten wie Rationalisscheissegal geführt werden, die völlig verdrehte Vorstellungen von der rationalistischen Methode haben. Er ist deshalb bewusst auf „Vorschulniveau“ gehalten.

    Michael (R.) :
    Behauptung: Wissenschaft beschäftigt sich nicht mit Spekulativem.
    Doch tut sie. Allerdings publiziert sie dazu nicht, das wäre in der scientific community Selbstmord. Aber hinter verschlossenen Türen werden durch aus Hypothesen mit bisweilen spekulativem Charakter gewälzt. Die Entstehung der für den paradigmatischen Wechsel nach der letzten Jahrhundertwende notwendigen Theoriegebäude (Relitivtätstheorie und Quantenmechanik als wichtigste Vertreter) sind zunächst Spekulationen gewesen. Gut begründete, aber nichtsdesto trotz Spekulationen. Anders sind die Äußerungen ihrer Urheber nicht zu deuten, die ihre eigenen Theoriegrundlagen und deren Schlussfolgerungen zunächst als abwegig ansahen.

    Guter Punkt. Vielleicht sollte man den Text präzisieren zu „Die Wissenschaft beschäftigt sich nicht mit Spekulativem, wenn keine Hoffnung auf eine rationelle Überprüfung besteht“.

    2. und 2a Keine Behauptungen ohne Fakten und Fakten müssen belegt werden
    Wissenschaftshistorisch ist das seit der empirischen Wende der Fall, also etwa spätes 18. Jh. Davor war Empirie verpönt. Dass es sich dabei nicht um eine Weiterentwicklung im Engeren Sinne, sondern um ein herrschendes Paradigma handelt ist übergiens wissenschaftshistorisch hinreichend belegbar, vgl. auch Thomas Kuhn.

    Halten sie das wirklich für eine geeignete Basis zum Führen von Diskussionen? Wenn wir danach gehen könnte ich mir jetzt auch die Finger in die Ohren stecken und laut „Lalalala“ singen. Die empirische Methode wird verwendet, weil sie Resultate bringt. Kennen sie eine bessere Alternative?

    3. Kein „Aber es kann doch trotzdem sein.“
    Wohin dieses Argument führen soll erschliesst sich mir ja leider garnicht.

    Gut für sie – ehrlich. Es passiert hier immer wieder, dass versucht wird die nichtfalsifizierbarkeit einer Behauptung als Argument für deren Existenz zu verkaufen. Das ist nicht zulässig. Der (vermeintliche) Umkehrschluss gilt aber natürlich nicht: Wenn hinreichend Indizien für die Existenz von etwas vorhanden sind, so sollte es natürlich miteinkalkuliert werden, auch wenn der endgültige Beweis noch aussteht.

    4. Wissenschaft kennt keine Toleranz
    “Wissenschaft funktioniert aber eben dadurch, den objektiven Raum von subjektiven „Verunreinigungen“ zu säubern.”
    Hm, meines Wissens ist die bis heute akzeptierte Kopenhagener Deutung bis heute eine soziale Übereinkunft von Wissenschaftlern, […].

    Sie sagen es selbst: Die Kopenhagener Deuteung ist akzeptiert, nicht toleriert. Toleranz ist ein Mechanismus, der es einer Sache erlaubt in einem Raum stattzufinden, der eigentlich schon durch etwas anderes besetzt ist. Kein ernsthafter Wissenschaftler kann behaupten „Ich bin zwar von der Kopenhagener Deutung überzeugt, aber gleichzeitig glaube ich auch, dass Quanten einfach nur sehr schüchtern sind.“ Man kann sich das in etwa so vorstellen wie bei Highlander: Wenn eine Erklärung vorbei kommt, die der bisherigen überlegen ist, dann köpft sie diese, saugt ihre Energie in sich auf und macht weiter, bis keine Gegner mehr da sind. Es kann nur einen geben!

  19. Wirsing
    19. September 2011, 22:26 | #19

    Hmmmmmm…..
    Also Michael, ich will mal versuchen, Deine Posts und die Antworten im Zusammenhang ein wenig genauer zu beleuchten.-:
    Im ersten Post stellst Du fest, dass Wissenschaft keinen Trost spendet.
    Da geb ich Dir recht, nur ist die Intention der Wissenschaft nunmal auch nicht die der „Trostspendung“.
    Ich gebe Dir in Deiner Analyse zumindest bedingt recht, wenn Du sagst, dass Esoterik, Glauben und auch alle anderen Spielarten dadurch entstehen, dass die Wissenschaft sich nicht mit dieser Lücke befasst. Nun ist es aber leider so, dass die Wissenschaft sich eben genau mit solchen Dingen nicht befassen kann (Auch wenn ein Wissenschaftler eine Aussage zu seiner Lebensphilosophie tätigen sollte, ist das noch lange keine wissenschaftliche Auseinandersetzung eines Wissenschaftlers mit dieser Lücke.), da in sich geschlossene Glaubenssysteme nunmal nicht nicht wissenschaftlichen (objektiven) Herangehensweisen greifbar sind (sie sind z.B. in aller Regel nicht falsifizierbar).

    Daraufhin kommt leider nur eine recht beleidigende Unterstellung. Nämlich die, dass hier junge, motivierte Wissenschaftler über die Vorzüge und Funktionsweise von Wissenschaft in einem elitären Kreis debattieren.
    Um Rincewind’s Worten mal eine deutlichere Ausprägung zu geben:
    Sagmal Michael, was maßt Du Dir an, mir zu unterstellen ich sei Wissenschaftler, jung und besser dran als viele andere?
    Sowas ist echt unter aller Kanone……..
    Deine zweite Auslassung strotzt leider nur so vor Selbstüberschätzung. Das ist schade, denn Du hättest sicherlich die Möglichkeit, den Inhalt von Rinces Post vollständig zu erfassen.
    The_Vanguard hat ja vielleicht in seinem erstgenannten (mehr oder minder) persönlichen Angriff (nämlich mit der Annahme, dass der Text einen wunden Punkt bei Dir getroffen hat) recht, auch wenn ich persönlich mit einigem in der Folge geschriebenen nicht ganz konform gehe, so ist es m.E. schade, dass jemand, der eine schwere Zeit hinter sich hat und die Möglichkeit hat, andere auf Lebensgefahren hinzuweisen, drauf und dran ist, einen recht traurigen Weg zu wählen.

  20. 19. September 2011, 23:07 | #20

    Wirsing :

    Ähhh, kann mal bitte jemand meinen Beitrag moderieren? Den letzten angefangenen Satz weg und den Buchstabensalat korrigieren?
    Danke schonmal im Vorraus.
    Der (bald philosophische) Kohlkopp

    Ok, exception made.

  21. Wirsing
    19. September 2011, 23:25 | #21

    Danke.

  22. The_Vanguard
    20. September 2011, 18:43 | #22

    Wirsing :

    The_Vanguard hat ja vielleicht in seinem erstgenannten (mehr oder minder) persönlichen Angriff (nämlich mit der Annahme, dass der Text einen wunden Punkt bei Dir getroffen hat) recht […]

    Mir ist nicht ganz klar, ob das jetzt heißen soll, dass sich Michael persönlich angegriffen zu fühlen scheint, oder ob ich ihn persönlich angegriffen haben soll. In letzterem Fall möchte ich klarstellen, dass es nicht meine Absicht ist irgenwen anzugreifen. Diese Aussage ist nur der Versuch, die Lage zu verstehen – nicht mehr und nicht weniger.

  23. Searcher
    20. September 2011, 19:24 | #23

    @ Michael (R.)

    Ich stimme Ihnen zu, dass Esoterik gerne dort „Lücken schließt“, wo Fragen offen bleiben – vor allem Fragen nach dem Warum. Aber mit welchem Füllstoff? Wie soll Esoterik Menschen in herausfordernden Lebenssituationen Halt geben? Trauer nehmen? Hoffnung schenken? Depression heilen? Ein Konglomerat aus Religionen, Mythen und Legenden, Ethnoromantik und Heilslehren selbsternannter „Eingeweihter“, aus dem sich jeder herauspickt, was gerade brauchbar erscheint? In völliger Beliebigkeit? Magisches Denken ohne Ende?

    Selbstverständlich ist es möglich, „Trost zu spenden“ ohne das aktuelle Wissenschaftsparadigma zu verlassen. Es ist nicht Aufgabe der Wissenschaft, sondern ihrer Anwender. Gerade im psychosozialen Arbeitsumfeld ist es notwendig, Klarheit und Abgrenzung zu schaffen. Das Angebot ist für Hilfesuchende weder überschaubar noch einschätzbar. „Wer heilt hat recht“ gilt nicht, ebenso wenig wie „Wenn es den Leuten gut tut …“
    Warum nicht „Lücken“ akzeptieren und gespannt sein, was die Wissenschaft noch herausfinden wird?

  1. 18. September 2011, 16:33 | #1
  2. 6. März 2012, 18:05 | #2

Spamschutz: Setzen Sie einen Haken im ersten Kästchen

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