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Die Bibel und die Relevanz

Eigentlich handelt der ganze Abschnitt des 3. Buch Mose 20, 10-21 davon, dass Gott Blutschande und jede Art von unmoralischer sexueller Beziehung verbietet: Ehebruch, Unzucht und sexuellen Verkehr mit Tieren. Es ist überflüssig, über den Schaden für die menschliche Gesundheit und den zerstörenden Einfluss auf die Menschen überhaupt zu diskutieren.
Wohl deshalb erscheint Gottes gnadenloser Zorn über jede Art von Verstoß gegen diese Regeln verständlich. „Wenn ein Weib sich irgend zu einem Vieh tut, daß sie mit ihm zu schaffen hat, die sollst du töten und das Vieh auch; des Todes sollen sie sterben; ihr Blut sei auf ihnen.“ (3. Mose 20, 16)
Diese Prinzipien der Sexualmoral sind offenbar noch immer relevant, wenn man bedenkt, dass die Freizügigkeit ein allgemeines soziales Problem geworden ist und dass Geschlechtskrankheiten zu einer der wichtigen Bedrohungen der Volksgesundheit geworden sind.

Woher stammt dieser Text?
Aus einem theologischen Traktat des 17. Jahrhunderts?
Aus der Predigt eines Evangelikalen?
Aus den Tagebucheintragungen eines christlichen Apokalyptikers?

Nein.
Er stammt aus einer wissenschaftlichen medizinischen Zeitschrift, die „peer reviewed“ ist (d. h., die Beiträge werden vor Veröffentlichung von ausgewiesenen Fachvertretern geprüft), und die in allen bedeutenden medizinischen Datenbanken und Indizes gelistet ist.

Es handelt sich um das „Journal of Integrative Medicine“ (www.jcimjournal.com/jim), welches nach eigener Beschreibung eine internationale Plattform für die Publikation hochrangiger Arbeiten über komplementäre und alternative Medizin (CAM) ist.
Der Original-Text mit dem Titel

Medical implication in the Bible and its relevance to modern medicine
Medizinische Aspekte der Bibel und ihre Bedeutung für die moderne Medizin

ist frei zugänglich.
http://www.jcimjournal.com/articles/publishArticles/pdf/jintegrmed2013052.pdf

  1. Jaloux
    2. November 2014, 22:42 | #1

    „Integrative Medizin“? Jahrtausende alter Aberglaube? Arsch. Eimer. Passt.

  2. knorke
    3. November 2014, 10:35 | #2

    Erst am Ende habe ich verstanden, dass wissenschaftrlich kursiv und peer Review in Anführungsstrichen stand

  3. Elvenpath
    3. November 2014, 11:41 | #3

    „Freizügigkeit ein allgemeines soziales Problem“

    Wer so etwas schreibt hat ein allgemeines Problem im Kopf und zwar mit sich selbst und seiner Sexualität.

    Ich muss leider feststellen, dass immer mehr Religioten einen „auf wissenschaftlich“ machen und versuchen pseudowissenschaftliche Thesen, die natürlich immer zugunsten ihrer Religion sind, an den Mann zu bringen.

  4. editor
    3. November 2014, 11:59 | #4

    Da hats ja mal auch in Graz so einen pseudowissenschaftlichen Kongress gegeben- oorganisiert von Opus dei Leuten

    http://diepresse.com/home/kultur/news/331186/Religion-und-Psychiatrie_Homotherapie-und-Hagiotherapie

  5. kopfkratz
    3. November 2014, 16:34 | #5

    Ich erinnere mich, damals war in Graz alles VOLL mit den Typen. Ich glaube, die sind gratis mit den Öffis gefahren (Ich will da der Stadt nichts andichten, die Straßenbahnen/Busse waren jedenfalls immer reich befüllt)

    Sehr amüsant waren im Gegenzug die Jugendlichen, die mit Antichrist/Baphomet/KiSS (Knights in the Service of Satan) etc. T-Shirts rumtrollt haben. Kann mich gut erinnern, damals mehrere gesehen zu haben.

    Mit Opus Dei verbinden mich selbst liebe Kindes-Erinnerung, ach, die schönen Stunden, als uns der Pfarrer (Mitglied ebenda) mit dem Stock nachgelaufen ist, …

  6. vonki
    3. November 2014, 19:07 | #6

    Die Autorenangabe in der unter dem Link erreichbaren Originalquelle lautet:

    Jun-fang Sun
    Foreign Languages School, Henan University of Traditional Chinese Medicine, Zhengzhou 450046, Henan
    Province, China

    Das erstaunt. Das verblüfft. Hält etwa, neben den landeseigenen Obskuranztradionen, nun auch evangelikaler Christfundamentalismus Einzug in – „Der Osten ist rot“ – die Volksrepublik China? Wenn das Mao wüßte…

  7. 4. November 2014, 00:04 | #7

    Auch ein schöner Satz aus dem Artikel: „And much research reveals that modern discoveries are actually a rediscovery of ancient knowledge practically in all major fields of technology and sciences.“ Ein Klassiker. Man sollte solchen Veröffentlichungen in der Zeitschriftenhalbwelt nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, da wird Wissenschaft simuliert, nicht Wissenschaft gemacht.

  8. Abe
    4. November 2014, 12:04 | #8

    Auf die Autorenangabe bin ich auch schon gestoßen. Deswegen macht man es sich meiner Meinung nach zu einfach, wenn man das unter dem etwas infantilen Begriff „Religioten“ zu fassen versucht.

    Das mag ein chinesischer Christ sein, der einfach sein Partikularinteresse als allgemeines publiziert, aber plausibler finde ich, dass der Autor das als ‚Wissenschaftler‘ ernst meint; diese Art repressive Sexualmoral passt sehr gut zu den Erziehungsvorstellungen der KP und nicht zuletzt auch zur chinesischen Gesellschaft. Es ist ja nicht so, dass diese archaishe Moral, die in diesem Artikel als probates Mittel der ‚Volksgesundheit‘ anempfohlen wird, exklusiv dem Christentum zugerechnet werden könnte. Im Gegenteil finde ich, dass dieses Gewese um ‚evangelikale Christen‘ ein sehr bequemes und antiquiertes Feindbild eines überkommenen Atheismus darstellt. Damit lässt sich dann der (post)moderne Rückfall in diese archaischen Vorstelungen gar nicht mehr erklären, sondern wird nur noch verklärt mit der immer gleichen Erkenntnisfolie.

  9. pelacani
    4. November 2014, 19:20 | #9

    Abe :dieses Gewese um ‘evangelikale Christen’

    Aber es handelt sich doch vermutlich gerade nicht um den Text eines Evangelikalen.

    Damit lässt sich dann der (post)moderne Rückfall in diese archaischen Vorstelungen gar nicht mehr erklären

    Ich finde in der kurzen Bemerkung im Blog gar keinen Erklärungsversuch.