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Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW07, 2018)

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Im Nachgefragt-Podcast geht es diese Woche um Impfgegner und dabei auch um die Frage: „Warum glauben Leute anderen Leuten im Internet, die irgendwas schreiben, mehr als den Experten, die sich seit vielen Jahren mit einer Sache befassen?“ Die Suche nach der richtigen Methode der Wissensvermittlung geht weiter und eine eindeutige Antwort fehlt bisher. So offen und ehrlich wie möglich beraten und die Komplexität reduzieren sind zwei Vorschläge, die der Virologe Björn Meyer in diesem Gespräch unterbreitet. Unsere Fragen der Woche: Welcher Aufklärungsmethode seid Ihr am ehesten bereit zu folgen? Und umgekehrt, sofern Ihr Aufklärungsarbeit betreibt: Welche Aufklärungsmethoden sind Eurer Erfahrung nach am erfolgreichsten? Außerdem nehmen wir schon heute gerne Link-Vorschläge für den nächsten Wochenrückblick entgegen, wie immer im Blog, im Forum, auf Twitter und Facebook.

 


 

Gesellschaft, Politik und Religion

 

DAZ.online: Bild-Zeitung: Widmann-Mauz wird Gesundheitsministerin

Nachdem sich Union und SPD auf einen Koalitionsvertrag verständigt haben, zeigt sich nun auch immer deutlicher, wie das neue Regierungskabinett besetzt sein könnte. Bis zuletzt war allerdings unklar, wer das Bundesgesundheitsministerium übernimmt. Die Bild-Zeitung meldet nun, dass die parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz das Ressort übernehmen wird.

 

Tagesschau Faktenfinder: Rechte Trollfabrik – Infokrieg mit allen Mitteln

Reconquista Germanica ist eine virtuelle Trollfabrik, die bereits im Wahlkampf die AfD unterstützte. Sich selbst bezeichnet RG als satirisches Projekt von Gamern. Tatsächlich koordinieren Rechtsradikale hier gezielte Online-Attacken. Im „Nachrichtenzentrum“ sammeln sie Presseberichte. In einer anderen Untergruppe produzieren sie täglich Dutzende von sogenannten Memes; manipulierte Fotos oder kurze Bildsequenzen, die über die sozialen Netzwerke ausgespielt werden, um Stimmung zu machen.

 

NZZ: Der dreifache Nutzen der Geisteswissenschaften in einer technisch dominierten Welt

Die Forderung nach mehr Studierenden in den Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und weniger in den Geisteswissenschaften begleitet die zahlreichen Mint-Initiativen. Dabei wird unterstellt, dass diese Fächer zur Wertschöpfung und zum Wirtschaftswachstum beitragen, nicht aber die Geisteswissenschaften. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wozu denn Geisteswissenschaften?

 

pro Christliches Medienmagazin: Wie ein Rabbi für den Glauben argumentiert

Gottes Existenz ist logisch, meint der israelische Rabbi Mosche Ratt. Im pro-Interview erklärt er, warum er den Glauben für rational hält – und dass der Islam in der Pubertät steckt.

 

Deutschlandfunk Kultur: Studierende gegen den Homo Oeconomicus – Müssen wir die Wirtschaftstheorie neu denken?

Die herkömmlichen Ökonomie-Lehrbücher vertreten nur die eine Theorie: die Neoklassik, die auf einem mechanistischen Weltbild basiert. Der Mensch ist hier ein Nutzenmaximierer, ein Homo oeconomicus. Das ist im Curriculum der Cusanus Hochschule anders. Dort wird der Humanismus gelehrt.

 

PLOS one: The effect of ad hominem attacks on the evaluation of claims promoted by scientists

Two experiments were conducted to determine the relative impact of direct and indirect (ad hominem) attacks on science claims. Four hundred and thirty-nine college students (Experiment 1) and 199 adults (Experiment 2) read a series of science claims and indicated their attitudes towards those claims. Each claim was paired with one of the following: A) a direct attack upon the empirical basis of the science claim B) an ad hominem attack on the scientist who made the claim or C) both. Results indicate that ad hominem attacks may have the same degree of impact as attacks on the empirical basis of the science claims, and that allegations of conflict of interest may be just as influential as allegations of outright fraud.

 

MedWatch: Behörde warnt: Esoterik-Kongress wirbt für gefährliche Mittel

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte bereits 2012 von der Einnahme und Verwendung von MMS „dringend“ abgeraten, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat gleichfalls mit scharfen Worten vor dem Mittel gewarnt und vor drei Jahren zwei MMS-Produkte offiziell als „bedenklich“ eingestuft. Mit der Einnahme seien „schädliche Wirkungen verbunden“, auch könne es zu schweren Verätzungen kommen. Auch aus Großbritannien, Kanada, Frankreich, der Schweiz und den USA gebe es Berichte über Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Nierenversagen, Verätzungen der Speiseröhre sowie Atemstörungen, erklärte das BfArM.

 


 

Wissen und Forschung

 

Spiegel Online: Umbruchsjahr 1918 – Als die Welt fieberte

100 Jahre nach der Revolution richtet die britische Wissenschaftsjournalistin Laura Spinney die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt, der bei der Aufarbeitung der politischen Umstürze bislang wenig beachtet wird: Sie deklariert 1918 zu dem Jahr, in dem „Die Welt im Fieber“ lag: Während in Europa und Nordamerika der Krieg, die Revolution, das Kriegsende im Fokus stand, war es für Südamerika, Südostasien, China, den Mittleren Osten das Jahr des Todes.

 

agrarheute.com: Glyphosatverbot: „In zehn Jahren kein Mehr an Biodiversität“

Wie wirkt sich ein Verbot des Totalherbizids Glyphosat ökonomisch und ökologisch aus? Prof. Jan Petersen von der TH Bingen hat diese Fragen näher untersucht. Wichtige Schlüsselfunktionen des Wirkstoffs sieht der Wissenschaftler bei der Bekämpfung herbizidresistenter Unkräuter und um auf den Klimawandel reagieren zu können: Beispielsweise in der Reduktion von Treibhausgasen oder um wassersparende und erosionsmindernde Anbausysteme umzusetzen.

 

NZZ: Der Mann mit den (zu) grossen Ideen

Der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt muss ziemlich beeindruckt gewesen sein, als er 1959 die Bekanntschaft des Astrophysikers Fritz Zwicky machte. Der legte ihm die Idee dar, die Sonne durch die Zündung von einigen tausend Wasserstoffbomben näher ans Zentrum der Milchstrasse zu verschieben, damit es zukünftige Generationen einfacher hätten, andere Sonnensysteme zu besuchen. Wie Dürrenmatt später gegenüber dem Schweizer Fernsehen einräumte, liess er sich von Zwicky inspirieren, als er die Hauptfigur in seinem 1961 erschienenen Drama «Die Physiker» schuf.

 

Beobachtungen der Wissenschaft (SciLogs): Schnelles und langsames Denken – von Anekdoten und evidenzbasiertem Wissen

Dass wir Menschen bei zeitlich korrelierenden Ereignissen schnell in kausalen Kategorien denken, mag unser evolutionäres Erbe sein. Wer das Rascheln von Blättern kausal mit einem Löwen in Verbindung brachte, anstatt mit dem (sehr viel wahrscheinlicheren) Wind, hatte mehr Chance, unser Vorfahr zu werden. Ein Fehlalarm kostete den Menschen nicht viel, ein Löwe jedoch meistens das Leben. Entsprechend verarbeiten wir Informationen heute.

 

ag-evolutionsbiologie.net: Zur Ameisen-Mimikry und mimetischen Tarnung bei Insekten

Es ist eine beliebte Strategie der Evolutionsgegner, biologische Merkmale ins Auge zu fassen und zu behaupten, diese seien zu komplex, als dass ihre Entstehung durch Evolution erklärbar sei. Beispielsweise würden die erstaunlichsten Leistungen der Tarnung und Mimikry zu viele aufeinander abgestimmte Anpassungen gleichzeitig benötigen, als dass sie bei verschiedenen Organismengruppen (Taxa) schrittweise und mehrmals unabhängig (konvergent bzw. parallel) evolviert sein könnten. In diese Richtung argumentiert beispielsweise Reinhard JUNKER von der Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, auf dessen Beitrag im Rahmen dieses Artikels eingegangen werden soll.

 

Spektrum.de: Relativitätstheorie – Warum die Zeit im Gebirge schneller vergeht

Natürlich spielen Uhren in der modernen Landvermessung schon länger eine große Rolle, allein weil sie auf modernen Navigationssatelliten mitfliegen. Nun aber verkünden Wissenschaftler eine Premiere der mobilen, zeitgestützten Geodäsie: Mit Hilfe einer speziellen Atomuhr haben sie bestimmt, wie viele Meter über dem Flachland ein Tunnel durch einen Berg in Südfrankreich führt. Die Messung basiert auf einem Phänomen, das Albert Einstein in seiner allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hat: Für einen außenstehenden Betrachter geht eine Uhr etwas langsamer, wenn sie sich näher an einer großen Masse befindet, Experten sprechen von „gravitativer Zeitdilatation“.

 


 

Gesundheit und Medizin

 

CBC News: Georgian College cancels diploma in homeopathy

Georgian College says it is cancelling its controversial advanced diploma program in homeopathy. The announcement came just hours after the college told CBC News it had no plans to change the program, which has been criticized by doctors and scientists from across the country.

 

DAZ.online: Fluoride und Zahngesundheit – Zahnärzte kritisieren Karex-Werbung

Das Unternehmen Dr. Wolff bewirbt derzeit offensiv seine Zahnpasta Karex. Dr. Wolff stellt dabei die Frage, ob Fluoride der Gesundheit nutzen oder schaden. Karex komme nämlich ohne aus, wie es heißt. Nun haben sich Zahnärzte-Gesellschaften dazu zu Wort gemeldet. Ihrer Meinung nach streut das Unternehmen gezielt Verunsicherungen zu Fluoriden. Die Behauptungen entbehrten der wissenschaftlichen Datenlage, kritisieren sie.

 

msn.com: Father convicted in son’s meningitis death a featured speaker at Wellness Expo

The owner of Health and Wellness Expos of Canada is defending his decision to invite David Stephan to speak at events in Saskatoon, Winnipeg, Calgary, and Edmonton.

Stephan and his wife Collet were convicted in 2016 of failing to provide the necessities of life to their son Ezekiel, who died in 2012. The Stephans attempted to treat their 19-month-old son with natural remedies when he fell ill with meningitis.

 

Spektrum.de: Scheinmedikamente – Wie Placebos wirken

„Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Wirkung von medizinischen Behandlungen geht auf Placeboeffekte zurück“, sagt der Psychologe Winfried Rief von der Philipps-Universität in Marburg. „In klinischen Studien zeigen Placebogruppen teils 50 bis 60 Prozent der Wirkung, die in der Gruppe mit echter Behandlung auftritt.“ Dabei variiert der Placeboeffekt je nach Erkrankungsart und Behandlung jedoch stark.

 

Respectful Insolence: Death by Gardasil? Not so fast… (2018 edition)

One of the more extreme claims about Gardasil and Cervarix that makes the rounds from time to time is that the vaccine is killing prepubscent girls. I’ve discussed a number of these cases over the years, both here and elsewhere. Suffice to say, when these cases are critically evaluated, the evidence for a link between Gardasil and the deaths attributed to the vaccine is almost always incredibly thin and unconvincing. One example is Annabelle Morin, whose mother Linda Morin blames Gardasil for her daughter’s death, even though it almost certainly did not.

 

Focus Online: Vertrauen bei Patienten und Ärzten schwindet: Verkauf homöopathischer Mittel sinkt

Laut Jürgen Windeler vom Medizin-Prüfinstitut IQWiG glauben auch die Kassen, die die Kosten erstatten, selbst nicht an den Nutzen von Homöopathika. Vielmehr nutzten sie die Homöopathie, um Kunden zu binden. „Der fehlende Nutzen ist vielfach nachgewiesen“, erklärte Windeler im vergangenen Jahr. „Da kann man die Bücher drüber schließen.“

 

Nachgefragt-Podcast: NGF011-Thema: Impfgegner

In den letzten Wochen gab es immer wieder Berichte über neue Masernerkrankungen, die Einführung von Impfpflichten und gleichzeitig steigender Anzahl von Impfgegnern. Diese hantieren unbedacht mit Behauptungen, es gäbe keine unabhängigen Studien, Kinderkrankheiten seinen ungefährlich und Impfungen führen zu Allergien, Asthma über Autismus bis hin zum Tod. Doch wie sieht die wissenschaftlich fundierte Realität aus und wie kann man diese Impfmythen entkräften? Zusammen mit dem Virologen Björn Meyer bespreche ich die Wirkungsweise von Impfstoffen und wie diese vor gefährlichen Krankheiten schützen.

 

Spektrum.de: Statistik – Viele Ärzte müssen glauben

Es gibt keine gute Medizin ohne Statistik. Das ist vielen Medizinstudenten nicht wirklich bewusst. Warum sollte sich ein angehender Arzt mit Statistik befassen? Das Wissen, auf dem ärztliches Handeln basiert, stammt aus langjähriger Forschung und Studien, deren Schlussfolgerungen auf Statistik basieren. Es ist wichtig zu verstehen, wo dieses Wissen herkommt und wie es entstanden ist.

 

Zeit Magazin: Kann diese Superfrucht lügen?

In den Ländern, in denen Superfoods vermarktet werden, ist Essen ebenso Selbstdarstellung wie Mode und wird darum auch so behandelt. Mode muss auf einem gründlich gesättigten Markt neue Begehrlichkeiten wecken, Essen auch. Schokoladentafeln und Kekse erscheinen heute in limitierten Auflagen, und sogar das Nutellaglas gibt es in Designeditionen. Superfoods funktionieren wie Markenkleidung – durch Abgrenzung. Für die gleiche Qualität bezahlt der Kunde mehr, wenn dafür ein Markenname draufsteht – oder eben „Superfood Blend“.

 

MedWatch: Gefährliche Gesundheitsinfos: Facebook schafft keine Transparenz

Offenbar muss Facebook noch üben, wenn es um ein klares Vorgehen gegen gefährliche Gesundheitsnews im Netz geht. Das soziale Netzwerk hat in den vergangenen Tagen mehrere Gruppen gelöscht, auf denen sich Nutzer über gefährliche Chlordioxid-Präparate wie „Miracle Mineral Supplement“ (MMS) ausgetauscht haben, MedWatch berichtete. Dieses ätzende Mittel wird auf schädliche Weise beispielsweise bei Kindern mit Autismus angewandt. Nach den Löschungen entstanden kurzfristig neue Gruppen wie „MMS nach Jim Humble & alternative Heilmethoden (neu nach Löschung)“, welche Facebook offenbar nach Meldungen durch Nutzer jedoch gleichfalls schnell entfernt hat.

 

DW: Weiterer Rückschlag im Kampf gegen Alzheimer

Das erfolgversprechende Alzheimer-Medikament Verubecestat schaffte es bis in die dritte und letzte Phase einer klinischen Studie. Jetzt aber bricht das Unternehmen Merck die Studie ab, weil das Medikament nicht wirkt.

 

NeuroLogica Blog: More Victims of Alternative Cancer Treatments

This is another absolutely typical part of the faith healing narrative, borrowed heavily by the alternative medicine narrative. Failures are always blamed on the patient. It is a convenient rationalization – they lacked sufficient faith in the case of the former, and they did not adhere fanatically enough to the regimen, for the latter.

 


 

Psiram

 

Aus dem Blog-Archiv (11/2012): Impfgegner und Autisten

„Impfgegner und Autismus“ ist ein leidiges Thema, das in unserem Blog schon detailliert besprochen wurde. Dass ein möglicher Zusammenhang intensivst untersucht wurde, interessiert die Vertreter dieser Behauptung wenig.

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden nicht nur ignoriert: sie sind auch völlig unerwünscht, da sie dem zentralen Dogma des eigenen Glaubens widersprechen. Und was nicht sein darf, das kann nicht sein.

 

Neu im Psiram-Wiki:

 


 

Video der Woche

 

Dinge Erklärt – Kurzgesagt: Gentechnik in unserem Essen – Grund zur Panik?

Sind genmodifizierte Organismen ungesund oder ist die Angst vor ihnen unbegründet?

Direktlink: https://www.youtube.com/watch?v=DE11uy4spho

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  1. libertador
    19. Februar 2018, 12:29 | #1

    Zum Artikel im PLOS one:
    Das Blöde ist dabei, dass Interessenkonflikte ja tatsächlich eine Rolle. Zum einen in der Medizin. Zum Beispiel wie Beeinflussung durch die Tabakindustrie oder auch im aktuellen Fall der Dieselabgase haben Forscher sich vereinahmen lassen.
    Es ist eine politische Herausforderung wie man Wissenschaft zum einen sicher finanziert und durchaus auch wettbewerbsorientiert aufstellt, zum anderen aber due Unabhängigkeit der Forschung insbesondere in Hinblick auf die Ergebnisse sichert.

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