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Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 50, 2018)

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Sprechen wir über Motivation: Was bringt eigentlich eine bunte Mischung von Menschen dazu, ein Informationsportal über Pseudowissenschaften, Beutelschneiderei und irrationale Überzeugungssysteme seit inzwischen elf Jahren zu pflegen? Nach Ansicht einiger Kritiker kommen dafür nur niedere Beweggründe in Frage: Angst, Neid, Missgunst oder gar Geld aus dunklen Kanälen. Andererseits kann auch der Wunsch, die Aufklärung voranzutreiben, sich mit interessanten wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen und gemeinsam mit ähnlich Gesinnten nützliche Informationen zusammenzutragen, einen wirksamen Antrieb darstellen. Freundliche Zuschriften, Dankesworte und Anfragen von Journalisten wirken ebenfalls motivierend. Vielleicht ist es aber auch überhaupt nicht notwendig, die Frage nach dem Nutzen immer wieder zu stellen. Wie Florian Aigner bei futurezone schreibt, darf etwas auch einfach nur Spaß machen, ohne ein höheres, nutzbringendes Ziel zu verfolgen. Über Themenvorschläge und warme Worte sowie über Linkspenden für den nächsten Wochenrückblick – der allerdings erst im Januar erscheinen wird – freuen wir uns auf jeden Fall und wünschen erkenntnisreiche Feiertage.


 

Gesellschaft, Politik und Religion

 

futurezone.at: Ziellos glücklich (Florian Aigner)

Vielleicht ist Weihnachten eine gute Zeit, um über den Wert der unnützen Ziellosigkeit nachzudenken. Entspannen wir uns ein bisschen. Nicht weil uns jemand erklärt hat, dass das die freien Radikale in der Haut reduziert, sondern weil es sich einfach gut anfühlt. Seien wir nett zu Tante Irma. Nicht damit sie uns dann später mal das Auto vererbt, sondern weil es schön ist, nett zu sein. Und essen wir Weihnachtskekse. Nicht die nützlichen, mit Vitaminen, Ballaststoffen und Zuckerersatz. Sondern die, die einfach nur gut schmecken.

 

bluewin.ch: Russische Sekte kommt in die Schweiz

Mit ihren Schlagworten treffen sie den Zeitgeist: im Einklang mit der Natur sein, vegan leben, Kindern in ihrer Entwicklung Raum lassen. Eben genau so wie Anastasia. Jene schöne, junge Frau, die irgendwo in der sibirischen Taiga lebt, völlig allein, von den Tieren, die sie umgeben, abgesehen. Von ihrer Existenz wissen Anastasias Anhänger nur von Wladimir Megre, der der weisen Blondine vor gut 20 Jahren begegnet sein will. Zehn Bücher schrieb der russische Autor über seine Erlebnisse mit der Schönen, die sich seit einigen Jahren auch auf deutsch nachlesen lassen – herausgegeben vom Hare-Krishna-nahen Govinda Verlag. Sie gelten als Bibel der Anastasia-Sekte, die aus Russland stammt und langsam auch in der Schweiz Fuss fasst.

Wiki: https://www.psiram.com/de/index.php/Anastasia

 

BR.de: Wie Russland über seine Medien Einfluss in Deutschland ausübt

Den russischen Sender RT Deutsch gibt es in Deutschland seit 2014, gesendet wird online. Was die RT-Beiträge oft auszeichnet: sie möchten alternative Sichtweisen präsentieren, sagt Politologin und Osteuropahistorikerin Susanne Spahn. Sie untersuchte im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung den Sender Russia Today Deutsch und die Online-Plattform Sputnik News. Die Frage: Handelt es sich dabei um unabhängigen Journalismus oder um ein politisches Instrument?

 

hpd: Verschwörungstheorien – „Für das Ringen um eine bessere Welt verloren“

Wird die Menschheit von reptilienartigen Wesen regiert? Vergiften uns die Herrschenden mit Chemikalien, die von Flugzeugen versprüht werden? Wird die Weltgeschichte von geheimen Kräften gesteuert? Bernd Harder befasst sich in seinem neuen Buch „Verschwörungstheorien“ mit denjenigen, die auf solche Fragen mit „Ja“ antworten. Im Gespräch mit dem hpd erläutert er, was unter einer Verschwörungstheorie zu verstehen ist, warum dieses Denken derzeit so viele Anhänger findet und weshalb davon eine Gefahr für die politische Kultur ausgeht.

 

GWUP: Prognosencheck 2018

Für die GWUP e.V. (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) hat der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel für das ablaufende Jahr wieder einmal die Prognosen von Hellsehern, Astrologen und Wahrsagern beim Wort genommen und das Versagen der esoterischen Zukunftsdeuter dokumentiert.

 


 

Wissen und Forschung

 

Spektrum.de: Geoengineering: Die Erde zu kühlen, kostet nur zwei Milliarden

Von Vulkanen lernen – das ist das Prinzip hinter einer der ältesten Ideen, die Erderwärmung auszugleichen. Bei ihren Ausbrüchen speien Pinatubo und Co. regelmäßig große Mengen schwefelhaltige Verbindungen in die hohen Schichten der Atmosphäre – wo sie einen Schleier aus feinsten Schwebteilchen bilden. Diese Aerosole werfen einen Teil der Sonnenstrahlung zurück, das Ergebnis kann ein dramatischer vulkanischer Winter sein – so zum Beispiel das »Jahr ohne Sommer« 1816, nach dem Ausbruch des Tambora auf der anderen Seite der Erdkugel. Schon lange überlegen vor allem Ingenieure, mit diesem Effekt das Klima zu stabilisieren.

 

Quantenwelt (SciLogs): Einheiten – eine kleine Revolution

Am 16. November haben die weltweiten Institute für Standards in der Generalkonferenz für Maß und Gewicht eine Revolution verabschiedet. Erstmals sollen alle sieben Basiseinheiten über Verfahren definiert werden, die in jedem dafür ausgestatteten Labor nachvollzogen werden können. Einzelne Primärstandards, die irgendwo im Safe gelagert werden müssen, haben dann ausgedient.

 

The BMJ: We jumped from planes without parachutes (and lived to tell the tale)

“Would you be willing to jump out of this plane without a parachute?” For the last year we’ve posed this question, mid-flight, to dozens of unsuspecting travellers seated on commercial aeroplanes. Why would we set out to ask such a ridiculous question? Some background may be in order. In 2003, Smith and Pell published a tongue-in-cheek systematic review which concluded that there were no randomised clinical trials (RCTs) evaluating the effectiveness of parachutes in preventing major trauma related to “gravitational challenge.” They argued that the “most radical protagonists of evidence based medicine” should volunteer to participate in a randomised, double blind trial of the parachute. In the two decades since the appearance of this seminal work in The BMJ Christmas issue, the parachute has been the paragon of biological plausibility. The saviour of anecdote. The arch-nemesis of evidence based medicine. There isn’t a week that goes by without a head shaking colleague reminding us that the parachute hasn’t been tested in an RCT.

 

Uni Kiel: Ringvorlesungen „Wissenschaft und alternative Fakten III“

Alternative Fakten von tatsächlichen, wissenschaftlich belegten Fakten zu unterscheiden, ist heutzutage nicht leicht. Daher ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Wissenschaft und das Vertrauen in diese unverzichtbar. Wie aber unterscheidet man gute von schlechter Wissenschaft? Woher kann man wissen, welche Informationen wahr sind und welche nicht? Gibt es „richtige“ Fakten überhaupt?

 

Spektrum.de: Ökobilanz: Ist Biolandbau schlecht fürs Klima?

Pestizidfrei, gentechnikfrei und glückliche(re) Tiere: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher greifen auf Biolebensmittel zurück, um sich und der Umwelt etwas Gutes zu tun. Doch die ökologische Landwirtschaft könnte eine große Schattenseite haben, wie Timothy Searchinger von der Princeton University und sein Team in »Nature« bilanzieren. In Sachen Klimaschutz sei Biolandbau verglichen mit konventioneller Landwirtschaft kontraproduktiv, so die Forscher in einer Mitteilung – der höhere Flächenverbrauch sorge dafür, dass mehr kohlenstoffspeichernde Naturflächen in Nutzland umgewandelt werde.

 

Our World in Data: Child Mortality

Since the beginning of the age of the Enlightenment and over the course of modernization, the mortality of children below 5 years of age has declined rapidly. Child mortality in rich countries today is much lower than 1%. This is a very recent development and was only reached after a hundredfold decline in child mortality in these countries. In early-modern times, child mortality was very high; in 18th century Sweden every third child died, and in 19th century Germany every second child died. With declining poverty and increasing knowledge and service in the health sector, child mortality around the world is declining very rapidly: Global child mortality fell from 18.2% in 1960 to 4.3% in 2015; while 4.3% is still too high, this is a substantial achievement.

 


 

Gesundheit und Medizin

 

Respectful Insolence: Parents are still feeding their children bleach to “cure” their autism

Jim Humble and Kerri Rivera are quacks of the vilest sort, selling ineffective and potentially dangerous bleach, all the while attacking their critics as vigorously as I mentioned about other quacks yesterday. They’ve also created what advocates call the “CD community” (for chlorine dioxide), where parents swap stories of their experiences with MMS. I keep asking this question: Will the autism “biomed” underground ever renounce using bleach to treat autism? The answer, sadly, appears to be no.

 

Medizin transparent: Marillenkerne: gefährlich und kein Mittel gegen Krebs

Obwohl sie giftiges Amygdalin enthalten, werden geschälte bittere Marillenkerne (Aprikosenkerne) immer wieder als Snack verkauft. Schon die Menge, die in wenigen Kernen enthalten ist, kann gesundheitsschädlich sein. Im November 2018 musste die österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) ein solches Produkt wegen Vergiftungsgefahr zurückrufen.

 

Onkel Michaels kleine Welt: Warum ich Kritik an der Homöopathie wichtig finde – Heute: Dr. Nikil Mukerji

Heute folgt nun der zweite Teil der kleinen Serie „Warum ich Kritik an der Homöopathie wichtig finde“. Diesmal hat Dr. Nikil Mukerji aufgeschrieben, warum er die Homöopathie öffentlich kritisiert. Nikil Mukerji ist Philosoph und lehrt an der Ludwigs-Maximilians-Universität München und ist akademischer Geschäftsführer des Studiengangs Philosophie, Politik, Wirtschaft. 2017 erschien sein hervorragendes Buch Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstands, das ja hier auf dem Blog auch bereits besprochen wurde. Gemeinsam mit Natalie Grams erschien bei Spektrum der Artikel Die Denkfehler der Homöopathie.

 


 

Psiram

 

Aus dem Blog-Archiv (12/2016): Große Gefühle: Der Psiram-Jahresrückblick 2016

Gefühlt war dieses Jahr länger, ereignisreicher, aufregender, deprimierender, spannender, bedrohlicher als alle Jahre zuvor. Gefühlt hat der Realismus, das kritische Denken, die Vernunft einige herbe Rückschläge einstecken müssen. Gefühlt bestanden die Nachrichten nur noch aus Meldungen über Krieg, Terror, Flüchtlinge und den endgültigen Untergang des Abendlandes. Gefühlt ist die gesamte Musikszene der 60er, 70er und 80er Jahre ausgestorben. Gefühlt sind wir von Reichsbürgern umgeben, die sich eigene Ausweise drucken und die Erde zur Scheibe in den Grenzen von 1937 erklären. Gefühlt steht an jeder Ecke ein Globulidealer und brüllt uns schon aus der Ferne entgegen: Viren gibt es nicht! Die Pharmamafia will uns alle töten! Komm mit zur nächsten Masernparty! Hüte dich vor den Chemtrails!

 

Neu im Psiram-Wiki

 


 

Video der Woche

 

Mick West: UFOs Filmed from Helicopters. Not So Fast!

There are a few UFO videos that are shot from a moving helicopter (or plane) where the camera tracks what seems to be a fast moving object. The best demonstration of this effect now comes from Tom Churchill of Churchill Navigation with this video of a mylar balloon filmed from a helicopter. After the cameraman starts tracking the balloon it looks like it’s moving incredibly fast over the background, but we can see it’s just a balloon drifting in the wind, and the apparent motion comes from a combination of the helicopter motion, and the magnified movement due to the zoom factor. With just a little math we can find out where the balloon is relative to the helicopter, and discover that it’s not actually moving very fast at all!

Direktlink: https://www.youtube.com/watch?v=YYqVa59VRRc

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