Altes, vergessenes Wissen

Jeder Scharlatan, Quacksalber belabert seine Kundschaft immer irgendwann mit „altem Wissen“. Und dieses alte Wissen sei besonders wertvoll, wenn es auch noch vergessen war. Also altes, vergessenes Wissen. Abgesehen von dem kleinen Logikfehler, dass Wissen, das wirklich vergessen war, eben nicht mehr auftaucht, um dann als „vergessenes Wissen“ angepriesen zu werden – offenbar war es dann doch nicht vergessen – fragt man sich, was an altem Wissen denn so besonders sei.

Klar, es gibt altes Wissen, das sich durch die Jahrtausende problemlos gehalten hat. Z.B. wie man Feuer macht. Wir haben heute Feuerzeuge, die wir sogar meist geschenkt bekommen, Wundergeräte, für die unsere Vorfahren vermutlich Höhle und Keule aufgegeben hätten, um sowas zu haben. Trotzdem wissen wir noch, wie unsere Vorfahren Feuer gemacht haben. Altes Wissen, wichtiges Wissen, bewährtes Wissen. Kein Wunder, dass es bleibt. Selbst so Dinge wie Baseballschläger als Nachfahre der Keule.

Worauf hin man sich dann fragt, warum es Wissen gab, das in Vergessenheit geriet. Ganz einfach: Es war wohl nicht mehr wichtig. Oder, wenn es wichtig war, wurde es durch besseres Wissen abgelöst. So weiß z.B. heute ein Hufschmied nicht mehr, wie man einem Menschen mit einer Zange einen eitrigen Zahn zieht und ihn dabei so festhält, dass er nicht zicken kann, es sei denn, er ist zufällig Hobby-Medizinhistoriker.

Es ist schon verblüffend: Kein Mensch würde auf die Idee kommen, dem Flugzeug der Gebrüder Wright bessere Flugeigenschaften anzudichten, als einem modernen Motorsegler. Er ist halt eine Weiterentwicklung des Urmodells.

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