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Der Preis des bewussten Lebens (10) Rotwein on the rocks

22. Dezember 2011 6 Kommentare

Wer sich beim Übergang vom Kleinkindstadium ins Erwachsenenalter nicht von seiner Rassel trennen mag, findet bei der Riege der Wasser-Energetisierer adäquates Spielzeug: die VitaJuwel-Phiolen, eine Handvoll Geröll im Glasschwengel zum Umrühren oder Reinhängen.

Angeblicher Nutzen:

– Deutliche Verbesserung der Leitungswasserqualität                                  
– Neutralisierung von Schadstoffinformationen
– Verbesserung des pH-Wertes und des Sauerstoffgehaltes
– Erhöhung der Bioverfügbarkeit der Mineralien
– Steigerung der Energiebilanz
– Zunahme der Vitalkräfte
– Erhöhung der Löslichkeit von Mineralien
– Bessere Versorgung mit Spurenelementen u. Mineralien
– Gute Annäherung an Quellwasserqualität
– Hohe biologische Wertigkeit

So das Gutachen, das als pdf mitgeliefert wird. Ersteller des Gutachtens ist übrigens die Firma Hagalis AG, wer sonst.

Die VitaJuwel-Masche ist die Konsequenz aus einem kleinen, völlig unbedeutenden Flüchtigkeitsfehler der Edelsteinwasser-Gemeinde: manche Mineralien haben die unangenehme Eigenschaft, Schwermetallsalze an das Wasser abzugeben. Die beliebten Malachite, Azurite und Türkise beispielsweise geben Kupfer ab, Pyrit reichert seine feuchte Umgebung mit Mangan und Nickel an. Nun ist das ein Problem, aber kein unlösbares, wenn man in einer Welt lebt, in der irgendwie alles geht. Packt man die bunten Steinchen in ein wasserdichtes Glasbehältnis, bleibt das Wasser unbelastet. Und die Energie, die da fluktuieren soll, definiert man flugs so, dass sie sich an dem bißchen Glas nicht mehr stört. Fertig ist das VitaJuwel-Patent.

Die Preise, die für diesen ebenso schönen wie von jedem Nutzen befreiten Gaga-Artikel aufgerufen werden, reichen je nach Füllung bis über 200 €. Selbst bei Amazon kann man solche Scherzartikel kaufen. Die Energiedröhnung beschränkt sich aber nicht auf ödes Wasser: packt man ein Fläschchen Rotwein dazu, geht es selbst mit einer Billigfüllung an die 100 € – Schallmauer heran und damit in den Bereich eines Cru Classé aus dem Medoc eines jüngeren Jahrgangs.

 

Der Rotwein nennt sich übrigens „Infinitum“, ist ein Sangiovese Riserva von den Colli d’Imola und stammt aus der Cantina Zuffa in der Emilia-Romagna – keine übermäßig renommierte Anbauzone, traditionell erzeugt man in der Gegend Lambrusco. Das Weinchen kann man im Fachhandel auch ohne Edelsteinrassel bestellen, da kostet er nur gut 75 €, im Sechserkarton.

Salute!

Teil 1: Das letzte Hemd …

Teil 2: Spiegel und Salz, Gott erhalts!

Teil 3: Ganzheitlich abdichten

Teil 4: Der gute (Grund)Ton

Teil 5: Wer eine Meise hat, hat auch Likör

Teil 6: Summ, summ, summ

Teil 7: Der Tee im Harem des Dr. Ming

Teil 8: Das Sandmännchen ist da.

Teil 9: Lass wobbeln, Kumpel