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Presonic

27. Januar 2009 23 Kommentare

Das Wort „presonic“ setzt sich aus der lateinischen Vorsilbe „pre“ (oder „prae“) = „vorzeitig“ und dem englischen „sonic“ zusammen, das „akustisch“ oder „den Schall betreffend“ bedeutet. Ein „presonic“ neigt also dazu vorzeitig akustisch tätig zu werden oder vorlaut zu sein ohne nachgedacht zu haben.

In HTML wird mit dem Attribut <pre> ein vorformatierter Text gekennzeichnet. In Zusammenhang mit der Silbe „sonic“ käme man also auf die Bedeutung dass ein „presonic“ vorformatiertes akustisch von sich gibt.

Im Internet ersetzt das Erstellen von Beiträgen in Foren die akustische Meinungsäußerung. Eine (zu empfehlende) Google-Suche nach „presonic“ und „Forum“ liefert denn auch eine bemerkenswerte Sammlung vorformatierter Äußerungen, über die offensichtlich nie jemand nachgedacht hat. Natürlich werden diese aber dennoch mit einer unerschütterlichen Selbstsicherheit vorgetragen, dass man vermuten mag im realen Leben stünde jemand im Format eines John Rambo oder Conan der Barbar dahinter. Nur dass Rambo in diesem Fall kleine Kinder niedermetzelt und die Bösen laufen lässt.
Besonders beeindruckend lässt sich das im Gesundheitsteil des österreichischen „Standards“ verfolgen:
Dort hinterlässt eine Dame namens presonic ihre vorformatierten Meinungen, die sich in altbekannter Manier grundsätzlich gegen die Medizin, gegen die „Pharmamafia“ und insbesondere gegen Impfungen richten. Besonders beeindruckend zur Schau gestellt in diesem Artikel:
Da ist eigentlich alles drin was Impfgegner zu bieten haben, inklusive der grandiosen intellektuellen Fehlleistungen in den Bereichen Immunologie, Mathematik und Logik die notwendig sind um das gefestigte Weltbild des Impfgegners aufrechtzuerhalten.
Besonders lustig ist es wenn man ihr erklärt wo ihr Denkfehler liegt…

Natürlich hat presonic nicht verstanden wie die Tetanusimpfung funktioniert denn:

Presonic, 19.01.2009 15:01: „man kann gegen Gifte keine Immunität erlangen kann. das ist schlicht unmöglich.“

Nachdem ihr zum 127. Mal erklärt wurde wie die Impfung funktioniert verlagerte sich das immunologische Problem in Richtung Mathematik:

Presonic, 21.01.2009 11:55: „diese erklärung kenne ich auch. sie widerspricht allerdings dem faktum, dass unter den tetanuserkrankten immer genausoviele geimpfte wie ungeimpfte sind.“

Man ist ja geduldig:

Godesberg, 21.01.2009 15:04: „Wenn unter den erkrankten genau so viele geimpfte wie ungeimpfte sind ist das bei über 95%iger Tetanus-Impfrate ein eindeutiger Beweis für die Wirksamkeit der Impfung.
Wenn die Impfung nicht wirken würde müssten unter den erkrankten 95% geimpfte sein.“

Aber der Proband verpasst sich lieber selbst den Genickschuss als etwas einzusehen:
Presonic, 21.01.2009 16:27: „oje. wer da probleme mit der mathematik hat…“

Nun gut, der Leser beantwortet sich diese letzte Frage selbst…

Es würde zu weit führen an dieser Stelle weitere Beispiele zu zeigen, daher sei die Lektüre der Artikel auf www.standard.at empfohlen. Presonic stellt da in etlichen Gesundheits-Threads exemplarisch dar wie Impfgegner (nicht) argumentieren und wie (in)kompetent sie sind. Grundsätzlich werden Krankheiten verharmlost („nur bei 5% der Toten nach Lungenentzündungen ist eine Influenza der Auslöser“, „nur 25 Grippetote pro Jahr in Deutschland“), Impfnebenwirkungen übertrieben dargestellt (die Verdachtsfalltabelle des PEI muss mal wieder herhalten), falsche Informationen gegeben („SSPE durch Herpes-Viren“) usw. Das übliche halt.

Ich finde es immer wieder faszinierend wie sich Impfgegner als aufgeklärte Freigeister darstellen, die vorurteilsfrei analysieren und zu eigenständigen Schlüssen kommen. Dabei plappern sie nur unreflektiert Dinge nach die in ihr „präformatiertes“ Weltbild passen und sind nicht in der Lage neue Informationen aufzunehmen – also zu lernen. Das oben genannte Beispiel habe ich in dieser oder ähnlicher Form schon Dutzende Male mit Impfgegnern, auch mit presonic selbst, durchgekaut. Ich behaupte es ist für ein Grundschulkind verständlich. Aber dennoch, es wird wiederholt und wiederholt und wiederholt.