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Wasserwahn – „Granderwasser“ in Bubesheim

Artikel via Augsburger Allgemeine:

„Granderwasser“ schmeckt nicht jedem

Bubesheim Die Gesundheit seiner Kinder will sich Bubesheim etwas kosten lassen. 3000 Euro gibt die Gemeinde für eine Wasserbelebungsanlage der österreichischen Firma Grander aus, die an den gemeinsamen Hauswasseranschluss von Rathaus und Kinderhaus eingebaut werden soll (wir berichteten). Ist das Granderwasser eine Wohltat – oder einfach nur Geldmacherei? Die Meinungen über das Grander-System sind geteilt, wie sich auch zahlreichen Internetforen zum Thema entnehmen lässt.

„Der Vorschlag kam aus den Reihen des Gemeinderats, die Grander-Anlage für das Kinderhaus einzubauen“, sagt der Günzburger Architekt Michael Brenner, der das Projekt in Bubesheim plant. Grund dafür sei die Tatsache gewesen, dass die Mädchen und Buben in dem Kinderhaus wahrscheinlich viel mit Wasser in Berührung kommen werden, wenn sie sich zum Beispiel die Hände waschen. „Der Gemeinderat, der den Vorschlag gemacht hat, hat von positiven Erfahrungen im Bekanntenkreis mit dem Granderwasser berichtet“, sagt Brenner.

Solche Anlagen seien auch schon in mehrere Hotels eingebaut worden, die er selbst geplant habe. „Die Erfahrungen damit sind sehr gut.“

Wo genau der Nutzen der Grander-Anlage liegt, kann Brenner nicht konkretisieren. „Die Wasserqualität soll besser werden“, sagt er. Das schreibt auch die Firma Grander auf ihrer Homepage. „Unser Wasser (…) erhält durch die Grander Wasserbelebung die Ur-Information zurück, die es braucht, um seine Kraft zur Selbstreinigung wieder aufbauen zu können“, wird Erfinder und Firmenchef Johann Grander zitiert.

„Ich wüsste nicht, wieso man unser Trinkwasser, das jeden Tag 120 000 Menschen im Landkreis trinken, irgendwie verbessern müsste“, sagt Dr. Roland Schmid, Leiter des Gesundheitsamtes Günzburg. „Immerhin vertreiben zwei Brauereien im Landkreis nicht nur damit hergestelltes Bier und Limonade, sondern verkaufen es auch erfolgreich als Tafelwasser.“

Einen echten Beweis, dass man mit der Grander-Methode des Vorbeileitens von Leitungswasser an mit „Informationswasser“ gefüllten Metallzylindern die Qualität von Wasser verbessern könne, gebe es ohnehin nicht.

„Es gibt immer wieder Leute, die auf die Wirkung des Systems des Wasser-Esoterikers Grander pochen“, so Dr. Roland Schmid. Als prominente Anhänger Granders werden auf der Internetseite des Unternehmens Schlagersänger Hansi Hinterseer und der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser genannt.

„Parawissenschaftlicher Unfug“

Wie groß die Differenzen zwischen Gegnern und Befürwortern Granders sind, zeigt auch ein Prozess vor dem Wiener Oberlandesgericht: Dort bekam ein Wiener Professor recht, der das Granderwasser als „aus dem Esoterik-Milieu stammender, parawissenschaftlicher Unfug“ bezeichnet hatte. Diese Aussage sei sachlich begründet, so das Gericht. Betrug dürfe man dem Unternehmen jedoch nicht unterstellen, befand das Gericht, da Käufer ein Rücktrittsrecht hätten.

Unfug oder nicht – das werden die Kinder im Bubesheimer Kinderhaus bald selbst testen können. Mediziner Dr. Schmid meint jedenfalls: „Das ist wohl alles Glaubenssache.“

Infos im Internet

Das Unternehmen Grander im Net unter

www.grander.com

Kritisch setzt sich unter anderem der Beitrag in der freien Web-Enzyklopädie Wikipedia auseinander:

www.wikipedia.de, Stichwort Grander

Schon sehr interessant, wie weit die Verblödung bereits fortgeschritten ist.

Deswegen klären wir mal wieder auf:

  1. GeMa
    12. Februar 2010, 18:36 | #1

    Ich kenne mich damit ja nicht aus, aber gibt es denn nicht auch so etwas wie ein Gebot der Wirtschaftlichkeit für Gemeinden und Kommunen?
    Was könnte man mit den 3000 € schönes – und sinnvolles – für die Kinder anschaffen. Wobei ich fies vermute, dass die Kinder nur das Alibi für ein paar Verstrahlte aus dem Rathaus darstellen, die an dem Anschluß mit dranhängen. Für den Behördenkaffee nur das Beste. Sind nur Steuer“mittel“.

    Wenn die Gemeinde – merkwürdigerweise – zuviel Geld hat, gibt es sicher auch in Bubesheim Familien, deren Kinder einen Zuschuß zum Schulmittagessen gebrauchen könnten. Da hapert es doch meistens in diesem Land.

  2. Hlodyn
    12. Februar 2010, 19:57 | #2

    Echt krass, aber das passiert eben wenn Menschen mehr Geld als Verstand haben… Würde ich da wohnen, dann würd ich mal n paar feine Infozettel in sämtliche Briefkästen werfen und im Rathaus antanzen.
    Super, dass Humbug jetzt mit Steuermitteln finanziert wird. Ich seh’s in Diskussionen schon kommen:
    „Das ist Schwachsinn!“ „Aber in Bubesheim hat sogar die Stadt das und die werden ja wohl keinen Schwachsinn kaufen!“

  3. Steffen
    14. Februar 2010, 22:32 | #3

    Das ist meines Erachtens ein Fall für den Bund der Steuerzahler. Ich denke, ich schreibe denen das mal…

  4. TheEagle
    7. Dezember 2011, 11:18 | #4

    Informiert euch einfach mal bei Leuten die längere Zeit eine Grander Anlage eingebaut habt. Es gibt doch viele Dinge die sich nicht erklären lassen, warum nicht auch eine Verbesserung unseres Leitungswassers, das meist kilometerlang mit hohem Druck in die Leitungen gepresst und durch mehrere Pumpen geschleust wird. Nach meiner Information beeinflusst jedes elektromagnetisches Feld unser Wasser belastend. Vielleicht verbessert Grander ja genau dieses Wasser. Wenn man nachließt… so soll es wieder die Quellwasserqualitäten zurück bekommen die durch diese Einflüsse geschädigt werden. Warum soll das nicht möglich sein?

  5. 7. Dezember 2011, 12:00 | #5

    TheEagle :

    Informiert euch einfach mal bei Leuten die längere Zeit eine Grander Anlage eingebaut habt.

    Haben wir. Danke.

    Es gibt doch viele Dinge die sich nicht erklären lassen,

    Darum betreibt man Wissenschaft. Bei Grander muss man nichts erklären, da außer der persönlichen Selbsttäuschung nichts da wäre, was es zu erklären gäbe.

    warum nicht auch eine Verbesserung unseres Leitungswassers, das meist kilometerlang mit hohem Druck in die Leitungen gepresst und durch mehrere Pumpen geschleust wird.

    Der Leitungsdruck in einer Wasserleitung entspricht ca. dem Druck, der in einem See oder Meer ab 30m Wassertiefe herrscht. Also lächerlich wenig. Warum soll das auch nur irgendwas ausmachen?

    Nach meiner Information beeinflusst jedes elektromagnetisches Feld unser Wasser belastend.

    Nach meinen Informationen nicht. Und jetzt?

    Vielleicht verbessert Grander ja genau dieses Wasser. Wenn man nachließt… so soll es wieder die Quellwasserqualitäten zurück bekommen die durch diese Einflüsse geschädigt werden. Warum soll das nicht möglich sein?

    Möglich kann alles sein. Z.B. auch, dass man mal ein Physikbuch in die Hand nimmt statt doofe Werbetexte zu kolportieren.

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