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Warum gibt es keine alternativen Brücken?

Alternativmedizin nennt man Methoden, deren Wirksamkeit nicht belegt ist oder Methoden, deren Wirksamkeit widerlegt wurde. Wir wissen, wie man Alternativmedizin nennt, deren Wirksamkeit nachgewiesen ist. Wir nennen das dann Medizin. Das war sinngemäß nach Tim Minchin aus „Storm“:
“By definition”, I begin
“Alternative Medicine”, I continue
“Has either not been proved to work,
Or been proved not to work.
You know what they call “alternative medicine”
That’s been proved to work?
Medicine.”

Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk der Natur und wir mussten lange Zeit völlig ohne Medizin mit Krankheitserregern und Verletzungen klarkommen. Es gibt jede Menge fein ausbalancierte und effektive Mechanismen in uns, die den Laden am Laufen halten und die mit vielen Störungen auch ohne Zutun fertig werden. Quackmedizin ignoriert die Naturgesetze, setzt auf Showeffekte und bedeutet meist einfach nur Abwarten. Die Zeit heilt viele Wunden, natürlich nicht alle und dann wird es eventuell gefährlich. Wieso treiben sich gerade auf dem Gebiet der Medizin so viele Scharlatane herum und warum sind die so relativ erfolgreich?
Im Blog vom Medizynicus gibt es heute eine schöne Geschichte aus Dingenskirchen, die der eigentliche Anlass für den heutigen Blogpost ohne großen Neuigkeitswert ist:
Medizin, Demokratie, und Bauingenieure

„…und damit komme ich zum Schluss meines Vortrages, sehr verehrte Damen und Herren,“ Dr. Wuschelmann blickt in die Runde und nippt an seinem Wasserglas. „…Vielfalt statt Monotonie, das ist mein Credo. Ich habe Ihnen jetzt ausführlich erläutert, warum ich von alternativen Heilmethoden überzeugt bin. Nirgendwo gibt es eine alleinseligmachende Wahrheit. Daher möche ich Sie bitten, Ihre Scheuklappen abzulegen und der Naturheilkunde und Alternativmedizin gegenüber offener zu sein!“
Er lächelt in die Runde.
„Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!“
Das Publikum applaudiert. Wir befinden uns auf einer Fortbildungsveranstaltung, zu der das Ärzenetz Bad Dingenskirchen eingeladen hat. Ein Pharmareferent spendiert Schnittchen und Getränke. Auf den Stühlen sitzen überwiegend leicht angegraute Hausärzte. Die paar Kollegen aus dem Krankenhaus haben sich ganz hinten versteckt, nur Oberarzt Heimbach sitzt in der ersten Reihe.
Der Pharmareferent dankt dem Vortragenden und schaut in die Runde.
„Gibt es noch Fragen?“
Heimbach meldet sich.
„Herr Kollege, darf ich Sie zu einem Gedankenspiel einladen?“…

KategorienAllgemein, Paramedizin, Pseudomedizin Tags:
  1. mythbuster
    12. April 2011, 16:25 | #1

    Zum Nachweis fällt mir eine Frage ein:
    Für die meisten Anwendungen in der Medizin dürfte es ja schon Ansatzgemäß so sein, dass nicht nur die Wirksamkeit nachgewiesen, sondern auch bekannt ist *wie* etwas wirkt. Da tut sich die Frage auf,ob es irgendwelche medizinischen Methoden oder Mittel gibt, die zwar nachgewiesen sind -Also durch Versuch – aber es weiß noch keiner Warum das so ist?

    Denn da ordnen sich die Alternativen ja gerne ein: Angeblich nachgewiesen (durch obskure Selbsterfahrung), aber Wirkungsweise unbekannt.

    Im übrigen Danke! Werde langsam zum Argumentationsprofi….

    Gruß,
    mythbuster

  2. 12. April 2011, 17:11 | #2

    Medizin ist ja an sich keine Wissenschaft, sondern etwas, was wissenschaftliche Ergebnisse anwendet. So wie der Ingenieur die Physik anwendet, aber keine physikalische Forschung betreibt.

    In der Medizin gibt es genügend, von dem man weiß, dass es wirkt, aber noch nicht unbedingt warum. Bzw. die Erklärungen manchmal (noch) auf dünnen Füßen stehen.

    Man hat ja das besondere Problem des zeitlichen Drucks. Wenn man von etwas weiß, dass es besser wirkt und weniger nebenwirkt, tut man es erst mal. Alles andere wäre nicht zu vertreten.

  3. Stöber
    12. April 2011, 18:18 | #3

    Klar gibt es Stoffe, wo sich die Forscher heute noch die Köppe zerbrechen (bzw gegenseitig einschlagen^^), weil der Wirkmechanismus nicht schlüssig ist.

    Triviales Beispiel wäre Paracetamol. Hemmt zwar auch ein bisschen die COX, aber nicht ausreichend für die Wirkung. Nun sucht die eine Gruppe nach anders gebauten COX3 im ZNS, andere schielen auf das Endocannabinoidsystem, die nächste Gruppe behauptet wieder alles wäre Quatsch und COX3 gäbe es nicht bzw nur in Ratten…Jedenfalls amüsant! 😀

    Ähnlich Metamizol.
    Oder erklärt mal mit schlüssigen Wirkmechanismen die durchschlagende Wirkung von Inhalationsnarkotika. Tricky…

    Wir verwenden also ziemlich viele Stoffe rein evidenzbasiert. Alles, was funzt kann man nehmen!
    WM ist erstmal nicht sooo wichtig – aber wenn weder Wirkung noch WM vorhanden sind -> Tonne auf, schwupps, Tonne zu.

    😉

  4. 12. April 2011, 19:04 | #4

    Haja, Stöber, das Problem der „Alternativmedizin“ 😀
    Die Methoden daraus, die funktionieren, werden übernommen. Auch wenn der WM nicht wirklich bekannt ist. Der Rest ist der Müll in der Tonne. Mit dem müssen die dann arbeiten. Drum werden die ja immer gleich sauer und persönlich, weils an Evidenz fehlt und wenn man nachbohrt, stinkts.

  5. Shade
    12. April 2011, 19:56 | #5

    Haben sie sich doch selbst ausgesucht, im Müll zu spielen, die Lappen… Vielleicht sollte man ihnen Wäscheklammern schenken (den Wirkmechanismus einfach auf die Nase setzen)…

    Es ist allgemein immer ganz interessant, wenn man irgend ein Medikament bekommt, einfach einmal den Wirkstoff zu googlen/wikien. Man wird fast nie für alle bekannten Wirkungen/Nebenwirkungen eine gesicherte Erklärung finden.

  6. Stefan
    15. April 2011, 08:45 | #6

    Es ist aber schon ein Unterschied, ob in Studien mit Kontrollgruppen der Effekt eines unbekannten Wirkmechanismus gefunden wird oder ob es selbst daran hapert und trotzdem eine Wirkung propagiert wird.

  7. 15. April 2011, 09:22 | #7

    @Stefan: Klar! Einriesen Unterschied. Werden ja auch genug Dinge in der modernen Medizin eingesetzt, deren Wirkmechanismus nicht oder nur unvollständig geklärt ist.

  8. Baustelle
    15. April 2011, 11:28 | #8

    Jetzt mal knallhart bautechnisch und -rechtlich argumentiert:

    Es gibt keine alternativen Brücken, weil bei öffentlichen Bauwerken nur nach „den anerkannten Regeln der Bautechnik“ gebaut werden darf!
    Sprich: getestete Verfahren, geprüfte Normen, entsprechende Statik etc…

    Das dies in manchen „Medizin“-Bereichen nicht der Fall ist, ist ein Skandal!

  9. 15. April 2011, 11:48 | #9

    In der Medizin gibts ja ebenso diese Standards. In der Alternativ-„Medizin“ nicht. Liegt an der Therapiefreiheit und daran, dass Dummheit nicht strafbar ist. Jeder darf sich zu Grunde richten, wie er es für richtig hält.

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