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Die wundersame Vermehrung der Bücher

Heute möchte ich ein Phänomen vorstellen, dass so mysteriös ist, dass selbst die mutigsten Esoteriker sich anscheinend bis jetzt nicht an eine Erklärung wagen: Die wundersame Vermehrung von Büchern.

Jedes mal, wenn ich meine Bücherregale betrachte, scheinen sie voller geworden zu sein, und obwohl ich unlängst einige Kisten voll Bücher aussortiert und weitergegeben habe, sehe ich mich gezwungen, bald ein weiteres Regal anzuschaffen. Dieses wundersame Wachstum steht ganz offensichtlich in keinem Verhältnis zu der relativ geringen Anzahl der Bücher, die ich in letzter Zeit gekauft habe. Noch unerklärlicher ist aber, dass ich gelegentlich in den hinteren Ecken der Bücherregale Bücher finde, von denen ich nicht gewusst habe, dass ich sie überhaupt besitze. Dies lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Die Bücher haben sich vermehrt!

Nun stellt sich natürlich die Frage, was die Ursache für diese Vermehrung ist. Fleißig wie ich bin, habe ich mir ein Beispiel an den gelegentlich sehr kreativen Esoterikern genommen und mir nicht nur eine, nein gleich drei Hypothesen dazu willkürlich zusammenphantasiert, äh, ich meine natürlich, sorgfältig ausgearbeitet.

Zunächst einmal erscheint es logisch, dass die Bücher sich ganz einfach von selbst vermehren. Viele Menschen sind der Ansicht, dass Bücher eine Art Seele besitzen und in gewisserweise ein eigenes Leben führen. Warum sollten sie sich dann nicht auch vermehren können?

Dafür spricht auch folgendes Erlebnis, dass ich vor einigen Wochen hatte: Ich holte auf der Suche nach einem vermissten Buch einige Kisten Bücher aus dem Schuppen, die ich vor einiger Zeit dort eingelagert hatte, um den sich immer weiter ausbreitenden Büchermassen Herr zu werden. (Bezeichnenderweise hinterließen sie dennoch keine merklichen Lücken im Regal.) Nachdem ich die Bücher ins Haus transportiert und sortiert hatte, stellte ich erstaunt fest, dass sich dazwischen 4 oder 5 schon etwas ältere Thriller eher unbekannter Autoren befinden, die ich, und da bin ich mir sehr sicher, in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen, geschweige denn in der Hand gehabt habe. Dies ließe sich wunderbar damit erklären, dass die Bücher sich im Schuppen ungestört vermehren konnten.

An  diesem Punkt bliebe nun noch die Frage übrig: Vermehren sich Bücher ungeschlechtlich oder geschlechtlich? Im zweiteren Fall: Kann man sie eventuell sogar gezielt züchten, indem man Literatur unterschiedlicher Genres miteinander kreuzt? All dies wäre bereits eine großangelegte buchbiologische Untersuchung wert, sobald die Buchbiologie, also die Lehre vom Leben der Bücher, als vollwertige Pseudowissenschaft anerkannt und ein entsprechender Lehrstuhl an der Viadrina eingerichtet wurde.

Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es in den heutigen Zeiten sowohl aus ökonomischen als auch aus ökologischen Gründen unabdingbar ist, mit den vorhandenen Ressourcen sparsam umzugehen. Ich bin gerne bereit, mit gutem Beispiel vorranzugehen, indem ich eine Hypothese anwende, um gleich zwei bisher ungeklärte Phänomene abzudecken.

Es ist auffällig, dass Kugelschreiber, ganz im Gegensatz zu Büchern, dazu neigen, auf ebenso mysteriöse wie unauffällige Weise zu verschwinden. Egal, wie viele Kugelschreiber man kauft, als Werbegeschenk erhält oder sich ausleiht und vergisst, sie jemals wieder zurückzugeben: Nach einer Weile wird man unweigerlich feststellen, dass sich ihre Zahl merklich verringert hat. Und die meist verschwindend geringe Anzahl Kugelschreiber, die man als defekt oder leer entsorgt hat, reicht bei weitem nicht aus, um diesen Schwund zu erklären. Es scheint ganz so, als ob die meisten Kugelschreiber verschwinden, lange bevor sie unbrauchbar werden.

Was liegt also näher, als anzunehmen, dass Kugelschreiber dazu neigen, in einem unbeobachteten Augenblick eine materielle Transformation zu durchlaufen und die Gestalt eines Buches anzunehmen? Gewiss, einige zu rational denkende Zeitgenossen mögen sagen, dies sei vollkommen unmöglich. Ihnen sei gesagt: Ihr habt die Quantenmechanik vergessen, denn die macht alles möglich! Leider reicht der mir hier eingeräumte Platz bei weitem nicht aus, um die quantenmechanische Umwandlung vom Kugelschreiber zum Buch eingehend zu beleuchten, aber falls dahingehend noch Bedarf besteht, wendet euch bitte an einen Esoteriker eures Vertrauens. Der wird euch mit Freuden erklären, wie das alles funktioniert mit Quanten und so weiter.

Natürlich gibt es auch hier weiteren Forschungsbedarf. So wäre es sicherlich interessant zu wissen, ob Material und Aussehen eines Kugelschreibers Einfluss auf das daraus entstehende Buch haben, ob also aus einem billigen Werbekugelschreiber eher ein Groschenroman, aus einem teureren Modell aus Metall hingegen ein höherwertiger Hardcoverband wird. Ebenso müsste natürlich geklärt werden, wie es den Kugelschreibern gelingt, während der Verwandlung unbemerkt ins Bücherregal zu wandern.

Allerdings lässt sich der ökonomische Umgang mit Hypothesen noch wesentlich stärker optimieren. Bei genauerer Betrachtung wird nämlich deutlich, dass eine einzige Erklärung für praktisch alle unbeantworteten Fragen ausreicht: Es steckt eine große, böse Verschwörung dahinter!

Auch aus dieser Lösung ergeben sich allerdings weitere Fragen. Vor allem wäre natürlich wichtig zu erfahren, wer hinter dieser gigantischen Verschwörung steckt: Illuminaten, Sirianer, Bilderberger oder gar SIE höchstpersönlich?

Glücklicherweise gibt es aber in diesem Fall eine ebenso einfache wie geniale Möglichkeit, eine Antwort zu finden. Schon die alten Römer damals fragten: Cui bono? Auf Deutsch: Wer von einer Verschwörung profitiert, ist auch schuld daran.

Wer aber profitiert von einer heimlichen Büchervermehrung? Nun, bei näherer Betrachtung liegt das auf der Hand: Die Möbelindustrie! Die verdient schließlich nicht schlecht daran, wenn für immer mehr Bücher auch immer mehr Bücherregale erforderlich werden.

Nachdem ich nun also unumstößlich bewiesen habe, dass die Möbelindustrie einen quantenmechanischen Materietransformationsstrahler besitzt, mit dem sie heimlich Kugelschreiber in Bücher umwandelt, werde ich mich natürlich keineswegs auf den erreichten Lorbeeren ausruhen, sondern weiteren bisher ungeklärten mysteriösen Phänomenen nachgehen, zum Beispiel der Frage, warum Waschmaschinen dazu neigen, von einem jeden Sockenpaar genau eine Socke verschwinden zu lassen. Doch dazu vielleicht ein andermal mehr.

KategorienAllgemein, Satire Tags:
  1. S. K. Paden
    15. Juli 2011, 21:34 | #1

    Sommerloch?
    Ganz ehrlich: Ich bin enttäuscht!
    Ist diese unverleumderische, unverunglimpferische, den Staatsanwalt einen Furz interessierende, pharmaindustrieneutrale Albernheit der Hardliner der Skeptiker-Clique würdig? Das ist ja fast Rufmord am Rufmord! Geht es Euch zu gut da hinten in der Türkei (oder war’s Honkong)?
    Und übrigens, mit Kulli schreiben ist voll proll! Die Dinger versuchen sich seit ewigen Zeiten selbst zu eleminieren, aber es gelingt nur unvollständig. Von wegen in Bücher verwandeln!

  2. Wiesodenn
    16. Juli 2011, 16:04 | #2

    Jetzt weiss ich was die Feuerzeuge, die ich dauernd vermisse, tun. Sie transformieren sich in CDs und bei einem meiner Söhne tauchen sie dann auf. Mich lügt der Kerl an er hätte sie gekauft.

  3. Blah
    16. Juli 2011, 18:03 | #3

    Am schlimmsten ist es, wenn unbekannte Bücher auftauchen, die Lesespuren aufweisen. Und die eigenen Fingerabdrücke sind drauf…

  4. Stöber
    16. Juli 2011, 18:29 | #4

    @Blah: Ja gell, um kreative Ausreden für unseren Alzheimer sind wir nie verlegen. 🙂

  5. 17. Juli 2011, 17:11 | #5

    Schöne Geschichte. Literarischer Skeptizismus.
    Ein Lehrstück für alternaive Argumentationstricksereien.
    Schönes Beispiel!
    Blogger-Literatur-Nobelpreis 2012!

  6. celsus
    17. Juli 2011, 18:41 | #6

    Falls du diesen Teufelskreis durchbrechen möchtest, empfehle ich meine in langjähriger hochwissenschaftlicher Arbeit entwickelten Materietransformationsstrahlblockierchips. Nie wieder Ärger mit zu wenig Kulis und zu vielen Büchern. Einfach unter das Bücherregal legen, schon ist Ruhe.

  7. HEX
    17. Juli 2011, 21:05 | #7

    @S. K. Paden
    Sehr geehrter Herr Parden,

    ich bedauere sehr, dass der Artikel nicht Ihren Wünschen entspricht.

    Bedauerlicherweise blieb unsere Produktion sowohl an bösartiger übler Nachrede als auch an Verleumdung in den letzten Wochen aufgrund witterungsbedingter Umstände hinter den Erwartungen zurück, weswegen wir uns um die knappen Vorräte zu schonen schweren Herzens entschlossen, für diesen Artikel etwas weniger als sonst üblich zu verwenden.

    Wir konnten ja nicht ahnen, dass sich ein Kenner wie Sie unter den Lesern befindet, dem eine solche Unregelmäßigkeit natürlich keinen Augenblick verborgen bleiben konnte.

    Wir werden unser bestes geben, um in den nächsten Wochen wieder das von uns gewohnte Niveau zu erreichen und als Ausgleich den kommenden Artikeln nach Möglichkeit zusätzlich eine Extradosis Lobhudelei auf die Pharmamafia zusetzen.

    Beste Grüße
    Ihre Abteilung für Beschwerden und sonstiges virtuelles Altpapier

    PS: Wie ich aus sicherer Quelle weiß, befindet sich das das streng geheime unterirdische Esowatch-Hauptquatier nicht in der Türkei oder in Hongkong, sondern sowohl als auch. Die Mitglieder des innersten nicht minder geheimen und unterirdischen Esowatch-Kernteams sind als dämonische Schergen der Pharmamafia Und Illuminaten natürlich der Bilokation fähig.

  8. 18. Juli 2011, 00:00 | #8

    Quantenphysik ist schon der richtige Erklärungsansatz. Genau genommen ist es so, dass Kulis und Bücher das gleiche sind und erst die Beobachtung dafür sorgt, dass sie sich für eine der Gestalten „entscheiden“. Und wegen des Chaos sind es eben mal mehr vom einen oder anderen.

  9. 18. Juli 2011, 01:18 | #9

    Quantenphysik erklärt gar nichts. Sie eröffnet im Gegenteil die Frage: Bin ich Schreiber oder Leser? Kugelschreiber oder Buch? Blöcke, auf die geschrieben wird werden überhaupt nicht berücksichtigt, obwohl sie genau den Spalt bilden zwischen Kugelschreiber und Buch.

  10. AlteWeser
    18. Juli 2011, 08:18 | #10

    Entschuldigt, wenn ich mal etwas ernsthaft werde:

    Dieser Blogbeitrag wird wohl von keinem Leser ernst genommen und von allen sofort als unsinnig erkannt.

    Ich frage mich, was unterscheidet ihn von so manchem Esoterik-/Alternativ- usw Artikel, die bei ähnlicher inhaltlicher Qualität aber von so manchem Mitmenschen ernst genommen werden?? Wo ist der Unterschied im Muster?

  11. Stefan
    18. Juli 2011, 08:27 | #11

    Das mit den Kugelschreibern kann ich besser beantworten: Sie landen alle bei mir. Egal, wie viele ich verlieren, wegwerfe oder von anderen okkupiert werden, Ich habe immer gleich viele und manchmal sogar mehr.

  12. Baumhaus
    18. Juli 2011, 08:30 | #12

    Hallo Alte Weser,
    genau das ist der Witz an der Sache! Es gibt keinen Unterschied!
    Genauso wie man an sich vermehrende Bücher glauben kann, kann man an Homöopathie glauben.
    Nur eins ist anders: Die Bücherstory kommt platt rüber, bei Homöopathie gibt´s meist eine „sanfte“ Heranführung an den Blödsinn…
    Beides ist der gleiche Blödsinn, nur hier bleibt er erkennbar, weil die Vorkonditionierung feht 😉

  13. S. K. Paden
    18. Juli 2011, 14:22 | #13

    @HEX
    Kicher!
    Nun gut, ich geb dem Esowatch da noch ’ne Schanxe.

  14. kumi
    18. Juli 2011, 16:15 | #14

    Davon kann ich ein Lied singen. Auch unsere Bücher vermehrten sich bislang auf eine Weise, die den Naturgesetzen widersprach. Das Weib ist Buchhändlerin.

    Vielleicht kann man es mit der Quantenverschränkung erklären:

    Ich > Leser > auf immer ehelich verbunden mit > Buchhändlerin = wundersame Vermehrung der Bücher.

    Nur, die Möbelinstrustrie profitiert nicht von uns, in unserer antroposophischen Wohnung ohne rechte Winkel passt kein handelsübliches Regal. Alles müssen wir selbst bauen 🙂

  15. MegaSpatz
    18. Juli 2011, 21:39 | #15

    Was kommt eigentlich raus, wenn man die Emma mit dem Playboy kreuzt und einen Metallkugelschreiber dazu legt? Ne Hardcover-Bravo mit Naktbildern von Alice Schwarzer? 😉

  16. Hut
    19. Juli 2011, 22:50 | #16

    Bücher? Was ist den das? Schon mal was von E-Book-Reader gehört? Seit ihr antiquiert! In 15 Jahren wird kein Kind mehr wissen was das ist.

  17. 71hAhmed
    19. Juli 2011, 23:34 | #17

    Hut :
    Bücher? Was ist den das? Schon mal was von E-Book-Reader gehört? Seit ihr antiquiert! In 15 Jahren wird kein Kind mehr wissen was das ist.

    War da nicht mal vor vielen Jahren in der Steinzeit der EDV und Telekommunikation die Rede vom „papierlosen Büro“? Und heute hätten wir die Möglichkeit, aber jede noch so belanglose Mail wird ausgedruckt und abgeheftet, damit sie nur ja nicht verloren geht :-).
    Ausserdem kann man in E-Book-Readern keine Zettelchen verwenden und Salamischeiben als Lesezeichen (und Notimbiss) gehen auch nicht.

  18. HEX
    20. Juli 2011, 09:14 | #18

    Meiner Hypothese zufolge ist es bei E-Books übrigens genau umgekehrt: Unbeachtet verwandeln sie sich irgendwann in virtuelle Kugelschreiber, mit denen man wenig geistreiche Bemerkungen an den Rand von PDF-Dokumenten kitzeln kann. Hat jemand bereits entsprechende Erfahrungen gemacht?

    Leider gibt es anscheinend E-Books momentan noch nicht lange und häufig genug, als dass es bereits aussagekräftige Berichte über deren Verwandlungen gäbe. Das macht aber nichts, denn glücklicherweise gilt eine komplett unbelegte und völlig hirnrissige Hypothese bekanntermaßen mindestens so lange als einzig wahre Wahrheit, bis jemand das Gegenteil bewiesen hat.

  19. Komp
    31. Juli 2011, 17:42 | #19

    Die Sache mit den Socken liegt doch vollkommen auf der Hand. Die Sockenindustrie – oder nennen wir sie Sockenmafia, das klingt verschwörerischer – hat doch wohl ein großes Interesse daran, Socken verschwinden zu lassen und damit dafür zu sorgen, dass wir ständig neue kaufen müssen. Also saugen sie einzelne Socken einfach während des Waschvorgangs ab. Hat sich denn noch keiner gefragt wofür der dicke Schlauch an der Waschmaschine ist?

    Und da ich nicht gern mit zwei verschiedenen Socken rumlaufe bin ich gezwungen, mir neue zu besorgen. Auf diese Weise macht die Sockenmafia jährlich ein Milliardengeschäft.

  1. 23. Juli 2011, 09:38 | #1

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