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Homöopathisch sanft zu Tode behandelt

So ist das Leben. In Deutschland berichten fast täglich Zeitungen über Vorträge von Homöopathen, die mit magisch verteuertem Zucker oder Wasser Menschen heilen wollen. Am liebsten Kinder. Denn die müssen vor der Schulmedizin bewahrt werden und vor Chemie. So wurde gestern über eine Österreichische Studie berichtet, die herausgefunden haben will, ganz viele Österreicher finden alles was natürlich ist und Homöopathie ganz toll und Chemie doof . Dabei ist unser Körper voll von Chemie, ohne Chemie wäre schnell Ende Gelände, doch im Körper ist eine Redox-Reakion keine Chemie, sondern natürlich. Und von dieser natürlichen Chemie brauchen homöopathisch behandelte Kinder eine ganze Menge.
So durfte sich in Herbern eine Heilpraktikern dazu äußern, wie sie es mit der Therapie von Mittelohrentzündungen hält. Sie sagt: „Man muss nicht jedes Fieber und jedes Wehwehchen gleich mit chemischen Mitteln unterdrücken, man sollte vielmehr die Kinder in ihrer Krankheit begleiten und ihnen mit sanften Mitteln durch die schwierige Zeit helfen.“
Das bedeutet in der Konsequenz für das Kind, von seiner körpereigenen Chemie abhängig zu sein, unter anderem auch von der Produktion endogener Opioide, denn zu „sanften Mitteln“ gehören keine Schmerzmittel. Wer so begleitet wird, geht vielleicht lieber allein.
Im Bocholter Borkener Volksblatt schließt man mit den Worten:
„Erkältungskrankheiten und fiebrige Infekte, Magen-Darm-Infektionen, Bronchitis, Mittelohr- und Mandelentzündungen, Verletzungen: Alles das kann die Herberner Mütter jetzt nicht mehr schrecken. Sie haben die richtigen Mittel dagegen.“

Ähnliches dachte sich wohl auch ein studierter Mediziner nebst Frau, der sein eigenes Kind, in bester Absicht, ganz sanft zu Tode behandelte. Im Bericht des Standard spricht man davon, das Kind hätte einem Spezialisten vorgestellt werden müssen. So nennt man heute Menschen mit Verstand.

KategorienHomöopathie Tags:
  1. quantumzero
    26. Oktober 2011, 08:45 | #1

    Danke jetzt kenne ich auch die Herkunft dieses Artikels:

    http://www.nachrichten.at/ratgeber/gesundheit/art114,745413

    Das nennt sich dann noch dazu Ratgeberjournalismus, in einer meist seriösen Zeitung.
    Armes Oberösterreich, wird bald Unterösterreich genannt werden müssen.

    Die Vertreter der „sonstigen Heiler“ scheinen schon überall zu sitzen, Geld macht geil, das wird es sein.

  2. TJM
    26. Oktober 2011, 09:39 | #2

    Die „Studie“ wurde von der bösen Pharmalobby (hehe) in Auftrag gegeben – ich versteh aber nicht, wozu die das machen, immerhin spielen sie damit ja den Esoterikern in die Arme

  3. Searcher
    26. Oktober 2011, 10:03 | #3

    Ärgerlich finde ich die höchst suggestive Fragestellung der Karmasin-Umfrage:

    „Ist es für Sie prinzipiell vorstellbar, anstatt eines klassisch chemisch-synthetischen Arzneimittels auch ein komplementärmedizinisches Heilmittel mit geringeren Nebenwirkungen zu nehmen, auch wenn die Wirkung langsamer einsetzt.“

    http://wien.orf.at/news/stories/2506733/ Hier findet sich ein Link zur Umfrage.

  4. observer
    26. Oktober 2011, 10:17 | #4

    Ein zu Tode behandeltes Kind in Italien wie im Standard zu lesen ist und ein totes Kind in Osttirol

    http://kurier.at/nachrichten/4152171.php

    Homöopathie kann töten

  5. 26. Oktober 2011, 21:50 | #5

    @TJM

    Zahlende Kunden sind zahlende Kunden 🙂

  6. 26. Oktober 2011, 21:53 | #6

    @Searcher
    Man muss nur „langsam“ durch „nicht“ ersetzen, schon wäre die Frage ganz in Ordnung.

  7. excanwahn
    28. Oktober 2011, 08:30 | #7

    Ein wenig wundert man sich doch, wenn der dröge Westfale aus dem Hinterland des Ruhrpotts mal mystisch wird; war doch bisher die Migrationsbewegung eher Richtung Rheinland zu verzeichnen, wenn es Zeitgenossen darum ging, in einem Umfeld zu leben, wo „Meinung ohne Ahnung“ eine wesentliche, eigentlich die wichtigste Kommunikationsgrundlage darstellt.

    Andererseits: Schopenhauer hat meines Wissens die Coesfelder auch nicht ausdrücklich ausgeschlossen, als er verkündete:

    „Es giebt keine noch so absurde Meinung,
    die die Menschen nicht leicht zu der ihrigen machten,
    sobald man es dahin gebracht hat sie zu überreden,
    dass solche allgemein angenommen sei.“

    Weil man also – für die Annahme, dass großer Blödsinn im Grunde „State of the Art“ ist – für eine möglichst große Verbreitung der „absurden Meinung“ sorgen muss, findet man den Artikel über die Herbener MamaDocs nicht nur im Borken-Bocholter Volksblatt, sondern auch in den Westfälischen Nachrichten (WN) oder in der Münsterländer Volkszeitung und was sonst noch so an Lokalblättchen zwischen Runkelrübe und Futtermais der Aufklärung des Landvolks dient.

    Was GEO recht ist, kann der Lokalgazette nur billig sein.

    Nichtsdestotrotz: Wie geht man mit einem solchen Schmonzes um?

    Nun könnte man ja annehmen, dass der intellektuelle Abhärtungsprozess gegen die Verlautbarung angeblich publikumsgewünschten Schwachsinns, der von Medien jeglicher Couleurin einer konzertierten Aktion derzeit initiiert ist – auch bei noch so offensichtlichem Eso-Marketing – mittlerweile zur einer Gewöhnung durch Abstumpfung führt.
    Lesen, nur noch kurz würgen, dann weiter zu wirklich Bedeutsamem.

    Aber so ganz funktioniert die Immunsierung wohl doch nicht.
    Man bekommt diese penetranten Versuche, durch ständige Repetitionen des dämlichen Homöopathen-Geseisere schließlich doch die Scheiße zu vergolden, nicht aus dem Hirn.

    Möglicherweise ist es das Übermaß an Borniertheit, das hinter solchem Geschmiere steckt, möglicherweise auch die Empörung darüber, dass die Redaktionen mittlerweile nicht mehr zwischen gewerblichen Anzeigen und redaktionellen Texten unterscheiden können.

    Was also tun? Einen geharnischten Leserbrief schreiben?

    Dem verantwortlichen Redakteur empfehlen, er oder sie möge doch – nur einmal als Test – den schmerzenden Suffkopp nach dem nächsten Bokkelter Schützenfest sanft mit Homöopathie begleiten, anstatt, wie üblich, Alka Selzer und ein paar Aspirin einzuwerfen?

    Die MamaDocs darauf hinzuweisen, dass ein Kind einen Anspruch auf bestmögliche medizinische Versorgung hat, und dass unterlassene Hilfeleistung auch gegenüber dem eigenen Nachwuchs strafbar ist?

    Der Heulpraktikeuse aus Werne nahe zu legen, dass es nicht wirklich „eigenen Mut“ braucht, Homöopathie an Kindern auszuprobieren?

    Den Artikel archivieren, diesen in ein paar Jahren den möglicherweise traumatisierten Sprößlingen der Herbener MamaDocs mit freundlichen Grüßen zu übermitteln, und darauf zu hoffen, dass diese späte Rache für die quälenden Nächte nicht therapierter Mittelohrentzündungen üben, indem sie die schwierige Lebensphase der alterskonfundierten Multimorbidität ihrer Erzeugerin ebenfalls sanft homöopathisch begleiten?

    Es wird wohl nichts davon helfen.

    Eigentlich kann man nur noch darauf hoffen, dass klarsichtige Richter jeden Kindstod, der durch „alternative Heilverfahren“ bzw. durch Unterlassung einer adäquaten wissenschaftsmedizinischen Therapie provoziert wurde, als Mord auffassen und mit aller möglichen Härte ahnden, dass genauso klarsichtige Politiker endlich die Anwendung alternativheilerischer Therapien bei Kindern und Jugendlichen unter Strafe stellen.

    Den Herberner MamaDocs sei zu Schluß ins Poesiealbum geschrieben:

    Fievuntwintig Dummen, so dumm äs`n Ossen, maakt eene Dummdrieste rieke.

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