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Wie Ungleichheit der Gesellschaft schadet

Wie Hans Rosling in diversen Videos demonstriert hat, bedeutet ein höheres Bruttonationalprodukt im Endeffekt höhere Lebenserwartung. Der Effekt ist nicht unlogisch: Mehr Geld -> Besseres Gesundheitswesen.

Das gilt allerdings nur für die Differenz bzw. den Übergang von armen Ländern zu reichen Ländern, ab einer gewissen Grenze gibt es diese Korrelation nicht mehr. Vergleicht man zwei reiche Länder mit ähnlichem Bruttonationaleinkommen (pro Person gerechnet), so finden sich signifikante Unterschiede. Zum Beispiel ist die Lebenserwartung in den USA mit 78,1 Jahren weit niedriger als in Norwegen mit 80,8 Jahren. Reichtum/Einkommen spielt scheinbar keine Rolle mehr.

Der englische Professor Richard Wilkinson hat die Thematik untersucht und herausgefunden, dass es ein klares Muster gibt: Die Arm-Reich-Schere innerhalb der Gesellschaft. Je kleiner die Differenz zwischen den unteren 20% und den oberen 20% in einem Land ist, desto besser geht es der Gesellschaft als Ganzes. Das betrifft nicht nur die Lebenserwartung, sondern ein breites Spektrum an Bereichen wie Analphabetismus, Verbrechensraten, Drogensucht (auch Alkoholismus), …

Überraschend ist vielleicht, dass es auch den oberen 20% in diesen Ländern etwas besser geht. Im Endeffekt profitieren also alle, arm wie reich, von einer möglichst gleichmäßig wohlhabenden Gesellschaft.

Auf seiner Website, Equality Trust, findet man die Daten und Analysen, die diese Aussage stützen.

Hier ein interessanter Vortrag von Professor Richard Wilkinson bei TED in dem er den Effekt detaillierter als wir erklärt, ein Plädoyer an die Politik, die Menschen näher zusammenrücken zu lassen:

(Untertitel sind auf TED in 33 Sprachen, auch Deutsch, verfügbar)

  1. Wolfgang
    26. Januar 2012, 14:53 | #1

    Als Drogensucht Alkohol aufzuführen ohne Tabak aufzuführen ist abwegig. Tabakkonsum liegt in den Todesursachen weit vor Alkohol (Nr. 2 der Todesursachen, WHO, 2009) und korreliert ebenfalls mit der Bildungsschicht: http://goo.gl/ftdg7

  2. Wolfgang
    26. Januar 2012, 14:54 | #2

    Äh und dem Einkommen natürlich genauso…

  3. Mr. Bojangles
    26. Januar 2012, 16:16 | #3

    Alkohol war einfach auf dem entsprechenden Slide explizit aufgeführt, daher wird es im Text erwähnt. Tabak ist mir auf der HP des Equality Trust nicht aufgefallen, ich weiß nicht, ob die Korrelation von Wilkinson untersucht wurde.

  4. Martin
    26. Januar 2012, 19:50 | #4

    Das sehe ich extrem skeptisch. Es gibt eine recht gute >100 Seiten lange Kritik von Wilkinsons Buch und Studien, die doch schwere Mängel aufzeigt. Muß mal suchen, wo ich die herhatte. Er vergißt z.B. bei Sachen wie Gewaltverbrechen einfach mal das komplett andere Waffenrecht und vor allem die Anzahl der im Umlauf befindlichen Schußwaffen im Vergleich zwischen Skandinavien und den USA.
    Nach dem, was ich bisher über Buch und Studie weiß, halte ich das im Wesentlichen für ideologisch motiviertes „Statistiken streicheln“ bis sie passen.

  5. Martin
    26. Januar 2012, 20:24 | #5

    Ah, ich hab’s wieder. Wer sich für die substantielle und massive Kritik an Wilkinsons und Picketts Thesen interessiert:

    ein PDF: http://www.policyexchange.org.uk/images/publications/pdfs/Beware_False_Prophets_Jul_10.pdf

    und etliche gute Kommentare und Kritiken, die in der Summe recht gut aufzeigen, wie selektiv , m.E. ideologisch motiviert, da interpretiert wird…

    http://spiritleveldelusion.blogspot.com/

  6. Mr. Bojangles
    26. Januar 2012, 20:47 | #6

    Vielen Dank für die Links auf die Kritik!

  7. Jörg L.
    27. Januar 2012, 00:10 | #7

    Die o.a. Kritik zu Wilkinson/Pickett stammt allerdings auch nicht gerade von neutraler Seite. Policy exchange ist ein sehr konservativer britischer Think Tank, der seine Mission folgendermaßen beschreibt: »to develop and promote new policy ideas which will foster a free society based on strong communities, personal freedom, limited government, national self-confidence and an enterprise culture«

    Enterprise culture und limited government sind nicht gerade besonders kompatibel mit flachen Einkommen…

  8. KalleMarx
    27. Januar 2012, 10:13 | #8

    Also um herauszufinden, daß es einer Gesellschaft in Gänze besser geht wo die Schere zwischen arm und reich nicht immer weiter auseinanderklafft, brauche ich keine bunten Charts. Da reicht meiner Meinung nach ein bischen gesunder Menschenverstand aus. Wer das anders sieht, sollte doch mal einen längeren Urlaub in Ländern wie Brasilien, Indien, Russland oder auch in eingen Gebieten der Staaten machen.
    Danach kommt einem unser soziales Netz hier in Deutschland so richtig kuschlig vor 😉

  9. Martin
    27. Januar 2012, 10:58 | #9

    @Jörg L.
    Nun und? Die Kritik ist aber jedenfalls sehr klar dargelegt und m.E. auch gut nachvollziehbar.

  10. Martin
    27. Januar 2012, 11:03 | #10

    Danach kommt einem unser soziales Netz hier in Deutschland so richtig kuschlig vor

    Ist es ja auch. Eines der Grundprobleme. Der „gesunde Menschenverstand“ ist halt leicht in die Irre zu führen und vergißt halt gerne, das es z.B. der chinesischen, brasilianischen und indischen Gesellschaft insgesamt grade deshalb besser geht, als früher, weil mehr Initiative zugelassen wird.
    Und das es grade den Gesellschaften, mit der gleichigsten Gleichigkeit in Gänze am Schlechtesten geht.

  11. KalleAverell
    27. Januar 2012, 11:38 | #11

    @Martin
    Sind das jetzt die Erfahrungen aus Deinem Au Pair-Jahr in einer Favela Rios und Deiner Zeit als chinesischer Wanderarbeiter, die Dich zu solchen Aussagen verleiten?

  12. Martin
    27. Januar 2012, 12:32 | #12

    @KalleAverell
    Wie schade, das es hier keinen Violine spielenden Smiley gibt…

    Ganz einfache Frage: Reden wir über „der Gesellschaft im Ganzen geht es besser“ oder reden wir über „es gibt immer noch Leute, denen es nicht besser geht als vorher“ ?
    Oder um das für Dich deutlicher zu machen: Es gibt weniger Leute, denen es schlechter geht als vorher und wesentlich mehr, denen des deutlich besser geht, als vorher.
    Einfach, gell?

  13. Ernst
    27. Januar 2012, 16:20 | #13

    Schön, daß es heir mal wieder einen Beitrag der Rubrik „gesellschaftswissenschaftliche Esoterik“ gibt.

    Das Thema der gesellschaftsschädigenden Ungleichheit wird schon länger diskutiert. Besonders geliebt wird es von Sozialdemokraten mit Hang zum Paternalismus.
    Wie Martin schon sehr richtig schrieb, gibt es keine belastbaren Hinweise, daß es so sei, wie der Professor vorträgt. Aus eigener Ansicht weiß ich, daß es noch nicht mal belastbare Beweise gibt, daß die Schere von „Arm“ und „Reich“ immer weiter auseinander geht.
    Aber es ist eine Idee, in die sich viele nur zu gern verlieben wollen. Wird doch auch hier in der BRD mehr und mehr die Ergebnisgleichheit anstatt der Chancengleichheit propagiert. Ich denke da nur an die großen Zeitungsartikel zum Thema von Frau Göring-Eckhardt oder an die begeisterten Berichte über Buthan, welches ein Bruttoglücksprodukt als volkswirtschaftliche Kennzahl eingeführt hat.

    Es wird gern vergessen, daß es erstmal eine „Grundwohlhabenheit“ geben muß, bis es zu den vom Professor beobachteten Effekten kommen kann. Wen es interessiert, wie Schweden zu solchem Wohlstand kam, daß es sich eine derartig egalitäre Gesellschaft leisten kann, dem sei ein Blick in das Buch von Björn Lomborg empfohlen. In Deutschland heißt es „Das Kapitalistische Manifest“. Und, ja, Schweden konnte vom Hungerstaat vor hundert Jahren zum heutigen Wohlstand nur über die Stufe des Kapitalismus gelangen. Desselben Kapitalismus, wie in den USA oder dem deutschen Kaiserreich. Überall setzte man auf Chancengleichheit. Das beinhaltete all die Werkzeuge, die heute „good governance“ genannt werden. (Recht auf Privateigentum; Gleichheit vor dem Gesetz für alle, auch für den Staat; Anti-Monopol-Gesetze; etc. pp.)

  14. Mephisto
    27. Januar 2012, 16:47 | #14

    …Schweden konnte vom Hungerstaat vor hundert Jahren zum heutigen Wohlstand nur über die Stufe des Kapitalismus gelangen.

    Ah ja. Woher sollten wir das wissen können?

  15. Ernst
    27. Januar 2012, 18:52 | #15

    Danke für Deine Zwischenfrage, Nephisto. Da ist mir doch gleich ein Fehler aufgefallen.
    Mein Fehler: „Das Kapitalistische Manifest“ ist von Johan N o r b e r g (! ) im Jahr 2003 geschrieben worden. Unter anderem dort kann man das lernen. Ansonsten ist es kein Geheimnis, wie es un die letzte Jahrhundertwende um Schweden stand. Einige Romane von Weltrang schöpften daraus ihre Geschichten. Stellvertretend sei hier „Pelle, der Eroberer“ genannt.
    Wer es genauer wissen möchte, sollte sich einfach die einschlägigen Geschichtsbücher vornehmen. Am besten welche mit wirtschaftsgeschichtlichem Einschlag.

    Und der Herr Professor Wilkinson scheint einfach zu viel „ceteris paribus“ betrieben zu haben, um zu seinen Ergebnissen zu kommen.

  16. Gonzo
    27. Januar 2012, 20:21 | #16

    Und was gibt es für Mittel oder neue Denkansätze, die Schere zwischen arm und reich nicht zu weit auseinandergehen zu lassen?

  17. Gonzo
    27. Januar 2012, 20:30 | #17

    http://www.youtube.com/watch?v=FsKNVhYS7oY

    Den Geruch vergisst du so schnell nicht!

  18. Ernst
    27. Januar 2012, 23:33 | #18

    @Gonzo

    Es ist noch nicht erwiesen, daß die Schere von Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Es ist aus meiner Sicht noch nicht mal erwiesen, daß es so eine Schere überhaupt gibt. Diese Schere bezöge sich ohnehin nur auf Arme und Reiche einer Gesellschaft, einer Volkswirtschaft. (Der Sonderfall EU sei jetzt mal außer acht gelassen)
    Deshalb kannst Du das Bombay Slum nicht mit uns vergleichen, sondern immer nur mit anderen Gruppen innerhalb der indischen Gesellschaft.
    Die SlumBewohner in Mumbay sind arm. Aber in welchem Koordinatensystem sind sie arm? Warum wohnen sie im Slum und nicht weiterhin in ihren Dörfern? Weil die Landbevölkerung noch ärmer ist?
    Die Definition von Armut ist schwierig. Schon die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Armut führt ganz gern zu Streit, weil sie sehr oft interessengeleitet ist. Wenn Diakonie und Caritas immer in der Vorweihnachtszeit den deutschen Armen thematisieren (oder die afrikanische Armen in Bezug zu unserem Wohlstand setzen), umgehen sie jedesmal die Frage, ob ein deutscher Armer genauso arm ist wie ein indischer Armer im Mumbay Slum.
    Was ist Armut? und Wo gilt diese Armutsdefinition? Das sind Kernfragen. Deren Beantwortung wird von der Helferindustrie nicht gern gesehen. Es geht dabei immerhin um deren Geschäftsmodell. Nicht das die Hilfsvereine Betrüger wären, nein! Aber mit einem unscharfen Armutsbegriff lässt sich nun mal mehr Spendenaufkommen generieren.

    Ich bin nicht der einzige, der nicht davon ausgeht, daß eine Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Ich gehöre zu den Leuten, die der Meinung sind, daß der Wohlstand von oben durchsickert. Es gibt Arm und Reich, aber wenn der Wohlstand wächst haben alle etwas davon. Ganz vereinfacht: Wenn sich die Reichen Kutschen leisten können, bezahlen sie auch einen Kutscher, der wiederum mit diesem Einkommen schöne Dinge machen kann-z.B. die Dienstleistung eines Lehrers für seine Kinder kaufen.

    Die Mittel und Denkansätze, um den Wohlstand für alle Mitglieder einer Gesellschaft anzuheben oder zu sichern sind alle schon etwas älter. Der Kommunismus hat nun auch schon 150 Jahre auf dem Buckel. Und der liberale Kapitalismus ist nur ein bischen älter.
    Wann gab es die erste Demokratie? Vor 2500 Jahren?

    htp://www.johannorberg.net/?page=indefense

  19. aufklaerer
    28. Januar 2012, 00:18 | #19

    Hallo zusammen, ich dachte immer, dass Anti-Esoteriker zumindest ein gemeinsames Merkmal haben – nämlich die Fähigkeit zur kritischen Reflexion. Dass hier Überzeugungen der (esoterischen?) Ideologie des Libertarismus unreflektiert übernommen wird, wundert mich schon.

    Der Vollständigkeit halber sollte zumindest auf die Repliken von Wilkinson/Pickett auf die – aus wissenschaftlicher Sicht eher unausgegorenen Argumente von Saunders und Snowden hingewiesen werden:

    http://www.equalitytrust.org.uk/docs/response-to-snowdon.pdf

    http://www.equalitytrust.org.uk/docs/response-to-policy-exchange.pdf

    Für diejenigen, die sich nochmal mit methodischen Grundlagen beschäftigen wollen, sei folgender Beitrag empfohlen: http://www.equalitytrust.org.uk/docs/hughnobletslrevisited.pdf

    Viel Spaß beim Reflektieren!

  20. Kaverell
    28. Januar 2012, 00:51 | #20

    Ernst :
    @Gonzo
    Es ist noch nicht erwiesen, daß die Schere von Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Es ist aus meiner Sicht noch nicht mal erwiesen, daß es so eine Schere überhaupt gibt. Diese Schere bezüge sich ohnehin nur auf Arme und Reiche einer Gesellschaft, einer Volkswirtschaft. (Der Sonderfall EU sei jetzt mal außer acht gelassen)

    Wie würdest Du denn die Distanz zwischen der Reinemachfrau auf dem Bahnhofsklo und dem McKinsey Practise Leader irgendwas bezeichnen?
    Ich will keine blöde Neiddebatte anstoßen aber Deine Sonnenscheinthesen sind meines Erachtens doch reichlich realitätsfern.
    Ich beobachte in meinem Umfeld eher eine zunnehmende Abgreifmentalität ohne jegliche soziale Verantwortung. Da werden vereinbarte Zielprämien ans Management ausgezahlt obwohl der Bereich nur minus macht. Da werden 10 Indianer rausgeschmissen aber kein Häuptling der soviel wie 20 Indianer kostet usw. usf. ich könnte die Auflistung beliebig fortführen…
    Keine Frage, wir jammern hier in Deutschland auf extrem hohem Niveau aber auch hierzulande läßt sich meiner Meinung nach eine gewisse „Brasilianisierung“ nicht von der Hand weisen.
    Ich kenne jetzt Deinen Background nicht Ernst aber ich empfehle Dir doch mal öfter dahin zu gehen wo’s weh tut. Das Sozialamt in den sog. Brennpunkten wäre vielleicht ein Anfang.

  21. Kaverell
    28. Januar 2012, 00:53 | #21

    @the Admins: der Blog kommt anscheinend nicht mit Umlauten klar. Checkt bitte mal Eure Zeichensätze. 🙂

  22. Gonzo
    28. Januar 2012, 02:52 | #22

    @Ernst

    Warum sollte ich nicht Bombay- Slum Armut mit westlichem Reichtum oder indischem Reichtum vergleichen können?

    Ich muss sie sogar in Zeiten von Globalisierung und weltweit grenzübergreifenden Handel zukünftig noch mehr berücksichtigen!

    Alles andere empfinde ich als zynisch und ich wage mich sogar eine Prognose für die nächsten 30- 50 Jahre abzugeben: die Occupied- Bewegung ist lediglich ein Anfang gewesen und wird sich weltweit fortsetzen, solange skrupellose Gewinnmaximierer sich auf Kosten anderer bereichern. Es wird und ist bereits vielen Menschen auch ohne ein Studium der Wirtschaftswissenschaften klar, wo der Unterschied zwischen Raubtierkapitalismus und einem „reload- Kaptalismus“ liegt und welches jeweilige Bewusstsein dahinter steht.

    Wer sich mit Alternativen beschäftigen möchte ( erste kleine aber bemerkenswerte Ansätze), dem hab ich hier einmal einige links reingestellt. Es reicht nicht mehr aus, Ludwig Erhardtund alles wird gut herunterzubeten!

    Viel Spaß beim Schauen und Lesen!

    http://www.redneragentur.de/index.asp?start=rednerdetail&wahl=517CA41&lang=de

    http://www.amazon.de/Kapitalismus-reloaded-Debakel-steuern-m%C3%BCssen/dp/3899812026

    http://www.youtube.com/watch?v=3MPRlwcBG3s&feature=related

  23. Mephisto
    28. Januar 2012, 12:29 | #23

    Ernst:
    …Schweden konnte vom Hungerstaat vor hundert Jahren zum heutigen Wohlstand nur über die Stufe des Kapitalismus gelangen.

    Ah ja. Woher sollten wir das wissen können?

    Ernst:
    …Unter anderem dort kann man das lernen. Ansonsten ist es kein Geheimnis, wie es un die letzte Jahrhundertwende um Schweden stand.

    Du hast offenbar meine Frage falsch verstanden.
    Ich meinte: Woher können wir wissen, dass Schweden zum heutigen Wohlstand nur über die Sufe des Kapitalismus gelangen konnte? Woher sollen wir wissen, dass ein anderes Gesellschaftssystem das nicht auch hätte leisten können?

  24. NuEM
    29. Januar 2012, 15:56 | #24

    Interessantes und schwieriges Thema. Da sich im Bereich der Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften offensichtlich alle Teilnehmer ständig auf dünnem Eis bewegen, bitte ich um eine sachliche Diskussion ohne gleich die Esoterikkeule auszupacken.

  25. Mentha Trecenta
    29. Januar 2012, 22:37 | #25

    das riecht nach enteignung

  26. KOL
    30. Januar 2012, 03:51 | #26

    Sorry Esowatch, aber das war schwach.

    – Zum Beispiel ist die Lebenserwartung in den USA mit 78,1 Jahren weit niedriger als in Norwegen mit 80,8 Jahren.-

    2, 7 Jahre im Durchschnitt sind weit niedriger? Und die Einkommensschere die einzig nennenswerte Kausalität?

  27. Mr. Bojangles
    30. Januar 2012, 10:30 | #27

    Ja, 2,7 Jahre sind weit weniger.

    Die Einkommensschere ist eine Korrelation. Wenn eine Korrelation besteht, gibt es meist eine zugrundeliegende Kausalität (Man kann natürlich beliebig viele Beispiele anführen bei denen das nicht gilt). d.h. einen Zusammenhang zwischen den korrelierenden Daten.

    Die Daten von Wilkinson zeigen auf, dass es diese Korrelation gibt. Die Frage, die man sich stellen muss ist: Ist die Einkommensschere ein weiterer Effekt der Kausalität oder ein zugrundeliegender Effekt? Und ist der Mann arm, weil er krank ist oder krank, weil er arm ist?

  28. Melhut
    30. Januar 2012, 18:06 | #28

    @Ernst
    Ich habe keine Ahnung, mit welchen sprachlichen Tricks du die „Arm-Reich-Schere“ leugnen willst. Nehmen wir áber dem allgemeinen Verständnis zuliebe einen anderen Namen: Vermögensverteilung!

    Zur Vermögensverteilung bzw. Vermögenskonzentration gibt es wunderbar viele Daten. Paul Krugman hat schon einige fundierte Einträge zur US-Verteilungswirklichkeit in seinem NY-Times-Blog verfasst.
    Die österreichische Vermögensverteilung kannst du z.B. in einer aktuellen AK-Studie nachlesen. Natürlich ist die Situation in Ö lange nicht so schlimm wie in USA. Trotzdem: in Ö verfügen mittlerweile 40% der Haushalte über keinerlei Vermögen. Die reichsten 10% der Haushalte verfügen hingegen über 62% des Gesamtvermögens. Und davon wiederum die Top1% über den größten Brocken.

    Diese Entwicklung nimt stetig zu. Wir sprechen also zurecht von der „Schere zwischen Arm und Reich“ die immer weiter aufgeht. Diese Entwicklung zu verleugnen bringt uns nicht weiter.

  29. excanwahn
    31. Januar 2012, 08:27 | #29

    Plakative Plaedoyers für eine „gerechte“ Vermoegensverteilung. Vielleicht sollten wir mal wieder darueber nachdenken, was der Begriff „sozial“ im Zusammenhang mit „Marktwirtschaft“ tatsaechlich bedeutet:

    http://www.youtube.com/watch?v=sOgQbx9Ry9s

    http://www.youtube.com/watch?v=jJaaZDPe738

    http://www.youtube.com/watch?v=qz2Xt3NAPQU

    Und was fuer unsere Gesellschaft ein besonderes „Armutszeugnis“ ist:

    http://www.rki.de/cln_116/nn_199850/DE/Content/GBE/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/armut,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/armut.pdf

  30. Ernst
    31. Januar 2012, 23:33 | #30

    Ich versuch mal, entgegen der Chronologie zu antworten.

    @excanwahn
    In dem pdf gibt es viele gute Armutsdefinitionen. Leider habe ich nirgends gefunden, auf welche sich die Berichterstatter festlegen. Geschickt wird im entsprechenden Kapitel auf das Armutsrisiko abgelenkt und ansonsten mit irgendwelchen Armutsdefinitionen ad libitum jongliert. Eine Festlegung auf eine Armutsdefinition wird vermieden. Das ist leider kein Einzelfall, aber auch kein Wunder angesichts der ausufernden Helferindustrie in Deutschland, die ihre Partikularinteresse hat. Siehe auch: htp://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,761070,00.html
    Und Lothar Dombrowskis politische Einstellung ist ja auch klar. Das ist gut zu wissen, um seine Litanei richtig einzuordnen. 🙂

    @Melhut
    Vermögens- und Einkommensverteilung finde ich in der Tat das bessere Wort. Vielleicht habe ich mich diesbezüglich vergaloppiert, aber die „Schere“ stört mich einfach. Du hast leider vergessen zu erwähnen, ob Du die von Dir beschriebenen Fakten gut oder schlecht findest. Und wenn ja, warum.

    @Mephisto
    Wir können das mit Schweden wissen. Es gab einen Staat, welcher den Weg vom Feudalismus über die Stufe des Sozialismus genommen hat, um mindestens so wohlhabend zu werden wie Schweden. Der Staat hieß UdSSR. Wohlstandstechnisch hat`s nicht funktioniert. Die DDR hatte spätestens seit dem 13.August 1961 die einmalige Gelegenheit „das erste Arbeiter- und Bauernparadies auf deutschem Boden“ zu errichten. Wohlstandstechnisch hat es nicht funktioniert. Es lag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Wirtschaftssystem. Mit der Gleichheit war es etwas anders. Die herrschende Schicht war gering. Alle anderen waren gleich im Elend (sprich: im fehlenden Wohlstand). Im übrigen gibt es so viele Wege zum Sozialismus wie es Wege in die Hölle gibt. Such Dir einen aus. Ich rate allerdings dringend davon ab. (Und der vielbeschworene „dritte Weg“ ist ein Verwandter des Wolpertingers.)

    @Gonzo
    Der Vergleich von indischer Slum-Armut mit unserem Leben hier in der BRD steht dir frei. Aber Prof.Wilkinson untersucht erst die Gleichheit innerhalb einer Gesellschaft und vergleicht dann die Gesellschaften miteinander. Du müsstest also Indien und Deutschland vergleichen.
    Es steht dir frei, dich für alles Elend dieser Welt verantwortlich zu fühlen. (Wann ruft eigentlich mal einer von euch zum Boykott von APPLE auf. Was die da bei foxcon zulassen, geht ja gar nicht 🙂 ) Ich lehne es ab, mir von paritätischen Wohlfahrtsverbänden ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, nur weil ich hier ein Vollbad nehme und angeblich gleichzeitig in Afrika fünf Leute verdursten.
    Definiere bitte Raubtierkapitalismus und „reload-Kapitalismus“ Ist ein Gewinnmaximierer besser, wenn er skrupulös handelt?

    @Kaverell
    Diese Distanz würde ich als „Zugehörigkeit zu verschiedenen Bevölkerungsschichten“ bezeichnen. Auch wenn ich bisher noch nicht von dieser Berufsbezeichnung gehört habe, stellt sich die Frage, wie repräsentativ ein Unternehmensberater in einer Gesellschaft ist. Bei Reinemachfrauen gehe ich von einer höheren Repräsentanz (Repräsentativität?) aus.
    Abgreifmentalität, ja und? So sind wir Menschen eben. Wir alle wollen ein gutes Leben. (Notiz an mich: Definiere gutes Leben) „Abgreifmentalität“ ob mit oder ohne jegliche soziale Verantwortung ist doch genau so ein Buzzword wie Bankerboni. Durch eine Emotionalisierung soll ein klares Denken vermieden werden. Was soll eine „Brasilianisierung“ sein? Kennst Du die Verträge des Management? Bei zuviel Einzelfallbetrachtung besteht die Gefahr, daß der Überblick verloren geht. Ich habe mitnichten Sonnenscheinthesen. Ich habe mir eine Meinung erarbeitet. Und ich sehe die Sachen einfach emotionsloser als viele. Das gute alte „qui bono“ hilft sehr.

    Wir müssen uns klarwerden, was wir in unserer Gesellschaft wollen: Chancengleichheit(tendenziell Kapitalismus) oder Ergebnisgleichheit (tendenziell Sozialismus).

  31. kopfkratz
    19. September 2012, 18:27 | #31

    Hier eine Arbeit zu Deutschland mit dem Titel: „Menschen mit hohen Einkommen leben länger“
    http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.408359.de/12-38.pdf

    Und dieses Interview in der Süddeutsche finde ich auch interessant:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/politologe-klaus-schroeder-zum-reichtumsbericht-wirklich-reich-sind-nur-die-oberen-prozent-1.1471888

  1. 29. Januar 2012, 13:04 | #1

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