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Irrsinn & Doppeldenk in der Pharmazie – eine Blogempfehlung

Die Pharmaziestudentin Claudia Graneis berichtet in ihrem Blog NOW/HERE von der Teilausbildung in und Anwendung von feinstem Humbug.

Das Ganze erinnert uns an eine schon in die Jahre gekommene – aber anscheinend doch recht aktuelle – Dystopie.

In dieser wurde, wie im heutigen Medizin- und Pharmaziestudium, das so genannte „Doppeldenk“ staatlich verordnet und konsequent angewendet.

Dabei fragen wir uns, warum das Standardprogramm von den staatlichen Stellen nicht für ausreichend gehalten wird, wozu braucht es da dann noch Intervention?

Wir können nur empfehlen, den Artikel zu lesen, denn hier wird der Versuch unternommen Antworten zu diesem Thema zu finden.

Homöopathie in der Pharmazie – eine Bestandsaufnahme

Für Diskussionen und Kommentare kann man den Scienceblog blooDNAcid besuchen, in dem der Beitrag als Gastblog erschienen ist:

Homöopathie in der Pharmazie – eine Bestandsaufnahme; Teil 1

  1. MagicGuitar
    9. Oktober 2012, 22:21 | #1

    Die Menschen in Deutschland gehören zu den abgerläubischsten Europas. Und die Ärzte in Deutschland verkommen immer mehr zu Geschäftemachern. Angebot und Nachfrage! Der Deutsche will Homöopathika? Warum sollte ich als Arzt nun Stunden damit verschwenden meinem Patienten zu sagen, dass das völlig wirkungslos ist und Geldverschwendung? Da geht der einfach zu einem anderen Arzt oder schlimmer zu einem Heilpraktiker. Da geb ich ihm doch lieber was er will zusammen mit einem wirksamen Medikament und gut ist.
    Erschreckender find ich eigentlich, mit was für einer Scheiße in Apotheken geworben wird! Die müsste doch noch viel besser wissen, dass es wirkungslos ist. Aber da wird kräftig mit Bachblüten, Schüsslersalzen und Vitamin C Präperaten und natürlich Homöopathika geworben. Die Menschen denken doch: Was in der Apotheke verkauft wird ist gut und wirksam. Da kann mir der Arzt doch nicht das Gegenteil erzählen.

  2. Gerry
    10. Oktober 2012, 09:18 | #2

    @MagicGuitar

    In anderen Branchen ist es auch so dass der Kunden den größten Blödsinn wider aller Fachkenntnis bekommt wenn er es denn fordert. Von daher mache ich den Ärzten keinen Vorwurf die das auf ausdrückliche Nachfrage machen und nicht auf wirksame Behandlung verzichten.

    Schwere Vorwürfe mache ich den Ärzten, die das von sich aus bewerben und vorschlagen.

    Dumm ist es halt wenn man – wie bei uns in der Gegend – nur noch Ärzte hat die solchen Schwachsinn aggressiv bewerben.

    Durfte letzends Schwiegermamma zum Arzt begleiten (Nach der Behandlung war Autofahren nicht mehr angesagt und ich war der einzige der grade Zeit hatte). Was auf dem TV im Wartezimmer an Schwachsinn lief, hätte für einige Artikel Psiram-Wiki gereicht (sofern es die nicht schon gibt) gereicht.

  3. 10. Oktober 2012, 09:20 | #3

    MagicGuitar :

    Erschreckender find ich eigentlich, mit was für einer Scheiße in Apotheken geworben wird! Die müsste doch noch viel besser wissen, dass es wirkungslos ist. Aber da wird kräftig mit Bachblüten, Schüsslersalzen und Vitamin C Präperaten und natürlich Homöopathika geworben. Die Menschen denken doch: Was in der Apotheke verkauft wird ist gut und wirksam. Da kann mir der Arzt doch nicht das Gegenteil erzählen.

    Und in anderen Apotheken läuft´s genau andersrum, weil die Ärzte Quack (Meditonsin, Vertigoheel usw.) verordnen.

    Als Apotheker steht man genauso auf verlorenem Posten, wenn man versucht, die Unwirksamkeit zu erklären.
    Spielverderber und Besserwisser, als solche steht man dann da, sind unbeliebt.

  4. Florian
    10. Oktober 2012, 11:04 | #4

    Vor kurzem bekam ich in der Apotheke ein Verkaufsgespräch mit. Mutter, will ein Nasenspray gegen Schnupfen von Kleinkind.
    Apothekerin: „Da brauchen sie aber auch noch etwas gegen die Erkältung selber und gegen die Entzündungen in den Nasenhöhlen.“
    Dann gibt sie ihr ein homöopathisches Mittel mit. 20 Euro.

  5. Ratiomania
    10. Oktober 2012, 15:14 | #5

    Florian :
    Vor kurzem bekam ich in der Apotheke ein Verkaufsgespräch mit. Mutter, will ein Nasenspray gegen Schnupfen von Kleinkind.
    Apothekerin: “Da brauchen sie aber auch noch etwas gegen die Erkältung selber und gegen die Entzündungen in den Nasenhöhlen.”
    Dann gibt sie ihr ein homöopathisches Mittel mit. 20 Euro.

    Ist sowas rechtlich einwandfrei?!

    Ich meine ein Apotheker darf doch auch kein Blei D0 gegen akute Schwerkraftentzündung verschreiben, einfach ma so.

  6. 10. Oktober 2012, 17:30 | #6

    Eine Apothekerin darf gar nix „verschreiben“, sie darf nur „abgeben“, nachdem sie etwas empfohlen hat.

    Vielleicht war es ja auch ein pflanzliches Arzneimittel?
    Kennst Du Dich so gut in der Materie aus, Florian?

  7. Egal
    10. Oktober 2012, 17:39 | #7

    Danke für die gute Empfehlung. Es ist auch interessant wie sehr die ach so alternativen Kleinstfirmen, die Homöopathie & Co vertreiben über ihren Außendienst auf Apotheken einwirken. Und jene, die die Hohheit haben lassen es zu, wegen der Asche. Schuld ist die böse Pharmalobby und -industrie, wo das abgeguckt wurde!

  8. 10. Oktober 2012, 20:09 | #8

    Das Mittel, um das es sich bei Florian drehte, war vermutlich Sinupret (?). Ein pflanzliches Arzneimittel, bei welchem davon auszugehen ist, daß es nichts nützt. Das wüßte die Apothekerin, wenn sie ab und zu mal Studien (oder einfach nur das Arzneitelegramm!) lesen würde. Machen die meisten aber nicht und die Leute zahlen dann Unsummen für Wirkungsloses. Ist das Gleiche mit diesen ganzen Immunpräparaten…

    Es ist schon zum Heulen.

  9. bayle
    10. Oktober 2012, 21:43 | #9

    @Claudia
    Na, nicht gleich heulen. Das war immer so. Heute gibt es wenigstens ein paar, die wissen, dass es viel Unsinn gibt. In vielen Fällen sind die Homöopathika wenigstens nicht gefährlich.

  10. 10. Oktober 2012, 22:06 | #10

    Das Verschleppen von Krankheiten ist eben doch gefährlich. Und das Schlimme ist ja, daß viele _trotz_ der eindeutig naturwissenschaftlichen Züge ihrer Ausbildung jegliches vernünftige Bewertungssystem verwerfen und willkürlich beraten. Klar gibt es viele Ausnahmen, aber die hohe Anzahl an der Quacksalberei zugeneigten Pharmazeuten betrachte ich durchaus mit Besorgnis.

    http://whatstheharm.net/homeopathy.html

  11. bayle
    10. Oktober 2012, 22:22 | #11

    In Deutschland zumindest scheint es mir aber doch so zu sein, dass man mit ernsthaften Beschwerden / Erkrankungen auf die Medizin baut und die Globuli vielleicht zusätzlich nimmt. Und nochmal: wenn man sich beispielsweise die Umsätze der großen Firmen mit Homöopathie ansieht, die steigen nicht wirklich. Ich glaube nicht daran, dass es langfristig wirklich eine Zunahme gibt, auch wenn sie gern, aus den unterschiedlichsten Gründen, herbeigeredet wird. Klare Worte sind nötig, auf jeden Fall, aber keine Verzweiflung.

  12. Florian
    11. Oktober 2012, 08:50 | #12

    Laut Apothekerin war es ein „homöopathisches Mittel“, da „das bei kleinen Kindern ja immer nicht so einfach ist“.
    Ob es sich tatsächlich um eben jenes handelte oder doch, wieder besseren Wissens der Apothekerin, um ein pflanzliches Mittel, kann ich nicht sagen. So nah war ich dann doch nicht dran und es wurden keine Namen genannt.

  13. Florian
    11. Oktober 2012, 12:50 | #13

    Jetzt erinnere ich mich noch an etwas anderes.
    Sie sagte noch das wäre „eigentlich nur Zucker“ und man könne es auch einfach unters Essen mischen.
    Als ich an der Reihe war (bei einer anderen Alchemistin) stand mir immer noch der Mund offen.

  14. Ratiomania
    11. Oktober 2012, 21:41 | #14

    Nö, nö, nö.

    Wie mies war denn deine Ausbildung?!

    Seit Jahren gilt doch die „Frankschen Gesetze der Pharmazie“:


    1. Apotheker sind Kaufleute und somit ihrem Gewinn und nicht dem Geldbeutel oder der Gesundheit der Kunden verpflichtet.

    2. Wenn der Kunde Scheiße will, bekommt er Scheiße.

    Siehe:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9202478.html

  15. Xaor
    12. Oktober 2012, 10:19 | #15

    Zum Thema Krankheiten verschleppen:

    Homöopathie User sind ja manchmal doch ganz vernünftig, klar sie kaufen ihre Zuckerkugeln, aber legen sich bei einer Erkältung dann auch mit Tee und Schal ins Bett.

    Und dann gibt es die Menschen die ihrem Körper keine Ruhephase gönnen, da sie ja Grippostad usw. haben.

    Volkswirtschaftlicher Schaden ist bei Gruppe 2 durchaus höher.
    Die Gefahr, dass Homöopathie User dann bei ernsthaften Erkrankungen keine richtigen Medikamente verwenden sehe ich auch.
    Dort muss man dann gegen steuern.

  16. Mephisto
    12. Oktober 2012, 13:59 | #16

    @Xaor

    Was willst Du uns damit sagen? Um einen volkswirtschaftlichen Schaden überhaupt beurteilen zu können muss man auch die Größe der verglichenen Gruppen kennen und es gibt auch Homöopathie-User die ihrem Körper keine Ruhephase gönnen, genau so wie es auch „Grippostad“-Anwender gibt, die es tun. Was ist mit denen?
    In dieser Form ist das ein klassisches Pseudo-Argument, wie es – ungeachtet seiner Fehlerhaftigkeit – von Homöopathie-Befürwortern immer wieder gern herangezogen wird.

  17. Stöber
    12. Oktober 2012, 14:40 | #17

    Hehe, diese Frankschen Gesetze sind genial!

    Man kann wirklich nur sagen: Selber Schuld.
    Wer auf der einen Seite ein Homöopathisches Arzneibuch als verbindliches Werk herausbringt und auf der anderen Seite auch dem trotzigen Naturwissenschaftler via Kaufmannsdasein das Messer an die Kehle setzt, der kann nichts besseres fordern.

    Wenn einem Apotheker mal der Kragen platzt und er ab sofort keine alternativmedizinischen Präparate mehr herausgibt, ist er nach kurzer Zeit bankrott. Kann man das von einem Menschen fordern?

    Wenn der Arzt das tut, fühlt er sich wie die Stubenfliege an der Fensterscheibe – kannste gegen anrennen, wie du willst. Und die Patienten bleiben auch bald fern, das Messer an der Kehle erscheint. Ist das zumutbar?

    Schwerer Systemfehler. Abbrechen? [ ] ja [ ] nein

  18. nejtysk
    13. Oktober 2012, 03:22 | #18

    @Claudia,
    Das was du schreibst habe ich auch schon oft genug kennengelernt durch bekannte. Die wirst vieles verstehen (also damit meine ich, dass du wissen wirst, wieso es so ist und nicht etwa, dass du dem zustimmst) wenn du dir die Genese des Heilpraktikerberufs sowie auch des Homoöpathischenarzneibuches (Binnenkonsenz) einmal anguckst. Was du aus Chemie Lehrbüchern kopiert hast hat mir dennoch aufgeregt. Ich hätte nicht gedacht, dass Esoterik schon bis in die Lehrbücher vorgedrungen ist und, dass dort nichtmal auf den fehlenden Wirksamkeitsbeleg hingewiesen wird. Schrecklich.
    Bei den Apothekern hat es oft auch etwas mit reiner ökonomischer Notlage zu tun. Wir haben in D zuviele Apotheken. Um sich über Wasser zu halten verkaufen sie also auch den ganzen Eso Mist selbst wenn sie nicht dran glauben. Es ist aber natürlich verwerflich, wenn sie es Kunden, die normal nach etwas fragen, empfehlen ohne auf die fehlende Wirksamkeitbelege hinzuweisen. An Gläubige verkaufen, ja. Aktiv Werbung dafür machen? Nein.

    Meine Umgebung ist leider auch voller Esosphiler und Postmodernisten. Gerade bei den Sozialwissenschaften bei mir ist es schwer. Manchmal denke ich, ich hätte lieber etwas anderes studieren sollen….

  19. Groucho
    13. Oktober 2012, 12:03 | #19

    Wenn einem Apotheker mal der Kragen platzt und er ab sofort keine alternativmedizinischen Präparate mehr herausgibt, ist er nach kurzer Zeit bankrott.

    Der verliert vor allem seine Zulassung. Ein Apotheker ist verpflichtet, so Zeugs zu verkaufen, wenigstens Homöo- und Anthroposophika. eine andere Sache ist natürlich, ob man es aktiv bewirbt. Es gibt genug, die es nicht tun.

  20. Stöber
    14. Oktober 2012, 12:37 | #20

    @Groucho:
    Der Apotheker ist nicht gezwungen, sich den Mist auf Halde zu legen oder im Kundengespräch nur freundlich zu nicken. Wer das nicht verkaufen will, schafft das fast immer.
    Oder einfach nochmal 50% drauftaxieren für geistige Schmerzen.

    Natürlich müsste man ein ärztliches Rezept beliefern, in angemessener Zeit.

    Die Sache ist: Es bringt Geld und die Kunden kommen auch mit echten Rezepten.
    Ein zufriedener Kunde gibt das statistisch an 2-3 andere weiter, ein Unzufriedener streut an 10-15.

    Und nein, wir haben nicht zuviele Apotheken. 20.000 auf 80 Mio Menschen ist ok, es steht normalerweise auch keiner in der Apotheke und langweilt sich. Reduzierte man die Zahl der Apotheken, würde die Größe deutlich steigen müssen – das hat dann irgendwas von Arbeitsamt oder Bahnschalter mit Zettel ziehen. Und jedes Mal ein neues Gesicht.

    Man müsste nur was gegen die Häufung im Stadtzentrum tun. Etwa ein Mindestradius wie in Österreich.

  21. Skepsis
    15. Oktober 2012, 18:13 | #21

    Letzte Woche habe ich festgestellt, dass Homöopathie die Fitness fördert: Ich bin in der Mittagspause in der Apotheke gegangen, um eine abschwellende Salbe zur Behandlung einer Prellung zu kaufen. Die Apothekerin hat mir Traumeel-Salbe empfohlen (‚Die nehme ich selbst!‘). Ok, gekauft. Wieder zurück in’s Büro gegangen und wollte die Salbe auftragen. Vorher den Beipackzettel gelesen. Was springt mir als erstes in’s Auge? Der Begriff ‚homöopathisches Arzneimittel‘ (obwohl sogar noch was drin war: Die angegebenen Potentierungsstufen waren D3 oder D4). Also wieder aufgestanden, zurück in die Apotheke gegangen und denen die Salbe auf den Tisch geknallt und Geld zurück verlangt. So bin ich also durch die Homöopathie zu einem zweiten (Kurz-)Spaziergang in der Mittagspause gekommen!

    Das Bonusprogramm bei der Sache: Während ich auf für die Rückgabe wartete habe ich mitbekommen, wie eine junge Mutter ein Rezept einlöste. Die sie bedienende Apothekerin dann: „Haben Sie auch was zur Stärkung der Abwehrkräfte? Wie haben da was homöopathisches.“ Keine Ahnung, was, aber die Transaktion wurde getätigt. Zurück im Büro habe ich mich dann spontan bei einer Kollegin ausgekotzt, die mir gerade über den Weg lief (naja, war die richtige: Kind nicht geimpft [wg ‚Quecksilber‘ und auf Rat einer ‚guten Freundin‘, und die Freundin ist….Apothekerin!], verteilt ihren Schüßler-Rat frei im Büro). Ihre Reaktion? „Hättest Du eben vorher sagen sollen, dass Du was allopathisches willst.“ Meine Antwort: „War ich in einer Apotheke oder bei einem Voodoo-Priester?“ fand sie nicht witzig.

    Gruß

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