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Homöopathische Erkenntnisse von Boiron

Boiron, ein Hersteller homöopathischer Präparate, hat mal wieder eine Studie veröffentlicht, die ganz im Sinne des Erfinders die üblich verdünnten homöopathischen Erkenntnisse liefert.

Boiron ist ja in Deutschland im Wesentlichen unbekannt; Aufsehen haben sie nur voriges Jahr kurz erregt, als sie dem Betreiber des italienischen Blogs B-log(0) gerichtlich drohten. Er hatte ihre „Entenleber C200“, sogar für den Homöopathie-Markt ein wahrhaft lächerliches Produkt, in seinem Blog verrissen. Aufgrund des Shitstorms, der darauf ausbrach, gab Boiron kurz darauf klein bei.

In der aktuell von dem gerichtlich leicht gebeutelten Pharmakonzern veröffentlichten Studie wird so einiges behauptet, was Edzard Ernst bewogen hat, auf seinem Blog eine kleine Besprechung der Studie zu schreiben.

In der Studie ging es darum, die Effektivität homöopathischer Präparate zur Prävention und Behandlung von Migräne bei Kindern zu untersuchen. Dazu wurden von 59 Homöopathen aus 12 Ländern insgesamt 168 Kinder mit „definitiver oder wahrscheinlicher“ Migräne behandelt. Die Homöopathen hatten völlige Behandlungsfreiheit.

Gemessen wurde primär Frequenz, Schwere und Dauer der Migräneanfälle innerhalb des dreimonatigen Behandlungszeitraums im Vergleich zu den 3 Monaten davor. Als zweites wurde die Anzahl der Fehltage in der Schule ermittelt. Alle diese Parameter verbesserten sich durch die homöopathische Behandlung.

Das erste, was Edzard Ernst verblüffte war, dass nur drei Kinder pro Behandler in der Studie waren. Abgesehen von dem Riesenaufwand erhöht das die Wahrscheinlichkeit für „statistische Verzerrungen“ (Bias) enorm. Aber das ist nicht das Hauptproblem.

Diese Studie hat, wie so viele, keinerlei Kontrollgruppe. Sie hat daher nur untersucht, wie es Kindern nach drei Monaten geht, wenn sie homöopathisch behandelt werden. Der gemessene Effekt kann an Vielerlei liegen, man kann kein wirkliches Delta ermitteln. Es könnte einfach daran liegen, dass Zeit vergangen ist; an der liebevollen Versorgung; den subjektiven Erwartungen der Homöopathen oder Eltern; dem Placebo-Effekt, dem Hawthorne-Effekt, anderen Behandlungen im gleichen Zeitraum, …

Man weiß nach dieser Studie leider wiederum gar nichts. Im besten Fall wurde erneut die Wirkung des Placebo-Effekts bewiesen. Wir möchten ergänzen, dass die Wirkung von Placebos gegen Migräne schon aus früheren Studien bekannt ist, bei denen sich auch in der Kontrollgruppe Besserung zeigte.

Placebo wirkt also gegen Migräne. Aber wirkt Homöopathie besser als Placebo? Unzählige Studien zeigen, dass Homöopathie über keinerlei Wirksamkeit (über den Placebo-Effekt hinaus) verfügt. Auch diese kommt in Wirklichkeit zu keinem anderen Schluss.

Die Studienautoren folgern zwar, dass diese Studie die Bedeutsamkeit homöopathischer Mittel für Prävention und Behandlung von Migräne-Attacken bei Kindern zeigt, aber Edzard Ernst bezeichnet diese Folgerung als bizarr, da sie aus den Studiendaten überhaupt nicht hergeleitet werden kann.

  1. 15. November 2012, 21:08 | #1

    Dass solche Studien überhaupt publiziert werden können, mussten sie sich erst einmal eigene Journals schaffen. Diese wurde etwa in „Journal of alternative and complementary medicine“ publiziert. Wenn es einen medizinischen Effekt hat, weshalb kann es dann nicht nicht einem medizinischen Journal publiziert werden? Und genau da liegt der Haken: Wie Edzard Ernst ausführlich dargelegt hat: Die Studie weißt höchstens auf einen Placeboeffekt hin. Dieses Ergebnis ist aber für ein medizinisches Journal nicht wirklich interessant, da dieser Effekt längst in unzähligen Studien belegt wurde. Die Conclusion der Autoren wäre sowieso von keinem Peer Reviewer anerkannt worden. Und da wären wir wieder bei der Lösung: Dann schaffen wir uns unser eigenes Journal, wo solcher Unfug publiziert werden kann. Leider funktioniert der Betrug bei Leuten, die keinen Einblick in das Publikationswesen haben sehr gut.

    Danke an Psiram, dass ihr zumindest ein paar nicht lernresistente Personen aufklärt.

  2. Statistiker
    15. November 2012, 22:02 | #2

    M.E. ein typischer Fall der Tendenz zur Mitte. Also: Wenn ich in einer Mathe-Arbeit ne 1 schreibe, kann ich mich nur verschlechtern, nicht verbessern. Wenn ich in einer Mathe-Arbeit ne 6 schreibe, kann ich mich nur verbessern, nicht verschlechtern.

    Hier: Man nehme 168 Kinder, die in den letzten drei Monaten – bei gleicher sonstiger körperlicher Konstitution – eine überdurchschnittlich häufige Migränehäufigkeit hatten. Dann führt schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung dazu, das sich dieser Effekt in den Folgemonaten abschwächen muss. Man nehme doch nur mal 1.000 Leute, die im Winterhalbjahr Grippe hatten und schaue, ob diese mit Schwurbelbehandlung im Sommer auch Grippe kriegen. Oder 1.000 Kinder, die im letzten Jahr an Mumps erkrankt waren und schaue, ob diese im Folgejahr wieder Mumps kriegen…… Ergo: Schwachsinn hoch drei, auch ohne jeglichen Plazebo-Effekt.

  3. inci
    15. November 2012, 23:09 | #3

    aber müssten in einer solchen studie die homöopathischen präparate gegen präparate der bösen schulmedizin verglichen werden? wenn schon nicht gegen plazebo getestet wird?

  4. Sag_Ich_nicht
    15. November 2012, 23:13 | #4

    Könnte mir kurz jemand erklären, wo das Problem bei 3 Kindern pro Behandler liegt? Die anderen Anmerkungen hab ich so weit verstanden, aber den Punkt versteh ich nicht.

    Danke!

    Ps.: Ich hab leider von wissenschaftlichen Methoden usw. keine Ahnung

  5. YorkTown
    16. November 2012, 01:49 | #5

    @Statistiker: E.Ernst hat die Tendenz zur Mitte in seinem Blog in der Auflistung. Wir haben das gekürzt(und 1-2 andere), um den Text nicht zu lange werden zu lassen.

    @inci: Nein, es müsste vor allem gegen Placebo getestet werden. Placebo ist der „immer“ auftretende Grundeffekt, gegen den man eine Wirksamkeit nachweisen muss. Gegen ein Medikament zu testen, bedeutet nur, dass etwas besser oder schlechter als das Medikament wirkt. Wirkt es schlechter, kann es wenig schlechter, komplett unwirksam oder sogar schädlich sein. Wirkt es besser, kann im Worst-Case das Medikament auch schädlich sein.

    @Sag_Ich_nicht: Das ist kein wirklich großes Problem. Aber es führt einfach viele Parameter ein. Bei Studien versucht man, alle zusätzlichen Parameter zu eliminieren. Gleicher Arzt, gleiche Behandlung, gleiche Termine, gleiche Dosierung, … Bei mehreren Behandlern und beliebigen unterschiedlichen Behandlungen führt man extrem viele Faktoren ein, die das Ergebnis beeinflussen können.

  6. Sciencenerd
    16. November 2012, 02:00 | #6

    @Sag_Ich_nicht

    Die Stichprobe von 3 Kindern pro Behandler ist viel zu gering für eine ordentliche Aussage. Alle Menschen sind Individuen und reagieren vielfältig auf verschiedene Einflüsse. Erst ab einer signifikanten Menge an Personen, kann man davon ausgehen das im Mittel (!) die Differenzen der Einzelpersonen verschwimmen.
    In der Psychologie braucht man ca 50 Menschen für ein Ergebnis.
    In der Medizin meist mehrere Tausend.
    Die 168 Kinder sind zwar scheinbar genug, aber da jeder Behandler seine Testpersonen auch individuell/verschieden behandelt ist von Einzelexperimenten mit 3 auszugehen.

    Beispiel aus dem Alltag:
    Wahlumfragen:
    Fragen Sie drei Leute nach dem Wahlverhalten, dann Erhalten Sie in jedem Fall ein stark verzerrtes Abbild der Realität.
    Z.b 3x CDU oder 3xLinke oder 1xCDU 1xSPD 1xGrüne.
    Wenn sie aber genug Leute fragen. Mitteln sich die Extreme heraus. Das Stichwort ist hier statistische Signifikanz (Wikipediaartikel vorhanden).
    Seit Neustem werden Umfragen sogar mit Fehlerbalken angegeben. Also einen Wert zb 38+-2%. Der Fehlerbalken tendiert mit größerer Teilnehmerzahl gegen 0.

    Würfeln:
    Wenn sie mit einem normalen 6-seitigen Würfel(D6) würfeln. Können Sie im Mittel 3,5 als Wert erwarten – Gesetz der großen Zahlen. Wenn Sie aber nur 3mal Würfeln, kann ihr Ergebnis stark von 3,5 im Schnitt abweichen.

    Ich hoffe das half. 😉

  7. excanwahn
    16. November 2012, 02:20 | #7

    Jedes Studienergebnis, das spezifische Wirkungen von homöopathischen Arzneimitteln (Hochpotenzen) festgestellt zu haben vorgibt, ist falsch. Immer.

    Jede Studie, die so ein Ergebnis produziert, enthält Fehler. Immer.

    Homöopathische Studien eignen sich eigentlich nur als Anschauungsmaterial der Kategorie „So nicht!“ für angehende Statistiker, meinethalben auch als Prüfungsaufgabe: „Finden Sie die Fehler, Sie haben 10 min. .

    Was aber jedes Mal auf´s Neue erstaunt, ist die Dickfelligkeit, mit der weiterhin Studien produziert werden, die eine – niemals nachweisbare – pharmakologische Wirkung homöopathischer Arzneien zu beweisen versuchen. Abgesehen davon, dass es eine Verschwendung von Zeit und Geld ist, muss doch jedem, der bei Boiron, DHU, Weleda, Hevert oder Heel etc. noch ein wenig Kontakt mit der normalen Welt hat, klar sein, dass die Studie zerlegt wird.

    Offenbar ist es für die Big Alternatives aber wichtiger, eine Schlagzeile zu haben, die dann
    – beispielsweise von einer Vereinshomöopathin wie Cornelia Bajic – bei jeder Gelegenheit in die Landschaft getrötet wird. Der Datenmüll hinter dieser Schlagzeile wird vom Durchschnittskonsumenten heilsamer Zuckerkügelchen ohnehin nicht wahrgenommen, ist also bedeutungslos.

  8. Minerva
    16. November 2012, 10:41 | #8

    Es ist mir unklar, mit welcher Absicht diese Studie geplant, durchgeführt und veröffentlicht wurde.

    Sind die Autoren blöd oder halten sie ihre Leser für blöd? Und wie blöd genau – D40 blöd oder C200 blöd?

  9. observer
    16. November 2012, 11:20 | #9

    welche Ethik Kommission hat den dieses schwachsinnige Design bewilligt?

  10. Dark_Tigger
    16. November 2012, 12:51 | #10

    Minerva :
    Es ist mir unklar, mit welcher Absicht diese Studie geplant, durchgeführt und veröffentlicht wurde.

    Mir schon…

    Ich hab mal eine Frage: Wie genau stellt so ein Homöopath eigentlich ein C200 Präperat her?
    Ich meine „mehr Lösungsmittel als Atome im sichtbaren Universum vorhanden sind“ stell ich mir schwierig vor.

  11. Sag_ich_nicht
    16. November 2012, 13:05 | #11

    Vielen dank für die sehr ausführlichen Antworten. Ich denk ich habs gerafft 😉
    Viele Grüße

  12. Gisander
    16. November 2012, 15:36 | #12

    @ Sag_ich_nicht:

    Bei der Aufteilung einer Probandengruppe auf viele kleine Untergruppen gibt es noch ein Problem, das mir aus B. Goldacre’s „Bad Pharma“ so richtig aufging: es lieg im publication bias. Mit eine Unmenge von Minigruppen lassen sich alle Gruppen leicht eliminieren, die unerwünschte Ergebnisse erbracht haben. Man veröffentlicht einfach nur die Ergebnisse der 20 Gruppen, die ein erwünschtes Ergebnis hatten. Alle anderen Teilnehmer verschlechtern dann nicht nur das over-all-Ergebnis, sie fallen komplett unter den Tisch. Es ist einfach eine Manipulationsgröße mittlerer Art und Güte, nicht einmal besonders sophisticated.

  13. Gisander
    16. November 2012, 15:41 | #13

    @ Dark_Tigger:

    James Randi hat es mal auf offener Bühne mit einer D30 vorgemacht. Das ging ungefähr so:
    „Just take one molecue, and put it in a bowl of water, whose mid might be the sun and which reaches way out up to Pluto. Then take this volume six billion times. And then start shaking – hubeldihubbeldihubel…“

  14. Dark_Tigger
    16. November 2012, 17:02 | #14

    @Gisander
    Dank eines Links der heute bei Astrodicum Simplex gesehen hab, hab ich die Erklärung auch gehört. Ich kann dazu nur sagen:
    Aber… aber… aber… das ist dann doch entgültig offener Betrug!
    Kann man diese Banden dafür nicht einlochen?

  15. The Doctor
    16. November 2012, 17:29 | #15

    Dark_Tigger :
    Ich hab mal eine Frage: Wie genau stellt so ein Homöopath eigentlich ein C200 Präperat her?
    Ich meine “mehr Lösungsmittel als Atome im sichtbaren Universum vorhanden sind” stell ich mir schwierig vor.

    Diese Beispielrechnung bezieht sich darauf, wenn Du die Verdünnung in einem Schritt machen wolltest. Da Du aber einmal 1:100 vedünnst, davon wieder ein Hundertstel verdünnst und das Ganze noch 198x wiederholst, brauchst Du bei weitem nicht so viel Wasser für die Verdünnungsreihe.
    Das mit den Atomen im Universum dient nur der Veranschaulichung der Verdünnung.

  16. MagicGuitar
    17. November 2012, 00:17 | #16

    Da Homöopathie schon rein logisch gar nicht wirken kann, muss jede positive Studie schon per definition falsch sein bzw. muss methodische Fehler enthalten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass solche Studien grundsätzlich manipulativ sind und den Wünschen des Geldgebers gerecht werden. Und da soll noch mal jemand etwas gegen die Schulmedizin und Pharmaindustrie sagen.
    Nach homöopathischer Logik müsste es ja fatale Folgen haben, wenn ich beispielsweise ein falsches Medikament einnehme. Komischerweise sind die Zuckerkügelchen dennoch frei verfügbar und kommen ohne Verwendungszweck aus. Da muss es doch bei jedem gescheiten Menschen klick machen! Dass dieses Zeugs nur verkauft wird, weil man genau weis, dass es keinen Schaden anrichten kann.
    In meinen Augen ist auch jeder Apotheker, der sowas ohne entsprechenden Hinweis verkauft, ein Betrüger. Aber nein, die Apotheken werben sogar noch mit diesem Scheiß. Wie tief sind wir gesunken…

  17. Minerva
    17. November 2012, 10:32 | #17

    The Doctor :

    Diese Beispielrechnung bezieht sich darauf, wenn Du die Verdünnung in einem Schritt machen wolltest. Da Du aber einmal 1:100 vedünnst, davon wieder ein Hundertstel verdünnst und das Ganze noch 198x wiederholst, brauchst Du bei weitem nicht so viel Wasser für die Verdünnungsreihe.

    Die Frage ist, darf man ein Wassermolekül mehrfach zum Potenzieren verwenden? Denn wenn ich ein „neutrales“ Wasseratom (wir nehmen einfach mal an, dass es das gibt) im D10 Schritt verwende, dann trägt es diese Information. Würde ich es im D22 Schritt wieder verwenden, dann hätte es einen anderen Informationsstand, als die anderen Moleküle.

    Ganz dramatisch wird es, wenn man bedenkt, wie oft bereits homöopathische Verdünnungen hergestellt wurden – jedes einzelne Wassermolekül im Universum ist bereits mit Informationen versehen.

    Man müsste also ein Verfahren entwickeln, das Wasser vor dem Potenzieren zu neutralisieren, um es anschließend mit absolut reine Informationen zu bestücken. Ich glaube, ich habe ein neues Betätigungsfeld!

  18. inci
    18. November 2012, 11:20 | #18

    Kleines OT.

    Berliner Ärztekammer segnet Seminar mit AIDS-Heiler ab

    Der umstrittene Arzt Jeremy Sherr, der an die Heliung von AIDS mit Hilfe homöopathischer Medikamente glaubt, hält in Berlin eine Veranstaltung ab. Dafür gibt es Fortbildungspunkte von der Berliner Ärztekammer.

    http://www.heise.de/tp/blogs/10/153209

  19. Un Bekannt
    19. November 2012, 14:23 | #19

    inci :
    Kleines OT.
    Berliner Ärztekammer segnet Seminar mit AIDS-Heiler ab
    Der umstrittene Arzt Jeremy Sherr, der an die Heliung von AIDS mit Hilfe homöopathischer Medikamente glaubt, hält in Berlin eine Veranstaltung ab. Dafür gibt es Fortbildungspunkte von der Berliner Ärztekammer.
    http://www.heise.de/tp/blogs/10/153209

    Na, ich hoffe, diese Fortbildungspunkte fallen in die Kategorie „Erkenne Deinen Feind“.
    Ich weiß, frommer Wunsch…

  20. The Doctor
    19. November 2012, 17:27 | #20

    Och, in der Schweiz wurde letzte Woche eine Werbeveranstaltung für die „Craniosakraltherapie“ ebenfalls mit Fortbildungspunkten „geadelt“.

  21. 20. November 2012, 01:12 | #21

    Ich will nicht wissen, wieviele dieser Schwachköpfe sich die Verdünnungsschritte bei D30 einfach sparen und gleich Wasser abfüllen. Aber dann wären sie ja schlau, das geht nicht 😉

  22. Verändert
    21. November 2012, 14:24 | #22

    Das Problem der vielen Kleingruppen ist, dass sie mit vielen Ärzten einher gehen. Wenn nur ein oder zwei Ärzte beteiligt sind, kann man sich die noch recht genau ansehen und danach bewerten, ob ihre eingemeldeten Ergebnisse glaubwürdig sind. Wie aber will man das bei über 50 Ärzten tun ? Wer also legt die Hand dafür ins Feuer, dass der eine oder andere homöopathisch tätige Arzt einfach das eingemeldet hat, was ihm persönlich gut in den Kram passte („alle Patienten nach Einnahme des wundervollen Medikaments geheilt ! Meine Kontonummer anbei.“) ?

  23. max
    22. November 2012, 09:40 | #23
  24. kopfkratz
    22. November 2012, 10:07 | #24

    @max, aus dem Link zitiert:

    Dem entgegnen erfahrene Homöopathen, dass die Homöopathie vor allem bei der Behandlung von Babys und Kleinkindern hilft, die naturgemäß keinen Placebo-Effekt kennen.

    Das ist falsch. Der Placebo-Effekt wirkt bei Tieren, Babys und Kleinkindern genauso, siehe z.B.
    http://scienceblogs.de/plazeboalarm/index.php/bei-tieren-gibt-es-keinen-placeboeffekt/

  25. max
    22. November 2012, 10:25 | #25

    und noch was
    http://www.experto.de/b2c/gesundheit/homoeopathie/wirkung-der-homoeopathie-wirksamkeit-in-studien-nachgewiesen.html

    @kopfkratz
    und welche aussage stimmt jetzt???? ich habe selbst tiere und bei meinen funktioniert es einwandfrei!!!

  26. kopfkratz
    22. November 2012, 11:12 | #26

    @Max:
    Wow. Das ist aber frech. Einfach beinhart behaupten, dass Shang et al. zurückgezogen wurde. Ich hätte ja den Mut nicht, so frech zu lügen.
    http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2805%2967177-2/abstract

  27. kopfkratz
    22. November 2012, 11:15 | #27

    @Max:
    Vergessen: Klar funktioniert Homöopathie bei deinen Tieren. Denn Homöopathie ist ein Placebo und Placebos wirken auch bei Tieren.

  28. Antitainment
    22. November 2012, 13:22 | #28

    @max
    Wenn man mit zwei Aussagen konfrontiert ist, dann kommt man nicht darum herum sich mit Studien zum Thema zu befassen.
    Und da macht die HP keinen Stich, d.h. je besser die Studie (d.h. je besser das Studiendesign/je minimaler die Fehlerquellen) desto unwirksamer ist die HP.
    (Hier geht es in erster Linie um den Nachweis, dass die HP funktioniert, von den propagierten Wirkmechanismen ist wie Wassergedächtnis und all dem widerlegten Voodoo ist noch nicht einmal die Rede – Aber seit 200 Jahren bleibt die HP den Beleg schuldig und es wird ihn auch nie erbringen können)
    Zusammenfassend ist sie halt nicht besser als ein Placebo, sprich du könntest deinen Tieren auch einfach nur Zuckerpillen/Smarties/was auch immer geben und es würde keinen Unterschied machen. (nur Zuckerpillen ist ein wenig irreführend, denn genau das sind Globuli. Vertausche ich die Etiketten bei hochwirksamen Potenzen auf dem Fläschchen gibt es keine Möglichkeit mehr, weder für Homöopathen noch für Chemiker, nachzuweisen was was ist)
    Wirksame Medikamente müssen genau diese Hürde überwinden, damit man sie als wirksam einstufen kann.
    Aber gegen all die Anekdoten, pseudowissenschaftliche Belege und miesen Studien ist es schwer anzukommen, wenn jemand bereits überzeugt ist den heiligen Gral gefunden zu haben. Man könnte auch mit einem Young-Earth-Creationist diskutieren und ihm all die erdrückende Evidenz vorlegen…es wird nicht zum Erfolg führen, da es um die Verteidigung eines Glaubens geht und nicht um tatsächliche Erkenntnis.

  29. max
    22. November 2012, 17:32 | #29

    kopfkratz sind placebos nicht vom glauben abhängig? und wie kann ein tier daran glauben wenn es so etwas nicht kennt??? oder beeinflusse ich mit meinem glauben den verlauf der gesundung?

    @Antitainment
    weisst du ich schlucke schon seit jahren keine medikamente mehr, aus dem einfachen grund. die ganzen nebenwirkungen (meistens sind die nieren und die leber davon betroffen).

    ich nehme auch keine homäopatischen, denn ich versuche mich so und so fit zu halten und so gesund es nur geht zu leben. was die studien angeht. gibt es so etwas wie eine unabhängige studie?

    ich frage mich halt immer nur warum unterdrückt ein fiebersenkmittel mit aller gewalt das fieber obwohl man weiss das gerade das die gesundung des körpers bedeutet? okay an fieber kann man auch sterben, aber es gibt super hausmittel die auch auf sanfte weise das fieber senken können (bsp.essigpatscherl)

    was ich damit ausdrücken möchte ist folgendes, ich glaube keiner studie von prinzip aus. derjenige der zahlt, der bekommt auch das gewünscht resultat. geld regiert leider in der heutigen zeit die welt. wenn man tatsächlich an der gesundheite des menschen interessiert wäre, dann würde man keine kriege mehr führen, keine giftstoffe ins meer und sonst wohin kippen, allen menschen sauberes trinkwasser zukommen lassen und natürlich auch gesundes und nicht genmanipuliertes essen (darunter verstehe ich die gebeizte scheisse) zukommen lassen. da aber immer nur das geld im vordergrund steht wird sich daran leider in naher zukunft nicht sehr viel ändern.

    lg

  30. Kumi
    22. November 2012, 18:06 | #30

    *Seufz* Würdest du die Links mal anklicken und wirklich lesen – so rein zum Erkenntnisgewinn – dann könntest du erfahren, dass Placebo nix mit Glauben zu tun hat.

    Was deinen letzten – leicht weltverbesseristischen und wissenschaftsignorierenden – Absatz angeht. Was macht man ganz doll mit Homöopathie? Geld? Ja stell dir vor, die machen das vielleicht gar nicht für eine bessere Welt, sondern um sich am Kacken zu halten. Was mit homöopathischen »Arzneien« sehr schnell und vor allem günstig funktioniert. 🙂

  31. Antitainment
    22. November 2012, 18:39 | #31

    @max
    Den Strohmann „Krieg und Umweltverschmutzung“ darfst du behalten. Das einfach gar nichts mit dem Thema zu tun, zumindest solange man noch eine gewisse Resthaftung in der Realität hat.

    Schön das es dir gut geht und du keine Medikamente nehmen musst. Idealerweise nimmt man auch keine Medikamente solange man gesund ist, d.h. ich teile dein Schicksal und befinde mich in der durchaus glücklichen Lage relativ selten darauf angewiesen zu sein.
    Homöopathie nehme ich auch nicht, aber das sind eben auch keine Medikamente und rein für den Kaffee als Süßungsmittel ist mir das zu teuer.

    Zum Fieber:
    Ein fiebersenkendes Mittel senkt das Fieber – Einerseits banal, denn es macht das was draufsteht und andererseits ist damit ist zumindest mal für dich bewiesen, dass evidenzbasierte Medizin funktioniert.
    Fieber wird meines Wissens nach erst ab einem kritischen Maß behandelt. Würdest du ein Kleinkind dessen Temperatur über längere Zeit über 40 Grad klettert nicht behandeln und damit den möglichen Tod/schwere Folgeschäden in Kauf nehmen, nur damit deine Überzeugung intakt bleibt? (Du darfst das gerne so handhaben, zumindest solange es nur deine Person betrifft und du bist frei deine eigene Fehlinformation für dich bis zur letzten Konsequenz auszuleben – Mit wissenschaftlicher Erkenntnis hat das nichts zu tun und mit der Realität auch nicht)
    Aber eigentlich erübrigt sich eine Diskussion mit dir, da du nach eigener Aussage gar nicht gewillt bist, dich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinander zu setzen.
    Du möchtest deinen irrationalen Glauben behalten und weiterhin deine unfundierten Ressentiments gegenüber einer Sache von der du keine Ahnung zu haben scheinst behalten – So be it und nichts könnte mir egaler sein.
    Wenn du Menschen denen der Käse noch nicht vom Cracker gerutscht ist überzeugen möchtest, dann muss du schon mit ein wenig mehr antraben als dein persönliches Empfinden, das für nichts als Beweis dient, außer für dein persönliches Empfinden.
    Wer behauptet, der belegt – So läuft der evidenz-basierte Hase.

    P.S.
    Es ist übrigens nicht wichtig ob eine Studie unabhängig ist oder nicht, sondern ob sie sauber geführt wurde und in ihren Aussagen stimmig ist. Eine Studie ist in erster Linie auch noch kein allgemeiner Maßstab. Im Falle der Homöopathie handelt es sich aber nicht um eine ernst zu nehmende Studie die dagegen spricht, sondern um alle. (so ca 200 meine ich – nicht gerade ein Pappenstiel vor allem wenn man sich vor Augen führt, dass es keine einzige saubere Studie gibt, die der Homöopathie auch nur ansatzweise eine Wirkung bescheinigt und das seit 200 Jahren.)

  32. MagicGuitar
    22. November 2012, 19:02 | #32

    Nun, über fiebersenkende Medikamente streitet man sich ja wirklich in der Medizin bzw. wann Fieber gesundheitsgefährdend ist. Fieber hat schließlich wirklich einen Sinn und nachgewiesenermaßen hilft es dabei Krankheitserreger abzutöten. Die meisten Mediziner gehen allerdings davon aus, dass es ab 40 Grad kritisch wird, bei 42 Grad gar lebensgefährlich.

  33. Antitainment
    23. November 2012, 12:28 | #33

    @MagicGuitar
    Das mag durchaus sein, ich bin da nicht wirklich firm auf dem Gebiet und daher nehm ich das mal hin.
    Der Punkt bei max ist, unterstelle ich jetzt mal ganz frech, nicht etwa die kritische Betrachtung von aktuellen Diskussionen im Bereich der Medizin sondern einen Stellvertreter für die eigene Überzeugung zu finden und dann damit die gesamte evidenz-basierte Medizin zu diskreditieren, was allerdings nicht funktioniert.

  34. Mephisto
    24. November 2012, 01:38 | #34

    max :
    […] gibt es so etwas wie eine unabhängige studie?
    […]ich glaube keiner studie von prinzip aus. derjenige der zahlt, der bekommt auch das gewünscht resultat.[…]

    Antitainment :
    Es ist übrigens nicht wichtig ob eine Studie unabhängig ist oder nicht, sondern ob sie sauber geführt wurde und in ihren Aussagen stimmig ist. […]

    Ergänzend dazu vielleicht noch:
    Ein wichtiger Aspekt bei der Veröffentlichung von Studien besteht darin, diese wiederholen zu können. Wenn Zweifel an den Ergebnissen einer Studie bestehen, kann sie unter den in der Veröffentlichung beschriebenen Bedingungen wiederholt werden und man kann prüfen, ob man zum gleichen Ergebnis kommt. Spätestens dann ist es endgültig vollkommen belanglos, wer die ursprüngliche Studie finanziert hat.

  35. Antitainment
    24. November 2012, 16:10 | #35

    @Mephisto
    Jep danke, sehr wichtige Ergänzung und ein elementarer Bestandteil.

  36. inci
    27. November 2012, 23:55 | #36

    Un Bekannt :

    inci :Kleines OT.Berliner Ärztekammer segnet Seminar mit AIDS-Heiler abDer umstrittene Arzt Jeremy Sherr, der an die Heliung von AIDS mit Hilfe homöopathischer Medikamente glaubt, hält in Berlin eine Veranstaltung ab. Dafür gibt es Fortbildungspunkte von der Berliner Ärztekammer.http://www.heise.de/tp/blogs/10/153209

    Na, ich hoffe, diese Fortbildungspunkte fallen in die Kategorie “Erkenne Deinen Feind”.Ich weiß, frommer Wunsch…

    Die Berliner Ärztekammer reagiert:

    AIDS-Heiler: Ärztekammer zieht Fortbildungspunkte zurück

    Die Berliner Ärztekammer hatte das Seminar eines Homöopathen als Fortbildung genehmigt, der behauptet, man könne mit Hilfe von Zuckerkügelchen AIDS heilen. Nun machte die Ärztekammer einen Rückzieher

    http://www.heise.de/tp/blogs/10/153260

  1. 23. November 2012, 17:39 | #1
  2. 26. November 2012, 23:40 | #2