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PETA und die Liebe

In den USA wird ein Jäger gejagt.

Zimbabwe’s beloved lion Cecil gunned down by American dentist/hunterPETA-Stellungnahme: Simbabwes beliebter Löwe Cecil niedergeschossen von amerikanischem Zahnarzt/Jäger
www.peta.org

beloved? PETA weiß natürlich viel besser, was die Leute in Simbabwe lieben, als diese selbst:

One lion fewer to menace families like mine … Did all those Americans signing petitions understand that lions actually kill people?Ein Löwe weniger, der Familien wie meine bedroht … Begreifen all diese Amerikaner, die Petitionen unterschreiben, dass Löwen wirklich Menschen töten?
www.nytimes.com

Gut, die Simbabwer fragen wir jetzt mal nicht, sondern die „Angehörigen“, eine sichere Bank:

All wild animals are beloved by their own mates and infantsAlle wilden Tiere werden von ihren Partnern und kleinen Kindern geliebt
www.peta.org

Das ist ja nahezu christlich. Liebe Deine Feinde:

Aus Freilandbeobachtungen bei Löwen weiß man, dass ein neuer Rudelführer, der seinen Vorgänger verdrängt hat, häufig alle Jungtiere (also den Nachwuchs seines Vorgängers) tötet.
Wikipedia

Macht nix. Der Jäger wird jetzt schon gehasst. Was können wir da tun, um uns an die Spitze des Mobs zu setzen? Wir schreien: „Aufhängen!“:

… he needs to be extradited, charged, and, preferably, hanged.… er muss ausgeliefert, angeklagt und am besten gehängt werden.
www.peta.org

Moment mal, das ist doch nur eine Verleumdung, PETA macht so was nicht!!!!!!!!!! – Aber was ist denn das?

the official statement from PETA co-founder and President Ingrid Newkirkdie offizielle Stellungnahme von PETA-Mitbegründerin und Präsidentin Ingrid Newkirk
www.washingtonpost.com

Doch.

Da ist einem ja die Mafia sympathischer. Die tun wenigstens nicht so, als wären sie die Guten.

Weit weg? Warten wir’s ab:

In Berlin kann man viel erleben,
In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben.
Rainald Grebe

KategorienGesellschaft Tags:
  1. Kamidio
    14. September 2015, 11:50 | #1
  2. Quadrat
    14. September 2015, 13:42 | #2

    Hmm…klar töten Löwen auch Menschen und Giraffen sind gefährliche Lebewesen.
    Ich frage mich, welche Bedeutung der Zitat aus nyt hat. Heißt es die Löwen bedrohen die Menschenpopulation? Dann sollten die Löwen ausgerottet werden?
    Oder geht es um moralische Gleichsetzung? Von wegen die Löwen sind genauso böse, wie die „Jäger“? Dann ist das aber auch etwas überzogen. Denn der Vergleich von töten aus Hunger(Löwe) und diese tierquälerische Jagd wegen einer Trophäe sind zwei verschiedene Dinge.
    Außerdem könnte sich das „beloved“ nicht auf die Zimbabwer beziehen. Sämtliche Medien hatten berichtet, dass Cecil eine beliebte Touristenattraktion war.
    Es erscheint mir, dass dieser Fall, abgesehen von dem Aufruf zum Mord des Wilderers, eher ungeeignet ist, um Petas Natur zu entlarven.

  3. Martin Däniken
    14. September 2015, 14:18 | #3

    Mensch ist stärker als Tier…Das erklärt „alles“ aber relativiert nichts.
    Irgendjemand hat darauf aufmerksam gemacht das die Gefahr für Löwen nicht von Zahnärzten aus N.J.ausgeht,sondern von Chinesen die Löwen für Potenzmittel aus .
    Es gibt weniger Dentisten ,die zum „Spass“ äh Geld Tiere töten als Chinesen,die nen Boner brauchen;-)

  4. Bernardo
    14. September 2015, 15:14 | #4

    @Quadrat:
    Der Artikel in der NYT ist von einem Zimbabwer geschrieben, der darauf aufmerksam macht, dass Löwen eine konkrete Bedrohung für Dorfbewohner sind (wie im Übrigen auch Elefanten, die in dieser und anderen Gegenden eine lokale Überpopulation entwickelt haben und daher mit den dort lebenden Menschen zusammenstossen). Es geht keineswegs darum, die Moralität umzudrehen, sondern die einfache moralische Position derjenigen zu kritisieren, die nicht mit bedrohlichen Tieren leben müssen.

    Die Moralität ist insgesamt keineswegs so einfach, wie Peta suggeriert. Im Südlichen Afrika wird der Jagdtourismus recht erfolgreich mittels Quoten und dem Einsatz der Gewinne für die Konservation genau dafür genutzt, bedrohte Tierarten wie das Spitzmaulnashorn zu erhalten und deren Zahlen zu erhöhen. Es gab vor einer Weile schon einmal eine Riesenaufregung um einen amerikanischen Jäger, der auf einer Auktion (wie sie in US total üblich sind) sich eine Jagderlaubnis für ein Nashorn gekauft hatte, das extrem bedroht ist. Der argumentierte, dass er damit das Nashorn schützen wolle, was oberflächlich natürlich absurd klingt – auch der bekam dann Todesdrohungen. Tatsächlich ist es aber so, dass erstens die namibische Regierung das (nicht wenige) Geld einsetzt, um Wilderer zu bekämpfen, die viel gefährlicher für die Population sind. Weiterhin hat dieser Tourismus zu Folge, dass Farmer in Namibia von extensiver Rinderwirtschaft hin zu Jagdtourismus umgestiegen sind und damit den Lebensraum mehrerer Tierarten – Antilopen, Leoparden usw. – vergrössern statt verkleinern.

    Zudem werden gerade bei den Rhinos nur alte Bullen zum Abschuss freigegeben, die tatsächlich für das Überleben der Art auch bedrohlich sind, weil sie die jungen Männchen attackieren und oft töten, aber selbst sich nicht erfolgreich fortpflanzen.

    Die Ambivalenzen dieses Themas werden in diesem Podcast (englisch) gut recherchiert und schön produziert dargestellt:
    http://www.radiolab.org/story/rhino-hunter/

    Bei „Cecil“ ist die Lage anders, weil der Abschuss so offensichtlich illegal war – sie haben einen Löwen aus dem Krüger-Nationalpark gelockt, angeschossen, tagelang verfolgt und erst nach langer Quälerei getötet. Der Zahnarzt hatte zwar auch für eine Lizenz gezahlt, warum die das dann so unkoscher gemacht haben, weiss ich nicht – vielleicht wurde der Zahnarzt selbst abgezockt.

    Peta sind einfach widerlich bigott. Ich erinnere mich, als Anfang der 2000er Ingrid Newkirk Arafat einen Brief schrieb, nachdem eine Bombe an einen Esel gebunden wurde und 30 Menschen in einem Tel Aviver Café tötete. Sie forderte ihn auf, keine Unschuldigen in den Konflikt zu ziehen – wobei „unschuldig“ natürlich nur der Esel war…

  5. Quadrat
    14. September 2015, 20:00 | #5

    @Bernardo:
    Ja, mich hatte dieses Zitat irritiert, weil ich es häufig in dem Zusammenhang einer Relativierung gehört hatte. Ansonsten sind wir wohl einer Meinung.
    Das mit „beloved“ muss ich zurückziehen. Meine Übersetzung als „beliebt“ war falsch.
    Den Podcast werde ich mir demnächst angucken. Danke für den Link!

  6. pelacani
    14. September 2015, 21:03 | #6

    Quadrat :

    @Bernardo:
    Ja, mich hatte dieses Zitat irritiert, weil ich es häufig in dem Zusammenhang einer Relativierung gehört hatte.

    Hmm. Du scheinst also nicht für Relativierungen zu sein. Aber wie erklärst Du Dir dann Deinen Satz:

    Quadrat :

    Es erscheint mir, dass dieser Fall, abgesehen von dem Aufruf zum Mord des Wilderers, eher ungeeignet ist, um Petas Natur zu entlarven.

    [meine Hervorhebung]?

  7. Quadrat
    15. September 2015, 00:05 | #7

    @pelacani
    Vielleicht bin ich einfach nur müde. Was wird da denn womit relativiert?
    Der Aufruf zum Mord ist eine überzogene und nicht legitime Reaktion auf diesen Fall der Wilderei.

  8. Groucho
    15. September 2015, 00:51 | #8

    @Quadrat: Relativierung hier sinngemäß: „Mordaufrufe können im Eifer des emotionalen Gefechts schon mal passieren, aber es geht ja um eine gute Sache und ist bestimmt nicht wirklich so gemeint.“

    Wenn Du das so gemeint hast, will ich widersprechen. PeTA meint das so. Wörtlich, und es gibt genug Anhänger, die entsprechenden Terror verbreiten. Da gibt es eben wenig zu relativieren.

  9. Bernardo
    15. September 2015, 08:15 | #9

    Also, ich hatte Quadrats Bemerkung so verstanden, dass der Mordaufruf zwar übel ist, aber abgesehen davon Peta das macht, was eine Tierschutzorganisation so macht – skandalisieren, dass jemand ein wildes Tier zum „Sport“ killt. Ich glaube, mit den entsprechenden Hintergrundinfos kann man zeigen, dass das nicht stimmt (hab ich ja oben versucht), aber ich sehe das nicht als Relativierungsversuch.

    Ansonsten: ja, Peta meint das so. Aber ihre Anhänger werden jetzt nicht losziehen und das tatsächlich versuchen. Meines Wissens gab es bisher keine Anschläge auf das Leben von Wissenschaftlern, Jägern o.ä. Die Animal Liberation Front, die von Peta finanziell und propagandistisch unterstützt wird, begehen Anschläge auf Gebäude und nehmen in Lauf, dass dabei jemand schwer verletzt wird.

  10. Bernardo
    15. September 2015, 08:16 | #10

    *in Kauf.

  11. gedankenknick
    15. September 2015, 12:11 | #11

    Die brandenburger Wölfe werden leider auch be- und gejagt, trotz Artenschutzgesetz. Siehe hier: http://www.morgenpost.de/brandenburg/article137731162/Gekoepfter-Wolf-DNA-Proben-fuer-Ermittlungen-gesammelt.html Da muss man nicht mal PETA-Befürworter sein, um diese Wilderei blöd zu finden.

  12. Quadrat
    15. September 2015, 12:38 | #12

    Nein, ich meinte, dass dieser Aufruf ein Beispiel dafür ist, wie man Peta entlarven kann.
    Denn es ist gerade ein Beispiel dafür, dass Peta keine harmlose Tierschutzorganisation ist, sondern eine gefährliche Gruppe.

  13. pelacani
    15. September 2015, 13:04 | #13

    gedankenknick :
    Die brandenburger Wölfe werden leider auch be- und gejagt

    Ich habe noch nichts gefunden, was mich von dem Sinn überzeugt hätte, Wölfe in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft heimisch machen zu wollen, die seit 200 Jahren ohne ausgekommen ist. Wenn ich ein nüchtern denkender Naturschützer wäre, würde ich mich auch vor dem Gegenwind fürchten, der aufkommt, wenn erst mal ein Kleinkind zerfleischt worden ist.

  14. Randifan
    15. September 2015, 13:07 | #14

    PETA betreibt Ablasshandel, während sie selber Haustiere einschläfern, mit der Begründung, sie seien unvermittelbar.
    http://www.peta.de/petatoetettiere
    Das ist wirklich eine Doppelmoral.

  15. Gast
    15. September 2015, 19:33 | #15

    PeTA ist ein gemeinnütziger Verein, da darf sogar die 1. Vorsitzende von PeTA Deutschland, Ingrid Newkirk Terroristen unterstützen und niemand scheint es zu stören.
    https://www.psiram.com/de/index.php/PETA

  16. gedankenknick
    16. September 2015, 11:15 | #16

    @pelacani
    1) Selbst von Wolfs“hassern“ ist mir kein Fall bekannt, in dem die ein „zerfleischtes Kleinkind“ anführen konnten – außer als Theorie-Panikverbreitungs-Konstrukt.
    2) Gerade die Brandenburger Wälder haben eine „Überbevölkerung“ an Rehwild sowie an Wildschweinen. Einfach mal mit dem Förster um die Ecke reden, der wird das bestätigen. Nicht umsonst werden Neuaufforstungen mit umfangreichen Wildzaunkonstrukten vor Verbiss geschützt.
    3) Ich persönlich finde es immer lustig, wie die selben Tierschützer, die sich zwischen Flinte und Reh schmeißen, dann vom „bösen Wolf“ reden.
    4) Ich kenne tatsächlich EINEN Landwirt, der von sich behauptet, er hätte in freier Wildbahn schon mal einen Wolf gesehen – für wenige Sekunden, dann ist selbiger „verschwunden“. Wölfe sind sehr vorsichtige Jäger und meiden menschliche Siedlungen aktiv – es sei denn, es besteht ein so dramatischer Futtermangel, dass der Wolf keine andere Möglichkeit mehr sieht.
    5) Bitte hier nicht schlecht abgesichert auf Waldlichtungen gehaltene Schafherden, die der Schäfer nächtlich ihne Hund und Mensch zurück läßt, mit Wohnsiedlungen vergleichen.

    Ich wohne selber in Kuhdorf in einem (angeblich) wolfsbesiedeltem Gebiet. Ich habe noch nie einen Wolf heulen gehört geschweige denn gesehen. Ich bin aber schon mal fast aus dem Bett gefallen, als eine läufige Fehe neben meinem Grundstück gebellt hat. Der Acker ist direkt neben meinem Zaun, der Waldrand ist ca. 800m entfernt. Ich lasse ohne Bedenken tags mein Kind im Wald spielen, und abends habe ich eher Angst vor mich angreifenden Wildschweinen (die nicht genug bejagt werden) und vorm schießwütigen Jäger als vorm „bösen Wolf“. Wer von den hier Diskussionsbeteiligten wohnt noch neben dem Wald?

  17. Typee
    16. September 2015, 11:59 | #17

    Weiß der Wolf um seine Ungefährlichket auch dann noch, wenn er die Tollwut hat?

    Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie ein Impfköder für Wölfe beschaffen sein müsste. Die ollen angegammelten Hühnerköpfe kann man da wohl vergessen.

  18. pelacani
    16. September 2015, 12:07 | #18

    gedankenknick :

    kein Fall bekannt

    Das sagte ich bereits. Hier geht es um die Antizipation. Wie in nahezu allen anderen gesellschaftlichen Bereichen müssen Risiken und Vorteile gegeneinander abgewogen werden. Ob die Wölfe sich eher um flinke Rehe als um träge Schafe kümmern, das bleibt zu hoffen, aber ich habe da Zweifel. Wo ist der „Vorteil“ der Wolfsansiedlung, abgesehen vom nostalgischen Anklang an die eigene Kindheit (Grimms Märchen)? Ist es besser für das Wild, von einem Wolf gerissen statt von einer Flinte erlegt zu werden? Es ist eine unreflektierte Illusion (um keine kräftigeren Worte zu verwenden) zu glauben, man könnte so etwas wie einen „natürlichen Urzustand“ erzeugen, und gar noch flächendeckend in Mitteleuropa.

  19. gedankenknick
    16. September 2015, 12:12 | #19

    @pelanci
    Übrigens – Wölfe waren in „deutschen“ Wäldern heimisch, lange bevor das Wort „Deutschland“ überhaupt erfunden wurde. Sie wurden AUSGEROTTET durch den Menschen, der sein kultiviertes Land samt der kleinen Kinder vor „Zerfleischung“ bewahren wollte – geleitet durchaus von Vorurteilen. Und nun besiedeln die Wölfe das Gebiet einfach neu, zumeist unbeobachtet. Von „heimisch machen“ als aktiven, menschlich initiierten und geleiteten Prozess kann keine Rede sein – es geht nur um das Verbot der weiteren und nochmaligen Ausrottung.

    Dass in deutschen Wäldern Löwen, Krokodile, Pumas, Kängurus, Koalabären oder was auch immer HEIMISCH GEMACHT würden, dagegen habe ich auch einiges einzuwenden. Und reichlich Naturschützer – der ich selber nur in äußerst begrenztem Umfang bin – dürften da vermutlich mit mir einer Ansicht sein. Aber Krokodile, Netzpythons und schwarze Panther sichtet die Bullervard-Presse alle Jahre wieder in deutschen Wäldern und Seen. Außer unscharfen Fotos und winzigen wackeligen Handy-Videos kommt dabei jedoch zumeist wenig Nachvollziehbares an die Öffentlichkeit.

  20. gedankenknick
    16. September 2015, 12:30 | #20

    @pelacani
    Es geht um keinen „Urzustand“, es geht um normale, natürliche Migration einer Art in ihrem natürlichen Lebensraum. Wölfe werden auch kaum das „flinke Reh“ reißen, wenn sie ein krankes bekommen können. Pacht-Jäger schießen aber gewöhnlich selten kranke Rehe, da sie aus dem Jagderlös ihre Pacht finanzieren. Des weiteren sind Wölfe Aasfresser (wie übrigens die allermeisten Hundeartigen), die z.B. auch die Aufgaben übernehmen, die in anderen Ländern Geier anheim fallen. Sprich, Wölfe fressen auch das von sich aus gestorbene Reh, was so im Wald rumliegt. Auch jagen Wölfe Mäuse und andere Kleinwirbeltiere – wo sollte sonst der domestizierte Hund den „Mäusesprung“ her haben? Der Wolf dient also tatsächlich der Gesunderhaltung des Ökosystems Wald. Der Überbestand an Reh-, Damm- und Rotwild in Brandenburg war übrigens mal politisch so gewollt (Staatsjagd der SED; der an Wildscheinen geht einfach auf das Konto, dass Wildschweinjagd teuer im Verhältnis zum Erlös ist. (Und hier schreien übrigens immer die Bauern mit dem abgefressenen Maisfeldern.)

    @Typee:
    Soso, jeder Wolf hat Tollwut? Und wo hat er die Tollwut her? Vom ungeimpften Fuchs? Durchimpfaktionen mit Fleischbeköderung waren bisher ziemlich erfolgreich (und dabei sehr kostengünstig durchzuführen) in D. Oder ich hole mir die Tollwut halt bei Fuchs, Fledermaus oder irgend einem anderen Säugetier – im zweifelsfall bei meiner Hauskatze, die sich eine tollwütige Maus auf dem Acker 10m vom Wohnort gefangen hat. Ich verstehe das Argument einfach nicht.

  21. pelacani
    16. September 2015, 12:45 | #21

    gedankenknick :

    Übrigens – Wölfe waren in „deutschen“ Wäldern heimisch, lange bevor das Wort „Deutschland“ überhaupt erfunden wurde. Sie wurden AUSGEROTTET durch den Menschen, der sein kultiviertes Land samt der kleinen Kinder vor „Zerfleischung“ bewahren wollte – geleitet durchaus von Vorurteilen.

    Ich denke, unsere Posts haben sich überschnitten: aber das genau ist gemeint mit „unreflektierter Illusion“. Übrigens stimmt es nicht, dass der Wolf verschwunden ist, bevor es Deutschland gab:

    Der Wolf war bis 1770 im Sauerland und in der Eifel bis 1872 heimisch.

    Deine Auffassung vom menschlichen Dasein in früheren Zeiten ist ein einziger glorifizierender Anachronismus. Was man sich konkreter unter diesen „Vorurteilen“ vorstellen kann: s. das im Blog-Text verlinkte Statement eines Simbabwers; das zu Ändernde geändert:

    When I was 9 years old, a solitary lion prowled villages near my home. After it killed a few chickens, some goats and finally a cow, we were warned to walk to school in groups and stop playing outside. My sisters no longer went alone to the river to collect water or wash dishes; my mother waited for my father and older brothers, armed with machetes, axes and spears, to escort her into the bush to collect firewood.

    A week later, my mother gathered me with nine of my siblings to explain that her uncle had been attacked but escaped with nothing more than an injured leg. The lion sucked the life out of the village: No one socialized by fires at night; no one dared stroll over to a neighbor’s homestead.

    Man kann doch nicht im Ernst erwarten, dass der Wolf im Wald den ökologischen Saubermann spielen wird, aber die Berührung mit dem Menschen meiden wird. Das tun andere Wildtiere auch nicht; Füchse, Dachse, Marder usw. kommen auch in die Stadt. Kurz: es gibt keinen vernünftigen Grund, den Wolf in Mitteleuropa zu begrüßen. Nur ideologische.

  22. gedankenknick
    16. September 2015, 12:59 | #22

    Ich habe auch nicht gesagt, dass der Wolf in D schon ausgerotte war, als irgendwer das „Deutsche Reich“ welcher Nation auch immer ausgerufen hat – ich habe geschrieben, dass der Wolf bereits HIER war, bevor die ansässigen Stämme unterschiedlicher Genese deutschtümelten. Wahrscheinlich war der Wolf hier auch schon ansässig, bevor der Neandertaler im Neandertal versteinerte, aber das ist Spekulation meinerseits.

    Der Wolf meidet im großen und ganzen Berührungen mit Menschen. Einfach mal nach Finnland schauen, da war der Wolf meines Wissens nach nie ausgerottet. Ob er der „biologische Saubermann“ ist, sei mal dahin gestellt. Jede Art hat ihre „Vor- und Nachteile“, ich schließe mich als Menschen da ein (und ich bin wahrscheinlich kein „ökologischer Saubermann“ trotz Mülltrennung und Blumendüngung mit Pferdemist).

    Aber wenn es (angeblich) keinen vernünftigen Grund geben sollte, den Wolf in Mitteleuropa zu begrüßen – hier bitte ich, die Diskussion mit einem Biologen und einen Geo-Ökologen fortzusetzen, da ich nicht kompetent genug für diese Diskussion bin – frage ich mich doch, ob es „vernünftige Gründe“ für einen Genuzid der Wolfspopulation gibt, oder ob das auch hauptsächlich ideologische Gründe sind. Aber auch für die wäre ich der falsche Diskussionspartner, deswegen werde ich hier aus dem leicht OT-angehauchten (aber bisher trotzdem spannenden) Diskurs zum Wolf aussteigen.

    Ich bedanke mich für den Argumentationsaustausch.

  23. pelacani
    16. September 2015, 13:13 | #23

    gedankenknick :

    Genuzid der Wolfspopulation.

    Sag mal, kommt Dir diese Begriffswahl nicht selbst ein bisschen eigentümlich vor? Ich frag‘ ja nur.

  24. pelacani
    16. September 2015, 13:31 | #24

    gedankenknick :

    Der Wolf meidet im großen und ganzen Berührungen mit Menschen. Einfach mal nach Finnland schauen, da war der Wolf meines Wissens nach nie ausgerottet.

    Aber fast. PeTA sagt dazu:

    Es gibt in Lappland nur noch fünf bis zehn Wölfe – in ganz Finnland sind es gerade noch 150.

    Im übrigen: Finnland: Bevölkerungsdichte von 15,5 Einwohnern pro Quadratkilometer; Deutschland: 226,9 Einwohner pro km². Man könnte genauso auch darauf hinweisen, dass man in Kanada mit Bären rechnen muss. Und es ist schon ein großer Unterschied, ob etwas immer so gewesen ist oder ob etwas geändert werden soll. Wenn ich mit potentiellen Gefahren aufwachse, dann bin ich darauf eingestellt. Das ist kein Grund, mutwillig potentielle Gefahren dort einzuführen, wo es sie noch nicht gibt.

  25. Typee
    16. September 2015, 14:08 | #25

    @gedankenknick
    Nein, nicht jeder Wolf hat Tollwut. Aber einige schon, und die haben sie sich bisher jedenfalls nicht im Inland geholt. Deutschland ist seit 2008 praktisch tollwutfrei. Die letzten bekannt gewordenen Fälle waren importierte Haushunde. Es ist nur so:

    Wölfe haben riesige Reviere, nicht zu vergleichen mit Füchsen oder Dachsen. Und sie führen enorm große Migrationsbewegungen aus. Dort, wo sie herkommen – Polen, Karpaten, Balkan, ist es alles andere als tollwutfrei. Es ist bei fortgesetzer Immigration nur eine Frage der Zeit, bis die ersten infizierten Exemplare hier auftauchen – und dann auch der schöne Durchimpfungserfolg bei den ansässigen Arten, vor allem bei Füchsen, wieder dahin ist.

  26. Bernardo
    16. September 2015, 14:49 | #26

    In der Schweiz sind Wölfe schon länger ein Problem, und zwar gerade deswegen, weil sie viel zu nahe an und in menschliches Siedlungsgebiet kommen. Wölfe haben eben begonnen, Siedlungen nicht mehr zu meiden. z.B.:

    Grosses Aufatmen in Goms: Die Walliser Regierung hat den Wolf M35 zum Abschuss freigegeben (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). 39 Schafe hat das Raubtier innerhalb von einem Monat gerissen. Anfang Juni wurde der M35 in einem Gässchen in einem Dorf gesichtet. Und nahe bei einem Bahnhof hat er ein getötetes Reh hinterlassen.

    Dort versuchen die Jäger gerade, die Balance zu halten zwischen einem Erhalt des Wolfsbestandes und der Einschränkung der Gefahr:

    Ich denke, mittlerweile haben alle in unserem Land verstanden: Die Wölfe sind da und sie werden bleiben. In allen Kantonen setzt man sich intensiv mit dem Herdenschutz auseinander. Auf der anderen Seite setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein Totalschutz des Wolfes in der menschgeprägten Landschaft nicht möglich ist. Es braucht Möglichkeiten, einzugreifen.

    Ihre Wortwahl, gedankenknick, scheint mir ideologisch aufgeladen. Menschen haben Wölfe in Deutschland nicht ausgerottet und schon gar keinen „Genozid“ betrieben (eine Humanisierung – Genozid kann sich nur auf Menschen beziehen), sie haben sie aus einem Siedlungsgebiet vertrieben. Manche Tierschützer – und insbesondere die Tierrechtler wie Peta – haben eine vollkommen verzerrte Vorstellung von „Natur“, die als ursprünglich, unschuldig und rein ideologisiert wird. Warum (und das wäre ja die Konsequenz aus Ihrer Argumentation) ist es moralisch verwerflicher, wenn der Mensch den Wolf aus einem Siedlungsgebiet verdrängt als wenn das andersherum passiert? Um mit dem Wolf leben zu können (wie es in der Schweiz gefordert wird), muss die Wolfpopulation bewusst gemanagt werden und das geschieht durch kontrollierte Abschüsse.

    Die „Eingriffe“ in die Natur durch den Menschen sind nicht rückgängig zu machen – Deutschland ist längst eine Kulturlandschaft; der einzige „Urwald“ in Europa ist ein Naturschutzgebiet an der polnisch-weissrussischen Grenze (schön übrigens, sehr als Reisedestination zu empfehlen!). Daher ist statt einer illusorischen (und für z.B. Zimbabwer oder Schweizer Bauern extrem gefährlichen) Rückkehr zur einem (rein fiktiven) „Ursprungszustand“ (denn was ist der Ursprungszustand?) ein bewusster Umgang und die Aufrechterhaltung einer Balance mit „künstlichen“ Mitteln angesagt.

  27. Bernardo
  28. gedankenknick
    16. September 2015, 16:51 | #28

    Kommt mir die Begriffswahl eigentümlich vor? Vielleicht. Eine drastische Maßnahmen erfordert auch eine drastische Wortwahl. Und die aktive Ausrottung durch Bejagung bis zum Letzten der Art ist m.E. durchaus eine drastische Maßnahme. Oder gabs schon mal die BLÖD-Schlagzeile: Letzer Wolf verstarb einsam im Wald an Altersschwäche ? Gibt es Vorschläge für eine angemessenere Wortwahl?

    Hier gibs übrigens eine halbwegs aktuelle Übersicht über den Wolfsbestand in D: http://www.wolfsregion-lausitz.de/index.php/verbreitung/verbreitung-in-deutschland Ironisch würde ich dazu sagen, dass man vor lauter Wolfsrudel-Punkten die Karte nicht mehr sieht. Erstaunlich dabei ist m.E., dass die einzigen mir bekannten und behördlich bestätigten „Vorfälle“ in D zwischen Wölfen und Menschen aus Niedersachsen gemeldet wurden – genau da, wo es die kleinste Population sein soll. Da gibt es für mich eine logische Differenz. Wenn Wölfe so verdammt gefährlich sind, wieso liest man dann nicht alle Nase lang was über zerfledderte Forstarbeiter in der Lausitz, wo die größte Wolfspopulation und damit die größte Gefahr ist?

    In ganz Finnland gibs also derzeit ca. 150 Wölfe? Und ist das jetzt gut oder schlecht zu bewerten bei der Gefährlichkeit dieser Tiere?

    Was passieren kann, wenn man eine einzelne Art gezielt aus dem Ökosystem entfernt, hat Mao Zedong übrigens mit Spatzen ausprobiert. War kein doller Erfolg im Sinne der Partei, es führte zu einer Hungersnot. Und wenn nun argumentiert wird, Wölfe haben eine andere Bedeutung fürs Ökosystem als Spatzen: geschenkt. Wölfe mit Löwen zu vergleichen finde ich allerdings auch – nicht nur geografisch – sehr weit hergeholt. Insbesondere, da wir alle unser Heizöl und Heizgas einsam im Wald suchen, und ich mein Kindelein von Kuhdorf zur Schule nach Kälbchenhausen immer neben dem Bus her laufen lasse. Mich bitte nicht falsch verstehen – ich möchte die ländlichen Probleme in Simbabwe nicht kleinreden, aber in D haben wir doch eine geringfügig abweichende Infrastruktur geschaffen.

    Nebenbei: Wölfe werden wohl kaum in Großstädte gehen, so wie ich bisher noch nie von einem Löwenrudel in Kapstadt oder Johannesburg gelesen habe. Im Gegensatz dazu stehen z.B. Wildschweine. Die sind im Berliner Grunewald ein dickes Problem geworden, weil sie von den Anwohnern durch aktive Fütterung an den Menschen gewöhnt wurden. Selbige Schweine greifen nun auch die Menschen an – sollten deswegen deutschlandweite alle Wildscheine ausgerottet werden? – Scheinen ja gefährlich zu sein die Schwarzkittel!

    Ich bin im Wald schon u.a. Rehen, Rotwild, Füchsen, Hasen, Karnickeln, Eichhörnchen, einem verträumten Waschbären und diversem Vogeltier (inklusive nem Seeadler – den aber nicht im Wald) begegnet. Ein Wolf war bisher nicht dabei und es wird wohl auch nicht dazu kommen.

    Von all dem abgesehen:
    1) Ich möchte mit PeTA nicht in Zusammenhang gebracht werden. Dazu ist die Schnittfläche zu winzig. (Zurück zum Topic – zumindest ein wenig.) Und ja, ich bin kein Jäger, esse aber durchaus ganz gerne mal Wild.
    2) Selbst bestimmte Naturschützer fordern, dass verhaltensauffällige Wölfe, die die Scheu vorm Menschen verlohren haben, entgegen des Artenschutzgesetzes ge- bzw. bejagt werden sollten.
    3) Wenn Deutschland eine gegen Finnland 15fach höhere Bevölkerungsdichte hat bei fast gleich hoher Wolfspopulation (wenn man bei einem Rudel von 5 Wölfen ausgeht, und 25 Rudel existieren, plus 8 Paare pus 3 Einzelwölfe => 144 Wölfe), wieso werden dann fast nie Wölfe gesichtet von fachunkundigen Personen – und wenn, warum erscheinen viele dieser Sichtungen so wenig glaubwürdig?
    4) Bei Psiram wird doch gewöhnlicher Weise alles mit wissenschaftlichen Studien belegt. Gibt es eine hinreichend belegte Studie, die befindet, dass Wolfsrudel gefährlich sind, weil sie z.B. dauernd kleine Kinder essen? Ich hab keine gefunden.
    5) Wie bereits gesagt, bin ich gegen die Einschleppung neuer Arten in ein ihnen fremdes Ökosystem. Der Waschbär gehört nach D genauso wenig wie der Marderhund – aber beide Arten wird man wohl nicht mehr vertreiben bzw. – ja – ausrotten können.
    6) Ich sage es immer wieder: Der Wolf wird in Mitteleuropa derzeit nicht „mutwillig eingeführt“ wie z.B. Waschbären mutwillig eingeführt wurden (zur Pelzgewinnung), sondern verbreitet sich (wieder) völlig selbstständig ein einem ihm angestammten Lebensraum, den er bereits besiedelte, bevor er dort mit Menschen konkurieren musste.

    Dass der Wolf „völlig ungefährlich“ sei habe ich so nicht gesagt und ist meiner Meinung eine nicht minder kleine Fehlinterpretation wie die Mär vom „bösen, bösen, Geißlein und Kindlein zerfleischendem Wolf“. Vielleicht bin ich ja auch blind gegen die Gefahr, weil ich Tür an Baum mit ihr wohne – Abstumpfung halt. Ich finde es einfach nur Schade, dass man alles, was nicht 100% passt, sofort „entfernen“ lassen möchte – anstatt sich mal mit den Leuten zu unterhalten, die sich damit auskennen, z.B. mit denen hier: http://www.wolfsregion-lausitz.de/index.php/monitoring-und-forschung Es gibt bestimmt aber noch andere Biologen in D mit „Wolfs-Hintergrund“.

    Ist schon erstaunlich, wass man mit dem Satz, dass man es nicht gut findet, dass in D Wölfe illegal bejagt (=bewildert) werden, so auslöst. Und nun bin ich still, großes Ehrenwort.

  29. pelacani
    16. September 2015, 17:58 | #29

    gedankenknick, inhaltlich ist das meiste schon dagewesen, und die eigentlichen Kritikpunkte hast Du geflissentlich übersehen. Beispiele:

    Kommt mir die Begriffswahl eigentümlich vor? Vielleicht. Eine drastische Maßnahmen erfordert auch eine drastische Wortwahl. Und die aktive Ausrottung durch Bejagung bis zum Letzten der Art ist m.E. durchaus eine drastische Maßnahme. Oder gabs schon mal die BLÖD-Schlagzeile: Letzer Wolf verstarb einsam im Wald an Altersschwäche ? Gibt es Vorschläge für eine angemessenere Wortwahl?

    Es ist absurd, von „Genozid“ zu sprechen; das ist eine Verhöhnung aller Opfer von Völkermorden.

    wieso liest man dann nicht alle Nase lang was über zerfledderte Forstarbeiter

    Ich sprach von Antizipation. Das ist jetzt das 3. Mal, dass ich darauf hinweise. M. a. W.: Du möchtest das nicht zur Kenntnis nehmen.

    In ganz Finnland gibs also derzeit ca. 150 Wölfe? Und ist das jetzt gut oder schlecht zu bewerten bei der Gefährlichkeit dieser Tiere?

    Deine Behauptung war, dass in Finnland die Wölfe nie ausgerottet waren und dass sie den Menschen meiden. Wie sich herausstellt, taugt Finnland nicht als Beispiel für ein „beide Seiten beglückendes Zusammenleben“. Außerdem gibt es auch in Finnland eine Wolfsdiskussion.

    Wölfe mit Löwen zu vergleichen finde ich allerdings auch – nicht nur geografisch – sehr weit hergeholt

    Dem Zitat war vorangestellt: „das zu Ändernde geändert“.

    verbreitet sich (wieder) völlig selbstständig ein einem ihm angestammten Lebensraum, den er bereits besiedelte, bevor er dort mit Menschen konkurieren musste.

    Du scheinst irgendwie davon auszugehen, dass die Wölfe ein „Recht“ hätten, in Mitteleuropa zu jagen? Dazu etwas ausführlicher s. Bernardo, #26.
    Usw. usf.; man kann praktisch jeden Satz von Dir auseinandernehmen. Schade.

  30. pelacani
    16. September 2015, 18:00 | #30

    Ach so, habe ich noch vergessen: das mit Mao und den Spatzen interessiert mich. Hast Du da mehr Einzelheiten?

  31. Bernardo
    16. September 2015, 18:19 | #31

    @pelacani
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ausrottung_der_vier_Plagen

    Die Literaturangaben in diesem Artikel sind sehr zu empfehlen, v.a. das Buch von Dabringhaus ist ein sehr guter Überblicksband über chinesische Zeitgeschichte.

    Dass die Dezimierung der Spatzenpopulation zu einer Hungersnot geführt habe, ist falsch. Die Kampagne gegen die vier Plagen wurde 1958 gestartet, als die Hungersnot sich bereits abzeichnete. Das Ganze fällt in die Zeit des „Grossen Sprungs nach vorn“, in der massive Eingriffe in das Wirtschaftssystem, vor allem die Kollektivierung der Landwirtschaft und unter grossem Druck durchgeführte Industrialisierung bei hohem menschlichem Arbeitsaufwand und wenig Maschinisierung, die Hungersnöte von 1958-61 herbeiführten. Das mit den Spatzen war wohl eher eine verzweifelte Reaktion der Partei auf die Einbrüche im Getreideertrag.

  32. Bernardo
    16. September 2015, 18:21 | #32

    Ach so, verbessert hat die Kampagne die Situation natürlich auch nicht, sondern verschlimmerte die Hungersnot.

  33. Bernardo
  34. pelacani
    16. September 2015, 18:24 | #34

    Bernardo :

    Dass die Dezimierung der Spatzenpopulation zu einer Hungersnot geführt habe, ist falsch. Die Kampagne gegen die vier Plagen wurde 1958 gestartet, als die Hungersnot sich bereits abzeichnete. Das Ganze fällt in die Zeit des „Grossen Sprungs nach vorn“, in der massive Eingriffe in das Wirtschaftssystem, vor allem die Kollektivierung der Landwirtschaft und unter grossem Druck durchgeführte Industrialisierung bei hohem menschlichem Arbeitsaufwand und wenig Maschinisierung, die Hungersnöte von 1958-61 herbeiführten.

    Das war mein Verdacht; danke.

  35. Elender
    16. September 2015, 22:57 | #35

    Noch ergänzend ein Link zu der von Bernardo (danke für die guten Beiträge!) angesprochenen Thematik „Trophäenjagd und Naturschutz“. Selbst das BfN sieht das positiv (unter gewissen Umständen):
    http://www.bfn.de/0302_konsumtive_nutzung.html#c50860

    Noch einer mMn guter Artikel zur Wolf-Thematik, der zeigt, dass es keine einfache Antwort auf ein komplexes Problem gibt (was in Brandenburg vll. gut funktioniert, muss nicht auch im gleichen Maße für Schleswig-Holstein gelten):
    http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Sachliche-Diskussion-zu-Ansiedlung-des-Wolfes-noetig-1788758.html

    Noch was zur Harmlosigkeit/Gefährlichkeit des Wolfes: es müssen gar nicht Menschen angefallen/verletzt/getötet werden, um den Wolf als bedrohlich wahrzunehmen. Alleine die Wahrnehmung des Wolfes als freies Raubtier (das deutlich erkennbar auch Haustiere reißt), kann bedrohlich wirken und das Verhalten negativ beeinflussen (man ist sich nicht mehr sicher…). Mag man jetzt als reine Einbildung und Übertreibung abtun, aber was ist realer, als der Wahn? 😉 Ein passender Artikel dazu:
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article146073348/Warum-unser-Umgang-mit-Woelfen-extrem-gefaehrlich-ist.html

  36. thes
    17. September 2015, 00:49 | #36

    Peta mal wieder … die nerven. Und dieser eher romantisch verbrämte Naturschutz in einer wirklich menschengemachten Kulturlandschaft …

    Die Wölfe verhalten sich ganz logisch und müssen sich, wo Hase und sonstige Beutetiere rar sind, was sie in Ackerwüsten halt sind, eben auf Hunde und anderes Wild verlegen. Es gibt aber für Schäfer gute Mittel, nämlich ein entsprechender Hund, der einfach bei den Schafen bleibt. Früher – vor der Schönheitszucht – waren Bobtails solche Hunde, wenn ich mich nicht irre, heute würde ich andere Rassen empfehlen (nein, besser diejenigen, die sich damit auch auskennen).

    Jemand müsste dem Schafzüchter oder Schäfer allerdings den Hund auch bezahlen.

    @Elender
    Brandenburg ist recht leer, hat etliche Naturschutzgebiete und dort viele mögliche Beutetiere.
    Mir behagt allerdings der in Südafrika verbreitete Managementgedanke was wilde Tiere angeht – die auf Größe usw. gezüchtet werden, nicht. So etwas kann in D nicht das Ziel sein – diese Leere der sogenannten Natur, bestehend aus Feldern und zu wenigen kleinen „wilden“ Inseln dazwischen, ist es auch nicht.

    Und wenn wer Wölfe unter uns will, dann muss er dafür sorgen, dass genug Futter vorhanden ist, damit der Wolf nicht das fressen muss, was eben nur da ist. Füttern also.
    Wölfe sind Oportunisten.

    Sonst geht es den zu romantischen Naturschützern wie denen, die feststellen mussten, dass das Jagdverbot für Füchse leider auch vom Aussterben bedrohte Vögel wieder aus der REgion vertreibt. (War Niedersachsen, glaube ich.)

  37. thes
    17. September 2015, 00:54 | #37

    P.S.: Aus Wolfsregionen kannte ich, dass Hunde allesamt Stachelhalsbänder trugen, früher (was ungefähr dreißig Jahre her ist), mit den Stacheln nach außen selbstverständlich.

    Ich bin übrigens einer Wolfshündin, jung, in Berlin begegnet. Ich starrte sie an, sie mich, dann sah sie weg und verschwand im Park. Das war einer, relativ randnah, aber nicht so sehr draußen, dass ich nicht Bauklötzchen gestaunt hätte. Foto wurde nichts, die örtlichen Biologen hielten meine Begegnung für eine Verwechslung und glaubten mir nicht … ich mir ja selber nicht so ganz. Inzwischen sehe ich das anders.
    Wölfe sehe ich in der Stadt aber nicht heute – dafür jede Menge anderes Wild, Wildschweine in Massen, Füchse eh, Marder, Marderhunde (selten und nur einmal), Waschbären, … Wo sollen sie auch hin? Stadtluft macht frei, oder so.

  38. gedankenknick
    17. September 2015, 10:08 | #38

    Dass die Ausrottung der Spatzen die sich abzeichnende Hungersnot „nur“ verstärkt hat – aufgrund der daraus resultierenden Explosion der Insektenpopulation – mag so sein. Habe ich mich wieder auf ne schlechte Quelle verlassen. Fakt ist jedoch, dass China später aus der Sowjetunion Spatzen kaufte, um den Bestand wieder zu erhöhen.

    Das eigentliche Problem aber – zumindest auf meinen ersten Satz bezogen: Die brandenburger Wölfe werden leider auch be- und gejagt, trotz Artenschutzgesetz. – wäre doch ganz einfach zu lösen. Ist der Wolf keine bedrohte Art mehr, kann er aus dem Artenschutzgesetz rausgenommen werden. Dann würden Regeln für die Bejagung aufgestellt – wie für ziemliche alle anderen Wildtierarten auch. Gegen diese Lösung habe ich auch gar nichts einzuwenden.

    @Bernado: Um mit dem Wolf leben zu können (wie es in der Schweiz gefordert wird), muss die Wolfpopulation bewusst gemanagt werden und das geschieht durch kontrollierte Abschüsse.“
    Von nichts anderem habe ich geredet, auch in Hinblick auf das von @Bernado benannte „Gleichgewicht“. Danke für die guten Beiträge. Ich bin rhetorisch leider eine Niete, und verzettele mich dummer Weise auch immer in Seitenstränge der Diskussion.

    @thes
    Ein Wolfshund wäre aber was anderes als ein Wolf. Es gibt m.W.n. 4 verschiedene Wolfshunde-Rassen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfshund Ansonsten würde man vielleicht einen Wolf-Hund-Mischling als „Wolfshund“ bezeichnen, wie in Jack Londons bekanntem Roman. Dass Wolf-Hund-Mischlinge gegebenenfalls noch ein ganz anderes Gefahrenpotential darstellen als „rassereine“ Wölfe, wäre nun wieder ein neuer Seitenstrang…