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Leitfaden für Skeptiker – Teil 1: Der Dunning-Kruger-Effekt

Was stimmt und was stimmt nicht? Wie lassen sich richtige von falschen Nachrichten unterscheiden? Wie erkennt man zwielichtige Angebote im Gesundheitsbereich? Was sind die typischen Merkmale von Scharlatanerie-Produkten? Und wem soll man überhaupt glauben?

Die Antwort auf die letzte Frage ist einfach: Niemandem. Es ist nicht notwendig, etwas zu glauben, wenn man in der Lage ist, Informationen auf Plausibilität zu prüfen, sie mit wissenschaftlich gesichertem Wissen abzugleichen, gründlich zu recherchieren und Täuschungen zu erkennen. Wir möchten unseren Lesern gerne ein paar nützliche Werkzeuge an die Hand geben, die das kritische Denken trainieren, und beginnen deshalb heute unsere Serie „Leitfaden für Skeptiker“, inspiriert durch das 2018 erschienene Buch „The Skeptics‘ Guide to the Universe“.

Zum Einstieg beschäftigen wir uns mit dem

Dunning-Kruger-Effekt

Definition: Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt die Unfähigkeit, die eigene Kompetenz (auf einem bestimmten Gebiet) realistisch einzuschätzen, mit der häufigen Konsequenz, die eigenen Fähigkeiten oder Kenntnisse zu überschätzen.

Erinnert sich noch jemand an die Comedy-Serie „Stromberg“? Darin zeichnet sich der Versicherungsangestellte Bernd Stromberg u.a. dadurch aus, als Abteilungsleiter auf den meisten Gebieten wesentlich weniger Kompetenz zu besitzen als die ihm unterstellten Mitarbeiter. Allerdings ist ihm das nicht bewusst, im Gegenteil: Er hält sich sogar für überdurchschnittlich kompetent. Es gelingt ihm trotz wiederholtem, fachlichen Versagen stets, sich durch mehr oder weniger geschickte Intrigen in seiner Führungsposition zu halten.

Gelegentlich mögen wir den Eindruck haben, dass auch der Lauf der Welt vor allem von inkompetenten Idioten bestimmt wird. Aber warum ist das so? Oder genauer: Warum sieht es so aus? Der Psychologe David Dunning hat 1999 gemeinsam mit seinem damaligen Studenten Justin Kruger ein Paper veröffentlicht, in welchem diese Frage genauer untersucht wird (1). 2014 führt er dazu aus (2) :

Das Merkwürdige ist, dass Inkompetenz in vielen Fällen nicht dazu führt, dass Menschen desorientiert, ratlos, irritiert oder vorsichtig sind. Stattdessen sind die Inkompetenten oft mit einem unangemessenen Selbstvertrauen gesegnet, getragen von etwas, das für sie wie Wissen aussieht.

Die folgende Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen dem Ergebnis eines Tests, der eigenen Einschätzung des erwarteten Testergebnisses sowie der Wahrnehmung der eigenen Kompetenz.

Auffällig ist, dass vor allem die kompetentesten Personen dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen, während die beiden unteren Viertel sich teils deutlich überschätzen. Dieser Effekt wurde inzwischen in mehreren Studien beobachtet. Die deutsche Wikipedia nennt folgende Merkmale des Dunning-Kruger-Effekts:

Weniger kompetente Personen

  • neigen dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen
  • erkennen überlegene Fähigkeiten bei anderen Personen nicht an
  • sind nicht in der Lage, das Ausmaß ihrer eigenen Inkompetenz zu erkennen
  • können durch Bildung oder Übung nicht nur ihre Kompetenz, sondern auch ihre Fähigkeit, sich selbst besser einzuschätzen, steigern.

Ein wichtiger Punkt: Wir reden hier nicht über „die anderen“, sondern über uns selbst. Wir alle sind diese inkompetenten Menschen, zumindest irgendwann auf irgendeinem Gebiet. Dieser Falle können wir nur durch Metakognition entkommen, indem wir unser eigenes Denken beobachten, unsere Schwächen erkennen und uns bei der Selbsteinschätzung Orientierungspunkte suchen. In jedem von uns steckt ein kleiner Stromberg.

Links:

  1. RainerO
    9. Januar 2019, 14:39 | #1

    Gut, dass ihr den Ratgeber-News-Blog Artikel verlinkt habt. Darin wird eindringlich davor gewarnt, diesen Effekt zu überschätzen. Die ursprüngliche Untersuchung ist nicht verallgemeinerbar. Der DKE wird aber gerne in Diskussionen über alle möglichen Themen zum herablassenden Abwatschen vermeintlicher Idioten missbraucht. Dafür ist die Untersuchung von Dunning und Krüger aber nicht geeignet.

  2. 9. Januar 2019, 14:43 | #2

    @RainerO
    Das ist einer der besten Artikel zu dem Thema. Auch im „Skeptics‘ Guide“ wird eindrücklich davor gewarnt, den DKE zu verwenden, um Diskussionen zu „gewinnen“.

  3. libertador
    16. Januar 2019, 12:30 | #3

    Zur Selbsteinschätzung wissenschaftlichen Wissens hab ich durch die Taz eine interessante Studie entdeckt, die allerdings nicht unbedingt überraschen dürfte: Gentechnik-Gegner überschätzen ihr Wissen:

    http://taz.de/Studie-ueber-Gentechnik-Gegner/!5563219/

    Direktlink zur Studie:
    https://www.nature.com/articles/s41562-018-0520-3

  4. 16. Januar 2019, 12:59 | #4

    @libertador

    Als ich den Artikel dazu gestern bei Science Daily gefunden habe, musste ich auch sofort an DK denken – und mich dann fragen, wieviel mein eigenes Wissen zu Gentechnik überhaupt taugt ;D

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