Gralssuche mal anders.


Wir alle haben als Kinder Räuber und Gendarm gespielt, wollten Lokführer werden oder Friseuse. Dann wurden wir langsam erwachsen. Das ist nicht unbedingt eine schöne Zeit, wenn man merkt, dass es der Realität völlig schnuppe ist, was man so träumt. Gerade bei Männern bleibt aber ein gewisser Spieltrieb oft bis ins hohe Alter erhalten, allerdings schaffen es die meisten, diesen in geordnete Bahnen, z.B. in die von Modelleisen im Keller zu lenken.

Es gibt aber auch andere Jungs, wie die von der „Deutschen Kirche“. Die haben vermutlich in ihrer Kindheit zu wenig Sandburgen gebaut und befinden sich jetzt als körperlich Erwachsene ernsthaft auf der Suche nach dem Heiligen Gral und basteln an Verschwörungstheorien.

Als ob der Steiners Rudi mit seiner Anthropo“sophie“ nicht schon genug wäre, gibt es heute noch Dämelköpfe, die sich mit „Ariosophie“ befassen. Das Ganze nennt sich Ordo Novi Templi (ONT), eine Art geistiger Kleingartenverein, der seine Sitzungen aber nicht in Schreberhäuschen, sondern am Liebsten auf Burgen und in Schlössern abhält und meint, mit albernen Riten könne man mal wieder die Menschheit retten.

Nun sind die Leser hier einiges gewohnt, aber das dürfte ein neuer Höhepunkt sein. Aus der Heimseite:

ZITAT:
– Die Ariosophie ist die höchste Stufe des Christentums, alle anderen Religionen weltweit werden in die Ariosophie münden!

– Die Ariosophie wird alle Völker weltweit erfassen und nach ihrer Lehre ordnen!

– Die Ariosophie siegt!

– Sie möchten, dass Atlantis wiederaufersteht?
/ZITAT

Etc. Das ist jedenfalls einen Besuch wert, falls nicht gerade Uri Geller o.ä. im Fernsehen läuft oder man einen depressiven Schub hat:

Deutsche Kirche

Die Sache ist aber ziemlich unappetitlich: Der ONT ist im Wesentlichen ein Verein mit absurden Rassentheorien, die sich der Gründer Lanz von Liebenfels aus den Fingern gesogen hat. Man sieht, nicht nur der Rudi hatte einen heftigen Knall, es gab auch Konkurrenz. Leider hatte diese anfangs harmlose esoterische Modeströmung am Ende des 19. Jhdts gar fürchterliche Auswirkungen, die einen Adolf H. für seinen Wahnsinn „inspirierten“.

Esowatch hat diesen ungewöhnlichen Irren – womöglich war es auch nur ein Samenstau bis ins Hirn – hier gewürdigt.

(ri)

5 Gedanken zu „Gralssuche mal anders.“

  1. Also bei "Baron Dr." Lanz "von Liebenfels" war diese Grals-Geschichte ja eine Symbol für die Reinheit der ario-germanischen Rasse. Den Gral findet man also, indem man nur mit Ariern pimpert….oder so ähnlich. Ist alles ein bisschen komisch bei den Ariosophen.

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  2. Das diese Nazis immer noch den Term "Arier" benutzen.

    *schlägt Hände über Kopf zusammen*

    Dabei waren doch die Arier ein nomadisierendes (zentralasiatisches) Hirtenvolk, von denen große Volksgruppen Europas abstammen. Also beten die Nazis Asiaten an, aber wollen sie gleichzeitig (mit mehreren anderen Varianten des Homo sapiens) ausrotten? Was für eine menschenverachtende Idiotie.

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  3. @Klingsor sein Nachbar: Deswegen hat der Heinrich Himmler ja auch Tibetreisende ausgefragt, ob ihnen am Himalaya blonde Menschen begegnet wären, Arier eben. Mit den Antworten die er bekam war er dann wahrscheinlich nicht so zufrieden 😉

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