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Aidsleugnung und wie es heute mit Aids aussieht

17. November 2011 7 Kommentare

Der Scienceblogger Orac hat vor kurzem einen Artikel über den AIDS/HIV-Leugner Henry Bauer gebracht, der nicht müde wird abzustreiten, dass AIDS und HIV etwas miteinander zu tun haben. Er hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Das Verblüffendste dabei ist wohl, dass Typen wie Bauer auch heute, mehr als 25 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus, noch immer ihren wirren Thesen anhängen. Orac hat Bauer und seine „Argumente“ in seinem Artikel auch dementsprechend zerlegt.

Aber diese Typen sollen nicht im Zentrum dieses Artikels stehen, eher die Frage, wie sieht es heute eigentlich aus? Wo stehen wir? Als Aids entdeckt wurde, war es eine schreckliche Seuche, ein absolutes Todesurteil. In den letzten 25 Jahren hat sich jedoch einiges getan. Eine Studie von 2008 hat ermittelt, dass die Lebenserwartung in reichen Ländern gewaltig gestiegen ist. Um 37% in den letzten 10 Jahren.

Eine 20-jährige Person, die im Zeitraum von 1996 – 1999 eine Antiretrovirale Therapie bekam, konnte damit rechnen, noch weitere 36 Jahre zu leben. Eine 20-jährige Person, die von 2003 – 2005 ein ARV-Therapie begann, durfte mit geschätzten weiteren 49 Jahren Lebenszeit rechnen. Eine europäische Studie von 2010 findet sogar, dass Männer, die ihre CD4 Zahlen auf über 500 halten, wohl eine ähnliche Lebenserwartung haben wie der Durchschnittsmann. Für Frauen sind die Zahlen leider etwas schlechter. Einen Grund für die Geschlechterdiskrepanz nennt die Studie nicht.

Afrika ist in dieser Hinsicht sicher das Sorgenkind der Welt (mit fast 70% der Infizierten), was natürlich zumindest in Südafrika auch auf die dortige Politik der Aids-Leugnung unter Präsident Mbeki zurückzuführen ist. Von 30 Millionen Infizierten in Afrika leben etwa 6 Millionen in Südafrika. Zwar ist auch in Afrika mittlerweile in vielen Ländern Behandlung verfügbar und die Lebenserwartung steigt, aber eine lebenslange Versorgung mit Medikamenten ist trotzdem oft unbezahlbar. Ist Behandlung verfügbar, wie in den reicheren Ländern, so zeigen die Daten, dass sich die Lebenserwartung dadurch drastisch erhöht hat, wie z.B. in Uganda. Hans Rosling dokumentiert das in einem Video sehr schön:

Positiv ist noch zu vermelden, dass die Fortschritte der Medizin aus einer tödlichen Krankheit fast ein chronisches Leiden gemacht haben. Das soll keine Verharmlosung sein; sein Leben lang Medikamente nehmen zu müssen, gehört sicher nicht zu erstrebenswerten Dingen, aber es hat sich etwas getan. Und wenn man in die nächsten 10 Jahre blickt, gibt es einige vielversprechende Funde in der Wissenschaft, die uns vielleicht in die Lage versetzen werden, dieser Seuche den Garaus machen zu können.

Forscher am Scripps Research Institute haben einen Antikörper gefunden, der gegen 70% der bekannte HIV-Stämme wirkt und arbeiten auf einen Impfstoff hin. Damit sind sie nicht allein. Mehrere Projekte forschen mit verschiedenen Ansätzen an Impfstoffen, eines davon auch schon in Phase I-Trials. Im Tierversuch hat sich ein Stoff namens Auranofin als vielversprechende Behandlungsverbesserung, vielleicht sogar Heilungsmöglichkeit erwiesen. Ein Protein, das HIV zerstört, konnte gefunden werden. Und wir haben auch schon von Foldit berichtet, wo ein Protein, das Aids in Rhesusaffen auslöst, erfolgreich gefaltet werden konnte, was für die Forschung immens wertvoll ist.

All diese Forschungen und Erkenntnisse sind natürlich Zukunftsmusik, aber es tut sich so viel, dass man mit einem lachenden Auge in die Zukunft blicken kann. Ein Impfstoff könnte uns in die Lage versetzen, die Seuche auszurotten; bessere Behandlungen werden wohl irgendwann sogar Heilung bringen. Bis dahin gilt es, das Leben der Infizierten zu verlängern und die existierenden Medikamente zu verbessern.

Und mit einem weinenden Auge zurück auf die über 30 Millionen infizierten Menschen und 1,8 Millionen Menschen, die allein 2009 daran gestorben sind. Dabei besonders nach Südafrika, wo dieser Horror nicht notwendig gewesen wäre.