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Fröhliches Aids-Leugnen mit Peter Duesberg

7. Januar 2012 7 Kommentare

Peter Duesberg, einer der prominentesten Aids-Leugner, hat wieder zugeschlagen.

Er hat es geschafft, dass das Paper „AIDS since 1984: No evidence for a new, viral epidemic – not even in Africa“ im italienischen Journal of Anatomy and Embryology abgedruckt wird.

Der Text ist im wesentlichen nichts Neues; eine vorhergehende Fassung wurde bereits 2009 vom Journal „Medical Hypotheses“ abgedruckt, was zu einem ziemlichen Aufschrei in der wissenschaftlichen Gemeinschaft führte.

„Medical Hypotheses“ hatte keinerlei Review-Prozess, d.h. niemand hat sich die abgedruckten Arbeiten angesehen. Und so ist damals dieses Paper wohl einfach durchgerutscht. Das Verlagshaus hat nach der verärgerten Reaktion der medizinischen Welt die Arbeit von 5 Wissenschaftlern unabhängig prüfen lassen. Alle urteilten, dass die Arbeit nie abgedruckt hätte werden dürfen, da sie zu schlecht sei. Sie wurde daraufhin zurückgezogen und da es dem Verlag wohl sehr peinlich war, wurde daraufhin auch ein Peer-Review-Prozess bei „Medical Hypotheses“ eingeführt.

Peter Duesberg hat seitdem seine Arbeit an weitere Wissenschaftsjournale geschickt und jetzt wohl eines gefunden, das die Arbeit abdruckt. In einem Interview mit Nature kommentierte der verantwortliche Redakteur (des recht unbedeutenden Magazins), warum Duesbergs Arbeit nicht abgelehnt wurde:

„Speculative conclusions are not a reason for rejection, provided they are correlated with the data presented,“

Auch ein Standpunkt …

Sehen wir uns einmal diese Spekulationen an:

Erstmal die, es gebe keine AIDS-Epidemie. Duesberg et al. behaupten, wenn es eine Epidemie gebe oder gegeben hätte, hätte es exponentielle Infektionsraten und Tote innerhalb der ersten Wochen gegeben. Als Beispiele für richtige Epidemien zieht er die Pest im 17. Jahrhundert in London und die Spanische Grippe heran.

Duesberg druckt dazu ein Diagramm zur Influenza-Epidemie 1918/19 ab, denn so müsste seiner Meinung nach der Verlauf von AIDS aussehen, gebe es eine Epidemie:

Verlauf einer "echten" Epidemie laut Duesberg

Was er dabei komplett ignoriert ist, dass HIV nicht durch Husten oder Händeschütteln übertragen wird, wie gemeinhin die Grippe. Oder wie die Pest durch Insektenbisse und Tröpfcheninfektion. Es ist eine sexuell übertragbare Krankheit, bei der glücklicherweise die Infektionsrisiken auch bei Geschlechtsverkehr noch relativ gering sind und bei der es sehr lange dauert, bis sich Symptome zeigen.

Man kann Duesbergs Argumentation ungefähr so zusammenfassen: „Tennis ist kein Sport, weil dort in den ersten 5 Minuten keine Tore geschossen werden“.

Und weil HIV sich nicht verhält wie die Pest oder die Grippe, könne sie auch in Südafrika keine 1,8 Millionen Menschen umgebracht haben. Die Logik im ersten Kapitel ist so weit ziemlich „bestechend“.

Im weiteren wird auf Basis des Bevölkerungswachstums argumentiert. Da die Bevölkerung in Südafrika (und anderer Länder wie Uganda) trotz HIV/AIDS weiter stark gewachsen ist, könne man daraus seiner Meinung nach einfach nur folgern, dass HIV/AIDS kaum jemanden umgebracht hat.

Diese Logik ist so falsch wie sie nur sein kann; als einfaches Gegenbeispiel kann der Zusammenhang Kindersterblichkeit/Bevölkerungswachstum dienen. In den Ländern mit der höchsten Kindersterblichkeit hat man die höchste Geburtenrate und auch das höchste Bevölkerungswachstum.

Wie dieses Beispiel zeigt, kann man nicht einfach aus dem Bevölkerungswachstum folgern, dass es weniger Tote gegeben habe. Duesberg garniert das Ganze dannnoch mit einigen Diagrammen und spekuliert ein wenig, dass die Daten der WHO ja falsch sein könnten …

Er spekuliert dann weiter, dass HIV einfach ein harmloser Virus sein könne und erklärt darauf, dass Medikamente zur HIV-Behandlung ja toxisch seien. Dabei wird die immer gerne gehörte These, dass die Leute eigentlich alle an der Behandlung verstarben, aufgewärmt. Speziell AZT wird hier sehr gerne als Generalverdächtiger an den Pranger gestellt, am liebsten auf der Basis von mehr als 20 Jahre alten Behandlungsdaten.

Zum Abschluss folgern Duesberg et al.:

Until there is verifiable evidence that HIV is fatally pathogenic, we deduce that South Africa’s „failure to accept the use of available ARVs [anti-HIV drugs]“ has probably saved rather than cost South African lives.

Wir vermuten, wenn man für den Tod von 300.000 Menschen mitverantwortlich ist, hat man wohl keine Wahl als sich in eine Fantasiewelt zu flüchten.

Einen weiteren schönen Artikel zum Thema findet man bei den englischen Scienceblogs.