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Artikel Tagged ‘HIV’

Der Traum meines Großvaters

22. Juni 2015 Keine Kommentare

Als mein Großvater Ding Shuiyang aus der Stadt zurückkam, lag die Abenddämmerung schon über der Ebene. Die Straße nach Dingzhuang war vor zehn Jahren betoniert worden – damals, als die Dorfbewohner Blut verkauft hatten. Das Dunkel der Gedanken, die er unterwegs nicht hatte entwirren können, begann sich zu lichten.

Ihm war klar: wo Wolken sind, da gibt es Regen.
Ihm war klar: wenn der Herbst zu Ende geht, wird es kalt.
Ihm war klar: die Dorfbewohner, die vor zehn Jahren Blut verkauft hatten, würden das Fieber kriegen. Und wer das Fieber hatte, würde sterben, so wie der Herbstwind die welken Blätter von den Bäumen fegt.

Das Fieber war im Blut verborgen; mein Großvater war in seinen Träumen verborgen. Die Krankheit liebte das Blut, Großvater liebte das Träumen.

Seit er in der Kreisstadt war, wusste er:

Das Fieber hatte in Wirklichkeit einen anderen, einen wissenschaftlichen Namen – nämlich AIDS. Wer seinerzeit Blut verkauft hatte, war heute ausnahmslos an AIDS erkrankt. Die Kraft verließ sie, ihr Körper war von Pusteln und Flecken übersät, die Zunge war eiterig und allmählich trockneten die Kranken aus. Sie quälten sich drei Monate oder ein halbes Jahr, hielten vielleicht sogar acht Monate durch, aber nur selten ein ganzes Jahr. Dann – ja, dann starben sie.

Starben wie vom Wind losgerissene Blätter.
Erloschen wie eine Lampe; waren nicht mehr von dieser Welt. Mehr…

Barbara Seebald – I won’t go quietly

21. Juni 2015 19 Kommentare
Screenshot der Facebook-Seite, auf der die Todesnachricht verkündet wurde

Todesnachricht auf Facebook

Barbara Seebald ist verstorben. Im Alter von Mitte 40 sterben zu müssen ist heutzutage keine Normalität mehr.

Barbara Seebald war mit HIV infiziert und litt wohl an AIDS, glaubte aber nicht an die Existenz dieser Krankheit, die ihrer Meinung nach eine Erfindung der Pharmaindustrie sei. Daher lehnte Barbara Seebald auch eine medizinische Behandlung ab.

Auch ihr Ehemann Leonhard Seebald war HIV-positiv und starb 2010 an den Folgen eines Lungenödems. Der Tod wurde „der Folter der pharmagesteuerten Schulmedizin und deren Handlangern, [den] Behörden und Gerichte[n]“ zugeschrieben.

Lesenswert zur Gedankenwelt der Seebalds ist ein Interview/Artikel in Zeit Online aus dem Jahr 2013.

Besonders tragisch an der Geschichte der Familie Seebald ist auch, dass die Tochter Muriel von ihrer Mutter ebenfalls mit HIV infiziert wurde. Die Behörden schritten ein; Muriel wurde in einem SOS-Kinderdorf untergebracht, die anderen Kinder bei Pflegeeltern. Mehr…

Aids? Da haben wir auch was für Sie …

11. August 2014 2 Kommentare

Weil wir gerade so schön dabei sind, wollen wir noch so eine glänzende Homöopathen-Truppe vorstellen: Homoeopathy for Health in Africa

Das sind Männer und Frauen mit einer Mission:

  • To relieve the suffering of HIV/AIDS patients using classical homoeopathy
  • To identify the homoeopathic remedies most successful in treating HIV/AIDS
  • To spread this knowledge throughout Tanzania and Africa
  • To produce formal, ethical research
  • To prove to the world what homoeopathy can do

Das muss man wohl nicht übersetzen, die gefetteten Begriffe sind wohl Augenschmaus genug.

Jeremy Sherr, der Gründer dieser Aktion ist kein Unbekannter: schon 2009 hatte Orac viel Freude an seinem Geschwurbel.

Sherr fühlte sich damals (und auch heute noch) von der „pharmazeutischen Inquisition“ verfolgt, nur weil er eine ziemlich kreative Idee für eine homöopathische Studie hatte. Mehr…

Die Pfingstkirche und die HIV-Wunderheilungen

20. August 2013 6 Kommentare

Wie die BBC berichtet, sind einige Pastoren der Pfingstbewegung in lebensgefährlicher Mission unterwegs. Oh, sie gefährden natürlich nicht das eigene Leben, nur das von Gläubigen.

Die Children’s HIV Association befragte 19 Mediziner, die in England mit Kindern und Babys arbeiten, da die Organisation Gerüchte vernommen hatte, dass HIV-Patienten ihre Medikamente absetzten, weil ihre Pastoren ihnen das befahlen.

Zehn dieser Mediziner hatten schon in den letzten 5 Jahren mit diesem Problem zu kämpfen: 29 ihrer Patienten hatten erklärt, sie seien unter Druck gesetzt worden, ihre Medikamente abzusetzen und mindestens elf hatten das dann tatsächlich getan.

Darunter Eltern, die unter Druck gesetzt worden waren, ihren kleinen Kindern die antiretroviralen Medikamente nicht zu geben und sich dem Druck beugten. Stillende Mütter, HIV positiv getestet, verweigerten die Medikamente, die ihre Kinder vor dem Virus geschützt hätten.

Einige Pastoren hatten den Patienten erklärt, dass sie stattdessen beten und Weihwasser trinken sollten. Mehr…

Der Einfluss der Religionen

2. September 2012 6 Kommentare

Man hört ja sehr oft das Argument, dass der Papst in Afrika mit seinem Kondomverbot riesigen Schaden anrichtet, weil die Position der Kirche zu Verhütungsmitteln eine Katastrophe ist. Nicht nur wegen AIDS, sondern auch wegen der Bevölkerungsentwicklung. Dass diese Position aus Sicht von Vernunft und Ethik zu verurteilen ist, daran besteht für uns kein Zweifel. Und Aussagen afrikanischer Priester und Bischöfe, die behaupten, dass Kondome nicht schützen und sogar mit HIV verseucht sind, kann man nur als ekelhaft bezeichnen.

Aber dieses Problem, diese Thematik betrifft nicht nur das Christentum – speziell auch islamisch-fundamentalistische Gruppierungen sind nicht für ihren Einsatz für die Frauenrechte bekannt.

In diesem Sinne stellt sich natürlich die Frage: wie groß ist der Einfluss der Religionen? Wie viel Macht haben sie tatsächlich im Schlafzimmer? In Bezug auf Frauenrechte? Hans Rosling betrachtet den Punkt Sex in einer Rede in Qatar und setzt Religionen und Fruchtbarkeit in einen Kontext. Und was findet er? Dass die Macht der Religionen begrenzt ist. Mehr…

Fröhliches Aids-Leugnen mit Peter Duesberg

7. Januar 2012 7 Kommentare

Peter Duesberg, einer der prominentesten Aids-Leugner, hat wieder zugeschlagen.

Er hat es geschafft, dass das Paper „AIDS since 1984: No evidence for a new, viral epidemic – not even in Africa“ im italienischen Journal of Anatomy and Embryology abgedruckt wird.

Der Text ist im wesentlichen nichts Neues; eine vorhergehende Fassung wurde bereits 2009 vom Journal „Medical Hypotheses“ abgedruckt, was zu einem ziemlichen Aufschrei in der wissenschaftlichen Gemeinschaft führte.

„Medical Hypotheses“ hatte keinerlei Review-Prozess, d.h. niemand hat sich die abgedruckten Arbeiten angesehen. Und so ist damals dieses Paper wohl einfach durchgerutscht. Das Verlagshaus hat nach der verärgerten Reaktion der medizinischen Welt die Arbeit von 5 Wissenschaftlern unabhängig prüfen lassen. Alle urteilten, dass die Arbeit nie abgedruckt hätte werden dürfen, da sie zu schlecht sei. Sie wurde daraufhin zurückgezogen und da es dem Verlag wohl sehr peinlich war, wurde daraufhin auch ein Peer-Review-Prozess bei „Medical Hypotheses“ eingeführt.

Peter Duesberg hat seitdem seine Arbeit an weitere Wissenschaftsjournale geschickt und jetzt wohl eines gefunden, das die Arbeit abdruckt. In einem Interview mit Nature kommentierte der verantwortliche Redakteur (des recht unbedeutenden Magazins), warum Duesbergs Arbeit nicht abgelehnt wurde:

„Speculative conclusions are not a reason for rejection, provided they are correlated with the data presented,“

Auch ein Standpunkt …

Sehen wir uns einmal diese Spekulationen an:

Erstmal die, es gebe keine AIDS-Epidemie. Duesberg et al. behaupten, wenn es eine Epidemie gebe oder gegeben hätte, hätte es exponentielle Infektionsraten und Tote innerhalb der ersten Wochen gegeben. Als Beispiele für richtige Epidemien zieht er die Pest im 17. Jahrhundert in London und die Spanische Grippe heran.

Duesberg druckt dazu ein Diagramm zur Influenza-Epidemie 1918/19 ab, denn so müsste seiner Meinung nach der Verlauf von AIDS aussehen, gebe es eine Epidemie:

Verlauf einer "echten" Epidemie laut Duesberg

Was er dabei komplett ignoriert ist, dass HIV nicht durch Husten oder Händeschütteln übertragen wird, wie gemeinhin die Grippe. Oder wie die Pest durch Insektenbisse und Tröpfcheninfektion. Es ist eine sexuell übertragbare Krankheit, bei der glücklicherweise die Infektionsrisiken auch bei Geschlechtsverkehr noch relativ gering sind und bei der es sehr lange dauert, bis sich Symptome zeigen.

Man kann Duesbergs Argumentation ungefähr so zusammenfassen: „Tennis ist kein Sport, weil dort in den ersten 5 Minuten keine Tore geschossen werden“.

Und weil HIV sich nicht verhält wie die Pest oder die Grippe, könne sie auch in Südafrika keine 1,8 Millionen Menschen umgebracht haben. Die Logik im ersten Kapitel ist so weit ziemlich „bestechend“.

Im weiteren wird auf Basis des Bevölkerungswachstums argumentiert. Da die Bevölkerung in Südafrika (und anderer Länder wie Uganda) trotz HIV/AIDS weiter stark gewachsen ist, könne man daraus seiner Meinung nach einfach nur folgern, dass HIV/AIDS kaum jemanden umgebracht hat.

Diese Logik ist so falsch wie sie nur sein kann; als einfaches Gegenbeispiel kann der Zusammenhang Kindersterblichkeit/Bevölkerungswachstum dienen. In den Ländern mit der höchsten Kindersterblichkeit hat man die höchste Geburtenrate und auch das höchste Bevölkerungswachstum.

Wie dieses Beispiel zeigt, kann man nicht einfach aus dem Bevölkerungswachstum folgern, dass es weniger Tote gegeben habe. Duesberg garniert das Ganze dannnoch mit einigen Diagrammen und spekuliert ein wenig, dass die Daten der WHO ja falsch sein könnten …

Er spekuliert dann weiter, dass HIV einfach ein harmloser Virus sein könne und erklärt darauf, dass Medikamente zur HIV-Behandlung ja toxisch seien. Dabei wird die immer gerne gehörte These, dass die Leute eigentlich alle an der Behandlung verstarben, aufgewärmt. Speziell AZT wird hier sehr gerne als Generalverdächtiger an den Pranger gestellt, am liebsten auf der Basis von mehr als 20 Jahre alten Behandlungsdaten.

Zum Abschluss folgern Duesberg et al.:

Until there is verifiable evidence that HIV is fatally pathogenic, we deduce that South Africa’s „failure to accept the use of available ARVs [anti-HIV drugs]“ has probably saved rather than cost South African lives.

Wir vermuten, wenn man für den Tod von 300.000 Menschen mitverantwortlich ist, hat man wohl keine Wahl als sich in eine Fantasiewelt zu flüchten.

Einen weiteren schönen Artikel zum Thema findet man bei den englischen Scienceblogs.

Elizabeth Pisani: Sex, drugs and HIV — let’s get rational

3. Dezember 2011 1 Kommentar

Hier ein schöner, interessanter und vor allem sehenswerter Beitrag auf TED, von Elizabeth Pisani, die sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit HIV/Aids beschäftigt und sich in ihrem Blog The Wisdom of Whores sowie in einem gleichnamigen Buch für etwas mehr Vernunft im Umgang mit der Krankheit einsetzt.


(Untertitel in Deutsch und 29 anderen Sprachen sind zum Video auf der TED-Seite vorhanden)

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Welt-AIDS-Tag 2011

2. Dezember 2011 2 Kommentare

Der Welt-AIDS-Tag ist gekommen und zu Ende gegangen; die Frage ist, was bleibt? Wird die durchaus üppige Berichterstattung Nachhall finden und das Thema auch weiter beachtet und im kurzlebigen Gedächtnis der Menschen Platz finden? Mal sehen.

Wir haben schon vor 2 Wochen über das Thema HIV heute berichtet, dass das Todesurteil im Wesentlichen in ein „lebenslänglich Medikamente“ umgewandelt wurde. Das Thema hat z.B. auch die österreichische Zeitung Der Standard aufgegriffen und erzählt anhand des Tagesablaufs der HIV-Ambulanz des Wiener AKH ein wenig vom Leben von Patienten und Ärzten. Die Süddeutsche dokumentiert zwei Schicksale, zwei Menschen Daniel und Zübeyde, die mit HIV leben.

Grauslich leider wie so oft manche Kommentare im Standard, die noch immer die Existenz von HIV überhaupt leugnen. Wir können nur hoffen, dass das nur vereinzelte Spinner sind; die Typen, die wir im Wiki haben, reichen uns schon. Danke, wir brauchen nicht mehr!

Mittlerweile gibt es laut Statistiken des RKI in Deutschland 73.000 Menschen, die HIV positiv sind, wobei 14.000 von diesen 73.000 es noch gar nicht wissen. Die Kampagne Vergiss Aids nicht! hat auch eine sehr gute Übersicht. In Österreich sind die Zahlen umgerechnet auf die Bevölkerung ähnlich, 10.000 Infizierte und 1.714 an Aids erkrankte, 1.945 sind seit 1985 daran verstorben. In der Schweiz leben schätzungsweise 25.000 Infizierte, wobei etwa 6.000 seit 1985 an Aids verstorben sind.

Jedes Jahr, auch dieses, gab es einige hundert Neuinfektionen (Deutschland: 2700, Österreich: 400, Schweiz: 600); es ist also immer noch klug, Kondome zu benutzen. Die Majorität der Neuinfektionen findet allerdings in Ländern der sogenannten 3. Welt statt. Und dort sterben auch die meisten Menschen daran, da die Versorgung mit Medikamenten nicht so gut ist wie in Mitteleuropa. Bedauerlich dort, dass so einflussreiche Organisationen wie die Kirche noch immer Kondome ablehnen (oder im besten Fall den Mund halten) und stattdessen auf wirkungslose Predigten wie Enthaltsamkeit setzen, ein Konzept von dem längst erwiesen ist, dass es nicht funktioniert.

Auf der Haben-Seite steht die Forschung, neue Medikamente, die die Lebenserwartung verbessern, ein Phase I Trial mit einem vielversprechenden Impfstoff, eine Möglichkeit, dasVirus zu „entwaffnen“, allerdings erst in einem frühen Stadium; eine Therapie, die auf genetischer Modifikation von T-Zellen basiert und Forscher fanden auch ein Protein, das HIV zerstört.

Und das ist nur ein unvollständiger Überblick über die Entwicklung in der letzten Zeit. Man muss bei diesen Ergebnissen/Möglichkeiten natürlich vorsichtig sein; es ist noch zu früh, um zu jubeln. Aber die schiere Menge an Forschungsergebnissen lässt doch hoffen. Spannend wird auch, wie sich ein Impfstoff auf eine Krankheit auswirkt, die nicht „vom Immunsystem besiegt“ werden kann, also im Gegensatz zu den Pocken, Masern, Grippe, … Wird eine Impfung genügen, die Krankheit langfristig auszurotten?

Hoffen wir einfach, dass es irgendwann komplett egal ist, ob irgendwelche Idioten noch immer die Existenz des Virus leugnen und ihre eigenen Kinder infizieren. Weil es eine Heilung geben wird. Die Frage ist nur, wie lange wird es dauern und wie viele Menschen müssen bis dahin noch ihr Leben lassen? Wie viele davon unnötig?

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Pastoren versprechen HIV/Aids-Heilungen: Mindestens 6 Todesopfer

25. November 2011 4 Kommentare

Evangelikale Kirchen in London, Manchester, Birmingham und Glasgow behaupten wohl seit einiger Zeit HIV mit der Hilfe Gottes heilen zu können.

Wie der englische Nachrichtensender Sky News berichtet, haben sie Reporter „undercover“ zu der „Synagogue Church of All Nations (SCOAN)“ geschickt. Diese haben sich dort als HIV-positiv ausgegeben und ihnen wurde dann dort von Pastoren Heilung versprochen, angeblich mit 100% Erfolgsrate. Eine der Reporterinnen, die tatsächlich mit HIV infiziert ist, berichtet im Detail.

Auf der Webseite der Kirche findet man diverse Heilungsvideos, wo sie natürlich nicht nur HIV sondern auch Krebs „heilen“. Der Teufel wird ausgetrieben, Weihwasser verspritzt, Halleluja!

Da die Opfer ja dann geheilt sind, wird ihnen dazu geraten ihre Medikamente abzusetzen, sie wegzuwerfen und sorgenfrei mit ihrer Familie zu leben … Bis zum frühen Tod.

Sky hat auch ein Opfer, das vor einem Jahr die Medikamente auf Anraten eines Pastors abgesetzt hat, dazu befragt:

„(The pastor) told me I’d been healed – ‚You’ve got to stop taking the medicine now. I’ll keep praying for you. Once God forgives you then the disease will definitely go.'“

Der Mann vermutet auch, dass er seinen Freund mit HIV angesteckt hat:

„Yeah, I think I’ve passed it on. He got ill. Physically, he’s lost some bit of weight. He’s very small. I think he’s worried… Yeah, I feel guilty, if I’m the one who passed it onto him I’m feeling guilty. Yeah, very much guilty.“

Insgesamt sechs Patienten sind bereits verstorben, nachdem sie von diversen Kirchen aufgefordert wurden, ihre Medikamente abzusetzen. Mitte Oktober waren der BBC erst 3 Todesopfer bekannt gewesen…

Alternative HIV-Therapie: Wunsch und Wirklichkeit?

14. September 2010 57 Kommentare

Aus unserem Forum:

Hallo esowatch Forum,

ich bin durch Hinweise in den Selbsthilfeforen auf diese Diskussion aufmerksam geworden und möchte etwas aus der Perspektive der Betroffenen beitragen. Ich bin HIV-positiv und lag bereits mit AIDS im Krankenhaus. Freunde von mir sind an den Folgen von AIDS gestorben. Es ist ein langsames, entwürdigendes und schmerzhaftes Sterben. Es ist mir wichtig, dass hier jedem bewusst ist, worum es bei HIV geht. HIV führt, wenn es nicht behandelt wird, zu AIDS. Und daran sterben Menschen auf der ganzen Welt qualvoll. Mitte der 90er wurden Medikamente zugelassen, die genau das verhindern. Seitdem spricht man vom neuen AIDS und von HIV als einer chronischen, behandelbaren Krankheit.

Aus Gesprächen weiss ich, dass bei Neubetroffenen massivste Ängste vorhanden sind. Sie haben Angst vor AIDS, vor der Zukunft, vor den Nebenwirkungen der Medikamente, vor einer Stigmatisierung und davor, dass sie ihre Träume und Ziele nicht mehr  erreichen können. Es gelingt oft genug nicht, diese Betroffenen rechtzeitig von der Einnahme der lebensnotwendigen Medikamente zu überzeugen. Diese landen dann mit schwersten Erkrankungen im Krankenhaus oder suchen erst dort Ansprechpartner. Das fängt bei einem simplen Herpes an, geht über verpilzte Speiseröhren und Lungen, Krebstumoren bis hin zur zerebralen Toxoplasmose und Enzephalopathie. Ich denke, euch ist die Dimension des Leidens hinter diesen kalten Worten bewusst. Der Weg zurück zu einem  gesundheitlichen Status, mit dem man seinen Alltag bewältigen kann, ist dann sehr langwierig und gelingt nicht immer. Heute sterben immer noch Menschen in Deutschland an AIDS. Das müsste nicht sein, weil die Medikamente dies erfolgreich verhindern. Ich bin nicht aus Prinzip gegen komplementäre Therapien. Ganz im Gegenteil: keiner und keine von uns Menschen mit HIV und AIDS möchte freiwillig ein Leben lang jeden Tag Tabletten schlucken, die massiv in den Organismus eingreifen. Wir sind alle dankbar für Methoden, die unsere Lebensqualität erhöhen. Aber es geht hier um unser Leben. Die Alternative zu den Medikamenten ist ausnahmslos  Krankheit und Sterben. Mehr…