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„Der Standard“ aus Wien die Zweite

11. August 2008 Keine Kommentare

Es gibt doch noch Gerechtigkeit und Vernunft auf der Welt. Der österreichische „Standard“, der in seiner Online-Ausgabe Werbung für die Homöopathie machte:
„“Der Standard“ aus Wien“ (von uns) und
„Homöopathiepropaganda in der Qualitatszeitschrift“ (von Astrodicticum Simplex), bringt zum achzigsten Geburtstag von James Randi ein Interview mit dem Altmeister.

Der Zauberkünstler James Randi hält nichts vom Glauben an Übernatürliches. Seine „James Randi Educational Foundation“ hat sich zum Ziel gesetzt, angebliche paranormale Phänomene zu untersuchen. Wer es schafft, unter wissenschaftlich-objektiven Bedingungen übernatürliche Fähigkeiten nachzuweisen, kann sich bei Randi eine Million Dollar abholen. Weder Astrologen noch Wünschelrutengänger oder Homöopathen haben das bisher geschafft. Der STANDARD sprach mit James Randi anlässlich seines achtzigsten Geburtstages.

STANDARD: Sie waren selbst lange Zauberkünstler und lebten von der Faszination des Unerklärlichen. Können Sie Begeisterung über angeblich übersinnliche Phänomene nicht auch nachvollziehen?

James Randi: Nein, das kann ich nicht. Ein Zauberkünstler ist eine völlig ehrliche Person. Er sagt von vornherein: „Ich werde dich täuschen, indem ich Tricks verwende.“ Ein Spiritist wird das nie zugeben.

STANDARD-Interview: „Dieselben Tricks, die ich benutze“
Über die Gefahr, sich auf Übersinnliches zu verlassen: James Randi im Gespräch

Einen richtigen Artikel, der sich unter anderem der Homöopathie widmet, gibt es auch noch.
Auszug:

Randi gegen Homöopathie
Zu den paranormalen Phänomenen zählt James Randi auch die Homöopathie: „Bei homöopathischen Präparaten wird der Wirkstoff so sehr verdünnt, dass keine Spur der originalen Substanz mehr darin enthalten ist. Wenn das eine Krankheit heilen könnte, wäre das übernatürlich.“ 1988 behauptete eine französische Forschergruppe, den Wirkmechanismus von Homöopathie in Form eines mysteriösen „Gedächtnisses des Wassers“ wissenschaftlich nachgewiesen zu haben. James Randi wurde daraufhin vom weltberühmten Wissenschaftsjournal „Nature“ eingeladen, die Sache näher zu untersuchen. Randi entwickelte gemeinsam mit den Wissenschaftlern ein genaues Versuchsprotokoll, das keine Täuschungen zulassen sollte. Das Experiment wurde wiederholt – und plötzlich war der geheimnisvolle Effekt verschwunden. Der Glaube an den Effekt hatte die Wissenschaftler offenbar unbewusst dazu gebracht, ihre Daten einseitig zu interpretieren.

„Nichts als fauler Zauber“
James Randi kämpft mit wissenschaftlicher Methodik gegen das Übernatürliche – zu den paranormalen Phänomenen zählt er auch die Homöopathie

Danke „Standard“ und Alles Gute zum Geburtstag James Randi!

„Der Standard“ aus Wien

18. Juni 2008 9 Kommentare

Diese Zeitung ist mir eigentlich nur vom allmorgentlichen DLF-Hören als seriöse ausländische Quelle bekannt.
Die Qualitätszeitung veröffentlichte am 18.06.08 in ihrer Onlineausgabe aber ein Interview mit Frau Dr. Kapfinger-Bruckner, einer Ärztin.

Das Thema war die homöopathische Reiseapotheke:

Mit ein paar Fläschchen selbst heilen
Die homöopathische Reiseapotheke be­handelt nicht Erkrankungen sondern heilt individuell: wie man das im Urlaub selbst angeht, erklärt Birgit Kapfinger im Interview

Die Frau Dockter gab dann auch hilfreiche Tipps aus der Mottenkiste dieser Paramedizin:

Kapfinger: Es ist natürlich eine Übungs- und Erfahrungssache. Menschen reagieren individuell und unterschiedlich auf Substanzen. So kann es sein, dass sich bei Husten Phosphor bewährt, oder jemand Pulsatilla braucht.

Kapfinger: Entscheidend ist, ob eine Wirkung eintritt. Stimmt das Mittel hilft es unmittelbar. Das heißt innerhalb von ein bis zwei Stunden. Man nimmt einmal fünf Globuli und wartet danach ab. Hilft es, aber die Beschwerden kommen wieder, dann muss erneut ein Impuls gesetzt werden. Ändern sich die Beschwerden, dann ändert sich das Bild und ich muss auf die Suche nach einem neuen passenden Medikament gehen. Wenn sich bei der ersten Gabe gar nichts tut, dann kann man davon ausgehen, dass das Mittel nicht wirklich gepasst hat. Da muss weiter gesucht werden.

Das reicht schon. Der Rest steht im Artikel und die „Gesundheitstipps“ sind reiner Humbug.
Das Schöne an der ganzen Geschichte sind die Kommentare.
Anders, als normalerweise, regte sich hämischer und ironischer Widerstand der Leser.
Ein verzweifelter Homöopathieanhänger fasste es folgendermaßen zusammen:

„Wow!!
Die Postings hier sind allesamt (bis auf wenige Ausnahmen) gegen die Homöopathie.“


Hier ein paar Kostproben *freu*:

Ah, die Ähnlichkeitsregel
Die kann man auch mit Impfungen vergleichen. Nur dass die eine nachweisbare und erklärbare Wirkung haben. Die homöopathische Ähnlichkeitsregel ist dagegen eine, die auf magischem Denken basiert, darauf dass ähnliche Dinge in irgendeiner Weise zusammenhängen. Nach der selben Logik könnte ich Kopfweh mit Äpfeln behandeln, denn die sind rund und rot, wie ein schmerzender Kopf.

Dass sie nebenwirkungsfrei ist, ist ja wunderbar. Das Problem ist aber, dass sie auch Hauptwirkungsfrei ist.

Aus Ihnen wird noch einmal ein guter Homöopath!
Genialer Vergleich! 🙂 Könnte man fortspinnen: Wie wärs mit Buttersäure gegen Körpergeruch? Oder Riesenkürbis gegen Übergewicht und Bauchfett? Aber bitte nur in 1000er-Potenzen! 🙂

Lesen Sie hier nächste Woche: Unterwegs mit der Jungfrau Maria. Rosenkränze, wundertätige Amulette und Weihwässer, die in keiner Reiseapotheke fehlen sollten. Über Jahrhunderte sorgsam getestet und von unzähligen Menschen für wirksam befunden.

Ein paar Fragen
Ich möchte mich auf meine Urlaubsreise zu den schönsten Stränden Burkina Fasos richtig vorbereiten. Impfen oder ähnlicher Hokuspokus wie Homöopathie kommen für mich dabei aber nicht in Frage. Das geistige liegt mir da schon eher:
Worauf muss man achten, wenn man im Urlaub das richtige Gebet selbst auswählen muss? Kann man als Laie eine Differenzierungen überhaupt vornehmen?
Macht es bei all der Individualität überhaupt Sinn ein fertig geschnürtes Set an Reliquien in den Urlaub mitzunehmen?
Wann merkt man, ob der angerufene Heilige kein Fehlgriff war? Können falsche Amulette auch eine schädliche Wirkung haben?
Kann man vor einer Reise vorbeugend beten?

Könnten wir uns in der Rubrik „Gesundheit“
an die Dinge halten, deren Wirksamkeit erwiesen ist? Die Homöpathie hat das weder im 20. noch im 21. Jahrhundert geschafft.
Alles andere hat nämlich wenig mit Gesundheit zu tun.

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Viele Grüße auch an unsere Freunde von der„Gesellschaft für kritisches Denken“ und an Florian von astrodicticum-simplex.
Ihr bewirkt etwas!