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Measles? Whose Measles?

Im „Juno Magazine – a natural approach for family life“, einem in Bristol (UK) erscheinenden Magazin, schildert in der 28-cover-web-300x300Ausgabe vom 3. August 2016 eine gewisse Emma Hiwaizi, ansonsten befasst mit „Laughing Yoga Sessions„, in einem bemerkenswerten Beitrag ihre Erfahrungen während der Masernerkrankung ihrer bewusst ungeimpft gelassenen Töchter im vergangenen Frühjahr. Der Text ist bemerkenswert deshalb, weil er nicht nur (eher unbeabsichtigt) geeignet ist, Werbung für ein konsequentes Durchimpfen zu machen – wenn man sich die Einzelheiten der Krankengeschichte und das durchaus begrenzte Amüsement der Kinder über ihr Befinden durchliest. Nein, bemerkenswert ist er auch, weil dem Leser die Triebfeder für das bewusste Absehen mancher Eltern von einem Impfschutz ihrer Kinder im letzten Absatz dieses Textes geradezu ins Gesicht springt. Man muss der englischen Sprache auch gar nicht weiter mächtig sein, man muss nur hier und da die richtigen Stellen unterstreichen; etwa so:

I am still glad I chose not to vaccinate. I think all three of my girls have been strengthened by the measles and I am grateful that I was able to stay at home and look after them. It was a surreal spring. Outside was glorious and sunny and for over a month we were at home in the dark. It was a challenging and sometimes lonely experience. I now have much more respect for families who do choose to vaccinate. I think I was very naive about what measles involved, just how ill children can get and how easy it is for secondary complications to set in. In our house the girls had whooping cough, mumps and chicken pox without a murmur, but measles was in a different league. It was hard to find useful information about how to best care for them and it was utterly exhausting. My eldest daughter was angry that she was ill and missed crucial revision time. I think she will probably vaccinate her children. But I would do it all again, though I would give them Vitamin A and I would probably not let them use their laptops when they were meant to be resting in complete darkness. I think it is a shame that we have lost the art of nursing; I certainly felt I was making it up as I went along

 

Noch Fragen? Ja, eine:

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Und zum Weiterlesen empfehlen wir diesen früheren Beitrag in unserem Blog.

  1. Tribeka
    2. Oktober 2016, 09:02 | #1

    Und da hätte dem Autor der Zeilen ein tieferer Einblick in die englische Sprache doch entscheidend weiter geholfen. Aber evtl. sitzt ja schon ein Nerd am M.I.T. verwesend in seinem Zimmer und keiner hats bemerkt? Das wäre ihre Chance auf einen Auslandsaufenthalt 😀

  2. 2. Oktober 2016, 10:09 | #2

    @ Tribeka: Was hätte denn ein tieferer Einblick in die englische Sprache für Erkenntnisse gebracht?

    Der Text kommt nachdenklich rüber, die Frau reflektiert die Tragweite der Entscheidung, nicht zu impfen. Sie sieht das Leiden ihrer Kinder, die Schmerzen, die verlorene Zeit. Und dann schließt sie, dass sie es trotz allem wieder so machen würde, nur würde sie die Kinder noch mehr zur Ruhe zwingen. Und warum? Weil wir angeblich die Kunst der Krankenpflege verlernt haben? Was ist denn dass für ein bescheuerter Grund?

    Gut, die meisten Leute heutzutage hatten nie Grund, jemand wirklich krankes lange pflegen zu müssen (seid dankbar!) und wissen darum wenig darüber. In den Krankenhäusern und Pflegediensten führt eine Armee von seelenlosen Pfennigfuchsern ein unbarmherziges Regime, sodass keine Zeit für herkömmliches Pflegen bleibt und das Personal froh sein kann, die vorgeschriebenen Handgriffe ohne allzuviel Zeitüberschreitung zu schaffen.

    Aber deswegen Kindern Masern zumuten, damit verpeilte Eltern ihre Nostalgie ausleben und sich in ein (sowieso nur eingebildetes) goldenes Zeitalter der entschleunigten Nächstenliebe zurückträumen können? Also echt jetzt!

  3. Groucho
    2. Oktober 2016, 10:38 | #3

    Aber deswegen Kindern Masern zumuten, damit verpeilte Eltern ihre Nostalgie ausleben und sich in ein (sowieso nur eingebildetes) goldenes Zeitalter der entschleunigten Nächstenliebe zurückträumen können? Also echt jetzt!

    Man könnte glatt sowas wie Munchhausen by proxy vermuten.

  4. Küstennebel
    2. Oktober 2016, 17:09 | #4

    Man kann das auch so deuten, das diese Personen ein Problem damit haben, ihre Kinder als eigenständige Wesen zu sehen, die z.B. das Recht auf Unversehrtheit haben und bestmögliche Fürsorge. Diese Personen haben ein Problem mit sich selbst und fühlen sich selbst Schuldig, wie sie das in der Aussage prägt, das die Menschen irgendetwas verlernt hätten sich wirklich umeinander zu kümmern. Wer Mensch ist, ist hier also Schuldig und in diesem Schuldkomplex verharren sie und bestrafen stellvertretend ihre Kinder für sich selbst und leiden natürlich mit den Kindern als (teil-)empathische Eltern. Aber sie sehen es als gerechtfertigt an durch Leiden einen höheren Bewußtseinszustand zu erreichen.

    Das ist das was ich daraus lese. Wie man solche Menschen wirklich dort abholt wo sie stehen, weiß ich allerdings nicht.

    Zum Teil ist das ein Problem das man überall sieht. Bei den Veganern, irgendwelchen esoterischen Extremisten und einigen Religionen. Leiden wird zum Tor zu einem besseren Leben oder untersteht einem höheren Daseinszweck. Teilweise kommt das afaik auch mit dem Gestus der Katholen überein, die das ähnlich verkaufen. Vielleicht sind einige der heutigen Esos mit solchen Anwandlungen Kinder katholischer Erziehungsversuche und haben dieses Leidensethos internalisiert und ein Bedürfniss danach, wählen allerdings aus Gründen der Modernität eben andere „Glaubensformen“ oder Überzeugungssysteme.

    Leid als Opfergabe für ein besseres Dasein ist in vielem verankert. Nicht nur bei den Esos, denke ich.

    MFG