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Die Bombe in der Flasche.

Dieser Beitrag hat nur wenig mit Esoterik zu tun. Es geht um die Verkaufsmechanismen der Scharlatane, die ja auch zu unserem Beobachtungsfeld gehören. Da Sommer ist und Zeit für eine neue Sau, die man durchs Dorf treibt, haben wir jetzt eine kleine Uran-Panik: Uran im Trinkwasser!

Ich möchte weder Foodwatch noch Hersteller funktionierender Wasserfilter als Scharlatane bezeichnen, allerdings sind die Methoden der PR oft identisch: Der eine schürt Angst, der andere bietet eine Lösung.

Da gerade wieder heftig über Kernkraftwerke und deren Laufzeitverlängerung diskutiert wird, bietet sich Uran im Trinkwasser geradezu als Thema an: Uran hat kein wirklich gutes Image in der Öffentlichkeit.

Organisationen wie Foodwatch (Gegründet vom ehemaligen Greenpeace-Chef Thilo Bode) haben ein grundsätzliches Problem: Einerseits ist es zwar zu begrüßen, dass jemand anderen auf die Finger schaut, andererseits brauchen solche Organisationen Geld. Und Geld bekommt man nur, wenn die Tätigkeit in der Öffentlichkeit als wertvoll angesehen wird. Und dies wiederum ist eine Frage der PR. Und hier wird der Grat oft sehr schmal zwischen dem schüren irrationaler Ängste und seriöser Aufklärung.

Mag Foodwatch noch seriös agieren (m.M. nach nicht), ist der Fall spätestens hier klar:
Da spring jemand sehr unseriös auf den Zug auf: Alleine die Gestaltung der Seite zeigt die Richtung: Habt Angst vor Uran im Trinkwasser!

Nicht, dass ich Uran im Trinkwasser für gut heiße, oder empfehle, Uran statt Parmesan über die Spaghetti zu hobeln (wäre auch feuergefährlich), aber man sollte schon die Kirche im Dorf lassen: Uran kommt fast überall auf unserem Planeten vor, also ist es auch im Trinkwasser. Weil das schon lange bekannt ist, gibt es Grenzwerte oder wenigstens Richtwerte.

Die Art, wie das Thema durch die Medien gejagt wird, zeigt alle Merkmale einer Sommerlochgeschichte und trieft vor Alarmismus.

Jage den Leuten Angst ein, spiel dich als wichtig auf und verticke Wasserfilter.
Ein ganzheitlicher Chemophobiker säuft lieber verkeimtes Wasser aus einem teuren Filter, als Trinkwasser in deutscher Qualität.

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  1. 20. August 2008, 13:24 | #1

    Homöopathische Patienten können nun aufatmen: sparen sie sich ja die 11,89 bei Docmorris für das altbewährte Uran C12 von Homeda Pharma. Uran ist ja glücklicherweise verbunden mit den Kräften des Ich. Zu geben bei “vermehrter Milchbildung", aber auch den Folgen von massiver schulmedizinischer Behandlung un dem Machtkampf zwischen Mann und Frau sowie großer Wut.

  2. 20. August 2008, 15:35 | #2

    Uah, diese Grenzwertableitung soll für Uran gelten? Das bezweifele ich stark. Diese Art der Ableitung gilt für REACH höchstens, aber sicher nicht nach TinkwasserVO oder LMBG.

  3. 20. August 2008, 15:40 | #3

    Nachtrag:
    Das BfR hat 2007 eine Risikobewertung zu Uran vorgelegt, samt Ableitung der möglichen TDI:
    http://www.bfr.bund.de/cm/2

  4. 20. August 2008, 18:57 | #4

    Die aktuelle Mediendebatte über Uran ging doch auch nur davon aus, das in einigen Gemeinden der Grenzwert, den Wasser für Babynahrung zu erfüllen hat, im Trinkwasser überschritten wurde.
    Ob das jetzt so ein Skandal ist, finde ich doch fragwürdig. Das eigendliche Problem ist bestenfalls dass in einigen Bundesländer garkein Grenzwert für Uran gilt und daher auch nicht oder nur unregelmässig darauf getestet wird.

  5. 20. August 2008, 21:53 | #5

    @magrat: Schreibs genauer, wenn Du magst. Das ist sicher möglich. Bin kein wirklicher Experte in Sachen Grenzwerte. Es geht um das Prinzip, mit absichtlich falsch zu verstehenden Formulierungen Spender und Kundschaft durch Angst zu generieren.

  6. 21. August 2008, 08:10 | #6

    Mit der Brandmarkung des unseriösen Prinzips hast du vollkommen recht, das unterschreib ich so. Nur der Absatz mit den Grenzwerten ist so schwach, dass die Seriösität der ganzen Aussage darunter leidet.

    Um Grenzwerte zu definieren, und deren jeweiliges Zustandekommen in unterschiedlichen Rechtsbereichen darzulegen bräuchte ich etliche Seiten, denn das ist ein höchst komplexes Feld.

    Zuerst einmal sagt das Wort "Grenzwert" nur aus, dass dieser Wert rechtlich verbindlich ist. Über sein Zustandekommen sagt das nichts.
    Im Bezug auf menschliche Gesundheit wird der im Blogartikel genannte Ansatz nicht verwendet. Da ist der Ausganspunkt immer ein NOAEL oder LOAEL, niemals eine LD50.
    LD50 charakterisiert eine akute Toxizität, im Falle wie Uran benötigt man aber Betrachtungen einer chronischen Toxizität gegenüber geringen Dosen. Der Ansatz ist das schon prinzipiell falsch.

    Regulatorische Entscheidungen beruhen im Allgemeinen nur selten ausschließlich auf wissenschaftlich gesicherten Grundlagen. Zum Schutz der Bevölkerung müssen jedoch effektive Maßnahmen bereits zu einem Zeitpunkt getroffen werden, bevor alle für eine wissenschaftlich zufriedenstellende Klärung erforderlichen Fakten vorliegen. Eine Gemeinsamkeit der Rechtsvorschriften der regulatorischen Toxikologie ist die Forderung nach der Unbedenklichkeit der Substanzen für Mensch und Umwelt. Eine weitere Gemeinsamkeit der Vorschriften ist, dass derjenige, der die Substanzen auf den Markt bringen will, die Unbedenklichkeit nachweisen muss.

    Am Ende einer regulatorischen Entscheidung steht fast immer ein Zahlenwert (Grenz-, Richt-, Leit-, Orientierungs-, Prüfwert etc). Die Entscheidung über Höhe und Anwendbarkeit, Aussagekraft und Ziel diese Wertes treffen keineswegs die Wissenschaftler alleine. Eine Grenzwertfindung entsteht vielmehr aus dem Zusammenspiel verschiedener Interessensgruppen. Die wissenschaftliche Seite entwickelt ein Konzept der Wirkung der Substanz auf den Menschen oder die Umwelt und ergänzt dabei fehlende wissenschaftliche Grundlagen mit speziell gewählten und definierten Sicherheitsfaktoren. Am Ende dieses Prozesses steht dann ein Zahlenwert, der eine tolerable tägliche Aufnahmemenge dieses Stoffes beschreibt. Bei dieser tolerablen täglichen Aufnahmemenge sind keine gesundheitlichen Schäden zu befürchten. Dieser Vorgang kann mit jeder bekannten Substanz durchgeführt werden, unabhängig von ihrer Verwendung.

    Der Gesellschaft ihrerseits sollen die Vorteile der Chemie in vollem Umfang zugute kommen, die negativen Auswirkungen jedoch, die Umweltverschmutzung und die gesundheitlichen Gefahren sollen in annehmbarer Weise akzeptiert werden. An dieser Stelle hat die Politik ihre vorderste Aufgabe. Sie ist gehalten, nutzlose Belastungen zu vermeiden, nützliche Belastungen zu minimieren und schädliche Belastungen zu verbieten. In der Bevölkerung gehen die Meinungen darüber, was eine zu akzeptierende Gefahr oder Belastung ist, weit auseinander. Die umweltpolitischen Gremien müssen hier den kleinsten gemeinsamen Nenner finden, wobei sie sich auf die Aussagen der Toxikologie stützen.
    Das Interesse der Wirtschaft ist eindeutig. Die Substanz soll vermarktet werden und Gewinn einfahren. Zu restriktive Bestimmungen sind daher hemmend für die Wirtschaft.
    Aus dem Gegeneinander und Miteinander dieser drei Parteien resultieren alle regulatorischen Werte, die die einzelnen Interessengruppen jeweils nicht völlig zufrieden stellen können, aber mit denen jeder leben können soll.
    Die Akzeptanz der Werte steigt deutlich, wenn die Ableitung und Begründung transparent, öffentlich zugänglich und von jedermann nachzuvollziehen ist.

    Jeder regulatorische Wert ist für einen ganz bestimmten Zweck (formale Einstufung Vorsorge, Gefahrenabwehr etc.) konzipiert und kann nur für diesen Zweck verwendet werden. Jeder, der mit regulatorischen Werten umgeht, ist gehalten, sich das Ziel und das Zustandekommen der Werte vor Augen zu führen, damit Möglichkeiten und Grenzen der Anwendbarkeit erkannt werden können und auch eine Überschreitung der Werte zu richtigen und sinnvollen Überlegungen und Maßnahmen führen kann. Nichtstun kann genauso verhängnisvoll sein wie übersteigerter Aktionismus.

    Das mal in aller Kürze zu Grenzwerten.

  7. 21. August 2008, 11:26 | #7

    Sehr schön!
    Danke!

  8. thomas
    22. August 2008, 10:27 | #8

    Nein ist es nicht. Die Dosis macht das Gift. Die Natur ist kein Paradies, giftige und radioaktive Substanzen sind ein Teil unserer natürlichen Umwelt. Die anthropogenen Beiträge kommen nur hinzu, es ist richtig und nötig abzuwägen, wieviel da toleriert werden kann und muss.

  9. anonym
    22. August 2008, 10:23 | #9

    das gesetzliche festlegen von grenzwerten bedeutet, dass eine verschmutzung akzeptierter konsens ist. ist der grenzwert nicht mehr einzuhalten, wird er in der regel vom gesetzgeber so angepasst, dass er wieder einzuhalten ist. eine LD50 (lethaldosos)bedeutet, dass bei der dosis 50% der versuchstiere in der regel ratten oder mäuse sterben. das es eine annehmbare akzeptanz von gesundheitsgeffahren udn umweltverschmutzugn gibt, ist doch rein gedanklich schon pervers oder?

  10. 22. August 2008, 11:06 | #10

    Zitat: das es eine annehmbare akzeptanz von gesundheitsgeffahren udn umweltverschmutzugn gibt, ist doch rein gedanklich schon pervers oder?

    Nein, das ist einne vollkommen legitime Risikobetrachtung. Nichts auf der Welt ist ohne Risiko.
    Die Gefahr einen Unfall zu haben ist immer gegeben, trotzdem fährt jeder Auto. Der Nutzen überwiegt das Risiko oder die Gefahr.

    Ohne ein Risiko der Umweltverschmutzung und Gesundheitsgefährdung durch Abgase, kein Auto fahren möglich. Nun wird aber nicht zum Schutz der Gesundheit das Auto verboten, sondern die Gefahren nach Stand des Wissens und der Technik vermindert (Kat, Feinstaubfilter etc)
    Das Restrisiko ist quasi dadurch vom Bürger akzeptiert, dass er Autos kauft und nutzt.

    Ersetze Auto durch Computer, Rosendünger, Schampoo, Wandfarbe, Händi, Zahnbürste, Laminat, Kaffeemaschine, Teller…)
    Überall ist "Chemie" drin, wurden Chemikalien zur Herstellung benötigt, die eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt sein können, trotzdem wird das akzeptiert, da das Produkt einen hohen Nutzen hat. Immer wieder werden jedoch Produkte (Asbesthandschuhe), Stoffe (Benzol, Asbest*) oder Handlungen (Deponierung von Abfällen mit Glühverlust über 1%) verboten, weil man erkannt hat, dass das Riskiko in keinem vernünftigen Maß zum Nutzen steht. Seit den 70er Jahren ist unsere Umwelt deutlich sauberer und gesünder geworden.

    Das Risiko weit möglichst zu minimieren bei größtmöglichem Nutzen aus den Stoffen und den Produkten ist das Ziel. Zurück auf die Bäume wollen nämlich tatsächlich die wenigsten Menschen.

    *Asbest ist ein natürlich vorkommendes Mineral. Die giftigsten Stoffe der Welt sind bakterieller Herkunft, Tetanustoxin und Botulinustoxin. Der Mensch hat es bisher nicht geschafft, anthropogene Stoffe vergleichbarer Wirksamkeit herzustellen. Die Natur ist das gefährlichste, nicht der Mensch.

  11. folgsam
    22. August 2008, 11:40 | #11

    Naja, Asbest ist auch nicht halb so gefährlich wie der hype drumherum es glauben macht…solange es gebunden ist besteht absolukt keine gefahr und auch in ungebundender Form muss man längere Zeit (Jahre auf Baustellen arbeiten und den Asbeststaub auf Laster schippen zb) mit hohen Dosen in Kontakt kommen.

  12. 22. August 2008, 11:51 | #12

    Asbest ist so gefährlich. Denn es macht eine Erkrankung, die ohne Asbest quasi nicht vorkommt, das maligne Pleuramesotheliom, und das hat eine Überlebenszeit von weniger als 1 Jahr. Allerdings ist die Latenzzeit 15-40 Jahre.
    Da die Fasern nicht eliminierbar sind und es durch Spaltung der Fasern in der Lunge noch zu einer realen Faservermehrung kommt, ist der Schädigungsprozess nicht zu stoppen, auch wenn man die Exposition abstellt.
    Allerdings hast du recht, dass Asbest in gebundender Form kein Problem ist, nur die Fasern in der Luft.
    Daher sollte man Eternitplatten, die noch "gut" sind, lieber in Ruhe lassen. Schulen etx werden auch erst saniert, wenn die Konzentration an Fasern in der Atemluft einen bestimmten Wert übersteigt. Denn auch Verwitterungsprozesse setzen Fasern frei.
    Asbest wird vollkommen zu recht so hart reguliert.
    Eine Raucherlunge kann sich erholen, wenn man aufhört, eine Asbestlunge leider nicht.

  13. 22. August 2008, 13:41 | #13

    Uran! Das MUSS gefährlich sein, das ist doch schließlich in Atomkraftwerken und in Bomben drin!

    So denkt nun mal Lieschen Müller.

    Das hilft leider kein noch so vernünftiger Artikel. Schaut Euch mal die Seiten zu DU-Munition an. Da hat jahrelange Aufklärungsarbeit auch nix genützt.

  14. netz-gegen-nazis.de
    2. September 2008, 20:25 | #14

    Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt unter dem Aktenzeichen 266 UJs 719754/08 gegen Esowatch

    siehe hierzu ( redaktionell geprüft ) :

    http://www.firmenpresse.de/

  15. 2. September 2008, 20:38 | #15

    Hallo Herr Weidenbusch! Lassen Sie doch das gespamme, das bringt Sie auch nicht weiter. Haben Sie sich schon mal überlegt, wie es weitergeht wenn Sie uns vor Gericht zerren? Gerichte entscheiden nicht nach Lust und Laune einer Partei, sondern nach dem Recht. Der Herr Bruker hat auch versucht, unschmeichelhafte Äusserungen der Frau Ditfurth über sich verbieten zu lassen. Er hat nur erreicht, dass diese Äusserungen gerichtsfest wurden. Lesen Sie’s nach:

    https://www.psiram.com/ind

    Mehr werden auch Sie nicht erreichen, wir kennen unsere Rechte sehr gut.

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