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„Selbsthilfeguru“ James Arthur Ray – drei Tote in unsachgemäßer Schwitzhütte

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,656666,00.html

Zitat:
„James Arthur Ray ist einer der bekanntesten New-Age-Gurus der USA […] jetzt droht ihm eine Anklage wegen eines todbringenden Rituals.“

Todbringendes Ritual? Der Spiegel veröffentlicht immer mal wieder Artikel, gerade im Bereich Indianer, die nicht wirklich von Sachkenntnis getrübt sind… (wie z.B. ein Artikel über den Erfinder des Cherokee-Alphabets, in dem dieser mehrfach als „Roter“ und „Wilder“ apostrophiert wurde).

Mit dieser Formulierung betreibt der Spiegel-Journalist im Grunde die Entschuldung von Ray und schiebt die eigentliche Ursache auf die Zeremonie.


Eine Schwitzhütte ist nicht todbringend – sie kann es aber sein, wenn sie von Geschäftemachern inszeniert wird. Schwitzhütten werden bei vielen indianischen Völkern angewendet, die jedoch anders damit umgehen als Ray. Zum einen war die Ray-Schwitzhütte mit Plastikplanen abgedeckt. Dadurch kann die Hitze nicht entweichen und wird viel intensiver als in indigenen Schwitzhütten, so daß die Teilnehmer fast schon gar gedünstet werden. Es gab weiterhin viel zu viele Teilnehmer. Der Leiter ist nach indigenen Vorstellungen für die Teilnehmer verantwortlich und achtet auf deren Befindlichkeit – was Ray nicht getan hat und eine verantwortliche Überwachung von 60 Personen wäre ihm auch gar nicht möglich gewesen. Er hat die Teilnehmer jedoch im Gegenteil unter psychischen Druck gesetzt, damit sie trotz gesundheitlicher Beschwerden die Hütte nicht verlassen – dies ist nach indigenen Begriffen mehr als völlig daneben. Offenbar hat er auch keinerlei Ahnung, was es bedeutet, wenn Personen (die ja zuvor schon zwei bis drei Tage ohne Nahrung und *ohne Wasser* verbracht hatten und zusätzlich offenbar an das Klima in Arizona nicht angepaßt waren) in der Schwitzhütte kotzen müssen – das passiert, wenn jemand dehydriert. Nach der Beschreibung einer Teilnehmerin soll er sogar noch Personen aufgefordert haben, denjenigen mit gesundheitlichen Problemen *keine Hilfe* zu leisten bzw Hilfeleistungen einzustellen.

In verschiedenen US-Blogs gibt es übrigens von Esoterikern haarsträubende Kommentare zu den Todesfällen: einige behaupten, die drei Toten seien auf einer anderen Ebene gewesen und dort habe es ihnen so gut gefallen, daß sie nicht mehr zurückwollten. Andere machen sich Gedanken darüber, daß die Toten wohl etwas an sich / in sich gehabt haben müssen, das den „spirits“ nicht gefiel und sie hätten deswegen nicht überlebt. Damit wird letztlich die Schuld den Opfern zugewiesen.

Was der Spiegel ebenfalls nicht erwähnt: es ist nicht der erste Todesfall bei einer von Ray organisierten Schwitzhütte. Bereits 2005 kam es auf demselben Gelände in Arizona während einer von Ray durchgeführten Veranstaltung zu einem Todesfall. Dies hat den zuständigen Sheriff veranlaßt, den jetzigen Vorfall nicht als Unglücksfall zu behandeln. Zwar ist derzeit noch nicht klar, weswegen die Anklage gegen Ray erhoben werden wird; nicht jedenfalls wegen eines „todbringenden Rituals“, sondern – nach den bisherigen Äußerungen – stehen „manslaughter“ und „homicide“ zur Auswahl – unterlassene Hilfeleistung kann dazukommen; inzwischen haben auch Teilnehmer bzw. Angehörige von Todesopfern Privatklage erhoben bzw. lassen diese prüfen.

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