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Strunzdumm und glücklich dabei.

Beides ermöglicht unser modernes Leben. Man kann den größten Scheiß behaupten, ihn selber auch noch glauben, aber wirkliche Konsequenzen hat das nicht, solange man z.B. der schreibenden Zunft angehört und nicht wirklich Verantwortung für seine Aussagen und Handlungen übernehmen muss.
Strom kommt ja aus der Steckdose und PCs gibts in Elektromärkten. Man kann sich über Schadstoffe in Lebensmitteln problemlos aufregen, andererseits ist es fast unmöglich, in einem europäischen Land in einem Laden ein Lebensmittel zu erwerben, an dem man tatsächlich erkrankt und stirbt, wenn nicht jemand ausnahmsweise furchtbar geschludert hat. Wirkliche Verantwortung, was essentielle Fähigkeiten zum Überleben sind, müssen solche Leute nicht übernehmen, der doppelte Boden ist stets eingebaut, und sei es nur der ADAC, die Feuerwehr oder der Installateur, wenn die Heizung ausfällt.


In einer solch romantisch-bamibifzierten Betrachtung der „guten alten Zeit“, als Steine noch Steine waren und die Natur streichelnd die Hand über die Menschen hielt, kommt man auf skurrile Ideen, z.B. die Steinzeitdiät.

Die Steinzeit-Diät beruht auf den Nahrungsmitteln, die schon die Urmenschen gegessen haben. An Aktualität gewann diese paläolitische Ernährungsweise 1985 wieder durch den amerikanischen Arzt Dr. Boyd Eaton, der davon ausgeht, dass die Ernährung unserer Vorfahren aus der Steinzeit die optimale und artgerechte Kost für den Menschen ist.

Da fragt man sich dann schon, was „artgerecht“ denn bedeuten soll. Ist es artgerecht, wenn man vor lauter Hunger Moos von Bäumen kratzt, um unter größten Magenbeschwerden wenigstens 50 kcal aufzunehmen und ein paar Stunden länger zu überleben? Oder ist es artgerecht, sich den Magen bis zum geht nicht mehr vollzustopfen, wenn es dann mal ausnahmsweise genug gibt?

Dass diese Annahmen sehr wahrscheinlich sind, belegen nicht nur die Dokumente aus jüngerer Vergangenheit, in der Hungerkatastrophen an der Tagesordnung waren, sondern auch Untersuchungen an steinzeitlichen Skeletten.

Aufsehen erregten beispielsweise die zahlreichen Fälle von Krebs im Gräberfeld vom Viesenhäuser Hof bei Stuttgart-Mühlhausen. Dort litt vor über 7.000 Jahren offenbar jeder Fünfte der hier Bestatteten an einem bösartigen Tumor.

Urmenschen litten unter vielen Krankheiten

Kam bestimmt von der wunderbar artgerechten Ernährung.

Dazu eine äußerst bescheidene Lebenserwartung. Wer hungert, isst alles. Die „Steinzeitdiät“ wirkt bestimmt. Eine Mangelernährung lässt einen zwangsläufig abnehmen. Dies aber als idealistisches Ideal einer „artgerechten“ Ernährung zu verklären, dazu muss man schon ziemlich blöd sein. Aber wie wir wissen, ist das keine wirklich begrenzende Eigenschaft, was die Fähigkeit, Unsinn abzusondern betrifft.

Gruppen, die in irgend einer bestimmten Vergangenheit eine ideale Ernährungsform meinen gefunden zu haben, gibt es einige. Von der Lichtnahrung bis zum Affenverehrer Konz und seiner urköstlich äsenden Apologetin Brigitte Rondholz.

Es scheint ein typisch menschliches Phänomen zu sein, dass, sobald ein Problem gelöst ist, man diese Lösung in Frage stellen muss und fortan in der Lösung das Problem sehen will.

  1. 27. Januar 2010, 19:44 | #1

    Schöner Beitrag! Aber ob die Menschen früher wirklich so viel gehungert haben?

  2. Badrobot
    27. Januar 2010, 20:37 | #2

    "Die wichtigste Grundregel lautet: Man hört mit dem Essen auf sobald man satt ist."

    Wow, was ein Fortschritt, die neue Diätrevolution! Noch etwas Lichtnahrung dazu und fertig ist der Abnehmplan.

  3. M.A.
    28. Januar 2010, 07:52 | #3

    Wenn ich diesen Sinnlos-Blog so betrachte, komme ich immer mehr zu der Überzeugung, dass die Autoren in etwa den selben Kenntnisstand besitzen, wie der Inhaber des o.a. Schädels. Mit der kleinen Differenz, dass bei Ihnen durch das Loch die Gehirnmasse verloren gegangen ist.

    Herzlichst
    M.A.

  4. lars
    28. Januar 2010, 08:13 | #4

    Also ich bin ja regelmäßiger Leser dieser Seite. Aber ein solcher Beitrag erscheint mir doch eher sinnlos. Macht auch ziemlich angreifbar.

  5. lars
    28. Januar 2010, 08:19 | #5

    Mein Beitrag bezog sich eigentlich auf die Einleitung. Bin noch nicht richtig wach… . Interessant ist auch wie viele der Altvorderen an einfachen Dingen wie entzündeten Zähnen oder anderen Lapalien gestorben sind. Mir hat letzten auch jemand erzählt, das das Zähneputzen die Ursache für Zahnschäden ist – wenn man nicht putzt stellt sich ein natürliche Mundflora ein und alles wird viel besser.

  6. 28. Januar 2010, 08:34 | #6

    Morgen,

    ich halte die generelle Ablehnung der Idee für falsch. Sicherlich sind Menschen, die heute von "Steinzeitdiäten" faseln und das *verkaufen* wollen, dumme Geldabschneider.
    Aber an der Sache, an der Idee ist nicht alles unsinnig.
    "Die den Körper und das Verhalten der Menschen prägenden Gene haben sich im Verlauf von zwei Millionen Jahren an das Leben der Jäger und Sammler angepasst. Die Art der Nahrung, die Ackerbauern und Viehzüchter zu sich nehmen, unterscheidet sich aber davon. Während sich unsere Gene in den letzten 10.000 Jahren kaum verändert haben, bildet unsere Nahrung in vielerlei Hinsicht eine neue Umwelt. […]
    Mit anderen Worten, heute treffen paläolithische Gene auf neolithische Ernährung."
    Das sagt kein Eso-Kaspar, sondern Junker und Paul im "Darwin-Code" – Seite 28 um genau zu sein. Und denen kann man doch sicherlich keinen esoterischen Unfug unterstellen 😉

  7. 28. Januar 2010, 08:57 | #7

    Hier wird die Ernährungsvariante der unreflektierten "alt=gut"-Attitüde angeprangert. Mal das Biologische außen vor gelassen, trägt es nicht zum körperlichen Wohlbefinden bei, wenn es schmeckt? Wenigstens ein bißchen?
    Statt sich mit ekelhafter Mangelernährung zu befassen, sollten sich die lieben Nutrionists und genetischen Ernährer mal mit einem Kochbuch befassen. Und für uns was Leckeres kochen.

  8. Papavera
    28. Januar 2010, 09:12 | #8

    Nic, so ganz stimmt das nicht. Die Menschen in Nord- und Mitteleuropa haben erst seit relativ kurzer Zeit die Fähigkeit, Milchzucker zu verdauen, erworben. Durch Änderung in den Genen. Und dass die Nahrung auch im Paläolithikum keineswegs optimal war, zeigen Funde mit Spuren von sog. Zivilisationskrankeiten.

  9. sil
    28. Januar 2010, 10:11 | #9

    "Steinzeit-Europäer bekamen durch Kuhmilch noch Bauchschmerzen. Dank der schnellen Ausbreitung einer Mutation in den letzten 7000 Jahren vertragen ihre modernen Nachfolger heute fast alle das Getränk. "
    http://www.sueddeutsche.de/

    "Milch war nie für Erwachsene gemacht. Eine Simulation zeigt: Vor 7500 Jahren passten sich Europäer an Laktose an – und sicherten das Überleben künftiger Generationen"
    http://www.zeit.de/online/2

    Nahrungszubereitung war schon immer eine wertvolle Kulturtechnik, die es uns ermöglichte, neue Nahrungsquellen zu erschließen.

    Von der Webseite mit der Steinzeitdiät:
    "Nahrungsmittel, die ganz aus der Ernährung gestrichen werden
    Hülsenfrüchte, Getreide- und Milchprodukte, behandelte oder konservierte Produkte, stärkehaltige Gemüsesorten (Kartoffeln, Maniok, Yamswurzel usw.), fettes Fleisch, salzhaltige Lebensmittel, Zucker, kohlensäurehaltige Getränke."

    Das bedeutet einen ziemlich kompletten Verzicht auf stärkehaltige Lebensmittel. Das ist total blödsinnig und unpraktikabel.
    Aber welche Diät ist schon sinnvoll?

  10. Anonym
    28. Januar 2010, 10:31 | #10

    Sorry, aber der Artikel ist wirklich nicht sehr durchdacht und auch nicht gut recherchiert. Es gibt durchaus Ärzte (z.B. auch in Kliniken – an sogenannten Regelkliniken, bezüglich Kliniken mit esoterischem, antroposophischem Hintergrund fehlen mir hier Kenntnisse) die zur Entgiftung auch die sogenannte "Steinzeit-Diät" anwenden. Teilweise auch um Nahrungsmittelunverträglichkeiten festzustellen. Man kann sicherlich darüber streiten, ob dies der richtige Weg ist. Die Steinzeit-Diät zur Gewichtsreduktion oder zur besseren "Erleuchtung" ist sicherlich Humbug. Hier gilt bestimmt dasselbe wie für alle anderen "Diäten" die rein aus Jux und Dollerei, um bestimmte (von der Werbung vermittelte) Idealsmaße anzustreben oder aber eben geistig euporische Zustände zu erreichen – Finger weg davon!
    Dies ändert aber nichts daran, daß Diäten -egal wie sie sich nennen- auch durchaus sinnvoll sein können, vor allem in einer Zeit, in der den meisten käuflichen Lebensmitteln irgendwelche Zusatzstoffe beigemengt sind.

  11. Papavera
    28. Januar 2010, 10:46 | #11

    Entgiftung ….. https://www.psiram.com/de/

  12. sil
    28. Januar 2010, 11:22 | #12

    http://www.emma.de/06_6_dia

    Emma verlinken, geil!
    Nee, Spaß beiseite, da steht ein schönes Interview mit Udo Pollmer über Diäten und anorektische Ernährungsberaterinnen drin.
    Und hier gibt es ein Probeheft vom "E U L E N-Spiegel" als pdf:
    http://www.das-eule.de/prob

  13. 28. Januar 2010, 17:03 | #13

    Stefan: "Aber ob die Menschen früher wirklich so viel gehungert haben?"

    Stefan, es ist davon auszugehen. Unsere Situation in den westlichen Ländern, das ein Mangel an Nahrungsmitteln kein Problem mehr ist, ist eine Situation, die in der Geschichte eigentlich zum ersten Mal auftaucht. Eine sichere Versorgung (über viele Jahre), die auch Missernten und sonstige Unwägbarkeiten ausgleichen kann, ist nur durch durchdachte Vorratshaltung und vor allem weiträumig verknüpfte Logistik möglich.

  14. Gelmir
    28. Januar 2010, 21:18 | #14

    @lars

    Ja, spätestens dann, wenn der letzte Zahn aus dem Mund gefault ist, hat man bestimmt keine Probleme mehr mit Karies.
    Gibt es tatsächlich Leute, die sowas toll fänden?
    Aber Hauptsache, die Mundflora fühlt sich wohl…

  15. The_Vanguard
    29. Januar 2010, 12:40 | #15

    Das erinnert mich irgendwie an Mariah Carey, die wohl mal meinte, dass sie die Kinder in Afrika beneidet, weil die immer so schön dünn sind. Wann kommt die Afrika-Diät?

    Eigentlich sollte man mal überprüfen, ob so ein "Back to the Roots" Firlefanz jetzt im Kielwasser von Avatar verstärkt zunimmt. Scheint die passende Zeit dafür zu sein.

  16. Anonym
    29. Januar 2010, 15:29 | #16

    @rincewind
    Interessant, ich nehme an, daß Sie noch nie etwas von Josef H. Reichholf und den entsprechenden Forschungen gehört oder gelesenhaben? Es gibt weltweit eine Menge Universitäten an denen hierüber bzw. zum Thema Ernährung, Sesshaftigkeit, Kulturentwicklung des Menschen geforscht wird, leider stimmt keines der veröffentlichten Ergebnisse mit Ihrer These überein. Vielleicht sollten Sie mal recherchieren.

  17. 29. Januar 2010, 16:22 | #17

    Anonym: Ich kenne Reichholf. Und auch, was er sagt.

  18. 29. Januar 2010, 18:01 | #18

    Achja, Anonym: Es wäre nett, nicht nur Namedropping zu betreiben, sondern konkret zu werden: Welche Aussagen bemängeln sie?

  19. 30. Januar 2010, 10:05 | #19

    Es ist ein Phänomen der Medienindustrie, die (vermeintlich) gelangweilte Hausfrauen in (agen wir mal) konservativeren Bundesländern als Hauptzielgruppe ansehen: Die kaufen ihre (*.Vorname.*) Zeitung dann eben umso lieber, wenn da eine "neue" Diät auf dem Titel prangt!

    Könnt Ihr Euch das vorstellen, Redaktionskonferenz bei so nem Blatt?
    "Kommt schon, das kann doch nicht alles sein! Medizinische Erkenntnisse, das versteht doch keine!"
    "Aber wir haben schon alle Diäten abgedruckt, die irgendwo empfohlen werden…"
    "Dann denkt Euch irgendwas Neues aus."
    "Sollen wir uns etwa was aus den Fingern saugen?"
    "JA!"
    "Was denn zum Beispiel?"
    "Na – wasweißich" (steht auf, nimmt seine Jacke) "Steinzeitdiät vonmiraus."
    "Steinzeitdiät?"
    "Ja. Ich bin jetzt erstmal bei SubWay [/McDoof / BürgerKing/…]. Und wenn ich aus der Mittagspause wieder da bin, brummt mir der Laden, dass das klar ist!"

    xD

  20. Frank
    1. Februar 2010, 08:03 | #20

    Fakt ist, dass uns die Evolution geschmackliche Gelüste nach Fett und Zucker verschafft hat, die in unserer Jäger & Sammler-Vergangenheit eher selten waren. Sich in unserer heutigen Gesellschaft, in der es diese Nährstoffe im Überlfuss gibt, auf diese Tatsache zu besinnen, ist nicht esoterisch, sondern hoch wissenschaftlich. Ich empfehle den Klassiker von Randolph M. Nesse:
    "Why We Get Sick: The New Science of Darwinian Medicine"

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