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Anonyme Alkoholiker: Ein positives Vorurteil oder 12 Schritte ins Abseits?

Die Anonymen Alkoholiker (AA) gelten gemeinhin als vertrauenswürdige und seriöse Organisation. Sie bestehen seit 75 Jahren und haben durchaus Menschen zu einem neuen, einem trockenen Leben verholfen. Zu Hauf werden Menschen, die durch ihre Sucht zum Beispiel mit dem Gesetz in Konflikt kamen, an diese Institution verwiesen. Kaum einer jedoch hat sich bislang die Mühe gemacht, einmal zu schauen, was sich hinter dieser Gruppierung verbirgt und wie sie den Menschen zu einem Leben ohne Alkohol verhelfen will. Alkoholiker haben, obwohl es Schätzungen zufolge etwa 1,3 Mio. Alkoholabhängige gibt, keine Lobby.

Die auffällig gewordenen Alkoholiker werden also zum Beispiel an die AA verwiesen, um sich dort im Rahmen der Selbsthilfe von anderen Betroffenen, Laien, helfen zu lassen. Bei den AA befolgt man einen eigenen Plan, die sogenannten 12 Schritte. Diese 12 Schritte sind schon Bestandteil des Vorgehens seit der Gründung 1935. Das Rezept der Anonymen Alkoholiker zur Abstinenz ist also 75 Jahre alt, jegliche Ergebnisse moderner Suchtforschung können demnach schon einmal nicht beinhaltet sein.

Doch wie sehen diese 12 Schritte nun aus?

„Die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker
1. Schritt: Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.

2. Schritt: Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.

3. Schritt: Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen.

4. Schritt: Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.

5. Schritt: Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.

6. Schritt: Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.

7. Schritt: Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.

8. Schritt: Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.

9. Schritt: Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut – wo immer es möglich war -, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.

10. Schritt: Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.

11. Schritt: Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir Ihn verstanden – zu vertiefen. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.

12. Schritt: Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.

Quelle: http://www.anonyme-alkoholiker.de/content/01horiz/01schri.php

Das Rezept der Anonymen Alkoholiker besteht also darin, an die Stelle der Abhängigkeit von einer Substanz eine Abhängigkeit von einer „höheren Macht“ oder „Gott“ zu setzen. Der Mensch wird demnach nicht in seinen Selbstgestaltungsoptionen, seiner direkten Eigenverantwortlichkeit gestärkt und unterstützt, sondern zu einem „spirituellen Erweckungserlebnis“, zu einer imaginierten Hilfsentität hingeführt.

Eine spaßhafte Umsetzung gibt es in dieser „Southpark“-Folge:

Hinsichtlich der Effektivität der Hilfe der AA ist das Bild bestenfalls uneinheitlich:

http://onlinelibrary.wiley.com/o/cochrane/clsysrev/articles/CD005032/frame.html

Eine kritische Seite, die die Anonymen Alkoholiker beleuchtet, gibt es auch:

http://12schrittefrei.de/

Kritik scheint nicht gerne gesehen laut dieser Seite und eine Einbeziehung modernerer Konzepte als die Gottergebung scheint auch nicht in das Konzept dieser Gruppierung passen zu wollen.

Wenn das Ergebnis nicht besser ist als andere Optionen der Suchtbekämpfung, sollte man in der Empfehlung von sektoiden Strukturen, wie sie bei den AA möglicherweise vorliegen, mindestens vorsichtig sein und ggf. die Gruppe vor Ort erst einmal anschauen.

  1. 23. August 2010, 11:40 | #1

    o_O Und ich dachte, die South-Park-Macher hätten sich den Kram nur ausgedacht.

  2. 23. August 2010, 12:35 | #2

    Dass das AA-Konzept überaltert ist, ist zweifellos bekannt. Und gerade diese Umlenkung von einer Sucht auf eine andere wird in dem Roman *A Million little Pieces* von James Frey wundervoll auf popliterarische Weise dargestellt.

  3. T-M
    23. August 2010, 15:40 | #3

    Danke für diesen Artikel.

    Mir war schon vorher das, was ich über das Konzept AA gelesen habe, etwas komisch vorgekommen (gerade wegen des starken Gottesbezuges, der auf mich irgendwie einen „sektenähnlichen“ Eindruck machte), aber andererseits haben die AA ja eigentlich einen guten Ruf, und da mich das Thema nicht wirklich betrifft, habe ich mir nichts dabei gedacht und mich nicht weiter damit auseinandergesetzt.

  4. 23. August 2010, 16:44 | #4

    Mir war das auch neu.

  5. Suzie
    23. August 2010, 20:31 | #5

    Ich überlege wie wohl ein Atheist bei solchen Treffen zurecht kommt.
    Der fängt am End vor lauter Frust wieder an zu saufen…

    Ich wusste das auch nicht und finde das Gottgeschwafel nicht in Ordnung.

  6. xyz
    23. August 2010, 20:54 | #6

    …wobei es bei AA soweit ich weiß so ist, dass mit dieser „Gott“-Geschichte nicht zwingend der christliche Gott gemeint ist, sondern allgemein eine höhere Entität. Sind also nicht unbedingt alles christliche Spinner (wobei natürlich trotzdem viele Spinner dabei seien können).

  7. 23. August 2010, 21:53 | #7

    Doch da ist der christliche Gott gemeint. Die AA sind aus der Oxford-Gruppe hervorgegangen und das waren Urchristen.

    Die AA geht davon aus, daß man als Agnostiker oder Atheist niemals den Alkohol in den Griff bekommt. Dazu brauche es diese spirituelle Erfahrung.

  8. 23. August 2010, 23:26 | #8

    Um zu spinnen, muss man nicht zwangsläufig Christ sein, eben. Aber danke für das Stichwort Entität, meinen Lieblings-Hohlbegriff, der stets zur Frage führt, ob Vacuum tatsächlich existiert oder ob es seine Entität nur durch das Nicht-Sein erhält 🙂

  9. Murifex
    24. August 2010, 00:05 | #9

    Als alter Atheist find ich das schon recht krass. Vor allem dieses (bitte entschuldigt das) furchtbar erbärmliche Gewimmere von wegen wir brauchen Hilfe von einer höheren Macht um dieses Problem zu überwinden. Ich dachte immer die AA würden einen dazu bringen die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Zuerst dachte ich das ist ein Scherz, aber die 12 Punkte stehen auf deren Seite genauso!

    Krass!

  10. 24. August 2010, 00:57 | #10

    Plädiere für Vakuum-Äther. Mit mindestens 43%.

  11. 24. August 2010, 02:37 | #11

    ich finde diesen artikel ein wenig übereilt und viel zu kurz. was ist denn mit anderen sekten.. äh, sorry… selbsthilfegruppen? z.b. die „guttempler“ und so?
    und was passiert mit menschen, die nach anderen drogen süchtig sind und dann für „synanon“ arbeiten müssen?
    in der branche gibt es so einiges, auch einiges, was geld verdient mit süchtigen menschen.

    um mal noch was positives sagen zu dürfen:
    es gibt radikal-ungläubige ärzte/meist psychiaterInnen, die dienstleistung am menschen gewährleisten und etwa eine „qualifizierte stationäre entgiftung“ ersparen können. diese menschen sind allerdings rar, werden gar von kollegen angeschwärzt.
    wenn es sie gibt, verschreiben die mini-rationen von den gleichen medikamenten, die es auch im krankenhaus gäbe. in einzelfällen ist es möglich, in vorbereitung einer stationären therapie eine „entgiftung“ auch ambulant durchzuführen. vorausgesetzt sind dabei eine patientenmotivation, ein naher aufnahmetermin und ein bisheriges abhandensein von delir/krampfanfällen. offiziell wird das etwa an der „charite“ in berlin praktiziert, inoffiziell in diversen arztpraxen.
    manchmal wird auch disulfiram/“antabus“ eingesetzt, ein aversionsmedikament, das in verschiedenen berliner kliniken gar als indiskutabel gehandelt wird. logischerweise ist das medikament in der anthroposophischen klinik „havelhöhe“ tabu. andere städtische klinken setzen es gerade in vorbereitung zu einer stationären therapie ein, um einen alles zerstörenden rückfall zu verhindern.

    und was die zeit nach einer „therapie“ angeht: fortgeschrittene und gut ausgestattete suchthilfeeinrichtungen bieten langfristige therapiemöglichkeiten an: etwa 1x die woche therapeutisch betreute gruppentherapie plus einmal die woche einzelgesprächstherapie.
    „aa“ etc. ist also nicht alternativlos.
    ich halte jedenfalls ein therapeutisches setting vor, während und nach der therapie für unersetzlich.

  12. notatall
    24. August 2010, 06:05 | #12

    @dissi
    Religion ( Gott oder „höhere“ Entität) ist Opium für das Volk!!! Funktioniert sehr gut!

    Außerdem steht es jedem/jeder frei, wie eine Seltstötung passiert! Dazu gehört auch den Verstand abzugeben!

    Nach Außen hin sollte jedoch sehr klar kommuniziert werden, was sie AA so im inneren treiben! Es fließen ja auch Spenden- und öffentliche Gelder!

  13. Jadzia
    24. August 2010, 07:54 | #13

    @ dissi:

    „ich finde diesen artikel ein wenig übereilt und viel zu kurz. was ist denn mit anderen sekten.. äh, sorry… selbsthilfegruppen? z.b. die “guttempler” und so?
    und was passiert mit menschen, die nach anderen drogen süchtig sind und dann für “synanon” arbeiten müssen?
    in der branche gibt es so einiges, auch einiges, was geld verdient mit süchtigen menschen. “

    Irgendwo muss man ja mal anfangen. Wenn man alles in einen Artikel packt, wirds zu lang. Außerdem ist bei den Guttemplern oder der Heilsarmee der Gottesbezug bekannter.

    In diesem Artikel geht es nur um die AA. Was ist daran auszusetzen? Man dürfte dann ja auch keinen Artikel über die Homöopathie machen, weil es die Bioresonanz gibt, die ja dann auch noch… usw.

    Ein wenig Konzentration ist bei einem Blogbeitrag schon ok, finde ich.

  14. java
    24. August 2010, 08:04 | #14

    Hallo!

    Ok. Die AA sind also eine Gruppe mit religiösem Kern. Wo ist da die Meldung?
    Das ist Diakonie und Caritas ebenfalls. Die gehören zu den Kirchen.

    Wer mit der AA zu tun hat, bekommt das recht schnell mit. Übrigens laufen die meisten
    Selbsthilfegruppen in der Fläche ebenfalls über Kirchen beziehungsweise Kirchengemeinden.

    Klar das 12 Schritte Programm mag nicht unbedingt den aktuellen Standarts der Suchttherapie genügen, es ist aber halt ein Laienprogramm, wie viele andere auch. Es gibt halt aus der Sucht ebenso viele Wege raus, wie rein und wenn jemand die AA hilft prima. Ansonsten gibt es ja auch ne Menge Suchtberatungsstellen. Da gibts fachlicheres.
    Die sind übrigens zu einem großen Teil ebenfalls Kirchlich mitgetragen.

    gruss

    Java

  15. 24. August 2010, 08:27 | #15

    Vielleicht ist es gut, wenn man das mitbekommt, bevor man mit denen zu tun hat?

    Ich würde mir bei so einem Treffen völlig verarscht vorkommen, wie im falschen Film.

    Und dissis Argumentation erschließt sich mir gar nicht. Wieso ist der Artikel übereilt und zu kurz?

    Um vom Alkohol wegzukommen, muss ich doch keiner spirituellen Sekte beitreten. Dieses 12-Punkte-Programm ist völlig gaga.

  16. 24. August 2010, 08:54 | #16

    Wie oft muss man das aufsagen? Ich finde das arg. Die Unterstützung der Familie ist wichtig, und keine Umgebung, die die selben Probleme hat.

  17. Jadzia
    24. August 2010, 09:09 | #17

    Ich möchte cohen beipflichten. Zu den AA wird gerne verwiesen, ohne zu wissen (und damit auch dem Betroffenen nicht vorher sagen zu können), dass das religiös geprägt ist. Die „Meldung“ ist das Vorurteil, das bei verweisenden Stellen herrscht. Ich fand das schon interessant und bemerkenswert.

  18. Sarah-Li
    24. August 2010, 09:38 | #18

    Die “Meldung” ist das Vorurteil, das bei verweisenden Stellen herrscht. Ich fand das schon interessant und bemerkenswert.

    Dem schliesse ich mich an und daher finde ich diesen Artikel auch sehr berechtigt. Auch ich habe schonmal eine Bekannte an die AA verwiesen, weil ich davon ausgegangen bin, dass es sich um eine Selbsthilfegruppe handelt, die sich ab und an trifft und gegenseitig unterstützt. Dass kein bestimmtes Weltbild dahinter steht, war für mich so selbstverständlich, dass ich es gar nicht hinterfragt habe, eben weil die AA so omnipräsent sind und sogar Teil von staatlichen Auflagen sein können. Den Bezug auf eine „Entität“ würde ich in geringerem Maße sogar nichtmal schlecht finden – wenn es um EINEN, zudem optionalen, Punkt ginge, so nach dem Motto „Ich suche Kraft in , wenn ich dazu einen Bezug habe“.
    Dass das komplette Programm sich auf so etwas stützt und oft ins schon angesprochene „Gewimmere“ sowie Selbsterniedrigung abgleitet ist heftig und ich werde mit Sicherheit niemandem mehr empfehlen, dort hinzugehen.

  19. 24. August 2010, 09:41 | #19

    Ich habe das auch nicht gewusst. Eben im Gegensatz zur Caritas etc, wo man weiß, woran man ist, ist dieser harte christliche Bezug bei den AA eigentlich eher unbekannt und insofern stellt der Beitrag eine wertvolle Information dar.

  20. The_Vanguard
    24. August 2010, 09:46 | #20

    java :Hallo!
    Ok. Die AA sind also eine Gruppe mit religiösem Kern. Wo ist da die Meldung?

    Die eigentliche Meldung besteht darin, dass es sich bei den AA nicht um ein Suchttherapieprogramm handelt, sondern um eine Art Sucht-Transponention. Die religiöse Connection ist dabei eher zweitrangig. Der Süchtige wird nicht in seiner individuellen Freiheit bestärkt, sondern sogar noch tiefer in die Abhängigkeit getrieben, die allerdings auf ein körperlich unschädliches Medium umgeleitet wird.

    Im Vergleich mit z.B. Misereor wäre das so, als ob die in der 3. Welt erzählen würden „Vergesst es, selbst für eure Ernährung sorgen zu wollen – das klappt eh nicht. Unsere Hilfsgüter sind das einzige, was euch vor dem Verhungern retten kann.“

  21. The_Vanguard
    24. August 2010, 09:49 | #21

    Zefix, ich kriege das mit diesen Blockquotes einfach nicht gebacken (grummel…)

  22. booner
    24. August 2010, 10:36 | #22

    Also ich meine, da hätte es mal ne Folge von „Penn & Teller’s: Bullshit!“ dazu gegeben…

  23. 24. August 2010, 10:41 | #23

    The_Vanguard :

    Zefix, ich kriege das mit diesen Blockquotes einfach nicht gebacken (grummel…)

    Habs Dir repariert 🙂

  24. The_Vanguard
    24. August 2010, 10:54 | #24

    Vielen Dank 🙂

    (Auf ein Zitat wurde in diesem Post bewusst verzichtet.)

  25. Dom
    24. August 2010, 11:13 | #25

    Tja, Scientology mit Narkonon, die Christen mit den AA – die gleiche widerliche Masche: Das Ausnutzen der Hilflosigkeit der Süchtigen für die eigenen Zwecke.

  26. Verhaltensoriginell
    24. August 2010, 12:23 | #26

    Verstehe ich das richtig, man tauscht die eine Abhängigkeit gegen die andere ein? Irre!

  27. 24. August 2010, 12:53 | #27

    @ Dom: Dabei sollte man jedoch bedenken, dass den Hilfesuchenden diese neue Art derAbhängigkeit sicher lieber ist, als weiterhin den körperlichen und seelischen Verfall fortzutreiben…

  28. 24. August 2010, 13:21 | #28

    Was soll bitteschön das völlige Unterwerfen, sich klein machen und hübsch mies fühlen unter einer „höhere Macht“ anderes sein als seelischer Zerfall?

  29. ex-user
    24. August 2010, 13:25 | #29

    @Luise:
    Nein, Alkoholkranken ist diese neue Art der Abhängigkeit nicht lieber, ganz sicher nicht. Die AA-Regeln bieten keinen Weg zu einem selbstbestimmten Leben ohne Sucht, sondern eine Suchtverlagerung. Es wechselt halt die Droge, die Abhängigkeit besteht weiter.

  30. Trockener Alkoholiker
    24. August 2010, 14:09 | #30

    Ich war vor Jahren auch eine Zeitlange bei AA an den wöchentlichen Meetings dabei.
    Von Spiritualität habe ich da nichts bemerkt. Einzelne der 12 Schritte wurden zwar hie und da thematisiert, aber hauptsächlich ging es schon darum sich darüber auszutauschen was in ketzter Zeit passiert ist, wie man sich fühlt usw. Von Religion oder Christentum habe ich da wenig bis überhaupt nichts gespürt.

    Nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass mir das nichts bringt, da ich andere wichtige Probleme zu lösen hatte die mit Alkohol nichts zu tun hatten.

  31. nihil jie
    24. August 2010, 15:01 | #31

    interessanter blog artikel. ich trinke zwar absolut kein alkohol… und habe es auch in der vergangenheit nur 2 mal getrunken, aber ich aus polen komme und unmengen von alkoholikern in meinem leben gesehen habe, interessiert mich das thema durchaus. schon bei lesen der 12 punkte ist mir sofort aufgefallen worauf es hinausläuft. ob das nun auch gänzlich so umgesetzt wird weiss ich nicht. ich hoffe doch stark, dass es nicht so ist. hilfe brauchen diese menschen auf jeden fall. und vielleicht überarbeitet der verein mal bei zeiten ihr 12 punkte konzept… es wäre schon ratsam dies zu tun.

  32. 24. August 2010, 17:26 | #32

    zur kenntnisnahme bitte noch folgendes:

    „Die Gemeinschaft AA ist keine religiöse Vereinigung. Jeder Anonyme Alkoholiker ist frei, sich seine persönliche Meinung über den Sinn des Lebens zu bilden. […]
    Die Gemeinschaft AA nimmt von Außenstehenden kein Geld an, weder von Privatpersonen noch von Behörden oder Institutionen. […]“

    (quelle: http://www.anonyme-alkoholiker.de/content/03info/03index.php#12)

  33. 24. August 2010, 19:25 | #33

    Aber diese bescheuerten 12 Schritte findet man wirklich dort:
    http://www.anonyme-alkoholiker.de/content/01horiz/01schri.php

    und die sind religiöse Scheiße.

  34. Alfred Wankdorf
    24. August 2010, 19:28 | #34

    Suzie :
    Ich überlege wie wohl ein Atheist bei solchen Treffen zurecht kommt.
    Der fängt am End vor lauter Frust wieder an zu saufen…
    Ich wusste das auch nicht und finde das Gottgeschwafel nicht in Ordnung.

    In der Regel wird den Mitgliedern heutzutage nahegelegt, statt „God“/„Gott“ für sich etwas Eigenes, emotional-spirituell Wichtiges einzufügen. Curt-Goetz-mäßig also eher „Höheres Wesen, das wir verehren“ als „Bart im Himmel“. Das kann auch gerne die Wissenschaft, Rationalität, die WHO oder sonst was sein.

    Am der grundsätzlichen Kritik, dass eigentlich eine Ersatz-„Sucht“ forciert wird, ändert das wenig.

  35. Hans Worst
    24. August 2010, 19:45 | #35

    Leute, die süchtig sind, haben gemerkt, dass sie mit mehr Selbstkontrolle nicht aus der Sucht kommen. Indem sie mit der „höheren Macht“ dies anerkennen, schaffen sie doch den Weg aus der Sucht. Dass der Alkohol durch Gott ersetzt wird, ist leicht zu behaupten, aber entspricht nach meiner Erfahrung nicht dem wie es AAs erleben. Wem die 12 Schritte nicht gefallen, der suche sich eine andere Methode. Wer heilt, hat recht.

  36. notatall
    24. August 2010, 20:22 | #37

    @dissi
    Ein Alkoholiker ist nicht frei, sondern abhängig wie jeder Junkie, nur halt vom Alkohol!

  37. The_Vanguard
    25. August 2010, 08:42 | #38

    Hans Worst: Sucht so isoliert zu betrachten wird der Komplexität des Problems nicht gerecht. Die Abhängigkeit selbst ist wiederrum Symptom für schwere psychosoziale Störungen, die durch einen Entzug nicht verschwinden. Darum brauchen enthaltsame Süchtige auch ein stabiles Umfeld, wenn sie nicht sofort wieder rückfällig werden wollen.
    Das Argument „Wer heilt, hat recht“ kann hier also schon deshalb nicht funktionieren, weil eine echte Heilung nicht eintritt.

  38. SteinerWatzki
    25. August 2010, 11:40 | #39

    Nach meiner Erfahrung kann Spiritualität nicht dabei helfen,ein Leben ohne Alkohol zu führen.Das geht einzig und allein durch Emanzipation.Darunter zählt auch das erlernen von mehr Selbstkontrolle in bestimmten Situationen.Man sollte in der Suchthilfeszene immer hinter die Kulissen schauen und fragen:“Von welchem Flügel kommt der Vogel?“Es gibt nach meiner Schätzung ca.30-40 Prozent Anbieter,die mit Suchtarbeit eine ,meist konservative bis teilweise reaktionäre,Ideologie durchprügeln wollen.Und die Kohle nehmen sie gerne mit.Die ÁAs sind Teil der Selbsthilfeszene.Nicht mehr und nicht weniger.Spirituelle gibts eben hier auch,wie überall.Allerdings sollten sie mal auf die Höhe der Zeit gelangen,das ist richtig.Etwas sektoid empfinde ich das schon.Aber was meinst Du mit schwere psychosoziale Störungen?

  39. Steffen
    25. August 2010, 20:58 | #40

    Interessanter Artikel, aber offenbar von jemandem verfasst, der nie persönlich an einem AA-Meeting teilgenommen hat. So etwas ist immer etwas problematisch. Nach meiner Erfahrung geht es dort, wie bei anderen Selbsthilfegruppen mehr um einen Erfahrungsaustausch, ein sich gegenseitiges Mut machen, während die genannten 12 steps eigentlich nur am Rande auftreten – aber das mag von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich sein.

    Generell teile ich die fundamentale Anti-Religionshaltung, die viele hier vertreten, nicht. (Da bin ich unter EsoWatch-Leser wahrscheinlich generell in der Minderheit 😉 Für mich ist eigenständig angewandte Spiritualität eher eine Art Anker im Leben, bzw. (moralische) Orientierungshilfe. Problematisch sehe ich eher die Einbettung derselben in autoritäre Strukturen. Solche kann ich bei AA nicht feststellen, deshalb verstehe ich auch nicht, worauf sich konkret der letzte Absatz des Beitrags bezieht.

  40. Stöber
    25. August 2010, 21:22 | #41

    @Steffen:

    Habe mal einen Spruch zu Religion gelesen, den ich sehr passend finde:

    „Religion sollte man handhaben wie seine Genitalien; man stellt sie nicht öffentlich zur Schau und man stopft sie auch nicht seinen Kindern in den Mund.“

    Insofern finde ich Religion und Religiösität nicht weiter problematisch, solange das privat bleibt und nicht für ‚wissenschafliche‘ Argumentation zweckentfremdet wird.
    Als moralische und ethische Stütze sollte ’sauber‘ gelebter christlicher Glaube auch von den meisten Leuten anerkannt sein, auch wenn diese selber nix damit am Hut haben.

  41. SteinerWatzki
    26. August 2010, 12:05 | #42

    Ich versuche mal die 12 Schritte kritisch-polemisch zu kommentieren:
    1.Wir konnten unser Leben nicht mehr meistern,weil wir negative Erfahrungen nicht verarbeiten konnten.Dies sollte man jedoch bei einer guten Therapie lernen können.Also negativen Situationen nicht mehr machtlos gegenüber zu stehen und sie verarbeiten.
    2.Eine größere Macht kann einem Menschen keine Gesundheit bringen.Mit „Glauben“kommt man in der Suchtarbeit nicht weit.Da zählen Fakten.
    3.Den eigenen Willen jemand anderen anvertrauen.Das dürfte dann der letzte eigene Entschluss gewesen sein.Keine optimale Abstinenzgrundlage.
    4.Völlig richtig.Grundlage jeder guten Suchttherapie.
    5.Taktisch unklug,schön dumm wers macht.
    6.Alkoholabhängigkeit ist keine Frage von Charakterfehlern,sondern hat immer soziale Ursachen.Eigenverantwortung und Lebensinventur andere(Gott)für sich machen lassen?Faulheit!
    7.Die Zeit des Müßiggangs und der Demut sollte mit Abstinenzbeginn vorbei sein.
    8.Der Wille liegt bereits bei Gott,er machts für uns.Ansonsten aussichtsloses Unterfangen.Sehr teuer!
    9.Unrealistisch,aber gut gemeint.
    10.Irgendwann sollte die Therapie aber dann zu Ende sein.Besser wäre zu lernen seinen eigenen Standpunkt zu vertreten.Dauernd um Verzeihung zu bitten ist albern und unreif.
    11.Suche nach spiritueller Erleuchtung bei einer mystischen Kultfigur.Es gibt doch aber keinen Gott…Schon wieder“Gottes Wille geschehe“.
    12.Völlige Selbstaufgabe mit Missionierungsbestrebungen.

    Bleibt unterm Strich ein brauchbarer Punkt(4.).Ansonsten Demut,Lethargie,Glaube,Unterwürfigkeit,Schicksalsergebenheit,Flenn,Buhuhu“Ich habe die Sucht!!!“.Was in AA-Meetings geschieht,geht niemanden etwas an,wie bei jeder anderen Selbsthilfegruppe auch.Das ist gut und bleibt so.Es gibt liberalere Gruppen und es gibt Hardliner,in denen ständig religiös geredet wird.in denen die Teilnehmer mir irgendwie lethargisch vorkamen.Es gibt auch welche,die gehen in Kliniken und werben wöchentlich 1-2 Stunden(verschiedene Selbsthilfegruppen).Ich habe mal gehört,daß die Anonymen Alkoholiker auch in Deutschland(ich glaube gehört zu haben drei)eigene Kliniken haben sollen.Weiß da wer was genaues?

  42. The_Vanguard
    26. August 2010, 12:40 | #43

    @SteinerWatzki: Grob gesagt meine ich damit das Unvermögen, eine funktionierende Beziehung zwischen eigenem Ich und dem sozialen Umfeld herzustellen. Eine sehr erfahrene Krankenschwester meinte mal zu mir: „Alkoholiker sind die nettesten Patienten. Die sind so nett, dass sie saufen müssen um die Welt zu ertragen.“
    Ein anderer (etwas platter) Spruch lautet „Sucht kommt von Suchen. Jeder Abhängige hat ein Loch in sich, das er mit irgendwas auszufüllen versucht.“

  43. Ludwig Thoma
    27. August 2010, 09:26 | #44

    „Sucht kommt von Suchen“ Dieser Spruch ist nicht nur platt, sondern komplett falsch; das Wort Sucht ist ein alter Ausdruck für Krankheit (vgl. Wassersucht, Fallsucht). Siech und siechen haben den gleichen Ursprung.
    Im übrigen halte ich den Fakt, dass viele kirchliche Einrichtungen in der Süchtlingshilfe arbeiten, der deutschenSoziallandschaft geschuldet, nach dem Motto: „Soziale Unterstützung? Dafür sind die Pfaffen zuständig.“
    Im übrigen bin ich Mitglied einer Gruppe Ex-Junkies, die von einer Enrichtung der Diakonie organisiert wird. Religion oder gar Indoktrination waren noch nie ein Thema.
    Natürlich besteht die Gefahr, dass ein trockener Alkoholiker…nur noch Kontakt zu seinesgleichen hat. Aber das halte ich nicht für eine gesunde Grundlage cleanes Lebens. Hilfsangebote sollten keine dauerhafte Lösung sein (wie es trotzdem leider immer wieder vorkommt). Wenn sie aber eine Basis bieten, von der aus das Leben neu gelernt werden kann, sind sie durchaus o.k..

  44. Murifex
    27. August 2010, 11:02 | #45

    Dann würde mich deine Meinung zu den zwölf Schritten interessieren: Hälst du die für „eine […] Basis von der aus das Leben beu gelernt werden kann“? Denn um die geht es ja hier.

  45. 27. August 2010, 17:36 | #46

    Ich habe mal gehört,daß die Anonymen Alkoholiker auch in Deutschland(ich glaube gehört zu haben drei)eigene Kliniken haben sollen.Weiß da wer was genaues?

    Ja. Meine Freundin kam aus so einem Schuppen etwas verstört zurück. Adula heißt die eine 12-Schritte Klinik. Zu Adula gehören noch weitere. Die weiß ich gerade nicht auswendig. Einfach Adula bei Google eingeben. Dort gabs 12-Schritte, spirituelles Gefasel, Hellinger, Bonding und andere feine Sachen.

  46. 27. August 2010, 17:42 | #47

    Viel Spaß beim Gruseln:

    http://www.hochgrat-klinik.de/

    Hans Worst :
    Leute, die süchtig sind, haben gemerkt, dass sie mit mehr Selbstkontrolle nicht aus der Sucht kommen. Indem sie mit der “höheren Macht” dies anerkennen, schaffen sie doch den Weg aus der Sucht.

    Was noch zu beweisen wäre. Soweit mir bekannt haben die AAs noch keinen Nachweis ihrer Erfolge erbracht.

  47. balla balla
    27. August 2010, 18:48 | #48

    Ich weiß ein bischen etwas über die weiterführenden Gruppen, die modernere Abwandlungen von diesem Urtypus sind. Da ist es so, daß diese 12 Schritte Vorschläge sind, die regelmäßig vorgelesen werden. Niemand muß sich daran halten oder sonst irgendetwas. Leute, die nichts mit Gott oder ähnlichem am Hut haben, lassen dieses einfach komplett aus. Da es keinerlei religiöse Gruppenaktivitäten gibt, keine religiöse Gemeinschaft (jede/r kann glauben, woran er/sie will oder es auch ganz lassen) sowie keine religiösen Regeln, sehe ich persönlich keinen Grund zur Beunruhigung.

    Daß es auch hier und da ein paar Vollidioten geben mag, die es ein wenig übertreiben, kann natürlich auch ich nicht ausschließen, aber dann kann man es ja auch immernoch lassen oder die/denjenige/n ggf. der Gruppe verweisen.

    Es gibt Gruppenregeln, die eingehalten werden müssen, diese beziehen sich auf andere Themen, wie z.B. die Anonymität der Gruppenmitglieder wahren, keine Werbung machen, keine Spenden annehmen, keine Machtpositionen usw.

  48. 27. August 2010, 20:30 | #49

    ich finde diese diskussion hier sehr interessant, deswegen danke ich dem autor. ist ein ziemlich gewaltiges thema, weil da alles zusammenkommt: unter umständen die komplette zerstörung eines lebens aufgrund einer stoffgebundenen sucht. dieses problem lässt sich weder durch distanzierten sarkasmus noch mittels glaubensgebundener gehirnwäsche lösen.
    ich persönlich glaube an diverse sparten der psychotherapie im sinne einer hilfestellung, die konflikte bearbeiten und langfristig betreuen kann. auch das ist ein irrwitziger glaube, weil ja keine „heilung“ garantiert werden kann.
    in der praxis geht es zu gefühlten 99% ohnehin nur um eins: um den schwammigen begriff einer „wiederherstellung der erwerbsfähigkeit“, was ein erschreckend rationaler begriff ist, gemessen an dem häufig subjektiv erlebten leidensdruck.
    das thema ist halt wahnsinnig umfangreich, ich fände es super, wenn es bei esowatch weitere beiträge und diskussionen gäbe.

    u.a. darüber

    – daß bundesweit kliniken existieren, die erst seit ca. 1-3 jahren die suchtproblematik in ihr portfolio aufgenommen haben (davor „psychosomatik“ für gestresste realschullehrerInnen etc.), während sie um anerkennung von dem rentenversicherungsträger ringen und sich entsprechende einnahmen erhoffen, weil sie auch sonst keine einnahmen mehr erhalten (eine rein psychosomatische klinik wird heute definitiv bankrott gehen)
    – daß es einige kliniken in deutschland gibt, die nahe der insolvenz oder bereits insolvent sind, weil sie sich den luxus erlaubt haben, therapiekonzepte anzuwenden, die nicht den schemata der rentenversicherungsträger entsprechen, die etwa die „erwerbsfähigkeit“ nicht seit jahren explizit als therapieziel definiert haben, sondern etwa von „systemischer“, „ganzheitlicher“ psychotherapie fabulierten, primär die menschen stärken wollten, in selbstvertrauen auch dissident sein zu dürfen. so was wird heute nicht mehr bezahlt.
    – daß viele vermeintliche nutznießer einer „reha“ sich eher ausgenutzt und nicht adäquat behandelt gefühlt haben (das zeigen die erfahrungsberichte in einschlägigen online-portalen zum thema)
    – daß es ein minus in ausmaß von psychotherapie oder qualität der unterbringung gibt, zwischen menschen die primär wegen psychosomatischen störungen behandelt werden und jenen, denen ihr suchtproblem die andere zugrundeliegende problematik zur „komorbidität“ verklärte, auch mittels den ansprüchen der monsterbehörde. da gibt’s dann nur zweitbettzimmer und weniger psychotherapie. dafür mehr „ergotherapie“. die leute zur arbeitswilligkeit zu prügeln ist einer der kriterien, ob die „therapie“ erfolgreich war.
    alle „doppeldiagnosen“ werden zu nebeneffekten erklärt.

    das ist ein gewaltiges gebiet. ist die rentenversicherung esoterisch? irgendwie schon. sie hat eine bestimmte vision: die „erwerbsfähigkeit“ und sie orientiert sich an einer standardisierung, die heute gefühlte 95% aller kliniken ausmacht.

    die behörden der rentenversicherung verhalten sich somit nicht viel anders als die „bundesagentur für arbeit“.
    aus dem standard-programm rauszukommen, obliegt nur wenigen diagnosen.
    meine eigene („rezidivierende depression“) etwa reicht nicht.
    wäre ich „borderline“, hätte ich anspruch auf mehr psychotherapie.

    meiner meinung nach ist der ganze behördenapparat so esoterisch, weil er auf gut glück standardisiert wie eine kartenlegerin, die aus ihren erfahrungen zu schöpfen glaubt.

    und noch ein wenig hässliche „anti-psychiatry“:
    eine diagnose erlöst niemanden und sie ist immer subjektiv und relativ.
    die schematisierung von behandlung fördert nichts außer erzwungene assimilation mit übrigens beschränkten erfolgsaussichten. denn ein mensch ist weder „no“ noch „yes“ zur beruflichen integration. er ist ein individuum. und wenn eine therapie nicht erfolgreich ist (und stationäre therapie hat miese zahlen), ist das ergebnis nachher das gleiche wie vorher.
    wir brauchen ambitionierte kliniken. die würden dann aber nicht vom rentenheini bezahlt werden.
    prognose: wird die nächsten jahre noch schlimmer. millionen an steuergeldern werden rausgeworfen für standardisierte prozesse, die keinen erfolg bringen werden.

  49. 27. August 2010, 22:51 | #50

    balla balla :
    Ich weiß ein bischen etwas über die weiterführenden Gruppen, die modernere Abwandlungen von diesem Urtypus sind. Da ist es so, daß diese 12 Schritte Vorschläge sind,

    Kommt Ihnen das nicht selbst blöd vor? Natürlich muß man sich an irgendwas halten können, wenn man vom Stoff loskommen will. Aber das sollte etwas sein, das auch Sinn ergibt, und nicht ominöse höhere Wesen, Götter und andere Totgeburten.

    Wo sind sie denn nun, die Wirksamkeitsnachweise, dieser ominösen Gruppen?

  50. 28. August 2010, 10:36 | #51

    ich bin selbst trockener Alkoholiker, aber mir sagt diese Organisation nicht zu.
    Ich halte mich an ein praxisbezogenes Leben, wo ich real sehen kann, wie ich nüchtern leben kann.

    Allerdings sollte jeder schauen, welchen Weg er geht, denn jeder nüchterne Tag ist schöner Tag.

  51. 28. August 2010, 11:11 | #52

    booner :
    Also ich meine, da hätte es mal ne Folge von “Penn & Teller’s: Bullshit!” dazu gegeben…

    Kann man sich auf Youtube anschauen Penn & Teller: Bullshit

  52. suchtwatchleipzig
    28. August 2010, 13:35 | #53

    wir haben also „schwere psychosoziale störungen“.dazu kommt die mär von:“die waren ja schon immer psychisch krank,schwach,nicht gesellschaftsfähig,deshalb haben die gesoffen.“und im abstinenten leben bleibt es so.die schäden sind nicht heilbar/beherrschbar.mancher scheint auch die dämliche these aufstellen zu wollen,wir hätten gehirnschäden oder gendefekte.wer so etwas in umlauf bringt,sieht uns als tickende soziale zeitbomben und will uns lebenslänglich psychiatrisieren!
    denselben käse wurde uns versucht unterzujubeln mit „sucht kommt von suchen“.bis sies nicht mehr halten konnten,weil es u.a.wikipedia dann gab.der begriff sucht ist durch abhängigkeit ersetzt.abhängigkeit kann man nämlich heilen.dann ist man ex-abhängiger oder nicht mal mehr das.und dann haben einige leute ein problem…die wörter sucht und abusus werden auch von verschiedenen esoterischen und reaktionären strömungen in der „sucht“arbeit verwendet,um sich untereinander zu erkennen.
    die kritik,die sich die aa stellen sollten ist folgende:ihre zwölf schritte passen perfekt zu eben jenem „flügel,der eine konservative,teils reaktionäre,ideologie durchprügeln“will.es ist der klassiker:esoteriker und sekten nutzen hilfesuchende menschen,die teilweise nach dem letzten strohhalm greifen aus,um ihre ideologie in die hirne dieser menschen zu pflanzen oder knete zu machen oder beides.mit den zwölf schritten ist die selbsthilfegruppe „anonyme alkoholiker“zwar nicht unbedingt teil des problems,aber sie stärken damit(hoffentlich)ungewollt eben diesem flügel den rücken.die nehmen das dann gern in ihr klinikkonzept auf und verankern es sogar.wie können eigentlich allgemeine psychosomatische kliniken die marke“12-schritte“in ihr programm nehmen und die klinik danach ausrichten,das geht die doch garnichts an,das ist doch nur für alkoholiker?eine therapie kann man damit definitiv nicht durchführen!haben die kein copyright?schuster bleib bei deinen leisten…oder seid ihr mehr als eine selbsthilfegruppe?wir möchten das niemals glauben müssen.es gibt einen kleinen teil von uns,der möchte,um ins abstinente leben zu starten,ein klein wenig spirituelle selbstfindhwung.ganz für sich privat!bitte schön,dann macht und übernehmt das.

    im übrigen gibt es zwei gründe,warum behörden straffällig gewordene alkoholiker zu den aa schicken.es kommt nicht auf die behörde an,sondern auf den jeweiligen sachbearbeiter.
    1.“na das hab ich im fernsehen mal gehört“
    2.der sachbearbeiter hat die zwölf schritte durchgelesen,und bildet sich ein ihn damit disziplinieren zu können,was natürlich meist scheitert.

  53. balla balla
    29. August 2010, 15:06 | #54

    40_Fieber :

    balla balla :
    Ich weiß ein bischen etwas über die weiterführenden Gruppen, die modernere Abwandlungen von diesem Urtypus sind. Da ist es so, daß diese 12 Schritte Vorschläge sind,

    Kommt Ihnen das nicht selbst blöd vor? Natürlich muß man sich an irgendwas halten können, wenn man vom Stoff loskommen will. Aber das sollte etwas sein, das auch Sinn ergibt, und nicht ominöse höhere Wesen, Götter und andere Totgeburten.
    Wo sind sie denn nun, die Wirksamkeitsnachweise, dieser ominösen Gruppen?

    Nun, es steht Dir jederzeit offen, neue, bessere Konzepte zu fertigen und anzubieten. Bedarf ist genug da und Konzepte, die helfen, sprechen sich in Windeseile rum. Und: Ja: Es kommt sicherlich dem Einen oder Anderen auch voll blöd vor. Aber eine funktionierende, hilfespendende Gruppe ist dann doch immernoch wichtiger. Und wie gesagt: Es ist viel Bedarf da, aber Konzepte gibt es noch nicht allzuviele und die meisten Konzepte befinden sich noch in Probephasen. Zum Glück geht es bei Selbsthilfe aber vor allem um den Kontakt zu anderen Menschen mit ähnlichen Problemen, mit denen man sich austauschen kann. Da ist die übergeordnete Form nicht ganz so wichtig. Sicherlich ist es richtig, auch hier kritisch zu beobachten, aber wie gesagt, in diesem Falle sehe ich persönlich keinen Grund zur Beunruhigung.

    Vielleicht kann man es vergleichen mit einer Firma, in der man arbeitet, und die Konzepte der Firma sind einem schon hier und da auch schleierhaft, dennoch ist einem die Arbeit, die man leistet, wichtig und man hat Kollegen, mit denen man sich blendend versteht. Da ist es doch auch egal, ob der eine Kollege an Gott glaubt, und dadurch seine Arbeit gut macht, und ob ein anderer Kollege Gott für Humbug hält und aber ebenso gut die Gruppe stärkt. So ist es auch in solch einer Gruppe: der Austausch und die gegenseitige Unterstützung stehen im Vordergrund, wer an was glaubt, ist absolut nebensächlich.

  54. 29. August 2010, 21:40 | #55

    Nun, es steht Dir jederzeit offen, neue, bessere Konzepte zu fertigen und anzubieten.

    Es gibt bessere Konzepte. Da muß man nichts Neues erfinden.

  55. balla balla
    30. August 2010, 12:27 | #56

    Gibt es bessere Konzepte oder einfach nur andere, die manche Menschen gern für sich in Anspruch und andere Menschen nehmen nunmal dieses hier gern in Anspruch?

  56. suchtwatchleipzig
    30. August 2010, 15:43 | #57

    zu konzepten allgemein sollte man sich in den usa,kanada,benelux und skandinavien umhören/-schauen.fragen sie das örtliche reisebüro.dort gibt es eine viel höhere selbsthilfedichte und größere lobby,an der auch die aa(speziell in den usa)mitgeholfen haben.dort treten abhängige viel selbstbewusster auf.dort heisst es,wenn es denn sein muss:“ich bin alkoholiker und gehe zu shg xy“.und das geschieht mit geradem blick.hier,besonders in ostdeutschland wird zu oft gestammelt und auf die füße geschaut.und da liegt auch der hase im rotwein…man sollte schauen,ob ein konzept die größtmögliche entfaltungsmöglichkeit bietet.in den genannten ländern gibt es auch selbsthilfegruppen,die sich unter mitarbeit von vertrauenswürdigen psychotherapeuten und hausärzten selbst ambulant therapieren,weil auch da die stätionären therapien leider nicht die besten zahlen hat,und die leute ja nicht ewig warten wollen.deswegen heißt es ja auch selbsthilfegruppe.es wird da sogar teilweise vom staat gefördert.und die leute hörten sich nicht so an,als wären sie noch in der erprobungsphase.wahrscheinlich weht dort aber ein stärkerer wind der emanzipation,und der hat es andernorts eben nicht so eilig…

  57. The_Vanguard
    31. August 2010, 11:18 | #58

    @suchtwatchleipzig:
    Entschuldigung, falls das so rüber gekommen ist, als obich jemanden diffamieren wollte – das liegt mir fern. Aber worin sehen sie denn die Ursachen für Alkoholismus?

  58. 31. August 2010, 21:24 | #59

    balla balla :
    Gibt es bessere Konzepte oder einfach nur andere, die manche Menschen gern für sich in Anspruch und andere Menschen nehmen nunmal dieses hier gern in Anspruch?

    Es gibt bessere Konzepte. Dazu welche mit Wirksamkeitsnachweis, den mir die hiesigen AA-Anhänger immer noch nicht liefern konnten.

  59. balla balla
    1. September 2010, 15:02 | #60

    40_Fieber :

    balla balla :
    Gibt es bessere Konzepte oder einfach nur andere, die manche Menschen gern für sich in Anspruch und andere Menschen nehmen nunmal dieses hier gern in Anspruch?

    Es gibt bessere Konzepte. Dazu welche mit Wirksamkeitsnachweis, den mir die hiesigen AA-Anhänger immer noch nicht liefern konnten.

    Erzähl.

  60. suchtwatchleipzig
    2. September 2010, 12:45 | #61

    laßt aber die jungianischen,reichianischen sowie tiefenpsychologisc-analytischen konzepte mal draussen.die werden oft bei stationären therapien angewandt und sind teilweise ideologisch zu sehr belastet.man befindet sich damit bei einer längerfristigen erfolgsquote von etwa 25 prozent.wenn überhaupt.welche windel man anhatte tut nicht so sehr was zur sache und man sollte es damit nicht übertreiben,sondern interdisziplinär und klientenzentriert schauen wies ist und was geht,bei jedem einzelnen.viele ambulante therapieeinrichtungen haben das erkannt und viele kliniken bieten schon lange praxisbezogene ambulante behandlung an.und haben damit eine erfolgsquote von etwas über 50 prozent.und den meisten leuten hier im osten kann man nicht mit dem kindheitstrauma und den analen befindlichkeiten eines schweizers und seinem versuchskarnickels anna o. kommen.hier mussten zum beispiel nahezu alle zur armee.viele waren im knast.und das hat jeden fertig gemacht,egal wie mutti gekocht hat.fragt mal einen ossi über 45 wo er das saufen gelernt hat…die leute kennen ihre psyche am besten und brauchen oft keinen psychologen einer bestimmten schule,der sie analysiert.zumal jede schule was anderes erzählt.zum selben thema fünf verschiedene diagnosen.viele wollen einfach ins leben starten und die mitmenschen sollten schauen zb wo können wir ihn ins kalte leben schmeissen und wo braucht er noch die gewissheit,daß ihn notfalls einer auffängt unter der prämisse von selbststärkenden eigen versuchen.das geht am umfassendsten ambulant,in einer mischung aus ambulant/stationär oder in einer davon unabhängigen variante in enger zuammenarbeit von psychotherapeuten/hausärzten/selbsthilfegruppen und einer nach unserem kennenlernen solcher erfolgsquote von etwa 60 prozent.es gibt auch suchtberatungsstellen,die werden größtenteils von ex-abhängigen betrieben. was unserer meinung gar nicht geht,ist das jungianische,zumal der carl-gustav im roten buch zugeben musste,daß er auch nicht so genau weiss wo gottes weg denn nu genau langgeht und einige anhänger jetzt etwas enttäuscht sind vom mystiker unter den psychoanalytikern und abgesprungen sind und auf und davon.es gibt also der möglichkeiten viele.genauso viele rein in die abhängigkeit wie raus.mit einer starren festen gehts also nicht.wichtig ist:immer interdisziplinär und klientenzentriert.und das humanistische nicht vergessen.schließlich wollen wir ja alle,daß aus 60000 toten im nächsten jahr 59000 werden.man sollte auch mal genau die rückfallquote von den verschiedenen konzepten statistisch erfassen.
    nun verstehen wir aber immer noch nicht,warum sich der balla-balla hier wieein .amerikanischer teenager aufführt.

  61. Karl Beiss
    2. September 2010, 21:53 | #62

    Auch Narconon, ein Ableger von Scientology und Synanon machen dieses Spiel – Ersetzung der stoffgebundenen Abhängigkeit durch die Abhängigkeit zu einer Gruppe oder einem „Idol“.

    Das heilige Kalb heisst dann nicht mehr Heroin oder Alkohol, sondern Gruppenführer oder GOTT

  62. 3. September 2010, 07:46 | #63

    Zur Ergänzung:
    In Anlehnung an die zwölf Schritte der anonymen Alkoholiker hat sich „CoDa“ entwickelt und setzt damit das gefährliche Prinzip an an anderer Stelle ein. Diese „Coabhängigen“ sind unter dem Einfluss von CoDa zu Verhaltensweisen fähig, die auch anderen massiven Schaden in der Psyche und in der sozialen Situation verursachen. Die Etablierung von CoDa erfolgte kurz nach der Wendezeit und wird nun auch noch von kirchlichen Kreisen unterstützt. Im Prinzip identisch wie die Anonymen Alkoholiker.
    Viele Informationen zu CoDa waren am Anfang im Internet zugänglich, nunmehr schotteten sich diese Gruppen ab – bis auf ihre Aktivitäten zum Schäfcheneinsammeln. Mit dem Hinweis keine Sekte zu sein, haben sie erheblichen Zulauf.

    Hier einige Links, die man mal quer lesen sollte:

    http://forum.zwoelf-schritte.de/index.php?topic=196.0

    http://www.coda-deutschland.de/tool-12s-de.htm

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf-Schritte-Programm

    http://forum.zwoelf-schritte.de/index.php?topic=991.0

  63. Werner
    6. September 2010, 12:45 | #64

    Also ich hab mich ehrlichgesagt total amüsiert auf dieser Seite, das ist in etwa so wie wenn sich E.T. Gedanken macht wie man am besten nicht auf der Erde leben sollte… Das weniger Amüsante dran allerdings ist es, dass sich vielleicht durch solche Aussage Menschen davon abhalten lassen, eine Option die ihnen vielleicht zu andauernder Nüchternheit verhelfen könnte nicht auszuprobieren. Ob diese Menschen ihnen dann dankbar sind dafür? ICh denke es gibt offene Meetings genug, um sich selbst ein bild machen zu können, dazu brauchts keine ahnungslose Schwarzseher wie hier…

  64. balla balla
    7. September 2010, 22:13 | #65

    suchtwatchleipzig :
    laßt aber die jungianischen,reichianischen sowie tiefenpsychologisc-analytischen konzepte mal draussen.die werden oft bei stationären therapien angewandt und sind teilweise ideologisch zu sehr belastet.man befindet sich damit bei einer längerfristigen erfolgsquote von etwa 25 prozent.wenn überhaupt.welche windel man anhatte tut nicht so sehr was zur sache und man sollte es damit nicht übertreiben,sondern interdisziplinär und klientenzentriert schauen wies ist und was geht,bei jedem einzelnen.viele ambulante therapieeinrichtungen haben das erkannt und viele kliniken bieten schon lange praxisbezogene ambulante behandlung an.und haben damit eine erfolgsquote von etwas über 50 prozent.und den meisten leuten hier im osten kann man nicht mit dem kindheitstrauma und den analen befindlichkeiten eines schweizers und seinem versuchskarnickels anna o. kommen.hier mussten zum beispiel nahezu alle zur armee.viele waren im knast.und das hat jeden fertig gemacht,egal wie mutti gekocht hat.fragt mal einen ossi über 45 wo er das saufen gelernt hat…die leute kennen ihre psyche am besten und brauchen oft keinen psychologen einer bestimmten schule,der sie analysiert.zumal jede schule was anderes erzählt.zum selben thema fünf verschiedene diagnosen.viele wollen einfach ins leben starten und die mitmenschen sollten schauen zb wo können wir ihn ins kalte leben schmeissen und wo braucht er noch die gewissheit,daß ihn notfalls einer auffängt unter der prämisse von selbststärkenden eigen versuchen.das geht am umfassendsten ambulant,in einer mischung aus ambulant/stationär oder in einer davon unabhängigen variante in enger zuammenarbeit von psychotherapeuten/hausärzten/selbsthilfegruppen und einer nach unserem kennenlernen solcher erfolgsquote von etwa 60 prozent.es gibt auch suchtberatungsstellen,die werden größtenteils von ex-abhängigen betrieben. was unserer meinung gar nicht geht,ist das jungianische,zumal der carl-gustav im roten buch zugeben musste,daß er auch nicht so genau weiss wo gottes weg denn nu genau langgeht und einige anhänger jetzt etwas enttäuscht sind vom mystiker unter den psychoanalytikern und abgesprungen sind und auf und davon.es gibt also der möglichkeiten viele.genauso viele rein in die abhängigkeit wie raus.mit einer starren festen gehts also nicht.wichtig ist:immer interdisziplinär und klientenzentriert.und das humanistische nicht vergessen.schließlich wollen wir ja alle,daß aus 60000 toten im nächsten jahr 59000 werden.man sollte auch mal genau die rückfallquote von den verschiedenen konzepten statistisch erfassen.
    nun verstehen wir aber immer noch nicht,warum sich der balla-balla hier wieein .amerikanischer teenager aufführt.

    weil ich einer bin

  65. 8. September 2010, 13:51 | #66

    Am besten ist es sicher, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen und seinen Alkoholkonsum im Auge zu behalten noch bevor es zu einer Abhängigkeit kommt. Hilfen – auch im Netz – gibt es hierzu ja genügend und auch gute, wie zum Beispiel unter http://www.kenn-dein-limit.de. Wenige Dinge sind in Maßen genossen gleich extrem schlimm und müssen verteufelt werden. So auch Alkohol nicht. Aber die eigenen Grenzen zu kennen, gewisse Tage in der Woche konsequent trocken zu bleiben, etc… das ist WIRKLICH wichtig, wie ich denke.

  66. Gelsomina
    18. September 2010, 11:21 | #67

    Interessehalber und weil ich zusehends kritisch werde angesichts des Eso-Booms, dem ich ich mich in der Vergangenheit durchaus aufgeschlossen gegenübersah, bin ich auf diese Site gelangt.

    Insbesondere dieser Artikel über AA und Consorten nebst den Schritte-Kliniken ließ mich aufhorchen. Ich bin einstige Anhängerin und auch Patientin einer der Einrichtungen gewesen – zum Glück derjenigen, die ihr Konzept zwischenzeitlich im förderlichen Sinne umgestellt hat. Hellinger ist für mich ein Verbrecher der ersten Reihe und „Bonding“ erachte ich als gemeingefährlich und gewalttätig. In den A-Gruppen tummelte ich mich eine Weile herum, habe auch noch diverse Literatur im Regal stehen und mich irgendwann angefangen zu fragen, was das soll und ob ich da nicht wieder in eine neue Abhängigkeit gehe? Ein schräges Gefühl ist geblieben, ein Unwohlsein, weil auch hier die Leute nicht ans wirklich Eingemachte gehen, nicht ihre Probleme angehen und beseitigen, Verantwortung für ihr Tun übernehmen, sondern sich sektuös wieder nur in „die Höhere Macht“ fügen, statt sich am Diesseits zu orientieren. Es wird auch hier weitergeflüchtet – in eine Höhere Macht und damit verbunden nicht selten in die Arme eines wartenden weiteren Gurus, Schamanen, Heiler, dessen hysterische Registrierkasse vor Entzücken ekstatisch bimmelt… Ich löse meine Probleme, die übrigens allzu menschlich und allerweltlich sind, nicht, indem ich eine Formel herunterleiere, die mich vor allem Bösen schützt, sondern in dem ich beherzt durchatme, vielleicht noch konkrete Freunde um konkrete Unterstützung bitte, meinen Rucksack schultere und mit meinen Qualitäten und Eigenschaften, über die ich verfüge, die Dinge angehe.

    Mir hat dieses Programm eine Weile geholfen, irgendwie zurande zu kommen, aber ich bin irgendwann im Nebulösen gelandet und beschlossen, mein VERHALTEN zu ändern, zu tun und nicht zu beten und zu jammern.

  67. edulopm
    6. November 2010, 15:47 | #68

    Ich habe eine Frage… gibt es in Dtl überhaupt eine spezifische Gruppe für die 4. und 5. Schritte??

  68. suchtwatchleipzig
    12. November 2010, 10:19 | #69

    wir wollen etwas mitteilen.es stammt von guten freunden.
    wie kann man rauskommen?
    wir fanden uns über internet zusammen,teilweise hatten wir vorher schon die telefonnummern oder die adressen getauscht,weil wir merkten,daß an dem ort wo wir waren etwas nicht stimmen konnte.teilweise wußten wir garnicht,daß es uns an unterschiedlichen orten schon gab.wir kamen oft kaputter aus dem ort heraus als wir hereingegangen sind.auch unsere familien merkten das.also riefen wir uns gegenseitig an,um uns kennenzulernen.keiner machte den ersten schritt,es ergab sich. dann sahen wir uns,blickten uns an und wußten nicht was wir tun sollten.wir tranken noch und tranken nicht mehr.wir fingen an zu erzählen,wie es dem einzelnen am ort und danach ergangen ist.daheim,in der familie,im beruf,im freundeskreis,auf ämtern,im alltag.wir fühlten uns mies.sehr mies.wir fluchten.wir weinten.wir fühlten uns ausgenutzt.wir schrien.wir gaben uns die schuld.so wie es in unseren köpfen und unserer psyche geschrieben stand.wir redeten.monatelang,jahre.unsere familien weinten.oft.wir redeten und redeten.irgendwann über alles.wir redeten den satz:aber wir gingen immer wieder hin,an den ort.wir waren stigmatisiert.durch böse pinselstriche böser trolle.wel einige bücher geschrieben worden.einige bücher über narzissmus.diese bücher sollten also der weisheit letzter schluss sein.warum sollte das der weisheit letzter schluss sein?wenn doch die mehrheit der alkoholiker posttraumatische belastungsstörungen haben,die aufgearbeitet werden müssen.und da bestehen ja unterschiede.wer was anderes behaupten will,möge ein scharlatan sein.warum in aller welt gingen wir immer wieder hin,an den ort.zweimal,dreimal.für wochen,monate,jahre.ließen uns demütigen,bevormunden,erniedrigen,demoralisieren.wir sagten den satz:auf den ort fixiert.wir gaben uns selbst keine alternative dazu.unsere psyche zog uns immer wieder an den ort.warum nur?trotz der erniedrigung wollten wir so sein wie sie:stark,überlegen,souverän.und jede zuneigung,die im gefühl der erniedrigung kam,ließ uns jauchzen,uns gut fühlen,uns asicher sein,es sind ja profis,dort am ort.und wegen dieser guten gefühle gingen wir wieder hin,zum ort,trotz allem negativen.als wir das an uns merkten ging es uns schlecht,sehr schlecht.draussen sagte man uns:geht nur wieder vhin,die haben sich geändert,die sind nicht mehr so,die machen das jetzt anders.wir glaubten es,und wurden wieder enttäuscht.unsere familien sagten uns,wir wären anders,anders als es auch geschrieben stand.unsere hausärzte sagten es uns.psychologen schmissen sinnbildlich papiere aus den fenstern.es gab menschen,die uns mut machten.sie ließen uns nicht im stich.andere lachten uns aus.wir finge an,uns mit unserem problem auseinander zusetzen.wir informierten uns.wir fingen an,uns zu bilden.wir durchforsteten das internet(danke wikipedia.).vorher bekamen wir immer zuhören,daß es nicht gut sei,wenn wir zuviel über unser problem wüssten.wir wußten nicht,daß jeder in die universitätsbibliothek gehen kann.kostenlos.wir wußten nicht,daß man nach voranmeldung vorlesungen besuchen kann.oder sich einfach reinschummeln kann.wir fanden es selbst heraus.und das war der erste grundstein unseres erfolges,unseres aufbruchs.wir bekamen eine ahnung davon,was eigentlich unser problem war.wir bekamen eine ahnung,warum wir in der opferrolle waren.wir durften es als kinder nicht lernen,uns zu entfalten.wir wurden gestutzt.wir wurden gedemütigt,erniedrigt,demoralisiert und verletzt.wir hatten die leute mit den schweren psychosozialen schädigungen,die unsere seelen schlugen und uns brachen,kennengelernt.sie hießen schließer und spieß.sie wohnten in bautzen,in anderen knästen.und sie wohnten bei der fahne.wir bekamen heraus,warum wir kaputt herauskamen und unsere liebsten schlugen,weil keine flasche auf dem tisch stand.ab diesem zeitpunkt baten wir unsere familien und freunde,uns beizustehen und rücksprache mit ihnen nehmen zu dürfen.plötzlich kochte vieles wieder hoch.alte ehestreitigkeiten standen wieder im raum.aber wir rannten offene türen ein.sie hatten lange gewartet.jahrelang vergeblich.sie hatten nicht mehr zu hoffen gewagt.sie stellten alles auf eine fachliche ebene,um den überblick nicht zu verlieren.denn ab jetzt packten wir den stier bei den hörnern.wir waren ab jetzt“wir“.unsere freunde und familien stiegen ein,und wir waren ab jetzt eine therapeutische gemeinschaft.wir zogen hausärzte und vertrauenswürdige psychologen ins vertrauen.wir bildeten uns immer weiter.wir arbeiteten uns in psychologie,soziologie und sozialpädagogik ein.wir suchten kontakt zu anderen und lernten die skandinavier kennen.wir sammelten geld,plünderten unsere konten und schickten eine abordnung über den grossen teich.dort erfuhren wir,was andere noch mit uns vorhaben würden.und wir lernten bill und bob aus washington von der größten selbsthilfegruppe der welt kennen.von ihnen lernten wir viel.sie erzählten uns auch viel negatives über die arbeit von psychosekten und deren vorstellung zur lösung unseres problems.als wir es genau wissen wollten kamen schwarze security-männer mit elektroschockgeräten und jagten uns davon.es war knapp.aber jetzt wußten wir,was eine absichtlich vor den baum gefahrene psychoanalyse ist.wir arbeiteten uns in die materie der irrationalen esoterischen überzeugungssysteme ein.dann kam die zeit der agerissenen klingelschilder,der schmutzigen plüschaffen vor der haustüre,der telefon anrufe mit nachfrage wie das mittagessen geschmeckt hat.es lagen alkoholflaschen vor unseren häusern und säumten unsere wege.ein grabkranz säumte unseren weg.essenspakete wurden an unsere türen geklatscht.pyramiden mit auge darin tauchten auf.eine böse fee wollte also stasimethoden anwenden.wir fingen an,uns gesellschaftlich zu engagieren.wir mischten uns ein.wir spürten zum ersten mal wie es ist,ein teil der gesellschaft zu sein.es tat sehr,sehr gut.es war für uns therapeutisch verdammt wichtig.wir mutierten langsam aber sicher zu gleichwertigen bürgern dieser unserer gesellschaft.ja wir merkten:emanzipation kann verdammt sexy sein.positiv und manchmal eben auch negativ.wir wußten jetzt was eine opferrolle ist und wie wir herauskommen.wir wußten:wenn wir in der opferrolle bleiben,in die uns andere gedrängt,geprügelt,gebrüllt und gedemütigt haben,bleiben wir deren opfer.ein leben lang.denn es gibt schweinehunde auf dieser welt,die wollen genau das mit anderen menschen tun.entweder sie sin verhaltensgestört oder sie erfreuen sich am zustand ihrer opfer.bei der fahne wars eine mischung aus beidem.und dieser terror ging bei uns bis ins denken,ins fühlen,bis in die sexualität hinein.wenn wir das nicht aufbrechen und diesen teil unseres lebens gut verpackt in den giftschrank stellen,haben sie über uns gesiegt.lebenslänglich.dann sind wir für immer fremdbestimmt.und saufen uns irgendwann tot.

  69. suchtwatchleipzig
    12. November 2010, 16:57 | #70

    wir überlegten,wie wir an uns arbeiten können.wir änderten unser fremdbestimmtes verhalten.langsam.stück für stück.auch im bett.wir passten auf unsere depressiven verstimmungen,die am anfang dabei waren,auf damit sie sich nicht verstärkten.wir wurden öffentlich auf verbaler ebene brutal attackiert.man drohte uns versteckt verbal mit vergewaltigung.unsere familien hatten angst und fragten:was machen die nur mit uns?wir beschlossen:kein druck und keine verzweiflung dieser welt treiben uns in rückfälle,also potentiell auf den friedhof.wir nahmen uns das leben so,wie es ist.wir wußten ja,daß es auf der welt schweinehunde ohne mkoral und anstand gibt.aber wir wußten mittlerweile,wie wir aus unserer opferrolle kamen.wir stürzten uns hinein ins leben.wir suchten uns rechtsbeistand.wir machten das,was wir immer wollten,was uns durch die verkrüppelung unserer seelen abhanden gekommen war oder was wir nie lernen konnten.wir lernten das leben,unsere heimat,unser land ,die menschen kennen.es war eine schau!wir beim friseur,wir bei douglas,wir bei der typberatung,wir bei maffay,bei smokey,bei cocker.wir kauften unterwäsche,die noch nie zuvor ein mensch gesehen.wir kannten das doch vorher nicht!wir lernten dadurch unsere eigene individualität kennen.wir sagten,wir wohnen hier und in diesem land,sie sind unsere.keiner stellt uns mehr durch irgendwelche tricks aufs soziale abstellgleis.irgendwann sagten wir nicht mehr das ist der ort,sondern das war der ort.wir wurden aktiv.wir fingen an zu gehen.aufrecht .unser gang wurde lockerer,wir wackelten mit dem po.wir machten rollenspiele.wir stellten uns trolle als rotzige,verzogene rotzgören auf dem schulhof vor,die kratzen und kneifen. wir machten darüber rollenspiele,wie wir als kinder,als wir noch nicht gebrochen waren in diesen situationen reagiert haben.wir zogen es ins erwachsenenleben hinein und lernten einen abstandsblick.einen gelassenen,souveränen überblick von oben herab und mit abstand.wir provozierten uns im spiel mit alltäglichen stressituationen und mit schweinehunden.wir lernten cool und gelassen zu bleiben bei provokationen.da wir uns in psychologie mittlerweileauskannten,bekamen wir einen anderen blick auf die menschen und auf die welt.wir konnten alles anders sehen und einordnen.es war am anfang schwer,das für uns anzunehmen.solche neuen psychologischen blicke birgten die gefahr für uns,andere menschen zu stigmatisieren und in kategorien einzuordnen.wir kamen von diesem trip wieder herunter.wir gingen wandern.wochenlang.wir blickten vom hohen berg aus auf die welt und liessen es mit der welt verschmelzen.uns mit der welt verschmelzen.wir definierten sie für uns.wir gingen damit wieder hinunter.wir fingen an,nicht mehr fremdbestimmt zu sein.wir hatten uns entdeckt und zum ersten mal im leben selbstdefiniert.wir fühlten uns nach anfänglicher unsicherheit sauwohl.wir lernten uns selbst lieben die welt lieben,wir waren nicht mehr auf dem abstellgleis.wir meldeten uns in vereinen an.wir richteten notdienste bei überforderung ein,wir machten dienstpläne,wir übernahmen häuser unserer eltern.wir hatten verantwortung.(danke bill und bob für diese tipps.).wir schauten auf und übernahmen sie.wir waren mitmenschen.unsere hormone flogen uns um die ohren.wir ließen unsere angehörigen ein theaterstück aufführen;was sind alkoholiker?wir sagten ihnen danach,was sie falsch gespielt hatte.oh,oh.das alles half uns auch eine denkstruktur aus unseren köpfen zu bekommen.wir dachten noch jahre danach in vielen situationen:was würde der troll denken,gefällt es dem troll?gefällt es dem troll,was wir tun?wir hatten immer den doppelstecker im hirn.wir waren halb alkoholiker,halb troll.wenn wir etwas taten,taten wir es als troll.wir fragten immer gedanklich vorher den troll.denn wir wollten ja so sein wie sie.stark.überlegen.souverän.dieses verhalten war nun endlich weg,es lag hinter uns.wir konnten atmen.wir rochen,wir schmeckten uns und das leben.jetzt sind wir an der reihe,mit all unseren qualitäten,die wir haben.wir merkten,daß so etwas im bild anderer menschen nicht vorgesehen ist.sie hatten große schwierigkeiten sich einzugestehen,daß es uns gibt.denn sie hatten ja etwas anderes produzieren wollen.vereinzelung,lethargie,anpassung,regeln.sie machten uns an,und irgendwann wars uns egal.lasse reden.das was war können sie behalten und sich eingerahmt über die badewanne hängen.was solls,die jahre sind zwar fort,aber wir kennen ja noch unsere opferrolle.diese ist ein teil unseres lebens,aber sie ärgert uns nicht mehr.wir denken nicht mehr an das ende unseres lebens.wir lassen uns nicht mehr verzweifeln,wir haben gewonnen.wir haben ein konzept ad absurdum geführt.nein es passt ihnen nicht,aber es ist uns egal.es ist uns egal.es ist nicht mehr teil unseres lebens.wir haben über unsere opferrolle gesiegt.das schicksal hat bei einigen hart zugeschlagen.das machen unsere profis.wir sind zu zwei drittel trocken und sind es zu einem drittel nicht.wir sind emanzipiert.denn:die wolken am himmel,am himmel unserer schönen welt,auf der wir leben dürfen,weil wir dem tod von der schippe gesprungen sind,sehen schön aus.schön wie wir.manchmal sind sie grau und hängen tief.so wie wir.meistens jedoch sind sie wunderschön.so wie wir.und das können andere auch.wir finden die ursula gut,weil sie sagte:hoch vom sofa und raus aus der furzmulde.wir finden den gregor gut.wir finden die alice gut,weil sie haare auf den zähnen hat.wir gehen alle wählen.wir nehmen am leben teil,weil:wir sind das leben.wir sehen uns im leben…

  70. JaHalloErstmal
    8. Dezember 2010, 02:22 | #71

    Ach ja, die 12-Schritte-Programme. Herzallerliebst. Gut, dass ihr das Thema aufgegriffen habt.

    Ich war zweimal bei so einer Versammlung, einmal zum Reinschnuppern und das zweite Mal, weil ich mich gefragt hatte, ob es wirklich so übel war, wie ich es in Erinnerung hatte, und mir das deshalb unbedingt nochmal angucken wollte. Muss dazusagen, der Gruppenleiter war gleichzeitig Pastor einer evangelikalen Gemeinde, und ich will nicht wissen, wie der mit dem Hirn seiner Schäfchen rumgefuhrwerkt hat. Von daher war die Gruppe wohl nicht so repräsentativ. Jedenfalls wussten die bei den AA anscheinend über mich und auch mein Privatleben, meine Freunde usw. offenbar alles und empfahlen sofort Kontaktabbruch, bevor ich auch nur die Klappe aufgemacht hatte zu dem Thema. Klasse. Mir wurde auch das „blaue Buch“ empfohlen, weil da alles drinsteht, was man so braucht, obwohl das Ding über 60 oder 70 Jahre alt ist. Auf meine Nachfrage, ob sich mittlerweile nicht was getan hat in der Suchtforschung, kam die Antwort: „im blauen Buch steht alles, was man braucht“, die Wissenschaft tauge da nix. Das Ding wollten die mir auch andrehen, zu dem Preis, „den mir das wert war“, aber ich hatte an dem Tag nicht mal genug Geld für die Druckkosten einstecken und war auch nicht von der Qualität eines so alten Schinkens überzeugt, also hab ich dankend verzichtet.

    Die Räumlichkeiten gehörten den AA oder wurden von ihnen gemietet, und dort fanden sich AA-Wimpel, die 12 Schritte ganz groß an der Wand, diverse Symbole und zig Gedöhnst, und ein Porträt des AA-Gründers Wilson an der Wand. Kurios, aber gut, sowas findet man auch bei Kegelvereinen. Auch Bücher zum Thema hatten sie, konnte man glaub ich auch ausleihen – aber nur das steinalte „blaue Buch“ von Wilson und noch drei oder vier Bücher, die auf derselben Schiene liefen. Sonst nix.

    Am Besten war noch das gemeinsame „Vater unser“ am Ende des Treffens. Hab mitgemacht, um kein Spielverderber zu sein, aber mir war das seeehr suspekt. Mir war zuvor beteuert worden, dass das Treffen nicht „religiös“, sondern „spirituell“ war. Ich hatte nach dem Unterschied zwischen beidem gefragt und bekam gesagt, ich sei noch nicht soweit, um den Unterschied zu verstehen, und ich würde generell zu sehr intellektualisieren, sollte meinen Verstand ausschalten, denn genau dieser hätte mich ja in die Sucht gebracht. Aha. Außerdem hätten Alkoholiker eine bestimmte Persönlichkeit (ist längst wissenschaftlich widerlegt), und nur die 12 Schritte könnten raushelfen, sonst nix, und man müsse zeitlebens dabeibleiben, sonst würde man rückfällig. Ohne die 12 Schritte sei man nicht „nüchtern“, sondern nur ein „trockener Alkoholiker“. Ehrlich, ich hab was anderes zu tun, als in meiner Freizeit in Selbsthilfegruppen abzuhängen, wir sind ja hier nicht bei „Fight Club“.

    Im 12-Schritte-Programm finden sich allerhand Parallelen zu Sekten-Mechanismen, vielleicht, weil der Gründer der Anonymen Alkoholiker ein ziemlich schräger, evangelikaler Christ war und so ein Zeugs für ihn völlig normal war. Das „blaue Buch“ der AA von ihm ist total veraltet, sektenartig gruselig und spricht Bände, kann man auf Englisch online nachlesen, kriegt ihr bei Bedarf über die englischsprachige Wikipedia heraus. Wobei ich nicht behaupten will, dass diese Tradition in jeder Gruppe zum Tragen kommt, wenngleich mir auch schon manche andere Leute aus anderen 12-Schritte-Gruppen ähnliches bestätigt haben, steht ja genauso in dem „blauen Buch“. Vielleicht hatte ich nur außerordentliches Pech, aber dafür gibt’s genug andere Berichte.

    Ich kenne übrigens auch eine Dame, die bei einer Magersucht-12-Schritte-Gruppe dabeiwar. Die haben einfach nur die Infrastruktur der entsprechenden Anonyme-weißichwas-Organisation genutzt, die 12 Schritte sowie Wimpel und Gedöhnst zugesandt bekommen, den Kram abgeheftet bzw. weggepackt und einstauben lassen, nach dem Motto: „Was ist denn das für ein komisches, unnützes christliches Zeugs? – Bring nix, weg damit und vergessen.“ Und dadurch eine normale Selbsthilfegruppe gehabt, so wie es sein sollte. Trotzdem firmierten sie offiziell als Anonyme-Essstörungs-Gruppe.

    Nicht alle 12-Schritte-Gruppen sind krass, aber soweit ich mitbekommen habe, haben sich in vielen sektenartige Strukturen eingebaut. Und das liegt mit am 12-Schritte-Programm usw.

    Kommen wir nun zu den 12 Schritten, und vor allem:
    a) was daran generell Blödsinn ist, und
    b) wieweit das mit sektenartigen Mechanismen harmoniert oder diese fördert.

    Ich seziere mal kurz und hoffe, dass die Zitatfunktion klappt:

    1. Schritt: Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
    Der einzige der 12 Schritte, der überhaupt irgendwas mit der Sucht zu tun hat!! Aussage: da kann man leider nix machen. Grandios. Bravo. Passt nämlich nicht auf jeden.
    > Bei Sekten ist es normal, dass man sich zunächst niedermacht, um empfänglicher für Indoktrination zu sein.

    2. Schritt: Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
    Hier wird’s für Atheisten ungemütlich.
    > Glaube an eine größere, rettende Macht ist für Sekten (aber nicht nur für Sekten) typisch.

    3. Schritt: Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen.
    Jetzt wird’s konkreter: also es geht doch um Gott. Verdeckte Glaubensgemeinschaft. Bravo. Da sind mir diverse offen christliche Anti-Sucht-Programme lieber. Auch hier sehe ich keine Verantwortungsübernahme für das eigene Leben. Was soll übrigens das Geschwafel von wegen „wie wir ihn verstanden“?
    > Thema Sekte: nix konkret, aber es wird jetzt jedenfalls klar religiös.

    4. Schritt: Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.
    Okay, ist ja nie verkehrt, solange man es nicht übertreibt.
    > Thema Sekte: irrelevant

    5. Schritt: Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.
    Soweit in Ordnung. Allerdings, wenn Süchtige erst mal soweit sind, dass sie in einer Selbsthilfegruppe aufkreuzen, möchten sie auch auf ihre Stärken hingewiesen werden, nicht nur auf ihre Schwächen.
    > Sekte: steht nicht in den 12 Schritten direkt drin. Aaaber: bei den AA kriegt man ziemlich zu Anfang schon eine Art Betreuer aus der Gruppe, einen „Sponsor“, der einen unterstützen soll. Von Familie und Freunden soll man sich eher fernhalten laut blauem Buch, denn die hätten einen ja erst in diese Lage gebracht. Die ersten 30 Tage soll man jeden Abend an einem Treffen teilnehmen, also erst recht wenig Zeit für private Kontakte dann. Demnach: wem beichtet man? Richtig, am ehesten dem Sponsor. Hier entstehen u. U. Abhängigkeitsverhältnisse zu psychologischen Laien. Das kann bös in die Hose gehen – auch wörtlich (schon einiges in die Richtung von anderen Leuten erfahren, und ich wurde auch tatsächlich entsprechend schmierig angegraben von dem Leiter auf dem Treffen. Der Leiter guckte mir nämlich sonstwohin und sagte mir dabei, dass er mein Sponsor werden will. Igitt).

    6. Schritt: Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.
    Ohne Gott geht hier nix: Atheisten sind hier also fehl am Platze. Außerdem machen einen Charakterfehler doch gerade erst liebenswert? Und ganz ohne Charakterfehler, wer ist das schon? Ein Halbgott? Ein Gott? Dieser 6. Schritt ist zumindest theologisch bedenklich, rational sowieso, und psychologisch richtig autsch.
    > Thema Sekte: Autsch, autsch, autsch. Kein Kommentar… Lest den Satz einfach nochmal durch und denkt kurz nach. Das tut einfach weh im Hirn.

    7. Schritt: Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.
    Und schon wieder Demut. Erinnern wir uns: da kommt ein Mensch reinspaziert in eine Selbsthilfegruppe, der i. d. R. schon ziemlich am Boden ist. Macht dann die Schritte 1-6 durch, von denen keiner das Selbstvertrauen aufbaut. Und jetzt das. Zu Boden kriechen vor Gott und um Verzeihung flehen. Auch hier merkt ein Atheist: ich bin fehl am Platz.
    > Es ist sektentypisch, dass Selbstvertrauen möglichst niedergeschmettert wird, bevor die Persönlichkeit sektentypisch umgeformt wird.

    8. Schritt: Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.
    Total in Ordnung. Sollte jeder mal machen.
    > Sekte: kein Problem.

    9. Schritt: Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut – wo immer es möglich war -, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
    Total in Ordnung. Sollte jeder mal machen.
    > Sekte: kein Problem.

    10. Schritt: Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
    Wir sind schon bei Schritt 10 und ich seh immer noch nix, womit man das Selbstbewusstsein stärken kann.
    > Wer bestimmt, wann man Unrecht hat? In einer lockeren AA-Gruppe das Umfeld allgemein, in dem man unterwegs ist, also alle möglichen Leute. In einer strikten AA-Gruppe macht das der Gruppenleiter und/oder Sponsor. Die Abhängigkeit vergrößert sich dadurch.

    11. Schritt: Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir Ihn verstanden – zu vertiefen. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.
    Das ist religiöser Krempel und mag bei einigen Leuten helfen, sollte aber kein allgemeiner Punkt sein. Für eine Gruppe, die nicht von vornherein klar sagt, dass sie religiös ist. Spätestens hier ist ein Atheist aufgeschmissen.
    > Sekte: dito. Außerdem, was für ein Selbstbild entwickelt man, wenn man „Gottes Willen“ ausführt? Richtig, religiösen Größenwahn. Es ist einfach typisch Sekte: in den ersten Schritten wird man psychisch noch mehr zermalmt, als man es eh schon ist, und gegen Schluss hin wird man eine Art Übermensch. Kein normaler Mensch kann nämlich einfach so wissen, was „Gottes Wille“ ist, sowas ist Propheten vorbehalten.

    12. Schritt: Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.
    Was ist spirituelles Erwachen?
    > Sektenmerkmal Missionierung! Bingo. Kein weiterer Kommentar

    Versteht mich bitte nicht falsch, es gibt sicher solche und solche 12-Schritte-Gruppen, und es mag auch sein, dass ich hier etwas polemisch formuliert habe. Aber das 12-Schritte-Programm als solches ist wirklich nicht gesund. Und es passt weitgehend in ein Sektenschema. Sprich, die Gruppe kann zumindest durch einen Sektenführer „gehijackt“ werden und er kann alles, was er macht, mit den 12 Schritten rechtfertigen. Außerdem sind diejenigen Gruppen, die am „blauen Buch“ kleben, besonders stark gefährdet, sektenartig zu werden. Das Buch ist nämlich… naja man muss es lesen, und das hab ich gemacht, wirklich krass.

  71. Meinereiner
    6. Februar 2011, 08:45 | #72

    Ich (w, 25) habe wegen meinem Alkoholismus Hilfe gesucht und erstmal nur die AA-Mailingliste gefunden. Für einen Therapeuten welcher Art auch immer gibt es meist eeeewig lange Wartelisten, die haben einfach kaum noch Platz für mehr Patienten. Bis ich da drin bin brauche ich aber schon Hilfe.
    AA sind für mich super, und ich habe mit Glaube und Gott nix, GAR NIX am Hut! Aber den Teil kann man ignorieren, manche erwähnen das mal nebenbei, aber das ist ihr Ding. Wer einen Gott braucht, braucht ihn halt, da bin ich selbstverständlich tolerant.
    Subtrahiert man aber das spirituelle Bla aus den 12 Schritten sind diese eine Super Richtlinie und der viel größere und wichtigere Teil von AA – das „Teilen“, also reden, reden, reden – ist für mich und sehr viele andere Alkoholiker das hilfreichste, was es gibt.
    Dort wird nämlich keine Alternative zu einer Therapie angeboten, keiner hilft einem aktiv, denn Kommentare sind nicht erlaubt. Man erzählt nur von sich und hört anderen zu.
    Klingt simpel, ist aber die beste Hilfe die es für mich gibt. Und dort erfährt man dann allerhand kleine Tricks, den Alltag ohne Alk zu meistern.
    Ich bin zu keinemGlauben konvertiert und keiner Sekte beigetreten. Aber ich bin trocken.
    Darauf kommt’s doch an.

  72. SteinerWatzki
    5. Juli 2011, 17:35 | #73

    Gibts hier sonst was neues oder ist die Diskussion tot?Oder so…

  73. SteinerWatzki
    12. Juli 2011, 12:13 | #74

    Gibt es Statistiken darüber,ob und wieviele Alkoholiker,speziell in den USA,die AA´s durch ihre Arbeit vorm Knast bewahrt haben?

  74. SteinerWatzki
    18. Juli 2011, 11:47 | #75

    Zwischen den Kommentaren 29 und 30 fehlt ein Eintrag.Wo ist der hin bzw.hat den eine/r im November kopiert?

  75. 5. August 2011, 16:45 | #76

    @edulopm
    Meines Erachtens geht es in den oben beschriebenen Punkten 4 und 5 darum, dass man selber den ersten Schritt machen muss und das Problem der Abhängigkeit erkennt bzw. auch benennt. Erst wenn man selber etwas dagegen unternehmen möchte, ist die Hilfe durch Gruppen und erfahrene Menschen am effektivsten.

  76. Lena
    30. Oktober 2011, 15:15 | #77

    Hallo Zusammen,

    bin durch Zufall auf diese Seite gelandet und finde diese alte Disskussion sehr interessant.

    Die meiste Kommentare scheinen wenig Wissen zu beinhalten und sind ehe „meinungsbildend“.

    Vor gut 4 Jahren mit gerade mal 35 J war ich koerperlich uns seelisch am Ende und suchte verzweifelt irgendetwas, was mir helfen konnte.
    Nach div. SHG und 4 Therapeuten bin ich bei den AAs gelandet und geblieben.
    Das entscheidende, abgesehen von der Anonymitaet, war meine persoennliche Freiheit.
    Bei Anonymen Alkoholikern gab (und gibt) es kein Muss, was ganz neues fuer mich damals war.
    Ich muss(te) mich nirgendwo anmelden, nichts sagen, nichts befolgen, nicht an den Meetings teilnehmen, nicht beten, nichts bezahlen, nicht warten, mich niemanden unterordnen…….
    Ich fuehlte mich verstanden unter diesen Menschen, obwohl ich die erste Wochen geschwiegen habe.
    Ich hoerte zu, sah viele Gemeinsamkeiten mit meinem Leben und pickste mir aus den „Beitraegen“ das heraus, was mir evtl. helfen konnte.
    Nach und nach, ermutigt durch Erlebnisse und Lebensgeschichten der anderen AAs, konnte auch ich reden, ueber mich, meine Vergangenheit, Uebergriffe, Isolation…
    Ich began mich langsam zu veraendern. Die Situationen zu meistern, in denen ich mich i.d.R. vollaufen liess, um zu vergessen, nicht zu spueren, mich sicherer, mutiger… zu fuehlen. Ich konnte die Freude der Anderen sehen, die meinen Weg verfolgten. Genauso freue ich mich, wenn ein Mensch, der verzweifelt und betrunken zum ersten Mal in einem Meeting sass, Monate spaeter ueber eine neue Arbeitsstelle, Wohnung, positive Familienentwichlung… spricht.
    Solche Fortschritte geben mir Hoffnung und Zuversicht, dass es moeglich ist ein „normales“ und zufriedenes Leben zu fuehren, trotz meiner Abstuerze und Erlebnisse.

    Was Gott bei AA betrifft, hm…
    Ich bin in einem Land aufgewachsen, wo Glaube ziemlich verpoennt, bzw. verboten wurde. Ich kann mich damit nicht identifizieren, brauche ich auch nicht.
    Die 12 Schritte sind lediglich nur Empfehlungen, die manchen Menschen (vorallem aus der „aelterer“ Genaration) helfen koennen, doch niemand „muss“ sich an diese halten. Die meiste AA-Literatur stamm aus der Zeit, als Gott und Glaube, bzw. KIRCHE eine andere Rolle spielten.

    AA ist eine gute SHG, ohne Hierarchie, ohne Mitgliedschaft….
    Jede/r ist anders gestrickt, und was fuer mich passt, ist nicht gleich gut fuer alle. Also kann sich jeder selbst aussuchen und allen Gruppen eine Chance geben.

    Ich meinerseits bin seit 4 Jahre trocken, meine Familie hat (endlich) eine Mutter/Ehefrau, mein Haus und Garten sind gepflegt, ich habe mit fast 40 eine Ausbildung angefangen, in dem Bereich, das ich mir nie zugetraut haette…

    Was will ich mehr?

    Mein Weg war AA, ein anderer fuehlt sich besser beim Blauen Kreuz, Guttempler, Kreuzbund…. aufgehoben, Hauptsache ueberhaupt eine SHG.
    Ganz ohne wird es sehr schwer.
    Ich kenne leider viel zu viele Drehtuerpatienten, die sich im Raucherraum der Entgiftungsstation per Handschlag begruessen. :-((

  77. 30. Oktober 2011, 16:32 | #78

    Danke, Lena, für den ehrlichen Kommentar.

  78. Max Moritz
    28. Mai 2012, 13:13 | #79

    Der Artikel ist ja nun schon etwas aelter, aber er verdient auch jetzt noch eine kurze kritische Betrachtung. In eurern FAQ schreibt Ihr: „EsoWatch ist kein weltanschauliches Projekt. Wir machen keine Werbung fuer oder gegen eine Religion, sondern beschraenken uns auf Aussagen, fuer die Evidenz vorliegt.“ Das klingt sehr ‚empirisch‘ und ‚kritisch‘. Also werde ich mich damit beschaeftigen, was den Artikel und den Anspruch von EsoWatch betrifft.
    —–

    „Zu Hauf werden Menschen, die durch ihre Sucht zum Beispiel mit dem Gesetz in Konflikt kamen, an diese Institution verwiesen.“

    1) Wer bitte verweist ‚zu Hauf‘? Gibt es da mehr als nur eine tendentioese Behauptung?
    2) Anonyme Alkoholiker sind keine Institution. Sie sind es nie gewesen, und es gibt auch keinerlei Hinweise darauf, dass sie es jemals werden wollten.
    http://www.anonyme-alkoholiker.de/content/03info/03index.php#01
    http://www.anonyme-alkoholiker.de/content/03info/03index.php#12
    das selbst herauszufinden, sollte einem investigativen Watchblog ohne groessere Muehe moeglich sein! Der Artikel haette sich sofort erledigt gehabt, wenn man einen kurzen Realitaetscheck der ‚Fragen und Antworten‘ auf deren Website vorgenommen haette.
    —–

    „Kaum einer jedoch hat sich bislang die Muehe gemacht, einmal zu schauen, was sich hinter dieser Gruppierung verbirgt…“

    Siehe oben! Und dann ist es einen Absatz hoeher eine Institution und nun eine Gruppierung.
    —–

    „Das Rezept der Anonymen Alkoholiker zur Abstinenz ist also 75 Jahre alt, jegliche Ergebnisse moderner Suchtforschung koennen demnach schon einmal nicht beinhaltet sein.“

    Siehe oben! Es waere nett, wenn in den letzten 75 Jahren aufgelaufene moderne Ergebnisse der Suchtforschung, die diese ‚kritische‘ Haltung gegenueber dieser Institution oder Gruppierung oder so untermauern koennten, aufgefuehrt wuerden – wenigstens eine oder zwei exemplarische. Und dann steht hier:
    http://www.anonyme-alkoholiker.de/content/08dat/08rs01.php
    noch das:
    5. Die Anonymen Alkoholiker sind sich darueber im Klaren, dass ihr Programm nicht immer fuer alle Alkoholiker geeignet ist und nicht von allen Alkoholikern gewuenscht wird. Ein Alkoholiker benoetigt auch professionelle Beratung oder Therapie.

    6. Die Gemeinschaft AA behauptet nicht, sie haette die einzige Loesung fuer das Alkoholproblem. AA hat keinen „Alleinvertretungsanspruch“, es gibt auch noch andere Selbsthilfegruppen.

    7. AA befasst sich nur mit der persoenlichen Genesung und der dauerhaften Nuechternheit der einzelnen Alkoholiker, die sich an die Gemeinschaft um Hilfe wenden.
    AA engagiert sich nicht im Bereich
    – der Alkoholismus-Forschung,
    – der medizinischen oder psychiatrischen Behandlung,
    – der Sozialdienste und
    – der Praevention.
    —–

    „Das Rezept der Anonymen Alkoholiker besteht also darin, an die Stelle der Abhaengigkeit von einer Substanz eine Abhaengigkeit von einer „hoeheren Macht“ oder „Gott“ zu setzen.“

    Das ist bestenfalls eine sehr persoenliche Interpretation, keinesfalls eine kritische Wuerdigung.
    —–

    „…zu einer imaginierten Hilfsentitaet hingefuehrt.“

    Aha. Aus Euren FAQ: „EsoWatch ist kein weltanschauliches Projekt. Wir machen keine Werbung fuer oder gegen eine Religion, sondern beschraenken uns auf Aussagen, fuer die Evidenz vorliegt.“ Imaginierte Hilfsidentitaet klingt zwar super theologiekritisch, dient hier aber offensichtlich nur der Meinungsmache. Das ist kein guter Stil.
    —–

    „Hinsichtlich der Effektivitaet der Hilfe der AA ist das Bild bestenfalls uneinheitlich“

    Ein einziges Abstract, das in seiner Zusammenfassung kein valides Ergebnis erbringt, schafft ein bestenfalls uneinheitliches Bild? So liebe ich die kritische Auseinandersetzung, voellig frei von Vorurteilen, akribisch und empirisch auf den Punkt gebracht.
    —–

    „Eine kritische Seite, die die Anonymen Alkoholiker beleuchtet, gibt es auch“

    Es freut mich immer wieder, im Internet kritische Seien zu finden, zu diesem und jenem Thema, wie es dem jeweiligen Seitenbetreiber gefaellt. Das macht unsere Welt bunter. 12schrittefrei.de gehoert auch dazu, wenngleich das mit dem Beleuchten nicht so gut geklappt hat. Da muesste sich doch mehr und vor allem besseres Futter fuer kritische Geister im Netz finden lassen. Ich werde allerdings irgendwie den Eindruck nicht los, dass der Seitenbetreiber von 12schrittefrei auch der Autor dieses Artikels ist. Und dann kann ich diese doch immer wieder negative Toenung zumindest nachvollziehen.
    —–

    „Kritik scheint nicht gerne gesehen laut dieser Seite und eine Einbeziehung modernerer Konzepte als die Gottergebung scheint auch nicht in das Konzept dieser Gruppierung passen zu wollen.“

    Gibt es irgendwelche Erfahrung im Umgang mit Kritik, oder ist das jetzt aus den Fingern gesogen, um dem zu vermittelnden Bild mehr negative Toenung zu geben? Man findet so wenig Brauchbares auf der verlinkten Seite, das einem darueber Auskunft geben koennte. Sie ist aber auch nicht mehr als eben eine verlinkte Seite. Also, was ist Fakt? Was zu sein scheint und was nicht, das unterliegt natuerlich immer der eigenen Beurteilung und ist kaum falsifizierbar. Es ist eben Schein.
    —–

    „Wenn das Ergebnis nicht besser ist als andere Optionen der Suchtbekaempfung, sollte man in der Empfehlung von sektoiden Strukturen, wie sie bei den AA moeglicherweise vorliegen, mindestens vorsichtig sein und ggf. die Gruppe vor Ort erst einmal anschauen.“

    Die Anonymen Alkoholiker sind meines Wissens keine ‚Option der Suchtbekaempfung‘, auch wenn professionelle Suchthilfe da nicht so differenziert. Hier geht dem Autor wohl die Phantasie durch. Ich finde auch, dass man mindestens vorsichtig sein und sich die Gruppen vor Ort erst mal anschauen sollte. Dafuer sind sie da. Das mit dem Sektoiden in den Strukturen kann man sich ja vorsorglich bei den oertlichen Sektenbeauftragten erfragen.
    —–

    Nachbemerkung: Ich haette mich gerne einer kritischen Auseinandersetzung gestellt, weil ich persoenlich das mag, aber da war nicht genug Inhalt, nur Meinung und Vorurteil. Eigentlich dachte ich, dass ein Blog wie EsoWatch gegen Vorurteile anarbeitet. Aber ich habe mich bei diesem Artikel getaeuscht. Schade!

  79. Lotta
    1. November 2012, 20:32 | #80

    Ich habe selten so etwas Dummes gelesen!
    Wenn ich von etwas keine Ahnung habe und mich nicht damit auskenne, sollte ich jegliche Kommentare und Bewertungen lassen!
    Es ist beängstigend, wieviel Dummheit gestreut, aufgegriffen und weiter verbreitet wird.

  80. Mephisto
    2. November 2012, 09:14 | #81

    @Lotta
    Na wenn das so ist, wird es ja für Dich ja sicher kein Problem darstellen, klar darzulegen was genau in dem Artikel falsch ist. The stage is yours!

  81. achim
    31. Dezember 2012, 18:27 | #82

    ich kann mich lotta nur anschliessen. hier zu versuchen, die 12 schritte mal eben schnell zu interpretieren. !!! o gott!!! ich bin seit 4 jahren bei aa, sage in den meetings offen, dass ich mit gott oder einer höheren macht nichts anfangen kann, und ich werd in ruhe gelasssen, bekomme aber viel kraft und hoffnung. wie kann jemand, der nicht alkoholsüchtig ist, sich auch NUR EIN URTEIL über dieses Thema erlauben? Also bitte! Furchtbar, was ihr schreibt, ganz entsetzlich. es gibt leute die leiden unter alkoholsucht. da kann man doch nicht mit so einem tipp kommen “ es wäre besser, wenn man mit dem trinken aufhört, BEVOr man alki wird.“ … oh gott. wenn das möglich wäre, dann gäb es ja keine alkis.. also, es sollte hier niemand schreiben, der kein alkoholiker ist. scheiss auf irgendwelche statistiken, ich weiss dass ich seit 4 jahren trocken bin, und der grund dafür is aa. vielleicht hätte ich es mit blauem kreuz oder so auch geschafft. egal, ich habs mit aa gemacht.

  82. jens
    15. Januar 2013, 16:39 | #83

    2013 und noch kein Ende dieser Runde in Sicht.

    Ich bin selbst vor 7Jahren zu den AA freiwillig gegangen, weil ich mit meinem Latein am Ende war. Ich hatte zuvor alle mir angebotene Hilfe in Anspruch genommen und verbraucht. Mir war damals nicht genügend klar, dass ich an der Krankheit Alkoholismus leide. Für einige, die hier einen Beitrag schrieben, waren und sind dies immer noch Schwächen, die durch viel Fleiß und Ordnung bewältigt werden können. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich kann mit allem kontrolliert umgehen außer mit Alkohol. Wenn der erste Schluck drin ist, kann ich, ein Alkoholiker, nicht mehr aufhören. Ich habe einen gepflegten Freundes- und Familienkreis, bin studiert und Inhaber einer Firma. Die Krankheit habe ich geerbt und muss damit leben. Ich bin sehr dankbar für die Menschen, die ich in AA kennen lernen durfte. Die haben mir die Freiheit gelassen, selbst zu entscheiden, welche Hilfe ich in Anspruch nehmen will. Ich bekam keinen Helfer (Sponsor) zugeteilt, musste nicht an Gott glauben, musste nicht regelmäßig teilnehmen, wurde nicht gezwungen einen Obolus zu entrichten, musste nicht reden, durfte nur zuhören, durfte unverstandene Wortmeldungen hinterfragen, habe gute Freundschaften kennen lernen dürfen und bin seit 7Jahren frei vom Alkohol!

    Trotz allen negativen Bemerkungen, die über AA zitiert werden, bin ICH zu der Überzeugung gekommen, dass diese SHG für MICH die einzige wirksame Methode bietet, der Krankheit Alkoholismus, die Beachtung zu schenken, um gesund zu bleiben. Wenn ich diese Krankheit nicht ernst nehme, dann nimmt sie mich ernst. Jeder der an diese Krankheit leidet, weiß von was ich spreche.

    Mir ist in einem Beitrag aufgefallen, dass AA alles über ihn wusste… Mir ging es genauso (lach). Ich dachte damals, die Ärzte in der Klinik hätten ihre Verschwiegenheitspflicht verletzt. Mir wurde erst später bekannt, dass dort jeder von sich erzählte und Alkoholiker eben in manchen Dingen gleich ticken. Drum achte auf die Gemeinsamkeiten und nicht auf die Unterschiede!!!

    Ok mein Beitrag endet hier. Ich hoffe er hilft einigen weiter mit diesem Thema um zu gehen und seinen Weg für sich zu finden. Wichtig wäre es noch an dieser Stelle zu betonen, dass AA-Gruppen immer autonom agieren, d. h. dass es vorkommen kann, dass es auch AA-Zugehörige gibt, die es übertreiben. Für jeden Einzelnen muss es bewusst werden, dass AA eine SHG ist und dass in SHG kranke Menschen sitzen, die Genesung anstreben. Die Krankheit Alkoholismus kann nur zum Stillstand gebracht werden. Sie ist nicht heilbar (auch wenn desöfteren immer dubiose Prof. das Heilmittel oder Kur für viel Geld entdeckt haben wollen). Die 12 Schritte sind Empfehlungen, die jeder benutzen kann aber nicht muss!

    Allen ein gutes und gesundes neues Jahr 2013!

  83. jens
    15. Januar 2013, 16:52 | #84

    Als Anhang zu meinem Beitrag: „Die Präambel der AA“ , die immer zu Beginn vom Gruppensprecher vorgelesen wird. Wer ein AA-Meeting besucht hatte und diese Präambel nicht gehört hatte, war nicht im AA-Meeting.

    Die Präambel der AA

    Anonyme Alkoholiker sind eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die miteinander ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um ihr gemeinsames Problem zu lösen und anderen zur Genesung vom Alkoholismus zu verhelfen.

    Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören.

    Die Gemeinschaft kennt keine Mitgliedsbeiträge oder Gebühren, sie erhält sich durch eigene Spenden.

    Die Gemeinschaft AA ist mit keiner Sekte, Konfession, Partei, Organisation oder Institution verbunden; sie will sich weder an öffentlichen Debatten beteiligen, noch zu irgendwelchen Streitfragen Stellung nehmen.

    Unser Hauptzweck ist, nüchtern zu bleiben und anderen Alkoholikern zur Nüchternheit zu verhelfen.

    Was AA wirklich tut und was nicht steht hier: http://www.anonyme-
    alkoholiker.de/content/03info/03index.php

  84. mikmak
    13. März 2013, 21:49 | #85

    @ 40_Fieber
    hallo.
    ich bin trockener alkoholiker, und gehe regelmässig zu gruppen der aa gemeinschaft. zuerst kamen mir die spirituellen ideen des programmes auch komisch vor, aber ich muss sagen, es hat mir sehr geholfen. sektenähnliche züge kann ich als „live-betrachter“ nicht erkennen, da ich erstens anonym in der gruppe bin, zweitens keinem rechenschaft schuldig bin, dh ich komme und gehe wann ich will, und zuletzt muss ich nichts bezahlen, damit mir geholfen wird. eigentlich tauscht man sich nur aus, über alltagserfahrungen, und fallen bezüglich des allgegenwertigen alkohols, den man nicht mehr konsumieren darf. ich zum beispiel glaube nicht an „den christlichen gott“, sondern ich glaube an eine art natur-umwelt-gewalt, die mich umgibt und größere macht hat als ich, und an diese kraft wende ich mich, wenn ich beten will. und das wissen auch die anderen mitglieder. andere mitglieder widerum glaube an die höhere macht der gruppe, und können nicht an einen gott im himmel glauben. wichtig ist nur, das man etwas findet, was kräftiger ist, als man selbst, weil man selbst nun mal krank durch alkohol ist. man kann auch an seinen eigenen gesunden, kräftigen geist glauben. wichtig ist der glaube. nur glaube versetzt berge. es ist aber bestimmt schwer, für jemanden der nicht süchtig ist, das zu verstehen. aber das ist nicht schlimm.

  85. Bernd
    19. September 2013, 09:31 | #86

    „sollte man […] mindestens vorsichtig sein und ggf. die Gruppe vor Ort erst einmal anschauen.“

    Darauf kann man sich einigen … 😉

    Ansonsten ist an allen Kritikpunkten natürlich etwas wahres dran, aber meiner Erfahrung und kritischen Einschätzung nach einseitig herausgegriffen und überspitzt, und auch auf unpraktischen Annahmen beruhend. An dieser Stelle, als Kommentar, ist eine Diskussion aber nicht sinnvoll.

    Ernsthaft um Genesung bemühte Alkoholiker werden sowieso alle regionalen Selbsthilfegruppen abklappern und selbst herausfinden, ob und wo sie etwas mitnehmen können.

    Ich selbst bin nach vielen Psychotherapien, Entgiftungen, Rehas und Selbsthilfegruppen auch bei den AA hängengeblieben, aber zunächst nicht wegen der 12 Schritte (viele AA-Freunde gehen sie spät durch, einige nie), sondern wegen der unvoreingenommenen Herzlichkeit, der großen Toleranz, der Gewissheit, unter Gleichen zu sein, der Möglichkeit, über „alles“ sprechen zu können, und der vorbildhaften gelassenen Zufriedenheit der „alten Hasen“.

    Wichtig für Außenstehende – Nicht-Alkoholiker und Nicht-Betroffene – ist, zu wissen, dass Alkoholsucht eine tiefgreifend existenzielle Krankheit ist, deren „Heilung“ in jedem Fall das ganze Leben umkrempelt.

  86. Karl-Heinz
    13. Juli 2014, 15:49 | #87

    Hallo,

    hier geht’s zur Sache : „Die Sekte der Anonymen Alkoholiker und ihre armen Opfer “

    http://tinyurl.com/naljunc

    Da sind nun sämtliche Angriffe auf die Anoymen Alkoholiker zusammen gefasst und ich habe versucht, darauf zu antworten. Oberster Beitrag unter Karl-Heinz, wo ich versucht habe, das Gesagte zu widerlegen. Wie angekündigt, sollte es einen Teeil zwei und auch drei geben, dazu allerdings kam es nicht, weil der Seitenbetreiber die Beiträge nicht freigeschaltet hat. Ich habe mir eben erlaubt, zu fragen, was die dezent am Bildrand auftauchenden Hakenkreuze zu bedeuten haben und das hat er mir wahrscheinlich übel genommen. Soweit ich sehe, kommen die Hakenkreuze nicht gleich, sondern erst nach einer Viertelstunde. Aber sie kommen.

    Nachvollziehbar gefrustet und auf meinem Teil II sitzend, erlaube ich mir, diesen hier zu veröffentlichen. Gegebenenfalls auch noch Teil 3, falls erwünscht. Es geht los:

    Teil II: welchen Zweck hat eigentlich die Anonymität? Ich setze mal als bekannt voraus, dass der Alkoholismus mit äußerst peinlichen und schockierenden Episoden einher geht, die der Betreffende üblicherweise niemals mit jemandem teilen würde. Wenn doch, dann eben nur im Kreis von Personen, die Vergleichbares mitgemacht haben und das Gesagte entsprechend einordnen können. Hieraus lässt sich beim besten Willen kein Verdachtsmoment konstruieren. Schon garnicht, weil es diesbezüglich Ausnahmen gibt, die schon angesprochenen offenen Meetings. Die kann jedermann besuchen und hier wäre auch die Gelegenheit, die „armen Opfer“ aus den Klauen der AA zu befreien. Machen Sie das doch mal! Sie werden nichts als Gelächter ernten. Überdies sind ihre Erzählungen über eingeschüchterte Aussteiger frei erfunden. Solche gab es nachweisbar im Umfeld von Scientology, im AA-Umfeld gibt es keinen einzigen Fall. Der Vorwurf ist lächerlich.

    Dann wird mit einem wissenden Raunen festgehalten, AA habe 5000 Euro von Rockefeller bekommen. Und, soll uns das etwas sagen? Sie wissen, dass im antisemitischen Umfeld dieser Rockefeller der Kopf einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung ist. Wollen Sie darauf hinaus? Hat das etwas mit den auf dieser Seite ständig auftauchenden Hakenkreuzen zu tun? Ich habe mich ein wenig umgesehen: es hat.

    Da dürfen dann die Freimaurer nicht fehlen, wofür wie immer keine Beweise gegeben werden. Auch diese sind stets Ziel rechter Agitation und im Dritten Reich wurden sie diffamiert und verboten. Aus einem höchst einfachen Grund übrigens: es wurden schlichtweg alle Organisationen verboten, die sich erlaubten, nicht-öffentlich zu tagen, wie auch beispielsweise die Rotarier. Es träfe heute auch AA, mit Sicherheit. AA ist zwar als Organisation unpolitisch, das einzelne Mitglied hat allerdings Grund, im Privatleben Antifaschist zu sein. Auch das wird Ihnen sicher nicht passen.

    Der Tipp des Rockefeller, sich ausschließlich selbst zu erhalten, war übrigens Gold wert und eine der besten Ideen überhaupt. Schauen Sie sich unsere Publikationen an, zum Beispiel das monatliche AA-Dach, Sie werden dort keinerlei Werbung finden. Wir schreiben das, was wir wollen und nicht das, was die Pharma-Industrie will. Eine Verflechtung über Sponsoring ist schon von daher völlig ausgeschlossen und wurde von Ihnen (schon wieder) frei erfunden. Sie können allerdings auch das Gegenteil beobachten: es gibt inzwischen eine Unmenge von Selbsthilfegruppen, die es mit der 7. Tradition, wie wir sie nennen, nicht so besonders ernst nehmen. Wie ein Spiegel-Artikel vor einiger Zeit berichtete, sind das zum großen Teil willige Außenstellen der Pharma-Industrie, die in diesen Zirkeln Schleichwerbung betreibt. Das ist uns AA nicht passiert und aus genau diesem Grund wird das so bleiben.

    Ist Ihnen bei der Satzung, die wir „Traditionen“ nennen, etwas aufgefallen? Im Unterschied zu anderen Organisationen verzichtet AA definitiv auf jede Strafmaßnahme wie Abmahnung, Ausschluss oder Degradierung. Leute wie Sie sind sich natürlich sicher, dass so etwas gar nicht
    funktionieren kann und folglich eine Diktatur sein müsse. Falsch, es funktioniert trotzdem. Wie eine Diktatur sich halten kann, die über keinerlei Zwangsmittel verfügt, das ist und bleibt ihr Geheimnis. Sie haben es, wie schon zuvor, frei erfunden.

  87. 14. Juli 2014, 10:13 | #88

    @ Karl-Heinz
    Ich kann ja verstehen, dass Du Deinen 2. (und ggf. auch 3.) Teil irgendwo loswerden wolltest, aber das hier ist ein Kommentarbereich und als solcher bezieht er sich auf einen bestimmten Artikel und zu dem hat Dein Text keinerlei Bezug. Nichts von dem was Du erwähnst steht dort. Also würde ich vorschlagen Du eröffnest ein eigenes Blog oder suchst Dir sonst irgendwo eine offene Plattform, aber hier ist – meiner Meinung nach – der falsche Platz.

  88. Karl-Heinz
    20. Juli 2014, 09:41 | #89

    Habe ich eingesehen. Die Sache hat sich inzwischen dadurch erledigt, dass der Beitrag dort nun doch noch freigeschaltet wurde.

    Sorry also. Ich hatte in dem Moment keine andere Möglichkeit.

  89. 24. Juli 2014, 10:20 | #90

    AA sind ein anachronistisches Überbleibsel in der SHG – Landschaft. Wer einmal als Neuling in einer Hardcore- AA Gruppe herein gerät, ist auf Jahre für die Selbsthilfe verloren. Selbstverständlich haben sie als (kleine ) Nische ihre Berechtigung.
    Trotzdem bestehen die Gruppen – jedenfalls hier vor Ort – seit Jahren aus den gleichen Personen. Ohne Neuzugänge.
    Mit dem mantramässig vorgetragene „Du bleibst dein Leben lang Alkoholiker“ generiert man einen Opferstatus, der der zufriedenen, selbstbestimmten Abstinenz eher abträglich ist.

    Genauso wenig wie den „nichtrauchenden Nikotinabhängigen“, gibt es den „trockenen Alkoholiker“. Das man im Falle von wieder aufgenommenem Konsum, wieder in die Suchtdynamik gerät, steht auf einem ganz anderem Blatt.
    Moderne Suchthilfevereine oder SHG haben eine deutlich höhere Akzeptanz. Neue Ansätze und das Einbinden von geänderten Konsummustern sind einfach nötig.
    Und man braucht auch nicht jahrelang in eine Gruppe rennen. Es zucken keine Blitze vom Himmel und man wird auch nicht sofort und unwiderruflich rückfällig!!
    Wer mag kann ja mal gucken ==> http://clic-deutschland.de/referenzen/.

    CliC – Cl ean i st C ool

  90. Wolfgang
    4. August 2015, 13:02 | #91

    Ich bin seit 15 Jahren trocken und das dank AA und nur AA! Folgendes ist falsch: Die 12 Schritte sind nur Empfehlungen, ich bin bis heute beim ersten Schritt geblieben. Der ist allerdings eine Voraussetzung für eine Besserung. Denn wer glaubt, stärker als der Alkohol zu sein, der braucht natürlich keine Hilfen. Ich glaube auch nicht, dass ich meine Trockenheit einem „Gott“ oder einer „höheren Macht“ verdanke. Ich sehe die Gruppen als Kraft an, die mir geholfen hat.
    In den 15 Jahren habe ich über 1500 mal ein Meeting besucht und das in 50 verschiedenen Meeting in Deutschland und im Ausland. Nirgens wurde von mir verlangt meine Ansichten zu ändern und niemand hat versucht mich zu irgendetwas zu bekehren. In der Prämbel steht:
    „Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch mit dem Trinken aufzuhören.“
    So steht es auch in den 12 Tratitionen. Da steht auch, dass AA Spenden von Außerhalb annehmen darf. AA wird also nur von eigenen Spenden erhalten und die sind anonym, können also nicht kontrolliert werden. Wie es schon der Name: „Anonyme Alkoholiker“ sagt ist Anonymität oberstest und einziges Gebot. Daher gibt es keine Mitglieder, keine Kartei und keine Beiträge. Jeder kann kommen und gehen wann es ihm beliebt und niemals wird nach irgenwelchen Daten oder dem Verbleib gefragt. Zu dem Vorwurf, die AA hätte veraltete Konzepte und Ansätze, ist zu sagen, dass AA keineswegs behauptet den einzigen Weg zur Trockenheit zu haben. Im Gegenteil, jeder/e Neue wird auf andere Möglichkeiten hingewiesen,
    besonders wird gesagt, dass ein Entzug einer Ärztlichen Begleitung bedarf.
    Zum Schuß ein Zitat:
    „Abstinenz ist leichter als Mäßigung“ Seneca der Jüngere 4v. bis 65 nach Chr.

  91. Rüdiger
    5. August 2015, 06:06 | #92

    @balla balla Ich finde den Artikel lustig, aber noch viel mehr die Kommentare von Leuten, die von der Materie absolut keine Ahnung haben – die weder Alkoholiker sind, noch jemals an einem AA-Meeting teilgenommen haben. Der Autor und die kritischen Kommentatoren haben von AA soviel Ahnung wie eine Jungfrau von Orgasmus. Ich bin Alkoholiker und die ersten die mir nach 35 Jahren Sauferei nachhaltig geholfen haben, waren nicht die Experten von den Schwafelwissenschaften, nicht die hochgebildeten Doktoren und ihre Helferschwadronen von der Pharmaindustrie – nein, AA hat mir geholfen. Das mit Sekte, Geldern (gar „öffentichen“!), Abhängigkeit… etc. ist ein absoluter Blödsinn. Jeder, der meint Alkoholiker zu sein, soll einfach möglichst schnell das nächste AA-Meeting besuchen und danach entscheiden. Keiner wird festgehalten, noch nicht einmal seine Personalien. Wenn man kein Wort sagen will, dann sagt man eben kein Wort. Fertig. Übermorgen feier ich acht Jahre Trockenheit – gemeinsam mit meinen AA-Freunden. Trocken ist besser.

  92. Rüdiger
    5. August 2015, 06:13 | #93

    @40_Fieber
    Ich – acht Jahre trocken dank AA – bin ein lebender Nachweis.

  93. Andy Rage
    30. März 2017, 16:58 | #94

    Ich arbeite seit langer Zeit im Fachbereich Sucht einer Psychiatrie. Die AA sind ein absoluter Katastrophenclub. Macht die Arbeit von Profis kaputt und führt die Betroffenen in eine neue Abhängigkeit.

  94. Max
    13. August 2017, 07:21 | #95

    Ist doch klar das die AA ein Katastrophenclub ist. Was glaubt ihr denn, was man dort zu hören bekommt. Die Menschen dort erlebten ihr „Saufen“ als einzige Katastrophe, es ist die Hölle wenn man Saufen muss. Und wenn ich dann lese, dass ein sogenannter „Fachmann“ mit seinem unqualifiziertem Kommentar so einen Schwachsinn erzählt, dann ist mir auch klar warum viel Menschen immer wieder Rückfällig werden und eingewiesen werden müssen. Je mehr ich von einer Selbsthilfegruppe abhängig bin, um so unabhängiger werde ich in Wirklichkeit. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich bin nun seit über 42 Jahren Nüchtern und ein zufriedener Mensch. Dir lieber „Fachmann“ fehlen leider die letzten Zentimeter zu meiner Krankheit.

  95. 18. August 2017, 09:58 | #96

    War selber über 10 Jahre in den GA Gruppen aber nicht wegen Saufen sondern wegen spielen .Ich habe mich verabschiedet in solchen Gruppen zu gehen da es noch mehr krank macht .Das ganze ähnelt schon einer Sekte .Was soll ich in einer Gruppe wenn es gar keine Hilfe gibt ,was nur aus einem liebenden Gott eine höhere Macht zu beten.Sie geben dir niemals Fragen auf deine Antworten sie wollen das du wieder kommst um einen abhängig zu halten wie es bei Seken üblich.Es wird mit Methoden gearbeitet die einfach nur billig sind ohne Fachkompetenz. Heute gehe ich nicht mehr in diese Gruppen und lebe genesen und frei von Manipulationen als mich von Groll wie es auch in GA zu erleben ist auch noch zu bedanken.Und dann auch noch diese Abhängigkeit bei GA wo es sehr schwer ist alleine wieder raus zu kommen ist zeigt mir das dies Sektenkarakter hat die Leute Abhängig zu machen .
    Leute die ihre Meinung äußern Werden fertig gemacht.Prinzipien sind über Personen zu stellen die als ganzes angehen.Und das nennt sich nun Selbsthilfegruppe. Wenn ich dort hin gehe ,würde ich nur noch rückfällig werden !

  96. 18. August 2017, 14:38 | #97

    Tomas :War selber über 10 Jahre in den GA Gruppen […]

    @ Tomas
    Da das Kürzel GA keines ist, das als Allgemeinwissen vorausgesetzt werden kann: Gemeint ist wohl Gamblers Anonymous (Anonyme Spieler). Das Ganze zeigt zwar Parallelen zu den Anonymen Alkoholikern, aber es stellt sich die Frage, inwieweit beide überhaupt etwas miteinander zu tun haben.

  97. 18. August 2017, 20:19 | #98

    Überall wird mit dem gleichen 12 schritterprogramm gearbeitet das passt schon und einige haben die Meetings auch gewechselt ,weil de sich nicht wohlgefühlt haben oder weil de zugleich Alkoholiger waren oder sonst dergleichen. Es ändert nichts an dem Programm .der 12 Schritte.

  98. 23. August 2017, 13:48 | #99

    Finde das hier mal ganz interessant das darüber jetzt mal gepostet wird ,aber was ist mit den Leuten die durch solche Gruppierungen schlechte Erfahrungen gemacht haben , da gibt’s keine Hilfe .
    Wer mal wissen will wie derart böswillig solche Gruppen werden können oder fanatisch zugleich zeigt mir zb.
    orange -Papiers.com über AA – Storis
    Wo Frauen ihre eigenen Storis berichten zb. benutzt worden sind und vergewaltigt und nicht wenige .Wie sagt man so schön glauben versetzt Berge , auf einen Gewinn auf gute Zusammenarbeit .Soetwas liest man sonst nirgends wie bei den AA Storis , nur alles todschweigen und kontrollieren.Der Staat hat ja sicherlich auch ein Interesse daran solchen kriminellen Beine zu machen.So nach dem Motto wir werden die schon helfen ! Aber innerhalb der Gruppe hat man keine Möglichkeiten über den Groll und schon gar nicht über andere
    Zu erzählen nur was einen selber bewegt was den Groll angeht innerhalb der Gemeinschaft. Es gibt zwar ein Gruppensprecher aber leider auch Narzisten darunter die alles nur kontrolliieren wollen. Wie gesagt für mich ist schluß mit denen und ich lebe auch ganz zu Frieden damit die Erinnerungenl bleiben.

  99. Filippo Gluck
    31. August 2017, 20:57 | #100

    Die Anonymen Alkoholiker haben nach 75 Jahren immer noch die höchsten Abstinez-Ergebnisse aller Methoden. Die „Ergebnisse“ moderner Suchtforschung sind eben das – mehr Forschung und Wissen … Alkoholismus ist dadurch nicht heilbar geworden. Und bessere LÖSUNGEN zu einer dauerhaften Abstinenz sind dadurch auch nicht zustande gekommen …
    Die akademischen Sucht-„Experten“ kennen das Problem eben nur aus der Theorie (von Ausnahmen abgesehen). Und reden oft völligen Unsinn an der Realität vorbei. Leider aber wahr – kann ich als Betroffener bestätigen bzw. viele andere AA-er die ich seit 7 Jahren kenne. MfG

  100. pelacani
    31. August 2017, 22:18 | #101

    Filippo Gluck :

    Die Anonymen Alkoholiker haben nach 75 Jahren immer noch die höchsten Abstinez-Ergebnisse aller Methoden.

    Wo kann ich das nachlesen?

  101. 5. September 2017, 11:45 | #102

    Bei meiner Reise in Kopenhagen war ich doch ziemlich erstaunt als ich auf dem Markt Sientology begegnet bin .Mann versuchte mich gleich zu ködern.Freie Test mit Lügendetektoren und verkaufs infos. Ich wollte nochmal anmerken wer einmal abgerutscht ist , kann immer anfällig sein für neu Sachen Zumal Ich aber der Meinung bin das es zu den 12 Schritte Sekten Parallelen gibt..Ich sagte das dies eine Sekte sei und mich wunderte das dort alles offensichtlich und frei wäre.Mann antwortete mir das die Psychatrie viel schlimmer sei was die gemacht hätten und deshalb machen wir das hier jetzt.Wir werden auch immer mächtiger..Mann bot mir nun an doch ein Buch zu kaufen für schlappe 180 € was ich dankend ablente .Unglaublich !

  102. pelacani
    24. September 2017, 20:18 | #103

    Filippo Gluck : Die Anonymen Alkoholiker haben nach 75 Jahren immer noch die höchsten Abstinez-Ergebnisse aller Methoden.


    In 2006, the Cochrane Collaboration, a health-care research group, reviewed studies going back to the 1960s and found that “no experimental studies unequivocally demonstrated the effectiveness of AA or [12-step] approaches for reducing alcohol dependence or problems.”
    […]
    In his recent book, The Sober Truth: Debunking the Bad Science Behind 12-Step Programs and the Rehab Industry, Lance Dodes, a retired psychiatry professor from Harvard Medical School, looked at Alcoholics Anonymous’s retention rates along with studies on sobriety and rates of active involvement (attending meetings regularly and working the program) among AA members. Based on these data, he put AA’s actual success rate somewhere between 5 and 8 percent. That is just a rough estimate, but it’s the most precise one I’ve been able to find.
    https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2015/04/the-irrationality-of-alcoholics-anonymous/386255/

  103. kannichmirniemerken
    26. September 2017, 21:15 | #104

    Mal ohne die Kommentare gelesen zu haben, müsste man aber immerhin den AA zu Gute halten, das sie moderne Elemente der Suchterkenntnis bedienen: Einsichtsfähigkeit, das Problem erkennen und vor allem einen neuen sozialen Rahmen und eine soziale Aufgabe, einen Lebenssinn bedienen. Ob jetzt destruktive Sucht, die antisoziales Verhalten fördert durch einen konstruktiven sozial förderlichen Glauben ersetzt wird, da muss man nicht lange überlegen was dem Individuum für sein Leben eher nutzt.

    Die moderne Suchtforschung könnte dem – zumindest soweit ich das weiß – durchaus einiges abgewinnen.

    Man sollte die negativen Assoziationen atheistischer Glaubensabwertung weglassen. Eine sachliche Prüfung der Inhalte vornehmen. Eine Prüfung, die soziale Konzepte zur Religiosität vorurteilsfrei einbezieht. Das ist offenbar ein Grundbedürfniss möglicherweise aller Menschen, oder zumindest eines erheblichen Teils. Provokant gesagt: Selbst bei denen, die vorgeben, keiner speziellen Weltanschauung zu fröhnen, ist höchstwarscheinlich eine Vorhanden. Je nach Definition genügen schon moralisch-ethische Konzepte, die sich einer übergeordneten sozialen Gerichtsbarkeit, einem gemeinsamen Wertesystemen unterwerfen religiösen Kernmustern.
    Insofern sollte da nicht mit Steinen geworfen werden. Der Werfer sitzt möglicherweise selbst im Glashaus. Nun, ich will nicht streiten.

    Mit der Konfessionalität muss man nicht konform gehen, mit der Botschaft, dem Anliegen allemal.
    https://www.anonyme-alkoholiker.de/777-2/

  104. kannichmirniemerken
    26. September 2017, 21:29 | #105

    Mensch da bin ich ja in einem uralt-bereich gelandet – hätte doch vorher noch mal lesen sollen ;>

  1. 23. August 2010, 20:55 | #1
  2. 29. August 2010, 09:12 | #2
  3. 17. September 2010, 22:01 | #3