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Uni Freiburg setzt auf Alternativmedizin, die im eigenen Test durchfiel

Peinlich: Seit Monaten wirbt die Abteilung Naturheilkunde der Universität Freiburg für eine Behandlungsmethode bei Heuschnupfen, für die nicht nur keinerlei auswertbare Literatur vorliegt, sondern die in einer am eigenen Institut durchgeführten Untersuchung 2008 kläglich durchfiel. Worum gehts? Glaubt man Presseberichten, die von der Freiburger Universität stammen, führe sie erfolgreich eine Behandlungsmethode namens „Augmentierte Akupunktur“ bei Heuschnupfen durch. Die Methode ist international völlig unbekannt, kommt in Leitlinien nicht vor, wird von den Kassen nicht erstattet und ist ein Mix aus Akupunktur und Neuraltherapie eines Konstanzer Anästhesisten namens Dusan Covic. Kurz erklärt, wird zunächst mit einem Ohmmeter im Nackenbereich links und rechts der Halswirbelsäule nach einem erniedrigten Hautwiderstand gesucht, was spekulativ ein Hinweis für einen „Akupunkturpunkt“ längs eines angenommenen Blasenmeridian sei. Dann wird ein herkömmliches lokales Betäubungsmittel gespritzt und in die „Quaddel“ 1 cm tief eine Akupunkturnadel gestochen, die dann eine Sekunde lang mit einer kleinen elektrischen Wechselspannung mit 12 Volt und 8 Hz gereizt wird. Durch eine einmalige Behandlung seien dann die meisten Behandelten ihren Heuschnupfen für ein Frühjahr los.

Das Ulkige ist nun, dass am gleichen Institut im Jahre 2008 eine Untersuchung an 90 Probanden durchgeführt wurde, die zeigte, dass die Methode gar nicht funktioniert. Die Ergebnisse sind in einer Doktorarbeit eines Zahnarztes zu finden, der an der Uni Freiburg promovierte. Andere Untersuchungen oder gar Veröffentlichungen gibt es bislang nicht. Dass es keine Belege für die Existenz der „Meridiane“ gibt, wurde genauso übersehen wie die Fragwürdigkeit der Annahme, dass an Akupunkturpunkten der Hautwiderstand erniedrigt sei. Merkwürdigerweise werden in keiner zugänglichen Quelle Daten zu den eingesetzten Geräten veröffentlicht, was auch die Frage nach der Zulassung der Medizinprodukte aufwirft.

Der Doktorand hatte drei Gruppen gebildet: eine unbehandelte, eine behandelte und eine scheinbehandelte Gruppe. Letztendlich konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden, auch wenn in der Diskussion der Arbeit alle möglichen Gründe für das Scheitern erörtert werden.

Diss (Cornelius Lenz: Kontrollierte, randomisierte, einfach blinde Studie zur Wirksamkeit einer einmaligen augmentierten Akupunkturbehandlung bei akuter Rhinitis allergica, (2008) Dissertation Uni Freiburg)

  1. Marius
  2. 5. Dezember 2010, 14:13 | #2

    Ups, Marius, Du hast recht …

  3. Minerva
    6. Dezember 2010, 10:40 | #3

    Spannend finde ich, dass die Placebo- und die Verumgruppe als solche nicht verblindet war und die Behandlungszeiträume mit echten Medikamenten trotzdem nicht signifikant voneinander abweichen.

  4. 6. Dezember 2010, 11:41 | #4

    @ Rincewind:
    Macht nichts, ist ja anscheinend immer noch aktuell…

  5. 6. Dezember 2010, 11:57 | #5

    @Ulrich: Das haben wir wirklich schlicht übersehen. Aber ist ja leider, wie Du sagst, immer noch aktuell und schadet nicht, da nochmal nachzulegen.

  6. Spyder
    15. Dezember 2010, 22:32 | #6

    Definitv gut, dass du nachgelegt hast. Das kann man nicht oft genug an die Öffentlichkeit bringen. Ich finde auch dass das in die Zeitung gehört. Zeigt doch sehr deutlich, wie verlogen da agiert wird.

  1. 5. Dezember 2010, 13:04 | #1

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