Home > Allgemein > Der Preis des bewussten Lebens (9): Lass wobbeln, Kumpel

Der Preis des bewussten Lebens (9): Lass wobbeln, Kumpel

 

Eines dieser hübschen elektrischen Kästchen, die so viel Gutes bewirken sollen, ist der „thinkman®“, den man zum Beispiel bei der Firma Kosys in Coburg oder bei huna-vita in Friedberg in Bayern kaufen kann. Erfunden wurde der thinkman ausweislich der Beschreibung bei huna-vita von einem gewissen Dr. Patrick Flanagan, einem amerikanischen Erfinder, der ein ähnliches Gerät unter dem Namen „neurophone“ vertreibt und der neben einer Menge weiterem Blödsinn auch behauptet, er habe 15 Goldnadeln im Körper und sei deshalb unsterblich.

Der thinkman soll den Anwender zwecks aller möglichen Wohltaten mit Ultraschall berieseln – unter anderem sollen sich beim Anwender „neue Hörkanäle“ dadurch öffnen. Dazu werden an den thinkman zwei Sonden angeschlossen – bei huna-vita nennt man sie übrigens „Elektroden“, was nun nicht unbedingt etwas mit Schallwellen zu tun hat. Auf die Ohren muss man die Dinger anscheinend nicht setzen, angeblich reicht es, wenn man die Puschen irgendwo auf die Haut appliziert. Wie das mit den „neuen Hörkanälen“ zusammenpasst, erschließt sich nicht ohne weiteres, aber anscheinend kommt so selbst ein A…. zu seinen Ohren.

 

Wenn nach dem Einschalten nicht die Fliegen von der Wand fallen, besteht vermutlich keine unmittelbare Gefahr. An Hund oder Katze sollte man hingegen keine Versuche mit dem thinkman unternehmen, die könnten verstört reagieren. Dafür bekommt man schon mit dem kleinsten Modell das berühmte Rosa Rauschen zur Gehirnhälftensynchronisation geliefert. Anspruchsvollere Modelle können sogar wobbeln. Ein Schelm, wer Frivoles dabei denkt!

Das große Synchronschwimmen der Gehirnhälften gibt’s schon ab 500 €. Für den Spaß am Wobbeln muss man freilich tiefer in die Tasche greifen: 1500 € dürfen es schon sein.

Man gönnt sich ja sonst nichts!

Teil 1: Das letzte Hemd …

Teil 2: Spiegel und Salz, Gott erhalts!

Teil 3: Ganzheitlich abdichten

Teil 4: Der gute (Grund)Ton

Teil 5: Wer eine Meise hat, hat auch Likör

Teil 6: Summ, summ, summ

Teil 7: Der Tee im Harem des Dr. Ming

Teil 8: Das Sandmännchen ist da.

KategorienAllgemein Tags: ,
  1. Dominik
    7. Dezember 2011, 17:54 | #1
  2. Klopstein
    7. Dezember 2011, 20:02 | #2

    Patrick Flanagan hat demnach zwar auch komische Gadgets erfunden, aber laut Kosys und anderen Webseiten hat den Thinkman ein Josua Kohberg erfunden. Der ist Geschäftsführer von Kosys, hat aber auch eine eigene Seite. Da verkauft er eine „Coach- und Führungskräfteausbildung“ namens Glückreich® und ähnlichen Unfung.

  3. Markus
    9. Dezember 2011, 16:51 | #3

    Ohne zu wissen, was in diesem Zusammenhang von Flanagan und Konsorten halluziniert wird:

    Das Wort „Wobbeln“, auch wenn es zunächst lustig klingt, verdient nicht so viel Schmach. Es ist ein gängiges, aus der Elektrotechnik entlehntes Wort, das in einer Vielzahl von Disziplinen gebraucht wird. In der NMR-Spektroskopie beispielsweise meint man mit „wobbeln“ das tunen und matchen des Probenkopfschwingkreises, also das korrekte abstimmen der zwei Kondensatoren (…) etc. etc.

    Ich wollte nur eine Lanze für das Wort brechen, ich verwende es mindestens ein Mal pro Tag. Armes kleines Wörtchen, kann sich nicht wehren gegen die Scharlatane und dann wird es hier auch noch milde belächelt.

  4. 71hAhmed
    9. Dezember 2011, 22:54 | #4

    @ Markus

    das Schicksal teilt das arme, wehrlose Wörtchen leider mit einem ganzen Haufen anderer Begrife aus Wissenschaft und Technik; denk nur mal an die armen Quanten, Frequenzen und Schwingungen.

  5. HEX
    10. Dezember 2011, 00:48 | #5

    Und die arme Energie erst!

  6. Peter Müller
    20. Dezember 2011, 07:41 | #6

    Wie wäre es denn, wenn Ihr mal von Eurem hohen Roß kommt und es ausprobiert. Es gibt in Deutschland ein Fernabsatzgesetz, also kann mann gefahrlos alles Testen und wieder zurück senden. Bestellt Euch doch mal ein Thinkman oder ein Neurophone. Probiert es aus, ob die Aussagen wirklich stimmen über das Hören außerhalb der Ohren. Solange ihr nicht selber probiert habt, läßt es sich gut schreiben. Wer sagt, das kann gar nicht funktionieren, weil wissenschaftlich nicht bewiesen, betreibt Argumentation auf dem Niveau von „Es kann keine Saurier gegeben haben, weil die Bibel sagt, daß Gott die Welt erst vor 5000 Jahren geschaffen hat.

  7. 20. Dezember 2011, 10:31 | #7

    Ah, deswegen steht wohl diese vertrauenserweckende Klausel in den AGBs:

    7. Zufriedenheitsgarantie
    KOSYS gewährt eine Zufriedenheitsgarantie von 60 Tagen bei den Produkten thinkman®. Wird der thinkman® innerhalb dieser Zeit unbeschädigt inklusive allem Zubehör in der Originalverpackung zurückgegeben, erstatten wir den Kaufpreis abzüglich einer Bearbeitungsgebühr von 120,00 € (inkl. MwSt.). Die Kosten der Rücksendung trägt der Käufer. Diese Regelung ist bei den Zahlungsarten Leasing und Finanzierung aus abwicklungstechnischen Gründen ausgeschlossen. Audio- und Softwareprodukte sind von der Rückgabe ausgeschlossen.

    Bei Wott sind diese Quackbuden übrigens auch knallrot.
    http://www.mywot.com/en/scorecard/kosys.me
    http://www.mywot.com/en/scorecard/huna-vita.de

    Außerdem steht im Shop, dass die Dinger nicht funtionieren:

    2. Auf diesen Seiten angebotenen Produkten und Texten besteht nach den „Kriterien der
    Schulmedizin und Schulpsychologie“ keine Wirksamkeit im wissenschaftlichen Sinn.

    http://www.huna-vita.de/index.html#impressum

    In dieser Aussage stimme dem Verkäufer sogar zu. 😀

  8. 20. Dezember 2011, 11:27 | #8

    @Peter Müller: Ich brauch nicht in diese braunen Kringel, die man auf Gehwegen antrifft reinzutreten, um zu wissen, worum es sich handelt. Der behauptete Wirkmechanismus ist dermaßen Absurd, dass man schon lachen muss über die Phantasie des „Erfinders“. Aber ein paar Dumme zu finden, die diesen Unfug glauben und per Autosuggestion auch noch drauf reinfallen – die gibts mit Sicherheit.

  9. Mephisto
    20. Dezember 2011, 14:47 | #9

    @Peter Müller
    Warum verlässt Du dann nicht mal die 10. Etage eines hohen Gebäudes durch das Fenster. Weil das gefährlich wäre? Komm‘ mal von Deinem hohen Ross runter! Wie kannst Du sagen, das wäre gefährlich, wenn Du es nicht ausprobiert hast? 😉

    Wir alle müssen uns tagtäglich auf Annahmen verlassen, wir können nicht alles selbst prüfen. Deshalb erwarte ich von einem Gerät das mit gesundheitlichen Wirkungen beworben wird, entsprechende Belege. Fehlen diese, muss ich davon ausgehen dass es nicht funktioniert und dann kaufe ich es schlicht und einfach nicht.
    Wenn Dir jemand ein Auto mit wahnwitzig guten Fahrleistungen und ganz ohne Kraftstoffverbrauch verkaufen wollen würde, sich aber weigerte Dir zu demonstrieren dass das Ding überhaupt fährt bis Du es bezahlt hättest – vielleicht noch mit 120 EUR Bearbeitungsgebühr bei Rückgabe – würdest Du dem ernsthaft das Geld geben?

  10. Peter Müller
    20. Dezember 2011, 16:42 | #10

    @Mephisto
    Wer sitzt denn hier auf einem hohen Roß? Ich habe sowohl einen Thinkman als auch ein neurophon ausprobiert. Ich habe dafür kein Geld bezahlt, womit vielleicht der eine oder andere Skeptiker argumentieren würde, als Mativation, daß ich mir nicht eingestehen würde Geld für Mumpitz ausgegeben zu haben. Ich weiß, daß es funktioniert, weil ich es probiert habe. Den Versuch, aus dem 10ten Stock zu steigen, würde ich allerdings nicht unternehmen.

    @Rincewind
    Ich kann nicht urteilen über den Erfinder, wie er zu seinen Erkenntnissen und Erklärungsmodellen gekommen ist. Im Gegensatz zu den Modellen, ist das Produkt doch direkt zu überprüfen, ob es funktioniert, oder nicht. Ich habe nur einen Weg aufgezeigt, wie Ihr es testen könntet, wenn Ihr der Wahrheit wirklich verpflichtet wärt. Der Versucht hat nichts damit zu tun, aus dem 10ten Stock zu springen oder ähnlichem.

    @Cohen
    Die eingegebene Bearbeitungsgebühr finde ich tatsächlich seltsam, ich frage mich sogar, ob sie mit dem Ferrnabsatzgesetz vereinbar ist.

    Zwischen der Aussage
    „Auf diesen Seiten angebotenen Produkten und Texten besteht nach den “Kriterien der
    Schulmedizin und Schulpsychologie” keine Wirksamkeit im wissenschaftlichen Sinn.“ und der Aussage, daß sie gar nicht funktionieren, besteht aber schon eine recht große Lücke. Die Wissenschaft kann viel erklären, aber eben nicht alles.

  11. Mephisto
    20. Dezember 2011, 18:51 | #11

    Peter Müller :@MephistoWer sitzt denn hier auf einem hohen Roß?

    Also ich offensichtlich nicht. Ich habe meine Ansicht erklärt und begründet und ich bin es auch nicht, der hier andere von oben herab über das Fernabsatzgesetz belehrt.

    Ich weiß, daß es funktioniert, weil ich es probiert habe.

    Na das ist doch mal eine überzeugende Studie! Und der Placebo-Effekt (http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo#Placeboeffekt.2C_Placeboantwort_und_Placebowirkung) kann dabei selbstverständlich keinen Einfluss gehabt haben.

    Und bevor wieder das Standardargument kommt („egal ob Placebo-Effekt oder nicht, Hauptsache es wirkt“): eine wirkliche Heilung kommt dadurch nicht zustande und wenn diese Geräte keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung haben, leisten sie nicht das, was ihre Hersteller/Verkäufer versprechen und sind damit zumindest Unsinn, wenn nicht Betrug.

    Den Versuch, aus dem 10ten Stock zu steigen, würde ich allerdings nicht unternehmen.

    Warum? Muss man etwa doch nicht alles selbst ausprobieren, um es beurteilen zu können?

    Die Wissenschaft kann viel erklären, aber eben nicht alles.

    Um *erklären* geht’s doch hier gar nicht, sondern nur darum die Wirksamkeit zu *belegen*. Bei all den großen Versprechungen die da gemacht werden, sollte doch zumindest irgendeine Wirkung nachweisbar sein.

  12. Peter Müller
    21. Dezember 2011, 08:19 | #12

    In dem ganzen Artikel oben geht es nicht so sehr um Heilung, vielleicht in den Verlinkungen. Es geht nur im angebliche neue Hörkanäle. Und darauf bezog sich mein Post. Das hat nix mit Placebo Effekt zu tun, wenn man im selbstversuch feststellt, ob es ein anderen Hören gibt, als das bekannte.

  13. Mephisto
    21. Dezember 2011, 10:54 | #13

    Peter Müller :In dem ganzen Artikel oben geht es nicht so sehr um Heilung, vielleicht in den Verlinkungen. Es geht nur im angebliche neue Hörkanäle.

    Die „Verlinkungen“ sind aber der Kern der Sache. Die Geräte werden nicht als Experimentierkästen für „neues Hören“ verkauft (dafür wären sie auch reichlich teuer), sondern mit dem Versprechen gesundheitlicher Wirkungen. Darum kaufen Menschen sie und darum werden sie hier kritisiert.

    Und wenn es diese tollen neuen Hörkanäle gibt und man das im Selbstversuch feststellen kann, dann hat das Ganze eine Wirkung auf das menschliche Gehirn, sonst bliebe es unbemerkt. Warum also haben die Hersteller nicht einfach eine klinische Studie (http://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie) durchgeführt (oder durchführen lassen) in der nachgewiesen wird, dass ein solches Gerät z.B. in einer Hirnwellenmessung signifikante Änderungen bewirkt, die sich nicht anders erklären lassen. Eine solche Studie ließe sich dann nachvollziehen und wenn die Ergebnisse tatsächlich wiederholbar wären, wären die Entdecker große Helden in der Wissenschaft. Warum also verzichtet man auf diese Anerkennung (und ggf. auch auf viel Geld) und beschränkt sich stattdessen auf nebulöses Geschwurbel? Also für mich sind das klare Indizien, dass ich es hier mit Scharlatenerie erster Güte zu tun habe.

    Und darauf bezog sich mein Post. Das hat nix mit Placebo Effekt zu tun, wenn man im selbstversuch feststellt, ob es ein anderen Hören gibt, als das bekannte.

    Oh doch. Ein Selbstversuch besagt herzlich wenig. Je nach Zusammenhang spielt dabei nämlich immer und bei jedem Menschen der Placebo-Effekt bzw. die selbsterfüllende Erwartungshaltung (http://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterf%C3%BCllende_Prophezeiung) eine Rolle.
    Genau deswegen verlangt die Wissenschaft Studien die bestimmten Regeln folgen! Diese Regeln sollen die genannten Effekte so weit nur irgend möglich ausschließen, um darüber hinausgehende Wirkungen überhaupt feststellen zu können.

  14. Franz Xaver
    29. November 2012, 19:41 | #14

    Für mich ist der Kosys Thinkamn das totale Fake Produkt. Kosys GmbH gehört einem dubiosen Josua Kohberg der selbst keine Ausbildung hat. Die Oberhärte ist allerdings: Kosys verkauft „Schlanksein“ CD,s, also Suggestionen, wiegt aber selber ca. 200 Kg. Ich lach mich schlapp. Eigentlich eine totale Frechheit. Das Gerät und den Namen Thinkman hat er von Flanagan buchstäblich geklaut. Es gibt alte Neurophone aus den 70ern, die die Aufschrift „Thinkman“ drauf stehen haben. Da fragt man sich wirklich. Es ist auch interessant, dass fast alle Leute, die man aus der Branche auf Jousa Kohberg anspricht die Hände über den Kopf zusammen schlagen. Also @Peter Müller, da ich ganz sicher bin dass Du selber Josua Kohberg bist. Lass das faken und arbeite was Anständiges.

  15. Sven der Rächer
    20. August 2013, 16:02 | #15

    Ist doch klar dass hier der Inhaber selbst wieder im Blog schreibt. Josua Kohlberg. Der Thinkman hat meiner Meinung nach schon viele Leute zum Nervenarzt gebracht. Nervenschäden und Psychosen können durch überstarke Reize ausgelöst werden. Ich warne mit allen Nachdruck vor solchen Geräten. Ultraschall ist in der Medizin mit Vorsicht zu genießen. Und nun, mit dem Thinkman bläst man sich Ultraschall mit highspeed durchs Hirn. Ich finde das gemeingefährlich und solche Leute gehören in den Knast.

  1. 20. Februar 2012, 11:44 | #1