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Die Intoleranz der bösen Schulmedizin

Von Anhängern der diversen „alternativmedizinischen“ Methoden wird der „Schulmedizin“, also der wissenschaftlichen Medizin, gerne vorgeworfen, sie sei neuen und alternativen Methoden gegenüber intolerant und wenig offen. Wie diese Argumentation oft abläuft, möchte ich am Beispiel der Homöopathie zeigen, sie wird aber auf gleiche Weise auch von Anhängern anderer Spielarten der sogenannten „Alternativmedizin“ angewendet.

Selbst der überzeugteste Homöopath wird zugeben müssen, dass die Homöopathie offensichtlich ungeeignet ist, um zum Beispiel ein gebrochenes Bein zu behandeln. Daher ist es für ihn leicht, zu sagen: Ich gebe zu, dass die Schulmedizin in gewissen Fällen der Homöopathie überlegen ist und daher eine Daseinsberechtigung hat. Jetzt müsst ihr Schulmediziner aber auch zugeben, dass die Homöopathie in anderen Fällen der Schulmedizin überlegen ist und daher ebenfalls eine Daseinsberechtigung hat!

Da die Schulmediziner sich in aller Regel weigern, auf diesen Kompromiss einzugehen, hat der Homöopath einen „Beweis“, dass die Schulmedizin nicht kompromissbereit und alternativen Methoden gegenüber arrogant und intolerant ist.

Der Homöopath kann sogar einen Schritt weiter gehen und eine (vermeintlich) neutrale Position in der „Mitte“ einnehmen, indem er sagt: Ich finde es von beiden Seiten nicht gut, dass immer behauptet wird, die einzig wahre Methode zu sein. Warum muss es immer in einen Glaubenskrieg ausarten? Wenn man die andere Seite als gleichberechtigt anerkennen und zusammenarbeiten würde, könnte man viel mehr erreichen!

So gelingt es den Homöopathen leicht, das Publikum auf seine Seite zu ziehen; ist er doch durchaus zu weitgehenden Kompromissen bereit, während die Gegenseite eisern auf ihrer Position verharrt.

Doch bei genauerer Betrachtung wird klar, dass ein Kompromiss, bei dem man sich in der Mitte trifft, längst nicht immer die beste Lösung darstellt. Wenn es um politische Meinungen geht, mag es oftmals eine gute Idee sein; aber wenn sich die Frage stellt, ob die Summe aus eins und zwei, drei oder doch eher sieben ergibt, so erhält man nicht das beste Ergebnis, indem man sich einfach auf fünf einigt.

Auch wenn ein Vertreter der Flat Earth Society auf mich zukäme und meinte: Gut, ich gebe zu, dass die Erde montags bis freitags eine Kugel ist, aber dafür musst du zugeben, dass sie am Wochenende eine Scheibe ist!, würde ich diesen Kompromiss nicht eingehen, selbst dann nicht, wenn es mir gelänge, ihn auf jeden dritten Donnerstag im Monat herunterzuhandeln. Denn es kann leicht nachgewiesen werden, dass die Hypothese, die Erde sei eine Scheibe, unzutreffend ist, auch am Wochenende und auch am dritten Donnerstag eines jeden Monats. Die Ansicht der Flat Earth Society ist demnach wiederlegt, also schlichtweg falsch, sodass ein Kompromiss an dieser Stelle wenig sinnvoll wäre.

Verhält es sich mit der Homöopathie ähnlich? Man könnte nun einfach feststellen, dass die Ansichten der Homöopathie ebenfalls widerlegt und daher falsch sind. Dieser Meinung bin ich auch tatsächlich, nur dürfte diese Ansicht von den Homöopathen nicht geteilt werden. Daher lohnt es sich meiner Meinung nach, genauer auf die systematischen Unterschiede zwischen Homöopathie und wissenschaftlicher Medizin einzugehen.

Die Homöopathie geht von einigen Grundannahmen aus, wie dem Ähnlichkeitsprinzip und der Potenzierung, die vor über 200 Jahren von Samuel Hahnemann erdacht wurden. Diese Grundprinzipien werden im Allgemeinen als unumstößlich betrachtet, eine Überprüfung und ggf. Widerlegung ist prinzipiell nicht vorgesehen. Wie auch, sind es doch diese Prinzipien, die die Homöopathie ausmachen; ohne sie wäre es keine Homöopathie. Und so beschränkt sich die homöopathische „Forschung“ hauptsächlich auf das (Er-)Finden neuer Mittelchen, natürlich im Rahmen der ebenfalls von Hahnemann ersonnenen „Arzneimittelprüfung“.

Zwar sind im Laufe der Zeit diverse Varianten der Homöopathie entstanden, die sich teilweise gegenseitig ebenso widersprechen wie der klassischen Homöopathie nach Hahnemann, aber auch hier gibt es vom jeweiligen Erfinder erdachte Grundprinzipien, die sich zwar mehr oder weniger von denen Hahnemanns unterscheiden, aber im Rahmen der jeweiligen Homöopathie-Variante als ebenso unumstößlich gelten. Und vergleichbare Grundprinzipien gibt es auch in anderen alternativmedizinischen Methoden, entweder vom Erfinder der jeweiligen Methode praktischerweise miterfunden oder aus „altem Wissen“ überliefert.

In der wissenschaftlichen Medizin hingegen werden Therapien nicht einfach danach bewertet, wie gut sie mit irgendwelchen von einem Guru, äh, kreativen Menschen irgendwann einmal erfundenen Regeln und Grundsätzen übereinstimmen, sondern nach ihrer Wirksamkeit, die zum Beispiel mittels geeigneter Studien untersucht wird. Stellt sich dabei heraus, dass eine neue Therapie in bestimmten Fällen besser ist als die bisher verwendeten, wird sie akzeptiert, selbst wenn sie den bisherigen Theorien widerspricht. (Ich will nicht abstreiten, dass dabei durchaus gelegentlich Fehler passieren, teils sogar aus Absicht, vor allem aber wohl aus Unachtsamkeit, wie überall, wo Menschen arbeiten. Im Idealfall läuft es jedoch so ab wie beschrieben.)

Auch die Methoden der sogenannten „Alternativmedizin“ würden seitens der wissenschaftlichen Medizin anerkannt werden, wenn es ihnen nur gelänge, ihre Wirksamkeit nachzuweisen (wobei „meiner Tante hat es damals auch geholfen“ selbstverständlich nicht als Nachweis der Wirksamkeit zählt). Nur hier liegt das Problem der „alternativen“ Methoden: Zur Homöopathie zum Beispiel wurden im Laufe der Zeit bereits zahlreiche Studien durchgeführt, doch es ist bis heute nicht gelungen, eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung nachzuweisen.

Im Gegenteil: Es deutet alles darauf hin, dass homöopathische Mittelchen kein bisschen besser wirken als Placebos. Grund für die fehlende wissenschaftliche Anerkennung der Homöopathie ist also nicht etwa die Intoleranz der „bösen Schulmedizin“ alternativen Heilmethoden gegenüber, sondern deren konsequentes Versagen, einen wissenschaftlich akzeptablen Nachweis ihrer Wirksamkeit zu liefern.

Es stellt sich daher die Frage, wer tatsächlich toleranter ist: Die „Schulmedizin“, die die „alternativmedizinischen“ Therapien nicht nur als gleichberechtigt, sondern gegebenenfalls sogar als den bisherigen Therapien überlegen anerkennen würde, und dafür nicht einmal einen Kuhhandel im Sinne von „wenn du an meins glaubst, glaub ich auch an deins“ verlangt, sondern nur einen Nachweis, dass die Behauptungen auch zutreffen? Oder die „Alternativmedizin“, die von ihrem Guru, äh, Gründer aufgestellte und/oder aus „altem Wissen“ stammende Behauptungen als einzig wahre Wahrheit betrachtet?

Zumindest für mich ist die Antwort eindeutig.

  1. omnibus56
    3. Januar 2012, 23:46 | #1

    Die (Schul-)Medizin ist die Lehre von der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen bei Menschen und Tieren. Dann ist also „Alternativ“-Medizin die Alternative dazu… q.e.d.

  2. l.
    4. Januar 2012, 03:33 | #2

    die kritik an der homöopathie ist erfreulich, aber zugleich so blauäugig mit der schulmedizin zu verfahren ist mehr als bedenklich.

    vor allem dieser satz stoßt mir auf:

    „In der wissenschaftlichen Medizin hingegen werden Therapien nicht einfach danach bewertet, wie gut sie mit irgendwelchen von einem Guru, äh, kreativen Menschen irgendwann einmal erfundenen Regeln und Grundsätzen übereinstimmen, sondern nach ihrer Wirksamkeit, die zum Beispiel mittels geeigneter Studien untersucht wird. Stellt sich dabei heraus, dass eine neue Therapie in bestimmten Fällen besser ist als die bisher verwendeten, wird sie akzeptiert, selbst wenn sie den bisherigen Theorien widerspricht.“

    das mag in der theorie so sein, hat aber herzlich wenig damit zu tun, wie unser gesundheitssystem tatsächlich funktioniert. und daraus speist sich ja dann auch die begeisterung für die alternativmedizin.

  3. 4. Januar 2012, 04:46 | #3

    Ich würde nicht soweit gehen den Alternativmedizinern und Homöopathen zu unterstellen, sie würden ihre Methoden als einzig wahre Wahrheit betrachten. Oftmals argumentieren diese Menschen ja genau damit, dass es keine absolute Wahrheit gäbe, und sich auch die Schulmedizin häufig irre, bzw. nicht immer wirkte. Und damit versuchen sie dann ihren Anspruch auf „Gleichwertigkeit“ zu legitimieren. Was natürlich bei genauerer Betrachtung ziemlicher Unsinn ist. So sich die Schulmedizin auch irren mag und dies im Laufe der Geschichte doch häufig zugetroffen ist, so liegt den schulmedizinischen Erkenntnissen ein wissenschaftstheoretischer Zugang zu Grunde. Dies kann man eben, wie in diesem Artikel beschrieben, bei der Alternativmedizin nicht konstatieren. Alternativmediziner und Homöopathen gehen dann sogar soweit zu behaupten, der in der Schulmedizin angewandte Weg zur Erkenntnisfindung (statistische Untersuchungen, Doppelblindstudien, usw.) wäre nicht dazu geeignet die Wirksamkeit eines ihrer „Heilmittel“ zu untersuchen, bzw. dessen „Wirkung“ zu beweisen. Dazu fällt mir nur noch ein Zitat (eines Mediziners, dessen Name mir entfallen ist) ein: Alternative Medizin nennt sich alternativ, weil sie nicht wirkt.

  4. 4. Januar 2012, 04:48 | #4

    Und wie funktioniert das unser Gesundheitssystem in der Wirklichkeit dann (ernst gemeinte Frage)?@l.

  5. Sarge
    4. Januar 2012, 07:20 | #5

    Nun, ich glaube, dass eine homöopathische Therapie durchaus bessere Ergebnisse bringen wird, als die klasssiche Schulmedizin, so wie ich glaube, dass der Fahrkomfort in einem Mercedes ein höherer ist als der in einem Passat.

    Zur homöopathischen Behandlung gehört ein Beratungsgespräch, welches 150-200 kostet. Für viele Patienten ist das das erste Mal, dass sich ein Arzt intensiv mit ihnen unterhält. Dass danach einem empfohlenen Mittel viel eher vertraut wird, und dass so die Selbstheilungskräfte, die ja den Placebo-Effekt ausmachen, noch stärker aktiviert werden, ist nur logisch.

    Nur darf das nicht mit einem Krankenkassa-finanzierten Schulmediziner-Gespräch verglichen werden, für das der Arzt im besten Fall 10 Minuten Zeit hat.

  6. ein einspruch
    4. Januar 2012, 10:17 | #6

    Sorry, aber dieser Artikel ist mir zu oberflächlich und nicht fundiert genug. Die Argumentation baut in weiten Teilen auf Hörensagen auf, nicht auf wissenschaftlichen Argumenten.

    Ausser acht gelassen wird, dass es Menschen gibt, bei denen die Homöopathie doch funktioniert. Auch wenn die Mittelchen und die Anwendung nicht wissenschaftlich belegt ist, gibt es scheinbar doch eine Wirkung. Ich persönlich glaube, das es nichts mit den Placebos zu tun hat, sondern das von @Sarge erwähnte Arztgespräch die Selbstheilungskräfte der Menschen stärkt.

    Im Endeffekt ist es mir egal, ob Homöopathie wissenschaftlich belegt ist (wir alle wissen, dass nicht so ist) – wenn es für einige funktioniert und sie es etwas Gutes daraus ziehen, dann sollen sie es eben nutzen. jeder ist für sich selbst verantwortlich.

  7. Antitainment
    4. Januar 2012, 10:46 | #7

    @EinEinspruch
    Ich nenne es mal EinWiderspruch:
    Homöopathie funtioniert also wissenschaftlich unbelegt, weil der Arzt die Selbstheilungskräfte aktiviert.
    Ja was denn nun? Ist es der Arzt, die Selbstheilungskraft, das Gespräch, der Patient oder gar doch die Homöopathie oder am Ende gar nur der klassische Krankheitsverlauf ganz ohne Hokus Pokus?
    Wie sieht es denn bei Malaria oder Aids aus?
    Aktiviert da auch das Gespräch die Selbstheilungskräfte oder klappt das nur bei Krankheiten, die auch einfach ohne einen Plausch für 150 Tacken in derselben Zeit das Zeitliche segnen?

    Weil es so schön passt:
    http://dieausrufer.wordpress.com/2011/12/26/missverstandnisse-uber-homoopathie/

  8. 4. Januar 2012, 11:13 | #8

    Ganz so einfach und eindeutig ist es trotzdem nicht. Auch weil Alternativmedizin ja viel mehr als die, nur als Beispiel, angeführte Homöopathie umfasst.
    Nicht erwähnt, außer in Kommentaren, werden die vorhandenen und trotzdem nicht geklärten Selbstheilungskräfte des Menschen. Wie und wann diese wirken. Und auch, dass der Placeboeffekt auch bei Medikamenten immer wirkt. Ein Medikament also je nach Erwartungshaltung des Betroffenen mal besser oder schlechter wirkt – teils gravierend.
    Was komplett außer Acht gelassen wird, ist das die schulische Medizin sehr wohl auch durch finanzielle Probleme und auch Begehrlichkeiten verwässert wird, Studien gefälscht werden und Lobbies einen nicht zu verachtenden Einfluss haben. Auch das es sehr wohl viele Irrwege in der Schulmedizin gab und gibt, welche zum Teil auch der Ignoranz entspringen, dass es eben auch mal eine Wirkung geben kann, auch wenn man diese zur Zeit noch nicht erklären kann.
    Aber es stimmt, dass sich im Bereich Alternativmedizin sehr viele Gaukler bewegen …

  9. Antitainment
    4. Januar 2012, 11:44 | #9

    Stimmt, in der Alternativmedizin gibt’s auch noch anderen unwirksamen Krempel, z.B. TCM, die anthroposophische Medizin, Bachblüten, Hand auflegen usw. usw.
    Den Placeboeffekt und die Selbstheilungskräfte gibt’s in der wirksamen Medizin ganz umsonst, frei Haus oben drauf auf die wirksamen Therapien – Voodoo ist da völlig unnötig.

    Zum Rest: Gähn, der alte Pharmalobby-Schinken…Welche Evidenz liefert das jetzt für die Homöopathie oder sonstige Alternativmedizin?
    Und was kommt als Nächstes – Galileo-Gambit, Shakespeare?

    Fazit: In der Alternativmedizin gibt es nur Gaukler; manche haben eben nur keine Ahnung, dass sie Gaukler sind. Der Kaiser ist eben doch einfach nur nackt.

  10. 4. Januar 2012, 12:21 | #10

    @Antitainment, wie passt das zu dem Bild, das alternative Methoden sowohl auch von Schulmedizinern eingesetzt werden?
    Und, ist es nicht nur solange „Alternativ“, bis irgendwer einen Beweis für die Wirksamkeit antreten konnte? 😉
    Irrwege gibt und gab es überall. Mal wissenschaftlich abgesegnet, mal nicht. Alternativmedizin rundheraus abzulehnen halte ich persönlich für zu kurz gegriffen. Achtgeben muss man sowohl bei der Schulmedizin, wie auch bei den alternativen Methoden.
    Ach ja, Akupunktur galt auch lange als Humbug 😉

  11. jo_castle
    4. Januar 2012, 12:42 | #11

    Der ganze Artikel dreht sich ja erstmal um die Kompromissbereitschaft bzw den Konflikt zwischen (Schul-) Medizin und Alternativen. Meiner Meinung nach ist das unsinnig. Die vielen Arten zur Heilung von Krankheiten sollen ruhig nebeneinander Koexistieren. Man muss da nicht über „Kompromisse“ reden. Die Menschen sollen die Art von Medizin bekommen, die sie wollen. Ein (Schul-) Mediziner hat eine wissenschaftliche Vorgehensweise, der Homöopath eine Art „religiöse“ Sicht der Dinge (siehe der feste Bezugspunkt auf Thesen und klare, unanfechtbare Regeln).

    Der Effekt der Homöopathie ist meiner Meinung nach also höchst wahrscheinlich ein psychologischer (oder: Placebo), aber wenn er bei einem Menschen funktioniert, hat er seine Daseinsberechtigung. Allgemein werden diese Effekte, wie weitere psychologische Effekte auf Krankheit (Glaube an Selbstwirksamkeit, Optimismus, Freunde/Verwandte) sehr unterschätzt.
    Ich bin selbst Medizinstudent und ich denke für Ärzte ist es erstmal wichtig auf ihre Patienten einzugehen und zu schauen wie diese ticken. Wenn ein Patient nach homöopatischen Mitteln fragt, und der Arzt sagt, dass er davon nichts halte oder sie nicht wirkten, geht der Patient einfach zu einem anderen Arzt, der seine Denkweise unterstützt. Überzeugt wird er von so einer Argumentation (auch wie hier) nicht. Man sollte die Kraft eines guten Arzt/Patienten Gesprächs und von Zuneigung nicht unterschätzen,zusammen mit der Verschreibung eines Mittels; ein Arzt betreibt dann auch nichts anderes als die Homöopaten von sich sagen. Dies ist in der heutigen Zeit deswegen wichtig, weil viele neue Arzneimittel (und vor allem bei multimorbiden Kranken) zwar eine statistische (!!!) Wirkung, aber auch viele Nebenwirkungen haben, so dass der „Nettoeffekt“ für den Patienten nicht immer positiv ist.
    Man sollte nur aufpassen, das alternative Medizin nicht die universitäre Medizin in ihrer naturwissenschaftlichen Vorgehensweise verwässert und mit „Magischen Kräften“ oder sowas verbindet. Aber ich glaube die Gefahr laufen wir in Deutschland nicht.

    Der Konflikt ist ein wenig herbeigeredet und kommt mir auch etwas verbittert vor. Es sind verschiedene Herangehensweisen, die keinen „Kompromis“ eingehen müssen.
    Ich habe auch eines meiner Praktika in einem homöopatischen Krankenhaus gemacht. Und auch wenn mich die Kügelchen und so nicht überzeugen: sie werden doch immer nur zusätzlich eingesetzt. Und vor allem in der Plege bewähren sich die homöopatischen/anthroposophischen Herangehensweisen.

  12. Squenz Zimmer
    4. Januar 2012, 13:00 | #12

    Die Wirkung von Handauflegen (Beruehrungen) ist meines Wissens nachgewiesen. Ich hoerte von einer Studie (ueber die Wirksamkeit von Gebeten, die nichts halfen bzw. sogar kontrproduktiv waren), dass das einzige was Nach-OP-Patienten im Krankenhaus zu einer signifikant schnelleren Genesung verhalf häufigere Beruehrungen sowohl des Arztes als auch des Pflegepersonals waren…

  13. Es gibt keine „Schulmedizin“
    4. Januar 2012, 13:39 | #13

    Sarge :
    Nun, ich glaube, dass eine homöopathische Therapie durchaus bessere Ergebnisse bringen wird, als die klasssiche Schulmedizin, so wie ich glaube, dass der Fahrkomfort in einem Mercedes ein höherer ist als der in einem Passat.
    Zur homöopathischen Behandlung gehört ein Beratungsgespräch, welches 150-200 kostet.

    Zum Thema Fahrkomfort: da braucht niemand daran zu glauben, der Fahrkomfort ist in einem Mercedes vergleichbarer Größe nun mal höher als in einem Passat. Das ist keine Glaubensfrage, das ist Ingenieurkunst und letztendlich auch Preisfrage.

    Zu den 200 Euro: da haben wir es ja! Diese 200 Euro bezahlen leider, leider immer mehr Krankenkassen, d.h. das Huschiwuschi wird von der Allgemeinheit bezahlt. Stattdessen wäre es sinnvoller, die Gebührenordnung für Ärzte entsprechend zu gestalten, so dass sich ein Arzt mehr Zeit für die Anamnese nehmen darf.

    Leider gibt es keine Möglichkeit, bei einer Krankenkasse einen Tarif zu wählen, der den Quatsch nicht beinhaltet. Sollte ich mich irren und jemand eine entsprechende Krankenkasse kennen, bitte um Nachricht, ich wechsle stanta pede.

  14. Es gibt keine „Schulmedizin“
    4. Januar 2012, 13:42 | #14

    Squenz Zimmer :
    Die Wirkung von Handauflegen (Beruehrungen) ist meines Wissens nachgewiesen. Ich hoerte von einer Studie…

    Genau. „Ich hoerte…“, „Ein Wissenschaftler…“, „meines Wissens nachgewiesen…“

    Bitte um Quellen und Links. Ohne sind solche Behauptungen weniger Wert als die Pixel, aus den sie bestehen.

  15. quantumzero
    4. Januar 2012, 17:30 | #15

    @Squenz Zimmer
    Die Wirkung von Handauflegen (Beruehrungen) ist meines Wissens nachgewiesen.

    Da stimme ich dir 100%ig zu, ganz besonders zu erkennen bei einem Boxkampf, das geht
    sogar bis zu einem heilsamen Schlaf.

  16. Antitainment
    4. Januar 2012, 20:05 | #16

    quantumzero hat vollkommen Recht.
    Es gibt zwei ukrainische Doktorenbrüder, die dieses Handauflegen recht gut beherrschen.
    Man kann auch immer wieder deutlich die Erstverschlimmerung bei den Patienten erkennen, vor allem rund um die Augenpartie.
    Raus mit dem Hirn, es lebe die Alternativmedizin!

  17. Tom
    4. Januar 2012, 23:41 | #17

    Ach ja, Akupunktur galt auch lange als Humbug

    Akupunktur ist ja auch Humbug. Es hat sich ja in Studien gezeigt dass es vollkommen egal ist, ob man die Nadeln in ominöse Meridiane oder sonstige „besonderen“ Punkt sticht oder an rein zufällig gewählten Punkten. Die Wirkung war die gleiche.
    Du wirst jetzt sicher nicht erzählen wollen dass Nadelstechen an zufälligen Stellen im Sinne der Alternativmedizin als Akupunktur bezeichnet werden könnte.
    Das Stechen mit Nadeln erzeugt eine Wirkung (was ja so erstaunlich nicht ist). Ob man dabei nebenher bei der Wahl der Stichpunkte einem altem chinesischen Regelwerk folgt oder nicht macht dabei keinen Unterschied. Also ist das Regelwerk selbst doch offensichtlich Humbug.
    Du könntest auch argumentieren das Weihwasser eine Heilwirkung hat weil man damit einem Dehydrierten helfen kann. Nur ist das eben kein Argument für die Wirksamkeit von Weihwasser wenn es mit normalen Wasser genauso gut funktioniert

  18. P.A. Staudinger
    5. Januar 2012, 13:12 | #18

    Sehr schöner Artikel, habe ihn gleichmal „entwendet“

  19. 5. Januar 2012, 21:00 | #19

    jo_castle :
    Der Effekt der Homöopathie ist meiner Meinung nach also höchst wahrscheinlich ein psychologischer (oder: Placebo), aber wenn er bei einem Menschen funktioniert, hat er seine Daseinsberechtigung.

    Der Placeboeffekt braucht keine Daseinsberechtigung, da es ihn eben einfach gibt. Die Homöopathie hat keine Daseinsberechtigung, da sie nichts außer dem sowieso vorhandenen Placeboeffekt zu bieten hat.

    jo_castle :
    Allgemein werden diese Effekte, wie weitere psychologische Effekte auf Krankheit (Glaube an Selbstwirksamkeit, Optimismus, Freunde/Verwandte) sehr unterschätzt.

    Von wem werden die unterschätzt? Die werden sogar wissenschaftlich erforscht und medizinisch genutzt. Welche Placebos wie gut wirken, hat die Wissenschaft geklärt und nicht die sog. Alternativmedizin.

    jo_castle :
    Ich bin selbst Medizinstudent und ich denke für Ärzte ist es erstmal wichtig auf ihre Patienten einzugehen und zu schauen wie diese ticken. Wenn ein Patient nach homöopatischen Mitteln fragt, und der Arzt sagt, dass er davon nichts halte oder sie nicht wirkten, geht der Patient einfach zu einem anderen Arzt, der seine Denkweise unterstützt. Überzeugt wird er von so einer Argumentation (auch wie hier) nicht. Man sollte die Kraft eines guten Arzt/Patienten Gesprächs und von Zuneigung nicht unterschätzen,zusammen mit der Verschreibung eines Mittels; ein Arzt betreibt dann auch nichts anderes als die Homöopaten von sich sagen.

    Das klappt nur deswegen so gut, weil immer mehr Ärzte den Unsinn mitmachen. Würden die Ärzte sich gegen den Unsinn stark machen, statt ihn zu unterstützen, wäre es viel einfacher Patienten zu überzeugen.
    Es ist schlicht unethisch Patienten über die Wirksamkeit von Medikamenten zu belügen. Das sollte jedem Arzt klar und wichtig sein. Man gibt den Patienten doch auch nicht einfach andere Medikamente, Spritzen der OPs, nur weil sie sich die wünschen.
    Ich finde es erschreckend, wenn Ärzte sich einfach bequem nach den Wünschen der Patienten richten, statt diese ordentlich aufzuklären.

    jo_castle :
    Dies ist in der heutigen Zeit deswegen wichtig, weil viele neue Arzneimittel (und vor allem bei multimorbiden Kranken) zwar eine statistische (!!!) Wirkung, aber auch viele Nebenwirkungen haben, so dass der “Nettoeffekt” für den Patienten nicht immer positiv ist.

    Was bitteschön ist eine statistische Wirkung?
    Entweder wirkt etwas oder nicht. Die Statistik ist nur ein Mittel dies sauber nachzuweisen. Dass Medikamente bei jedem Patienten etwas anders wirken können und unerwünschte Nebenwirkungen haben können, ist eine Binsenweisheit.

    jo_castle :
    Man sollte nur aufpassen, das alternative Medizin nicht die universitäre Medizin in ihrer naturwissenschaftlichen Vorgehensweise verwässert und mit “Magischen Kräften” oder sowas verbindet.
    Aber ich glaube die Gefahr laufen wir in Deutschland nicht.

    Im Gegenteil.
    Du solltest Dich mal mit der Viadrina und dem AM-Lehrstuhl an der Charite befassen. Die Zauberlehrlinge sind dort längst eingezogen.

    jo_castle :
    Ich habe auch eines meiner Praktika in einem homöopatischen Krankenhaus gemacht. Und auch wenn mich die Kügelchen und so nicht überzeugen: sie werden doch immer nur zusätzlich eingesetzt. Und vor allem in der Plege bewähren sich die homöopatischen/anthroposophischen Herangehensweisen.

    Das übliche Gemauschel: Es wird beides genutzt (Medizin und AM) und hinterher die Wirkung der homöopathischen / anthroposophischen Behandlung zugeschrieben.
    Warum nicht nur homöopathisch / anthroposophisch, wenn es doch so wirksam ist?
    Wie soll bei gemeinsamer Verwendung unterschieden werden, was gewirkt hat?
    Worin besteht denn die besagte Bewährung? Gibt es dazu ordentliche Studien? Oder geht das in Richtung „Erfahrungsmedizin“.

  20. Statistiker
    7. Januar 2012, 19:29 | #20

    Akupunktur gilt nict als Humbug, es IST Humbug. Hier machen sich wohl grad die Asozialen = Esoteriker breit. Asoziales Gesocks, ich hasse es……

    PS: Icvh DENKE, ich GLAUBE nicht…..

  21. 8. Januar 2012, 00:06 | #21

    Mich freut besonders, wenn jemand jammert, dieses ewige stänkern gegen Alternativmedizin würde sie oder ihn stören. Dabei wird dann gern vergessen, wieviel Schrott zu dem Thema durch die Medien rauscht. Allein schon, wieviel Menschen „Schulmedizin“ sagen, ohne sich Gedanken darüber zu machen. Auch beliebt ist die eine Methode als Quatsch zu bezeichnen, die nächste aber zu loben, weil das könne ja wirklich sein, und die habe man ja selber schon ausprobiert: „Unsinn, rote Zauberstäbe funktionieren nicht, probier Blaue.“

    @jo_castle
    Ich tippe auf Witten/Herdecke.

  22. jo_castle
    10. Januar 2012, 19:38 | #22

    @ merdeister: netter Versuch, ich studiere aber nicht in Witten. Aber an unserer Uni wurde auch mal ein Wahlfach Homöopathie angeboten: Ich bin zur ersten Veranstaltung aus (kritischem) Interesse gegangen und war sehr enttäuscht von der wissenschaftsfernen Heransgehensweise. Deswegen schreibe ich ja, wie oben, dass es eine Art religiöser Glaube an die Mittel ist! Ich teile den überhaupt nicht, aber wer daran glaubt, solls ruhig machen.

    @ Heilpraktiker: du zerreist meinen Text aber ganz schön. Aber so wie du das verstehst, sind die meisten Aussagen nicht gemeint. Wichtig ist mir jedoch vor allem der letzte Punkt. Es geht dabei um die Pflege, wie ich betont habe! Ich rede dabei nicht von Studien, sondern meinen eigenen Erfahrungen. Bis jetzt war ich in vier verschiedenen Kliniken und die Pflege war in meinen Augen (!!) in erwähnten Krankenhaus am besten, weil sie menschlich und kümmernd war. Das lag vielleicht aber einfach an den Mitarbeitern.

    Trotzdem bleibe ich dabei: Hier in einem Blog über die alternative Medizin herzuziehen, bringt nicht viel. Überzeugen kann man die Menschen nur mit Argumenten, nicht mit „wie dumm sind die denn“. Das heute soviele Menschen an sowas glauben, liegt daran dass sie sich etwas zum festhalten suchen in unserer „orientierungslosen Gesellschaft“, die vielen sinnentleert scheint. Es ersetzt in der Mitte der Gesellschaft eine Art Religion.
    Ich sehe darin bis jetzt nichts schlimmes.
    An unserer Universitätsklinik sehe ich keine Gefahr, dass wir ins nicht-wissenschaftliche rutschen. Es gibt viele gute Wissenschaftler und eine intelektuelle Gefahr liegt eher darin, dass es aufgrund der enormen Fortschritte (die ja etwas gutes sind) wenig Ärzte gibt, die über ihre eigene Spezialisierung hinausblicken und aufgrund von Details den Überblick verlieren

  23. sumo
    10. Januar 2012, 20:10 | #23

    “ überzeugen kann man die Menschen nur mit Argumenten….. “

    Schönes Zitat, aber leider nicht zielführend. Im Nebenfaden über die “ auf verlorenem Posten stehenden Skeptiker…“ habe ich dazu kurz angemerkt, daß man ständig gut schwurbeln kann, denn dies ist einfacher, als Formeln zu verstehen und Formeln zu erklären. Sicher suchen viele was zum festhalten, ein Gerüst, aber wenn das dann im medizinischen Bereich die Homöopathie ist, so kann ein rhetorisch versierter Eso innerhalb von zehn Minuten soviel Schwachsinn verbreiten, wie ein Skeptiker in zehn Stunden nicht widerlegen kann. Die skeptische Widerlegung der Homöopathie erfordert nämlich vom Eso-Gläubigen ein Mindestmaß an physikalischem Grundverständnis, und wenn das nicht da ist, verfängst sich dann das blödsinnige Gechwurbel. Wenn das dann untermalt wird mit den „Machenschaften“ der pöhsen, pöhsen Pharmaindustrie, dazu noch eine Prise anekdotische „Heil“erfolge bei Oma Bresicke, dann steht man als Skeptiker auf verlorenem Posten, weil sich viele die Argumentation nicht anhören wollen. Als ich im Kollegenkreis mal gefragt habe, ob sie den Begiff „evidenzbasierte Medizin“ kennen würden, haben mich alle nur verständnislos angeglotzt. Wohlgemerkt, ich habe nach dem Begriff gefragt, nicht danach, was es bedeutet.

    Zustimmen kann ich aber, daß ein „herziehen“ im Blog nicht viel bringt, weil die meisten Menschen diesen Blog nicht kennen. Ich verteile ja manchmal den Link, ob es was bringt, weiß ich nicht.

  24. segeln141
    11. Januar 2012, 18:36 | #24

    @ein einspruch

    Ich persönlich glaube, das es nichts mit den Placebos zu tun hat, sondern das von @Sarge erwähnte Arztgespräch die Selbstheilungskräfte der Menschen stärkt

    @ Ein Einspruch,was hält Dich davon ab,Dich mal über den Placeboeffekt zu informieren?
    Kannst Du gerne hier tun:
    http://www.patientenfragen.net/alternativmedizin-kritisch-betrachtet/argumente-homoeopathie-hp-deren-betrachtung-t25859.html

  25. 28. Juli 2014, 11:57 | #25

    Ich habe schon vieles Versucht um abzunehmen. Die ganze Placebo- und Homöopathieverfahren haben keine Wirkung! Man verballert lediglich viel Geld für nichts. Einem gesunden Geist folgt ein gesunder Körper. Ernährung und Sport und eine gute psychologische Haltung machen 90% der Probleme wett.

  26. 28. Juli 2014, 14:13 | #26

    @ übergewicht
    Ach könntest Du das bitte noch ein wenig präzisieren … nur so um uns zu zeigen, dass Du nicht nur aus reinen Promotion-Zwecken drei Postings zu unterschiedlichen Artikeln, unter unterschiedlichen Benutzernamen hinterlassen hast, die ganz zufällig alle zu Seiten führen, die von ein und derselben Firma gehostet und promoted werden (und offensichtlich auch gestaltet wurden)?

  1. 8. Juli 2012, 01:23 | #1
  2. 18. Oktober 2012, 10:21 | #2