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Mit Moralin gegen Ritalin

Ein Artikel des Schweizer Journalisten Stefan Schaer, den wir mit freundlicher Genehmigung des Autoren übernehmen durften. Er wurde bereits hier auf seinem Blog veröffentlicht.  Er beschreibt sehr gut, wie unkritisch oft auch seriöse Medien (leider wieder mal) mit medizinischen Themen umgehen. Bei EsoWatch gibt es auch Hintergrundinformation zum Thema Ritalinkritik.

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Thesen-Journalismus macht seit Jahren Schule. Auch bei sogenannten Leitmedien neigen viele (nicht alle!) Schreibenden dazu, anstelle einer breit abgestützten Recherche die eigene Meinung (oder die Meinung der Zeitung) ins Blatt zu stellen. Was ins Bild passt, wird unkritisch ausgebreitet, was nicht passt, wird kurzerhand todgeschwiegen.
Einen exemplarischen Text hat am vergangenen Montag die «Frankfurter Allgemeine», die NZZ Deutschlands, publiziert. Christiane Hoffmann und Antje Schmelcher liefern mit «Wo die wilden Kerle wohnten» einen einseitigen, moralisierenden und in vielen Teilen schlicht falschen Rundumschlag gegen das Medikament Ritalin, das bei Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) eingesetzt wird.

Mit der Aussage «90 Prozent der ADHS-Diagnosen sind falsch» legt der Artikel gleich zu Beginn den Ton fest. Sicherlich, Ritalin wird manchmal zu schnell verschrieben. Aber  von 90 Prozent auszugehen, ist eine Behauptung, für welche die Autorinnen keine brauchbare Quelle – zum Beispiel wissenschaftliche Studien – präsentieren. Sie stützen sich einzig auf die Aussage der Direktorin einer Kinderklinik – das muss für FAZ-Journalistinnen offenbar reichen.

Der «Richtigkeitsgehalt» des restlichen Textes bewegt sich auf ähnlichem Niveau: Plattitüden, Behauptungen und Lügen folgen einander Abschnitt für Abschnitt. Die Autorinnen gehen davon aus, dass ADHS anerzogen ist. Medizinische, angeborene Ursachen schliessen sie von vornherein aus. Was umso erstaunlicher ist, als die Wissenschaft derzeit in die gegenteilige Richtung tendiert. Bei Wikipedia lesen wir:

Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ist nach derzeitigem Stand (2009) ein multifaktoriell bedingtes Störungsbild mit einer erblichen Disposition, welche die Ausbildung der Krankheit begünstigt.

Noch expliziter beschreibt es ADHS-Spezialist Piero Rossi:

Als Ursache für ADHS wird gegenwärtig eine genetisch bedingte neurobiologische Funktionsstörung postuliert (Wissensstand 11/2011). Betroffen sind diejenigen Hirnabschnitte, welche übergeordnete Steuerungs- und Koordinationsaufgaben übernehmen. Das Gehirn kann unwichtige innere und äussere Reize und Impulse schlecht ausfiltern sowie hemmen. Dies führt zu den bekannten Symptomen wie Ablenkbarkeit, Impulsivität und Zappeligkeit.

Solche und ähnliche Formulierungen finden sich in wissenschaftlichen Texten zuhauf. Als Journalist stelle ich deshalb fest: Eine medizinische Ursache für ADHS ist wahrscheinlich – oder wenigstens nicht von vornherein auszuschließen. Die Journalistinnen der FAZ sehen das anders. Sie schreiben:

Für ein schwieriges Kind gibt es Gründe: überforderte Eltern, eine kaputte Familie, unfähige Lehrer, zu viel Computerspiele und zu wenig Kletterbäume.

Was völlig undifferenziert ist. Die angeführten Gründe können zwar laut überwiegender Mehrheit der wissenschaftlichen Publikationen zu einer Verstärkung von ADHS-Symptomen führen, Ursache sind sie nicht.

Aber eben, wen interessiert schon Wissenschaft, die eigene Meinung muss mal wieder gesagt sein und ein abstruses Weltbild drückt durch:

Wenn ein schwieriges Kind für krank erklärt wird, braucht sich niemand verantwortlich zu fühlen: Krankheiten können genetisch veranlagt sein oder Schicksal oder beides.

Was bitte ist der Unterschied zwischen genetisch veranlagt und Schicksal? Genetische Veranlagung ist das, was man in wissenschaftlichen Kreisen gemeinhin als «Schicksal» bezeichnen würde.

Immer wieder vermittelt der Artikel den Eindruck, das Umfeld sei an allem schuld:

Von klein an sollte Paul umfassend auf die Leistungsgesellschaft vorbereitet werden. Er kam in einen bilingualen Kindergarten. Es ging ihm nicht gut dort. Trotzdem wurde er auf der Europa-Schule eingeschult: Die Probleme wurden schlimmer. Paul rastete aus, in der Schule, zu Hause.

Wie gesagt: Nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis hat ein Kind ADSH von Geburt an. Mit anderen Worten: ADHS kann von den bösen Eltern höchstens vererbt und durch ein ungünstiges Umfeld verstärkt werden, es kann nicht aus dem Nichts ausgelöst werden.

Zudem leben wir nun mal in einer Leistungsgesellschaft. Eltern haben den Auftrag, ihre Kinder auf das Leben da draussen vorzubereiten, ihnen den bestmöglichen Rucksack mitzugeben. Von einer stress- und druckfreien Welt zu träumen, die jeder und jedem Zeit für seinen persönlichen Rhythmus und seine persönliche Pläsierchen lässt, ist realitätsfremd.

Vierzig Jahre später, kurz vor seinem Tod, gestand Eisenberg dem Wissenschaftsjournalisten Jörg Blech, dass er nicht mehr an ADHS glaubt. ADHS, sagte er, sei «ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung».
Keine Krankheit, ein Deutungsmuster: als psychisch krank wird definiert, was gegen bestimmte Regeln verstößt und von Normen abweicht.

Noch einmal: ADHS ist nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis keine psychische Krankheit, sondern eine neurologische Störung. Psychisch krank werden Kinder und Jugendliche dann, wenn sie überall anecken, keine normalen Freundschaften führen können, vom Sozialleben weitgehend ausgeschlossen sind.

«Unsere Systeme sind für Jungen unfreundlich geworden», sagt Gerd Glaeske, Professor für Arzneimittelversorgungsforschung an der Universität Bremen und ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrats für Gesundheit. Jungen, so meint er, wollten risikoreicher leben und sich erproben. Dafür fehlten ihnen aber heute die Freiräume.

Das stimmt, hat aber beim besten Willen nur bedingt mit ADHS zu tun. Die Auswirkungen von ADHS können durch die mangelnden Freiräume und den steigenden Druck verstärkt werden. Mehr nicht.

Fegeler hält die Begleiterscheinungen von ADHS wie Lese- und Rechtschreibschwächen, Tics und Auffälligkeiten im Sozialverhalten in Wirklichkeit für psychische Reaktionen darauf, wie die Gesellschaft mit diesen Jungen umgeht. «Sie kriegen ständig eins drauf, das macht sie psychisch krank», sagt er.

Stimmt: Sie kriegen ständig eins drauf, weil sie ADHS haben. Das macht sie psychisch krank. Nicht umgekehrt. Ritalin hilft den Betroffenen, nicht mehr anzuecken und positive Erfahrungen zu machen.

Professor Glaeske spricht bei ADHS von «Zuschreibungsdiagnosen». Sie werden unter gesellschaftlichem Druck ausgestellt, um die Gabe leistungssteigernder Mittel zu legitimieren.

Das ist grundsätzlich falsch: Ritalin wird in den allermeisten Fällen nicht abgegeben, um die Leistung zu steigern, sondern um den Kindern schlicht und ergreifend zu ermöglichen, ihr natürliches Potenzial abzurufen. Zudem, und das führt den ganzen FAZ-Artikel ad absurdum, wirkt das Medikament bei Leuten, die kein ADHS haben, kontraproduktiv.

Doch das ist nicht so einfach. Ritalin, das in hoher Dosierung ähnlich wirkt wie Kokain, macht psychisch abhängig.

Hier wird es zunehmend hässlich, denn die Behauptung, Ritalin mache abhängig, ist schlicht eine Lüge. Bis heute konnte bei fachgerechter medizinischer Anwendung kein Fall von Abhängigkeit nachgewiesen werden. Und: ADHS-Betroffene sind generell einer höheren Suchtgefahr ausgesetzt. Studien zeigen, dass der Einsatz von Ritalin diese Gefahr senkt.

Wenn Paul die Tablette vergisst, kommt er von der dritten Stunde an nicht mehr mit.

Klar kommt Paul nicht mehr mit, wenn die Wirkung des Medikaments nachlässt. Deswegen nimmt er ja das Medikament. Was bitte hat das mit Sucht bzw. psychischer Abhängigkeit zu tun?

Robins Mutter hält Ritalin für ein Verbrechen an den Kindern. «Wenn ich meinem Kind ein Medikament gebe, damit es in der Schule besser wird, zeige ich ihm doch, dass ich es ändern will. Dann muss mein Sohn doch denken, dass ich ihn ohne Medikament nicht ertragen kann. Wo steht eigentlich geschrieben, dass ein Kind nicht anstrengend sein darf?»

Robins Mutter hat ganz offenbar ein Kind, das «nur» anstrengend ist. Eine häufige ADHS-Realität sind aber Kinder, mit denen ein normaler Alltag nicht möglich ist, die ihre Geschwister an Leib und Leben gefährden, die nicht schlafen und ihrem Umfeld das Leben zur Hölle machen. Ist es tatsächlich ein Verbrechen, diesen Kindern zu helfen? Ist es tatsächlich ein Verbrechen, ein Kind mit einem Medikament darin zu unterstützen, überhaupt fähig zu sein, soziale Kontakte zu knüpfen, um in unserer Welt zu bestehen?

Anders gefragt: Was passiert mit jenen Kindern, die das Medikament nicht erhalten haben? Man könnte von Verbrechen sprechen, wenn man diesen Kindern die Chance verweigert, eine Ausbildung zu machen, die ihrem Niveau entspricht. Man könnte von Verbrechen sprechen, wenn man diesen Kindern die Möglichkeit nimmt, ein «normales» Sozialleben zu führen, wenn  man sie dauernden Misserfolgen aussetzt, ihr Selbstwertgefühl schwächt und sie damit längerfristig für Depressionen anfällig macht.

Der Artikel der FAZ-Autorinnen nimmt, wenn mit offensichtlichem Wohlwollen extreme Haltungen wie diejenige von Robins Mutter geschildert werden, religiöse Züge an. Der Ton erinnert stark an moralschwangere Texte gegen die Abtreibung. Ist das der richtige Weg, um einen vernünftigen Umgang mit Ritalin und anderen Medikamenten zu finden? Wohl kaum.

Ich frage die Autorinnen:

  • Was würden Sie tun, wenn Ihr Kind praktisch von Geburt an unglaublich aggressiv ist, wenn es kaum schläft, keine sozialen Kontakte findet, seine Geschwister an Leib und Leben gefährdet?
  • Was würden Sie tun, wenn Sie und Ihr Umfeld über die Grenzen hinaus belastet werden, wenn die Familie auseinanderzufallen droht?
  • Würden Sie Ihr Kind lieber in ein Heim geben oder ihm ein Medikament verabreichen?
  • Würden Sie höhere Steuern bezahlen, damit ADHS-Kinder in Sonderschulen ausgebildet werden können?
  • Was würden Sie tun, wenn Ihr Kind Zucker hat? Würden Sie ihm Insulin geben?
  • Angenommen, ADHS wäre tatsächlich rein psychisch: Wollen Sie allen psychisch Kranken die Medikamente verweigern?

……..

PS 1: Nein, ich habe kein ADHS. Aber ich werde ein klein wenig aggressiv, wenn ich solche Texte lese …
PS 2: Nein, ich habe keine Kinder, die Ritalin nehmen.
PS 3: Ja, ich kenne Eltern mit Ritalin-Kindern. Aber aus Einzelfällen lassen sich keine Schlüsse ziehen.
PS 4: Ja, den Ritalin-Kindern geht es gut, viel besser als vorher. Sie haben Freunde, treiben Sport, kommen in der Schule klar, führen ein normales Leben.
PS 5: Nein, ich habe keine Novartis-Aktien.

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  1. Dagobert
    21. Februar 2012, 22:07 | #1

    Zustimmung zu den Kernpunkten des Artikels bzgl. der Interaktion von Anlage und Umwelt. Allerdings frage ich mich, welche Auffassung von „psychischer Krankheit“ der Autor vertritt. Psychische Krankheiten sind letztlich auch „nur“ Organstörungen, nämlich Störungen des Gehirns (die allerdings sehr komplex sind und sich auf einer Vergrößerungsebene abspielen, die herkömmlichen bildgebenden Verfahren (noch) nicht zugänglich sind). Warum soll ADHS keine psychische Störung sein?

  2. Murke
    21. Februar 2012, 22:28 | #2

    Der Artikel erschien nicht in der FAZ, sondern in der FAS. Kein ganz kleiner Unterschied – jedenfalls, was die Redaktionen angeht.
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    Für meinen Geschmack war der FAS-Artikel auch deutlich zu tendenziös (nix mit „audiatur et altera pars“), wenn ich es recht sehe, hat ihn auch nicht die Wissenschaftsredaktion verantwortet, da mag ich mich aber irren, jedenfalls erschien er im Politikbuch, wo Volker Zastrow schon einmal gegen allzu liberale FSK-Freigaben Kampagnen-Artikel publiziert.
    .
    Das interessanteste Datum des Artikels (in der Printausgabe, online habe ich es nicht gesehen): Die in der grafischen Darstellung etwas missglückte Angabe der verschriebenen Wirkstoffmengen – von 34 kg im Jahr 1993 soll sie auf 1,8 Tonnen im Jahr 2010 gestiegen sein.
    .
    Gegen den einseitigen und nur mit starken Vorbehalten zu lesenden FAS-Artikel anzugehen, ist eine Sache. Aber Ritalinskeptikern, nennen wir sie einmal so, mit polemischen Fragen a la „Was würden Sie tun, wenn Ihr Kind Zucker hat? Würden Sie ihm Insulin geben? oder „Würden Sie Ihr Kind lieber in ein Heim geben oder ihm ein Medikament verabreichen?“ beikommen zu wollen, finde ich dem sozialen Phänomen nicht angemessen. Dazu sieht mir das nach einer zu großen Steigerung bei den Verordnungen aus und es ist ja nicht so, als ob Modeerkrankungen der Psyche medizinhistorisch ganz neu wären (die Verfügbarkeit von Substanzen, die ihnen abhelfen sollen, schon eher).
    .
    Die hier vorgetragene Sorte Polemik ist für Homöopathen, Impfgegner und andere JüngerInnen, Jünger_innen oder Jüngernde des pseudomedizinischen Hokospokus ganz gewiss angebracht, aber gegenüber Ritalinskeptikern? Hinter der Steigerung der verordneten Menge wärde ich jedenfalls das stärkste Argument des FAS-Artikels vermuten. Und ich fände es gut, gegen die potenziell stärkste Position zu kämpfen – von wegen: Ökonomie der Auseinandersetzung und Fairness in der Rhetorik.
    .
    Ich positioniere mich selbst in der Ritalinfrage schlicht agnostisch. Den Ritalinskeptikern in der Rhetorik dieses Postings zu drohen, bei Esowatch demnächst in einem Topf mit Waldorfspinnern und Impfgegnern hartgekocht zu werden, ist mir aber absolut unsympathisch.
    Das ist zwar ein Geschmacksurteil, aber ich hoffe, man versteht, worum es mir geht.

  3. Oliver
    21. Februar 2012, 23:01 | #3

    Auch ich habe den Artikel in der FAS gelesen und kann dem im grossen und ganzen zustimmen.Sicherlich gibt es einige „Problemkinder“,aber das jetzt seit Jahren die grosse ADHS-Welle,ausgelöst durch die böse Leistungsgesellschaft, auf die Kinder zurollt halte ich für fragwürdig.Besonders wenn die einzige Lösung dagegen im Pillenschlucken besteht.Vor allem kann man bei den dargestellten Fällen nicht wirklich bestimmen was nun das wirkliche Problem ist.Ist es wirklich ADHS oder einfach,um es mal salopp zu sagen,eine verzogene Göre?Das viele Eltern mit ihren Kindern auch einfach überlastet sind und zum Teil auch regelrecht verunsichert sind,ob ihre Erziehung das Richtige ist spielt sicher auch eine Rolle.Und im übrigen habe ich kein sonderliches Vertrauen in Journalisten die allen Ernstes Wikipedia als Quelle zitieren.Wikipedia ist vielleicht ganz gut zum Nachschlagen,als Fachliteratur und fundierte Quelle ist es aber nicht wirklich akzeptabel.

  4. Ponder
    22. Februar 2012, 00:16 | #4

    Vielleicht interessiert es diejenigen, die der FAS-Berichterstattung zustimmen, was der ADHS-Deutschland e.V. von dem Artikel hält?

    http://www.adhs-deutschland.de/desktopdefault.aspx/tabid-8/19_read-421/

    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12.02.2012
    „Wo die wilden Kerle wohnten“

    Stellungnahme:

    Der Beitrag hat inhaltlich nichts Neues zu bieten sondern beschränkt sich auf mediales Marketing einer durch zahlreiche Studien und gesundheitspolitische Entscheidungen längst überholten und widerlegten ADHS-Kritik. Er wärmt altbekannte Vorurteile wieder auf und vermeidet eine sachliche Auseinandersetzung mit dem aktuellen Stand der Forschung zu ADHS und seiner Behandlung.

    Es ist vor diesem Hintergrund bedauerlich, dass viele lokale Tageszeitungen diesen Artikel ausschnittsweise und meist kommentarlos wiedergegeben und so weiter zu Polemik und Stimmungsmache gegen ADHS beigetragen haben.

    Die Äußerungen mancher Politiker in dem Artikel lassen auf eine nach wie vor vorhandene Unkenntnis zum Störungsbild von ADHS schließen. Der ADHS Deutschland e. V., der AdS e. V. sowie der AH-TA e. V. nehmen daher die aktuelle Berichterstattung zum Anlass, diese und weitere interessierte Politiker und Journalisten kurzfristig zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Fachleuten aus der Medizin und Versorgungsforschung sowie Vertretern der Gesundheitsbehörden nach Berlin einzuladen.

    Es gibt übrigens mittlerweile mehrere gute Infoportale im WEB, wo man sich als Journalist über den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu ADHS informieren kann /könnte /gekonnt hätte…

    http://www.zentrales-adhs-netz.de

    http://www.adhs24.de/news/3-kurzmeldungen/57-adhs-infoportal-des-bundesministerium-fuer-gesundheit-geht-online-.html

    http://www.adhs.info

    Dass dies nicht geschehen ist, sondern einfach alte Klischees (der neugieraktive und daher für seine Umgebung anstrengende kleine Junge, der mit Medikamenten für seine genervte Umwelt passend gemacht werden soll etc…) kritiklos aufgewärmt wurden:

    das genau kritisiert der Blogger völlig zu Recht!

    Zu den ideologischen Hintergründen dieser für die Betroffenen diskriminierenden Medienkampagnen recherchiert Esowatch.

    Dies geschieht unter dem internen Arbeitstitel „Irrationale Überzeugungssysteme“, da die ADHS-und Ritalinkritik sich aus unwissenschaftlichen und ideologisch-sektiererischen Quellen speist, zum Beispiel:

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Konferenz_ADHS

    Darüber hinaus sollen die ohnehin schon leidgeprüften Familien mit unwirksamen bis schädlichen „Alternativtherapien“ beglückt werden, wie etwa hier:

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Gesellschaft_f%C3%BCr_Ern%C3%A4hrungsheilkunde

  5. Richard Wharfinger
    22. Februar 2012, 00:31 | #5

    Das Thema ist relevant, von daher: gut, dass sich hier mal ein Artikel der Sache annimmt. Was dabei rauskommt, bleibt aber hinter zumindest meinen Erwartungen zurück. Gerne hätte ich einen skeptischen, d.h. emanzipatorisch-aufgeklärten Artikel zu diesem Thema gelesen. Das hier aber folgt einem Schema, das ich auf Esowatch leider recht häufig antreffe, und da kann ich mich meinem Vorredner Murkel nur anschließen: „die Feinde meines Feindes sind meine Freunde“ — „wenn Scientology oder die Anthroposophen etwas blöd finden, dann muss das was ganz tolles sein“. Heraus kommt wissenschaftspositivistischer Jubeljournalismus, der genau das Gegenteil von skeptisch ist, nämlich: immer voll im mainstream, oder dem, was man dafür hält. Schade eigentlich.

    Für zukünftige Artikel dieser Art daher etwas konstruktive Kritik:

    * muss ein Skeptiker, der seinem Namen gerecht werden will, nicht auch das Konzept des AD(H)S selbst in seine Skepsis miteinbeziehen? Der Artikel beruht auf der unhinterfragten Annahme, dass ADHS gibt. Dass dem so ist, bezweifle ich nicht, aber was hier unreflektiert bleibt, ist sein ontolgischer Status — ADHS gibt es nicht auf dieselbe Weise wie es Sonne, Wind und Regen gibt; es ist kein Naturphänomen, sondern ein Fakt, lat. für „etwas gemachtes“, das also nur zwischen Menschen existiert und daher räumlichen, zeitlichen, kulturellen Schwankungen unterworfen ist, und zudem noch ganz massiv vom Beobachter abhängt. Der Artikel hinkt mindestens in dieser Hinsicht dem sozialwissenschaftlichen Erkenntnisstand — und nicht nur dem, sondern auch dem Schrödingers und Heisenbergs — um Jahrzehnte hinterher. Es lässt sich in diesem Sinne fragen, ob mit ADHS tatsächlich nur eine Eigenschaft des ADHS-Trägers bezeichnet ist (dies wäre die Esowatch-Linie), oder ob der Begriff nicht vielmehr die Relation bezeichnet zwischen einem Subjekt und seiner Umwelt — z.B. die zwischen einem Kind, das sich nicht normgerecht verhält und einer Gesellschaft, die nicht willens oder fähig ist, sich darauf einzulassen (allerspätestens seit Luhmann wird man in etwa so argumentieren müssen).

    * ähnlich wie Murkel musste ich auch an die dutzend Modekrankheiten denken, die kommen und gehen. Schonmal nachgeschaut, was die Wissenschaft heute zu Hysterie sagt ? — ich will damit nicht behaupten, dass es keine wahnsinnigen Frauen oder zappligen Kinder gibt, aber Klassifikationen und Definitionen sind kontingent; sie sind Konjunkturen unterworfen wie alle wissenschaftlichen Theorien, und wer nicht mal darauf reflektiert, dessen Äußerungen zu einem solchen Thema kann ich nur schwerlich ernst nehmen.

    * Ich denke i.Ä. auch, dass es möglich sein müsste, nicht nur die (ohnehin bekannten) Positionen, sondern auch die Interessen der beteiligten Akteure herauszuarbeiten — „cui bono“? –, ohne gleich in verschwörungstheoretische Hirngespinste abzugleiten. Wer positioniert sich im ADHS-Diskurs wie und warum? Ich habe, je öfter ich Esowatch-Artikel lese, den Verdacht, dass hier eine Diskrepanz herrscht zwischen der Inbrunst, mit der „die“ Wissenschaft beschworen wird und der tatsächlichen wissenschaftlichen Reflexionsfähigkeit der Autoren, die das hier tun.

    * da mein Kommentar schon lang genug ist, hülle ich über meinen Eindruck, dass ihr euch mit diesem Stefan Schaer scheinbar einen veritablen 911-Truther ins Boot geholt habt, lieber den Mantel des Schweigens. Das mögen andere prüfen 🙂

  6. Richard Wharfinger
    22. Februar 2012, 00:38 | #6

    Richard Wharfinger :
    * dass ADHS gibt.
    * Ich denke i.Ä. auch,

    so viel Zeit muss sein: „dass es ADHS gibt“, und “ i.Ü. „, sorry

  7. Groucho
    22. Februar 2012, 01:41 | #7

    Ich finde die Kommentare bisher hochwertig insofern, dass sie in ihren Schlüssen logisch sind. Allerdings merkt man förmlich, wie sehr da Wissen zur Problematik fehlt, sorry. Das ist ein Grund, warum Esowatch das Thema immer wieder aufgreift.

    AD(H)S ist nicht ganz einfach zu verstehen, solange man nicht persönlich oder beruflich damit zu tun hat und sich längere Zeit damit beschäftigt hat.

    Ein schöner Vergleich ist die Erkrankung an einem grippalen Infekt und der echten Grippe. Wer letztere einemal erlebt hat, wird sich hüten, jemals wieder von einer Grippe zu sprechen, wenn er nur einen Schnupfen mit etwas Kopfschmerzen hat.

    AD(H)S ist definitiv eine neuronale Störung, sie lässt sich im PET nachweisen.

    http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/38028/ADHS_Dopaminstoerung_im_Belohnungssystem.htm

    Das ist von 2009, inzwischen gibt es fst halbjährlich neue Erkenntnisse, die allesamt darauf hinweisen. Zudem ist eindeutig, dass diese Störung genetisch veranlagt ist.

    Leute, bitte, informiert euch gründlich, bevor ihr anderen Unfähigkeit bei Kindererziehung oder sonstwas unterstellt, nur weil ihr so gar keine Vorstellung habt, wie schlimm die Betroffenen leiden können, u.a. auch deswegen, weil man ihnen stammtischmäßig entgegenwirft, das sei ja nur ne Modeerscheinung.

    Ihr differenziert da leider nicht, dass es einerseits tatsächlich eine Modeerscheinung ist, indem Laien wie z.B. Pädagogen den Begriff häufig in den Mund nehmen und er in den Medien sehr präsent ist um alles Mögliche zu erklären, es daneben diese Störung aber auch real gibt. Mit solchen leichtfertigen, uninformierten Statements tritt man die virtuell bereits am Boden liegenden noch mal kräftig.

    Insofern kann ich den Autor des Artikels sehr gut verstehen – er ist polemisch, ja. Aber das ist durchaus angebracht in der momentanen medialen Darstellung.

    MPH ist ein Medikament, das seit Jahrzehnten bekannt ist, bei echten AD(H)Slern hilft es ca. zu 65%, der Rest sind Nonresponder. Bei Nicht-Betroffenen wirkt MPH alles andere als „beruhigend“. Alleine das zu wissen zeigt, wie schwachsinnig die Behauptungen sind, normale Kinder würden damit „ruhihgestellt“. Das Gegenteil wäre da der Fall. MPH gehört zur Gruppr de Amphetamine. MPH unterliegt in D. dem Betäubungsmittelgesetz (BTM). Kein Arzt verschreibt sowas aus Lust und Laune, die Dokumentationspflichten sind aufwändig. MPH wird auch nicht verschrieben, ohne dass es in eine umfassende Behandlung mit eingebunden wird. Es kann alledings sein, dass eine Behandlung erst mit MPH möglich wird.

    Bitte erkundigt euch, ihr Leute, die von Modekrankheit sprechen, wie und mit welchem Aufwand da diagnostiziert wird.

    Aber ok, man kann auch bei Diabetes von einer Modekrankheit sprechen, früher ist man ehrlich daran gestorben, heute wollen plötzlich alle Insulin …

  8. Richard Wharfinger
    22. Februar 2012, 09:31 | #8

    Da wiederholst du einfach das, was bereits im Artikel steht (und im Wikieintrag, auf den sich mein obiger Post Kritik ebenfalls richtet), und gehst auf unsere Kritik kein Stück ein — diese Kritik ist nämlich nicht eine an eurer mangelnden Lektüre der einschlägigen Elternbroschüren, sondern an der mangelnden Durchdringung des Themas, Reflexionsniveau, das z.B. genau bei diesem Artikel erschreckend niedrig ist — gemessen an der Frequenz von Begriffen wie „Kritik“, „Skeptik“, „Wissenschaft“, die sich diese website auf die Fahnen schreibt.

    Ich und andere verweisen auf die Tatsache, dass es historisch (ja, auch für Geschichte(n) gibt es eine Wissenschaft) für viele Krankheiten ein Kommen und Gehen der Diagnosehäufigkeiten gibt. Du liest das, weil es für dich nur schwarz und weiß gibt (Esowatch vs. ADHS-Leugner, V’Theoretiker, „Laien, also Pädagogen“) so, als würden wir sagen, es gebe ADHS gar nicht, verweist auf die vielen armen Kinder, die es haben, und fragst — Stichwort Moralin — „schaut her, habt ihr denn gar kein Mitleid? Seht ihr denn nicht diese armen unangepassten Kinder? Und ihr sprecht von einer Modekrankheit“?

    Ich aber sage: deine (und AFAIK von uns bisherigen Postern überhaupt nicht bezweifelte) Aussage

    AD(H)S ist definitiv eine neuronale Störung

    und meine

    auch Krankheiten sind Konjunkturen unterworfen

    widersprechen sich überhaupt nicht. Hysterie hat man ebenfalls für eine Nervenkrankheit gehalten — und entsprechend behandelt. Trotzdem „gibt“ es sie nicht mehr. Aufgabe eigentlich einer jeden, mindestens aber einer skeptischen Wissenschaft wäre es, genau die Mechanismen herauszuarbeiten, die Differenzierungen produzieren wie krank–gesund, hyperaktiv–angepasst, normal–anormal. Als medizinhistorische Standardwerk sei zu dieser Frage „Wahnsinn und Gesellschaft“ empfohlen; falls noch nicht geschehen: mal reinschauen.

    — In freudiger Erwartung von feedback zu meinen vier obigen Punkten

  9. VolkerG
    22. Februar 2012, 11:04 | #9

    Mein Frau hat bei Ihrem Sohn das AHDS mit Hausmitteln erfolgreich bekämpft. Als das sind: Morgens starken schwarzen Tee und Bewegung, Bewegung, Bewegung.
    Letztlich hat ein Freund dazu geraten, der in der Pharmaindustrie arbeitet und der Meinung war, das es über Spätfolgen von Retalin zu wenig gessicherte Erkenntnisse gibt.

  10. Minerva
    22. Februar 2012, 11:34 | #10

    Ich habe meinen selbstdiagnostizierten Brustkrebs mit Hausmitteln erfolgreich bekämpft. Dazu habe ich mir einfach meinen Kater auf den Brustkorb gelegt und gekrault, damit er schnurrt. Das Schnurren hat den Krebs erledigt.

    So wars! Ich habe einen Bekannten, der in der Pharmaindustrie arbeitet und der hat gesagt, dass das eine ganz tolle Methode ist. Und wenn der das sagt…

  11. Karl Ranseier
    22. Februar 2012, 11:36 | #11

    Dass ADHS zu 90%, und damit in den überwiegenden Fällen eine Fehldiagnose ist, wird ebenfalls vom Bonner Kinderpsychiater Dr. Michael Winterhoff nach 25 jähriger Erfahrung in diesem Beruf vertreten. Quelle: Seine Bücher

  12. observer
    22. Februar 2012, 11:48 | #12

    eigentlich ist es ganz einfach. Gemäß Art 24 der Kinderrechtskonvention haben Kinder (=Personen von 0-18) das Recht auf höchstmögliche Gesundheit. Dies wird u.a durch medizinische Versorgung nach state of art gewährleistet. Wobei natürlich klar ist, dass die Indikation für eine Impfung nach Impfplan leichter zu stellen ist, als die Indikation zur Ritalinbehandlung. Bei letzterer muss ganz klar eine Diagnose vorangehen.

    Und das wir über mögliche Spätfolgen von Ritalin zu wenig gesichtere Erkenntnis haben- was soll das? Sollen wir warten bis ADHS Kinder in einer placebo-doppelt blinden Studie das 80ste Lebensjahr erreicht haben, und daher erst in 70 Jahren zu therapieren beginnen?

    Wir haben gesicherte medizinische Erkenntnisse was passiert, wenn ein Kind mit gesicherter Diagnose ADHS eine Ritalintherapie vorenthalten wird. Zudem ist die Nichtbehandlung dann auch eine Menschenrechtsverletzung nach Art 24 Kinderrechtskonvention.

  13. verhaltensoriginell
    22. Februar 2012, 12:33 | #13

    Das es keine Langzeitstudien zu Spätfolgen von Ritalin gibt, liegt mit Sicherheit auch daran dass es seit 1954 im Einsatz ist (also schon fast 60 Jahre!) und es bisher keinerlei Hinweise darauf gibt. Zudem frage ich mich welche *Langzeitfolgen* wohl schwerwiegender sind: Die Selbsttherapie mit Nikotin und/oder Koks oder die gezielte multimodale Therapie mit Methylphenidat!?

    und @ Richard Wharfinger, hier auf EW wird immer der aktuelle wissenschaftl. Stand vertreten, wenn Scientology oder die Anthroposophen den auch vertreten würden gäbe es wohl das erste Mal einen Konsens…

  14. Ponder
    22. Februar 2012, 12:44 | #14

    VolkerG :
    Mein Frau hat bei Ihrem Sohn das AHDS mit Hausmitteln erfolgreich bekämpft. Als das sind: Morgens starken schwarzen Tee und Bewegung, Bewegung, Bewegung…

    Weil bei ADHS die gesamte „Systemsteuerung“ anders ist, reagieren Betroffene atypisch nicht nur auf das Stimulans Methylphenidat, sondern auch auf einige andere Substanzen.
    Viele können nach Kaffee prima schlafen – so hat in diesem Fall vermutlich der Schwarztee bei Sohnemann auch „gewirkt“ . Auch Cola soll es manchmal aushilfsweise tun 🙂

    Leider kriegen die nicht diagnostizierten oder auch korrekt diagniostizierten aber unbehandelten jugendlichen AD(H)Sler schnell im Selbstversuch raus, was ihnen sonst noch hilft, in halbwegs funktionstüchtigem Zustand zu bleiben. Deswegen fangen viele früh und heftig mit dem Rauchen an und bleiben auch wider besseren Wissens dabei.

    Ja, Bewegung, Bewegung…tut gut:

    die so genannte Hyperaktivität, das Rumwuseln, Kippeln, Trommeln etc sind durchaus auch Strategien, sich selbst „eingeschaltet“ zu halten. Aus diesem Blickwinkel zumindest ist die auffällige Hyperaktivität nicht so sehr Kernsymptom, sondern eher kompensatorische Folge der Störung.

  15. verhaltensoriginell
    22. Februar 2012, 12:48 | #15

    Das mit dem Schwarztee wunder mich nicht… ohne Medis kippe ich Literweise Kaffee in mich rein um funktionieren zu können

  16. Ponder
    22. Februar 2012, 12:52 | #16

    @ Richard Wharfinger:

    auf diesen interessanten Kommentar habe ich eine längere Replik geschrieben, die vermutlich wegen ihrer Länge noch in der Warteschleife fest hängt 🙂

    Vielleicht noch mal hochscrollen und in der Zwischenzeit meinen ersten Beitrag unter #4 lesen – da könnte sich schon manches ordnen.

  17. verhaltensoriginell
    22. Februar 2012, 12:53 | #17

    Karl Ranseier :
    Dass ADHS zu 90%, und damit in den überwiegenden Fällen eine Fehldiagnose ist, wird ebenfalls vom Bonner Kinderpsychiater Dr. Michael Winterhoff nach 25 jähriger Erfahrung in diesem Beruf vertreten. Quelle: Seine Bücher

    Ja, der Winterhoff ist ja auch mit seinen ganzen Erziehungsratgebern eine ziemliche Backpfeife…

  18. Karl Ranseier
    22. Februar 2012, 13:01 | #18

    verhaltensoriginell :

    Ja, der Winterhoff ist ja auch mit seinen ganzen Erziehungsratgebern eine ziemliche Backpfeife…

    Interessant, erzähl mal, weshalb. Bei Amazon scheint man ihn (resp. seine Bücher) entweder zu lieben oder zu hassen, wobei erstere stark überwiegen.

  19. Ponder
    22. Februar 2012, 13:12 | #19

    Karl Ranseier :
    Dass ADHS zu 90%, und damit in den überwiegenden Fällen eine Fehldiagnose ist, wird ebenfalls vom Bonner Kinderpsychiater Dr. Michael Winterhoff nach 25 jähriger Erfahrung in diesem Beruf vertreten. Quelle: Seine Bücher

    Hier dreht sich die Argumentation von ADHS-Kritikern im Kreis.

    Einerseits wird oft ins Feld geführt, dass es keine einheitlichen Diagnosekriterien gibt und die Störung daher „eigentlich“ gar nicht existiert.

    Das ist nicht korrekt, denn im Laufe der vergangenen 50 Jahre wurden diese dem jeweils aktuellen Forschungsstand angepasst, und zudem weichen ICD und DSM konzeptionell von einander ab. So gibt es streng genommen auf dieser Basis allein keine statistisch direkt vergleichbaren Daten.

    Andererseits wird eine hohe Prozentzahl von angeblichen Fehldiagnosen angemahnt.

    Dazu müsste man aber eine nachvollziehbare Bezugsgröße haben – etwa, nach welchen Diagnosekriterien konkret die vermeintlichen Fehldiagnosen denn erhoben wurden – und welche Störungsbilder stattdessen auf welcher validen diagnostischen Basis festgestellt wurden.

    Diese Anfrage wird nicht nur der Herr Winterhoff sich gefallen lassen müssen (dessen Bücher ich als Quelle nicht gelten lassen kann – es müsste schon ein entsprechendes Paper von ihm genannt werden), sondern noch viel mehr die Frau Lehmkuhl aus Berlin, deren angebliches Zitat von „90% Fehldiagnosen“ derzeit durch den realen und virtuellen Blätterwald läuft.

    Alle warten schon gespannt auf die wissenschaftlichen Daten, die sie dazu demnächst hoffentlich gern veröffentlicht!

  20. Karl Ranseier
    22. Februar 2012, 13:25 | #20

    Dazu müsste man aber eine nachvollziehbare Bezugsgröße haben – etwa, nach welchen Diagnosekriterien konkret die vermeintlichen Fehldiagnosen denn erhoben wurden – und welche Störungsbilder stattdessen auf welcher validen diagnostischen Basis festgestellt wurden.
    Diese Anfrage wird nicht nur der Herr Winterhoff sich gefallen lassen müssen (dessen Bücher ich als Quelle nicht gelten lassen kann – es müsste schon ein entsprechendes Paper von ihm genannt werden),

    Aha, aus Deiner Antwort läßt erkennen, daß Du seine Bücher nicht gelesen hast und Dir deshalb Antworten auf Deine obengenannten Fragen (Was für ein Störungsbild ist es denn sonst?) nicht bekannt sein können.
    Du stocherst also, geschützt vom Mantel der Unwissenheit im Nebel, läßt aber die – nicht gelesenen – Bücher eines langjährigen Kinder- und Jugendpsychiaters als Referenz nicht gelten. Das ist nicht nur unwissenschaftlich, das ist unseriös.

  21. Ponder
    22. Februar 2012, 13:30 | #21

    @ Richard Wharfinger:

    Mein Kommentar scheint sich mit deinem gekreuzt zu haben, daher könnte es sein, dass einige deiner Punkte schon beantwortet sind ohne dass du es gemerkt hast 🙂

    1.) „… mangelnden Durchdringung des Themas, Reflexionsniveau, das z.B. genau bei diesem Artikel erschreckend niedrig ist…“

    Nun, diesen Vorwurf müsstest du zunächst dem Gastautor persönlich machen – auch in seinem Blog gibt es eine Kommentarfunktion 🙂

    Ansonsten gilt – Skeptiker hin oder her:

    die Basis jeglicher Durchdringung eines Themas, „Reflexionsniveau“, ist nun mal der aktuelle Stand der Forschung 2011/2012, hinsichtlich ADHS sind das die Forschungsergebnisse mehrerer Disziplinen (Neurowissenschaften, Populationsgenetik, Entwicklungspsychologie, Klinische Psychologie, Psychiatrie etc.), und zwar weltweit.

    Einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand findet man in der Publikationsliste des 3. Weltkongresses ADHD vom vergangenen Jahr – die Abstracts waren vergangenen Sommer noch direkt online lesbar: http://www.adhd-federation.org/fileadmin/user_upload/images/ADHD_Final_Programme_final_version_to_be_published.pdf

    Man könnte nun – z.B. aus einer radikal konstruktivistischen Position heraus – alle diese Forschungsergebnisse ignorieren und eine eigene Theorie entwickeln. Dies tun ja auch die bekannten Protagonisten der ADHS-Kritik.

    Angesichts des enormen Impacts der vorliegenden mehrfach abgesicherten Daten kommt diese Haltung dem Entschluss gleich, sich im kleinen Kreis aus der Realität zu verabschieden und gemeinsam ein schönes tiefenpsychologisch-bindungstheoretisches Rollenspiel zu spielen.

    2.) „Ich und andere verweisen auf die Tatsache, dass es historisch (ja, auch für Geschichte(n) gibt es eine Wissenschaft) für viele Krankheiten ein Kommen und Gehen der Diagnosehäufigkeiten gibt.“

    Die entsprechenden Leiden gab es immer schon, aber sie wurden unterschiedlich wahr genommen und benannt. Gehörlose galten z.B. über Jahrhunderte als „doof“, weil man nicht verstand, dass frühkindliche Sign Language für die Entwicklung der höheren kognitiven Funktionen unerlässliche Bedingung ist…

    Wir sind seit kurzem zum ersten Mal in der Lage, seelische Störungen nicht nach ihren äußerlichen Symptomen zu beschreiben, sondern zu verstehen, was sich im Gehirn tatsächlich abspielt. Das wird mit Sicherheit großen Einfluss auf die künftigen Konzepte aller psychischen und psychiatrischen Störungsbilder haben.

    Sogar die konstruktivistisch-systemische Sichtweise, die Erkenntnisse aus der Bindungsforschung und natürlich die Tiefenpsychologie haben da Wichtiges beizutragen – unter der Voraussetzung, dass (an-)erkannt wird, was der ADHS neuropsychologisch zugrunde liegt: eine erblich disponierte Regelstörung, die gleich mehrere zentrale Funktionssysteme betrifft:

    Die Exekutivfunktionen, die Aufmerksamkeits-und Vigilanzregulation, auch die Filterung des sensorischen Inputs sowie in vielen Fällen und besonders beeinträchtigend die Emotionsregulation. Es sind übrigens viel mehr Mädchen betroffen als man annahm, und längst nicht alle betroffenen Jungen sind hyperaktiv. Die Fixierung in der öffentlichen Wahrnehmung auf Hyperaktivität und Verhaltensstörungen geht leider ziemlich am Thema vorbei.

    3.) „Aufgabe eigentlich einer jeden, mindestens aber einer skeptischen Wissenschaft wäre es, genau die Mechanismen herauszuarbeiten, die Differenzierungen produzieren wie krank–gesund, hyperaktiv–angepasst, normal–anormal.“

    Es gibt sicher viele gute Gründe, die Bedingungen zu untersuchen, warum Menschen in unserer Gesellschaft zunehmend unter so bezeichneten Anpassungsstörungen leiden und wirksame Konzepte zu entwickeln, wie etwa unser Bildungssystem und die Bedingungen am Arbeitsplatz verträglicher und für möglichst alle förderlicher gestaltet werden könnten.

    ADHS bzw. die davon behindernd stark Betroffenen haben in unserer Gesellschaft sicher auch (!) eine Indikatorfunktion, weil sie deutlich schlechter kompensieren können wo andere noch durchhalten.

    Es ist aber zynisch, ihnen ihre real vorhandenen teils schweren Beeinträchtigungen abzusprechen oder umzudeuten bzw. sie als Strohmann zu benutzen in einer öffentlich über die Medien geführten Debatte, in welcher Gesellschaft wir denn künftig leben wollen.

  22. Ponder
    22. Februar 2012, 13:41 | #22

    Karl Ranseier :

    Dazu müsste man aber eine nachvollziehbare Bezugsgröße haben – etwa, nach welchen Diagnosekriterien konkret die vermeintlichen Fehldiagnosen denn erhoben wurden – und welche Störungsbilder stattdessen auf welcher validen diagnostischen Basis festgestellt wurden.
    Diese Anfrage wird nicht nur der Herr Winterhoff sich gefallen lassen müssen (dessen Bücher ich als Quelle nicht gelten lassen kann – es müsste schon ein entsprechendes Paper von ihm genannt werden),

    Aha, aus Deiner Antwort läßt erkennen, daß Du seine Bücher nicht gelesen hast und Dir deshalb Antworten auf Deine obengenannten Fragen (Was für ein Störungsbild ist es denn sonst?) nicht bekannt sein können.
    Du stocherst also, geschützt vom Mantel der Unwissenheit im Nebel, läßt aber die – nicht gelesenen – Bücher eines langjährigen Kinder- und Jugendpsychiaters als Referenz nicht gelten. Das ist nicht nur unwissenschaftlich, das ist unseriös.

    Einfach noch mal zurückscrollen, zum Beispiel zu #4, da ist diese Frageschon beantwortet.

    Wenn Herr Winterhoff populärwissenschaftlich veröffentlicht, wie etwa auch Herr Hüther oder Herr Bergmann, dann ist dies zwar nett zu lesen, aber keine wissenschaftlich Ernst zu nehmende Referenz.

    Wissenschaftliche Veröffentlichungen nach dem aktuellen State of the Art findet man unter

    http://www.zentrales-adhs-netz.de

    Es gibt – wie bei jedem gesellschaftlich brennenden Thema – immer auch Außenseitermeinungen.
    Auch die Vertreter solcher Außenseitermeinungen müssen sich aber mit den validen und hundertfach belegten Erkenntnissen der Neurowissenschaften in ständigem ernsthaftem Dialog befinden, wenn sie nicht ins wissenschaftliche Abseits geraten wollen.

    Da ich die Fachliteratur zum Thema seit mehreren Jahren gut überblicke und mir Herr Winterhoff – ebenso wie etwa Herr Hüther – dort höchstens in homöopathischen Dosen untergekommen ist, habe ich wenig Hoffnung, in seinen populärwissenschaftlichen Darlegungen nun den Stein der Weisen zu finden.

  23. Ponder
    22. Februar 2012, 13:51 | #23

    @ Karl Ranseier:

    Zum besseren Verständnis:

    Bei jeder wissenschaftlichen Veröffentlichung schaut man sich – manchmal sogar vor dem Abstract – das Literaturverzeichnis am Ende an.
    Da sind Winterhoff, Hüther, Bergmann etc etwa auf dem Level von homöopathisch D300 vertreten – wenn sie überhaupt zitiert werden.

  24. Wolfgang
    22. Februar 2012, 18:34 | #24

    „Da sind Winterhoff, Hüther, Bergmann etc etwa auf dem Level von homöopathisch D300 vertreten – wenn sie überhaupt zitiert werden.“

    Mit so etwas haben Menschen, die sich die Realität zurecht phantasieren kein Problem. Ihrer Meinung nach kommt das daher, dass diese Meinungen unterdrückt werden. Blöd nur, dass die Wissenschaftsgemeinde ihre Gelder von den verschiedensten, vor allem aber öffentlichen Stellen bezieht… Denn unter diesem Gesichtspunkt bräuchte es wohl eine weltweite Verschwörung, um die Unterdrückung von Meinungen zu ermöglichen. Leider aber schaffen es diese Leute nicht so weit zu denken. (ist das eigentlich weiter als 2+2=4?)

  25. VolkerG
    22. Februar 2012, 19:26 | #25

    @Minerva
    Super. Da hast aber Glück gehabt.

    Der Punkt den ich zu machen hoffte ist natürlich der, das AHDS oft mit einfachen Mitteln bekämpft werden kann. Nur in schweren Fällen ist Ritalin nötig. letztlich ist das eine Droge und die sollte nur bei entsprechender Indikation gegeben werden.

    Und wenn Du Dich mit dem Thema vertraut machst, wirst Du lernen das viel Bewegung für AHDS Kinder sehr empfohlen wird. Ausserdem wirkt ein starker schwarzer Tee aufputschend (wie Ritalin) und hat dieselbe Wirkung – nr sehr viel schächer. Wenn man damit auskommt ist das immer besser als harte Drogen einzuwerfen.

  26. G Becaud
    22. Februar 2012, 20:56 | #26

    @Wolfgang #

    Jahrzehnte dem Dogma hinterher 😉 aktuelle Forschungslage….

    „Und was war das Ergebnis?

    Nach sechs Monaten intensiver Prüfung kamen die Physiker zu dem Schluss, dass die Neutrinos vom Cern tatsächlich schneller als das Licht unterwegs sind. Etwas, was als physikalische Unmöglichkeit galt und was es nicht geben dürfte, sogar ausgeschlossen war. „Es ist eine totale Überraschung“, sagt Opera-Sprecher Antonio Ereditato von der Universität Bern.“

    Wolfgang glaubt ndlich an D300 🙂

  27. Groucho
    22. Februar 2012, 21:26 | #27

    @G Becaud: Bitte zum Thema kommentieren.

  28. Librarian
    22. Februar 2012, 22:24 | #28

    @Karl Ranseier

    Nicht einmal 100 Jahre Berufserfahrung ersetzen eine echte Studie.

  29. Kamaloka
    23. Februar 2012, 01:46 | #29

    @ Esowatch Redaktion

    schickt den Anthro „G Becaud“ doch mal zurück in seine Steiner-Hölle …

    im Klartext: löscht diesen AnthropoDOOFEN Volltrottel „G Becaud“

  30. verhaltensoriginell
    23. Februar 2012, 08:11 | #30

    VolkerG :
    @Minerva
    Super. Da hast aber Glück gehabt.
    Der Punkt den ich zu machen hoffte ist natürlich der, das AHDS oft mit einfachen Mitteln bekämpft werden kann. Nur in schweren Fällen ist Ritalin nötig. letztlich ist das eine Droge und die sollte nur bei entsprechender Indikation gegeben werden.
    Und wenn Du Dich mit dem Thema vertraut machst, wirst Du lernen das viel Bewegung für AHDS Kinder sehr empfohlen wird. Ausserdem wirkt ein starker schwarzer Tee aufputschend (wie Ritalin) und hat dieselbe Wirkung – nr sehr viel schächer. Wenn man damit auskommt ist das immer besser als harte Drogen einzuwerfen.

    Ich wünsche Dir ganz ehrlich, dass das Schwarzteeexperiment mit deinem Sohn gut geht!
    Bedenke aber:
    Wie lange ist denn so die Halbwertszeit von deinem Schwarztee? Wieviel von dem Zeug muss Dein Sohn denn am Tag trinken um klar zu kommen?

    Und ja, Bewegung ist gut, auch zur Kompensation, aber kompensieren kostet Kraft, und wenn man das zuviel kompensieren muss landet man schnell in der Depression…

    Methylphenidat eignet sich nicht als Droge… DAS sollte man aber wissen, wenn man sich informiert.

  31. Krutzen
    23. Februar 2012, 09:48 | #31

    Methylphenidat eignet sich nicht als Droge

    „Methylphenidate (Ritalin, MPH, MPD) is a psychostimulant drug“ (Wikipedia). Es mag sich bei den Leuten, die tatsächlich AD(H)S-betroffen sind, nicht als Rauschmittel eignen, aber seine Wirksamkeit ist in hunderten Studien mit hohem Impact Factor bewiesen.

  32. verhaltensoriginell
    23. Februar 2012, 09:58 | #32

    Es eignet sich auch bei gesunden nicht als Rauschmittel *augenroll* es flutet, egal ob ADHS oder nicht viel zu langsam an, und somit bleibt der Kick aus. Lesen bildet (nicht nur Wikipedia) und Methylphenidat im Zusammenhang mit ADHS als Droge zu bezeichnen ist mehr als Provokant. Es lässt auf Dummheit und Unwissenheit schließen!

  33. Mephisto
    23. Februar 2012, 10:11 | #33

    Krutzen :
    “Methylphenidate (Ritalin, MPH, MPD) is a psychostimulant drug” (Wikipedia). …

    Hier sollte beachtet werden, dass das englische drug nicht ganz deckungsgleich mit dem deutschen Wort Droge ist. Es kann zum Beispiel auch als Arzneimittel oder Medikament übersetzt werden und ich denke genau das ist an dieser Stelle gemeint.

  34. observer
    23. Februar 2012, 10:13 | #34

    Ritalin is a psychostimulant drug

    drug im pharmazeutischen Sinn und korrekt übersetzt heisst schlicht Arzneimittel.

    Die Übersetzung drug= Droge ist zwar möglich aber keine fachspezifisch korrekte Bezeichnung.

    Aus diesem Grund hat auch der Klassiker „Martindale The Extra Pharmacopoeia“ den Untertittel „the universally acclaimed source of drug information

  35. Krutzen
    23. Februar 2012, 10:53 | #35

    genau, ich hatte auch den Verdacht, dass hier ein populäres Verständnis von „Droge“ vorherrscht. Über ein solches wäre es gut, hinauszukommen. Daher mein Hinweis darauf, dass nach heutigem Stand der Forschung (die nunmal englisch spricht), MPH das ist, was man in der Fachsprache als „drug“ bezeichnet — ein Mittel, das irgendeine medizinisch relevante Wirkung auf den Körper hat. Daher wäre die Aussage, MPH sei keine Droge, zu spezifieren in Richtung „MPH ist keine Droge, sofern man unter ‚Droge‘, wie das der Alltagsverstand tut, nur das versteht, was die Junkies im TV immer nehmen“.

    Ich würde nun nicht soweit gehen, den deutschen Begriff in dem extraweiten Sinne zu verwenden wie das der Angelsachse tut (der ja womöglich sogar Bachblüten als „drug“ bezeichnen würde, weil sie ja ‚irgendwie‘ auch wirken), aber spätestens, wenn es sich um Dinge handelt, die offiziell unter „Betäubungsmittel“ geführt werden, halte ich den Begriff für angebracht. Und last time I checked hatte MPH diesen Status — auch wenn meinetwegen bei MPH „der Kick ausbleibt“, was auch immer das, fachlich gesehen, heißen soll (klingt, als stünde MPH zu Unrecht auf der BTM-Liste).

  36. Ponder
    23. Februar 2012, 11:14 | #36

    <

    VolkerG :
    …. Ausserdem wirkt ein starker schwarzer Tee aufputschend (wie Ritalin) und hat dieselbe Wirkung – nr sehr viel schächer. Wenn man damit auskommt ist das immer besser als harte Drogen einzuwerfen.

    An dieser Formulierung von VolkerG hat sich die Diskussion über die geeignete Wortwahl entzündet.

    Zur Klarstellung:

    Mag sein, dass Volkers Sohn mit dem Schwarztee (und der Bewegung) seine Vigilanz/ innere Wachheit derzeit ausreichend verbessert.

    Wie oben erläutert, sind bei ADHS aber meist gleich mehrere Funktionen des inneren „Betriebssystems“ betroffen, und je höher die Anforderungen in Schule, Ausbildung und Beruf, desto schwieriger wird es meist, das mit „normalen“ Mitteln auszugleichen.
    Die Erholungszeiten werden länger, und es kommt zu Schlafstörungen, Vermeidungsverhalten, vermehrten Krankheitstagen – alles Ausdruck einer schleichenden Überforderung.

    Methylphenidat hat bei ADHS (nicht alle Betroffenen profitieren von dem Medikament – leider) insgesamt eine stabilisierende Wirkung für wichtige Gehirnfunktionen:
    weit mehr als das oberflächlich mit Tee, Kaffee oder Cola zu erreichen ist.
    Mit „Drogen“ oder gar „harten Drogen“ hat das nun wirklich nichts zu tun!

    @ VolkerG: Wichtig erscheint mir, dass dein Sohn altersgerecht darüber informiert wird, dass er ein bisschen anders „im Kopf verdrahtet“ ist als die meisten Menschen – und wie er selbst gute Strategien fürs Lernen, für Verhalten in Konflikten, für angemessene Selbstbelohnung, Entspannung usw entwickelt.

    Man muss lernen, mit seinem ADHS zu leben – ein ganzes Menschenleben lang. Dabei kann das Medikament und auch Sport und vieles andere helfen.
    Dennoch muss jeder seine eigenen Strategien finden, wie er mit seinem etwas anders gearteten „Betriebssystem“ in dieser Welt zurecht kommt.

    Deswegen ist die Psychoedukation – also die Aufklärung über die Besonderheiten der Veranlagung ADHS – die wichtigste Säule im Therapiekonzept!

    Auch Eltern sollten den Rat der dafür ausgebildeten Elterntrainer und Fachleute in Anspruch nehmen, damit sie diesen oft sehr originellen, aber pädagogisch extrem herausfordernden Kindern in der richtigen Weise zur Seite stehen können.

  37. Ponder
    23. Februar 2012, 11:28 | #37

    @ Krutzen:

    Ich würde nun nicht soweit gehen, den deutschen Begriff in dem extraweiten Sinne zu verwenden wie das der Angelsachse tut (der ja womöglich sogar Bachblüten als “drug” bezeichnen würde, weil sie ja ‘irgendwie’ auch wirken), aber spätestens, wenn es sich um Dinge handelt, die offiziell unter “Betäubungsmittel” geführt werden, halte ich den Begriff für angebracht.

    Nun, deiner Logik folgend müsste man bei einem krebskranken Menschen, der Opiate bekommt, auch davon sprechen, dass er Drogen nimmt.

    An diesem Beispiel wird hoffentlich deutlich, dass es nicht hilfreich ist, Menschen mit ohnehin schon großen Problemen durch eine ungeeignete Wortwahl noch weiter zu stigmatisieren.

    Der Begriff „Droge“ wird besonders gern von ideologischen Ritalin-und ADHS-Kritikern verwendet, um in einer inszenierten öffentlichen Diskussion immer wieder emotionales Öl ins Feuer zu gießen. Damit schadet man den Betroffenen.

    Menschen, die nicht als bestimmten Psychosekten nahe stehend betrachtet werden wollen, tun gut daran, den Ausdruck „Medikament“ zu verwenden.

    Was auf BTM-Rezept legal verschrieben wird, ist eben per Definition ein verschreibungspflichtiges MEDIKAMENT und keine (illegale) Droge

    Das ist der Sinn der BTM-Rezepte: besser überprüfen zu können, ob diese besonderen Arzneimittel auch wirklich ihrer ärztlichen Verordnung gemäß angewendet werden.

  38. Hermann
    23. Februar 2012, 23:55 | #38

    Vor Jahren hatte ich mal einen Kindergeburtstag gefeiert, wo ein Kind anwesend war, was unglaublich aktiv, hektisch, zappelnd, laut und extrem nervenaufreibend war. Ich war von Anfang an der Meinung, das muss ein ADHS-Kind sein. Dieses Kind war sowas von anstrengend, das viel sofort jedem auf. Leider kam es zu einem traurigen Ende mit dem Jungen, drei Jahre nach dem Geburtstag wurde er beim überqueren einer Hauptstraße von einem Auto erfasst und tödlich verletzt.

    Für solche Kinder, wie in dem Beispiel ist Ritalin ein Segen. Ich habe jedoch nie wieder ein vergleichbares Kind erlebt und ich habe einige Kindergeburtstage organisiert. Was ich damit sagen will, niemals gibt es so viele Stresskinder wie der beschriebenen Fall, die im Verhältnis zu der Masse an verschrieben Ritalin stehen.

    ADHS ja, Ritalin ja, aber die Masse an Ritalinverschreibungen bleibt wirklich fragwürdig.

    Auch eine Studie der Techniker Krankenkasse kommt zu dem Ergebnis der übermäßigen Ritalinvergabe.

    http://www.tk.de/tk/pressemitteilungen/archiv-vorjahr/gesundheit-und-service/340412

  39. verhaltensoriginell
    24. Februar 2012, 08:06 | #39

    Hermann :

    Für solche Kinder, wie in dem Beispiel ist Ritalin ein Segen. Ich habe jedoch nie wieder ein vergleichbares Kind erlebt und ich habe einige Kindergeburtstage organisiert. Was ich damit sagen will, niemals gibt es so viele Stresskinder wie der beschriebenen Fall, die im Verhältnis zu der Masse an verschrieben Ritalin stehen.

    Und Du erhebst auf Deine ERfahrung den Anspruch der Allgemeingültigkeit? Du kannst auf einer Geburtstagsfeier diagnostizieren, wofür so mancher Spezialist 3 – 6 Monate braucht?

    Die „Masse“ der Ritalinverschreibung bleibt nicht fragwürdig, dazu hat Ponder hier und im Forum schon jede Menge geschrieben…

  40. G Becaud
    24. Februar 2012, 11:23 | #40

    Mal abgesehen davon, das Ritalin unter das Betäubungsmittelgesetz fällt (das tun selbstverständlichauch sämtliche Opiate, die im Endstadium verschiedener Krankheiten verabreicht werden!) ist die Frage, ob Ritalin eine Droge ist, gar nicht relevant. Als Heilmittel eingesetzt ist es natürlich ein Medikament, als Rauschmittel eingesetzt selbstverständlich eine Droge! Es wirkt mit Sicherheit wie eine Droge, das gesamte Internet ist voll mit Beschreibungen von irgendwelchen Studenten, die Selbstversuche mit Ritalin gemacht haben. Das Zeug wirkt offensichtlich schon in recht geringer Dosierung hammerhart, ähnlich wie früher Capatagon, dass ja auch munter 25 Jahre in der Behandlung von ADHS eingesetzt wurde, bis man bemerkte, wie gefährlich es ist. Mich würde mal interessieren, was damals in den gesamten 25 Jahren die Ärztekammer zu diesem Amphetamin gesagt hat?!! Wahrscheinlich komplett unbedenklich, der therapeutische Effekt wiegt sämtliche Nebenwirkung auf, blablabla

    Also, solche Bemerkungen der Ärztekammer kann man getrost abhaken.

    Ich will hier aber auf keinem Fall grundsätzlich gegen den Einsatz von Ritalin Stellung beziehen!
    Allerdings erscheint es doch ziemlich offensichtlich, dass bei der multifaktoriellen Ursächlichkeit der der Erkrankung, immer die Gefahr besteht, dass man nicht genug Augenmerk auf psychische und psychosoziale Komponenten legt. Das Verabreichen von Medikamenten, die dann auch wirksam sind, ist in der Regel viel bequemer!!! Ob es in allen Fällen wirklich an die Ursachen herangeht ist mehr als fraglich. darüber hinaus halte ich es als Laie für sehr bedenklich, wenn man unkritisch die Lanze bricht für ein Medikament, über das es meines Wissens noch überhaupt keine aussagekräftigen Langzeitstudien gibt.

    Jeder, der wie viele aus meiner Generation zum Beispiel einmal Captagon ausprobiert hat, weiß, das dieses Zeug wie eine Droge wirkt und sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch einen Dauergebrauch nachhaltige Schäden einstellen. Ob das nun gerade wissenschaftliche Forschungslage ist, ist mir gelinde gesagt scheißegal.

    Ähnliche Probleme haben wir ja auch in der Psychiatrie und in der Verschreibung von Neuroleptika. jeder, der jemanden in einer dekompensierten Psychose erlebt hat und gesehen hat, wie Menschen zum Beispiel unter Paranoia und Ähnlichen gelitten haben, weiße zu wertschätzen, wie hilfreich die Neuroleptika sein können. auch hier besteht die Gefahr, dass die medikamentöse Behandlung zu sehr im Vordergrund gestellt wird und aufwändige psychotherapeutische Maßnahmen vernachlässigt werden.

    PS: in zwei Jahrzehnte Berufserfahrung ersetzen zwar keine wissenschaftliche Forschung, sind aber manchmal soviel wert!

  41. verhaltensoriginell
    24. Februar 2012, 11:33 | #41

    Sehr geehrter Herr Becaud,

    können sie sinnerfassend lesen? Alle ihre Kritikpunkte wurden in den obigen Kommentare schon widerlegt!

    Schon mal was von Multimodaler Therapie gehört?

    Und was Studenten im Netz schreiben, im Verlaub keine Ahnung was die genommen haben, aber wenn es Hammer hart war, war es mit ziemlicher Sicherheit kein Methylphenidat in geringen Mengen…

  42. G Becaud
    24. Februar 2012, 12:36 | #42

    @verhaltensoriginell

    Ich weiss zwar nicht, wie du dir deine Welt nach folgendem Motto anmalst, aber meinen Text hast du offensichtlich nicht gelesen!:
    http://www.youtube.com/watch?v=9AgKrSs5KU4

    Und genau nach dem Motto ( es kann nicht sein, was nicht sein darf) wird dann weiterverfahren“
    „Und was Studenten im Netz schreiben, im Verlaub keine Ahnung was die genommen haben, aber wenn es Hammer hart war, war es mit ziemlicher Sicherheit kein Methylphenidat in geringen Mengen…“
    😉 Das sind doch billige Taschenspielertricks

    Aber vor allem ( falls das mit der Leseschwäche doch ausgeprägter auftreten sollte bei dir) habe ich nicht Kritikpunkte aufgeführt, sondern habe auf Gefahren hingewiesen ( von daher ist hier auch nicht zu widerlegen gewesen 😉 ) und habe auch über Fenetyllin berichtet:

    „Fenetyllin wurde 1961 auf den deutschen Arzneimarkt gebracht[5] und 25 Jahre lang als Alternative zu Amphetamin benutzt. Unter anderem wurde es zur medikamentösen Behandlung von ADHS eingesetzt, weniger gebräuchlich bei Narkolepsie oder als Antidepressivum, wobei sich die Indikation für Amphetamine in der Vergangenheit häufig änderte. So waren in den 1950er-Jahren Müdigkeit oder Asthma noch ein Anwendungsgebiet dieser Wirkstoffe.
    Seit Fenetyllin 1986 von UNODC in die Liste der gefährlichen Drogen aufgenommen wurde, ist es in vielen Ländern als illegaler Suchtstoff eingestuft.“

    Darüber hinaus solltest du dich einfach mal bei wikipedia anmelden und den dort bestehenden Eintrag korrigieren, wenn du meinst, deinen Mund aufmachen zu müssen 😉

  43. verhaltensoriginell
    24. Februar 2012, 12:50 | #43

    Mein liebe Herr Becaud,

    Im Bezug auf Methylphenidat und Missbrauch gibt es Studien, dort wird belegt, dass sich das Medikament dazu nicht eignet es sei denn man verflüsssigt es und macht eine Injetionstaugliche Lösung daraus. Aber wenn sie auf Studentengeschreibsel im Netz als adäquate Quelle setzen ist das Ihr Problem.

    Nun und was Ihr „Gefahren“ betrifft, dürfte sich das doch arg in Grenzen halten wenn nach ICD10 oder DSM-IV diagnostiziert wird (sie wissen natürlich was so alles zu einer Diagnose dazugehört) und ich sage Ihnen nochmal, Methylphenidat wird im Rahmen einer Multimodalen Therapie angewendet.

    Hier geht es um Methylphenidat und nicht um Fenetyllin.

  44. verhaltensoriginell
    24. Februar 2012, 13:01 | #44

    —Bei hochdosierter Anwendung, insbesondere wenn es intravenös injiziert wird, wirkt Methylphenidat stark antriebssteigernd und kann zu überschwänglicher Euphorie führen – in seiner Wirkung ähnelt es dem Kokain.[33] Wegen der im Vergleich zu anderen Stimulanzien verzögerten Anflutung ist Methylphenidat ungeeignet, einen „Kick“ zu erzeugen. Es kann nur unter Verwendung extrem hoher Dosen eine Abhängigkeit entstehen. Gefährlich daran ist jedoch weniger die Suchtentwicklung, sondern vielmehr eine mögliche Embolie (Verstopfung von Lungen- oder Hirngefäßen) durch die Tablettenstoffe (Talkumembolie) nebst anderen Nebenwirkungen. Aufgrund seiner Wirkung und der eingeschränkten Verfügbarkeit hat Methylphenidat kaum eine Bedeutung in der Drogenszene. —

    http://de.wikipedia.org/wiki/Methylphenidat

  45. G Becaud
    24. Februar 2012, 13:10 | #45

    Hier geht es um Methylphenidat und nicht um Fenetyllin.

    Nein, genau , hier geht es um aktuelle Forschungslage, die sich alle Nas lang /häufig verändert :-), siehe die „Entwicklung“ bei Fenetyllin!

    Mir gehtes auch um die Menschen, dir doch sicherlich auch!
    http://www.zeit.de/campus/2009/02/ritalin/seite-3

    http://www.mysnip.de/forum-archiv/thema/2306/863140/Kinderpsycholgin+meint+Ritalin+mit+4+ist.html

    http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/3495/

    UND HIER NOCH EIN WENIG FACHLITERATUR:
    http://books.google.de/books?id=P2S8idgmsoIC&pg=PA15&lpg=PA15&dq=ritalin+forschungslage?&source=bl&ots=hlxBe_1Tv6&sig=6sS9tZVsgl9uCsE6Rk33fnGiyOc&hl=de&sa=X&ei=42tHT6DFOsfOtAa-3p2UBQ&ved=0CCIQ6AEwAA#v=onepage&q&f=false

  46. Krutzen
    25. Februar 2012, 12:05 | #46

    und der eingeschränkten Verfügbarkeit

    zumindest Lehrer haben keine Versorgungsprobleme 😎

  47. Krutzen
  48. 25. Februar 2012, 14:06 | #48

    @Krutzen

    „Multimodale Therapie“- meine alte Freundin Gaby, seit 25 Jahren Erzieherin, hat herzlich gelacht!!!

    Ihr schwurbelt mal wieder theoretisch rum. Die amerikanische Pharmaindustrie wirbt aggressiv für Ritalin – für schnelle und hohe Gewinne!

  49. 25. Februar 2012, 14:21 | #49

    Konsum ist inflationär, Langzeitfolgen sind unklar
    aus der Sendung vom Donnerstag, 23.2. | 20.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

    http://www.swr.de/zur-sache-rheinland-pfalz/-/id=7446566/did=9334928/pv=video/nid=7446566/1kxausi/index.html

  50. 25. Februar 2012, 14:40 | #50
  51. Antitainment
    25. Februar 2012, 15:26 | #51

    Oh eine Erzieherin als fachliche Referenz – Sehr beeindruckend…
    In dem Sektor gibt es derart viele Flachzangen mit esoterischen Ansichten, dass es jeder Beschreibung spottet.
    Wenn ich nur mal einen Blick in das Fortbildungsbüchlein werfe, dass hier in immerhin dem größten Jugendhilfe-Träger rumfährt, dann wird mir schon übel und das gerade weil ich aus demselben Fach bin.
    Aber wer braucht schon Psychologen, Neurowissenschaftler und Mediziner, wenn er denn Erzieher hat, vor allem wenn sie derart gehaltvoll und evidenzbasiert lachen können?!

  52. verhaltensoriginell
    25. Februar 2012, 18:02 | #52

    Ja, manchmal mag man sich für seine Zunft (Pädagogen) schämen, geht mir auch oft so!

  53. verhaltensoriginell
    25. Februar 2012, 18:10 | #53

    G Becaud :
    Hier geht es um Methylphenidat und nicht um Fenetyllin.
    Nein, genau , hier geht es um aktuelle Forschungslage, die sich alle Nas lang /häufig verändert , siehe die “Entwicklung” bei Fenetyllin!
    Mir gehtes auch um die Menschen, dir doch sicherlich auch!
    http://www.zeit.de/campus/2009/02/ritalin/seite-3
    http://www.mysnip.de/forum-archiv/thema/2306/863140/Kinderpsycholgin+meint+Ritalin+mit+4+ist.html
    http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/3495/
    UND HIER NOCH EIN WENIG FACHLITERATUR:
    http://books.google.de/books?id=P2S8idgmsoIC&pg=PA15&lpg=PA15&dq=ritalin+forschungslage?&source=bl&ots=hlxBe_1Tv6&sig=6sS9tZVsgl9uCsE6Rk33fnGiyOc&hl=de&sa=X&ei=42tHT6DFOsfOtAa-3p2UBQ&ved=0CCIQ6AEwAA#v=onepage&q&f=false

    Schundliteratur *augenroll*

  54. 26. Februar 2012, 08:53 | #54

    @Antitainment
    und @ verhaltensoriginell

    na klar, die üblichen Ausreden :-), wenn man “ Recht“ behalten will. Da kommt doch die Idee auf, dass ihr ziemlich rosarote getönte Vereinsbrillengläser aufhabt 😐
    Dann wird Fachliteratur als Schund bezeichnet und professionelle Kollegen mal ratfatz als Esotussen oder wat weiss ich diffamiert, weil sie ledglich darauf hinweisen, dass multimodale Therapie ja schön auf dem Papier aussieht aber meist nicht praktiziert wird und wenn dann Heise online, der SWR. die Süddeutsche, die Zeit, und .. und .. und ähnliches berichten, dann ist die neue Verschwörenstheorie komplett: alles Schundliteratur, alles Flachzangen.

    Dann kann man ja auch noch ein wenig rumstänkern! 😉
    Bekommt ihr Provision von Novartis?
    „Ein Kinderbuch demonstrierte etwa wie die Überforderung der Eltern von der Pharmaindustrie missbraucht wird.
    Die Geschichte der Krake Hippihopp richtet sich an Kinder mit ADHS und macht ihnen mit niedlichen Zeichnungen den Umgang mit dem ausgesprochen gefährlichen Betäubungsmittel Ritalin schmackhaft. Herausgeber des Buches ist der Pharmakonzern Novartis, der das Medikament auch selbst vertreibt. ”

    OOOH wie wissenschaftlich – grins zynisch

  55. verhaltensoriginell
    26. Februar 2012, 10:58 | #55

    Für wen die Zeit, heise online, SWR und die Süddeutsche Fachliteratur sind, der hat halt ein Problem.
    Ich vertraue da dann doch eher auf zum Beispiel Dr. Martin Winkler, Piero Rossi ect. die beziehen sich wenigstens auf die neusten Forschungsergebnisse.

    Das oben genannte oft schlecht bis gar nicht recherchierte Artikel veröffentlichen ist nichts neues und ein wirklich ganz alter Hut, zu den meisten ARtikeln gibts von den Fachleuten auch Stellungnahmen wo sie zu 100% widerlegt werden. Nicht für ungut Herr Becaud.

  56. 26. Februar 2012, 12:57 | #56

    @verhaltensoriginell

    Das ist die typische Antwort von Dogmatikern und Extremisten, die nur ihre eigene Meinung gelten lassen – hast‘ in der Tat ein grosses Problem! 😉

    Ich halte es in der Regel mit ausgewogener Fachliteratur, und da fehlt mit Sicherheit kein Prof. …. 😉

    Viel Erfolg bei der Lösung deiner Probleme!

    Literatur ADS
    Ahrbeck, B./Henning, I. (2004) Ist Paradigmenwechsel in der Hyperaktivitäts- bzw. AD(H)S-Forschung notwendig? In: Sonderpädagogische Forschung 49, H. 4 Amft, H. / Gerspach, M. / Mattner, D. (2002) Kinder mit gestörter Aufmerksamkeit. ADS als Herausforderung für Pädagogik und Therapie, Kohlhammer, Stuttgart
    Armstrong, Th. (1995) The Myth of the A.D.D. Child. 50 Ways to Improve Your Child’s Behavior und Attention Span Without Drugs, Labels, or Coercion, Plume New York Armstrong, Th. (2002) Das Märchen vom ADHS-Kind, 50 sanfte Möglichkeiten, das Verhalten Ihres Kindes zu verbessern – ohne Zwang und Pharmaka, …
    Baerwolff, S. (2003) Wie konstruiere ich mir eine ADHS – Eine polemische Gebrauchsanweisung In: System Schule, H. 4, S. 111 Bernau, S. (1995) Hilfen für den Zappelphilipp – Das Selbsthilfe-Elternbuch, Herder, Freiburg u.a. Biegert, H. (2000) Damit Schule nicht zum Alptraum wird – Eine positive Schullaufbahn für ADS/HKS-Kinder. In: Fitzner, T./Stark, W. (Hg.) ADS: verstehen – akzeptieren – helfen. Das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität und ohne Hyperaktivität, Weinheim/Basel, S. 26-33 Blech, J. (2003) Die Krankheitserfinder – Wie wir zu Patienten gemacht werden, S. Fischer, Frankfurt/M. Bonney, H. (2003) Kinder und Jugendliche in der familientherapeutischen Praxis, Carl-Auer, Heidelberg Born, A./Oehler, C. (2005/4) Lernen mit ADS-Kindern – Ein Praxishandbuch für Eltern, Lehrer und Therapeuten, Kohlhammer, Stuttgart Breggin, P. R. (1997) Giftige Psychiatrie Teil 2. Was Sie über Psychopharmaka, und Biologie bei „Angst“, „Panik“, „Zwang“, „Essstörungen“, „Sucht“ und kindlichen „Verhaltensauffälligkeiten“ wissen sollten! Carl-Auer, Heidelberg Bühler, C./Tolksdorf, R. (1996) Hilfen für den Lehrer im Vorbereitungsdienst zum besseren Umgang mit Schülern in schwierigen Lern- und Erziehungssituationen In:Seminar, H.3, S.6 De Grandpre, R. (2002) Die Ritalin-Gesellschaft. ADS: Eine Generation wird krankgeschrieben, Beltz, Weinheim, Basel Deutsches Kinderhilfswerk e.V. (Hg.) (2002) Kinderreport Deutschland – Daten, Fakten, Hintergründe, kopaed, München Dinkmeyer, D./Dreikurs, R. (2004) Ermutigung als Lernhilfe, Stuttgart Doering, W./Doering, W. (Hg.) (2003) Das andere ADS-Buch – Blickwinkel und Perspektiven zum Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Edition Doering, Bremen Döpfner, M. / Schürmann, S. / Lehmkuhl, G. (1999) Wackelpeter und Trotzkopf. Hilfen bei hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten, Beltz Psychologie Verlagsunion, Weinheim Eberwein, H./Knauer, S. (Hg.) (1998) HB Lernprozesse verstehen – Wege einer (sonder-) pädagogischen Diagnostik, Weinheim/Basel Engelbrecht, A. (2006) Kinder lösen Konflikte – Das Kindergericht. In: Pädagogik, H. 6/2006, S. 38-41 Flehmig, I. (Hg.) (2002) Kindheit heute – Realität und Wunschdenken, Verlag Modernes Lernen, Dortmund Freed, J. / Parsons, L. (1998) Zappelphilipp und Störenfrieda lernen anders. Wie Eltern ihren hyperaktiven Kindern helfen können, die Schule zu meistem, Campus Verlag, Frankfurt, New York Furman, B. (2005) Ich schaff’s! – Spielerisch und praktisch Lösungen mit Kindern finden – Das 15-Schritte- Programm für Eltern, Erzieher und Therapeuten, Carl-Auer, Heidelberg Gebauer, K./Hüther, G. (2004) (Hg.) Kinder brauchen Vertrauen – Erfolgreiches Lernen durch starke Beziehungen, Düsseldorf/Zürich Gerspach, M. (2004) Nachdenkliche Anmerkungen zum Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. In: Behinderte, H. 3/4/2004, S. 12 Glaeske, G./Janhsen, K. (2003) Aufmerksam bleiben In: Dr. Med. Mabuse 142, S.52 Greenspan, S. I. (2003) Das geborgene Kind – Zuversicht geben in einer unsicheren Welt, Beltz, Weinheim, Basel Gröller, B. (1994) Förderung der pädagogischen Handlungskompetenz. Zum Einfluss subjektiver Erziehungstheorien und ihrer Modifikation auf das erzieherische Handeln von Müttern unruhiger Kinder, Weinheim Gruen, A. (1987) Der Wahnsinn der Normalität – Realismus als Krankheit, Kösel, München Hallowell, E. M. / Ratey, J. J. (1998) Zwachhaft zerstreut. ADD – Die Unfähigkeit, aufmerksam zu sein, Rowohlt, Reinbek Hubrig, C./Herrmann, P. (2005) Lösungen in der Schule – Systemisches Denken in Unterricht, Beratung und Schulentwicklung, Carl-Auer, Heidelberg Hüther, G. / Bonney, H. (2002) Neues vom Zappelphilipp. ADS: verstehen, vorbeugen und behandeln, Walter Verlag, Düsseldorf, Zürich
    Imhof, M. u.a. (2000/2) Aufmerksamkeitsgestörte, hyperaktive Kinder und Jugendliche im Unterricht, Donauwörth Juul, J. (1997) Das kompetente Kind, rororo, Reinbek Juul, J./Jensen, H. (2004) Vom Gehorsam zur Verantwortung – Für eine neue Erziehungskultur, Düsseldorf/Zürich
    Köckenberger, H. (2001) Hyperaktiv mit Leib und Seele. Mit neuen Perspektiven verstehen, bewegen und entspannen, borgmann publishing, Dortmund Kölsch, H./Wagner, F.-J. (1998) Erlebnispädagogik in Aktion – Lernen im Handlungsfeld Natur, Bd. 4, Neuwied Kolthoff, M. (2006) Gesprächskultur mit Kindern, Weinheim/Basel Korczak, J. (1998) Kinder achten und lieben, Herder spektrum, Freiburg Krawitz, R. (1995) Pädagogik statt Therapie, Bad Heilbrunn Krowatschek, D. (1996) Überaktive Kinder im Unterricht – Ein Programm zur Förderung der Selbstwahrnehmung, Strukturierung, Sensibilisierung und Selbstakzeptanz unruhiger Kinder im Unterricht und in der Gruppe, Dortmund Krowatschek, D. (2001) Alles über ADS. Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer, Düsseldorf Krowatschek, D. (2003) ADS und ADHS. Diagnose und Training (Materialien für Schule und Therapie), Borgmann, Dortmund Leuzinger-Bohleber, M. u.a. (2006/2) ADHS – Frühprävention statt Medikalisierung. Theorie, Forschung, Kontroversen, Göttingen Lotze, M. (2003) Multimodale Systemische Therapie mit einem „Hansdampf in allen Klassenzimmern In: Zf. Systemische Therapie, H. 4, S. 211 Lüpke von, H. (2001) Hyperaktivität zwischen „Stoffwechselstörung“ und Psychodynamik. In: Passolt, M. (Hg.) Hyperaktivität zwischen Psychoanalyse, Neurobiologie und Systemtheorie, Ernst Reinhardt Verlag, München/Basel, S. 11 Mumbach, B. (2006/2) ADS erstehen und ganzheitlich heilen, Freiburg Omer, H./Schlippe, v. A. (2002) Autorität ohne Gewalt, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen Omer, H./Schlippe v., A. (2005) Soziale Störungen und Gewalttätigkeit in der Schule – Lehrerinnen und Lehrer lernen gewaltfreien Widerstand, Folge II. In: Pädagogik, H. 2/2005, S. 42-47 Pagel, R. (2003) Psychiatrische Pillen statt Pädagogik – Kritische Anmerkungen zur ADHS- Diagnose und der damit verbundenen Verabreichung von Ritalin In: Pädagogische Korrespondenz, H. 30, S. 43 Pisarsky, B./Mickley, M. (2003) Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder über die Nützlichkeit eines therapeutischen Konstrukts In: Zf. für Systemische Therapie, H. 3, S. 168 Pleyer, K. H. (2003) “Parentale Hilflosigkeit”, ein systemisches Konstrukt für die therapeutische und pädagogische Arbeit mit Kindern In: Familiendynamik, H. 4, S. 467 Raschendorfer, N. (2003) ADS – Und wenn es das gar nicht gibt? Handlungsalternativen und Strategien für den Alltag, Bochum Reiser, M. L. (1996) Kindliche Verhaltensstörungen und Psychopharmaka, Ernst-Reinhardt- Verlag, München, Basel Schmela, M. (2004) Vom Zappeln und vom Philipp. ADHS: Integration von familien-, hypno- und verhaltenstherapeutischen Behandlungsansätzen, Heidelberg Schneider, W. (2004) Verhaltensstörungen gibt es nicht. In: Behinderte, H. 3/4/2004, S. 34 Singer, K. (1998) Die Würde des Schülers ist antastbar – Vom Alltag in unseren Schulen – und wie wir ihn verändern können, rororo, Reinbek Smith, H. (1998) Unglückliche Kinder. Fakten, Ursachen, Hilfen, Patmos-Verlag, Düsseldorf Stein, R. / Faas, A. (1999) Unterricht bei Verhaltensstörungen. Ein integratives Modell, Luchterhand, Neuwied Tschöpe-Scheffler, S. (1999) Kinder brauchen Wurzeln und Flügel. Erziehung zwischen Bindung und Autonomie, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz Tschöpe-Scheffler, S. (2003) Fünf Säulen der Erziehung – Wege zu einem entwicklungsfördernden Miteinander von Erwachsenen und Kindern, Mainz Vogel, D. E. (2004) Der Blick ins Klassenzimmer – Systemisch-konstruktivistisches Arbeiten mit Schülern. In: Berufsbildende Schule (BbSch), H. 2/2004, S. 48ff. Voß, R. / Wirtz, R. (2000) Keine Pillen für den Zappelphilipp, Alternativen im Umgang mit unruhigen Kindern, rororo, Reinbek Voß, R. (1992/2) Anpassung auf Rezept, Klett-Cotta, Stuttgart Voß, R. (Hg.) (2000) Verhaltensauffällige Kinder in Schule und Familie, Neue Lösungen oder alte Rezepte?, Luchterhand, Neuwied Weinhardt, M. u.a. (2005) Gleichaltrige als Ansprechpartner in Lebenskrisen – Krisenhilfe durch Peerberatung. In: Pädagogik, H. 4/2005, S. 22-26 Wilson, J. (2003) Kindorientierte Therapie – Ein systemisch-kooperativer Ansatz, Carl-Auer, Heidelberg

  57. verhaltensoriginell
    26. Februar 2012, 13:08 | #57

    Das es viele gibt die den aktuellen Stand der Wissenschaft konsequent Ignorieren ist doch nichts neues (Danke für die Vorführung) dass man dort sowas wie einen Patmos Verlag und andere findet ist auch zu erwarten (ein religiöser Verlag der sich des ADHS annimmt aha, was soll da schon dabei rauskommen?)

    Das sind doch alles möchtegern Schreiber die auf der Welle des Hüther Platz nehmen… belegen kann keiner von denen was er behauptet.

  58. 26. Februar 2012, 13:37 | #58

    @verhaltensoriginell

    Genau, dass es Ignoranten jeglicher von der eigenen Meinung abweichenden wissenschaftlichen Forschung gibt, wird an deinem Beispiel wunderbar sichtbar. 😉

    Gott sei Dank ist dümmliche Borniertheit in der wissenschaftlichen Gemeinde ( zu der du ganz offensichtlich nicht gehörst) nicht verbreitet.
    Träum weiter!

  59. verhaltensoriginell
    26. Februar 2012, 13:44 | #59

    Herr Becaude, wie ist denn der aktuelle wissenschaftl. Stand zu ADHS. Klären Sie mich dann doch mal auf! 🙂

  60. 26. Februar 2012, 13:49 | #60

    Wieso sollte ich jemanden aufklären, der alles „besser weiss ( werden auch Dogmatiker genannt)“? 😉

    Falls sich mal einer hierher verirrt und deine Texte liest, wird er sich sein eigenes Bild machen, gell! 🙂

  61. das Kaninchen
    26. Februar 2012, 14:04 | #61

    @ „G Becaud“ (der Anthro, der hier unter vielen Namen spammt)

    wann ziehst du endlich deinen Guru Rudolf Steiner aus dem Hut?

    den Rudolf Steiner, Scharlatan, der zu allem was zu sagen hatte …

  62. verhaltensoriginell
    26. Februar 2012, 14:49 | #62

    G Becaud :
    Wieso sollte ich jemanden aufklären, der alles “besser weiss ( werden auch Dogmatiker genannt)”?
    Falls sich mal einer hierher verirrt und deine Texte liest, wird er sich sein eigenes Bild machen, gell!

    Der Herr zieht den Schwanz ein?

  63. Antitainment
    26. Februar 2012, 15:34 | #63

    Irgendwie arbeite ich schon seit mittlerweile knapp 10 Jahren einrichtungsuebergreifend mit dem entsprechenden Klientel in enger Verzahnung mit den entsprechenden medizinischen und psychologischen Fachkraeften und erstaunlicherweise bin ich da noch an keinen geraten, der erfolgreich die Meinung eines Hr. Becaud praktiziert hat.
    Das liegt wahrscheinlich daran, dass die ihr Wissen nicht auf Zeitungsartikel und Journalisten stuetzen und die Schwurbler erfolglos in der Versenkung verschwinden – Oder aber ihr geballtes Fachwissen in der Kommentarabteilung auf Esowatch abladen, da die boese Realitaet aka Pharmaverschwoerung ihnen irgendwie nicht Recht geben will.
    Aber Kopf hoch, hier ist immer ein Plaetzchen frei fuer den Hobbykuechenpsychologen; sind eben alles pharmafinanzierte Dogmatiker ausser Rudi…aeehh Mutti.

  64. 26. Februar 2012, 16:13 | #64

    @Antitainment
    Auf welchem Planeten bist du denn einrichtungsübergreifend tätig? 😉

    Auf der Erde ist mir das jedenfalls in meiner langjährigen selbstständigen und unabhängigen Berufspraxis nicht passiert. Was mich wundert ist, dass hier selbstdeklarierte Pädagogen meinen die Wissenschaft mit Löffeln gefressen haben und sich in ihren Elfenbeinturm zurückziehen.

    Du bist in 10 Jahren also noch auf niemanden gestoßen, der Bedenken gegen das Nicht- Durchführen von multimodaler Therapie hatte und der nicht befürchtet, dass die Medikamentenvergabe allzu leichtfertig vorgenommen wird und der nicht darüber berichten kann, dass keine ausreichend professionelle Diagnostik vorgenommen wird?????

  65. 26. Februar 2012, 16:19 | #65

    @das Kaninchen

    Hi canejolito,

    sind doch toll die Anthros, oder? 🙂

    http://www.youtube.com/watch?v=x8Kp2N_HAG8&feature=related

  66. Antitainment
    26. Februar 2012, 16:20 | #66

    Na was dir nicht alles nicht passiert ist.
    Die Freude meine Berufspraxis mit dir hier zu besprechen mach ich dir zu allem Ueberfluss auch nicht…noch was fuer deine Liste, aber da kann man sicher auch einen schoenen weiteren Strohmann draus basteln.
    Mit den besten Wuenschen von der Erde und Vorsicht bei der Landung.

  67. 26. Februar 2012, 16:26 | #67

    @Antitainment

    Ach Antitainment, ist das nicht jetzt ein wenig plump auch für diesen blog?

    Hier noch mal meine Frage an dich:
    Du bist in 10 Jahren also noch auf niemanden gestoßen, der Bedenken gegen das Nicht- Durchführen von multimodaler Therapie hatte und der nicht befürchtet, dass die Medikamentenvergabe allzu leichtfertig vorgenommen wird und der nicht darüber berichten kann, dass keine ausreichend professionelle Diagnostik vorgenommen wird?????

  68. das Kaninchen
    26. Februar 2012, 16:48 | #68

    @ „G Becaud“ (der Anthro, der hier unter vielen Namen spammt)

    wie „toll“ Anthroposophen sind, sieht jeder an deinen „tollen“ Kommentaren.

    „toll“, so wie „verrückt“, nur damit der Anthro-Scharlatan versteht, was gemeint ist.

  69. 26. Februar 2012, 17:16 | #69

    @canejolito

    Warum die Skeptiker sauer sind ….. 🙂

    http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=FnnDR0BLr0I

    Gott hörte die Beschwerden ….. *lol*

  70. 26. Februar 2012, 17:19 | #70

    @verhaltensoriginell

    Huuuch, wer schmeisst denn da mit Wattebäuschchen 😉

    http://www.youtube.com/watch?v=HyBZYo3C8TQ&feature=related

  71. verhaltensoriginell
    26. Februar 2012, 17:55 | #71

    trollalarm

  72. verhaltensoriginell
    26. Februar 2012, 18:14 | #72

    Antitainment :
    Na was dir nicht alles nicht passiert ist.
    Die Freude meine Berufspraxis mit dir hier zu besprechen mach ich dir zu allem Ueberfluss auch nicht…noch was fuer deine Liste, aber da kann man sicher auch einen schoenen weiteren Strohmann draus basteln.
    Mit den besten Wuenschen von der Erde und Vorsicht bei der Landung.

    Herr Becaud ist die Reinkarnation von Steiner? So richtig? Mit Scheiße im Hirn? (Das würde übrigens einiges erklären!)

  73. Antitainment
    26. Februar 2012, 18:16 | #73

    Becaud hat eigentlch ein dickes Lob verdient, denn besser haette man die Ueberschrift „Mit Moralin gegen Ritalin“ nicht darstellen koennen.
    Dazu noch das klassische Eso-Vokabular (Dogmatiker, Pharmafinanzen etc.) und sinnfreie YT-Links.
    Daumen hoch, wenn er jetzt noch anfaengt zu reimen ist die Sache rund.
    Chapeau Hr. Becaud, wer solche Mitstreiter in seiner Sache hat, der braucht keine Kritiker mehr. 🙂

  74. Ponder
    27. Februar 2012, 12:59 | #74

    Hier eine aktuelle Stellungnahme derAG ADHS der Kinder-und Jugendärzte zur unwissenschaftlichen und verzerrten Medienberichterstattung zu ADHS:

    http://www.ag-adhs.de/aktuelles.html

    …Gegen diesen schlechten Journalismus zu argumentieren ist sinnlos, denn alles Sachliche dazu ist an vielen Stellen schon gesagt und nachlesbar (z.B.http://www.adhs.info/).

    Die zitierten Ärzte wurden missverstanden, ihre Aussagen verkürzt und in einen anderen Zusammenhang gestellt oder sinnentstellend verknüpft. Leider geht man, wenn man sich auf Interviews oder die Zusammenarbeit mit den Medien einlässt – in der Hoffnung mehr Sach- und Fachwissen zu verbreiten – immer ein hohes Risiko ein, für andere journalistische Ziele missbraucht zu werden

    Wie ADHS sinnvoll zu diagnostizieren und zu behandeln ist, steht in unserer Leitlinie (www.ag-adhs.de), wie man das praktisch umsetzt, kann man im Durchführungsprotokoll des Zentralen ADHS-Netzes nachlesen und um eine angemessene Honorierung für diese wichtige Arbeit kämpft die AG ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V. mit den BVKJ zusammen seit Jahren.

    Informieren Sie sich bei uns und anderen seriösen Informationsstellen:www.BZGA.de.

    Als Kinder- und Jugendarzt werden Sie Mitglied in der AG ADHS, arbeiten bei uns mit und betreuen die Patienten mit einer ADHS und ihre Familien sachgerecht, dauerhaft und frei von Zeitgeist und Ideologien!

    Lassen Sie sich nicht von den Medien falsch informieren, verschrecken und von der eigentlichen ärztlichen Arbeit abhalten…

  75. Esocore
    6. März 2012, 12:24 | #75

    Gestern in der Süddeutschen: Artikel von Christoph Türcke zu AD(H)S und dem Zusammenhang von Hirnstörung und Kulturstörung; für Feuilleton-Verhältnisse überraschend neurobiologielastig. Konnte es bislang nicht online finden, daher leider kein Link.

  76. Ponder
    6. März 2012, 21:35 | #76

    Hier die Stellungnahme eines der großen Selbsthilfeverbände zu den jüngsten Verirrungen der ADHS – „Berichterstattung“ in der FAZ:

    http://www.tokol.de/forum/index.php/topic,18761.msg255743.html#msg255743

  77. Geheimrat
    1. April 2012, 17:57 | #77

    Und ihr könnt schreien und euch ärgern wie ihr wollt: Auch in Deutschland wird entsprechend dem Kinderpsychiater Michael Winterhoff häufig falsch ADHS diagnostiziert und die Kinder mit
    Ritalin ruhiggestellt. Inzwischen ist es bewiesen:
    http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49712/berdiagnose-von-ADHS-und-Autismus

  78. Ponder
    1. April 2012, 22:47 | #78

    Na, dann leg mal los, Geheimrat:

    was soll daran ein „Beweis“ sein?

    Die Aussage der Studie ist schon deshalb unbrauchbar, weil außer diagnoseberechtigten Ärzten und Klin. Psychologen auch einer unklaren Gruppe von Ergotherapeuten oder sonst wem die Vignetten zugeschickt wurden. Letztere sind aber gemäß Leitlinien gar nicht berechtigt, überhaupt eine Diagnose zu stellen.

    ADHS wird außerdem vorrangig über das klinischen Interview , m.a. W. nicht ohne einen direkten klinischen Eindruck diagnostiziert.

    Weiterhin ist es nichts Neues, dass z.B. eine vordergründige Orientierung an Kriterien wie Hyperaktivität und/oder damit in Verbindung gebrachte Verhaltensstörungen gar nicht die Kernsymptomatik von ADHS darstellen.

    Dieses Vorurteil wird aber nun gerade durch die ritalinkritische Sensationsberichterstattung („lebhafte Jungs sollen mittels Medikament systemkonform gemacht werden“) in den Köpfen perpetuiert.
    So schießt sich die Ritalinkritik eben selbst ein Eigentor:

    durch ihre aggressive und verzerrte völlig einseitige Etikettierung einer komplexen Regulationsstörung trägt sie selbst in hohem Maße dazu bei, dass überholte Konnotierungen hinsichtlich ADHS sich nur schwer auflösen lassen und beispielsweise Träumer (oft – aber nicht nur – Mädchen) zu spät oder viel zu selten erfasst werden.

  79. 1. April 2012, 22:58 | #79

    Danke Ponder! Dachte mir beim Lesen des Artikels schon, dass an der Sache irgendwas faul ist.

  80. Tupper
    1. April 2012, 23:12 | #80

    Und was ist damit?
    Ich hoffe, ich nerve nicht, aber ich wusste, ich hatte was beiläufig gelesen und fand es bis eben nicht wieder. Hier kann ich wenigstens einmal Fragen stellen (Betroffene kenne ich nämlich nicht, nur das Gerede höre ich öfter).
    aus: http://www.sciencedaily.com/releases/2012/03/120330081735.htm – und auf dieser Seite stehen noch jede Menge Links zu Studien zum Thema.
    Ich zitiere mal ohne zu übersetzen : „Male and conspicuous: the „prototype“ makes the difference

    Many child and adolescent psychotherapists and psychiatrists seem to proceed heuristically and base their decisions on prototypical symptoms. The prototype is male and shows symptoms such as motoric restlessness, lack of concentration and impulsiveness. In connection with the gender of the patient, these symptoms lead to different diagnoses.“

    Wie ist das anders zu verstehen, als dass es zu viele (vermutlich) Fehldiagnosen gibt?

  81. Tupper
    1. April 2012, 23:14 | #81

    Ach so: zur Sicherheit: (eines ist von der Ruhruni)
    Journal References:
    Katrin Bruchmüller, Silvia Schneider. Fehldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom? Psychotherapeut, 2012; 57 (1): 77 DOI: 10.1007/s00278-011-0883-7
    Katrin Bruchmüller, Jürgen Margraf, Silvia Schneider. Is ADHD diagnosed in accord with diagnostic criteria? Overdiagnosis and influence of client gender on diagnosis.. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 2012; 80 (1): 128 DOI: 10.1037/a0026582

  82. Tupper
    1. April 2012, 23:18 | #82

    Auch den Link nenne ich nicht Sensationsberichterstattung, ist aber schon älter
    http://www.sciencedaily.com/releases/2010/08/100817090802.htm
    Tut mir Leid, ich kann es halt nicht beurteilen …

  83. Geheimrat
    2. April 2012, 08:05 | #83

    Die Aussage der Studie ist schon deshalb unbrauchbar, weil außer diagnoseberechtigten Ärzten und Klin. Psychologen auch einer unklaren Gruppe von Ergotherapeuten oder sonst wem die Vignetten zugeschickt wurden. Letztere sind aber gemäß Leitlinien gar nicht berechtigt, überhaupt eine Diagnose zu stellen.</blockquote

    Wo steht das denn, dass "einer unklaren Gruppe von Ergotherapeuten oder sonst wem die Vignetten zugeschickt wurden"?
    Das Ärzteblatt schreibt nur von Psychotherapeuten und Psychiatern. Hast du andere Informationen? Dann bitte hier veröffentlichen, ansonsten Schnauze halten und keine Falschinformation streuen.

    Und wer sagt eigentlich, dass man gegen Ritalin sein muss, wenn man den Fakt, dass ADHS häufig falsch diagnostiziert wird wird, nicht ignoriert? Deine Paranoia?
    Ein sinnvoller Einsatz von Ritalin, wo angebracht, steht doch überhaupt nicht im Widerspruch zur festgestellten Überdiagnose! Wissenschaftler kannst du nicht sein.

  84. Ponder
    2. April 2012, 09:45 | #84

    @ Geheimrat:

    Nein, im Ärzteblatt steht davon nichts.
    Aber weil ich Wissenschaftler bin, habe ich mir schon vor einiger Zeit die Originalpublikation angesehen und nicht nur eine tendenziöse Pressenotiz, die auch nicht faktentreuer ist, nur weil sie kürzlich ins „Ärzteblatt“ lanciert wurde…

    Es hat übrigens schon vor einiger Zeit der Dipl. Psych. Piero Rossi zu dieser Studie gebloggt:

    http://adhsspektrum.wordpress.com/2012/02/20/overdiagnosis/

    …Sonderbar ist, dass es sich bei den “Fachpersonen” nicht nur um Kinderpsychologen und Psychiater handelt, sondern auch um Sozialarbeiter. Und dies, obwohl diese Berufsgruppe weder ausgebildet noch befugt ist, psychiatrische Diagnosen zu stellen.

    Nun müsste ich noch wissen, wie gross der Anteil der Sozialarbeiter war. Knapp 17 %?*

    Ich wollte ohnehin anfragen, wie er abschließend die Publikation einschätzt. 😉

  85. Ponder
    2. April 2012, 11:09 | #85

    @ Tupper:

    @ Tupper:

    Erst mal danke für die differenzierte Anfrage.

    Ich bin eigentlich in Ferien und kann daher jetzt nur oberflächlich antworten, v.a. nicht die Originalpublikation eingehend würdigen – dies würde auch den Rahmen des Blogs sprengen und ggfs in eine Fachdiskussion ausarten, die jeden langweilt.

    Grundsätzlich:
    ich habe schon dargelegt, dass eine bekannte diagnostische Bias besteht zugunsten der vordergründigen und oft sehr augenfälligen, irritierenden Symptome von Hyperaktivität und pädagogisch schwer zu zügelnder Impulsivität bei (kleinen) Jungs.
    Hier wäre unbedingt noch nach Altersgruppen zu differenzieren:
    was bei einem 6-8-jährigen noch als normal zu bewerten wäre, wäre bei einem Zehnjährigen (der etwa häufig in der Unterrichtsstunde aufspringt, um einen Mitschüler zu boxen, nur weil dieser ihn schief angeschaut hat) eine Auffälligkeit, deren Ursache abgeklärt werden müsste.

    Ob die immer wieder in der Fachliteratur tradierte zu erwartende Geschlechterverteilung von 3:1 Jungen zu Mädchen nicht ohnehin einer solchen Bias geschuldet ist?
    Das bedarf noch einmal einer eingehenden Erforschung – vermutlich werden sich die Zahlenverhältnisse zugunsten der Mädchen und Frauen verschieben, wenn die neuen Diagnosekriterien nach DSM V hoffentlich demnächst Berücksichtigung finden.

    „Gefühlt“ schätze ich , dass aufgrund der lange üblichen (Fehl-) Bezeichnung „Hyperkinetisches Syndrom“ statt „Aufmerksamkeitsdefizit – (Hyperaktivitäts) – Störung und der dies bezüglich verfestigend wirkenden Boulevardberichterstattung tatsächlich eine Tendenz besteht, quirligen und schwer zu führenden Grundschulbuben bei entsprechender Ausgeprätheit dieser Symptomatik die Diagnose ADHS vorschnell zu verpassen.
    Allerdings werden auf der anderen Seite die Träumer-ADSler immer noch viel zu häufig übersehen, und dies hat katastrophale Folgen für die betroffenen Kinder. Im Abstract der Studie klingt dies an, ohne dass darauf weiter kritisch würdigend eingegangen wird. Hier scheint mir aber u.U.der eigentliche indirekte Wert der Ergebnisse dieser zu liegen 😉

    Ich denke, dass eine solche Studie durchaus ihren Wert haben kann, wenn der Pool der untersuchten Diagnostiker sorgfältig und nachvollziehbar definiert und und im Diskussionsteil beispielsweise auf die Problematik der über die Jahre sehr unterschiedlichen Diagnosekriterien für ADHS eingegangen wird:

    Hier hat sich ja im Laufe der vergangenen 30 Jahre ständig der Fokus verschoben – je nachdem welche Phase den individuellen Diagnostiker/Therapeuten besonders geprägt hat, wird er einzelne Aspekte besser und andere womöglich schlechter verinnerlicht haben.
    Waren die Teilnehmer der Studie überhaupt auf einem vergleichbaren Level in Ausbildung und Klinischer Erfahrung?

    Seit neuestem bietet das Zenrale ADHS-Netz ein vereinheitlichtes Protokoll für die Diagnostik an:

    http://www.zentrales-adhs-netz.de/fileadmin/ADHS/Newsletter/Bestellschein_Hogrefe.pdf

    Künftige Untersuchungen sollten sich aus Gründen der Vergleichbarkeit auf dieses Protokoll beziehen.
    Um Vergleichbarkeit herzustellen, müsste man eigentlich eine größere Therapeutenkohorte nach solchen klar definierten Kriterien schulen und dann z.B. nach einem Jahr die Vignetten zuschicken.

    In ähnlicher Art bietet ja das Deutsche Ärzteblatt zu bestimmten Themen Fortbildungen an, bei denen im Anschluss an einen Fachartikel zum derzeitigen „state of the art“ Multiple Choice- Fragen präsentiert werden.
    Über diese Feedbackschleife können Fortbildungspunkte gesammelt werden.

    Warum nicht auch einmal mit Fall-Vignetten und ergänzend online zugänglichen Videoclips mit einer anonymisieten klinischen Fallpräsentation und – noch besser – der Möglichkeit, differenzialdiagnostische Überlegungen anzustellen und entsprechende Zusatzbefunde anzufordern? Dies ist im medizinischen e-learning durchaus schon üblich und würde eine bessere Vergleichbarkeit mit der tatsächlichen klinischen Situation herstellen.

    Über die Bewertung von Vignetten allein kann der umfangreiche differenzialdiagnostische Prozess doch nur verzerrt und verkürzt abgebildet werden und daher lassen sich aus den Ergebnissen der Studie eben nur begrenzt Rückschlüsse auf die tatsächliche klinische Praxis ableiten.

  86. Ponder
    2. April 2012, 12:01 | #86

    @ Tupper:

    Zu deiner impliziten Anfrage nach Sensationsberichterstattung:

    Dazu zähle ich die kürzlich stereotyp verbreitete Falschinformation „90 % der ADHS-Diagnosen sind falsch“, die auch noch Frau Prof. Ulrike Lehmkuhl von der Charité in den Mund gelegt wurde.

    Der von „Geheimrat“ hier eingestellte Link zum Ärzteblatt-Artikel wirkt oberflächlich seriös, vermengt aber gleich noch das Thema Autismus mit der ADHS-Fragestellung und vermischt darüber hinaus zusätzlich deutsche und amerikanische Erhebungen:

    Bochum – In Deutschland wird die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung ADHS zu häufig gestellt. Dies zeigt eine Studie in den Journal of Consulting and Clinical Psychology (2012; 80: 128-138). Die Centers for Disease Control and Prevention berichten in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2012; 61: 1-19), dass die Diagnosen an Autismusspektrums-Störung in den USA einen neuen historischen Gipfel erreicht haben. Auch wird eine Überdiagnose als Ursache diskutiert.

    Zu der von dir verlinkten „seriösen“ Quelle

    http://www.sciencedaily.com/releases/2012/03/120330081735.htm

    Diagnostic inflation, more medication, higher daily doses

    In the past decades the diagnoses ADHD have become almost inflationary. Between 1989 and 2001, the number of diagnoses in German clinical practise increased by 381 percent.

    eine solche Aussage ist hochgradig suggestiv und sinnlos:

    Wenn ein Störungsbild bislang einfach (in Deutschland) nicht als solches bekannt bzw. anerkannt war, dann ist eine in Prozenten ausgedrückte Angabe zum Anstieg der Diagnosehäufigkeit nur dann überhaupt sinnvoll, wenn als Bezugsgröße die statistisch erwartbare Prävalenz der Störung genannt wird.

    Nun variiert diese erwartbare Prävalenz größenordnungsmäßig zwischen 3,5% (nach ICD) und ca 6% (nach DSM): d.h. schon unter Zugrundelegung der beiden unterschiedlichen Manuals ergibt sich eine Differenz von 50% in der statistisch erwartbaren Häufigkeit.

    Was uns also eigentlich interessieren müsste ist, ob in diesen „inflationären 381 %“ die statistisch erwartbare Prävalenz von ADHS in der deutschen Bevölkerung erreicht oder überschritten wurde, und dies noch differenziert nach ICD und DSM und hier wieder bezogen auf die verschiedenen Phasen von DSM im Referenzzeitraum des Artikels, also zwischen 1989 und 2001, Inzwischen haben wir aber 2012…

    The costs for ADHD medication, such as for the performance-enhancer Methylphenidate, have grown 9 times between 1993 and 2003. The German health insurance company, Techniker, reports an increase of 30 percent in Methylphenidate prescriptions for its clients between the ages of 6 and 18. Similarly, the daily dosage has increased by 10 percent on average…

    Hier wird schnell mal eben der Begriff „Performance Enhancer“ einem Medikament attributiert, welches bei ADHS zu rein therapeutischen Zwecken lege artis verschrieben wird.
    Mit Neuroenhancement hat das nichts zu tun, kommt aber durch die manipulative Wortwahl so an.

    Die Kosten der Technikerkrankenkasse für die Komorbiditäten und Folgen einer nicht diagnostizierten bzw unbehandelten ADHS müssten dem gegenüber gestellt werden.
    Es ist ja nicht so, dass diese Kinder nun ohne jede Diagnose und Behandlung bleiben, da sie praktisch immer mit großem Leidensdruck in die Praxis kommen.

    Antidepressiva z.B. sind um ein Vielfaches teurer als MPH (unretardiert), nebenwirkungsreicher und wirkungsärmer. Die häufigste Folge einer unbehandelten Träumer-ADS ist die Depression.

    Wenn eine korrekte ADHS-Diagnostik und Therapie (welche häufig eine Medikation einschließt) hilft, Depressionen, Angststörungen (Schulphobien) und Schlafstörungen zu vermindern, dann ist dies nicht nur für die Betroffenen segensreich, sondern entlastet die Kassen von unnötigen Kosten.

  87. Ponder
    2. April 2012, 12:37 | #87

    @ Geheimrat:

    Wo steht das denn, dass „einer unklaren Gruppe von Ergotherapeuten oder sonst wem die Vignetten zugeschickt wurden“?
    Das Ärzteblatt schreibt nur von Psychotherapeuten und Psychiatern. Hast du andere Informationen? Dann bitte hier veröffentlichen, ansonsten Schnauze halten und keine Falschinformation streuen.

    Es wäre eigentlich Aufgabe des Verfassers des Ärzteblatt-online-Artikels gewesen, einen Link zur Originalstudie zu setzen (und entsprechend auch zur Originalreferenz hinsichtlich der amerikanischen (!!) Daten mit verwursteten Autismus-Spektrumsstörung.
    Dass dies nicht geschehen ist, macht jeden Wissenschaftler a priori stutzig.

    Hier das Abstract:

    http://psycnet.apa.org/index.cfm?fa=buy.optionToBuy&id=2011-30100-001

    …We sent a case vignette to 1,000 child psychologists, psychiatrists, and social workers and asked them to give a diagnosis…

    Sorry, Geheimrat, denn es kam noch schlimmer:
    In der dritten Gruppe waren keine Ergotherapeuten (die haben einen seriösen medizinischen Hintergrund…), sondern Sozialarbeiter! 😀

    Lieber Geheimrat, dies noch persönlich mit auf den Weg:

    für ein solch schlechtes Benehmen wie du hier an den Tag legst, ist dein Nick ungünstig gewählt bzw. eröffnet dir noch gehörige Entwicklungsmöglichkeiten 😉

    Und wer die grundlegende wissenschaftliche Herangehensweise an Quellen offensichtlich nicht kennt, aber seinen Gesprächspartner mit pausbäckigen Unterstellungen anpupt:

    Wissenschaftler kannst du nicht sein.

    der entlarvt sich im Esowatch-Blog als Lachnummer!

  88. Tupper
    2. April 2012, 13:57 | #88

    @Ponder
    Vielen Dank, das war wirklich eine Antwort ! 🙂
    Ich halte es kurz, ich habe heute den zweiten Mini- Migränenafall des Jahres, deshalb.
    Aber … und ich weiß, Sätze, die mit ja aber beginnen, kann man sich auch gleich schenken … 😉
    Wie weit steht der deutsche – Verband – mit den amerikanischen Forschungseinrichtungen oder dem dortigen Verband in Verbindung?
    Kocht jeder seine eigene Suppe?
    Eigentlich sollte es, bei einem physiologischen Krankheitsbild, und das scheint es zu sein, doch keine Unterschiede zwischen Nationen geben

    Was dich jetzt an den originalen Veröffentlichungen stört, kann ich nicht begreifen, und konntest du mir nicht verständlich machen –
    also: Wenn Krankheitszahlen urplötzlich steigen, dann kann das heissen, dass das Bild erst bekannt wurde – es kann aber auch heissen, dass sich die Lebensumstände entsprechend änderten.
    War das wenigstens intuitiv verständlich ausgedrückt?
    ich fürchte nicht.
    Angststörungen und Depressionen können wahrlich von anderem kommen, und eineNahrungsmittelunverträglichkeit ist nur einer der Punkte, die gern vergessen werden. (Das weiß ich genauer, weil es mich traf.) (Und nein, einen Einleitungskurs musst du nicht halten – ich schaue mal auf der Netzseite nach.)

    Davon weg stimme ich dir mit Vorbehalt zu, was die manipulative Wortwahl angeht, doch das ist sie nur, wenn man die Abschnitte entsprechend liest. Wäre mir so nicht aufgefallen.
    … okay, jetzt kommen die Kopfschmerzen und das ist das Ende der Computerarbeit für heute. Vielen Dank jedenfalls für die ausführliche Auskunft 🙂

  89. Ponder
    2. April 2012, 14:06 | #89

    @ Geheimrat:

    Geheimrat
    2. April 2012, 08:05 | #83

    …Und wer sagt eigentlich, dass man gegen Ritalin sein muss, wenn man den Fakt, dass ADHS häufig falsch diagnostiziert wird wird, nicht ignoriert? Deine Paranoia?…

    Erklär doch mal meiner „Paranoia“ diese kleine Koinzidenz:

    am 2. April um 8:05setzt du hier dein freundliches Posting ab und zeitlich parallel dazu – etwas weniger freundlich… – ist in einem völlig unseriösen Blog Folgendes zu lesen, und zwar immer mit Referenz auf die Ruhruni-Publikation, welche aktuell offenbar in verschiedenen Varianten verbraten wird:

    http://www.mmnews.de/index.php/i-news/9623-ritalin-die-massendroge

    # 238 Berthold 2. April 2012 – 08:55

    Selbst in der Bild ist es mittlerweile geschrieben worden:

    „Bei Kindern und Jugendlichen wird zu häufig das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperakt­ivitätssyndrom (ADHS) diagnostiziert. Das haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Basel belegt, die bundesweit 473 Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und -psychiater befragten. Diese erhielten je eine von vier unterschiedlichen Fallgeschichten, sollten eine Diagnose stellen und eine Therapie vorschlagen. In drei der vier Fälle lag kein ADHS vor, nur ein Fall war eindeutig als ADHS-Störung diagnostizierbar. Auch bei den drei anderen Fällen lautete das Ergebnis aber trotzdem häufig ADHS. “

    http://www.bild.de…

    Wir wissen, das es den Leuten, die hier unbedingt wollen das nun jedes Kind unbedingt Ritalin verpasst bekommt, sehr stört, daß Ihre Machenschaften langsam auffliegen.

    Die Pharma-Menschen, die hier immer weiter die Umsätze für diese Droge (wird auf BTM-Rezept verschrieben) ankurbeln wollen, frage ich nun:
    Schämt Ihr Euch nicht die Gesundheit von gesunden Kindern fortgesetzt zu schädigen nur wegen Geld?

    Auch Hans Reinhard Schmidt tutet gerade in dieses Horn:

    …Und nun wurde in diesen Tagen in der Schweiz untersucht, ob sich Fachleute an die offiziellen Diagnoserichtlinien halten, wenn sie gebeten werden, eine ADHS-Diagnose bei Kindern zu stellen. Im Unterschied zu den vorgenannten Studien, in denen bereits existierende Diagnosen nachgeprüft wurden, wurden hier die Diagnostiker direkt zu vorgegebenen Fallvignetten befragt, was sicherlich ein besonders strenges Kriterium darstellt. Und dennoch stellten auch hier 17 % der 1000 einbezogenen Diagnostiker falsche Diagnosen, bei Jungen sogar doppelt so häufig wie bei Mädchen, obwohl die Symptomatik dieselbe war.

    Auch sonst gibt es einen Wildwuchs an ADHS-Diagnostik, die mangelnde Reliabilität und Objektivität der Diagnosepraxis ist hinreichend belegt. Manche Diagnostiker orientieren sich an ihrem Bauchgefühl (Winkler), andere immer noch an Methylphenidat als Diagnostikum nach dem Motto: wenn es wirkt, ist es eben ADHS (Schimanski).

    ADHS wird viel zu oft und zu oft fasch diagnostiziert. Die Diagnose macht blind für psychologische Zusammenhänge.

    Quellen:
    Angold A, Erkanli A, Egger H.L, Costello E.J. (2000): Stimulant treatment for children: a community perspective. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 2000 Aug;39(8):975-84.
    Bruchmüller K, Margraf J, Schneider S. (2012): Is ADHD diagnosed in accord with diagnostic criteria? Overdiagnosis and influence of client gender on diagnosis. J Consult Clin Psychol. 2012 Feb;80(1):128-38.

    http://www.ads-kritik.de/

    Aber Schmidt ist zur Abwechslungimmerhin so seriös zu erwähnen, dass die Daten in der SCHWEIZ erhoben wurden.
    Damit ist es ohnehin fraglich, ob sie ungeprüft 1:1 auf deutsche Verhältnisse übertragen werden können – abgesehen von der unzulässigen Beimengung von Sozialarbeitern in der Gruppe der Diagnostiker.

    So, Herr Möchtegern-Geheimrat:

    Kommt noch was außer heißer Luft und dümmlicher Polemik?

  90. Ponder
    2. April 2012, 14:22 | #90

    @ Tupper:

    Wie weit steht der deutsche – Verband – mit den amerikanischen Forschungseinrichtungen oder dem dortigen Verband in Verbindung?
    Kocht jeder seine eigene Suppe?
    Eigentlich sollte es, bei einem physiologischen Krankheitsbild, und das scheint es zu sein, doch keine Unterschiede zwischen Nationen geben…

    Wie ich schon sagte besteht die Hauptschwierigkeit für die Vergleichbarkeit von Daten darin, dass über die Zeit und je nach Land unterschiedliche Diagnosekriterien zu Grunde gelegt wurden, sodass wir im Grunde bisher noch viele „Verunreinigungen“ in den erhältlichen Daten haben.

    Dies wird sich mit der neuen DSM V ändern.
    Eine Aufgabe des Zentralen ADHS-Netzes besteht ja gerade darin, hier Standardprotokolle, Qualitätskriterien und damit künftige Vergleichbarkeit herzustellen.

    Man ist schon länger inoffiziell dazu übergegangen, statt der in Deutschland eigentlich gültigen ICD 10- Kriterien die derzeit gültigen DSM IV -Kriterien bzw daran orientierte diagnostische Instrumente zu verwenden.

    Erst mit dem neuen Standardprotokoll (Link oben) werden wir eine bessere Vergleichbarkeit erhalten – entsprechende Fortbildung der Therapeuten und großflächige Anwendung vorausgesetzt.

    Alle neueren Forschungsdaten werden international ausgetauscht, und es haben sich entsprechende Fachgesellschaften gegründet.
    Alle zwei Jahre gibt es einen riesigen Weltkongress – im vergangenen Jahr in Berlin, im kommenden Jahr in Mailand:

    http://www.adhd-federation.org/

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