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Neutrinos, CERN und ein kaputtes Kabel

Es scheint, als sei das „schneller als das Licht Neutrino“, das im September des Vorjahres vom CERN gemeldet wurde und um 60 Nanosekunden zu früh ankam, auf ein defektes/schlecht angeschlossenes Kabel zwischen der GPS-Einheit und einem Computer zurückzuführen. Forscher aus aller Welt haben schon überlegt, wie sich dieses Ergebnis mit Einsteins spezieller Relativitätstheorie, die so schnelle Neutrinos verletzen würden, vereinbaren ließe.

Ein defektes Kabel, das jetzt entdeckt wurde, würde aber ebenfalls alles erklären. Man weiß allerdings zur Zeit noch nicht, ob das Kabel wirklich schuld ist; erst eine weitere Messung könnte hier Klarheit verschaffen.

Keine unerwartete Wendung. Nicht unerwartet insofern, da es nicht wahrscheinlich schien, dass dieses Messergebnis einer Verifizierung standhalten würde. Ein englischer Wissenschaftler hatte ja sogar gewettet, dass er seine Boxershorts aufisst, wenn Neutrinos wirklich schneller sind als das Licht.

Die Theorie sagt einfach ein anderes Verhalten voraus. Ein Fehler in der Theorie ist aber nun wieder unwahrscheinlicher geworden. Das Bedauerliche ist: Ein unerwartetes Ergebnis sorgt für Korrekturen und Verbesserungen der Theorie, die sich an die Messergebnisse anpassen muss. Überraschungen sind nicht schlecht, sondern sind für die Wissenschaft befruchtend.

Esowatch wird ja oft dafür kritisiert, dass wir scheinbar an allem zweifeln. Wir hätten Galilei und Semmelweis verfolgt, hätten sie heute gelebt. Ebenso die heldenhafte Forschung auf dem Gebiet der Kalten Fusion usw.

Dem ist nicht so. Wir hätten diesen hervorragenden Forschern applaudiert. Der Unterschied zwischen Ergebnissen wie den FTL-Neutrinos und „Erfindungen“ wie der von Rossi ist ganz einfach, dass die Wissenschaftler vom CERN Messergebnisse hatten und sich mit diesen im guten Glauben, selbst zweifelnd, an die wissenschaftliche Gemeinschaft mit der Frage gewendet haben: „Könnt ihr das erklären?“.

Bei kalter Fusion (mit der sich natürlich auch seriöse Wissenschaftler beschäftigen!), Perpetuum Mobile Geräten oder auch Themen wie Global Scaling gibt es jedoch keine echten Experimente und keine seriösen Daten. Die Behauptungen widersprechen nicht nur gängigen Theorien, es sind auch keine Daten vorhanden, welche die Behauptungen stützen würden.

Wissenschaft wandelt und korrigiert sich ständig. Es ist ein Prozess, der eben Wissen schafft. Schwurbelei wie Homöopathie ist aber Pseudowissenschaft, die nicht das Ziel hat, neues Wissen zu schaffen, sondern Glauben zu erhalten. Ein 200 Jahre altes Modell wird mit aller Gewalt am Leben erhalten, obwohl es allen Daten widerspricht. Ob sich FTL-Neutrinos nun als Schimäre erweisen oder nicht, in jedem Fall wird der Prozess der Wissenschaft Klarheit geschaffen haben.

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  1. Jens der Andere
    23. Februar 2012, 13:45 | #1

    Auch Dilbert befasste sich ja vor kurzem mit Forschung – aber die Ergebnisse führten zum Abbruch des Experiments.

    http://dilbert.com/strips/comic/2012-02-21/

  2. gesine
    23. Februar 2012, 20:10 | #2
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