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Harald Walach und das Missverständnis

Wieder einmal wird in der Zeitung über den Global-Scaling-Betrug berichtet. Hartmut Müller, der Initiator der ganzen Sache, hatte behauptet, mit Gravitationswellen alles Mögliche tun zu können, inklusive Lottoprognosen zu erstellen.

Dabei gab es auch Kontakte zur Europa Universität Viadrina, wo Müller über die Deutsche Gesellschaft für Energetische und Informationsmedizin e.V. (DGEIM) als Referent tätig war. Eine Übersicht über die Verbindungen des Global-Scaling-Netzwerkes findet man hier.

Wie man in der Zeitung liest, war laut zuständigem Institutsdirektor der Viadrina, Harald Walach, alles nur ein Missverständnis. Global Scaling sei ein „vollkommener Schmarrn“. Er kenne sich damit auch nicht aus, das sei alles zu kompliziert.

Aber Herr Walach, stellen Sie Ihr Licht doch nicht unter den Scheffel! Als Erfinder der Schwachen Quantentheorie sollten doch Kleinigkeiten wie Gravitationswellen für Sie nur ein Klacks sein. Zugegeben, ernsthafte Forscher halten das Zeug auch für kompletten Schmarrn, aber das würde Sie ja erst recht zur Koryphäe auf dem Gebiet machen.

Und waren Sie nicht noch 2011 Gutachter bei einer Masterarbeit im Bereich Global Scaling mit dem Titel „Der Kozyrev-Spiegel in der Praxis“? Eine überaus „faszinierende“ Arbeit, bei der es darum geht, mit Hilfe eines Aluminiumzylinders irgendwie die globale Zeitwelle zu manipulieren und einen Raum-Zeit-Kanal zu öffnen, oder so. Falls jemand in nächster Zeit vor hat Bullshit-Scrabble zu spielen, definitive Pflichtlektüre.

Irgendwie ist man nun aber verwirrt. Da sagen Sie, Sie kennen sich nicht aus und begutachten doch eine Masterarbeit zum Thema? Ach ja, wir erinnern uns. Alles ein Missverständnis. Das muss es sein. Schwamm drüber.

Im FAZ-Artikel heißt es weiter, die Zusammenarbeit mit der DGEIM sei beendet worden und der „wissenschaftliche Beirat“, in dem noch immer Anhänger des Global Scaling sitzen, werde auch bald „ausgemistet“. Ja, Schadenbegrenzung ist schwer.

Auf die Frage, wie das Institut überhaupt in diese Situation kommen konnte, herrschte laut Artikel Schweigen.

Wir können diesen impliziten Vorwurf der FAZ gar nicht verstehen. Mit Gravitationswellen die Lottozahlen vorhersagen? Seriöser geht es doch kaum! Da würde doch jeder ernsthafte Wissenschaftler sofort große Augen bekommen. Nicht zu vergessen, als Erfinder der „Schwachen Quantenphysik“, hat Herr Walach eindeutig klargestellt, über welch umfassende physikalische Sachkenntnis er verfügt.
Gar keine! Wie soll man so jemandem einen Vorwurf machen? Ahnungslosigkeit ist doch kein Verbrechen.

Herr Walach fühlt sich außerdem verfolgt. Als in der Süddeutschen Zeitung im August 2010 ein Artikel mit dem Titel „Magie im Hörsaal“ erschien, sah er sich zu einer Stellungnahme veranlasst.

Das stimme doch alles gar nicht, er werde nur von der „Nachfolgeinstitution der römischen Inquisition“, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), gemobbt. Sein Institut sei total seriös. Und das bisschen Voodoo-Kunde, das er anbiete, sei ja nur optional.

Es sind ja alle so gemein. Es gibt in der Welt so viel zu berichten! Warum schauen alle auf ihn? Anstatt sich um wirklich wichtige Themen zu kümmern, wie z.B. die Großkatastrophe im Hafen von Shanghai, als ein Sack Reis umfiel, sind alle hinter ihm und seinem Institut her. Wissenschaftsfundamentalisten überall!

Es ist schon eine veritable Hexenjagd. Erst 2010 ein kritischer Artikel. Und jetzt schon wieder einer. Die Medien überschlagen sich geradezu.

Herr Walach, liebe Universitätsleitung Viadrina, ein offenes Wort: Ist Ihnen das nicht peinlich?

  1. Nair as Saif
    24. April 2012, 14:13 | #1

    Hmm, Walach, Walach? Etwa verwandt mit dem Herrn hier:

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Datei:Jdwallach.jpg

    ???
    Ach nee, der schreibt sich ja mit doppel-l. Aber irgendwas scheint die Endsilbe -lach im Name mit dem Gehirn anzustellen! *lach*

  2. Holger
    24. April 2012, 15:17 | #2

    Meine Lieblingsstelle ist immer noch die hier:
    http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(10)60126-2
    Walach H, Lewith G.: „Homoeopathic remedies and drug-regulatory authorities“, Lancet 2010 Jan 23;375(9711):279
    Zitat: „We agree with Silvio Garattini and Vittorio Bertelé (Nov 7, p 1578)1 that homoeopathy is a nuisance. But instead of shelving it, as suggested, we suggest thinking twice: why do perfectly rational people continue to use irrational science and seem to find it effective?“
    Und weiter unten: „Homoeopathy is a scientific anomaly.“
    Er kriegt dann aber doch noch die Kurve… leider.

  3. Wolfgang
    24. April 2012, 16:27 | #3

    Ich habe mich kurz in diese „Master“arbeit rein gelesen und bin immer noch dabei meine Kinnlade vom Schreibtisch zu kratzen. Das kann doch nicht angehen, dass jemand Mist übereinander stapelt und dann dafür einen akademischen Grad erlangt? Wo leben wir denn? Ehrlich gesagt würde ich am liebsten meinen Master Grad postwendend retour schicken, denn viel ist er unter diesen Umständen nicht wert. Für was habe ich 7 Jahre studiert, wenn es für einen Mastergrad langt ein wenig Scharlatanerie und unwissenschaftlichen Unfug zusammen zu fassen? Dafür braucht man kein Studium… das findet man an jeder Ecke. Ich bin entsetzt.

  4. 24. April 2012, 18:08 | #4

    Ist die Authentizität der oben verlinkten Masterarbeit und ihre Annahme an der Viadrina verbürgt? Wenn ja, ist das ein hochschulpolitischer Skandal.

  5. Mr. Bojangles
    24. April 2012, 18:30 | #5

    @Joseph Kuhn
    Wir wissen es nicht sicher. Wir kennen das Ergebnis der Begutachtung nicht, hoffen inständig, dass sie in die Tonne getreten wurde.

    Aber allein, dass so eine Arbeit überhaupt existiert und eingereicht wurde, ist schon ein Skandal.

  6. Ponder
    24. April 2012, 18:51 | #6

    @ Joseph Kuhn:

    Ach, hier taucht das Ding aber ganz aktuell wieder auf – quasi als Literatur für einen Kurs:

    „Erfahrungstag mit dem Kozyrev Spiegel“

    Kursthemen:

    Der Kozyrev Spiegel, eine geniale Erfindung des russischen Astro­physikers Nikolai Kozyrev (1908 – 1983), ist ein Alu­minium-Zylinder mit einer Boden­fläche von ca. 1,8 m2. Beim Auf­enthalt in seinem Innern ist – nach aner­kannten wissen­schaftlichen Ergebnissen – das alltägliche Le­ben in Raum und Zeit aufgehoben und der Benutzer spürt einen kos­misch-universellen Rhythmus.

    Unter kompetenter Leitung von Dr.med. Manfred Doepp, aner­kannter Experte und Nuklear­mediziner, ler­nen die Teil­nehmenden die phan­tastische Wirkungs­weise dieses Ge­rätes kennen, können es unter fach­männischer Anleitung auch per­sön­lich tes­ten, dabei erste Er­fahrungen sammeln sowie bewusst eigene Impulse set­zen.

    Motto: «Wir werden so gesund, wie wir eigentlich sind und sein könnten».

    * Detaillierte Beschreibung des Kozyrev-Spiegels
    * Datenblatt zum Kozyrev-Spiegel
    * Masterarbeit zum Kozyrev Spiegel von Dr. med. Peter Conrad

    Teilnehmerprofil:

    Generell alle interessierten Menschen – mit oder ohne gesund­heitlichem Problem – die ihre Selbst­heilungskräfte sowie ihre telepathischen Fähig­keiten aktivieren möchten.
    Kursdauer: 1 Tag, 09:00 – ca. 17:00 Uhr abzüglich Mittag

    Achtung: Der effektive Kursbeginn ist individuell.

    Bitte Kursbestätigung beachten!

    Hinweis: Dieser Kurs wird von Dr. med. Manfred Doepp geleitet.

    Kurskosten: CHF 250.- / EUR 210.-

    http://www.fostac.ch/de/kurse/beschreibung/erfahrungstag-kozyrev-spiegel.html?changetogermanysite=false

  7. 24. April 2012, 18:58 | #7

    @Mr. Bojangles

    Gerade gegoogelt: http://www.metavital.eu/Artikel_Conrad.pdf, am Ende steht eine kurze Vita, danach hat Herr Conrad einen Master der Viadrina, d.h. die Arbeit wurde wohl angenommen. Unter dem Gesichtspunkt wissenschaftlicher Integrität muss man sich fragen, was Originalarbeiten dieser Art, die akademisch durch einen Titel gewürdigt werden, von Plagiaten nach Guttenbergscher Manier oder von Arbeiten mit gefälschten Daten unterscheidet. So etwas ist nicht akzeptabel.

  8. Mr. Bojangles
    24. April 2012, 19:09 | #8

    @Joseph Kuhn
    Ja, gegoogelt haben wir auch, nur haben wir keinen Beweis, dass *diese* Arbeit abgenommen wurde.

    Ich finde sogar, dass diese Arbeit zumindest für den Gutachter wesentlich blamabler ist. Denn bei einem Plagiat kann er sich auf die fachliche Korrektheit der Arbeit berufen. Er kann ja nicht wissen, ob Teile irgendwo abgeschrieben sind.

    Bei diesem Text gibt es keine Entschuldigung. Das gehört mit zum schlimmsten Mist den man im Internet findet.

  9. gesine
    24. April 2012, 19:10 | #9

    (Liebe Moderatoren, den letzten, umlautzerschossenen Kommentar könnt ihr bitte dem Recycling zuführen)
    .

    Nun, Joseph Kuhn, wird schon authentisch sein (ohne eine konkrete Nachfrage für unnötig zu halten) – immerhin existieren zu einem ähnlich reich-haltigen Thema nicht nur Vorträge wie der Senf vom Bernd an der FH/Wirtschaft Berlin, sondern auch die alte Diplomarbeit von Gebauer/Müschenich aus Marburg. Eine TV-Doku über die beiden letzteren, in denen sie als Kämpfer für die Erleuchtung der Menschheit brillieren, wurde damals mehrfach gesendet.
    .

    Ich wage nicht anzuzweifeln, daß mittlerweile zu diesen und ähnlichen Themen neuere, aber nicht weniger gräßliche urls im Angebot wären, doch meine Sammlung weist erschreckende Lücken auf…
    .

    (hat sich überschnitten)

    [edit Mod.: vorigen Kommentar nach Wunsch gelöscht, Überschneidung]

  10. Ponder
    24. April 2012, 19:30 | #10

    Und auch wenn Harald Walach eine weiter bestehende Verbindung seines Studiengangs zur DGEIM abstreitet, so wird dieses Paper nun immerhin von Dr. Manfred Doepp für seinen Forstac- Kurs als wissenschaftliche Legitimation verwendet – und Doepp ist nach wie vor im Vorstand der DGEIM:

    http://www.holisticcenter.de/kontakt.html

    …und hat auf seiner HP auch noch so manche Kuriosa im Angebot…

  11. gesine
    24. April 2012, 19:49 | #11

    muss man sich fragen

    Selbstverständlich sind alle drei Varianten nicht akzeptabel – doch von mir unterschiedlich gewertet. Die ‚anderen beiden‘ betrügen vorsätzlich (Unrechtsbewußtsein hin oder her) und solche Konstrukte fallen im üblichen Wissenschaftsbetrieb früher oder später automatisch auf.

    Doch bei solch höchst originelle Originalwerken, geschrieben im festen Glauben an die Sache und deren positive Auswirkung, müßten schon bei der allerersten flüchtigen Begutachtung sämtliche Alarmglocken schrillen, da grundsätzliche Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Arbeiten nicht eingehalten werden.
    Ist halt blöde, wenn durch Drittmittelfinanzierung ganzer Institute und die Besetzung derer Lehrstühle mit solch fachlich völlig unfähigen, doch (Walach bei einer Diskussion erlebt) charismatischen Schwaflern die üblichen Kontrollmechanismen zumindest innerhalb der Uni ausgehebelt werden.

    Vorsätzlicher Betrug ist ja schon schlecht & strafbar, aber eine aus monetären Gründen billigend in Kauf genommene Zersetzung der Wissenschaft und ihres Ansehens ist verabscheuungswürdig.

  12. Ponder
    24. April 2012, 21:33 | #12

    @ Joseph Kuhn:

    Dies dürfte Sie vermutlich besonders interessieren:

    Hier der Prospekt zum aktuellen Masterstudiengang – was man so nebenher alles an Qualifikationen und Ärztekammer-Akkreditierungen erwirbt (und dem zu Folge der Autor der oben verlinkten „Thesis“ vermutlich auch…) gibt doch zu denken. 🙁

    …Durch das Studium werden neben dem akademischen Grad eines Master of Arts
    Qualifikationen und Abschlüsse erworben, die in der Praxis von Ärzten, Apothekern, Psychotherapeuten und in anderen Bereichen des Gesundheitswesens der Qualitätssicherung
    dienen:

    Vollqualifikation

    • Psychosomatische Grundversorgung

    • Moderatorenausbildung (Leiter ärztlicher Qualitätszirkel, etc)

    • Ausbidlung zum ärztlichen Klangtherapeuten

    • Seminarleiterschein Autogenes Training (Abrechung
    krankenkassenanerkannter Entspannungsverfahren)

    Wichtigste Bausteine für die ärztlichen Zusatzbezeichnungen

    • Naturheilverfahren
    • Homöopathie

    Außerdem

    • Zahlreiche Fortbildungspunkte der Ärztekammern

    • Qualifikation für Forschung und Qualitätssicherung

    Die Abschlussarbeiten (Master Thesis) können dabei der Tradition einer reflektierten Erfahrungsmedizin folgen und eine Beschreibung und Diskussion von Therapienansätzen aus der eigenen Praxis enthalten. Darüber hinaus werden große Teile unseres Studiums von den Ärztekammern als Fortbildung zertifiziert, so dass Sie während der Dauer des Studiums von zwei Jahren gleichzeitig mehr als die vorgeschriebenen Fortbildungspunkte erhalten können…

    http://www.master-kmkh.eu/files/master-kmkh_2012.pdf

  13. 24. April 2012, 23:16 | #13

    @ Ponder:

    Was „Klangtherapeuten“ machen, weiß ich nicht, über die Homöopathie müssen wir nicht reden, der Rest klingt recht harmlos. Da gibt mir eher zu denken, dass daraus solche Masterarbeiten resultieren. Eine Übersicht über die Masterarbeitsthemen der letzten Jahre wäre interessant.

  14. 24. April 2012, 23:25 | #14

    … lt. dem verlinkten Prospekt kostet der Master 10.000 Euro plus diverse Zusatzkosten. Das erklärt vielleicht auch das eine oder andere: Was sich verkauft, wird geliefert.

  15. Ponder
    24. April 2012, 23:39 | #15

    @ Joseph Kuhn:

    na, dass man so nebenher die „Psychosomatische Grundversorgung“ und „Leitung von Ärztlichen Qualitätszirkeln“ bestätigt bekommt, wenn man eigentlich nur Huschi-Fuschi-Medizin kann, das finde ich schon skandalös!

    Zur „Klangtherapie“ kann ich Ihnen viele Informationen geben – neu ist, dass sie jetzt auch noch „Ärztliche Klangtherapie“ heißt (dabei gibt es eigentlich staatlich geprüfte Musiktherapeuten mit Musikstudium und Zusatzstudiengang… 🙁 )

    http://www.oberbergkliniken.de/veranstaltungsdetails/events/wendischer-fortbildungstag-96.html

    Der Kursleiter Hartmut Schröder ist Sprachwissenschaftler – meines Wissens zwar Reiki-Meister, aber ohne ärztliche oder psychotherapeutische Qualifikation

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Hartmut_Schr%C3%B6der

    …als ich ihn vor 2 Jahren recherchierte, hatte er nicht mal einen HP-Schein, ist aber verantwortlich für das Praxismodul „Biologische Schmerzmedizin“ und arbeitet u.a. mit einer Ganzkörper-Tambura.

    Über die „Hogwarts“-Master-Thesis kann ich mich nun nicht so furchtbar aufregen, denn das ist mir aus meinem Esowatch-Spezialgebiet, der Rirtalinkritik, nicht ungeläufig:

    die ganze Chimäre stützt sich allein auf Gerald Hühers Alleingang mit einer „Studie“, die auf einem finsteren Internetportal „vorabveröffentlicht“ wurde und die z.B. auch Gerd Glaeske völlig unkritisch selektiv immer wieder zitiert hat (und damit offiziell legitimiert…)

    Obwohl alle Welt dies weiß, hat die Uni Göttingen noch nicht geschafft und ist offenkundig auch nicht willens, Hüther endlich auch für die Öffentlichkeit sichtbar aus dem akademischen Umfeld zu entfernen.

    Genau dies ist der Effekt solcher „Master-Arbeiten“, auf denen ein akademisches Siegel prangt: von der Esoterik werden sie als Beweis „wissenschaftlicher“ Legitimation benutzt und immer weiter zitiert werden.

    http://www.oberbergkliniken.de/veranstaltungsdetails/events/wendischer-fortbildungstag-96.html

  16. Ponder
    25. April 2012, 00:01 | #16

    @ Joseph Kuhn:

    Eine Übersicht über die Masterarbeitsthemen der letzten Jahre wäre interessant.

    Als wir damals Walachs Studiengang recherchierte, war noch einiges an Informationen zu den unseriösen Forschungsprojekten auf den Seiten des IntraG zu finden.

    Vermutlich gibt es noch Material in unserem Archiv, so weit das gesichert werden konnte…

    Ein früherer Absolvent ist dieser hier:

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Marco_Bischof#Promotion

    2009 promovierte Bischof an der EUV zum Dr. phil. Seine Dissertation ist im Drachen-Verlag von Johannes Heimrath erschienen.[6]

    Gutachter waren Hartmut Schröder und die Ethnologin Beatrix Pfleiderer (geb. 1941), die als Lehrbeauftragte im Studiengang Komplementäre Medizin an der EUV genannt wird. Pfleiderer ist vor allem als Autorin von esoterisch ausgerichteten Sachbüchern in Erscheinung getreten. Unter anderem hat sie eine Therapiemethode namens „TARA-Process“ erfunden, die mit „dem alten asiatischen Wissen des Chakrensystems“ in Verbindung mit modernen Erkenntnissen „das gespeicherte Wissen in unseren Körperzellen“ zugänglich mache, die „Selbstregulation“ verbessere und die als geeignet zur Behandlung von psychisch traumatisierten Personen beworben wird.[7]

    In seiner Doktorarbeit beschäftigt sich Bischof mit der Salutogenese nach Antonovsky. Das Konzept der Salutogenese, als Lehre der Gesundheitsentstehung (im Gegensatz zur Pathogenese, der Lehre von der Krankheitsentstehung), sei ein „sehr notwendiger Perspektivenwechsel“ in der Medizin. Bischof hält diesen aber vorläufig und mit der heutigen Ärzteschaft für nicht realisierbar, da diese vor allem „am eigenen Machterhalt und an der Kontrolle des Gesundheitsmarktes“ interessiert sei.[8]

    Zum „gesundheitswissenschaftlichen Paradigmenwechsel“ – eine von Anhängern der Alternativmedizin häufiger benutzte Phrase – schreibt Bischof auch über die „Beiträge der Naturwissenschaften“. Dazu zählt er pseudowissenschaftliche Konzepte wie morphogenetische Felder, Kosmobiologie (eine Art Astrologie, von der sich die Befürworter der Kosmobiologie allerdings abzugrenzen versuchen) und Biophotonen.

    Bei den Biophotonen beruft er sich hauptsächlich auf eigene Texte. Auch die Quantentheorie solle „ein ganzheitliches und salutogenetisches Bild von Leben, Mensch und Gesundheit stützen“. Bischof schreibt dabei im Sinne einer Quantenmystik von „Fernwirkungen bisher unbekannter Natur, […] die alles mit allem verbinden und die Grundlage für die nahtlose Ganzheit der Realität sind“ usw…

  17. Ponder
    25. April 2012, 00:25 | #17

    @ Joseph Kuhn:

    ggfs muss man die Newsletter durchforsten, um einen Eindruck zu bekommen, was da tatsächlich akademisch vor sich geht:

    http://intrag.info/newsletter/2011-10/#7

    oder hier:

    http://intrag.info/aktuell/intrag-newskanal/

  18. 25. April 2012, 07:49 | #18

    @Ponder

    Den ganzen Studiengang will ich mir eigentlich nicht ansehen, zumal nicht alles, was dort genannt wird, unseriös ist und schon gar nicht deswegen unseriös ist, weil es dort genannt wird. Das Salutogenesekonzept von Antonovsky ist z.B. ein seriöses gesundheitswissenschaftliches Konzept, das nichts mit morphischen Feldern oder Biophotonen oder Astrologie zu tun hat. Wie es im Studiengang interpretiert wird, weiß man natürlich nicht. Ich bin auch nicht dagegen, dass man sich an einer Universität unkonventionelle Methoden ansieht und – kritisch – untersucht, Wissenschaft ist schließlich keine Dogmenexegese. Bei der Masterarbeit zum Kozyrev-Spiegel muss man aber keine Diskussion führen, was ist wissenschaftlich, was nicht, die Sache ist eindeutig.

  19. echt?
    25. April 2012, 09:12 | #19

    Im Beirat sitzen ein Astrologe und „Prof.“ Dr. Börnert. Das sagt alles.

    Grüßt echt?

  20. Ponder
    25. April 2012, 13:22 | #20

    Hier gibt es noch einen kritischen Bericht von Sbastian Hermann, Süddeutsche Zeitung, der gut zusammenfasst, wo der Hase im Pfeffer liegt:

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/studiengang-komplementaere-medizin-immer-mehr-spinner-1.994002-2

    Doch in diesem Falle geschieht dies unter dem Siegel einer öffentlichen Hochschule. Das wertet obskuren Unsinn unnötig auf. Die Universität Viadrina tut sich sicher auch keinen Gefallen, esoterische Inhalte mit dem eigenen Namen zu verknüpfen. „Wir beobachten das genau“, sagt Universitätskanzler Christian Zens, „im Stiftungsrat und im Ministerium wurde der Studiengang kontrovers diskutiert.“

    Unter den Lehrbeauftragten sind einige namhafte und seriöse Mediziner, etwa der Medizinhistoriker Paul Unschuld, der Chirurg Bernd Hontschik aus dem Vorstand der Thure von Uexküll Akademie für Integrierte Medizin oder Ellis Huber, der ehemalige Vorsitzende der Berliner Ärztekammer. Auch ihre Namen werten seltsame Lehrinhalte aus der esoterischen Ecke auf – zugleich entwertet das Umfeld, in dem sie arbeiten, ihre eigene Arbeit.

    Zitiert wird in diesem Artikel übrigens auch der o.g. Marco Bischoff:

    …Der zweijährige Studiengang an der Viadrina richtet sich vor allem an Ärzte, Apotheker und Psychotherapeuten. Ziel des Studiengangs sei „die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten, die das (schul)medizinische Wissen und Können sinnvoll ergänzen und die geisteswissenschaftlichen Wurzeln der Medizin und Heilkunde betonen“, heißt es auf der Website der Universität.

    „Es gibt einen großen Bedarf nach Fortbildung für Ärzte in alternativer Medizin“, sagt der Lehrbeauftragte Marco Bischof, der in der Zeitschrift Esotera etwa über „Elektronische Magie“ geschrieben hat. Einen Teil dieses Bedarfs deckt nun das Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften, das den Studiengang anbietet. Etwa 40 Studenten pro Jahrgang zahlen je 10.000 Euro Studiengebühren – die Ausbildung finanziere sich komplett über diese Beiträge, sagt Bischof.

    Teil des Curriculums sind unter anderem Naturheilverfahren oder die umstrittene Homöopathie. Ziel sei es, so Bischof, den Studenten die alternativen Heilmethoden und Therapien so zu vermitteln, dass diese von ihnen selbst angewandt werden können. Im Rahmen des Studiums ist etwa die Ausbildung zum Klangtherapeuten möglich…

    Marco Bischoff selbst ist übrigens ein direktes Bindeglied zwischen Walachs Studiengang und dem „Global Scaling“- Gestrüpp:

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Marco_Bischof

  21. Hans
    25. April 2012, 13:25 | #21

    Also, laut Esowatch-Wiki wurde die Masterarbeit von Pater Conrad in einem newsletter der Europa-Universität Viadrina (9/2011) als „hervorragend“ gelobt. Zitat:

    ..KMKH: Erste Absolventen und Masterarbeiten des Studiengangs
    35 Studierende des ersten Jahrgangs 2009 haben nun ihr Studium abgeschlossen und Masterarbeiten geschrieben…Auch hervorragende experimentelle Arbeiten waren darunter wie die von Herrn Conrad, der in einem selbstkonzipierten Experiment die Hypothesen Kosyrevs überprüft hat…Wir werden die Autoren der Arbeiten ermutigen, diese in der wissenschaftlichen Literatur zu publizieren. Möglicherweise werden wir sogar eine eigene Reihe herausgeben.[14]

    Verantwortlich für die Redaktion des INTRAG-newsletter war Gutachter Harald Walach.[15]

    Quellen:

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Harald_Walach
    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Kozyrev-Spiegel

  22. excanwahn
    25. April 2012, 16:52 | #22

    Harald Walach hat in einem Interview gesagt, dass es in seinem Wissenschaftverständnis keine inhaltlichen Diskussionen, sondern nur methodische Fragen gibt.

    Bei einem solchen Sichtweise wundert einen nichts mehr.

  23. 25. April 2012, 16:56 | #23

    Joseph Kuhn:
    [quote]
    Das Salutogenesekonzept von Antonovsky ist z.B. ein seriöses gesundheitswissenschaftliches Konzept,
    [/quote]
    .
    WIE BITTE !?????????????????????????????????
    ========================================

    Antonovsky ist derjenige, der KZs und Nazidreck hochjubelt!
    ========================================

    Anonovsky und Salutogenese, das ist das Letzte vom Letzten!
    ========================================

    http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=5571.0
    ========================================

  24. Ponder
    25. April 2012, 17:10 | #24

    @ ama:

    Auch wer Antonovskys salutogenetischem Ansatz

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Salutogenese_nach_Antonovsky

    was abgewinnen kann – in diesem Fall Herr Kuhn – sollte sich sich durch dem psychologisch geschickt gewählten Aufmacher in Bischoffs Arbeit nicht den Blick vernebeln lassen für den eigentlichen Duktus dieser (auch als Druckerzeugnis erhältlichen) Publikation:

    …Bischof hält diesen aber vorläufig und mit der heutigen Ärzteschaft für nicht realisierbar, da diese vor allem “am eigenen Machterhalt und an der Kontrolle des Gesundheitsmarktes” interessiert sei.[8]

    Zum “gesundheitswissenschaftlichen PARADIGMENWECHSEL” – eine von Anhängern der Alternativmedizin häufiger benutzte Phrase – schreibt Bischof auch über die “Beiträge der Naturwissenschaften”.

    Dazu zählt er pseudowissenschaftliche Konzepte wie morphogenetische Felder, Kosmobiologie (eine Art Astrologie, von der sich die Befürworter der Kosmobiologie allerdings abzugrenzen versuchen) und Biophotonen.

    Bei den BIOPHOTONEN beruft er sich hauptsächlich auf eigene Texte. Auch die Quantentheorie solle “ein ganzheitliches und salutogenetisches Bild von Leben, Mensch und Gesundheit stützen”.

    Bischof schreibt dabei im Sinne einer Quantenmystik von “Fernwirkungen bisher unbekannter Natur, […] die alles mit allem verbinden und die Grundlage für die nahtlose Ganzheit der Realität sind” usw…

    Zu Biophotonen:

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Biophotonen

  25. Ponder
    25. April 2012, 17:38 | #25

    Zu Marco Bischof, Global Scaling-Befürworter und als Dozent an Modulen des Masterstudiengang Komplementärmedizin beteiligt:

    …Diese komplementäre Gesundheitskultur hat sich von unten
    her, aus dem Kreis der Nutzer und der nichtärztlichen Therapeuten und Berater heraus, entwickelt und hat sich bisher auch selbstregulierend, ohne staatliche Eingriffe organisiert.

    Andritzky bestätigte auch unseren Befund, dass Fragen der Gesundheit von Wertefragen und weltanschaulichen Fragen nicht mehr getrennt werden können und von den Teilnehmern des komplementären Gesundheitsmarkts als zusammenhängend empfunden werden.

    Obwohl es unter ihnen sicherlich auch fragwürdige Erscheinungen gibt, muss in diesem Zusammenhang die allgemeine Tendenz der Neuen Religiösen Bewegungen als positives Zeichen einer neuen Autonomie und Selbstregulation in weltanschaulichen Dingen betrachtet werden (Bischof 2003).

    Wie dies schon länger in politischen Angelegenheiten der Fall ist, kann man
    in der gegenwärtigen Gesellschaft eine Tendenz zum kritischen und selbstbestimmten Umgang mit weltanschaulichen und religiösen Haltungen und Überzeugungen beobachten; das gleiche gilt für Angelegenheiten
    der Gesundheit und Lebensführung (Ray & Anderson 2000).

    Aus diesem Grund konnte sich eine weitverbreitete und reich diversifizierte komplementäre Gesundheitskultur entwickeln und behaupten, die längst aus dem Nischendasein herausgetreten ist.

    In der dadurch notwendig gewordenen Professionalisierung der komplementären,
    nichtärztlichen Gesundheitsberufe und der Entwicklung von professionellen Standards und einer Qualitätskontrolle sollte das Prinzip der Selbstregulation
    beherzigt werden, das ein zentrales Merkmal der Salutogenese
    und des komplementären Gesundheitsmarkts ist.

    So wie der menschliche Organismus eine selbsttätige Tendenz zur ständigen Selbstregulation und Selbstheilung besitzt, auf die zu vertrauen und die zu unterstützen das Grundprinzip salutogenetischen Vorbeugens und Heilens ist, so sollte sich auch die komplementäre Gesundheitskultur selbstregulierend organisieren können…

    …Marco Bischof ist freischaffender Wissenschaftsautor und Berater
    für Grenzgebiete von Geistes- und Naturwissenschaften.

    Veröffentlichungen u. a.:

    „Biophotonen – Das Licht in unseren Zellen“, Zweitausendeins 1995,

    „Tachyonen, Orgonenergie, Skalarwellen“, AT-Verlag 2002,

    „Unsere Seele kann fliegen“, Verlag im Waldgut 1985/Drachen Verlag 2008,

    http://www.marcobischof.com.

    http://www.freie-gesundheitsberufe.de/download/Salutogenese-Marco%20Bischof%20KK%20157.pdf

  26. 25. April 2012, 19:47 | #26

    @ama

    Nichts für ungut, aber das ist etwas jenseitig. Aaron Antonovsky war in der amerikanischen Armee, er hat in Israel gelebt, er hat mit KZ-Opfern gearbeitet. KZs und Nazis hochjubeln und Antonovsky: Das passt einfach nicht. Ich nehme an, einen Beleg dafür haben Sie auch nicht?

  1. 7. Mai 2012, 22:52 | #1