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Penelope Dingles Krebstod und eine Abmahnung gegen Kritiker

Wieder ein mal eine grausliche Geschichte. Keine neue, eigentlich eine alte. Aber durch den Versuch, Kritiker mundtot zu machen, gewinnt sie erneut an Brisanz.

Bei der Australierin Penelope Dingle war 2003 Darmkrebs mit guter Überlebenschance diagnostiziert worden aber sie entschied, auch ihre klassische Homöopathin Francine Scrayen zu konsultieren. Diese riet ihr von jedweder medizinischer Behandlung ab:

But, you told me,
“I shouldn’t be saying this to you. I’m going out on a limb. But classical homeopathy will cure you.”
You told me, however, that I must use the homeopathy alone, or you would be unable to prescribe your treatment accurately.

Dieses Zitat stammt aus einem offenen Brief von Penelope Dingle an Francine Scrayen, in dem sie ihre Enttäuschung, ihre Wut, ihre Verzweiflung ausdrückte. 7 Monate „behandelte“ die Homöopathin Frau Dingle, bevor diese nicht mehr konnte. Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch zu spät, am 25. August 2005 verstarb Penelope Dingle an Krebs.

Der Text ist sehr beklemmend, geschrieben von einer Frau, die ihr Schicksal voll Klarheit erkannt hat:

My prognosis is very poor. Statistically, I am not expected to live more than 2 – 4 years. With the sort of metastatic spread I had during your treatment, and the fact that more lymphs were affected, I am not expected to survive for long.

Fast jeder Satz ist erschütternd:

Had I waited another 48 hours as you instructed me, for the remedy to work and “for the stop to go,” I would have died. The surgeon said I could not have survived another 48 hours, which means I would have died on Monday October 13, 2003.

Und dann ist da natürlich die Fassungslosigkeit über das Verhalten der Francine Scrayen:

I must now address the fact that you have not apologised. Nor assumed any responsibility, despite the terrible consequences of your treatments.
You know me to have a forgiving nature when I am placed in a position to forgive. But acts of injustice and cowardice I abhor.

Besonders erschreckend an dem Brief ist die ruhige Aufzählung von Fakten, der sachliche Ton, in dem er geschrieben ist, die Emotionen sind klar formuliert und logisch ausgedrückt. Fast abgehoben, keine rasende Wut, eher eine kalte.

Der Gerichtsmediziner, der den Fall untersuchte, fand ebenso klare Worte. Auch zu Penelope Dingles Umfeld und anderen alternativen Ärzten, die die Kranke mit Vitamin-C Infusionen versorgen wollten.

Soviel zum Fall an sich.

Der skeptische Blogger Dan Buzzard hat das Thema in seinem Blog dokumentiert, man findet dort auch den Bericht des Leichenbeschauers und weitere Informationen. Zuletzt hat er über die Klage der Schwester von Frau Dingle berichtet, was wohl Frau Scrayen nicht geschmeckt hat. Sie fühlt sich beleidigt und hat ihm eine Unterlassungserklärung geschickt.

Man muss sich diese Chuzpe einmal vorstellen. Da berät man eine Frau über Monate falsch, falsch, falsch und bringt sie ins Grab. Und jemand, der darüber berichtet, will man zum stillschweigen verdammen, weil man sich beleidigt fühlt.

Da bleibt man fassungslos zurück. Francine Scrayen hat ca. 30.000$ für ihre Behandlung kassiert, ihre Patientin damit in ein vorzeitiges Grab gebracht, keinerlei Reue gezeigt und statt sich vor Scham zu verkriechen, klagt sie jetzt auch noch gegen Kritiker?

Erbärmlich.

Homöopathie ist ja meist nur wert- und sinnlos (dafür teuer), da die entsprechenden Praktiker genau wissen, dass sie sich nicht über echte Krankheiten drüber trauen dürfen. Aber Fälle wie dieser verursachen richtigen Brechreiz.

  1. Peter
    9. April 2012, 12:58 | #1

    Traurige Realität, danke für den Post. Wo kann man wissenschaftliche Untersuchungen zur Homöopathie finden?

  2. timo
    9. April 2012, 13:26 | #2
  3. YorkTown
    9. April 2012, 13:50 | #3

    @Timo: Danke, super Link! Darryl Cunningham ist toll.

    @Peter:
    Die Studienlage ist klar, mehr als 100 Studien konnten keinen Beweis für die Wirksamkeit nachweisen (über Placebo hinaus natürlich).

    In unserem Wiki-Artikel findet man einiges zur nicht vorhandenen Wissenschaftlichkeit:
    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Hom%C3%B6opathie

    oder auch in der Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathie#Kritik_an_der_Hom.C3.B6opathie

    Auch lesenswert ein aktueller Artikel von Prof. Ernst zur Homöopathie:
    http://www.guardian.co.uk/science/blog/2012/apr/03/homeopathy-why-i-changed-my-mind

  4. BSR
    9. April 2012, 14:20 | #4

    ..
    soweit braucht man garnicht gehen. aktuell im ratgeber-news-blog bin ich auf folgenden spiegelartikel aufmerksam geworden, einen erschütternden tatsachenbericht. Textauszug:
    “ ….. Diagnose Brusttumor. Gibt es da eine Alternative zu OP und Chemotherapie? Eine Patientin aus Zürich wechselt, irregeleitet von falschen Versprechen, vier Jahre lang von einem Kurpfuscher zum anderen. Die Geschichte einer Odyssee.
    An einem Montag vor dreieinhalb Jahren kroch Renate Mulofwa(*) das erste Mal zu Kreuze. „Ich schaffe es nicht mehr“, sagte sie zur Gynäkologin Angela Kuck und entblößte ihre Brust. „So was Schlimmes haben Sie bestimmt noch nie gesehen!“ Vor Scham brach sie in Tränen aus.

    Drei Tage zuvor war der sie behandelnde Naturarzt vor Schreck zurückgesprungen, als ihm das Blut im Strahl entgegenschoss. Die Geschwulst war groß wie eine Grapefruit und beulte sich hervor, als wollte sie aus der Brust springen. Der Tumor hatte die Haut zerfressen; was von ihr übriggeblieben war, bezeichnet Mulofwa als „Gletscherlandschaft“.
    Renate Mulofwa war damals 47 und wusste seit knapp zwei Jahren, dass sie an Brustkrebs litt. Sie hatte sich nie operieren lassen wollen. Eine Frau, die immer zur Mammografie gegangen war, seit sie im Alter von 28 das erste Mal eine Verhärtung ertastet hatte. Eine Frau, die ihre drei Kinder impfen und ihnen Antibiotika verschreiben ließ, wenn sie krank waren. Sie hatte nie etwas gegen die Schulmedizin gehabt……“

    Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84162355.html

  5. Anita
    9. April 2012, 17:08 | #5

    Nein, das Schlimme an Homoepathie ist, dass in Deutschland Hebammen, die einem in der Zeit des Lebens, in der man am beeinflussbarsten und verunsichertsten ist, so eine Scheisse andrehen wollen und versuchen, einen anzufixen.

  6. 9. April 2012, 18:25 | #6

    Die Hebammenzunft ist sowieso ein großes Problem. Ich möchte gar nicht anfangen, darüber zu berichten, was ich an medizinischer Nachlässigkeit und bewußtem Inkaufnehmen von Schäden bei Kind und Mutter zugunsten einer „natürlichen Geburt“ alles im beruflichen Rahmen erlebt habe.

    Bei der Geburt meiner ersten Tochter wurde nur Kügelchenmedizin betrieben, dabei wurde eine schwere Dehydratation meiner Frau, die sie später intensivpflichtig werden lies, „übersehen“, und der Narkosearzt hatte zum PDA-Legen natürlich nie Zeit, und als er sie hatte, war es laut Hebammen zu spät. Ich könnte mich heute noch ohrfeigen, das ich das Hebammenpack nicht zusammengeschissen habe, aber beim ersten Geburtserlebnis ist man wie unter einem Schleier.

    Manche Hebammen legen eine derartige Aggressivität zutage, das sich vor allem unerfahrenere Frauen- und Kinderärzte kaum mehr in die Kreissäle trauen. Geschweige denn, das blaue und nicht atmende Kind gegen den Willen der Bonding-Fanatiker direkt nach Geburt zu übernehmen.

    Bei meinem 2.Kind habe ich dann erfreulicherweise erlebt, das es auch anders geht: eine hochkompetente, einfühlsame und großartig mit dem sonstigen Personal zusammenarbeitende Hebamme. Schade, das so etwas eher die Ausnahme zu sein scheint.

  7. 10. April 2012, 17:37 | #7

    Die Sache ist um einiges größer. Die stinkt wie die Hölle. Peter Dingle, der Ehemann der verstorben Penelope Dingle, war in Australien landesweit bekannt durch Funk und Fernsehen. Weil er dort, in Funk und Fernsehen, Reklame und Indoktrination für esoterischen Müll betrieben hat! Penelope Dingle war auch nicht unbekannt gewesen.

    Drei Monate nach dem qualvollen Tod seiner Frau war Peter Dingle schon mit einer neuen Frau zusammen…

    http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=7523.0

  8. Dan
    19. April 2012, 14:57 | #8

    Ich fände es wichtig homoöphatische „Arzneimittel“ sowie Bachblüten und Schüsslesaltze dort zu verkaufen zu lassen wo sie hin gehören: in einem Esoterikladen. Denn wenn solche Mittel in der Apotheke verkauft werden, suggerieren sie ein verrifiziertes, sicher wirkendes Arzneimittel zu sein, was sie aber definitiv und nachweislich nicht sind. Eine Wirkung über dem Placeboefeckt hinaus konnte in sehr umfangreichen Studien nicht bewiesen werden. Alle diese drei Mittel basieren auf einer esotherischen Philosophie und nicht auf einer wissenschaftliche Prüfung, wie es für jedes anderes, in der Apotheke verkäufliches Mittel, verpflichtenden ist.
    Um Schäden bei der Bevölkerung zu verhindern gehören diese Mittel (eigentlich jetzt schon rechtlich verpflichtend) aus den Apotheken verbannt.

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