Home > Plastikschamanen > Christa Schaffrick – „Heilen“ unter falschem Namen und ohne Ausbildung

Christa Schaffrick – „Heilen“ unter falschem Namen und ohne Ausbildung

8. Dezember 2012

Wir sind ja von unseren „üblichen Verdächtigen“ einiges gewohnt, aber nur wenige gehen so konsequent daneben vor wie Frau Schaffrick, die sich seit Jahren als angebliche Indianerin und Medizinfrau geriert und es mit ihrer Masche auch schon in diverse Talkshows geschafft hat, u.a. zum notorischen Eso-Fliege und zu Maischberger.

Laut ihrer Legende will Schaffrick die Witwe eines Crow-Medizinmanns sein, mit dem sie „in der Prärie“ gewohnt habe und der sie die Heilmethoden seines Volkes gelehrt haben soll. In Presseartikeln (wie z.B. in der Allgäuer Zeitung) lässt sie sich auch gerne als Indianerin und sogar Stammesmitglied darstellen. Die angebliche Geschichte ihrer eigenen Heilung und Lehrzeit stellt Schaffrick auch bei ihren Medienauftritten dar, wenn sich die Legende auch im Laufe der Zeit – sagen wir mal: entwickelt hat.

Christa Schaffrick bei Maischberger; Foto: KPA
„Christa Schaffrick bei Maischberger; Foto: KPA“

Gerade erst am 5.12.2012 durfte Schaffrick sich im Rundfunk bei Bayern2 promoten. Der Sender stellt dazu einen Text online, der im Großen und Ganzen der üblichen Legende von Schaffrick entspricht. Bis auf ein Detail – hier heißt es zur angeblichen Ausbildung bei Tom Yellowtail: „Ohne es zu wissen, bildet er sie in seiner Heilkunst aus.“ Interessant. Deutlicher kann man es kaum sagen, dass die praktizierten Methoden bestenfalls auf Kulturdiebstahl beruhen – sowie natürlich auf Fantasie und Erfindung und einer guten Prise Esoterik (z.B. die von ihr verteilten „Heilsteine“).

Nichts an der plakativen Legende und deren Varianten entspricht jedoch den Fakten. Die Familie des verstorbenen Tom Yellowtail erklärt, dass Schaffrick niemals mit ihrem Vater bzw. Großvater verheiratet war oder auch nur eine Beziehung hatte – noch weniger gab dieser ihr irgendwelche Lehren weiter. Die Familie Yellowtail ist seit Jahren entsetzt und empört, dass das Andenken ihres Angehörigen und der gute Name der Familie von Schaffrick benutzt und beschädigt wird.

Ferner wäre Schaffrick auch durch eine Verheiratung mit einem eingetragenen Stammesmitglied nicht auch selbst in die Crow Nation aufgenommen worden. Dass sie sich dennoch in den Medien als „Indianerin“ bezeichnen lässt, dient allein der Geschäftsförderung. Bei Indianern, die treffsichere Kommentare sehr schätzen, heißen diese Damen übrigens „Indian by injection“.

Frau Schaffrick tritt seit Jahren öffentlich unter dem Namen „Schaffrick-Yellowtail“ oder auch nur unter „Yellowtail“ auf, also unter falschem Namen. Dass sie weiterhin „Patienten“ annimmt und diesen Heilung in Aussicht stellt, macht es nicht besser – Frau Schaffrick verfügt offenbar weder über eine medizinische Ausbildung noch über eine Heilpraktikererlaubnis. Dessen ungeachtet widmet sie sich nicht nur zahlreichen Patienten, sondern bildet auch noch „Schüler“ in ihren Methoden aus. Legal, illegal, …

Vielleicht interessiert es bei den Ermittlungsbehörden, dass hier jemand seit Jahren illegal als Heilerin tätig ist und unter falschem Namen auftritt.

  1. Abe
    8. Dezember 2012, 01:48 | #1

    Was zur Hölle soll denn „Kulturdiebstahl“ sein? Als wären irgendwelche primitiven Riten Eigentum einer ominösen ‚Kultur‘. Es ist doch völlig egal, ob sich dieses Bleichgesicht einbildet, Indianerin zu sein oder es anerkanntermaßen ist – was würde das an der dummen Vorstellung von angeblicher indianischer Heilkunst ändern. Nur weil sich die amerikanischen Ureingeborenen selbst rassifizieren (was noch halbwegs zweckrational nachvollziehbar ist: gesonderte rechtliche Stellung etc.), verstehe ich nicht, was es daran ändern würde, wäre diese gelangweilte Kartoffel rechtlich tatsächlich „Indianerin“.

  2. Antitainment
    8. Dezember 2012, 02:28 | #2

    @Abe
    Bei einer rein medizinischen Betrachtung ist es tatsächlich vollkommen egal, ob der nichtfunktionierende Humbug nun in- oder ausländisch ist.
    Es geht bei dem Phänomen allerdings nicht ausschließlich um den reinen Aspekt der Pseudomedizin sondern darum, dass sich jemand an einer kulturellen Identität bereichert, die er gar nicht hat und sie auf diesem Wege verzerrt und falsch wiedergibt.
    Siehe hier
    https://www.psiram.com/de/index.php/Plastikschamane

    Daher finde ich die Umschreibung „Kulturdiebstahl“ gar nicht so unpassend und manche Riten sind nun mal eindeutig einer Kultur zuzuordnen, völlig unabhängig von der Bewertung.
    Somit ist das auf vielen Ebenen falsch und reichlich abstoßend.
    (Leider gibt es das Phänomen nicht nur im Bezug auf indigene Völker und so tauchen neben Plastikschamanen auch Kostümjuden auf und eins haben sie dann alle gemein – Sie ziehen Kulturen in den Dreck und sind rassistisch)

    P.S.
    Im übrigen finde ich die Begrifflichkeiten wie „rassifizieren“, „Kartoffel“ und „Bleichgesicht“ in dem Zusammenhang reichlich albern. Falls das ein besonders entspanntes und über den Dingen stehendes Non-pc-Bild ergeben soll, so ist das für meine Begriffe ein wenig in die Hose gegangen…sorry.

  3. Mephisto
    8. Dezember 2012, 02:32 | #3

    @Abe
    Stell‘ Dich doch bitte nicht naiver als Du bist. Der „Kulturdiebstahl“ bezieht sich im Text doch gar nicht auf die Frage ob die Dame sich zu Recht als Indianerin bezeichnet oder nicht, sondern auf die, ob sie in der „indianischen Heilkunst“ (was auch immer darunter zu verstehen ist) ausgebildet wurde, oder sich nur irgendwas abgeguckt (gestohlen) hat oder überhaupt nur irgendetwas aus der Luft gegriffenes behauptet.

    Dass sie behauptet Mitglied eines Indianerstammes zu sein, obwohl das offensichtlich nicht der Fall ist, ist zumindest insofern relevant, als dass es zeigt wie genau es die Dame mit der Wahrheit nimmt.

  4. Hans
    8. Dezember 2012, 13:40 | #4

    Könntet ihr vielleicht ein paar eurer Quellen zu euren Behauptungen verlinken? Die ersten paar Dutzend Googletreffer sind nur Lobhudeleien.

  5. gesine
    8. Dezember 2012, 13:48 | #5

    Schönen Dank, Hans, Du nimmst mir das Wort aus dem Mund.
    Es sollte selbstverständlich sein, die zum Texten verwendeten Quellen zu referenzieren.

  6. Statistiker
    8. Dezember 2012, 14:24 | #6

    Hört doch auf, Euch mit dem AB zu beschäftigen. Stänker wie diesen gibt es überall, ob als Webbär oder wie er sich hier nennt, eben AB. Trolls sollte man nicht füttern…..

  7. Abe
    9. Dezember 2012, 02:39 | #7

    Anhand des analogen Beispiels der Kostümjüdin, sehe ich den Unterschied ja ein, ob man sich seine Biographie nur erfindet oder ob man ‚tatsächlich‘ diese Biographie durchlaufen hat. Was in dem Artikel aber fehlt – und darauf wollte ich hinaus -, ist eben jener Hinweis auf das kulturalistisch-rassistische Bedürfnis nach Ursprünglichkeit und Authentizität. Der Hinweis darauf, warum solche ‚Kostüme‘ Erfolg versprechen; die rassistische Projektion des edlen Wilden, der noch ganz erdverbunden den Kontakt zu ursprünglichen Heilungsritualen hat. Und nur dafür spielt es eben eine Rolle, ob sie nach best. Formen der Anerkennung nun tatsächlich ‚Indianerin‘ ist oder nicht. Bezeichnungen wie ‚Bleichgesicht‘ und ‚Kartoffel‘ persiflieren dieses Bedürfnis (so viel Sinn für Ironie darf man den Lesern schon zutrauen), Rassifizierung ist hingegen ein bitter-ernst gemeinter Begriff, denn nichts anderes stellt dieses Spektakel mit der ‚Indianerwerdung‘ dar. So wohl sie selbst als auch ihre Außenzuschreibung funktioniert rassistisch. Und eben auch die Einschätzung, ob sie sich ‚zu Recht‘ Indianerin nennen darf. Wie bereits geschrieben: Das spielt für tatsächliche Nachkommen indigener Ureinwohner eine Rolle (besondere juristische Formen der Anerkennung), da sie dies auf zweck-rationaler Ebene für sich nutzbar machen können, nach einer langen Geschichte der Duskriminierung; aber man ist sich hier hoffentlich einig, das das Ideal wäre, es bedürfe dieses Sonderstatus nicht mehr, weil die ethnische Herkunft einfach völlig irrelevant ist.

  8. Thies
    9. Dezember 2012, 14:08 | #8

    auch ich würde mal ganz gerne ein paar Belege für die oben aufgeführten Behauptungen sehen.

  9. Ano Nym
    9. Dezember 2012, 14:47 | #9

    @Abe Bekannte Fälle mit ethnisch oder geographisch fern liegender neuer Gruppenidentität:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Lea_Rosh#Name
    „Lea Rosh trat im Alter von 18 Jahren aus der evangelischen Kirche aus und nannte sich seit dieser Zeit nicht mehr Edith, sondern Lea. […] In ihrer Geburtsurkunde ist der Name Edith Renate Ursula Rosh eingetragen.

    Rosh klagte […] wegen einer Aussage […] der amerikanischen Autorin Ruth Gay, dass sie eine entsprechend engagierte Nichtjüdin sei, die sich mit dem Vornamen Lea einen „jüdisch klingenden Namen“ zugelegt habe, hatte jedoch damit keinen Erfolg.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Takeo_Ischi
    „Dann sang er selbst bei seinem Idol Franzl Lang vor, der ihn unter seine Fittiche nahm und in die Sendung „Früh übt sich“ mit Maria Hellwig brachte. Danach wurde er im deutschsprachigen Raum als „jodelnder Japaner“ bekannt.“

    http://www.jazzthetik.de/jazz/branford-marsalis-metamorphosen.html
    „Wenn man Marsalis zum europäischen Jazz befragte, bestand er schon mal darauf, dass Jazz ohne schwarze Traditionen, also ohne Blues, ohne die Erinnerung an Sklaverei und Diskriminierung eben, kein echter Jazz sein könne.“

    Auf mich wirken Lea Rosh, Takeo Ischi und der euroäische Jazz authentisch gejüdelt, gejodelt bzw. gejazzt.

  10. The Doctor
    10. Dezember 2012, 11:53 | #10

    „Indian by injection“ – einfach grossartig! ROFL

  11. Garrett
    10. Dezember 2012, 15:02 | #11

    Der Spruch ist in der Tat lustig – aber „Indianern, die treffsichere Kommentare sehr schätzen“ scheint mir dann doch ein Stereotyp zu sein, wie ich es hier lieber nicht lesen müssen würde.

  12. ajki
    10. Dezember 2012, 17:18 | #12

    Hinsichtlich der hier fehlenden/ausgelassenen Links zu diversen Angaben und weiteren Nebenuntersuchungen findet man auf der Seite NAFPS (New Age Frauds & Plastic Shamans) ein Forum mit einem thread zu diesem Thema (der vermutlich auch Grundlage dieses Artikels ist). Dort sind zumindest mal etliche Quellen als Links angegeben:

    http://www.newagefraud.org/smf/index.php?topic=3899.0

  13. stupidman
    18. Dezember 2012, 12:08 | #13

    Die Geschichte dieser Frau hinkt doch von vorn bis hinten.

    http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/eins-zu-eins-der-talk/christa-schaffrik-yellowtail-104.html

    1988 mit 47 will sie Yellowtail kennengelernt haben, passenderweise am 8.8..

    1990 also mit 49 (das sagt sie in dem Talk) nach ihrem Verkehrsunfall soll er sie dann zu sich geholt haben.

    „Christa, get organized and come home“

    An ihrem 50. Geburtstag wo sie dann ein Paar gewesen sein sollen, will er ihr eröffnet haben, daß sein Ableben unmittelbar bevor steht:

    und ihrem 50. Geburtstag, als ihr Mann ihr eröffnet, dass er bald sterben wird.

    Nach dieser Quelle hat sich Manitu aber noch 3 Jahre (Nov. 1993) damit Zeit gelassen:
    http://www.gaestehaus-rita.de/de/indianisches-heilwissen
    Zu diesem Zeitpunkt will sie ja schon wieder in Germany gewesen sein, um seine geschäfstüchtige Vision der indianischen Heilkräfte hier umzusetzen^^

    1990 – 93 sind für mich gerade mal knapp 4 Jahre wo Yellowtail sie „ausgebildet“ haben will. Immerhin 1 Jahr mehr als der gemeine Heilpraktiker 😉

  14. Karla
    13. Februar 2013, 11:25 | #14

    @ ajki
    Die „etlichen Quellen“ auf der Seite sind alle Quellen von Schaffrik selbst oder ihren Schülern. Diese zeigen, dass sie nicht in der Tradition der Crow steht, da sie Elemente aus Fernost und Newage mit einbezieht. Ok.

    Zu den Aussagen der Familie gibt es keine Belege, abgesehen von einem Kommentar im Forum von earthw7, der behauptet, mit der Familie Yellowtail gesprochen zu haben. Ist das ein Beweis? Alles andere basiert auf:
    „NAFPS has received information that this part of Schaffrick’s legend is not based on facts…“ und
    „According to information NAFPS obtained, all the claims made by Schaffrick are not based on facts…“
    Wo sind da die Belege?

Kommentare sind geschlossen